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# Wien, Theater an der Wien, Euryanthe - Carl Maria von Weber, IOCO Kritik, 11.01.2019
- URL: https://www.ioco.de/wien-theater-an-der-wien-euryanthe-carl-maria-von-weber-ioco-kritik-11-01-2019/
- Published: 2019-01-11T08:00:21.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:51:31.000Z
- Author: Marcus Haimerl
- Tags: Oper & Operette, Premiere, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Premieren, Wien

![theater_an_der_wien.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/theater_an_der_wien.jpg "Theater an der Wien")

[Theater an der Wien](https://www.theater-wien.at/?ref=ioco.de)

![Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/12/theater-an-der-wien-linke-wienzeile-c-ioco.jpg)

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

***Euryanthe* \- Carl Maria von Weber** 

***Weber und "die Einführung des Übernatürlichen"***

von **Marcus Haimerl**

Häufig findet sich **Carl Maria von Webers** große heroisch-romantische Oper ***Euryanthe*** nicht auf den Spielplänen der Opernhäuser. Als Ursache betrachtet man gerne das Libretto der Schriftstellerin Helmina von Chézy, die Weber aus dem Dresdner *„Liederkreis“* kannte, in welchem bereits der Librettist des ***Freischütz,* Johann Friedrich Kind,** Mitglied war. Nach dem Erfolg des ***Freischütz*** war **Weber** als Komponist in aller Munde und so war das Auftragswerk des **Wiener Kärntnertortheaters** auch keine Überraschung.

Allerdings litt er auch unter dem großen Erfolg des ***Freischütz***. Aus gutem Grund musste er annehmen, dass von ihm Wiederauflagen der volkstümlichen Nummern seiner Erfolgsoper erwartet wurden: *„Die Erwartungen der Masse sind durch den wunderbaren Erfolg des *Freischützen* bis zum Unmöglichen ins Blaue hinauf gewirbelt; und nun kommt das einfach ernste Werk, das nichts als Wahrheit des Ausdrucks, der Leidenschaft und Charakterzeichnung sucht, und alle der mannigfachen Abwechslung und Anregungsmittel seines Vorgängers entbehrt.“* (**Weber** in einem Brief an **Franz Danzi,** 13.02.1824). Mit diesem einfachen Werk meinte Weber seine Oper ***Euryanthe***.

![Theater an der Wien / Euryanthe - hier :  Jacquelyn Wagner als Euryanthe und Theresa Kronthaler als Eglantine © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/01/03_euryanthe_monika-rittershaus-neu.jpg)

Theater an der Wien / Euryanthe - hier : Jacquelyn Wagner als Euryanthe und Theresa Kronthaler als Eglantine © Monika Rittershaus

Als Vorlage für das Libretto diente **Helmina von Chézy** eine altfranzösische Ritterlegende aus dem 12\. Jahrhunderts, welche **Shakespeare** bereits in seiner ***Cymbeline*** nach einer Novelle aus **Boccaccios *Decamerone*** verwendete. **Weber** wies den Rat **Ludwig Tiecks** nach einer realistischen Handlungsführung zurück und bestand gegenüber **Helmina von Gézy** auf die Einführung des Übernatürlichen.

Die zu Unrecht beschuldigte ***Euryanthe,*** Opfer einer Männerwette zwischen ihrem Verlobten ***Adolar*** und dem bösen ***Lysiart,*** ist der Motor der Handlung. Jedoch ist nicht wie in der Vorlage die Kenntnis eines Körpermals, heimlich im Bade beobachtet, das Beweisstück. ***Emma,*** die Schwester **Adolars** beging einst aus Gram über den Tod ihres Ehemanns Selbstmord. Wegen dieser Todsünde kann ihre Seele keine Ruhe finden, bis nicht ihr tödlicher Giftring mit den Tränen einer verfolgten Unschuld genetzt wird. Dies Geheimnis, an die heimtückische **Eglantine** verraten, löst das Drama aus. Denn diese stiehlt den Ring aus der Grabkammer und wird von ***Lysiart*** beobachtet. Da dieser bei ***Euryanthe*** mit seinen Verführungsversuchen gescheitert ist, verbünden sich **Eglantine** und ***Lysiart*** zu einem Liebespaar aus Rache. Da sich ***Euryanthe*** gegen die falschen Anschuldigungen ***Lysiarts*** nicht wehrt, führt ***Adolar,*** nun seiner gesamten Güter und Titel verlustig, seine Verlobte in den Tod. Als diese ihn vor einer Schlange zu retten versucht, lässt er ***Euryanthe*** allein im Wald zurück. Der ***König*** findet die junge Frau und diese offenbart ihm die zuvor verschwiegene Wahrheit. Während der Vorbereitungen von ***Lysiarts*** und ***Eglantines*** Hochzeit auf ***Adolars*** Schloss, gesteht **Eglantine**, der in einem Anfall von Wahnsinn ***Emma*** erscheint, dem König die Wahrheit. **Lysiart** ersticht die Wahnsinnige und wird selbst als Mörder verhaftet. ***Euryanthe*** und ***Adolar*** finden wieder zueinander und weil ihre Tränen den Ring benetzt haben, findet **Emmas** Seele ihren Frieden.

![Theater an der Wien / Euryanthe - hier :  Jacquelyn Wagner als Euryanthe, Theresa Kronthaler als Eglantine, Andrew Foster-Williams als Lysiart, Norman Reinhardt als Adolar © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/01/07_euryanthe_monika-rittershaus-neu.jpg)

Theater an der Wien / Euryanthe - hier : Jacquelyn Wagner als Euryanthe, Theresa Kronthaler als Eglantine, Andrew Foster-Williams als Lysiart, Norman Reinhardt als Adolar © Monika Rittershaus

Das **Theater an der Wien** holte nunmehr diese kaum gespielte Oper als Neuproduktion zurück in die Stadt der Uraufführung und beweist mit der Besetzung, dass **Webers** Werk durchaus spielbar ist. **Constantin Trinks** leitet das **ORF Radio-Symphonieorchester** Wien facettenreich mit großer Leidenschaft und weiß die Dramatik der Musik von **Weber,** die an mancher Stelle schon **Wagner** erahnen lässt, voll auszukosten.

**Christof Loy** verzichtet in seiner Inszenierung auf Mittelalter, Ritter oder gar Übernatürliches, ebenso auf Romantik und setzt ganz auf zwischenmenschliche Beziehungen und Personenführung. Ein weißer, sich trichterförmig nach hinten verengender Raum, mit einem Klavier, einem Bett und ein paar Stühlen ist die ganze Ausstattung (Bühne: **Johannes Leiacker**). Der sterile weiße Bühnenraum mit dem Bett am Bühnenrand erinnert dabei schon etwas an eine Heilstätte. Und Heilung sucht nicht nur die Seele der armen **Emma.** In diesem geschlossenen Bühnenraum reduziert   **Loy** die Romantik zu einem Kammerspiel zwischen den handelnden Figuren und zeigt**,** dass die handlungstreibenden Gefühle

,

enttäuschter Liebe, Rache und Erlösung, Allgemeingültigkeit besitzen.

![Theater an der Wien / Euryanthe - hier :  Theresa Kronthaler als Eglantine, Andrew Foster-Williams als Lysiart © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/01/15_euryanthe_monika-rittershaus-neu.jpg)

Theater an der Wien / Euryanthe - hier : Theresa Kronthaler als Eglantine, Andrew Foster-Williams als Lysiart © Monika Rittershaus

**Jacquelyn Wagner** verkörpert die Titelfigur ***Euryanthe*** perfekt. Atemberaubend meistert sie die lyrischen Passagen mit ihrem ausdrucksstarken Sopran und überzeugt auch in glaubwürdiger Rollengestaltung. Mit durchschlagskräftigem Mezzosopran und packender Darstellung beherrscht **Theresa Kronthaler** die Bühne in der Partie der ***Eglantine.*** Mit seinem großen durchwegs dramatischen Bariton beweist **Andrew Foster-Williams** höchstes musikalisches Können als hinterlistiger ***Lysiart.*** Für seinen Körpereinsatz, er singt die Arie *„Wo berg‘ ich mich“* zu Beginn des zweiten Aktes völlig unbekleidet, muss man dem Sänger zusätzlich hohen Respekt zollen. Der amerikanischeTenor **Norman Reinhardt** überzeugt mit strahlendem, höhensicherem Tenor in der Partie des ***Adolar.*** Beeindruckend auch **Stefan Cerny** der mit seinem schönen, dunklen Bass die Partie des ***Königs*** glaubhaft gestaltet. Auf höchstem musikalischen Niveau agiert auch der **Arnold Schoenberg Chor.**

Mit dieser Produktion bewies das **Theater an der Wien** erneut, dass man sich nicht nur gefahrlos den vergessenen Werken der Opernliteratur widmen, sondern damit auch noch Erfolg haben kann.

***Euryanthe*** im **Theater an der Wien:** Zur Zeit sind keine weiteren Vorstellungen geplant

\---| IOCO Kritik Theater an der Wien |---