> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Wien, Theater an der Wien, Der Ring - In ungewohnter Gestaltung, IOCO Kritik, 09.01.2018
- URL: https://www.ioco.de/wien-theater-an-der-wien-der-ring-in-ungewohnter-gestaltung-ioco-kritik-09-01-2018/
- Published: 2018-01-09T08:00:58.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:43:07.000Z
- Author: Marcus Haimerl
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Karten, Wien

![theater_an_der_wien.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/theater_an_der_wien.jpg "Theater an der Wien")

[Theater an der Wien](https://www.theater-wien.at/?ref=ioco.de)

![Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/12/theater-an-der-wien-linke-wienzeile-c-ioco.jpg "Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO")

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

# **Neuartige Ring-Trilogie:   *Hagen – Siegfried - Brünnhilde***

**Ohne Götter - Ohne Feuerzauber - Ohne Walkürenritt**

Von **Marcus Haimerl**

Im **Theater an der Wien** wurde, im wahrsten Sinne des Wortes, ein neuer ***Ring*** geschmiedet. **Richard Wagners *Ring des Nibelungen*** wurde auf drei aufeinander folgende Abende gekürzt, verbliebene Szenen völlig neu zusammengesetzt. Die Schöpfer dieser Ring Fassung - ***nach Richard Wagner*** \- sind **Tatjana Gürbaca** (Inszenierung), **Constantin Trinks** (musikalische Leitung) und **Bettina Auer** (Dramaturgie. Das Bühnenbild stammt von **Henrik Ahr.**

Die Idee: nachzuspüren wie es zur Ermordung **Siegfrieds** kam. Die Spurensuche erfolgt aus der Sicht der drei Beteiligten: ***Hagen*** dem Mörder, ***Siegfried*** dem Opfer und ***Brünnhilde*** der Initiatorin des Mordes. Ausgehend vom Mord an ***Siegfried,*** welcher an jedem der drei Abende zu Beginn der Oper steht, kehrt man zurück in der Erinnerung dieser drei handelnden Personen und hört damit auch Musik aus jeweils zwei Werken des ***Rings.*** In ***Hagen*** ist dies ***Götterdämmerung*** und ***Rheingold,*** in **Siegfried** ist es die **Walküre** und ***Siegfried*** und in ***Brünnhilde Walküre*** und **Götterdämmerung.**

![ Theater an der Wien / Ring - Trilogie nach Richard Wagner - hier vl Mirella Hagen - Woglinde, Ann-Beth Solvang - Flosshilde, Raehann Bryce- Davis - Wellgunde, hinten Martin Winkler als Alberich, Niklas Schönhofer als Hagen © Herwig Prammer](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/01/hagen-neu.jpg " Theater an der Wien / Ring - Trilogie nach Richard Wagner - hier vl Mirella Hagen - Woglinde, Ann-Beth Solvang - Flosshilde, Raehann Bryce- Davis - Wellgunde, hinten Martin Winkler als Alberich, Niklas Schönhofer als Hagen © Herwig Prammer")

Theater an der Wien / Ring - Trilogie nach Richard Wagner - hier vl Mirella Hagen - Woglinde, Ann-Beth Solvang - Flosshilde, Raehann Bryce- Davis - Wellgunde, hinten Martin Winkler als Alberich, Niklas Schönhofer als Hagen © Herwig Prammer

**Erster Abend -   *Hagen***

Ausgehend von ***Siegfrieds*** Ermordung kehrt die Handlung zurück an den Beginn von ***Rheingold.*** Der kleine ***Hagen*** (hier wurde seine Geburt wohl vorverlegt) wird Zeuge der Demütigungen ***Alberichs*** in einem Schlammbecken durch die Rheintöchter, in dieser Produktion Prostituierte. ***Alberich*** stiehlt das ***Rheingold.*** Da es auch kein Walhall, keine Götter oder Riesen gibt, tauchen auch gleich Wotan und Loge in Nibelheim auf. Mit dem Tarnhelm (zwei Kuhhörner) verwandelt er sich in einem Riesenwurm. Hier helfen die als Nibelungen verkleideten Rheintöchter und vollführen gemeinsam mit ***Alberich*** eine Stellung, die dem Kamasutra entnommen scheint. Bei der Verwandlung zur Kröte lässt ***Alberich*** einfach die Hosen runter und wackelt ein wenig mit dem Gesäß, ein Zusammenhang mit einer Kröte lässt sich hier nicht finden. Da ***Wotan*** in seinem Anzug und Auftreten einem Mafioso ähnelt, wird ***Alberich*** dann sogleich brutal gefoltert um an den Ring zu gelangen (hier handelt es sich um einen Schlagring) wird kurzerhand Alberichs Arm abgesägt. Schließlich geht es wieder zurück in die Götterdämmerung. Hagen bereitet den Mannen-Chor, offensichtlich Schuljungen in kurzen Hosen, die ständig dumm über die Bühne zappeln, auf die Rückkehr ***Gunters*** und ***Siegfrieds*** vor. Der erste Abend endet schließlich mit dem zweiten Akt der ***Götterdämmerung.***

![Theater an der Wien / Ring - Trilogie nach Richard Wagner - hier Daniel Brenna als Siegfried erschlaegt Mime (Marcel Beekman) © Herwig Prammer](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/01/siegfried-neu.jpg "Theater an der Wien / Ring - Trilogie nach Richard Wagner - hier Daniel Brenna als Siegfried erschlaegt Mime (Marcel Beekman) © Herwig Prammer")

Theater an der Wien / Ring - Trilogie nach Richard Wagner - hier Daniel Brenna als Siegfried erschlaegt Mime (Marcel Beekman) © Herwig Prammer

**Zweiter Abend - *Siegfried***

Nach der Szene von ***Siegfrieds*** Ermordung setzt die Handlung beim ersten Ak***t Siegfried*** ein. Wenn Siegfried nach seiner Herkunft fragt, wechselt die Szene zum ersten Akt der ***Walküre.*** **Hundings** Hütte sieht ein wenig nach Neubauwohnung aus, eine Esche sucht man hier vergebens. Vermutlich deshalb, weil ***Sieglinde*** erst bei ihrer Erzählung Notung das Brotmesser in das Sofa stößt. Schließlich muss der Zuseher ***Siegfried*** noch mitansehen, wie sein Vater ***Siegmund*** im Kampf Brotmesser gegen ***Hundings*** Holzkeule schließlich von Wotans Speer gefällt wird. Nun kehrt man zurück zur Handlung von ***Siegfried***. Dieser klebt das Brotmesser mit Klebeband zusammen und gemeinsam mit Mime macht er sich zu Fafners Höhle auf, wo auch schon der Waldvogel, eine Obdachlose mit Plastiksäcken auf beide wartet. Fafner, er sieht ebenfalls wie ein betrunkener Obdachloser mit Kuhhörnern am Kopf aus, wird schließlich von ***Siegfried*** getötet. Nachdem er sich auch Mimes entledigt hat, trifft sich Siegfried mit Wotan am Picknicktisch, wo ein Modell des ***Bühnenbilds*** verbrannt wird, bevor sich Siegfried aufmacht ***Brünnhilde*** zu erwecken. Mit dem Finale ***Siegfried*** endet auch der zweite Abend.

![Theater an der Wien / Ring - Trilogie nach Richard Wagner - hier Daniel Brenna als Siegfried und Brünnhilde © Herwig Prammer](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/01/bruennhillde-neu.jpg "Theater an der Wien / Ring - Trilogie nach Richard Wagner - hier Daniel Brenna als Siegfried und Brünnhilde © Herwig Prammer")

Theater an der Wien / Ring - Trilogie nach Richard Wagner - hier Daniel Brenna als Siegfried und Brünnhilde © Herwig Prammer

**Dritter Abend - *Brünnhilde***

Der dritte Abend beginnt, nach Siegfrieds Ermordung, mit **Wotans** Abschied von seiner Lieblingstochter Brünnhilde. Auf den ***Feuerzauber*** muss man jedoch hier verzichten. Als Übergang zurück zur **Götterdämmerung** hört man das Vor- und Zwischenspiel. Nachdem Waltraute ihre Schwester warnen konnte, ist auch schon **Gunter/Siegfried** zur Stelle um ***Brünnhilde*** abzuholen. Schließlich erlebt man erneut die Ankunft ***Gunters*** und **Brünnhildens** in der Gibichungenhalle. Der dritte Abend endet schließlich mit dem kompletten dritten Akt der ***Götterdämmerung.*** Das vorherrschende Bühnenbild an allen drei Abenden war ein trapezförmiger Kubus in der Mitte der Bühne. Hier wird der erschlagene ***Siegfried*** auf einem Seziertisch aufgebahrt, ***Wotan*** wird im Rollstuhl hineingeschoben und ***Gutrune,*** die **Rheintöchter** und ***Brünnhilde*** versammeln sich. Anstatt des finalen Weltenbrandes dreht sich der Kubus schließlich in die Bühnentiefe und der kleine Hagen und das Mädchen **Brünnhilde** reichen einander in einem Goldregen die Hand.

Die Idee und das Konzept zu diesem gekürzten und neugestaltetem ***Ring des Nibelungen*** auch im Hinblick auf kleinere Theater kann man durchaus als gelungen bezeichnen. Allerdings, wer den ***Ring*** nicht kennt, wird Schwierigkeiten haben der Handlung zu folgen und dem Kenner wird sich hier auch nichts Neues erschließen.

Die Regie von **Tatjana Gürbaca** bedient sich in der Klamottenkiste des Regietheaters. Es finden sich hier immer wieder Zitate aus anderen Regiearbeiten. Dafür wurde bei der Entwicklung der Personen gespart. Vor allem ***Siegfried*** bleibt bis zu seinem Tod ein dummer, naiver Junge. Wenn sich aber Brünnhilde während ihres Schlussgesanges, kurz vor dem nicht stattfindenden Weltenbrand, berührend von ***Wotan*** verabschiedet, einer Umkehr von ***Wotans*** Abschied aus ***Brünnhilde*** also, werden auch intensive und berührende Momente dieser Regiearbeit sichtbar.

![Theater an der Wien / Ring - Trilogie - hier Brünnhilde nach Richard Wagner © Herwig Prammer](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/01/bruennhildeb1150550_cmykneu.jpg "Theater an der Wien / Ring - Trilogie - hier Brünnhilde nach Richard Wagner © Herwig Prammer")

Theater an der Wien / Ring - Trilogie - hier Brünnhilde nach Richard Wagner © Herwig Prammer

Auch für die Sänger ist diese Produktion kein leichtes Unterfangen. **Ingela Brimberg** steht als ***Brünnhilde*** an allen drei aufeinanderfolgenden Abenden auf der Bühne und **Daniel Brenna** hat innerhalb von 24 Stunden sowohl Jung-***Siegfried*** als auch den Götterdämmerungs-***Siegfried*** zu singen. Trotz dieser Herausforderungen meistern beide ihre Partien tadellos. **Ingela Brimberg** kann mit ihrem kraftvollen, höhensicheren Sopran als **Brünnhilde** überzeugen.

Die Neufassung dieses Rings, die weitgehend auf Götter und Riesen verzichtet, macht ***Wotan*** leider nur zu einer Randfigur. Umso beeindruckender, was der griechische Bariton **Aris Argiris** aus dieser Rolle herausholt. Vor allem in seiner großen Abschiedsszene mit **Brünnhilde** singt er mit großem, kräftigen Bariton einen intensiven und unglaublich berührenden, sehr eindrucksvollen Göttervater mit sehr schöner Diktion. Eine phänomenale Leistung auch der ***Alberich*** **Martin Winklers.** Er gibt alles und geht an stimmliche Grenzen um den Alben glaubhaft zu verkörpern.

**Samuel Youn** ist ein durchaus beeindruckender Wagner-Bass und singt einen dämonischen ***Hagen***, wie man ihn eher selten zu hören bekommt. **Marcel Beekman** singt ***Mime*** beinahe zu schön und **Michael J. Scott** als quirliger, hinterhältiger ***Loge*** ist eine Klasse für sich. Der junge isländische Bariton **Kristján Jóhannesson** verfügt über einen starken, durchsetzungsfähigen Bariton und ist ein beeindruckender ***Gunter.* Daniel Johansson** singt einen erstklassigen Siegmund ohne Mühe, **Liene Kinca** war sowohl als ***Gutrune*** als auch als ***Sieglinde*** zu erleben und meisterte die beiden Partien nahezu problemlos. Als Hunding war **Stefan Kocan** zu erleben. Krankheitsbedingt stellte der slowakische Bass die Partie auf der Bühne dar, den Gesang übernahm **Samuel Youn** bravourös, der diese Partie am selben Tag noch einstudiert hatte. Als ***Rheintöchter*** agierten **Mirella Hagen,** **Raehann Bryce-Davis** und **Ann-Beth Solvang.** **Mirella Hagen** war auch als **Waldvogel** und **Ann-Beth Solvang** als ***Waltraute*** zu erleben. **Constantin Trinks** trieb, als erfahrener Wagner-Dirigent, das ORF Radio-Symphonieorchester Wien zu Höchstleistungen an.

Am Ende jedes Abends standen ungeteilter Jubel seitens des Publikums für das Ensemble. Die Umformung von **Richard Wagners** gewohnt bekanntem ***Ring des Nibelungen*** in die andersartige Wiener **Ring-Trilogie* "nach Richard Wagner"* ist ein in vielen Facetten unerwartetes wie forderndes Abenteuer, auf welche sich der Besucher einstellen muß.