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# Wien, Peterskirche,  Oper in der Krypta - Wiener Blut, IOCO Kritik, 20.06.2017
- URL: https://www.ioco.de/wien-peterskirche-oper-in-der-krypta-wiener-blut-ioco-kritik-16-06-2017/
- Published: 2017-06-20T06:00:19.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:39:30.000Z
- Author: Marcus Haimerl
- Tags: Kritiken, Richard Strauss, Wien

![Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/06/peterskirche-wien-foto-jaroschmeu.jpg " Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO")

Peterskirche im 1\. Bezirk von Wien © IOCO

[Peterskirche Wien](http://www.peterskirche.at/home/?ref=ioco.de)

# ***Wiener Blut* von Johann Strauss**

**Libretto von Victor Leon und Leo Stein**

Von **Marcus Haimerl**

![Grabmal Johann Strauss Sohn und seiner Frau Adele in Wien © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/06/johann-strauss-sohnneuneu.jpg "Grabmal Johann Strauss Sohn und seiner Frau Adele in Wien © IOCO")

Grabmal Johann Strauss Sohn und seiner Frau Adele in Wien © IOCO

Im Alter von 74 Jahren, gesundheitlich angeschlagen, sah sich **Johann Strauss** außerstande dem Wunsch des Theaterdirektors **Franz Jauner** und seiner dritten Ehefrau **Adele** nach einer neuen Operette nachzukommen. Mit seinem Einverständnis kreierte **Adolf Müller jun.** aus bereits vorliegenden Tanzmelodien eine Operette unter dem Namen **Johann Strauss,** das Textbuch stammte von **Victor Leon** und **Leo Stein.** Das musikalische Material reicht zurück bis in die 1860er Jahre und enthält unter anderem die Walzer ***Morgenblätter*** (1864), ***Wein, Weib und Gesang*** (1869), den titelgebenden Walzer ***Wiener Blut*** (1873) und die Schnellpolka ***Leichtes Blut*** (1867). Zwar wurde dadurch die Homogenität des Stils wie in den anderen Strauss-Operetten nicht ganz erreicht, jedoch hat **Adolf Müller jun.** die Originalinstrumentation beibehalten und in den entsprechenden Klangfarben nur dezente Überleitungen geschrieben. Seinem bühnensicheren Spürsinn bei der Auswahl der Tänze ist es zu verdanken, dass dieses letzte Bühnenwerk **Johann Strauss‘** trotz einer flauen Uraufführung am 26\. Oktober 1899 im Wiener **Carltheater** dennoch seinen Siegeszug auf deutschen Bühnen antreten konnte.

![Peterskirche Wien / Oper in der Krypta - Wiener Blut Ensemble © Marcus Haimerl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/06/wiener-blut-ensembleneu.jpg "Peterskirche Wien / Oper in der Krypta - Wiener Blut Ensemble © Marcus Haimerl")

Peterskirche Wien / Oper in der Krypta - Wiener Blut Ensemble © Marcus Haimerl

**Wiener Blut** handelt von **Graf Balduin Zedlau,** dem Gesandten von ***Reuß-Schleiz-Greiz,*** der seiner Wiener Gattin ***Gabriele*** zu spießig ist. Ihm fehlt das *„Wiener Blut“.* Sie zieht auf das Schloss ihrer Eltern, **Graf Zedlau** beginnt eine Affäre mit der schönen **Franziska Cagliari,** Tänzerin am **Kärntnertor-Theater** und lebt mit ihr in seiner Villa. Zum Wiener *„Hallodri“* umerzogen, wirft er auch ein Auge auf die Freundin seines Kammerdieners **Josef („Pepi“),** die Probiermamsell ***Pepi Pleininger.* *Gabriele*** erfährt vom Treiben ihres Mannes und kehrt neugierig in die Villa zurück. Nach vielen turbulenten Verwechslungen treffen sich alle beim Heurigen in Hietzing (*Draust‘ in Hietzing gibt’s a Remasuri*). **Gabriele** wird vom Vorgesetzten ihres Mannes Premierminister ***Fürst Ybbsheim-Gindelsbach*** geleitet, ***Balduin*** mit der Probiermamsell **Pepi Pleininger** und Kammerdiener ***Josef*** mit ***Franzi Cagliari.*** Es endet alles mit einem Happy End: **Balduin** kehrt zu **Gabriele** zurück, **Josef** macht ***Pepi*** zu seiner Braut und der Premierminister ist von ***Franzi*** so entzückt, dass er ihr einen Kontrakt für das **Hoftheater** von **Reuß-Greiz-Schleinz** anbietet, der mit Hilfe von **Franzis** Vater, dem Karussellbesitzer ***Kagler,*** sogar in einem Heiratsantrag mündet. Champagner hat’s verschuldet heißt es in der Fledermaus. In diesem Fall liegt die Schuld am ***Wiener Blut*** ("*Wiener Blut,Wiener Blut! Eig’ner Saft, Voller Kraft, Voller Glut. Wiener Blut, selt’nes Gut, Du erhebst, Du belebst unser’n Mut*!")

![Peterskirche Wien / Oper in der Krypta - Wiener Blut - Christian Graf als Josef der Kammerdiener, Martin Eder als Kellner © Marcus Haimerl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/06/christian-graf-josef-der-kammerdiener-martin-eder-kellnerneu.jpg "Peterskirche Wien / Oper in der Krypta - Wiener Blut - Christian Graf als Josef der Kammerdiener, Martin Eder als Kellner © Marcus Haimerl")

Peterskirche Wien / Oper in der Krypta - Wiener Blut - Christian Graf als Josef der Kammerdiener, Martin Eder als Kellner © Marcus Haimerl

Das Ensemble ***Oper@Tee,*** eine Institution in Sachen Operette, gestaltete diese Ur-Wiener-Operette für ***Oper in der Krypta***. **Max Buchleitner,** selbst Bariton, übernahm die Regie. Dank seiner klugen Personenführung bewegt sich das gesamte Ensemble auf der kleinen Spielfläche nicht nur anmutig im Dreivierteltakt, sondern auch die darstellerischen Höchstleistungen kommen hier nicht zu kurz. Sehr beeindruckend auch das Bühnenbild von **Georg Weiland.** Begrenzt wird die Bühne durch drei Türrahmen, welche in jedem Akt anders gestaltet sind und im letzten Akt als Gartenlauben beim Heurigen in Hietzing dienen. Im zweiten Akt ziert auch ein Kristallluster die Räumlichkeiten bei der Vernissage und auch die Gartenlauben sind mit bunten Lichtern geschmückt.

Die musikalische Leitung lag beim Wiener Pianisten **Maximilian Schamschula,** der neben dem richtigen Takt, auch für ein ganz besonderes Klangerlebnis sorgte. Hans-Jörg Gaugelhofer überzeugt in der Rolle des Grafen Balduin Zedlau mit klarem Tenor, großer Wortdeutlichkeit und munterer Darstellung. Besuchern der Kinderoper in der Krypta ist der junge Tenor als ***Tamino*** in der ***Zauberflöte*** ebenso vertraut wie als ***Eduard*** in **Der Diamant des Geisterkönigs.** Seit 2015 ist er auch Mitglied im Vokalensemble am **Wiener Burgtheater** (in der Produktion Antigone). Als seine Gattin ***Gabriele*** konnte **Ellen Halikiopoulos** mit ihrem ausdrucksvollen, starken Sopran gleichermaßen begeistern. Die vielseitige Künstlerin ist in der Krypta unter anderem als **Rosalinde** in ***Die Fledermaus,*** als **Pamina** in ***Zauberflöte für Kinder*** oder ***Der Diamant des Geisterkönigs*** zu erleben, feiert aber auch international Erfolge in Operetten wie **Der Opernball** oder **Ein Walzertraum** oder der **Mutter Gertrud** in **Humperdincks *Hänsel und Gretel.*** Eine Klasse für sich ist der Wiener Bassist **Michael Weiland** in der Partie des Fürsten ***Ybbsheim-Gindelsbach.*** Mit authentischem, preußischem Dialekt, großer Portion Humor, halsbrecherischem Körpereinsatz und ungeheurer Spielfreude konnte er das Publikum ebenso mitreißen wie mit seiner kräftigen, wohltönenden Bassstimme. Ihm ebenbürtig ist **Alice Waginger** als Tänzerin **Franziska Cagliari.** Die Koloratursoubrette besticht mit klarer, agiler Höhe und schöner, stabiler Mittellage und eroberte mit ihrem grandiosen Wiener Dialekt die Herzen des Publikums im Sturm. Das Repertoire der Wiener Sopranistin erstreckt sich von Operette (Adele in ***Die Fledermaus***) über Oper (Despina in ***Così fan tutte***) bis hin zu Liedern von **Richard Strauss.**

![Peterskirche Wien / Oper in der Krypta - Wiener Blut - Alica Waginger, Michael Weiland, Ellen Halikiopoulos, Hans-Jörg Gaugelhofer, Elisabeth Jahrmann, Christian Graf © Marcus Haimerl](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/06/Alica-Waginger-Michael-Weiland-Ellen-Halikiopoulos-Hans-J%C3%B6rg-Gaugelhofer-Elisabeth-Jahrmann-Christian-GrafNEU.jpg "Peterskirche Wien / Oper in der Krypta - Wiener Blut - Alica Waginger, Michael Weiland, Ellen Halikiopoulos, Hans-Jörg Gaugelhofer, Elisabeth Jahrmann, Christian Graf © Marcus Haimerl")

Peterskirche Wien / Oper in der Krypta - Wiener Blut - Alica Waginger, Michael Weiland, Ellen Halikiopoulos, Hans-Jörg Gaugelhofer, Elisabeth Jahrmann, Christian Graf © Marcus Haimerl

In der Partie der ***Pepi Pleininger*** ist die aus Linz gebürtige Koloratursopranistin **Elisabeth Jahrmann** das Ideal des einfältigen, liebenswerten Wiener Mädels. Nicht nur das Spiel und die Wiener Mundart, auch ihr markanter, schön geführter Sopran wissen zu überzeugen. **Christian Graf** beweist als ***Kammerdiener Josef*** nicht nur komödiantisches Talent, auch sein schlanker, sehr beweglicher Tenor sind pures Vergnügen. Als Karussellbesitzer ***Kargel*** brilliert **Philipp Landgraf.** Spätestens beim Wienerlied "*Geht’s und verkauft‘s mein G’wand"* im dritten Akt lässt der Wiener Bariton Heurigengefühl und Operettenseligkeit aufkommen. Mit drei kleinen Rollen (Fürst Bitowski/ein Kutscher/ ein Kellner) beweist der Bariton **Martin Eder,** dass er neben Sakralmusik auch im leichteren Fach mehr als nur eine gute Figur macht.

Das gesamte Ensemble sorgte für eine gehörige Portion Leichtigkeit und Humor und bewies, dass Operette immer noch funktionieren kann. Das Publikum, und nicht alle verfügten über Wiener Blut, dankten mit entsprechenden Beifall und Jubel. Man kann schon auf die nächste Produktion in der Krypta der **Peterskirche**, ***Der Bettelstudent,***  gespannt sein.