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# Wien, Oper in der Krypta, Rigoletto - Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 25.04.2019
- URL: https://www.ioco.de/wien-oper-in-der-krypta-rigoletto-giuseppe-verdi-ioco-kritik-25-04-2019/
- Published: 2019-04-24T15:00:20.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:54:27.000Z
- Author: Marcus Haimerl
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, richard wagner, shakespeare, giuseppe verdi, Verdi, Wien

![ Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/06/peterskirche-wien-foto-jaroschmeu.jpg)

Peterskirche im 1\. Bezirk von Wien © IOCO

[Peterskirche Wien](http://www.peterskirche.at/home/?ref=ioco.de)

# ***Rigoletto - Giuseppe Verdi*** 

***\- hautnah in der Krypta der Wiener Peterskirche -*** 

von **Marcus Haimerl**

**Giuseppe Verdis *Rigoletto*** erlebte in der Wiener Peterskirche, in der **Oper in der Krypta** eine fulminante Premiere. Das Libretto von **Francesco Maria Piave** orientiert sich an **Victor Hugos** 1832 in der Comédie-Française uraufgeführten Versdrama ***Le roi s’amuse.*** 1851 wurde ***Rigoletto*** im **Teatro la Fenice** in Venedig uraufgeführt und war bereits ein Jahr später in einer deutschen Übersetzung von **Johann Christoph Grünbaum** in Wien zu erleben.

In einer klugen Regie des künstlerischen Leiters von ***Oper in der Krypta,*** **Joel Wolcott,** konnte man tief unter der **Wiener Peterskirche *Rigoletto*** hautnah erleben. Für die szenische Umsetzung bedurfte es nicht viel. Das Bühnenbild besteht aus mehreren Holzkuben, die, immer wieder neu arrangiert, völlig neue Kulissen ergeben. Mit nur wenigen Handgriffen wird aus dem Thron im Palast des **Herzog von Mantua** die Fassade von Rigolettos Haus - von ***Rigoletto*** unmissverständlich vor ***Gilda*** aufgebaut- oder aber die Eingangstüre zu **Sparafuciles** Spelunke. Mit Umbauten, die psychologisch motiviert in die Handlung eingebaut waren, ergänzten sie eher die Handlung, als sie zu unterbrechen und ersetzten die für Rigoletto so beliebte Drehbühne ideal.

![Oper in der Krypta Wien / Rigoletto - hier : Florian Pejrimovsky (Rigoletto) - Emi Nakamura (Maddalena) - Sergio Tallo-Torres (Duca) © Marcus Haimerl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/04/florian-pejrimovsky-rigoletto-emi-nakamura-maddalena-sergio-tallo-torres-duca-c-marcus-haimerlneu.jpg)

Oper in der Krypta Wien / Rigoletto - hier : Florian Pejrimovsky (Rigoletto) - Emi Nakamura (Maddalena) - Sergio Tallo-Torres (Duca) © Marcus Haimerl

Dies gab Raum, sich vollkommen mit **Joel Wolcotts** exzellenter, dichter Personenführung auseinanderzusetzen, die eine einfühlsame Auseinandersetzung mit der psychologischen Seite des Werks bietet. Auch die Ausstattung steht im Dienst des Erzählens von Seelenzuständen. Mit nur zwei Nicht-Farben, schwarz und weiß, wird klar ersichtlich, dass Liebe und Güte selten sind am schwarz gekleideten Hof des ***Herzog von Mantua.*** Rigoletto in seinem schwarz-weißen Narrenkostüm schwankt zwischen den Welten, während ***Gilda, Rigolettos*** Tochter, in strahlend weißer Reinheit ein Einzelfall inmitten der düsteren Umgebung ist. Als der ***Herzog von Mantua*** (in weißem Cape) sie verführt, überreicht er ihr einen schwarzen Schal, und sie verliert das weiße Taschentuch ihrer Mutter. Wenn ***Gilda*** schließlich die Gemächer des Herzogs verlässt, ist ihr Unterrock unter dem weißen Kleid schwarz – das junge Mädchen hat endgültig ihre Unschuld verloren. Auch ***Gildas*** Tod ist vermenschlicht und wird dadurch noch berührender. Zwar betritt sie energisch die Gaststube **Sparafuciles,** bekommt es aber schließlich doch mit der Angst zu tun und versucht zu fliehen, ehe der Auftragsmörder ihrer habhaft werden kann. Durch dieses ehrliche Verhalten gewinnt diese Szene unglaublich an Stärke.

In der Titelpartie erlebt man den aus Wien stammenden Bassbariton **Florian Pejrimovsky,** der dem Publikum der Krypta bereits aus vielen anderen Partien ein Begriff ist. Ob als gefeierter ***Scarpia*** in **Puccinis *Tosca,* *Gefängnisdirektor Frank*** in **Strauss‘ *Die Fledermaus*** oder als ***Colline*** in ***La Bohème***, **Pejrimovsky** versteht es stets, sein Publikum in den Bann zu ziehen. Sein Debüt als ***Rigoletto*** ist hier keine Ausnahme. Obgleich ein noch sehr junger ***Rigoletto,*** beeindruckt er mit seiner reifen Stimmfarbe und Stimmgewalt. Sein "*Quel vecchio maledivami"* lässt niemanden kalt und seine große Arie *"Cortigiani, vil razza dannata"* wird zu einem explosiven Ausbruch des Leidens. Er ringt mit berührender Vaterliebe verzweifelt um das einzige Licht in seinem Leben und entkommt doch nicht seiner Rolle als verbitterter Hofnarr und Zyniker. Die Schlichtheit und Aufrichtigkeit, mit der er die Figur zum Leben erweckte, bestrickte und überzeugte weitaus mehr, als alle zustützliche Exzentrik es gekonnt hätte.

Die in Südkorea geborene **Jay Yang** gestaltet die Partie der **Gilda** mit einem schönen, glasklaren Sopran scheinbar mühelos. Die gefragte Belcanto-Spezialistin - bei ***Oper in der Krypta*** bereits als Elvira in **Vincenzo Bellinis *I Puritani*** oder ***Lucia*** in **Donizettis *Lucia di Lammermoor*** gefeiert - beeindruckt mit schmelzenden Piani und zierlicher Phrasierung. Spätestens mit der überirdisch schön gesungenen, anspruchsvollen Arie „Caro nome che il mio cor“ gibt es im Publikum kein Halten mehr.

Der spanische Tenor **Sergio Tallo-Torres,** verkörpert die Partie des ***Duca di Mantova*** mit großer Verve und zeigt auch dessen uncharmante Seiten mit viel Gespür auf. Er zeigt in seinen großen Arien (*„Questo e quella*“ und *„La donna è mobile“*) neben technischem Können und unfehlbaren Spitzentönen vor allem seine große Musikalität und wurde vom Publikum dafür mit Applaus überschüttet. Auch **Daniel Bäumer** überzeugt mit seinem kräftigen, sonoren Bass in der Rolle des ***Sparafucile*** und zeigt in seiner Gestaltung die Komplexität dieses Charakters. Die Entdeckung des Abends ist die japanische Mezzosopranistin **Emi Nakamura** in der Partie der ***Maddalena.*** Mit ihrem unglaublich vollen, warmen Mezzo kann sie das Publikum ebenso verführen, wie in ihrer unglaublich intensiven Rollengestaltung. Aktuell erlebt man die Künstlerin, auch als ***Suzuki*** in **Puccinis *Madama Butterfly.***

![Oper in der Krypta Wien / Rigoletto - hier : Sergio Tallo-Torres (Duca) - Calon Danner (Borsa) - Christoper Michael Kelley (Marullo) © Marcus Haimerl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/04/sergio-tallo-torres-duca-calon-danner-borsa-christoper-michael-kelley-marullo-c-marcus-haimerlneu.jpg)

Oper in der Krypta Wien / Rigoletto - hier : Sergio Tallo-Torres (Duca) - Calon Danner (Borsa) - Christoper Michael Kelley (Marullo) © Marcus Haimerl

Eine weitere Sensation des Abends ist das Trio ***Marullo* (Christopher Michael Kelley**), ***Borsa* (Calon Danner**) und ***Conte di Ceprano* (Ivo Kovrigar**). Trotz der Tragik dieses Werks gelingt es den drei Herren, unter der feinen Klinge des Regisseurs eine angemessene Portion Humor in die Produktion zu bringen. Der Bariton **Christopher Michael Kelley** überzeugte das Publikum der Krypta bereits als fulminanter **Leporello *(Don Giovanni,* Mozar**t) und in zahlreichen anderen Rollen, und bringt auch in dieser kleinen Rolle sein untrügliches Gespür für Emotionen und ungeheures schauspielerisches Talent ein. Der österreichische Tenor **Calon Danner** weiß das Publikum mit seinem schönen Tenor ebenso zu überzeugen, wie mit seiner intensiven Darstellung. Intensive Bühnenpräsenz zeigt auch der junge Bariton **Ivo Kovrigar,** der dieses wunderbare Trio hervorragend ergänzt. **Michael Pinsker** ist als düster fluchender Grafe von ***Monterone*** eindrucksvoll. In der Doppelrolle der **Contessa di Cepreano** und ***Giovanna,*** der Gesellschafterin ***Gildas,*** debütierte die serbische Sopranistin **Djurdjica Gojkovic** in ihrer ersten Solopartie in der Krypta der **Peterskirche.**

Die musikalische Leitung lag in den Händen der koreanisch-amerikanischen Pianistin **Victoria Choi,** die nicht nur den Sängern eine hervorragende Begleiterin war, sondern auch schon im Vorspiel ihr Können als Solistin unter Beweis stellen konnte.

*Alles in allem war schafften die Künstler von *Oper in der Krypta* erneut einen sehens- und hörenswerten Publikumshit, welcher noch viele Male das Haus füllen dürfte.*

\---| IOCO Kritik Oper in der Krypta |---