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# Wien, Oper in der Krypta, Il Trovatore - Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 21.03.2022
- URL: https://www.ioco.de/wien-oper-in-der-krypta-il-travatore-giuseppe-verdi-ioco-kritik-21-03-2022/
- Published: 2022-03-21T19:00:41.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:09:34.000Z
- Author: Marcus Haimerl
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Fidelio, Wien

![ Peterskirche / im 1. Bezirk von Wien © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/06/peterskirche-wien-foto-jaroschmeu.jpg)

Peterskirche / im 1\. Bezirk von Wien © IOCO

[Peterskirche Wien](http://www.peterskirche.at/home/?ref=ioco.de)

# ***Il Trovatore* \- Giuseppe Verdi**

*Oper in der Krypta* \- Ein Wiener Kultur-Juwel für schöne Abende

von **Marcus Haimerl**

Mit der Premiere von **Giuseppe Verdis *Il Trovatore*** nimmt sich ***Oper in der Krypta*** nicht nur eines Werkes an, welches seit fast drei Jahrzehnten an der **Wiener Staatsoper** kaum gespielt wird, sondern vielmehr ist es dem Ensemble auch gelungen, alle drei Werke von **Verdis** Erfolgstrias in der Krypta der Wiener Peterskirche zur Aufführung zu bringen (***IOCO*** berichtete**[ über *La Traviata* ](https://www.ioco.de/wien-oper-in-der-krypta-la-traviata-giuseppe-verdi-ioco-kritik-28-04-2018/)**und **[*Rigoletto, links HIER!*](https://www.ioco.de/wien-oper-in-der-krypta-rigoletto-giuseppe-verdi-ioco-kritik-25-04-2019/)**).

***Il Trovatore*** wurde 1853 im Teatro Argentino in Rom uraufgeführt. Grundlage für das Libretto von **Salvatore Cammarano**, welches nach seinem Tod von **Leone Emanuele Bardare** fertiggestellt wurde, ist das 1836 uraufgeführte Drama *El Trovador* des Spaniers **Antonio García Gutiérrez**. Die deutsche Fassung von **Johann Christoph Grünbaum** wurde 1855 in Braunschweig und 1857 im Josefstädter Theater in Wien aufgeführt.

![Oper in der Krypta, Wien / Il Trovatore, hier Spyros Papadatos als Ferrando, Florian Pejrimovsky als Conte Luna, Magdalena Renwart-Kahry als Leonora, Sergio Tallo-Torres als Manrico © Foto Marcus Haimerl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/03/spyros-papadatos-als-ferrando-florian-pejrimovsky-als-conte-luna-magdalena-renwart-kahry-als-leonora-sergio-tallo-torres-als-manrico-foto-marcus-haimerlneu.jpg)

Oper in der Krypta, Wien / Il Trovatore, hier vl Spyros Papadatos als Ferrando, Florian Pejrimovsky als Conte Luna, Magdalena Renwart-Kahry als Leonora, Sergio Tallo-Torres als Manrico © Foto Marcus Haimerl

Als er das Werk 1966 an der Komischen Oper Berlin herausbrachte, leistete **Götz Friedrich** Pionierarbeit an der Erforschung des Librettos, welches gewohnheitsmäßig gerne zum unfreiwillig Lächerlichen abgewertet wird. Mit der Erforschung des Librettos, des Theaterstücks und realhistorischer Vorgänge, konnte er nachweisen, dass sich die Handlung exakt im Jahr 1411 denken lässt, auch wenn die eigentlichen Hauptpersonen des Thronfolgerstreits der Jahre 1410 – 1413 nicht in Person auf der Bühne erscheinen. Dennoch lässt sich eine gewisse Komplexität der Handlung nicht abstreiten, findet ja ein Großteil der Ereignisse außerhalb des Bühnengeschehens statt und die Hinweise darauf lassen sich lediglich aus den gesungenen Texten ableiten. So ist auch die Vorgeschichte, die ebenso wie die Handlung in der Zeit des Thronfolgestreits um Aragon zwischen den Häusern Kastilien und Urgel fällt, für die Handlung nicht unwesentlich. Diese erzählt **Ferrando,** der Hauptmann der gräflichen Garde, den Soldaten. Einst ließ der alte **Conte di Luna** eine Zigeunerin auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Im Sterben rief sie ihre Tochter **Azucena** an, sie zu rächen. Diese raubte den jüngeren Sohn des Grafen, warf aber aus Versehen ihr eigenes Kind ins Feuer. Sie zieht fortan das fremde Kind unter dem Namen **Manrico** als ihr eigenes auf.

Der ältere Sohn des Grafen ist seinem Vater als **Conte di Luna** nachgefolgt. Er ist nicht nur politischer Feind **Manricos,** die beiden sind auch Rivalen um die Liebe der königlichen Hofdame **Leonora.**

![Oper in der Krypta, Wien / Il Trovatore, hier Spyros Papadatos als Ferrando © Foto Marcus Haimerl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/03/spyros-papadatos-als-ferrando-foto-marcus-haimerlneu.jpg)

Oper in der Krypta, Wien / Il Trovatore, hier Spyros Papadatos als Ferrando © Foto Marcus Haimerl

Diese liebt aber nur den Troubadour **Manrico.** Während sie auf ihren heimlichen Verehrer wartet, treffen die beiden Widersacher unter ihrem Balkon aufeinander. Es kommt zu einem Duell, das **Manrico** gewinnt. Es erweist sich jedoch als Fehler, dass er den **Conte** am Leben lässt, denn **Lunas** Schergen verletzen den Troubadour. Während **Azucena** seine Wunden versorgt, verwirrt sich ihr Geist und sie denkt an die Hinrichtung ihrer Mutter und gibt Details der Vergangenheit preis. Bevor **Manrico** jedoch weiter in seine Mutter dringen kann, erhält er die Nachricht, dass **Leonora** ins Kloster gehen will. Innerhalb der Klostermauern treffen die beiden Rivalen erneut aufeinander. **Manrico** gelingt es **Leonora** zu entführen. Während der Hochzeitsvorbereitungen, erhält **Manrico** die Nachricht, das**s Azucena** von den Soldaten Lunas gefangen genommen wurde. **Manrico** eilt seiner Mutter zu Hilfe, doch seine Rettungsversuche schlagen fehl. Gemeinsam mit der Mutter sitzt er nun im Kerker. Nun versucht Leonora den Geliebten zu retten und willigt ein, **Luna** zu heiraten, wenn er Manrico freilässt. Dieser willigt ein, doch **Leonora** nimmt Gift, um ihrem Schicksal zu entgehen. Sie stirbt in den Armen **Manricos.** Als **Luna** den Betrug erkennt, lässt er **Manrico** unverzüglich enthaupten. **Azucena** erwacht aus ihrem Dämmerzustand und triumphiert über **Luna:** ihre Mutter sei gerächt, habe er doch gerade den eigenen Bruder hinrichten lassen.

Für die vorliegende Produktion der **Oper in der Krypta** verzichtete das Ensemble auf einen Regisseur, die Künstler erarbeiteten gemeinschaftlich **Giuseppe Verdis** Oper und versuchten auf diesem Wege unbeeinflusst die eigenen Figuren entstehen zu lassen und während des kreativen Prozesses weiterzuentwickeln. Das Bühnenbild wird dominiert von jenen Holzkisten, welche bereits in der Produktion von **Verdis *Rigoletto*** wertvolle Dienste geleistet haben. Blumengestecke, eine Madonnenstatue und eine Feuerprojektion ergänzen die Kulisse im Wesentlichen. Die raschen Umbauten auf der Bühne übernehmen die Sänger selbst.

**Magdalena Renwart-Kahry** in der Partie der ***Leonore*** nimmt das Publikum bereits bei ihrer mit warmem Timbre vorgetragenen Auftrittskavatine *Tacea la notte placida* für sich ein. Die mit kräftigen Höhen grandios vorgetragene Arie *D'amor sull'ali rosee* zählt unbestritten zu den Höhepunkten dieses außergewöhnlichen Abends.

Die Titelpartie des **Manrico** singt **Sergio Tallo-Torres** mit tenoraler Klangpracht und meistert die Stretta *Di quella pira* souverän, verzichtet allerdings auf eine Wiederholung. Berührende, zärtliche Töne findet der spanische Tenor für seine Mutter Azucena in der finalen Szene.

Zwar ist der **Conte di Luna** kein Sympathieträger, dennoch schuf Verdi eine wunderbare, elegische Arie für die Baritonpartie (*Il balen del suo sorriso*) die **Florian Pejrimovsky** mit noblem Timbre und herrlich tragendem Piano meistert. Aber auch sonst scheint dem Wiener Bassbariton diese Partie sehr zu liegen, zeigt er doch in seiner Darstellung die innere Zerrissenheit der Figur.

![Oper in der Krypta, Wien / Il Trovatore, hier Magdalena Renwart-Kahry als Leonora © Foto Marcus Haimerl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/03/magdalena-renwart-kahry-als-leonora-foto-marcus-haimerlneu.jpg)

Oper in der Krypta, Wien / Il Trovatore, hier Magdalena Renwart-Kahry als Leonora © Foto Marcus Haimerl

**Zsuzsanna Szabò**, seit fast zwei Jahrzehnten Mitglied des Chores der Wiener Staatsoper, füllt die unstillbar von Rache getriebene ***Azucena*** mit herrlich voluminöser Tiefe und kraftvoller Höhe. Besonders ihre Arie *Stride la vampa* gestaltet die Altistin mit packender Dramatik.

Die Entdeckung des Abends ist der sympathische junge griechische Bass **Spyros Papadatos**. Er gestaltet die wunderbare Basspartie des **Ferrando** mit profundem, agilem Bass und herausragender Phrasierung. Auch sein intensives, leidenschaftliches Spiel vermag zu begeistern und zu beeindrucken. Von dem jungen Sänger wird man hoffentlich noch sehr viel mehr hören können. Auch die Intendantin des kleinen Opernhauses, **Dorothée Stanglmayr,** darf ihre darstellerischen Fähigkeiten auf die Probe stellen und mimt komplett verschleiert den Geist von Azucenas *Mutter.*

Mit gewohnter Präzision begleitet **Ekaterina Nokkert**, musikalische Leitung von **Oper in der Krypta,** die Sänger am Klavier, beweist aber auch ihr herausragendes solistisches Können unter anderem bei dem rein instrumentalen Zigeunerchor.

***Berechtigter Jubel am Ende für die Künstler und die Hoffnung für das Publikum, dass diese Produktion noch länger das Repertoire von Oper in der Krypta bereichert***

\---| IOCO Kritik Oper in der Krypta |---