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# Wien, Oper in der Krypta, Die Winterreise - Franz Schubert, IOCO Kritik, 10.04.2018
- URL: https://www.ioco.de/wien-oper-in-der-krypta-die-winterreise-franz-schubert-ioco-kritik-10-04-2018/
- Published: 2018-04-12T08:00:49.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:45:03.000Z
- Author: Marcus Haimerl
- Tags: Oper & Operette, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Wien

![ Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/06/peterskirche-wien-foto-jaroschmeu.jpg)

Peterskirche im 1\. Bezirk von Wien © IOCO

[Peterskirche Wien](http://www.peterskirche.at/home/?ref=ioco.de)

# ***Die Winterreise* von Franz Schubert**

Von **Marcus Haimerl**

Die **Peterskirche**, ist im Zentrum von **Wien,** im 1\. Bezirk gelegen. Ihre Geschichte reicht zurück bis ins 4\. Jahrhundert, als im dort gelegenen römischen Lager **Vindobona** eine Kaserne in ein Kirchengebäude umgebaut wurde. Der Bau der heutigen **Peterskirche** begann 1701, unter **Kaiser Leopold I.,** Fertigstellung und Weihung war 1733\. Die **Peterskirche** war der erste Kuppelbau im barocken Wien. Seit 2014 finden in der **Krypta** der **Peterskirche** wunderbare Opernproduktionen statt. 80 Besucher sitzen dort in unmittelbarer Nähe der Sänger, immer mit dem intensiven Gefühl, Teil der Aufführung zu sein.

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**Franz Schubert** führte seinen Zyklus „*schauerlicher Lieder“* im Herbst 1827 im engsten Freundeskreis im Hause Franz von Schobers erstmalig auf. In einem ebenso intimen Rahmen konnten die Besucher der Krypta der Wiener **Peterskirche** die Interpretation der ***Winterreise*** des Liedduos **Matthias Spielvogel und Andreas Mersa** erleben.

![Oper in der Krypta / Matthias Spielvogel, Tenor und Andreas Mersa © Marcus Haimerl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/04/winterreise-saenger-neu.jpg)

Oper in der Krypta / Matthias Spielvogel, Tenor und Andreas Mersa © Marcus Haimerl

Der Tiroler Pianist **Andreas Mersa**, Absolvent der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien studierte im Anschluss Liedbegleitung am Konservatorium Privatuniversität Wien. Der im deutschen Wittlich geborene Tenor **Matthias Spielvogel** erhielt in seiner Jugend ersten Gesangs-, Klavier- und Orgelunterricht. Es folgten Studien an den Musikhochschulen in Weimar und Wien. Er tritt als Chorsänger an der **Wiener Staatsoper** auf und gestaltet auch eine Vielzahl an Rollen bei ***Oper in der Krypta***, u.a. **Tony** in der ***West Side Story, Don Ottavio*** in ***Don Giovanni*** oder **Basilio** in **Le nozze di Figaro.** Die beiden jungen Künstler verbindet eine jahrelange Zusammenarbeit im Bereich des romantischen Liedrepertoires. Gemeinsam vertiefen sie ihre interpretatorischen Studien beim Staatsopernsänger **Hans Peter Kammerer**.

Was sich nun dem Zuhörer bietet, ist wahrlich außergewöhnlich. Von Beginn gelingt es den Künstlern die spezielle beklemmende, dem Liederzyklus innewohnende Atmosphäre zu schaffen und das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

**Matthias Spielvogel** zeigt hier die große Bandbreite seines stimmlichen Ausdrucks: von leichtgeführten, kopfstimmigen Passagen (***Der Leiermann***) über aufblühend dramatische Fortestellen (***Der stürmische Morgen***) bis hin zu starren, scheinbar leblosen Tönen (***Der greise Kopf***) reicht sein stimmliches Ausdrucksvermögen, welches er wohlüberlegt einsetzt.

![Franz Schubert Grabstätte in Wien © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/04/schubert-franzneu2018.jpg)

Franz Schubert Grabstätte in Wien © IOCO

**Andreas Mersa** bewies sich als herausragender Liedbegleiter. Einfühlsam trägt er den Sänger durch den gesamten Liederzyklus und beherrscht das Wechselspiel zwischen seiner Rolle als Begleiter und Solist perfekt. Als ein Beispiel sei hier das Lied Nr. 21 „Das Wirtshaus“ genannt, in welchem **Andreas Mersa** seine klangliche Vielfalt unter Beweis stellt.

Bemerkenswert auch die formale Dramaturgie des Abends, über die sich die Interpreten merklich Gedanken gemacht haben. Lieder, die inhaltlich und musikalisch zusammenhängen, folgen gruppiert rasch aufeinander (beispielsweise die Nummern 2-4), andere stehen einzeln für sich (***Der Lindenbaum,*** Nr. 5; ***,Rast***, Nr. 10). Dieses Wechselspiel verleiht dem Abend eine übergeordnete Struktur, die dem Zuhörer das Verstehen dieses komplexen Zyklus‘ erleichtert. Die kurze Pause nach dem zwölften Lied ist ein Verweis auf die kompositorische Entstehungsgeschichte der ***Winterreise.* Schubert** hatte im Februar 1827 zuerst die Lieder 1-12 und später dann, im Oktober desselben Jahres, die Nummern 13-24 komponiert und damit den Zyklus zweiteilig angelegt.

Interessant auch die Wahl der Tonarten: bei der für gewöhnlich im Konzert dargebotenen Fassung der Winterreise, wie sie in der Erstausgabe (*Haslinger, Wien,* 1828) erschienen ist, wird außer Acht gelassen, dass Schubert bei einigen Liedern ursprünglich andere Tonarten vorgesehen hatte. Ein Beispiel: Die Künstler lassen auf das vorletzte Lied ***,Die Nebensonnen‘***, das in A-Dur endet, den finalen ***Leiermann*** im ursprünglich vorgesehen h-Moll anstatt üblichen a-Moll erklingen, was die Szenerie des armen Bettlers, der barfuß auf dem Eis seine Leier spielt, auch tonal noch entrückter erscheinen lässt.

Nachdem der letzte Ton des ***Leiermanns*** verklungen war, herrschte ein langer Augenblick Stille, ehe der Jubel des Publikums anhob. Ein neuerliches Highlight in der Zusammenarbeit der beiden jungen Künstler stellt die Aufführung von einem weiteren Liederzyklus **Schuberts**, ***Die schöne Müllerin,*** am 05\. Und 09\. Mai 2018 am gleichen Ort, in der Krypta der **Peterskirche** in Wien dar.