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# Wien, Oper in der Krypta, Die schöne Müllerin - Franz Schubert, IOCO Kritik, 20.06.2018
- URL: https://www.ioco.de/wien-oper-in-der-krypta-die-schoene-muellerin-franz-schubert-ioco-kritik-20-06-2018/
- Published: 2018-06-19T15:00:49.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:46:25.000Z
- Author: Marcus Haimerl
- Tags: Konzert & Liederabend, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Wien

![ Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/06/peterskirche-wien-foto-jaroschmeu.jpg " Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO")

Peterskirche im 1\. Bezirk von Wien © IOCO

[Peterskirche Wien](http://www.peterskirche.at/home/?ref=ioco.de)

***Oper in der Krypta*** 

# DIE schöne MÜLLERIN – Liederabend in der Krypta

Von **Marcus Haimerl**

Das etablierte Liedduo **Matthias Spielvogel** und **Andreas Mersa** präsentierte Anfang Mai mit **Schuberts *Die schöne Müllerin*** sein bereits fünftes Liedprogramm in der Krypta der Wiener **Peterskirche.** Den deutschen Tenor und den Tiroler Pianisten verbindet eine langjährige künstlerische Zusammenarbeit, in welcher sie vor allem das Repertoire des deutschen Kunstlieds pflegen ([siehe **Franz Schubert** **Die Winterreise - link** **HIER**)](https://ioco.de/2018/04/12/wien-oper-in-der-krypta-die-winterreise-franz-schubert-ioco-kritik-10-04-2018/?ref=ioco.de)

Zu den bekanntesten, im deutschsprachigen Volksliedtum erhalten gebliebenen Gedichten **Wilhelm Müllers** (1794-1827), zählen sicherlich *„Das Wandern ist des Müllers Lust“* und *„Am Brunnen vor dem Tore“*. ***Die schöne Müllerin*** ist, neben der ***Winterreise*** mit ihren 24 Gedichten, der zweite große Gedichtzyklus Müllers, den **Franz Schubert** vertonte.

![Peterskirche Wien _ Oper in der Krypta / Die schöne Müllerin hier Matthias Spielvogel und Andreas Mersa an Flügel © Marcus Haimerl](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/06/muellerin-2-neu.jpg)

Peterskirche Wien \_ Oper in der Krypta / Die schöne Müllerin hier Matthias Spielvogel und Andreas Mersa an Flügel © Marcus Haimerl

Das Sujet der schönen *Müllerstochter* (italienisch - *La molinara*) war Anfang des 19\. Jahrhunderts in Dichtung und Musik allgegenwertig. So widmete sich auch **Wilhelm Müller** diesem Thema und schuf 1821 den Gedichtzyklus ***Die schöne Müllerin***, welchen er im Sammelband *„Sieben und siebzig Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten“* veröffentlichte. **Müllers** Zyklus umfasst, anders als bei Schubert, im Original 25 Gedichte. Durch Prolog und Epilog des Dichters erfährt die tragische Geschichte des *Müllerburschen* eine ironische Wendung, mit welcher **Müller** zu verstehen gibt, dass die ganze Geschichte nicht allzu ernst zu nehmen sei. Nicht so **Franz Schubert**. Dieser nahm sie sehr ernst; er strich fünf Gedichte und vertonte letztlich nur 20, um die Tragik nicht zu brechen.

**Wilhelm Müller** wirkte in seinem kurzen Leben vor allem im mitteldeutschen Raum und ist **Franz Schubert** nie begegnet. Auch ist nicht geklärt, ob **Müller** von **Schuberts** Vertonungen je erfahren hat.

1823 komponierte **Schubert** seine Fassung der literarischen Vorlage. Ein junger *Müllersbursche auf Wanderschaft* findet Arbeit in einer Mühle und verliebt sich in die Tochter des Müllers. Die anfängliche Romanze entpuppt sich bald als Wechselspiel aus tiefster Zuneigung, Eifersucht, Abweisung und Schmerz. In seiner starken Natur-verbundenheit wählt der Müllersbursche den Bach als seinen Vertrauten und sein Schicksal. Er spricht mit ihm und klagt ihm sein Leid, der Bach antwortet, tröstet und steht ihm zur Seite bis er den jungen Burschen, im tragisch-verklärten Schluss, in seinen Armen empfängt.

Manisch-depressive Verzweiflung und die Wiener Todessehnsucht durchziehen die Lieder gegen Ende des Zyklus auf eine Weise, wie nur **Schubert** sie auszudrücken vermochte. Kompositorisch finden sich in der *Müllerin* die typischen Charakteristika der Tonsprache **Schuberts:** bewusst gewählte Tonartenabfolgen, ausgefeilte motivische Arbeit im Klavierpart sowie Volksliedhaftigkeit auf höchstem Niveau. Wie auch in der späteren Winterreise hebt **Schuberts** Musik die schlichten Texte **Müllers** auf eine höhere, nahezu transzendente Ebene voller Subtext und Deutung. Dieser Meilenstein des deutschen Kunstlieds ist maßgebend für die Geschichte dieses Genres.

![Peterskirche Wien _ Oper in der Krypta / Die schöne Müllerin hier Matthias Spielvogel (rechts) und Andreas Mersa © Sophie Menegaldo ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/06/muellerin-_gut-andreas_matthias_-sophie-menegaldo-neu.jpg)

Peterskirche Wien \_ Oper in der Krypta / Die schöne Müllerin hier Matthias Spielvogel (rechts) und Andreas Mersa © Sophie Menegaldo

Als Kenner der ***Müllerin*** merkt man die Gründlichkeit, mit der sich die Künstler diesen Zyklus erarbeitet haben: Genauigkeit in Notentext und Wort sind Grundvoraussetzung für eine hochwertige Interpretation dieses Zyklus‘ – beides findet man an diesem Abend in Vollendung vor. Stimmlich überzeugt **Matthias Spielvogel** durch hervorragendes Gespür für Phrasierung und Artikulation. Selbst unter dicht geführten Legatobögen bleibt jedes Wort verständlich. Die Naivität, die dem Charakter des erzählenden Müllersburschen zu Grunde liegt, weiß der Sänger stimmlich authentisch und überzeugend umzusetzen. Umso überraschender die Stellen des Werks, an denen die zu Beginn überschwängliche Stimmung kippt. Plötzlich tauchen auch düstere Stimmfärbungen, eindringliche Pianostellen und dramatische Ausbrüche auf. Jetzt wird klar; die zu Beginn ungetrübte Liebesgeschichte wird kein gutes Ende nehmen.

**Andreas Mersa** zeigt sich an diesem Abend einmal mehr als einfühlsamer Pianist und Liedbegleiter. Klangliche Vielfalt, wohlüberlegte Phrasierung und technische Souveränität prägen sein Spiel. Beim letzten Stück *„Des Baches Wiegenlied“* zeigt sich die Ergriffenheit des Publikums, ehe die Künstler beim langanhaltenden Applaus für diesen gelungenen und außergewöhnlichen Konzertabend belohnt wurden.

Freunde des deutschen Kunstlieds im Allgemeinen und Fans des Liedduos **Spielvogel & Mersa** im Speziellen kommen im Herbst erneut auf ihre Kosten: am 30\. Oktober und 8\. November 2018 präsentieren die beiden Künstler ausgewählte Lieder von **Franz Schubert, Robert Schumann** und **Hugo Wolf** in der Krypta der Wiener **Peterskirche.**

\---| IOCO Kritik Oper in der Krypta |---