> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Wien, Wiener Kammeroper, A Quiet Place - Leonard Bernstein, IOCO Kritik, 28.03.2018
- URL: https://www.ioco.de/wien-kammeroper-wien-a-quiet-place-leonard-bernstein-ioco-kritik-28-03-2018/
- Published: 2018-03-29T17:00:33.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:44:50.000Z
- Author: Marcus Haimerl
- Tags: Oper & Operette, Premieren, Premiere, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Wien

![Kammeroper Wien @ Peter M. Mayr](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/03/kammeroper_l1030853_c_petermmayrneu.jpg)

Kammeroper Wien @ Peter M. Mayr

[ **Theater an der Wien**](https://www.theater-wien.at/de/home?ref=ioco.de)

# ***A Quiet Place* \- Leonard Bernstein**

**Eine "*Kammerfassung"* \- Von Garth Edwin Sunderland**

Von **Marcus Haimerl**

Als Komponist seriöser Werke wollte **Leonard Bernstein** in Erinnerung bleiben. Ein Wunsch, der sich mit zunehmenden Alter verstärkt hat. An seinem 55\. Geburtstag soll er unter Tränen gesagt haben, dass er nur zwei Jahre jünger als **Beethoven** zum Zeitpunkt seines Todes sei und noch immer kein Meisterwerk geschrieben habe. Sein Ziel: eine amerikanische Oper zu schreiben. 1952 schuf **Bernstein** mit dem jazzigen Einakter **Trouble in Tahiti,** Grundlage für seine abendfüllende Oper ***A Quiet Place,*** beide Werke wurden in einer Doppelvorstellung in Houston uraufgeführt, der Erfolg blieb jedoch aus. Auch eine Überarbeitung gemeinsam mit dem Dirigenten **John Mauceri** und seinem Librettisten Stephen Wadsworth, in welcher ***Trouble in Tahiti*** als Rückblenden in den zweiten Akt integriert wurde, brachte bei den Aufführungen in Mailand, Washington und Wien für Bernstein keinen wirklichen Erfolg. Themen wie Selbstmord, Homosexualität, geistiger Verwirrtheit und Entfremdung tragen nicht gerade zur leichten Verdaulichkeit dieser Oper bei.

![Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/03/a-quiet-place-1-neu.jpg)

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

2009, neunzehn Jahre nach **Bernsteins** Tod, erteilte **Kent Nagano** den Komponisten **Garth Edwin Sunderland** den Auftrag aus ***A Quiet Place*** eine Kammerfassung zu erstellen**. Sunderland** reduzierte die Instrumentierung, entfernte die Rückblenden und fügte nicht nur einen Teil der Musik, sondern auch vollständige Arien aus der Houstoner Fassung wieder ein und verkürzte **Bernsteins** Oper auf knapp 100 Minuten.

In seinem Einakter **Trouble in Tahiti** gibt **Bernstein** Einblicke in die Probleme des Zusammenlebens des jungen Paares ***Dinah*** und ***Sam***. Mit **A Quiet Place** wird diese Geschichte schließlich fortgesetzt. ***Dinah*** kam bei einem Autounfall ums Leben, nach langer Zeit kommt die Familie wieder zusammen. *Tochter Dede* kommt mit ihrem **Mann François,** welcher zugleich der Ex-Freund von *Sohn Junior* ist, verspätet. Junior selbst platzt in die Feierlichkeiten. Nachdem die Gäste gegangen sind, eskaliert die Situation, Sam wirft den Kindern das Zuspätkommen vor und Juniors Psychose entlädt sich in einer Provokation gegenüber seinem Vater. In den Tagebüchern seiner Frau findet Sam einen Abschiedsbrief. ***François*** Vorwürfe wegen *Juniors* Verhaltens bei der Trauerzeremonie führen zu einem weiteren neurotischen Anfall. ***François*** findet Trost in ***Dedes*** Armen, man beschließt Dinahs Garten auf Vordermann zu bringen. Am nächsten Morgen schwelgt Dede in Erinnerungen an ihre Mutter. Gemeinsam mit *Junior* beginnt sie Spiele aus der Kinderzeit. ***Sam*** überreicht seinem Schwiegersohn schließlich den Abschiedsbrief mit der Bitte, diesen vorzulesen.

![Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/03/a-qu-pl-2-neu.jpg)

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

Der Plan noch einige Tage im Elternhaus zu verbringen führt zu einem neuen Streit, wer mit wem ihm Zimmer schläft. **François** erinnert an **Dinahs** Worte *„We are only who we are“* und betont, dass alle sich ändern können, wenn sie nur wollen.

Für die Produktion der **Neuen Oper Wien** in der **Wiener Kammeroper** reduzierte Regisseur **Philipp M. Krenn** die eigentlichen Handlungsorte (Aufbahrungshalle, Sams Haus, Garten des Hauses) auf den bieder ausgestatteten Wohnraum des Hauses (beeindruckendes Bühnenbild und Kostüme von **Christian Tabakoff**). In dieser räumlichen Beschränkung kann sich das schon lange schwelende Familiendrama besonders gut entladen. **Philipp M. Krenn** lässt am Ende jedoch Zweifel ob des friedlichen Endes, richtet doch ***Junior*** am Ende, während sich der Vorhang schließt, eine Pistole gegen seinen Vater. Hier hielt das Publikum hörbar den Atem an und wartete auf einen Schuss, welcher zur Erleichterung aller dann aber nicht zu hören war.

Dirigent **Walter Kobéra** animiert das ***amadeus ensemble-wien*** zu Höchstleistungen und auch bei den Sängern gibt es hervorragende Leistungen. Steven Scheschareg, 1999 bereits als junger Sam in der Produktion der Neuen Oper Wien in ***Trouble in Tahiti*** zu erleben, überzeugt auch als Old Sam in der Fortsetzung**.** Anfänglich mit stoischer Miene entlädt sich das häusliche Gewitter mit seinem gewaltigen Bariton, an den ruhigeren Stellen jedoch sanft und einfühlsam gestaltet er diese Rolle mit allen notwendigen Emotionen. Unglaublich intensiv und leidenschaftlich ist der junge Bariton **Dániel Foki** als ***Junior*** in Darstellung und Gesang. Das Publikum reagierte entsprechend begeistert. Auf gleich hohem Niveau agiert der kanadische Tenor **Nathan Haller** als berührender, tiefgründiger ***François.*** Die estnische Sopranistin **Katrin Targo** lebte die Rolle der ***Dede*** in fast allen emotionalen Facetten aus.

![Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/03/a-qu-pl-3-neu.jpg)

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

Auch die kleinen Partien sind allesamt exzellent, fast schon luxuriös besetzt: Bariton **Georg Klimbacher** als **Dinahs Bruder Bill,** die Sopranistin **Rebecca Blanz** als ***Dinahs Freundin Susie,*** der österreichische Bass **Johannes Schwendinger** als ***Dinahs Arzt*** und **Veronika Dünser** als dessen betrunkene ***Gattin,*** Tenor **Savva Tikhonov** als Analytiker und **Markus Miesenberger** als Bestattungs-Unternehmer.

Das Publikum zeigte sich sichtlich begeistert ob der Ehrenrettung dieses doch zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Werks. Besser kann man den 100\. Geburtstag **Leonard Bernsteins** kaum begehen.

**Kammeroper Wien - *A Quiet Place -*** von **Leonard Bernstein*;*** weitere Vorstellungen 29.4.2018, 30.4.2018, 2.4.2018

\---| IOCO Kritik Wiener Kammeroper |---