Essen, Philharmonie Essen, Spielplan August – Oktober 2020

Juni 26, 2020 by  
Filed under Philharmonie Essen, Pressemeldung, Spielpläne

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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen © Bernadette Grimmenstein

Philharmonie Essen © Bernadette Grimmenstein

Philharmonie Essen – Spielplan  August bis Oktober

  • Corona-Einschränkungen führen teilweise zu neuen Konzertprogrammen
  • Einzelne Termine entfallen, darunter der Auftritt von Anne-Sophie Mutter

Reduzierte Besetzungen aufgrund von Abstandsregeln auf der Bühne, der Verzicht auf Pausen und damit verbunden kürzere Konzertdauern: Die weiterhin geltenden Einschränkungen im Konzertbetrieb haben zu Beginn der neuen Spielzeit 2020/2021 Auswirkungen auf den Spielplan der Philharmonie Essen für die Monate August bis Oktober. Ein Großteil der Konzerte wird zwar an den ursprünglich geplanten Terminen stattfinden, allerdings mit kürzeren Programmen. Einige wenige Veranstaltungen müssen abgesagt werden.

Welche Konzerte wurden abgesagt?
Betroffen sind der Abend Very British (22.8.), das Theaterfest zur Saisoneröffnung (30.8.), der Auftritt von Anne-Sophie Mutter und dem Pittsburgh Symphony Orchestra (7.9.), das Philharmonie- Debüt von Maxim Lando (20.9.), der Musikschultag (26.9.), das Jubiläumskonzert der Bläck Föös (10.10.), die Orgelreise für Orgelabonnenten (17.10.), das Gastspiel von Gilberto Gil (29.10.) sowie das Preisträgerkonzert des Younghi Pagh-Paan Wettbewerbs im Rahmen des Festivals NOW! (30.10.).

Welche Konzerte werden komplett neue Programme haben?
Mit einem reinen Mozart-Programm eröffnen zunächst die Essener Philharmoniker ihre Saison im 1. Sinfoniekonzert am 3. und 4. September: Anstelle des zweiten Violinkonzertes von Sergej Prokofjew interpretiert Daniel Hope nun gemeinsam mit Philip Dukes Mozarts Sinfonia concertante Es-Dur für Violine, Viola und Orchester (KV 364). Außerdem erklingen Adagio und Fuge c-Moll für Streicher (KV 546) sowie die Serenade „Eine kleine Nachtmusik“. Ein alternatives Programm präsentiert Daniel Hope auch bei seinem zweiten Auftritt mit seinem Zürcher Kammerorchester am 20. September (15 und 19 Uhr!): Zur Aufführung kommen nun die Serenade für Streicher e-Moll, op. 20 von Edward Elgar, das Konzert d-Moll für Violine und Streicher von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie die Serenade C-Dur, op. 48 von Pjotr I. Tschaikowski. Mit anderen Werken als ursprünglich geplant ist schließlich das Ensemble Le Cercle de l’Harmonie am 25. Oktober zu erleben: Unter der Leitung von Jérémie Rhorer erklingen gleich drei Sinfonien von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Welche in der laufenden Spielzeit abgesagten Konzerte werden nun nachgeholt?
Neu in den Spielplan aufgenommen wurden vier Konzerte, die in der laufenden Spielzeit abgesagt werden mussten und nun nachgeholt werden. Endlich ihren großen Auftritt haben zunächst die jungen Schülerinnen und Schüler der S-Klasse der Folkwang Musikschule in ihrem Debüt-Konzert am 6. September. Die Pianisten Arthur & Lucas Jussen spielen am 12. September gemeinsam mit der Amsterdam Sinfonietta unter anderem Bachs Klavierkonzert c-Moll (BWV 1061). Der Geiger und Crossover-Künstler MIKI kommt mit seinem Takeover!Ensemble sowie einem noch geheimen Special Guest am 19. September für einen seiner legendären Auftritte in den Alfried Krupp Saal. Und das Abschlusskonzert des Schulprojektes „Luft – in Bewegung, Stimme, Tanz“ wird am 25. September stattfinden.

Welche Konzerte finden an einem anderen Termin statt?
Einen neuen Termin erhält das erste Konzert der Reihe Sounds of Heimat, mit der die Philharmonie Essen die Reihen und Festivals Sounds of Africa und Sounds from East to West aus den vergangenen Spielzeiten fortführt und eine musikalische Brücke zu frischen Klängen aus aller Welt schlägt. Zum Auftakt präsentiert das Berlin Oriental Quartet am 17. September (anstatt 20.9.) ein Programm Von Bach bis Brahem.

Überblick – Spielplan September/Oktober 2020  Philharmonie Essen und Essener Philharmoniker:
1. Sinfoniekonzert der Essener Philharmoniker
„Eine kleine Nachtmusik“
Mit  Daniel Hope (Violine), Philip Dukes (Viola) und Tomáš Netopil (Dirigent)
3., 4. September 2020, 20:00 Uhr  Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

Folkwang Debüt
Mit Schülerinnen und Schülern der S-Klasse der Folkwang Musikschule
6. September 2020, 11:00 Uhr

Philharmonie Essen / Arthur & Lucas Jussen © Marco Borggreve

Philharmonie Essen / Arthur & Lucas Jussen © Marco Borggreve

Arthur & Lucas Jussen
Bach Klavierkonzert
12. September 2020, 19:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

Wild Card 6
12. September 2020, 21:00 Uhr
Philharmonie Essen, RWE Pavillon

1. Kammerkonzert der Essener Philharmoniker
Beethoven Streichquartett
13. September 2020, 11:00 Uhr
Philharmonie Essen, RWE Pavillon (statt Aalto-Foyer)

Familienkonzert
Konzert mit der Maus
13. September 2020, 16:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

Sounds of Heimat
Berlin Oriental Quartet „Von Bach bis Brahem“
17. September 2020, 20:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

TAKEOVER! by MIKI & Special Guest
19. September 2020, 20:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

Daniel Hope
Zürcher Kammerorchester
Serenaden
20. September 2020, 15:00 und 19:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

Philharmonie Essen / Teodor Currentzis © SWR, Klaus Mellenthin

Philharmonie Essen / Teodor Currentzis © SWR, Klaus Mellenthin

Teodor Currentzis
Patricia Kopatchinskaja
SWR Symphonieorchester
24. September 2020, 20:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

Philharmonie entdecken | Kompositionsprojekt
„Luft – in Bewegung, Stimme, Tanz“
Abschlusskonzert
25. September 2020, 11:00 Uhr
Philharmonie Essen, RWE Pavillon

Artemis Quartett
27. September 2020, 17:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

Daniil Trifonov
Lahav Shani
Rotterdam Philharmonic Orchestra
3. Oktober 2020, 19:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

Kinderkonzert
„Komm, reich mir deine Hand“
4. Oktober, 11:00 und 16:00 Uhr
5. Oktober, 10:00 Uhr
Philharmonie Essen, RWE Pavillon

Philharmonie Debüt
Bomsori Kim
Mit Bomsori Kim (Violin) und Julia Okruahvili
11. Oktober 2020, 11:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

In Residence: Sir Antonio Pappano
Sestetto Stradivari dell’Accademia Nazionale die Santa Cecilia Roma
„Souvenir de Florence“
18. Oktober 2020, 19:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

Jazz
John Scofield
Dave Holland
21. Oktober 2020, 20:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

Isabelle Faust
Il Giardino Armonico
Vivaldi Violinkonzert
23. Oktober 2020, 20:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

Kleinkinderkonzert
„Das Küchenkonzert“
24. Oktober 2020, 11:00 und 16:00 Uhr
25. Oktober 2020, 11:00 und 16:00 Uhr
Philharmonie Essen, RWE Pavillon

Philharmonie Essen / Janine Jansen © Marco Borggreve

Philharmonie Essen / Janine Jansen © Marco Borggreve

Janine Jansen | Sakari Oramo
Royal Stockholm Philharmonic Orchestra
24. Oktober 2020, 20:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

Jérémie Rhorer
Le Cercle de l’Harmonie
25. Oktober 2020, 17:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

Gerhild Romberger
Mit Gerhild Romberger (Mezzosopran) und Alfredo Perl (Klavier)
28. Oktober 2020, 20:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

NOW! „Von fremden Ländern und Menschen“
Präsentation des Festivalprogramms
Mit Professor Günter Steinke
29. Oktober 2020, 19:30 Uhr
Philharmonie Essen, RWE Pavillon

NOW! „Von fremden Ländern und Menschen“
„Cosmigimmicks“
Mit dem Ensemble Musikfabrik
30. Oktober 2020, 20:00 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

NOW! „Von fremden Ländern und Menschen“
„Von fremden Ländern und Menschen“
Mit Studierenden der Kompositions-, Elektronische Kompositions-, Instrumental-, Schauspiel-,
Musiktheater- und Tanzklassen der Folkwang Universität der Künste
31. Oktober 2020, 17:00 Uhr
Folkwang Universität der Künste, Neue Aula

NOW! „Von fremden Ländern und Menschen“
„Zipangu“
Mit dem WDR Sinfonieorchester Köln
31. Oktober 2020, 19:30 Uhr
Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

NOW! „Von fremden Ländern und Menschen“
Late Night Konzert
„Sonic Creatures“
Mit dem Performer Francisco López
31. Oktober 2020, 22:00 Uhr
Philharmonie Essen, RWE Pavillon
Informationen zum Kartenkauf
Vorverkauf für September 2020

Der Kartenvorverkauf für den Ersatzspielplan September 2020 beginnt am 3. August 2020. Eintrittskarten sind im TicketCenter erhältlich (II. Hagen 2, 45127 Essen). Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen während der Öffnungszeiten auch für telefonische Anfragen (T 02 01 81 22-200) sowie per E-Mail (tickets@theater-essen.de) zur Verfügung. Kartenkäufe über den Webshop sowie über www.eventim.de und externe Vorverkaufsstellen sind aktuell leider nicht möglich. Die TUP ist als Veranstalter verpflichtet, bei Kartenverkäufen und Reservierungen Namen und Anschrift der Kundinnen und Kunden aufzunehmen.

Das TicketCenter im II. Hagen 2 bleibt während der Theaterferien vom 29. Juni bis 16. August 2020 von montags bis freitags in der Zeit von 10:00 bis 15:00 Uhr geöffnet. In dieser Zeit findet auch unser telefonischer Service statt. Die Kasse am Aalto-Theater ist in der Zeit vom 29. Juni bis 18. August 2020 geschlossen.

Öffnungszeiten des TicketCenters ab dem 17. August 2020
Mo-Sa 10:00-16:00 Uhr
Telefonische Erreichbarkeit:
Mo 10:00-16:00 Uhr
Di-Fr 10:00-18:00 Uhr
Sa 10:00-16:00 Uhr

Die TUP bittet darum, bei Kartenkäufen im TicketCenter die eingeübten Hygiene- und
Sicherheitsregeln einzuhalten.

Vorverkauf für den ursprünglichen Spielplan 2020/2021 eingestellt
Der Vorverkauf bzw. die Reservierungen für den ursprünglichen Spielplan der Spielzeit 2020/2021 sind eingestellt. Bisher eingegangene Reservierungen bleiben bestehen, sofern der Termin der Veranstaltung und die bisher genehmigten Platzkapazitäten aufrechterhalten bleiben.

Bei Programmänderungen oder sollten wegen der geforderten Sitzplatzeinschränkungen Reservierungswünsche nicht erfüllt werden können, werden die Kundinnen und Kunden persönlich benachrichtigt.

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Zürich, ZKO Opera Box, Don Procopio – Georges Bizet, IOCO Kritik, 25.01.2019,

Januar 25, 2019 by  
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Zürcher Kammerorchester Theater © Zürcher Kammerorchester

Zürcher Kammerorchester Theater © Zürcher Kammerorchester

ZKO – Züricher Kammerorchester

Don Procopio  –  Georges Bizet

– Ein Omelett als musikalische Dreingabe –

von Julian Führer

Georges Bizet Paris © IOCO

Georges Bizet Paris © IOCO

Georges Bizet? Natürlich, der Komponist der Carmen! Vielleicht verbinden manche mit diesem Namen noch die Perlenfischer (Les pêcheurs de perles) oder auch La jolie fille de Perth – aber wer weiß schon, dass Bizet, der keine vierzig Jahre alt wurde, mehr als ein Dutzend Opern und Operetten komponiert hat? Eines seiner frühesten Werke nennt sich Don Procopio. Einmal im Jahr bringt das Zürcher Kammerorchester in seinem Stammhaus (Foto oben, ein ehemaliges Starkstromlabor am Stadtrand Zürichs) im Rahmen der Opera Box auch Musiktheater auf die Bühne. Die räumlichen Verhältnisse bringen es mit sich, dass das Publikum sehr dicht an der Bühne sitzt (und das Orchester sich am Rand befindet). In Zürich, soviel sei von Anfang an verraten, wurde ein musikalischer Leckerbissen serviert.

Worum geht es? Eine junge Frau soll einen alten Mann heiraten, weil ihr Stiefvater diese Ehe aus finanziellen Gründen arrangiert hat. Natürlich will sie diese Ehe nicht, denn sie ist ebenso natürlich in einen feschen jungen Mann verliebt. Was tun? Es wird intrigiert, die schlaue Frau geht zum Schein auf den Handel ein, bedrängt aber ihren Herrn Zukünftigen und malt ihm in leuchtenden Farben aus, wie sie sein Geld durchbringen wird. Am Ende fügt sich alles, und es darf geheiratet werden, aber nur zwischen den jungen Liebenden. Klingt bekannt? In der Tat – der Stoff kombiniert Versatzstücke der Opera buffa, und Gaetano Donizetti hat mit dem 1843 uraufgeführten Don Pasquale ein höchst verwandtes Sujet vertont. Was bewog Bizet, ein so sehr ähnlich gelagertes Stück zu in Musik zu setzen?

ZKO Opera Box / Don Procopio © Thomas Entzeroth

ZKO Opera Box / Don Procopio © Thomas Entzeroth

Bizet befand sich Mitte der 1850er Jahre als zwanzigjähriger Stipendiat, der früh die Aufmerksamkeit Jacques Offenbachs auf sich gezogen hatte, in Rom mit dem Auftrag, eine Messe zu komponieren. Das Ergebnis war dann doch eine im italienischen Stil geschriebene und italienisch gesungene Buffo-Oper, für die er sich an den italienischen Meistern seiner Zeit, darunter Gioacchino Rossini und eben Donizetti, orientierte. Bizet war noch sehr jung und lehnte sich stark an seine Vorbilder an, aber fand doch auch schon zu einer eigenen Klangsprache. Erhalten ist uns eine Stunde Musik, die von Charles Malherbe für die Uraufführung 1906 erweitert wurde. In Zürich gab es Bizet mit den Erweiterungen Malherbes und mit einer delikaten Zugabe.

Der Bühnenraum, unmittelbar an die erste Parkettreihe grenzend, bietet wenig mehr als eine Couchgarnitur, die stilistisch in die Zeit um 1900 weist, und, etwas erhöht, eine Anrichte (Bühne: Myriam Kirschke). Dies genügt aber schon, die schnellen Auf- und Abgänge zu arrangieren. Die Übergänge zwischen den einzelnen musikalischen Passagen werden von einem Conférencier (Samuel C. Zinsli) zusammengefasst (eine Übertitelung hat die Opera Box nicht). Die Regie lag bei Paul Suter, der das komische Potential des Buffo-Stoffes voll ausschöpfte. Auch ein Stück, das aufgrund seiner Handlung und seiner perlenden Musik ein Selbstläufer sein könnte, benötigt ein gekonntes Arrangement, damit das Timing der Partitur ihr Pendant auf der Bühnenfläche hat.

Von Suter angeleitet, hatten die einzelnen Charaktere Gelegenheit, ihre Figuren zu präsentieren. Jeanne-Pascale Künzli war Donna Eufemia, die zweite Ehefrau des Stiefvaters Don Andronico (Martin Weidmann). Beide zeigten viel komödiantisches Talent und sehr ansprechende Stimmen. Donna Eufemia (wörtlich: die Dinge auf schöne Weise Sagende!) war vor allem damit beschäftigt, ihrem Ehemann diverse Szenen zu machen; insgeheim war sie stets auf der Seite der Stieftochter Bettina, die von Christa Fleischmann dargestellt wurde. Bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt war die Stiefmutter noch deutlich lauter und schärfer timbriert als die Stieftochter (durchaus zu den Rollen passend), alsbald hatten sie aber zu stimmlicher Balance gefunden.

ZKO Opera Box / Don Procopio © Thomas Entzeroth

ZKO Opera Box / Don Procopio © Thomas Entzeroth

Die Partie der Bettina hat Bizet nicht leicht komponiert, teilweise geht es sehr schnell, dann weit nach oben, dann wieder nach unten. Nicht jede Sängerin wäre dieser Partie so gewachsen. Bettina hat noch einen Bruder, der die Intrige wesentlich vorantreibt: Ernesto, hier von Bojidar Vassilev stimmlich souverän und manchmal bewusst leicht schmierig dargestellt. Um Don Procopio zur Flucht zu bringen, droht er sogar mit einem Duell; man ahnt, welche musikalischen Möglichkeiten die Partitur hier birgt. Und Don Procopio selbst? Er wird vom operettenerfahrenen Erich Bieri verkörpert, der die Partie stimmlich wie szenisch voll und ganz ausfüllt und dem man mit viel Vergnügen zusieht, wie er etwas tölpelhaft in die Intrige hineinstolpert, die Ernesto zugunsten von Bettina gewoben hat. Bei den Hauptrollen fehlt nur noch der jugendliche Liebhaber der Bettina, Odoardo. Luca Bernard, der soeben erst als Student seinen Master absolviert hat, sieht jugendlich aus, hört sich jugendlich an und ist auch fast noch jugendlich. Seine Tenorstimme ist schlicht schön, technisch auf der Höhe, flexibel, und er harmoniert mit den anderen Stimmen auf der Bühne. Man will mehr von ihm hören, auch auf anderen Bühnen, und zwar möglichst bald!

Das sehr reduzierte Zürcher Kammerorchester (Streicher einfach besetzt, Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn, Pauke) entwickelte unter Andres Joho eine erstaunliche Breite an Klangfarben. Aus der Not eine Tugend machend, setzte sich der Dirigent mitunter selbst ans Klavier, um die einer romantischen Nachtszene geziemenden Harfenklänge beizusteuern (Orchesterarrangement: Wolfgang Drechsler).

ZKO Opera Box / Don Procopio  - hier :  viele Köche richten das Hochzeitsessen © Thomas Entzeroth

ZKO Opera Box / Don Procopio  – hier : viele Köche richten das Hochzeitsessen © Thomas Entzeroth

Und die delikate Beilage? Nun: Zur Vorbereitung der Hochzeitsfeierlichkeiten zwischen dem alten Don Procopio und der jungen Bettina ist eine ganze Heerschar Köche angetreten. Die steht zwar so nicht in Bizets Partitur, ist aber in seinem Einakter Le docteur Miracle enthalten, den er als Achtzehnjähriger schrieb. In dem hinreißend albernen Quartett (natürlich todernst vorgetragen) „Voici l’omelette“ wird in diesem Arrangement das Hochzeitsmahl vorbereitet. Zwei Köche und zwei Köchinnen bereiten zu höchst kultiviertem Gesang ein Omelett zu – und servieren es (denn das Omelett ist echt!) ……  dem Publikum im Parkett!

Der witzige Abend mit Musik voller schöner Einfälle und mitunter fast dreisten Entlehnungen bei der italienischen Buffo-Tradition wurde vom Publikum einhellig gefeiert. Szenisch gekonnt umgesetzt und mit reduziertem Orchester gut durchhörbar aufgeführt – eine Entdeckung!

—| IOCO Kritik Züricher Kammerorchester |—

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