Schwerin, Mecklenburgisches Staatstheater, Opern-Gala – Diamanten der Oper, 07.10.2020

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Mecklenburgisches Staatstheater

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin © Silke Winkler

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin © Silke Winkler

„Diamanten der Oper“
Große Stimmen präsentieren weltbekannte Arien in glanzvollem Ambiente

Ab 7.10.2020 im Mecklenburgischen Staatstheater

Keine Spielzeit am Mecklenburgischen Staatstheater ohne Operngala! Auch in dieser ungewöhnlichen Saison soll das Publikum in den Genuss weltbekannter Opern-Arien kommen dürfen. Natürlich, wie es sich schon in den Spielzeiten zuvor bewährt hat, mit großartigen Sängerinnen und Sängern, im glanzvollem Ambiente und unter dem berühmten, pompösen Kronleuchter des Großen Hauses. Zusammen mit der Mecklenburgischen Staatskapelle, Mitgliedern des Musiktheaterensembles und hochkarätigen Gästen, präsentiert und moderiert Generalmusikdirektor Mark Rohde ab 7. Oktober 2020 mit „Diamanten der Oper einen klangvollen Gala-Abend mit Highlights aus dem Opernrepertoire. Weitere fünf Vorstellungen sind bis zum 20. Dezember 2020 im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheater geplant.

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin / OPERNGALA2016 © Silke Winkler

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin / OPERNGALA2016 © Silke Winkler

Musikalische Höhepunkte unter den zahlreichen Kompositionen der Operngeschichte gibt es fraglos viele – zu viele für einen Gala-Abend von rund 80 Minuten. Das Mecklenburgische Staatstheater präsentiert daher bei „Diamanten der Oper“ nur wahre Juwelen – in musikalischer, wie stimmlicher Hinsicht. Es erklingen beliebte Arien aus Wolfgang Amadeus Mozarts Die Zauberflöte, Le nozze di Figaro und Die Entführung aus dem Serail, aus Carl Maria von Webers Der Freischütz, aus Richard Wagners Lohengrin und Der fliegende Holländer, aus Georges Bizets Carmen, sowie aus Giuseppe Verdis Un ballo in maschera und Nabucco. Dargeboten werden diese Diamanten der Oper von Publikumslieblingen des Mecklenburgischen Staatstheaters wie Karen Leiber (Sopran), Itziar Lesaka (Mezzosopran) und Yoontaek Rhim (Bariton). Als Gäste werden der Bariton Andreas Hörl, der in Schwerin zuletzt als Baron Ochs auf Lerchenau in Richard Strauss Der Rosenkavalier zu sehen war und der Tenor, der bei den Schlossfestspielen Schwerin 2020 als Florestan in Ludwig van Beethovens Fidelio zu erleben gewesen wäre. Begleitet werden diese großen Stimmen von der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin unter der musikalischen Gesamtleitung des neuen Generalmusikdirektors Mark Rohde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

—| Pressemeldung Mecklenburgisches Staatstheater |—

Wuppertal, Oper Wuppertal, Die Zauberflöte – Sarastro ist ein Wuppertaler, IOCO Kritik, 16.09.2020

September 16, 2020 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Wuppertaler Bühnen

Wuppertaler Bühnen

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Die Zauberflöte – Wolfgang Amadeus Mozart

Wuppertal – Die neue Heimat von Sarastro, Pamina und Tamino

von Viktor Jarosch

Die Zauberflöte, 1791 geschaffen von Wolfgang Amadeus Mozart und seinem Librettisten Emanuel Schikaneder, begeistert ungebrochen seit dem Jahr ihrer Uraufführung die Kulturliebhaber aller Länder, sei es in Seoul, Los Angeles oder München, Wuppertal oder Berlin: Die Zauberflöte ist die populärste, meist inszenierte Oper weltweit. Mozarts abgeklärt zeitlose Musik, seine symbolhaften Akkorde, seine rätselhaft mystisch-phantastische Welt rührt jedes Jahr Millionen Besucher. Am Nektar dieses populären Werkes saugen seit 1791 zwangsläufig Legionen von Theater, Regisseuren, Dirigenten, Sänger/nnen.

Die Oper Wuppertal eröffnete am 13. September seine Spielzeit 2020/21 mit der Zauberflöte. Die Besucher feierten ein homogen starkes Ensemble und eine technisch ungewöhnliche wie sprudelnd vielschichtig kreative Neuinszenierung: Viele aktuelle und schräge Bezüge zu Wuppertal machen denn diese Produktion zudem zu einem humorig inspirierenden Event für Einheimische. Nach den Corona-Erfahrungen des abgelaufenen Jahres 2020 könnte diese Zauberflöte auch emotionaler Gesundbrunnen sein. Die Oper Wuppertal – kultureller Richtunggeber der Region und für viele kleinere Theater – zeigt in diesen Zeiten der Pandemie vor kleinem Publikum keine gekürzte, sondern eine vollumfängliche Aufführung der Zauberflöte und von ganz besonderer Art. Chapeau!

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : Die Königin der Nacht und die Drei Damen werden zur Ouvertüre von Sarastro aus dem Opernhaus geworfen - sind erzürnt © Jens Grossmann

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte – hier : Die Königin der Nacht und die Drei Damen werden zur Ouvertüre von Sarastro aus dem Opernhaus geworfen – sind erzürnt © Jens Grossmann

Klassisch gestaltete Inszenierungen der Zauberflöte sind seit Jahren wenig aktuell. Eine speziell Wuppertaler Zauberflöte hatte der Wuppertaler Opernintendant Berthold Schneider schon in seiner Programmplanung gefordert. Regisseur Bernd Mottl inszeniert denn auch an der Oper Wuppertal eine Produktion, welche die Handlung auf der Bühne durch auffällig moderne Technik (Film, Video) und zahllos skurrile wie lokale Wuppertaler Bezüge neben der wunderbaren Musik Mozarts – auch – zu einem Erlebnis der Sinne macht. Ein Déjà-vu: Schon in der gelungenen Neuproduktion des Liebestrank der Oper Wuppertal im Februar 2020 spielte die Stadt Wuppertal in Form eines Statisten, des riesigen rosa Elefanten Tuffi,  beständig mit.

Bernd Mottl bricht gerne mit klassischen Regieansätzen; an der Oper Wuppertal wird die Zauberflöte zum Volkstheater für Musical Fans wie Opernliebhaber; eine moderner Leichtigkeit gewidmete Animationsshow, musikalisch untermalt von Mozarts Komposition: Bernd Mottl schafft in seiner Die Zauberflöte ein Volkstheater, im welchem, von Film- und Videotechnik brillant gestützt, Märchen und Alltagsrealität mit Mozarts klassischer Komposition beständig changieren; gestützt durch die Bühne und Kostüme von Friedrich Eggert und der Dramaturgie von Sina Dotzert. Das stellenweise bewusst kulissenhafte Bühnenbild greift die Ästhetik bekannter Entwürfe Karl Friedrich Schinkels zu Mozarts Singspiel auch in ironischer Brechung – auf.

Momente opulenten Ausstattungstheaters, so die antik „heiligen Hallen“ und die ehrwürdigen Talare des Sarastro und der Priester wechseln beständig, subtil wie laut, mit modern skurrilem Spiel. Jörn Hartmann zeigt dazu auf einem großen Bühnenschleier beständig aktuelle Filme, Videos, die als zentrales ästhetisches Mittel und als Brücke für Handlungsstränge der Lebensrealität der Wuppertaler begleiten, so am Döppersberg oder auf der Nordbahntrasse. Hervorragend gesteuerte Übergänge zwischen Video und Bühnengeschehen changieren reales Spiel und digitale Fiktion. Die stete Wechsel zwischen Ironie, plattem Alltag und klassischer Erhabenheit, lassen den Besucher, so auch mich, öfters grübeln, ob man wirklich im Theater ist oder nicht vielleicht doch in einem Fantasy-Film. Aus einer Zauberwelt kommend deutet Bernd Mottl, im Hier und Heute spielend, das Wuppertaler Opernhaus zu jenem „Weisheitstempel“ um, der Mittelpunkt von Streit und Machtintrigen zwischen der Königin der Nacht und Sarastro ist.

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : Die 3 Knaben auf der Bühne und gleichzeitig Schwebebahn fahrend © Jens Grossmann

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte – hier : Die 3 Knaben auf der Bühne und gleichzeitig Schwebebahn fahrend © Jens Grossmann

Die Ouvertüren und die dann folgenden Handlungen werden  beständig durch Vdeossequenzen und Filme auf einem riesigen, 11 x 8 Meter großen, technisch vielschichtigen Bühnenschleier, kein  Vorhang, gestützt, karikiert, begleitet.

Zur Ouvertüre des 1. Aktes leuchtet auf diesem Bühnenschleier der Sternenhimmel des Weltalls auf. Die Erdkugel; dank Google Earth Satelliten-Karte, steigt langsam auf und lenkt den Blick des Besuchers auf langsam größer werdende Erdteile; auf Länder, Städte, Ortsteile um letztlich, gestochen scharf, die Oper Wuppertal von oben zu zeigen. Dann, unmerklich, dem Bühnenschleier erneut sei Dank, wandelt sich die Projektion in einen Film über reales Leben in Wuppertal: Eine riesige Schwebebahn fährt vorüber, Radfahrer, Fußgänger fahren, laufen an der Oper vorbei.

Die erste Handlung der Zauberflöte zeigt sich ebenfalls schon zur Ouvertüre auf dem Bühnenschleier: Die Drei Damen und die Königin der Nacht, in ehrwürdiger Kleidung, werden – Foto oben – aus der Oper geworfen, während Sarastro grinsend hinter einem Fenster der Oper zuschaut. Die Drei Damen und die Königin der Nacht stehen auf, schlendern nun durch Wuppertal, kleiden sich modern ein, kaufen sich einen Imbisswagen, nennen diesen BurgerQUEEN, verkaufen sodann Burger …..

Dieser Imbisswagen, die BurgerQUEEN,  findet sich in vielen Szenen der Handlung auf der Bühne wieder. Nach Ende der Vorstellung verabschiedet er mitsamt den Drei Damen vor den Türen des Opernhauses die Besucher auf ihrem Nachauseweg. Skurril wie originelle Facetten begleitet sodann durch die gesamte Handlung der Inszenierung; im ersten Bild, zu Taminos Arie „Zu Hilfe, zu Hilfe, sonst bin ich verloren…“ fährt (Video) hinter ihm eine riesige Schwebebahn über die Bühne, stoppt, zeigt „Betriebsstörung“ an. Derweil dann, aber ganz real auf der Bühne, Papageno als Strassenkünstler mit einem bunten Fahrrad auftaucht und seine Rezitative als packender Bauchredner mit einer Plüschente austauscht und die Bühne im Handstand (Kompliment) wieder verläßt. Doch auch gewohnte Klassik wird präsent, wenn der antike gestaltete  Tempel der Weisheit   mit pastoral feierlich gekleideteten Priester Würde, Milde ausstrahlt. Der Facettenreichtum der Inszenierung ist insgesamt sehr vielschichtig und entzieht sich so einer knappen Wiedergabe.

Das Programmheft der Oper Wuppertal kündigt diese speziellen Charakter der Zauberflöte schon in der Beschreibung des 1. Aufzug an: „Märchenprinz Tamino landet auf dem Grifflenberg und fürchtet sich … vor der Schwebebahn“.

Die Inszenierung von Bernd Mottl erhält in seiner Besonderheit alle Ingredienzien zum Volkstheater für Musical- oder Theater-Fans wie Opernliebhaber; den Spielplan der Oper Wuppertal wird diese auffällige Inszenierung mit Sicherheit auf Jahre zu finden sein und bestätigt erneut die Entscheidung der Wuppertaler Stadtoberen, welche vor einigen Jahren die mutige Entscheidung gegen ein Stagionesystem und für ein Repertoiresystem mit eigenem Ensemble für die Oper Wuppertal trafen: welches alle Formen von Kultur in Wuppertal dauerhaft halten, fördern sollte. Dies – eigene, neue, junge – Ensemble der Oper Wuppertal „schulterte“ diese so anspruchsvolle Oper, Zauberflöte, stimmlich und darstellerisch homogen wie hervorragend und bestätigt die Richtigkeit der damaligen Entscheidung: Die Zauberflöte der Oper Wuppertal verdeutlicht es: Kultur hat – selbst in Corona-Zeiten – in Wuppertal eigene, lokale, hohe Kompetenz; gibt der Stadt einen eigenen Charakter.

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : Sarastro und die Priester im Tempel der Weisheit © Jens Grossmann

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte – hier : Sarastro und die Priester im Tempel der Weisheit © Jens Grossmann

Der Besucher ist in dieser Produktion gefordert; zurücklehnen und nur genießen ist nicht angesagt. Natürlich lockt das vielschichte und bunt skurrile Geschehen auf der Bühne und auf dem riesigen wie  ungewohnten Bühnenschleier die Sinne der Besucher an, lenkt ab von Mozarts Weltgeist, von dem musikalischen Geschehen, von Orchester und Stimmen ab..

Doch: George Petrou, Barock-Spezialist, in der Rolle der Musikalischen Leitung und erstmalig an der Oper Wuppertal, und das Sinfonieorchester Wuppertal harmonierten, integrierten sich nahezu zärtlich in das komplexen Bühnengeschehen und führten das harmonische Ensemble unauffällig sicher.

Sangmin Jeon strahlte als Tamino mit kräftig höhesicherem Tenor von Beginn an , siehe oben, große Bühnenpräsenz aus. Simon Stricker als Papageno wiederum gewinnt schon im ersten Bild als Bauchredner und Artist das Publikum; seine vielschichtige Partie des Papageno gestaltete er ebenso überzeugend mit satt-sicherem Bariton, begleitet von der stimmlich wie darstellerisch ebenso gut begleiteten Anne Martha Schuitemaker als Papagena.  Nina Koufochristou meisterte ihre dramatisch anspruchsvollen Koloraturen der Königin der Nacht fast lyrisch klingend mit überraschender Gelassenheit. Sebastian Campione, als Sarastro bereicherndes Mitglied des Ensemble verlieh mit wohl timbrierten Bass seinen großen Arien den klassisch schweren ehrwürdigen Charakter; in darstellerischen Episoden verleiht Campione seiner Partie des Sarastro  humorige Züge. Ralitsa Ralinova als Pamina war stimmlich wie darstellerisch sehr präsent..  Die Drei Damen dieser Zauberflöte, Elena Puszta, Iris Marie Sojer, Joslyn Rechter verdienen der besonderne Erwähnung, begleiten sie doch die Besucher der Oper Wuppertal schon zur Ouvertüre, auf dem Bühnenschleier sichtbar. Ihre folgenden Arien gestalten sie sicher; durch bunte choreographische Einlagen haben auch sie Anteil an dem speziellen Charakter dieser Produktion. Die Verabschiedung der Besucher der nach Ende der Vorstellung auf dem Opernvorplatz, die Drei Damen vor ihrem BurgerQUEEN grüßend, wurde so zum Sahnehäubchen einer inspirierend modern skurrilen Inszenierung, welche diese Zauberflöte für Jahre zu einem Wuppertaler Wahrzeichen, einem kulturellen Aushängeschild macht.

 Oper Wuppertal / Die Zauberflöte - hier : der Schlussapplaus vorne vl Tamino, Papageno, Pamina © IOCO

Oper Wuppertal / Die Zauberflöte – hier : der Schlussapplaus vorne vl Tamino, Papageno, Pamina © IOCO

Das Publikum feierte diese lokal Wuppertalerische Deutung der Zauberflöte mit ungeteilt großem Beifall. So auch das hauseigene Ensemble, welches alle Partien dieser großen Oper so formidabel besetzen kann.

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NB: Die Inszenierung kommt später in der Spielzeit auch in einer verkürzten Fassung für Schulklassen in der Reihe »Große Oper Klein« zur Aufführung. Unter dem Titel »Seitenwechsel« übernimmt dann am Ende der Saison statt des Sinfonieorchesters mit dem Instrumental-Verein Wuppertal erstmals ein Laienorchester bei einer Opernaufführung den Orchesterpart.

Die Zauberflöte an der Oper Wuppertal; die weiteren Vorstellungen: 20.9.; 26.9.; 16.10.; 24.10.; 25.10.; 8.11.; 6.12.; 12.12.;2020; 30.01.2021 und mehr

—| IOCO Kritik Wuppertaler Bühnen |—

München, Bayerische Staatsoper, Die Zauberflöte – Wolfgang A. Mozart, IOCO Kritik, 06.09.2020

September 5, 2020 by  
Filed under Bayerische Staatsoper, Hervorheben, Kritiken, Oper

Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Die Zauberflöte  – Wolfgang Amadeus Mozart

– Ein tastender Versuch –

von Hans-Günter Melchior

Wolfgang A Mozart in Salzburg vor dem Festspielhaus © IOCO DZimmermann

Wolfgang A Mozart in Salzburg vor dem Festspielhaus © IOCO DZimmermann

Mit der Kultur ist wie mit dem Wald. Regnet es nicht, verdursten die Bäume und es entsteht eine Wüste.

Auch die Kultur kann nicht lange entbehren, worin sie besteht: der Aktualität, der lebendigen Betätigung. Da helfen auch nicht die Konserven der Plattenindustrie. Und vom allzu langen Bücherlesen beginnen die Augen zu tränen. Raus in die Wirklichkeit, das ist die Sehnsucht der Künstler.

Und nicht minder der Kunstkonsumenten. Wird die Kultur nicht aktuell betätigt, wird nicht gesungen, gespielt, gemalt und angeschaut und zugehört, tritt zuerst dieser ziehende Schmerz der Entbehrung auf –, und danach macht sich eine innere Leere breit, die Dumpfheit bleibenden Verlustes und schließlich díe Abtötung des Begehrens, ja des Interesses überhaupt: in einer Lethargie des Verzichts. Soweit darf es nicht kommen. Der Verlust wäre weit stärker als der etwaige Gewinn in einem Pandemie-Programm.

Ehrlich gesagt: ich hielt ihn nicht mehr aus, nicht diesen Schmerz, den ich noch nicht kannte, der ich doch mein Leben lang ins Theater, in die Konzerte und in die Oper ging.

Bayerische Staatsoper / Die Zauberflöte © W Hoesl

Bayerische Staatsoper / Die Zauberflöte © W Hoesl

Freudig begrüßte ich daher das Angebot der Bayerischen Staatsoper (zugegeben: ein Pandemie-Angebot unter der Fuchtel des Infektionsschutzgesetzes). Ich ging in die Zauberflöte in der uralten, von Helmut Lehberger etwas aufpolierten Inszenierung von August Everding aus dem Jahr 1983, die ich schon mehrfach gesehen habe.

Mit betritt das gewaltige Hause, ein Palast der Musik, wie ein Bankräuber: mit Maske. Weil ich die Maske trug, sah man mir die Freude nicht an. Freude spielt um die Mundpartie, das Lächeln, der missbilligend verzogene Mund, das breite, lärmende Lachen, ja, selbst dieses kommt hinter der Maske wie ein gefährliches Grunzen hervor.

Nur 500 Zuschauer sind zugelassen –, in München sagt man zu diesen Gelegenheiten: 500 Hanseln. Auch sie offenbar vorfreudig, mit wässrigen Augen, was man im Zweifel als Vorfreude deuten sollte, wenn es nicht allzu offensichtlich vom aufsteigenden Dampf des Atems herrührt.

Um es vorweg zu nehmen: es war ein schönes, erfrischendes Erlebnis, das das fast schon ausgetrocknete Reservoir der Kultur in mir etwas auffüllte. Es war ein Dreiviertelgenuss.

Die Zauberflöte – München – August Everding Inszenierung von 1983
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Um zum vollen Genuss werden zu können, hätte es der gewohnten Perfektion bedurft. Der Eindruck des Behelfsmäßigen drängte sich allenthalben auf. Oder genauer: das Provisorische verschaffte sich Geltung: der Orchestergraben, in dem etwa 50 Musiker unter der Wahrung der Abstandsregel Platz fanden, war beträchtlich vergrößert. Und die in der doch sehr großen Oper sich verlierenden, weit auseinander sitzenden 500 Zuschauer vermochten nicht diese typische, nervöse Spannung zu vermitteln, die einer Opernaufführung den Charakter des Ereignishaften, Einmaligen zu verleihen pflegt. Kein Nachbar, mit dem man sich austauschen könnte. Zu wenig dankbare Blicke zur Bühne. Eben nichtt dieses pralle Gefühl gemeinsamen Genusses.

Dennoch: geboten wurde solide Kunst, vom Orchester sogar große. Zwar dirigierte Jordan de Souza weitgehend fast emotionslos, zeichenhaft andeutend, ohne Feuer ins Orchester zu übertragen. Dessen bedurfte es freilich bei diesen exzellenten Musiker/innen keinesfalls. Was dieses von der Personenzahl relativ schwach besetzte Orchester an diesem Abend bot, war exemplarisch. Schlechthin perfekt.

Die sängerischen Leistungen hielten sich im guten Mittelmaß. Einzig der Sarastro von Mika Kares stach hervor, er bot neben dem kernigen Papageno von Michael Nagy eine Sängerleistung von internationalem Niveau. Die Königin der Nacht von Sabine Devieihle hatte in der Höhe ein wenig Mühe, wenn sie auch die extrem hohen Töne traf. Schön der Sopran der Pamina von Hanna-Elisabeth Müller, auch sie musste freilich  die Stimme ein wenig in die Höhe stemmen, während sich der Tamino von Benjamin Bruns der Partie durchaus stimmlich gewachsen zeigte. Wunderbar die drei Knaben des Tölzer Knabenchors und der – wie immer – archaisch anmutende Vortrag der beiden Geharnischten von Vincent Wolfsteiner und Markus Suihkonen.

Nun ja, die Inszenierung von August Everding ist – auch von Helmut Lehberger als ein wenig aufgefrischte Einstudierung – für Opernverhältnisse uralt. Märchenhaft. Da treiben sich Bären und Affen herum und zu Beginn jagt ein Riesenreptil dem armen Tamino einen Schrecken ein. Und die den Treppenaufgang zu dem etwas verstaubten Palast Sarastros flankierenden Löwen heben zum warnenden Donnerschlag, der Papageno einschüchtern soll, lustigerweise jeweils ein Bein. Und aus ihren Mäulern spritzt der Wein. Huch. Da hätten eben die Kinder ihre helle Freude gehabt. Ingmar Bergmann hat es so ähnlich versucht, nur tiefsinniger.

Kurzum: eine rechte Erfrischung war dieser Abend am Ende doch, auch wenn es an einem Buffet mit Erfrischungen fehlte. Aber die Pfälzer Weinstuben sind ja in der Nähe. In der warmen Sommernacht im Innenhof der Residenz stellte sich bei einem Glas Wein ein rechtes Glücksgefühl ein. Endlich wieder einmal in der Oper gewesen. Danke Staatsoper! Ein vorsichtiger, aber gelungener Versuch zur Normalität der unentbehrlichen Kultur.

Musikalische Leitung: Jordan de Souza, Inszenierung 1983 : August Everding, Neueinstudierung: Helmut Lehberger, Bühne: Jürgen Rose

Die Zauberflöte am Nationaltheater, München; die weiteren Vorstellungen: 7.9.; 10.9.; 12.9.; 23.9.; 25.9; 27.9.2020 und mehr

 

—| IOCO Kritik Bayerische Staatsoper München |—

Annaberg-Buchholz, Eduard von Winterstein Theater, Open-Air-Konzert – Rittergut Olbernhau, 05.09.2020

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Eduard von Winterstein Theater

Eduard von Winterstein Theater / Sommer-Open-Air - Die Erzgebirgsphilharmonie hat am Freitagabend zum Olbernhauer Sommer-Open-Air. Dirigiert wurde das Ensemble von GMD Naoshi Takahashi (Mitte.) © Jan Görner

Eduard von Winterstein Theater / Sommer-Open-Air – Die Erzgebirgsphilharmonie hat am Freitagabend zum Olbernhauer Sommer-Open-Air. Dirigiert wurde das Ensemble von GMD Naoshi Takahashi (Mitte.) © Jan Görner

Sommer-Konzert der Erzgebirgischen Philharmonie

im Rittergut Olbernhau

Am Samstag, dem 5. September, beginnt um 17 Uhr das Sommer-Open-Air-Konzert der Erzgebirgischen Philharmonie Aue im Rittergut in Olbernhau. Unter dem Titel „Oper für zwei“ werden schwungvolle Instrumentalstücke und berühmte Arien aus der Welt der klassischen Oper gespielt.

Olbernhau. Unter der Musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Naoshi Takahashi werden nach der Ouvertüre zu Mozarts Die Hochzeit des Figaro Arien und Duette zum Beispiel aus Rossinis Der Barbier von Sevilla, Beethovens Fidelio oder Mozarts Zauberflöte durch die laue Sommerluft schweben. Neben anderen Instrumentalstücken wird auch der „Furientanz“ aus der Oper Orpheus und Eurydike von Christoph Willibald Gluck zu hören sein. Das Duett „Reich mir die Hand, mein Leben“ aus Mozarts Don Giovanni rundet den musikalischen Genuss des Spätsommerabends unter freiem Himmel ab. Das Konzert selbst findet unter den gültigen Hygiene-Vorschriften statt.

Es spielt die Erzgebirgische Philharmonie Aue.
Dirigent: GMD Naoshi Takahashi
Solisten: Madelaine Vogt – Sopran, Jason-Nandor Tomory – Bariton
Moderation: Michael Eccarius

Kartenpreise: 9,00 € / 6,00 € ermäßigt
Karten: Tourist-Information Olbernhau
Grünthaler Straße 20
09526 Olbernhau
Tel.: 037360–689866
E-Mail: tourinfo@olbernhau.de

Öffnungszeiten:
Mo, Di, Do, Fr: 10.00 – 17.00 Uhr
Mi, Sa: 10.00 – 13.00

—| Pressemeldung Eduard von Winterstein Theater |—

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