Stuttgart, Oper Stuttgart, Orpheus in der Unterwelt von Jacques Offenbach, 22.12.2017

Dezember 18, 2017 by  
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Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

  Orpheus in der Unterwelt Jacques Offenbach

Wiederaufnahme am 22. | 28. | 31. Dezember 2017 10 | 24. | 27. Januar 2018

Am Freitag, 22. Dezember 2017, hebt sich um 19 Uhr wieder der Vorhang für Jacques Offenbachs „Opéra bouffe“ Orpheus in der Unterwelt in der Inszenierung von Armin Petras. Ans Pult des Staatsorchesters kehrt Hans Christoph Bünger zurück, der hier neben Orpheus in der Unterwelt bereits Jean-Philippe Rameaus Platée dirigierte.

Anders als im antiken Mythos beginnt Offenbachs 1858 in Paris uraufgeführte „Opéra bouffon“ nicht mit dem jähen Tod von Orpheus‘ geliebter Braut Eurydike auf dem Hochzeitsfest, sondern mit den Streitereien des Ehepaares, dessen glückliche Tage längst vorüber sind: Man betrügt sich gegenseitig mit Schäfern und Nymphen, alles läuft auf eine baldige Scheidung hinaus. Und so ist Orpheus auch zunächst erleichtert, als Eurydikes Geliebter, der sich als Unterwelt-Gott Pluto entpuppt, sie zu sich in den Hades entführt. Erst als die Öffentliche Meinung mit der Drohung einschreitet, Orpheus‘ Ruf zu ruinieren, erklärt er sich zähneknirschend dazu bereit, Eurydike aus dem Hades zurückzuholen.

 Paris / Jacques Offenbach © IOCO

Paris / Jacques Offenbach © IOCO

Die Rollen des Orpheus und des Eurydike verkörpern erneut Daniel Kluge und Josefin Feiler aus dem Stuttgarter Solistenensemble. Auch die weiteren Gesangsrollen sind mit Ensemblemitgliedern besetzt: Stine Marie Fischer als Öffentliche Meinung, André Morsch als Aristeus / Pluto, Kammersänger Michael Ebbecke als Jupiter, Maria Theresa Ullrich als Juno, Esther Dierkes als Venus, Kammersängerin Catriona Smith als Diana, Kammersänger Heinz Göhrig als Merkur sowie Kammersängerin Yuko Kakuta und Aoife Gibney alternierend als Cupido. Die Schauspieler André Jung und Max Simonischek kehren als Styx beziehungsweise Mars / Bacchus auf die Stuttgarter Opernbühne zurück.

Staatsoper Stuttgart / ORPHEUS IN DER UNTERWELT - André Jung (Styx), Josefin Feiler (Eurydike) und Daniel Kluge (Orpheus) © Martin Sigmund

Staatsoper Stuttgart / ORPHEUS IN DER UNTERWELT – André Jung (Styx), Josefin Feiler (Eurydike) und Daniel Kluge (Orpheus) © Martin Sigmund

Offenbachs 1858 in Paris uraufgeführte „Opéra bouffe“ parodiert den antiken Mythos vom thrakischen Sänger und bringt an der Grenze zwischen Drama und Tragödie stets das Komische zum Vorschein. Anders als im antiken Mythos beginnt sie nicht mit dem jähen Tod von Orpheus‘ geliebter Braut Eurydike auf dem Hochzeitsfest, sondern mit den Streitereien des Ehepaares, dessen glückliche Tage längst vorüber sind: Man betrügt sich gegenseitig mit Schäfern und Nymphen, alles läuft auf eine baldige Scheidung hinaus. Und so ist Orpheus auch zunächst erleichtert, als Eurydikes Geliebter, der sich als Unterwelt-Gott Pluto entpuppt, sie zu sich in den Hades entführt. Erst als die Öffentliche Meinung mit der Drohung einschreitet, Orpheus‘ Ruf zu ruinieren, erklärt er sich zähneknirschend dazu bereit, Eurydike aus dem Hades zurückzuholen. PMStOSt

Orpheus in der Unterwelt:  Vorstellungen : 22. | 28. | 31. Dezember 2017 10 | 24. | 27. Januar 2018

 

 

 

 

Stuttgart, Oper Stuttgart, Pique Dame von Peter Tschaikowsky, IOCO Kritik, 14.06.2017

Juni 15, 2017 by  
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Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Pique Dame von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky

Auf den Hintertreppen der Wohlstandsgesellschaft 

 Tschaikowskys Glücksucher-Phantasie als Flucht- und Such-Geschichte einer vergessenen Klasse

Von Peter Schlang

Die Handlung von Tschaikowskys 1890 uraufgeführter Oper Pique Dame stellt Regisseure wie aufmerksamen Zuschauer vor erhebliche, nur schwer zu lösende Probleme. Die Gründe dafür liegen in erster Linie in dem von Tschaikowsky Bruder Modeste nach der gleichnamigen Erzählung Alexander Puschkins verfassten Libretto, das so viele zeitliche und inhaltliche Brüche und Widersprüche aufweist, dass es nahezu unmöglich erscheint, daraus einen an die Handlung gebundenen schlüssigen Interpretationsansatz zu entwickeln.

Oper Stuttgart / Pique Dame - Ensemble © A.T. Schaefer

Oper Stuttgart / Pique Dame – Ensemble © A.T. Schaefer

Das erfahrene Regie-Duo Jossi Wieler und Sergio Morabito, dem noch eine Spielzeit lang die Leitung der Stuttgarter Staatsoper obliegt, versucht es in seiner ersten Auseinandersetzung mit einer Oper des wohl bekanntesten russischen Komponisten klugerweise erst gar nicht, diesen Widersprüchen auf rationale Weise beizukommen, sondern packt, wie man im Schwäbischen sagt, „den Stier an seinen Hörnern“. Dies will heißen, dass die beiden Regiefüchse, zusammen mit ihrer kongenialen, ihnen in vielen Regiearbeiten verbundenen Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Viebrock, die in der Handlung und auch in der Musik aufscheinenden verschiedenen Zeitebenen und –brüche ganz einfach zum Schlüsselthema ihrer Deutung machen. So führen sie das von Anfang an gebannt folgende Stuttgarter Premierenpublikum auf eine Reise durch verschiedene Epochen der Kultur- und Zeitgeschichte. Das bestens aufeinander eingespielte Trio nimmt also das Spiel mit den Zeiten und ihren Verschiebungen bewusst auf und ziemlich wörtlich, wobei dem Symbol der (Hinter-) Treppe eine herausragende Bedeutung zukommt. Damit fügen die drei ihrer in vielen Regiearbeiten demonstrierten Auseinandersetzung mit dem Theater und seinen Rollen und Möglichkeiten sowie dem „Spiel mit dem Spiel“ einen weiteren interessanten Aspekt hinzu, das Spiel mit verschiedenen Zeitebenen. Im wie immer opulent gestalteten und bestens informierenden Programmheft findet sich dafür das passende Bild der „Zeitkapsel“. Und dort schreibt Sergio Morabito zum Thema „Spiel“ auch die folgenden Zeilen: „Spielen, um der Kontrolle zu entkommen, spielen, um sich selbst zu überlisten, verrücktspielen – auf dem Theater, mit dem Theater, da man sonst verstummt; planen und berechnen, damit alles ganz anders kommt, um im entscheidenden Moment auf die Pique Dame statt auf das As zu setzen, verlieren, um zu gewinnen – in gewisser Weise ist das existentielle Thema der Pique Dame auch unser Thema als ‚Theater-Spieler‘“. –

Und, erlaubt sich der Berichterstatter hinzuzufügen, auch das eines jeden Menschen.
Anna Viebrock steuert ihren Teil zu diesem Spiel mit dem Spiel und der Zeit in Form eines genialen, t-förmigen Gebäudes mit vielen, für sie charakteristische Türen, Treppen, Leitern und Balkonen bei, das stark an die surrealen Visionen M. C. Eschers erinnert. Dieses an Häuserblocks in sozialen Schwerpunkten orientierte Mehrfamilienhaus mit seinen heruntergekommenen Fassaden und verrosteten Geländern und Steighilfen bietet drei verschiedene Blickwinkel und noch mehr Spielflächen, die raffinierter Weise alle im Außenbereich liegen und keinerlei Innenräume abbilden. Das dadurch bedingte Ausgeschlossen-Sein und Draußen-bleiben-müssen ist ein treffendes Bild der in dieser Aufführung zu erlebenden Figuren, die in ihrer Mehrzahl zu den Ausgegrenzten und Vergessenen der Gesellschaft gehören. Vor allem die Freunde Germans um deren Sprecher Tomski machen durch ihr Verhalten und Auftreten auf bedrückende Weise deutlich, wozu eine verlorene, erniedrigte Generation von Losern in der Lage ist.

Oper Stuttgart / Pique Dam - Yuko Kakuta als Mascha und Staatsopernchor © A.T. Schaefer

Oper Stuttgart / Pique Dam – Yuko Kakuta als Mascha und Staatsopernchor © A.T. Schaefer

An deren Situation ändert sich auch durch das noch so häufige Drehen der Kulisse nichts, obwohl dies ja auch Sinnbild für ständige Verwandlungen und Veränderungen sein könnte. Hier ist die dauernde Bewegung aber eher Ausdruck der Unruhe und des Getriebenseins, denen die auf der Stuttgarter Opernbühne zu erlebenden Figuren permanent unterworfen sind. Sie, und das gilt vor allem für den „ewigen Herumtreiber“ German, scheinen ständig auf der Flucht zu sein, vor sich selbst und vor allem, sie jagen dem Glück nach, ohne es jemals wirklich zu fassen zu bekommen und sind somit jeder Zeit fremd. Insofern mündet die Stuttgarter Deutung von Tschaikowskys Drama um den Spieler German, der eine intensive Beschäftigung mit den aktuellen gesellschaftlichen Verhältnissen in Russland und sogar eine Studienreise des Regietrios in die Stadt Peters des Großen vorausging, in einen äußerst skeptischen und resignativen Ausblick, dem nichts mehr von russisch-französischer Folklore und idyllischem Landleben anhaftet. Und es ist in Zeiten wirtschaftlicher und sozialer Verwerfungen und Unsicherheiten bestimmt nicht zu weit hergeholt, den Blick dabei auch auf die Länder der EU einschließlich Deutschlands zu richten.

Dass diese fast drei Stunden dauernde Inszenierung dennoch die Zuschauer nicht in depressive Stimmung versetzt, sondern quicklebendig und in Spannung hält, liegt an der zu jeder Sekunde durchdachten und fesselnden Personenführung und einer äußerst präzisen Ausdeutung der Charaktere. Dabei schreckt die Regie auch nicht vor vielleicht etwas platten, noch die kleinsten Rollen betreffenden kolportagehaften Stilmitteln zurück. Diese weisen aber etwa die Freundinnen Lisas bei deren Junggesellinnen-Abschied, den Kinderchor bei der Eingangsszene in an die Dreißigerjahre erinnernden Kleidern oder den Chor in seinen zahlreichen Auftritten und verschiedenen Rollen und Funktionen einer bestimmten Gesellschaftsschicht und damit auch Zeitebene zu. Auch der ständige Einsatz zeit-affiner Symbole wie einer echten „Taschen-Uhr“, durch Licht und Dunkelheit erzeugte Vorausdeutungen und einem zunächst als Spielgerät dienenden, dann platten Fußball unterstreichen den spielfreudigen und symbolhaltigen Charakter der neuen Stuttgarter Pique Dame.

Oper Stuttgart / Pique Dame - Marie Fischer, Rebecca von Lipinski und Staatsopernchor © A.T. Schaefer

Oper Stuttgart / Pique Dame – Marie Fischer, Rebecca von Lipinski und Staatsopernchor © A.T. Schaefer

Da erscheint es dann auch verzeihlich, wenn die im Stück eigentlich nicht vorkommende russische Kaiserin Katharina die Große mehrfach als leicht begleitetes, fast magersüchtiges Nummerngirl über die Bühne des Stuttgarter Opernhauses tänzeln darf. Dieses und viele weitere Momente und Motive, etwa die an eine höfische Kutsche oder an einen aus einer Barockkirche stammenden Beichtstuhl erinnernde Behausung und Transporthilfe der von Helene Schneiderman ausdrucksstark und berührend verkörperten alten Gräfin, zeugen nicht nur von der Phantasie des Regie- und Ausstattungsteams, sondern auch von der hohen Qualität der verschiedenen Werkstätten und Ateliers der Stuttgarter Staatsoper, denen bei dieser Gelegenheit einmal ausdrücklicher und besonderer Beifall gezollt werden soll.

Auch musikalisch bewegt sich die letzte Stuttgarter Premiere dieser zu Ende gehenden Spielzeit auf höchstem Niveau. Das gilt zunächst für das von Silvain Cambreling bei dessen erstem Dirigat einer Tschaikowsky-Oper souverän wie umsichtig geleitete Staatsorchester. Er versteht es zu jeder Zeit, die der Musik innewohnende ganz und gar russische Atmosphäre lebendig und gleichzeitig die vom Komponisten gewählte Instrumentierung nach bester Pariser Schule hörbar werden zu lassen. So zeigen sich die Stuttgarter Musikerinnen und Musiker der äußerst farbigen und kontrastreichen Partitur bestens gewachsen und erzielen mit deren lyrischen Stimmungskontrasten höchst dramatische Wirkungen, die sich mal in einem präsenten, kraftvollen, wenn nötig aber auch in einem sehr transparenten, luziden und kammermusikalischen Ton verdichten. Mit diesem abgestuften, dynamischen und detailgenauen Musizieren bietet das Stuttgarter Staatsorchester an diesem Abend eine grandiose musikalische Leistung, die auch die Ausführenden auf der Bühne inspiriert und beflügelt.
Zu denen gehört, um bei den Kollektiven zu bleiben, erneut und wie eigentlich immer der von Johannes Knecht in jeder Hinsicht phänomenal vorbereitete Staatsopernchor. Wie dieses aus 70 Agierenden zusammengefügte Ensemble spielt und singt – und das wohlgemerkt in russischer Sprache – und dazu auch während eigentlich chorfreier Stellen höchste Bühnenpräsenz zeigt, dürfte so schnell nicht zu überbieten sein. So bieten die Sängerinnen und Sänger ein bunt schillerndes Panoptikum an Charakteren unterschiedlicher Epochen und Schichten und bringen sich mit ihrem Auftritt an diesem Abend erneut als ganz heißen Anwärter auf den Titel „Chor des Jahres“ ins Gespräch.
Auch die Solisten, bis auf die als Gäste nach Stuttgart zurückgekehrten Erin Caves in der männlichen Hauptfigur des German und der dessen Kumpel Tomski verkörpernden Vladislav Sulimsky allesamt Mitglieder des Stuttgarter Ensembles, überzeugen ohne große Abstriche und weisen sich wieder einmal nicht nur als bewährte Sängerinnen und Sänger aus, sondern – und anders geht dies in Stuttgart sowieso nicht – auch als phänomenale Darstellerinnen und Darsteller.

Als solche verdienen schon wegen ihres Rollenumfangs der bereits genannte Erin Caves und die ihm als Subjekt seiner Begierde Lisa quasi zur Seite gestellte Rebecca von Lipinsky besondere Hervorhebung. Beide füllen ihre Rollen mit inniger Hingabe und großem Melos aus und nehmen mit klarer und feiner Stimmführung für sich ein, wobei sie trotz rollenbedingter dramatischer Spitzen und Höhen nie in bei manch anderen Darstellern zu befürchtende Übertreibungen abgleiten.
Bei den Nebenrollen verdient sich neben der bereits hervorgehobenen Helene Schneiderman vor allem die Polina der Stine Marie Fischer höchstes Lob, und das weiß Gott nicht nur, weil sie als „große Blonde“ eine der optisch auffälligsten und schauspielerisch präsentesten Akteurinnen des Abends ist. Aber auch Maria Theresa Ullrich als Gouvernante und Yuko Kakuta als Lisas Freundin Mascha glänzen in ihren jeweiligen Rollendebüts – was übrigens bis auf Vladislav Sulimsky für alle an diesem Abend auf der Bühne Stehenden gilt – mit einer äußerst passablen und rollengerechte Leistung.
Bei den männlichen Darstellern sind neben dem bereits erwähnten, mit einer angenehm sonoren Baritonstimme ausgestatteten Vladislav Sulimsky vor allem Shigeo Ishino zu nennen, der den Grafen Jeletzki, Lisas auserwählten Ehemann, äußerst glaubhaft als soignierten und aus dem sonst vorherrschenden Milieu herausfallenden Charakter gibt. Torsten Hofmann als Tschekalinski, David Steffens als Surin, Gergely Németi als Tschapilitzki sowie Michael Nagl, noch dem Opernstudio angehöriger „Sänger-Azubi“, als Narumov vervollständigen stimmlich wie darstellerisch makellos die Clique um Tomski-Sulimsky, die zu jeder Zeit erfolgreich versucht, German-Caves zu nerven und bloßzustellen.

Oper Stuttgart / Pique Dame - Gräfin, Lisa und German © A.T. Schaefer

Oper Stuttgart / Pique Dame – Gräfin, Lisa und German © A.T. Schaefer

Das Premierenpublikum, unter das sich zahlreiche Prominenz aus der lokalen wie regionalen Kulturszene, Politik und Wirtschaft gemischt hatte, dankte mit Bayreuth-artigem, zwanzigminütigem frenetischer Beifall allen Beteiligten. Die Mitglieder des Regieteams waren also genauso wie der bereits erwähnte Stuttgarter GMD Sylvain Cambreling und sein Staatsorchester, der Leiter des Opernchores Johannes Knecht und seine an diesem Abend aus zwei Teilen bestehender Gefolgschaft, der Staatsopernchor und der Kinderchor, sowie alle Solistinnen und Solisten dieser mitreißenden Opernproduktion gleichberechtigte und verdiente Adressaten dieses kaum enden wollenden Beifalls.
Dieser denkwürdige Opernabend hatte kurz vorher – genauso wie Germans Leben nach einer von dessen letzten Fragen – sein Ende gefunden. Es war dies das an das Existenzielle rührende:

„Was ist unser Leben? Ein Spiel!
Gut und Böse? Hirngespinste!
Arbeit und Ehrlichkeit? Weibermärchen!“

Auf dem Heimweg durch den inzwischen fast dunklen Stuttgarter Schlossgarten leuchtete dem Rezensenten ein Plakat des Stuttgarter Einkaufszentrums Gerber mit der Botschaft entgegen: “Gerber ist Shopping.“ Angesichts der momentan nicht nur in Stuttgart zu beobachteten Aufrüstung mit weiteren Shopping-Malls und dem Konsumrausch vieler Zeitgenossen ist der kritische Beobachter versucht, diesen Slogan in „Das Leben ist Shopping“ abzuwandeln. Vor dem Hintergrund der zurückliegenden drei aufrüttelnden Theaterstunden entpuppt sich eine solche Sicht zwar als zu einfach, sie scheint aber zeitgemäß zu sein und ist damit durchaus ein passender Beitrag zum großen Thema dieses Opernabends, dem Spiel mit Zeiten, Rollen und Ansichten.

Pique Dame an der Oper Stuttgart:  Weitere Vorstellungen am 14., 24. und 27. Juni sowie am 01., 06. und 24. Juli 2017

 

Stuttgart, Oper Stuttgart, Höhepunkte der Spielzeit 2016/17

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Oper Stuttgart

Stuttgart Opernhaus © A.T. Schaefer

Stuttgart Opernhaus © A.T. Schaefer

Die ersten Höhepunkte der Spielzeit 2016/17

Am Freitag, 23. September 2016, eröffnet die Oper Stuttgart mit Ludwig van Beethovens einziger Oper Fidelio in der Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito. Am Samstag, 24. September, kehrt Giuseppe Verdis Rigoletto und am Sonntag, 25. September, Georges Bizets Carmen zurück auf die Opernbühne. Zu einem musi-kalischen Streifzug durch die kommende Opern- und Konzertsaison lädt die Oper Stuttgart im Rahmen der Spiel-zeiteröffnung Oper ohne Grenzen ebenfalls am Sonntag, 25. September, um 11 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Inszenierung von Georg Friedrich Händels Alcina des Regieduos Jossi Wieler und Sergio Morabito feiert am Mittwoch, 05. Oktober, Wiederaufnahme. Als Eröffnungspremiere inszeniert Frank Castorf am Sonntag, 30. Oktober, Charles Gounods Faust. Musiker des Staatsorchesters Stuttgart eröffnen die Konzertsaison mit einem kostenlosen Lunchkonzert am Dienstag, 04. Oktober, dicht gefolgt vom 1. Sinfoniekonzert am 09. und 10. Okto-ber 2016 unter der Musikalischen Leitung von Marek Janowski.


Spielzeiteröffnung 2016/17
Oper ohne Grenzen: Eine musikalische Matinee zum Saisonauftakt
Sonntag, 25. September 2016, um 11 Uhr
Freiheit und Grenzüberwindung stehen im Zentrum der Spielzeit 2016/17, und dies auf vielfältige Art und Weise: Als Antwort auf die wachsende Fremdenfeindlichkeit in Deutschland hatte die Deutsche Opernkonferenz im vergangenen Jahr den Gedanken der „Oper ohne Grenzen“ ins Leben gerufen. Diesen Leitsatz greift die Oper Stuttgart auf und startet am 25. September 2016 unter diesem Motto mit einer großen Spielzeiteröffnung in die neue Opern- und Konzertsaison. Leitungsteam, Sänger und Instrumentalisten des Staatsorchesters Stuttgart laden das Publikum auf eine musikalische Reise durch die kommende Spielzeit ein. Der Eintritt zur Spielzeiteröff-nung ist frei. Freie Platzwahl.


Erste Opernvorstellungen
Fidelio von  Ludwig van Beethoven 23. / 26. / 30. Sep 2016, 24. / 28. Okt, 5. / 8. / 15. / 18. Nov
Musikalische Leitung: Patrick Lange, Regie und Dramaturgie: Jossi Wieler, Sergio Morabito, Bühne: Bert Neumann, Kostüme: Nina von Mechow, Licht: Lothar Baumgarte
Chor: Johannes Knecht
Don Fernando: Ronan Collett, Don Pizarro: Michael Ebbecke, Florestan: Eric Cutler, Leonore: Rebecca von Lipinski, Rocco: Roland Bracht, Marzelline: Josefin Feiler, Jaquino: Daniel Kluge


Rigoletto von Giuseppe Verdi   24. Sep 2016, 1. / 8. / 13. / 22. / 25. Okt, 9. / 26. Nov, 7. / 12. / 16. Dezember 2016
Musikalische Leitung: Lorenzo Viotti / Giuliano Carella
Regie und Dramaturgie: Jossi Wieler, Sergio Morabito
Bühne: Bert Neumann, Kostüme: Nina von Mechow, Licht: Lothar Baumgarte
Chor: Johannes Knecht

Herzog von Mantua: Ivan Magrì, Rigoletto: Francesco Landolfi / Markus Marquardt, Gilda: Lenneke Ruiten / Mirella Bunoaica, Graf von Monterone: Roland Bracht, Graf von Ceprano: Padraic Rowan / Michael Nagl, Gräfin: Idunnu Münch / Josy Santos, Marullo: Ashley David Prewett, Borsa: Kai Kluge, Sparafucile: Liang Li, Maddalena: Ezgi Kutlu / Stine Marie Fischer, Giovanna: Carmen Mammoser


Georges Bizet   Carmen:  25. Sep 2016, 2. / 15. / 21. Okt, 7. / 14. / 19. / 25. Nov
Musikalische Leitung: Modestas Pitrenas, Regie: Sebastian Nübling
Bühne und Kostüme: Muriel Gerstner
Licht: Gérard Cleven, Video: Gabriele Vöhringer
Chor und Kinderchor: Christoph Heil, Dramaturgie: Xavier Zuber
Zuniga: David Steffens, Morales: Ronan Collett, José: Matthias Klink, Escamillo: Bogdan Baciu / Gezim Myshketa, Dancaïre: Dominic Große, Remendado: Kai Kluge, Frasquita: Esther Dierkes, Mercedes: Maria Theresa Ullrich, Carmen: Ramona Zaharia, Micaëla: Pumeza Matshikiza / Catriona Smith, Surplus (Schauspieler): Luis Hergón


Wiederaufnahme
Georg Friedrich Händel Alcina 5. / 9. / 12. / 23. / 29. Okt 20161. / 4. / 12. Nov
Musikalische Leitung: Christian Curnyn
Regie und Dramaturgie: Jossi Wieler, Sergio Morabito
Bühne und Kostüme: Anna Viebrock
Alcina: Ana Durlovski, Ruggiero: Diana Haller, Morgana: Yuko Kakuta, Bradamante: Stine Marie Fischer, Oronte: Sebastian Kohlhepp, Melisso: Arnaud Richard, Oberto: Josy Santos


Eröffnungspremiere
Charles Gounod Faust 30. Okt 20163. / 6. (nm) / 11. / 17. Nov16. / 21. / 30. Jan 2017
Musikalische Leitung: Marc Soustrot, Regie: Frank Castorf
Bühne: Aleksandar Deni, Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Licht: Lothar Baumgarte, Chor: Johannes Knecht, Dramaturgie: Ann-Christine Mecke
Faust: Atalla Ayan, Mephistopheles: Adam Palka, Valentin: Gezim Myshketa, Wagner: Michael Nagl, Margarethe: Mandy Fredrich, Siebel: Sophie Marilley / Josy Santos, Marthe Schwerdtlein: Iris Vermillion / Fredrika Brillembourg
Einführungsmatinee:  23. Okt 2016, 11 Uhr, im Opernhaus, Foyer I. Rang


Erste Konzerte
1. Lunchkonzert
04. Okt 2016, 12:45 – 13:15 Uhr, Opernhaus, Foyer I. Rang
Mit Musikern des Staatsorchesters Stuttgart Eintritt frei


1. Sinfoniekonzert: Phantastische Polyphonie
09. und 10. Okt 2016, 11 Uhr bzw. 19.30 Uhr, Beethovensaal der Liederhalle
Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 5 B-Dur (1875-78)
Musikalische Leitung: Marek Janowski
Staatsorchester Stuttgart


1. Kammerkonzert: Lange Nacht der Nachtmusiken
19. Okt 2016, 19.30 Uhr, Mozartsaal der Liederhalle
In Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Stuttgart
Wolfgang Amadeus Mozart Serenade c-Moll (»Nacht musique«) KV 388 für Bläseroktett (1782) George Crumb Four Nocturnes (»Night Music II«) für Violine und Klavier (1964) Franz Schubert Triosatz (»Notturno«) für Klavier, Violine und Violoncello Es-Dur D 897 (1827-28) Johann Sebastian Bach Goldberg-Variationen BWV 988 (1741) in einer Fassung für Streichtrio u. a.
Rezitation: Manja Kuhl
Mit Musikern des Staatsorchesters Stuttgart


1. Liedkonzert: Abschied mit Schubert

28. Nov 2016, 20 Uhr, Opernhaus, Foyer I. Rang
Lieder von Franz Schubert, Carl Loewe und Ludwig van Beethoven
Bass: Matthias Hölle Klavier: Stephen Hess
Musiker des Staatsorchesters Stuttgart
Vorverkaufsbeginn am 28. September 2016. Schriftliche Kartenvorbestellung bereits möglich.

Junge Oper
CastingFür die Projektchöre von Benjamin
Alte Musikhochschule Stuttgart, Urbansplatz 2, 70182 Stuttgart
Erwachsenenchor (24 – 99 Jahre): 13. Okt 2016 ab 17 Uhr
Jugendchor (15 – 23 Jahre): 15. Okt 2016 ab 10 Uhr
Anmeldung: education@staatstheater-stuttgart.de


1. Sitzkissenkonzert: Im Garten der Pusteblumen
Opernhaus, Foyer III. Rang
22. Okt 2016, 14 und 15.30 Uhr, 27. Okt, 9.30 und 11 Uhr / 29. Okt, 14 und 15.30 Uhr /
10. Nov, 9.30 und 11 Uhr / 21. Nov, 9.30 und 11 Uhr / 28. Nov, 9.30 und 11 Uhr /
1. Dez , 9.30 und 11 Uhr / 3. Dez, 14 und 15.30 Uhr

Die Premieren der Musiktheaterproduktionen Gold von Leonard Evers und Benjamin von Gion Antoni Derungs finden am 14. Jan 2017 bzw. 23. Juni 2017 statt.

Vorverkauf
Der Vorverkauf für die Veranstaltungen im September und Oktober 2016 hat bereits begonnen. Karten über www.oper-stuttgart.de, Kartentelefon: 0711.20 20 90 und an der Theaterkasse.

Telefonischer Verkauf und Öffnungszeiten der Theaterkasse während der Theaterferien 28. Juli bis 28. August 2016 (Telefonischer Kartenvorverkauf und Abonnementbüro): Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 14 Uhr, Donnerstag von 14 bis 18 Uhr erreichbar; Tageskasse geschlossen.

29. August bis 11. September 2016 (Tageskasse und Abonnementbüro): Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 14 Uhr, Donnerstag von 14 bis 18 Uhr geöffnet und telefonisch erreichbar.

Pressemeldung Staatsoper Stuttgart

Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZERN, 18.09.2015

September 7, 2015 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

SPIELZEITERÖFFNUNG 2015/16 DER OPER FRANKFURT MIT HELMUT LACHENMANNS DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZERN

Premiere / Frankfurter Erstaufführung
DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZERN
Musik mit Bildern von Helmut Lachenmann (*1935)
Text vom Komponisten nach dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen
sowie Texten von Leonardo da Vinci und Gudrun Ensslin
Mit Übertiteln

Freitag, 18. September 2015, um 19.30 Uhr im Opernhaus

Oper Frankfurt / Das Mädchen mit den Schwefelhölzert © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt / Das Mädchen mit den Schwefelhölzert © Monika Rittershaus

Musikalische Leitung: Erik Nielsen
Inszenierung: Benedikt von Peter
Bühnenbild: Natascha von Steiger
Kostüme: Cinzia Fossati, Natascha von Steiger
Licht: Joachim Klein
Video: Bert Zander
Dramaturgie: Sylvia Roth, Mareike Wink
ChorWerk Ruhr: Michael Alber

Mit freundlicher Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain

BESETZUNG:
Sopran: Christine Graham, Yuko Kakuta
Klavier: Yukiko Sugawara, Tomoko Hemmi
Shô: Mayumi Miyata
Sprecher: Helmut Lachenmann
Schauspieler: Michael Mendl
ChorWerk Ruhr; Statisterie der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Oper Frankdurt / Helmut Lachenmann © Astrid Karger

Oper Frankdurt / Helmut Lachenmann © Astrid Karger

Helmut Lachenmann (*1935) gilt als einer der herausragenden Komponisten der musikalischen Avantgarde. In seinen Werken geht es ihm stets um die Erweiterung des herkömmlichen Musikbegriffs, die er u.a. mit der Loslösung von Tonalität und Tonhöhe erreicht. Geräusche verwendet er als integrale Teile des Klangs, innovative Spieltechniken auf traditionellen Instrumenten sollen zu einem neuen Hörverständnis des Publikums beitragen. Dem vielfach ausgezeichneten Künstler wurde u.a. 2015 der Deutsche Musikautorenpreis für sein Lebenswerk verliehen.

„Musik mit Bildern“ lautet der Untertitel von Lachenmanns zentralem Bühnenwerk Das Mädchen mit den Schwefelhölzern, das am 26. Januar 1997 an der Hamburgischen Staatsoper mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Basierend auf dem gleichnamigen Märchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen, verknüpft Lachenmann das Schicksal der Titelfigur mit dem der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin, aus deren Texten er neben anderen in seinem Libretto zitiert. Dabei gibt es keine Handlung im eigentlichen Sinn. Das Schicksal der Protagonistin wird vornehmlich durch die Musik vermittelt, wobei das Publikum zwischen den im Zuschauerraum verteilten Orchestermitgliedern Platz nimmt und so Teil des Geschehens wird.

Andersens kleines Mädchen, im Winter ausgeschickt um Streichhölzer zu verkaufen, entzündet eines nach dem anderen, um sich zu wärmen und am Ende doch in der physischen und gesellschaftlichen Kälte zu erfrieren. Während dem Kind die Streichhölzer einen Moment Wärme geben, dienen sie Gudrun Ensslin als Waffe gegen das verhasste System. Benedikt von Peters Inszenierung beginnt dort, wo 1968 Kaufhäuser brannten: in einer Großstadt, mitten in der Gesellschaft mit all ihren sozialpolitischen Facetten.

Die musikalische Leitung der Neuproduktion hat Frankfurts ehemaliger Kapellmeister Erik Nielsen, der in naher Zukunft Chefpositionen in Bilbao und am Theater Basel antreten wird. Regisseur Benedikt von Peter ist seit 2012 Operndirektor am Theater Bremen und wird 2016 die Intendanz des Luzerner Theaters übernehmen. Zu den Mitwirkenden gehören zudem Helmut Lachenmann als Sprecher sowie der renommierte Schauspieler Michael Mendl, der bereits 2014/15 anlässlich der Uraufführung von Rolf Riehms Sirenen in Frankfurt zu Gast war. Die weiteren an der Produktion beteiligten Künstlerinnen und Künstler sind überwiegend bereits mit Lachenmanns Werk vertraut, darunter die japanische Sopranistin Yuko Kakuta sowie ihre Landsfrauen Yukiko Sugawara – Lachenmanns Ehefrau – und Tomoko Hemmi am Klavier. Das Instrument der Shô-Spielerin Mayumi Miyata ist eine traditionelle japanische Mundorgel. Auch das Vokalensemble ChorWerk Ruhr hat Lachenmanns Mädchen bereits aufgeführt, so wie der Dirigent Matthias Hermann, der als Schüler Lachenmanns die Leitung einiger Vorstellungen übernehmen wird. Die amerikanische Sopranistin Christine Graham gibt ihr Frankfurt-Debüt.

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