Lyon, Opéra de Lyon, Guillaume Tell – Gioacchino Rossini, IOCO Kritik, 08.10.2019

Oktober 8, 2019 by  
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Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon

Guillaume Tell  –   Gioachino Rossini

– Apfelschuss mit Cellotrümmern –

von Julian Führer

Von Guillaume Tell gibt es viele Fassungen, mehrere sind schon zu Rossinis Lebzeiten entstanden, teilweise von ihm selbst arrangiert. Um die Zensur zu beruhigen, wurde die Handlung einmal unter dem Titel Rodolfo di Sterlinga nach Schottland verlegt, denn für manche Bühne war die Apotheose am Schluss mit den Rufen nach Liberté doch etwas zuviel. Gleichzeitig – das fast bibliophil aufgemachte Programmheft unterstreicht es – schrieb Rossini zur Zeit der Restauration, also unter Herrschaft der Bourbonenkönige, für die Pariser Oper, er konnte und wollte also auch gewiss nicht zum Kampf gegen die Obrigkeit aufrufen. Im Gegenteil, die Werte der Restaurationszeit wie familiärer Zusammenhalt werden in der Oper sehr betont und ausschließlich der Kampf gegen  fremde Herrschaft als legitim dargestellt. Und das Sujet war in Frankreich bekannt: Wilhelm Tell war bereits in der Französischen Revolution über die kleine Schweiz hinaus als Freiheitsheld verehrt worden (ein Stadtviertel von Paris wurde sogar in „Section de Guillaume-Tell“ umbenannt).

Guillaume Tell –  Making of ..
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Für die italienischen Bühnen gibt es eine italienische Version (Guglielmo Tell). Die Urfassung war so lang, dass eine Vorstellung in Bologna bis nachts um drei Uhr gedauert haben soll. Vor der Pariser Premiere von 1829, aber auch später und auch in der italienischen Version wurden – wieder (meist) von Rossini selbst – etliche Stücke gestrichen, und die ursprünglichen vier wurden auf drei Akte gekürzt. In der Opéra de Lyon wird die vieraktige Fassung gespielt, und zwar mit den heute immer noch meist gestrichenen beiden Ballettszenen. Das Ergebnis ist ein vierstündiger Opernabend – nicht nur kompositorisch hat sich Rossini mit dieser Oper deutlich weiterentwickelt. Dass er mit 37 Jahren nach Guillaume Tell keine Opern mehr schrieb und überhaupt nur noch selten komponierte, wurde schon von Richard Wagner bedauert.

Wilhelm Tell ist fester Bestandteil der Schweizer Nationalmythologie, ein um 1300 aktiver Freiheitskämpfer, der zwar erst ein paar Jahrhunderte später erfunden wurde, aber dennoch bis heute populär ist. Sein Gegenspieler, der böse Gessler im Dienst der Habsburger, dessen Hut die Eidgenossen grüßen sollen, ist ebenfalls so populär, dass eine EU-feindliche Partei ihre Wahlplakate noch im Jahr 2019 mit dem Gesslerhut und Parolen gegen ein „EU-Diktat“ garniert. Rossinis Oper als patriotisches Drama inszenieren, würde das Stück jedoch verengen. Die Neuinszenierung der Opéra de Lyon abstrahiert hier: Die Schweizer werden hier zu Musikern eines klassischen Orchesters. Das überrascht (und würde so manchen Schweizer noch mehr überraschen) – wie passt das zum Inhalt, und wie passt es zur Musik?

Tobias Kratzer als Regisseur entscheidet sich für eine Lesart, die eine im Libretto deutlich angelegte Schwarz-weiß-Konstellation aufnimmt: Die eine Seite (eigentlich: die Schweizer, Männer- und Frauenchor) trägt stets Schwarz (manchmal weißes Hemd und schwarze Hose, Kostüme: Rainer Sellmaier). Ab und tragen diese Menschen Instrumente, sind also als Musikerinnen und Musiker erkennbar, während eine andere Gruppe (Geslers Leute, also habsburgische Truppen, nur Männerchor) zu weißen Overalls kleine schwarze Melonen trägt (exakt wie die Droogs aus Stanley Kubricks Film Clockwork Orange). Sie tragen keine Instrumente, sondern Baseballschläger.

Opéra de Lyon / Guillaume Tell © Stofleth

Opéra de Lyon / Guillaume Tell © Stofleth

Zunächst sieht es doch nach Postkartenschweiz (Foto) aus: Der Bühnenhintergrund ist ein Bergpanorama. Zur bekannten Ouvertüre spielt eine Statistin simultan zum Orchestergraben Cello, im zweiten Teil (der Gewitterschilderung) treten die ‚Weißen‘ auf, zertrümmern in einem Akt grund- und sinnloser Gewalt das Instrument und verjagen die Künstlerin, der Vorhang schließt sich. Ein irritierender, verstörender Beginn, der für das Leitmotiv der Regie wichtig ist. Aus dem recht tiefen Orchestergraben ist viel Schönes zu hören; Daniele Rustioni setzt mehr auf einen fein dosierten Mischklang als auf rasante Staccati, die im vierten Teil der Ouvertüre auch möglich wären, aber formt ein sehr stimmiges Klangbild und kann seine Musiker vier Stunden lang zu Höchstleistungen motivieren.

Der erste Akt beginnt, der Vorhang wird wieder geöffnet: Der Chor (hier als Konzertchor kostümiert) sitzt auf Stuhlreihen. Leicht erhöht auf der Spielfläche ein Esstisch, an dem Hedwige ihrem Mann Guillaume Tell und ihrem Sohn Jemmy, der gerade noch Geige geübt hat, das Essen serviert. Jemmy, eine Sopranpartie, wird von einem allenfalls sechsjährigen Kind verkörpert, während zusätzlich die Sängerin Jennifer Courcier auf der Bühne agiert, mal halb versteckt, mal das Kind quasi verdoppelnd. Bei der dargestellten Szene scheint es dem Kind nicht recht zu schmecken, es klettert unter den Tisch…

Der erste Akt ist eher handlungsarm, er dient der Exposition des Gegensatzes der friedlichen Welt mit Hochzeitsgesellschaften und Tanz auf der einen und der aggressiven Welt mit zackigen Hörnern aus der Ferne auf der anderen Seite. Der unglücklich verliebte Fischer (hier der Chorist) Ruodi (Philippe Talbot) singt berückend schön von seiner Geliebten (schade, dass Rossini ihn dort stehenlässt und ihm nicht noch mehr Musik auf den Leib geschrieben hat), während drei Brautpaare vom alten Melcthal (Tomislav Lavoie sonor, doch ohne zu chargieren, nicht ganz textsicher, mit dem Taktstock des Dirigenten) gesegnet werden. Wilhelm Tell ist bereits glücklich verheiratet, der junge Melcthal namens Arnold (noch) nicht, zum Kummer seines Vaters. Arnold liebt Mathilde, die habsburgische Prinzessin, aber das kann er niemandem gestehen, auch wenn Wilhelm/Guillaume sich seine Gedanken macht.

Aus der Ferne hört man die Jagdhörner der Bösen, und als Arnold über „les tyrans qu’a vomis l’Allemagne“ sinniert, fließt zum ersten Mal von oben Farbe über das schöne Bergpanorama. Die Segnung der Brautpaare geht in die erste Balletteinlage über – wie schön, dass hier einmal nicht gestrichen wurde, denn die Musik Rossinis lohnt sich und verleiht der Hochzeit auch in der Binnenarchitektur des ersten Aktes mehr Gewicht. Der Schießwettbewerb der Vorlage wird hier zu einer Art ‚Jugend musiziert‘ umgedeutet, Tells Sohn gewinnt mit seiner Violine den Preis. Im Finale des ersten Aktes wird dann der Anstoß zum dramatischen Konflikt geliefert: Leuthold (Antoine Saint-Espes) stürzt herein, atemlos und blutüberströmt, hat aber sein Fagott dabei. Er hat in einer Notsituation einen Mann Geslers (bei Rossini nur mit einem s) erschlagen und wird verfolgt. Tell rettet ihn vor den Schergen, die aber Melcthals Taktstock zerbrechen und ihn als Geisel davonschleppen. Tell ist in seiner Ablehnung der Fremdherrschaft kompromisslos und ruft noch die Frauen (im Rahmen einer Hochzeitsfeier!) zum Gebärstreik auf, damit keine neuen Sklaven zur Welt kommen – doch dies wird hier nicht vertieft. Der erste Akt endet (nach 75 Minuten) mit einer großen Chorszene, in der Energie und feine Abstufungen wechseln. Überhaupt ist dieses Stück eine Choroper wie später etwa Lohengrin, und der Chor der Opéra de Lyon singt präzise, textverständlich, klar, wobei ihm darstellerisch einiges abverlangt wird.

Opéra de Lyon / Guillaume Tell © Stofleth

Opéra de Lyon / Guillaume Tell © Stofleth

Zu Beginn des zweiten Aktes wird das Postkartenpanorama von oben wieder mit schwarzer Farbe übergossen. Dieses Vorgehen wiederholt sich bei jeder Aktion der Bösen, bis im vierten Akt die Berge unsichtbar geworden sind. Wie bei Bellinis stilistisch sehr nahestehenden und wenige Jahre später auch für Paris komponierten I Puritani wird ein Fernchor (der Schäfer) eingesetzt. Auf der Bühne singen bzw. grölen die von Rodolphe (Grégoire Mour mit stets deutlicher Diktion und sofort ansprechender, klar geführter Stimme) kommandierten Leute Geslers einen Jägerchor, in dem es um das unvergleichliche Vergnügen geht, einem Tier beim Sterben zuzusehen. Tobias Kratzer hat während des Vorspiels den grausamen Mord an Melcthal dargestellt, so dass der blutrünstige Text auch szenisch eine Entsprechung findet. Der zweite Akt gehört ansonsten Mathilde und dann Arnold. Die Habsburgerin hat wie Rodolphe einen Golfschläger als Attribut. Das ist weder zwingend noch sonderlich schlüssig, ihre Zugehörigkeit zur ‚anderen‘ Seite ist durch die weiße Kleidung eigentlich hinreichend unterstrichen. Musikalisch ist diese Szene wegen Jane Archibald als Mathilde ein Ereignis. Rossini hat dieser Rolle eine Musik geschrieben, die auf seinen früheren Kompositionsstil verweist. Die Sängerin beherrscht mühelos die Koloraturen, kleinen Verzierungen und schnellen Läufe, die den ‚klassischen‘ Rossini ausmachen, während die anderen Solopartien einen ganz anderen Gesangsstil verlangen. Beim Gesang blieben an diesem Abend ohnehin keine Wünsche offen, aber Jane Archibald war eine Klasse für sich, vom bestens aufgelegten Orchester unter Daniele Rustioni gerade in dieser Szene mit viel Sinn für dynamische Abstufungen und sängerfreundlichen Atem nahezu perfekt begleitet.

Gioacchino Rossini in Paris © IOCO

Gioacchino Rossini in Paris © IOCO

Mathilde und Arnold, den John Osborn schon an anderen Häusern mit großem Erfolg gesungen hat und auch hier mit kraftvollem Tenor und prächtiger Mittellage gab, gestehen sich ihre Liebe (und man wird den Eindruck nicht los, dass Bellini für Arturo und Elvira in seinen Puritani sich hier sehr gründlich hat inspirieren lassen). Mathilde zieht ein graues Glitzerkleid an – geht sie ins Konzert der anderen, oder soll uns die Farbe zeigen, dass sie gewissermaßen auch farblich die Seiten wechselt? Jedenfalls machte ihr das Kleid einige Mühe. Guillaume Tell entdeckt allerdings Arnolds Gespräch und macht ihm gemeinsam mit Walter (Patrick Bolleire in dieser Szene etwas polterig, später mit gut geführter Bassstimme) Vorwürfe, er würde sein Land durch Dienst im Heer der Habsburger verraten. Die Nachricht vom Tod des Vaters Melcthal, die er bei dieser Gelegenheit erhält, lässt Arnold aber die Fronten wechseln. Den Tod Melcthals hat uns die Regie bereits gezeigt, nun wird Arnolds Vater noch einmal (mit reichlich Blut nachgeschminkt) im Leichensack auf die Bühne geschleift und dem Sohn gezeigt, der seinen toten Vater ansieht und minutenlang „je ne te verrai plus“ wiederholt. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Der Akt gipfelt im Zusammentreffen der Truppen von Unterwalden, Schwyz (bei Rossini „Schwitz“) und Uri und dem gegenseitigen Hilfeversprechen. Langsam wird deutlich, worauf die Regie hinauswill: Die Leute aus Unterwalden sind die Streicher, die aus Schwyz kommen mit Holzblasinstrumenten, die Urner haben das Blech dabei. Zur großen Schwurszene zerstören die Streicher ihre Instrumente, und das Orchester bastelt sich Waffen, Tell formt so aus einer Klarinette, einer Cellozarge und reichlich Klebeband eine Art Armbrust. Dass die Gewalt der Unterdrücker bei den Unterdrückten das Bedürfnis nach Verteidigung, mithin Gegengewalt, aufkommen lässt, mag sein – aber ist es plausibel, dass Musiker ihre Instrumente demolieren? Nach zwei Stunden ist jedenfalls Pause.

Guillaume Tell – Auszüge der Inszenierung
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Der dritte Akt lässt die verschiedenen Parteien aufeinandertreffen. Zu Beginn bekommt der noch erkennbare Rest des Bergpanoramas wieder eine Schicht Farbe mehr. Der Auftritt Geslers und seiner Schergen wird teilweise effektvoll umgesetzt. Zunächst verleiht ihm Rossini ein präpotentes Trompetensignal, und Jean Teitgen singt bedrohlich und schmierig, wie es hier einfach sein muss. Der geforderte Gruß vor dem Hut (zur Demütigung der Musiker an einem Notenständer befestigt) nötigt den Chor dazu, auf allen vieren um den Notenständer mit Hut herumzukrabbeln und dabei zu singen – ein mäßig überzeugendes Bild, das wegen der zahlreichen Sänger (zu) viel Zeit und Aufmerksamkeit benötigt. Deutlich schlüssiger und beklemmender ist Geslers nächste Handlung: Die Schweizer bzw. Musiker stehen auf der Bühne dicht an dicht, bewacht von den weißen Schergen, und müssen ihre schwarze Kleidung gegen grellbunte Kostüme tauschen, die ihnen von den Weißen hingeworfen werden. Die Paare, die im ersten Akt das erste Ballett getanzt haben, müssen (mit versteinerten Mienen) in bunten Gewändern ihren Bedrückern etwas vortanzen und werden dabei auch noch übel (und lang) misshandelt. Ein wirklich starkes Bild, begleitet von einer deutlich passenderen und exakter umgesetzten Choreographie als im ersten Akt (Choreographie: Demis Volpi).

Tell kommt hinzu, verweigert den Gruß vor dem Hut und wird zum Apfelschuss gezwungen. Um nicht auf das eigene Kind schießen zu müssen, zieht nun auch Tell etwas Buntes an und markiert so die Demütigung vor Gesler, der jedoch seine Macht auskostet und auf dem Schuss besteht. Hier ist einer der wenigen Momente, wo dem Tell von Nicola Alaimo etwas mehr Raum zur Verfügung steht und dieser zeigen kann, dass er nicht nur bei kurzen Einwürfen sehr präsent sein kann. Während Rossini die Frauenstimmen mit einem Stück nach dem anderen beschenkt, überlässt er seinem Bariton sonst vorwiegend Rezitative und Ensembleszenen – entsprechend dem Stil der Zeit. Während Jennifer Courcier mit glockenhellem Sopran dem Vater Mut zuspricht, nimmt das Kind mit großer Bühnenpräsenz Aufstellung und steht unbeweglich wie eine Statue, bis der Apfel fällt. Nach dem gelungenen Schuss beschließt Gesler, Tell einzukerkern. Das Volk und auch die inzwischen auf der Seite der Eidgenossen stehende Mathilde sind empört und geraten in Aufruhr (sichtbar gemacht durch das Wegwerfen der bunten Kostüme).

Opéra de Lyon / Guillaume Tell © Stofleth

Opéra de Lyon / Guillaume Tell © Stofleth

Im vierten Akt sinniert Arnold, der (in der Vorlage) noch einmal vor dem Haus des erschlagenen Vaters steht, in seinem Bravourstück „Asile héréditaire“ (von John Osborn so gemeistert, dass es Ovationen gab) über sein Versagen in der Vergangenheit, als er seinen Vater nicht beschützt hat, und über seine Pflicht in der Gegenwart. Stumm kommt der tote Vater noch einmal auf die Bühne getreten. Arnold lässt die Eidgenossen Waffen holen, die also kampfbereit ihre demolierten Violinen und Oboen in die Höhe recken… Rossini hat seinem Tenor für das Ende noch ein paar Spitzentöne aufgespart, die John Osborn alle scheinbar mühelos bewältigt. Der Übergang zum Finale wird dadurch markiert, dass das Kind Jemmy (das seit Beginn des Stückes immer wieder auf der Bühne stand) nicht das Haus Tells anzündet, dafür aber die Noten des Chors und so das Signal zum Aufstand liefert (so steht es im Libretto) oder aber zeigt, dass es von den ganzen Ereignissen zunehmend überfordert ist. Am Ende müsste nun das Regiekonzept aufgehen – Tell nimmt seine klarinettöse Celloambrust und erschießt Gesler, seine Schergen stehen direkt daneben – und reagieren nicht (das Libretto sieht vor, dass Tell ihn gewissermaßen aus der Distanz erlegt, weshalb bis zum Auftritt dieser Leute etwas Zeit vergeht). Ein Schlägertrupp, der unschlüssig herumsteht – weil sich jemand wehrt? Die Schläger warten jedenfalls so lange, bis der Chor mit den umfunktionierten Musikinstrumenten aufgetreten ist und mit diesen die keinen Widerstand leistenden Bösen erledigt, was im Publikum teilweise für nachhaltige Heiterkeit sorgt. Darauf folgt die von Harfen begleitete Chorapotheose mit vielen Modulationen; der Esstisch aus der ersten Szene wird wieder hereingetragen, Hedwige (von Enkelejda Shkoza mit viel Wärme in der Tiefe und mit reichlich Vibrato verkörpert) serviert wieder Essen. Der Schluss gehört dem Kind, das den Esstisch verläßt und sich zum Schlussakkord einen herumliegenden Hut der Droogs aufsetzt.

Wer Tobias Kratzers Bayreuther Tannhäuser erlebt hat, erwartete vielleicht ein multimediales Feuerwerk mit Video und mehreren Handlungsebenen. Dieser Guillaume Tell spielt in einem Einheitsbühnenbild ohne Videosequenzen, von Ort und Zeit der Handlung wird (wie auch von vielem anderen) abstrahiert. Beim Apfelschuss bleibt die Regie konkret, bei der Ermordung Melcthals wird sie überkonkret. Etwas uninspiriert schien die Gestik der Solisten auf der Bühne: Männer, die sich schätzen, klopfen sich bedeutsam auf die Schulter, und wenn man nicht zufrieden ist, wirft man mit einem Stuhl (oder einem anderen Objekt). Die zu Waffen umfunktionierten und ansonsten nicht mehr brauchbaren Musikinstrumente überzeugen nicht; die Idee eines Orchesters, das Schlägern ausgeliefert ist, ist noch plausibel, aber über vier Stunden hinweg sammelt diese Deutung doch zu viele Leerstellen und Widersprüche, gipfelnd in der Schlussszene mit dem Kampf von Gut gegen Böse, die für Lachen sorgte. Dennoch steckt in der abstrahierenden Regie auch viel Einleuchtendes.

Das Publikum war von der musikalischen Seite der Premiere mit Recht restlos begeistert. Chor, Orchester, Dirigent und ausnahmslos alle Solisten wurden dem Werk gerecht. Nicola Alaimo konnte dem Abend seine Prägung verleihen, auch wenn Rossini ihm nicht viel Gelegenheit zum Brillieren gegeben hat. Besonders gefeiert wurden außerdem John Osborn und Jane Archibald. Eine besondere Auszeichnung verdient das Kind, das mit etwa sechs Jahren viele Stunden auf der Bühne agieren musste und dies nicht nur durchhielt, sondern auch gestaltete. Ebenfalls sehr zu loben ist die Entscheidung, die Ballettszenen zu zeigen. Welches Haus traut sich (hoffentlich bald), einmal Wagners Rienzi mit dem vollständigen Ballett im dritten Akt zu zeigen? Das Regieteam wurde mit freundlichem, aber nicht übermäßigen Applaus bedacht, sehr wenige Buhrufe, doch die Bravos galten an diesem Abend anderen.

Mit dieser Premiere startet die Opéra de Lyon in die Spielzeit 2019/20. Das Haus realisiert ambitionierte Spielpläne. Es ist groß (vor allem hoch: es gibt sechs Ränge!), die Fassade und der Kern stammen aus dem 18. Jahrhundert (von Jacques-Germain Soufflot), die oberen Etagen hingegen wurden erst am Ende des 20. Jahrhunderts von Jean Nouvel eingesetzt. Die Akustik des Hauses beeindruckt, das Orchester ist reaktionsschnell und folgt seinem Leiter bis in kleine Details; der Chor leistet Großes, das Licht ist effektvoll eingesetzt – beste Voraussetzungen, um Lyon dauerhaft als europäisches Spitzenhaus zu etablieren.

—| IOCO Kritik Opéra de Lyon |—

Wien, Theater an der Wien, Guillaume Tell – Gioacchino Rossini, IOCO Kritk, 01.11.2019

November 2, 2018 by  
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Theater an der Wien

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

 Guillaume Tell  –  Gioacchino Rossini

Von Elisabeth König

Guillaume Tell ist Rossinis letztes Bühnenwerk und wurde 1829 als französische Grande Opéra in Paris zur Uraufführung gebracht. Die Ouvertüre ist wohl eine der berühmtesten Melodien Rossinis, und das gewaltige, gut vierstündige Werk hält sich auf den Spielplänen der Opernwelt nicht zuletzt aufgrund seiner unglaublichen Lyrik, die über Rossinis Zeit hinausweist. Auch die Thematisierung eines Freiheitskampfes gegen eine unterdrückende Herrschaft trug gewiss immer schon zur Beliebtheit der Oper bei.

Theater an der Wien / Guillaume Tell - hier :  Ensemble © Moritz Schell

Theater an der Wien / Guillaume Tell – hier : Ensemble © Moritz Schell

Die Geschichte des Wilhelm Tell, seines Apfelschusses und seines Kampfes gegen Geßler kennen wir alle aus Friedrich Schillers gleichnamigem Drama. Auf diesem baut die Oper auf und fügt sich hiermit in die Reihe der Opernstoffe, mit denen das Theater an der Wien in dieser Saison den Fokus auf Schiller als Libretto-Quelle legt.

Der Vorhang eröffnet den Blick auf eine nebelschwadenverhangene Winterlandschaft, in deren eisiger Atmosphäre während der sehr zurückhaltenden Ouvertüre der Guerillakampf im unwirtlichen Schnee inmitten alptraumhaft wiedererwachter Toter gezeigt wird.

Die kühle, etwas sterile Inszenierung von Torsten Fischer erzählt nicht unbedingt nur die Geschichte eines Volkes, das seine Freiheit zurückfordert, sondern schildert einen Bürgerkrieg in einer blanken, geradezu anonymisierten Welt, die nahezu überall stattfinden könnte. Dabei gelingen ihm regelmäßig bemerkenswerte Bilder, die sich aus dem grauen Hintergrund abheben.

Theater an der Wien / Guillaume Tell  - hier : Mathilde und Arnold Melcthal © Moritz Schell

Theater an der Wien / Guillaume Tell – hier : Mathilde und Arnold Melcthal © Moritz Schell

Dem Regisseur gelang es in Kombination mit der Choreographie von Karl Alfred Schreiner, unter regem Einsatz der Drehbühne ein bewegte Chorregie zu schaffen, die vor allem in den Marschszenen Eindruck hinterlässt. Der Einsatz greller Videoeinspielungen von Jan Frankl gelang als vielfach bewährte Methode, Realitätsebenen zu kombinieren und diente als emotionales Reizmittel.

Die blanke Kargheit des Bühnenbildes von Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos mit seiner industriellen Knappheit vermochte es, die Aufmerksamkeit bei den Sängern zu behalten und gleichzeitig starke Momente einprägsam zu vermitteln. So wird die Hebebühne einerseits zu einem zweiten Handlungsspielraum, andererseits jedoch zum Symbol der Unterdrückung, unter dem das Volk symbolträchtig zermalmt wird. Ausstattung und Kostüme waren der Schlichtheit der Bühne angepasst und spiegelten die Schmucklosigkeit und Häuslichkeit auf der einen Seite wieder, während auf der anderen Seite Uniformen und allgegenwärtige Maschinengewehre die Diktatur und ihre Handlanger kennzeichneten.

Musikalisch war es ein Abend der feinen Zwischentöne und soliden Gestaltung. Die Wiener Symphoniker unter der musikalischen Leitung von Diego Matheuz spielten sicher und genau, der Schönberg-Chor war wie immer fantastisch einstudiert und motiviert.

Die SolistInnen waren – wie immer am Theater an der Wien- mit Bedacht gewählt und überzeugten mit durchwegs tollen Leistungen. Als väterliche Hauptfigur des Guillaume Tell zeigte Christoph Pohl große Eleganz in seiner Darstellung und wusste mit seinem weichen Bariton ausdrucksvoll zu überzeugen. An seiner Seite ist Marie-Claude Chappuis eine Hedwige mit emotionaler Tiefe und kampfesmutiger Stärke.

Theater an der Wien / Guillaume Tell - hier :  Ensemble © Moritz Schell

Theater an der Wien / Guillaume Tell – hier : Ensemble © Moritz Schell

Eine der berührendsten Leistungen des Abends war Anita Rosati als Tells rebellischer Sohn Jemmy. Mit einer emotionalen Stimmigkeit und ungebrochener Leidenschaft, sowie einem glockenhellen Sopran kaufte man ihr den jungen Knaben in jedem Moment ab.

John Osborn als Arnold Melcthal war eine weitere beeindruckende Performance des Abends. Mit dramatischen Höhenflügen und strahlender Tenorstimme weiß er die halsbrecherische Partie des zwischen Liebe und Vaterland zerrissenen Arnold mit Bravour zu meistern.

Ihm ebenbürtig war Jane Archibald als Habsburger-Prinzessin Mathilde zu hören, deren Mitleid mit ihrem Volk und Liebe zu Arnold für ergreifende Momente sorgte. Sie beeindruckte mit ihrer ersten Arie und im Liebesduett mit Arnold ebenso wie durch eine glasklare Höhe und berührende Piani.

Als diktatorischer Gesler (Französisch: mit nur einem S) zeigte Ante Jerkunica einen profunden, volltönenden Bass. Edwin Crossley-Mercier gibt einen elegant zurückhaltenden Walter Fürst, dessen Rolle als Spion am Ende die Fortführung der Unterdrückung mit anderen Mitteln symbolisiert. Jérôme Varnier gibt den Melcthal mit feurigem Eifer und patriotischer Intensität. Sam Furness war ein Rudolphe, der überzeugend zwischen Gewissensbissen und Schmierigkeit schwankte, Lukas Jakobski als Leuthold von beeindruckender Bühnenpräsenz und Stimmgewalt.

Alles in allem war es ein Abend voller großartiger künstlerischer Leistungen, der trotz vieler interessanter Regieeinfälle nicht immer die Spannung brachte, die das Werk durchaus bietet

—| IOCO Kritik Theater an der Wien |—

Osnabrück, Theater am Domhof, Wilhelm Tell – Friedrich Schiller, IOCO Kritik, 25.09.2018

September 25, 2018 by  
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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Wilhelm Tell  –  Friedrich Schiller

– Absage an jede rückwärts gewandte Revolution –

Von Hanns Butterhof

Friedrich Schillers Revolutionsdrama Wilhelm Tell von 1804 ist heute wieder brandaktuell. Deutlich stellt es vor Augen, wann und aus welchen Gründen eine Revolution legitim ist. Und es entwirft die Utopie der Gesellschaft, zu der dieser Aufstand führen soll. Zum Auftakt der Spielzeit hat Robert Teufel das Stück in Osnabrücks Großem Haus, dem Theater am Domhof, als kargen Bilderbogen inszeniert.

Kein still ruhender See, keine verschneiten schweizer Gipfel. Vielmehr vermittelt ein gemauerter Rahmen um die Bühne von Friederike Meisel den Eindruck von Enge, irgendwo und irgendwann. Die kurzen Szenen, zu denen Regisseur Robert Teufel den ausufernden Text eingestrichen hat, spielen hauptsächlich an der Rampe innerhalb des Rahmens.

Theater am Domhof Osnabrück /  Wilhelm Tell - von Friedrich Schiller  - hier : Tell distanziert sich von den Rebellen; v.l.: Andreas Möckel, Thomas Kienast, Philippe Thelen, Mick Riesbeck, Matthias Unruh © Kerstin Schomburg

Theater am Domhof Osnabrück /  Wilhelm Tell – von Friedrich Schiller  – hier : Tell distanziert sich von den Rebellen; v.l.: Andreas Möckel, Thomas Kienast, Philippe Thelen, Mick Riesbeck, Matthias Unruh © Kerstin Schomburg

Seltsam reglos wird dort von ungeheuerlichen Übergriffen der Obrigkeit berichtet, nahezu stocksteif planen in Tracht gewandete besorgte Bürger (Kostüme: Rebekka Zimlich) den Aufstand. Die Schauspieler stehen dazu meist nebeneinander, wenden sich beim Reden kaum einander zu. In den von elektronischem Donnergrollen und Dunkelheit von einander getrennten Szenen sprechen sie meist direkt ins Publikum als dem unmittelbar betroffenen Adressaten. Das treibt dem Stück das szenische Leben weitgehend aus; noch nie hat das Osnabrücker Ensemble so deutlich artikuliert und so hölzern gespielt.

Eine Ausnahme machen Andreas Möckel als Tell und Oliver Meskendahl als dessen Gegenspieler, Landvogt Hermann Gessler. Möckel zeichnet den in Lederhose und Felljacke gekleideten Tell überzeugend als in sich ruhenden Individualisten, der alles andere als ein Revoluzzer ist. Er wird erst durch das von Meskendahl schaurig schön gezeigte Übermaß an zynischer Unmenschlichkeit zum Mörder des in Stiefeln und im schwarzen Uniform-Mantel auftretenden Tyrannen. Die Szene, in der ihn Gessler nötigt, auf sein Kind (Greta Kemper) zu schießen, ist der packende Höhepunkt der Aufführung, nach der man Tell das Recht auf Notwehr unbedingt zubilligen möchte

Theater am Domhof Osnabrück / Wilhelm Tell - von Friedrich Schiller - hier : Tell lässt sich von Stauffacher nicht in den Aufstand hineinziehen, v.l.: Andreas Möckel, Thomas Kienast © Kerstin Schomburg

Theater am Domhof Osnabrück / Wilhelm Tell – von Friedrich Schiller – hier : Tell lässt sich von Stauffacher nicht in den Aufstand hineinziehen, v.l.: Andreas Möckel, Thomas Kienast © Kerstin Schomburg

Den Verschwörern um Werner Stauffacher (Thomas Kienast) und ihren Zielen gibt die Regie weniger Recht. Sie treten nicht wagemutig, von ihren revolutionären Zielen begeistert auf und sprechen von ihnen wie auswendig gelernt. Vielleicht werden sie dadurch gehemmt, dass sie alle durchaus persönliche Motive haben und ihr politisches Streben rückwärtsgewandt einen Zustand wieder herstellen soll, wie er früher war: ein fremdenfeindlicher Nationalismus, in dem das alte Recht nur für die geborenen Volksangehörigen gilt. In der letzten, in das blutige Rot des geglückten Aufstands getauchten Szene, zieht sich Tell von diesem Volk und seinen Zielen zurück.

Das politische Statement, das Regisseur Teufel Schillers Revolutionsdrama so aufsetzt, gilt der aktuellen deutschen Situation. Mit Blick auf die ganze Welt und Schillers allgemein gestellte Menschheits-Frage, wie man leben soll, greift es zu kurz.

Wilhelm Tell im Theater am Domhof:  Die nächsten Termine: 30.9., 31.10., 18. und 24.11. jeweils 19.30 Uhr, am 7.10.2018 15.00 Uhr.

—| IOCO Kritik Theater Osnabrück |—

 

Hannover, Staatsoper Hannover, Spielplan JANUAR 2018 – Zauberflöte, Don Carlo..

Dezember 4, 2017 by  
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Staatsoper Hannover 

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

 

Staatsoper Hannover – Spielplan JANUAR 2018

Als dancing conductor errang er im Internet Kultstatus, live kann man ihn in Deutschland augenblicklich nur in Hannover erleben: der amerikanische Dirigent Joseph R. Olefirowicz dirigiert das diesjährige Neujahrskonzert mit Ouvertüren aus der Alten und der Neuen Welt.

Mit Wolfgang Amadeus Mozarts Die Zauberflöte kommt eines der bedeutendsten Opernwerke aller Zeiten in einer Neuinszenierung auf die Bühne der Staatsoper. Frank Hilbrich (zuletzt mit „Lot“ sehr erfolgreich) inszeniert, der neue 1. Kapellmeister Valtteri Rauhalammi dirigiert seine erste Premiere (ab 13.1.).

Eine große Wiederaufnahme beschließt den Monat: nach mehreren Jahren ist Giuseppe Verdis Grand’opéra Don Carlo endlich wieder im Opernhaus zu sehen. In der Inszenierung von Christoph Nel sind u.a. Karine Babajanyan, Khatuna Mikaberidze, Philipp Heo und Shavleg Armasi zu hören (Wiederaufnahme am 28.1.). Mehr italienische Oper gibt es am 9 und 12. Januar, dann stehen zwei Zusatzvorstellungen der Kult-Inszenierung von Verdis La traviata auf dem Spielplan.

Beim 4. Sinfoniekonzert am 21. und 22. Januar steht ein Gipfelwerk auf dem Programm: Anton Bruckners 4. Sinfonie, die „Romantische“. Es dirigiert Markus Stenz, langjähriger Chefdirigent des Kölner Gürzenich Orchesters. Weltstar Klaus Maria Brandauer liest am 21.1. aus Melvilles Moby Dick.

 


PREMIERE OPER


DIE ZAUBERFLÖTE  –  von WOLFGANG AMADEUS MOZART (1791), TEXT VON EMANUEL SCHIKANEDER

EINFÜHRUNGSMATINEE: SO, 07.01.2018, 11:00 UHR, LAVES-FOYER

PREMIERE: SA, 13.01.2018, 19:30 UHR

»Wo bin ich?«, fragt sich Prinz Tamino im Erwachen. Die Schlange, vor der er eben noch geflüchtet war – sie liegt niedergestreckt zu seinen Füßen. Dann kommt noch ein Vogelwesen daher, das sich Papageno nennt und den Sieg über die Schlange für sich in Anspruch nimmt – was drei Damen, die eigentlichen Retterinnen, aus ihrer Deckung lockt. Sie stehen im Dienst der sternflammenden Königin, die Tamino den Auftrag erteilt, ihre ent­führte Tochter Pamina aus den Klauen des heimtückischen Sarastro zu retten. Unversehens geraten also der Prinz und Papageno in ein großes Abenteuer, bei dem sich immer neue Rätsel auftun: Gut und Böse prallen aufeinander, und nicht immer ist klar, wer welcher Seite zuzurechnen ist. Mehr als einmal sind sie alle dem Tode nahe. Doch bei allen Gefahren auf dem Weg können Tamino, Papageno und Pamina sich auf eines verlassen: auf die unbezwingbare Magie der Mozart’schen Musik.

MUSIKALISCHE LEITUNG Valtteri Rauhalammi/Daniel Klein INSZENIERUNG Frank Hilbrich BÜHNE Stefan Heyne KOSTÜME Julia Müer LICHT Susanne Reinhardt CHOR­EINSTUDIERUNG Lorenzo Da Rio DRAMATURGIE Christopher Baumann

SARASTRO Michael Dries/Tobias Schabel TAMINO Simon Bode SPRECHER Stefan Adam PAMINA Ania Vegry/Athanasia Zöhrer KÖNIGIN DER NACHT Dorothea Maria Marx 1. DAME Rebecca Davis/Stella Motina 2. DAME Josy Santos/Monika Walerowicz 3. DAME Julie- Marie Sundal PAPAGENO Byung Kweon Jun/Matthias Winckhler PAPAGENA Ylva Sten­berg MONOSTATOS Pawel Brozek/Uwe Gottswinter 1. GEHARNISCHTER Martin Rainer Leipoldt/Latchezar Pravtchev 2. GEHARNISCHTER Michael Dries/Daniel Eggert 1. PRIES­TER Michael Dries/Daniel Eggert 2. PRIESTER Uwe Gottswinter/Martin Rainer Leipoldt 3 KNABEN Mitglieder des Mädchenchors/Mitglieder des Knabenchors

Chor der Staatsoper Hannover, Statisterie der Staatsoper Hannover, Niedersächsisches Staatsorchester Hannover


REPERTOIRE OPER, BALLETT UND JUNGE OPER


CLUB FIGARO, AB 13 JAHREN

Mittendrin ist man im »Club Figaro« – frei von der Aufsicht durch Eltern, Lehrer und sonstige Aufpasser. Sein, wer man ist, sich treffen, mit wem man will, Freundschaften pflegen und neue Kontakte knüpfen – all das kann man hier. Mittendrin ist auch Cherubino – und zwar mitten auf der Suche nach Antworten auf die Fragen, wohin man gehört, wohin die Zu­kunft führen wird. Wie weit geht man, um dazu zu gehören? Musikalisch heißt das: Mozart trifft Band (JEREMIAS) trifft Club-Musik – eine Synthese, die ebenso verrückt sein kann wie der legendäre Komponist selbst. »Die Inszenierung wagt es, radikal Grenzen zu sprengen: Wolfgang Amadeus Mozart wird in den Alltag der Digital Natives eingepflanzt.« Neue Presse

VORSTELLUNG AM 26.01.2018


DAPHNIS – LOST LOVE

Jörg Mannes nimmt mit Daphnis – Lost Love einen Klassiker des Ballettrepertoires in den Fokus: Maurice Ravels Daphnis et Chloé. Ravel behandelte die antike literarische Vorlage sehr frei und schuf eine atmosphärisch dichte und farbenreiche »Choreographische Suite in drei Teilen« für Orchester und Chor. Ihr stellt Jörg Mannes die Sinfonie Nr. 8 von Philip Glass gegenüber. Von den Gegensätzen der beiden musikalischen Werke inspiriert, lotet der Choreograph Widersprüche und Brüche aus, zeigt aber auch Linien auf, schafft Verbindungen und lässt so ein Gesamtbild entstehen. Zudem hält Daphnis – Lost Love eine weitere Überraschung bereit: Jörg Mannes präsentiert sich zum ersten Mal auch als Video-Künstler.

VORSTELLUNGEN AM 14.01., 17.01., 20.01. UND 26.01.2018


DON CARLO

Giuseppe Verdi schrieb mit Don Carlo seine letzte Oper nach einem Drama von Friedrich Schiller. Die dialogische Anlage der Schauspielvorlage findet ihre überzeugende musikalische Umsetzung in mehreren großen Duetten, die mit Soloszenen von berührender Intimität, aber auch mit eindringlichen Chortableaus kontrastieren. Regisseur Christoph Nel deutet das Spanien unter Philipp II. als Sinnbild eines totalitären Staates, in dem Vertrauen, Liebe und Freiheit Utopien bleiben. Private Gefühle haben in dieser Ord­nung keine Chance auf Entfaltung, sondern werden rücksichtslos politi­schen Interessen untergeordnet. »Ein großer Abend.« Der Tagesspiegel

WIEDERAUFNAHME AM 28.01., WEITERE VORSTELLUNG AM 31.01.18


DER LIEBESTRANK

Nemorino verzehrt sich nach Adina, die ihn jedoch nicht ernst nimmt. Wie gut, dass Dulcamara einen Liebestrank für derartige hoffnungslose Fälle im Sortiment hat. Der feste Glaube an die baldige Wirkung des Tranks steigert Nemorinos Selbstbewusstsein, was wiederum Adina ärgert. Aus Trotz ent­schließt sie sich zur Hochzeit mit dem Soldaten Belcore. Um eine weitere Flasche des wundertätigen Elixiers kaufen zu können, lässt sich Nemorino von Belcore als Soldat anwerben. Erst als Adina hiervon erfährt, erkennt sie die Aufrichtigkeit von Nemorinos Gefühlen. »So macht Belcanto Spaß!« Neue Presse

VORSTELLUNG AM 30.01.2018


SALOME

Nach seinen zwei Opernerstlingen gelang Richard Strauss mit Salome der große Wurf. Ungeachtet des üppigen Orchesterklangs ist Strauss’ Salome kein Werk oberflächlicher orientalischer Prachtentfaltung und bunter Exo­tismen. In einem der vielleicht am meisten missverstandenen Werke der Operngeschichte gilt es, das innere Drama der jungen Prinzessin, die aus einer deformierten Welt ausbrechen will, an die sie letztlich doch gekettet ist, neu zu entdecken. – Die niederländische Sopranistin Annemarie Kre­mer, in dieser Partie weltweit gefeiert, ist in der Titelrolle zu erleben. »Ivan Repušic und Ingo Kerkhof machen Salome zum Ereignis.« Hannoversche Allgemeine Zeitung

VORSTELLUNG AM 07.01.2018


LA TRAVIATA

Wegen der großen Nachfrage steht Verdis La traviata in der Kult-Inszenierung von Benedikt von Peter im Januar noch einmal an zwei Terminen auf dem Spielplan. In der Titelrolle ist wieder die amerikanische Sopranistin Nicole Chevalier zu erleben, die seit der Premiere 2011 das Publikum mit ihrer unter die Haut gehenden Interpretation der Violetta Valéry zu Beifallsstürmen hinreißt. »Es ist schlichtweg umwerfend und zugleich erschütternd, mit welcher Intensität und Variabilität diese Sängerdarstellerin fast zweieinhalb Stunden allein auf der Bühne agiert, ohne auch nur eine Sekunde zum Atemholen zu kommen – was auch dem Zuschauer den Atem raubt!« Süddeutsche Zeitung

ZUSATZVORSTELLUNGEN AM 09.01. UND ZUM LETZTEN MAL IN DIESER SPIELZEIT AM 12.01.18


WILHELM TELL – HALBSZENISCH

Im Stile der Grand opéra mit prachtvollen Chören präsentiert Rossini den Befreiungsschlag der Schweizer gegen die habsburgischen Besatzer. Die Tell-Legende wird verknüpft mit der Gründung der Eidgenossenschaft und ergänzt durch die Liebeshandlung zwischen dem Schweizer Arnold und der österreichischen Prinzessin Mathilde. Das berühmte Geschehen rund um Rütlischwur und Apfelschuss entfaltet Rossini in einem musikalisch ein­drucksvollen Naturidyll. »Am Ende jubeln die Schweizer, und auch die Premierenbesucher sind hörbar begeistert.« Hannoversche Allgemeine Zeitung

ZUM LETZTEN MAL AM 06.01.18


OPER EXTRA


GASTSPIEL MIT »MOBY DICK« KLAUS MARIA BRANDAUER UND SEBASTIAN KNAUER

SO, 21.01.17, 11:00 UHR

Der Burgtheater-Schauspieler Klaus Maria Brandauer stellt den ebenso überwältigenden wie rätselhaften Jahrhundertroman Moby Dick von Herman Melville in einer eigenen Lesefassung vor. Die berühmte Ge­schichte von Kapitän Ahab und der Jagd auf den weißen Wal ist aus Brandauers Sicht »eine vollendete Erzählung davon, was mit dem modernen Menschen passiert, wenn er an die Grenzen geht. Seine eige­nen und die der anderen.« Der Pianist Sebastian Knauer umrahmt die Erzählung mit Musik von Richard Wagner, Isaac Albéniz, Franz Liszt, Maurice Ravel, Johannes Brahms, Antonín Dvo?ák und Edvard Grieg.


 KONZERT


4. SINFONIEKONZERT
HANS WERNER HENZE
Der verwunschene Wald. Aria und Rondo für Orchester (1991)
ANTON BRUCKNER
Sinfonie Nr. 4 Es-Dur Romantische (Fassung 1878/80)

Unter der Leitung des langjährigen Chefdirigenten des Kölner Gürzenich-Orchesters, Markus Stenz, steht nach fünf Jahren wieder eine Sinfonie von Anton Bruckner auf dem Konzertprogramm des Niedersächsischen Staatsorchesters. Bruckners Sinfonien – Marksteine im Repertoire eines jeden Orchesters – umkreisen eine strenge architektonische Idee, die immer wieder neue Beleuchtung erfährt. Seine Konstruktionen in schroff voneinander abgesetzten Blöcken, seine motivischen Schichtungen und Apotheosen sind Monumente eines naiven und unerschütterlichen Glaubens an eine »höhere« Bestimmung seiner Musik, die aber – entgegen den Intentionen des Komponisten – auch von den Brüchen seiner Zeit spricht. Unter allen Bruckner-Sinfonien hat es die Vierte zu größter Popularität gebracht, was sicher ihrem ausgeprägt »naturhaften« Ton geschuldet ist – mit prägendem Hörnerklang und der Nähe zur Klangwelt Carl Maria von Webers. Bruckner nannte sie denn auch seine »Romantische«.

Naturhaft ist auch das kurze Orchesterwerk von Hans Werner Henze, das der Sinfonie vorangestellt wird: Der verwunschene Wald, komponiert zur Wiedereröffnung des Frankfurter Opernhauses 1991, bringt Musik aus Henzes früher Oper König Hirsch in den Konzertsaal. Seine »Aria und Rondo für Orchester« erzählen von der Erinnerung des Titelhelden an seine Kindheit unter Waldtieren, von seiner Sehnsucht zurück zur Natur.

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
DIRIGENT Markus Stenz
SO, 21.01.18, 17:00 UHR | MO, 22.01.18, 19:30 UHR
Einführung jeweils 45 Minuten vor dem Konzert


3. KAMMERKONZERT: KLAVIERTRIO

FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY Klaviertrio Nr. 2 c-Moll op. 66

FRANZ SCHUBERT Klaviertrio Nr. 1 B-Dur op. 99

Franz Schuberts und Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrios gehören zu den späten, sogenannten »reifen« Kammermusikwerken. Mendelssohns 2. Klaviertrio spiegelt den Stilwandel seines späten Schaffens – kompositionstechnisch anspruchsvoll, mit zwei hoch dramatischen Ecksätzen, lyrischem langsamem Satz sowie elfen- und koboldhaft vorbeihuschendem Scherzo. Auch Schuberts 1. Klaviertrio bringt dessen Spätstil zum Klingen, mit der Weiterentwicklung der klassischen Form durch romantischen Klangsinn und harmonische Überraschungen.

MIT Igor Bolotovski (Violine), Leonid Gorokhov (Violoncello) und Mariya Kim (Klavier)

SO, 28.01.18, 11:00 UHR

NIEDERSÄCHSISCHES LANDESMUSEUM HANNOVER


NEUJAHRSKONZERT

»OUVERTÜRENZAUBER«

Mit Werken von Gioachino Rossini, Otto Nicolai, Johann Strauss, Jerome Kern, Emmerich Kálmán, Richard Rodgers, Irving Berlin u.a.

Was eignet sich zur Eröffnung eines neuen Jahres mehr als Ouvertüren, die »Türöffner« für musikalische Bühnenwerke? Ein unterhaltsames Ouvertüren-Programm schlägt den Bogen von Spielopern und Operetten des 19. Jahrhunderts zu populären amerikanischen Musicals. Und wenn am Pult ein »dancing conductor« wie Joseph R. Olefirowicz steht, erwartet uns eine höchst »beswingte« Reise über den Atlantik.

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
DIRIGENT Joseph R. Olefirowicz
MODERATION Klaus Angermann
MO, 01.01.18, 12:00 UND 19:30 UHR

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

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