Berlin, Staatsoper im Schiller Theater, AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY, 06.06.2014

staatsoper_schiller_theater.png

Staatsoper im Schiller Theater

Staatsoper im Schiller Theater © IOCO

Staatsoper im Schiller Theater © IOCO

 AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY

Erste Neuinszenierung von Weills und Brechts Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny an der Staatsoper nach 50 Jahren

Premiere am Freitag, den 6. Juni 2014, 19:30 Uhr, Weitere Vorstellungen am 8., 12., 15., 20. und 25. Juni 2014, Staatsoper im Schiller Theater
Einführungsvortrag am 1. Juni um 11:00 Uhr im Gläsernen Foyer des Schiller Theaters

Am 6. Juni feiert die erste Neuinszenierung von Kurt Weills und Bertolt Brechts Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny an der Berliner Staatsoper nach genau 50 Jahren Premiere (1964 – Inszenierung: Fritz Bennewitz, Musikalische Leitung: Heinz Fricke, Ausstattung: der in der letzten Woche verstorbene Horst Sagert). Auf die Bühne gebracht wird die Geschichte vom Verfall der utopischen Stadt Mahagonny von dem französischen Regie-Team um Vincent Boussard (Regie), Vincent Lemaire (Bühne) und Christian Lacroix (Kostüme), das an der Staatsoper bereits Händels Agrippina und Bernsteins Candide in Szene gesetzt hat.

Die musikalische Leitung der groß besetzten Staatskapelle Berlin liegt in den Händen des britischen Dirigenten, Pianisten, Komponisten und Jazzmusikers Wayne Marshall, der an der Staatsoper zuletzt Leonard Bernsteins Candide dirigierte und mit Beginn der nächsten Spielzeit Chefdirigent des WDR Rundfunkorchesters Köln sein wird. Es singen Gabriele Schnaut (Leokadja Begbick), Dietmar Kerschbaum (Fatty), Tobias Schabel (Dreieinigkeitsmoses), Evelin Novak (Jenny Hill), Michael König (Jim Mahony), Norman Reinhardt (Jack O’Brien | Tobby Higgins), Arttu Kataja (Bill) und Grigory Shkarupa (Joe) sowie der Staatsopernchor unter der Leitung von Frank Flade.

Die Uraufführung von Bertolt Brechts Radikalsatire 1930 im Neuen Theater Leipzig wurde von Krawallen durch Reaktionäre und NSDAP-Anhänger im Zuschauerraum gestört. Brechts Libretto spielt mit biblischen Motiven wie Sodom und Gomorrha ebenso wie mit der Entstehung der USamerikanischen Stadt Las Vegas. »Du darfst!« lautet das oberste Gesetz der »Paradiesstadt« Mahagonny, die sich den Genuss in Form von Alkohol, Sex und Boxkämpfen auf die Fahnen schreibt. Kurt Weills Musik spielt raffiniert mit vielfältigen Stilelementen wie Jazz-Rhythmen, Schlagermelodien – darunter »Moon of Alabama« und »Wie man sich bettet, so liegt man« – oder Parodien auf alte Meister.

—| Pressemeldung Staatsoper im Schillertheater |—

 

Duisburg, Mercatorhalle, Klaviervfestival 2012 Wayne Marshal – The Sound of America, IOCO Kritik, 10.06.2012


Kritik

klavierfestival.jpg

Klavier-Festival Ruhr 2012

Mercatorhalle Duisburg

WDR-Orchester, Wayne Marshall, Klavier + Leitung

Georges Gershwin – Abend

The Sound of America

Klavierfestival Ruhr 2012 / Of thee I sing": Wayne Marshall und das WDR Rundfunkorchester Köln bei der Gershwin-Hommage des Klavier-Festivals Ruhr in der Mercatorhalle © KFR/Frank Mohn

Klavierfestival Ruhr 2012 / Of thee I sing“: Wayne Marshall und das WDR Rundfunkorchester Köln bei der Gershwin-Hommage des Klavier-Festivals Ruhr in der Mercatorhalle © KFR/Frank Mohn

Klavierfestival Ruhr 2012 / Wayne Marshall spielte mit dem WDR Rundfunkorchester Köln das "Concerto in F" von George Gershwin © KFR/Frank Mohn

Klavierfestival Ruhr 2012 / Wayne Marshall spielte mit dem WDR Rundfunkorchester Köln das „Concerto in F“ von George Gershwin © KFR/Frank Mohn

Wayne Marshall ist ein Zauberer, ein exzellenter Pianist und Organist, sowie ein Dirigent, von dem wunderbare Impulse ausgehen, die ein Orchester zu Höchstleistungen animieren können. So geschehen am Sonntagabend in der Duisburger Mercator-Halle.

Der am Londoner Royal College of Music ausgebildete englische Musiker ist an allen berühmten Orgeln in Kirchen und Konzertsälen erfolgreich und konzertiert auch als Pianist mit international renommierten Orchestern. Als Gastdirigent leitete er First Class Orchester, wie das Los Angeles Philharmonic Orchestra, das London Symphony Orchestra, sowie last but not least die Berliner Philharmoniker. Sein besonderes Anliegen ist die Musik amerikanischer Komponisten mit Schwerpunkt Georges Gershwin. Nun war er zum zweiten Mal Gast beim Klavierfestival und präsentierte zusammen mit dem WDR- Orchester Köln ein reines Gershwin-Programm.

Gershwin, der selbst nie Jazz schrieb, entnahm aber dem Jazz viele wichtige Elemente für seine eigene musikalische Sprache. Das wurde in seinen gesellschaftskritischen Musicals, wie auch in seiner Oper “Porgy and Bess“ sehr deutlich.

Eröffnet wurde der Abend mit der Ouvertüre zu dem Musical “Of Thee I Sing“ mit dem Gershwin 1931 am Broadway einen großen Erfolg hatte.

Eine rhythmisch sehr pointierte Musik, die da zu hören war, und die von Marshall und dem Orchester schwungvoll dargeboten wurde.

Walter Damrosch, Chefdirigent der New Yorker MET und des Orchesters der Symphonic Society, bestellte bei Gershwin ein dreisätziges Klavierkonzert.

Es wurde 1925 unter Damroschs Leitung und mit Gershwin (der auch ein fabelhafter Pianist war) als Solisten, mit kolossalem Erfolg uraufgeführt.

Wayne Marshall trat mit dem Werk jetzt in Essen in Gershwins Fußstapfen.

Er spielte nicht nur den Solopart, sondern dirigierte auch das Orchester vom Flügel aus. Eine enorme Leistung, wenngleich die Verständigung nicht immer d`accord war und winzige Unebenheiten im Wechsel auszumachen waren.

Trotzdem wurde es eine temperamentvolle, blutvolle Darbietung dieses außergewöhnlichen Konzertes, das mit seinen donnernden Akkorden, Ragetime-Rhythmus und melodischen Arabesken ein typisches Beispiel für die Lyrik Gershwins ist.

Der Solopart ist nicht besonders umfangreich, aber verlangt nach einer stupenden Technik. Die hatte Wayne Marshall in hohem Maße zu bieten.

Das Publikum zeigte sich angetan und erklatschte sich eine Zugabe. Marshall spielte ein virtuoses Stück, offenbar auch von Gershwin, mit vielen Walzer-Zitaten.

Nach der Pause landeten das erstklassige Orchester und der souveräne Dirigent einen weiteren Hit, die 1932 entstandene “Kubanische Ouvertüre“. Es ist ein farbenfrohes mitreißendes Stück. Die Anregung dazu holte sich Gershwin bei einem Kurzurlaub auf Kuba. Marshall und das Orchester erzeugten Bigband-Sound.

Den Abschluss des Konzerts bildete eine große symphonische Suite aus Gershwins Oper “Porgy and Bess“. Ein “Symphonic Picture“ daraus verarbeitet nicht nur die unsterblichen Songs, wie “Summertime“, “I got plenty o`Nuthin“ und “Bess, you are my women now“, sondern auch reine instrumentale Piecen, wie etwa die Sturmmusik des zweiten Aktes. Es nötigte unumschränkte Bewunderung ab, mit welcher schmiegsamer Leichtigkeit und Eleganz Marshall und das Orchester Gershwins Melodien zum Klingen brachten.

Ein feiner, nachhaltiger Abend war das, den das Publikum begeistert aufnahm.

Da der Beifall nicht enden wollte, war man sehr großzügig und gab als Zugabe noch mal die Musical-Ouvertüre, mit der das Konzert begann.

IOCO / UGK / 10.06.2012

—| IOCO Kritik Klavierfestival Ruhr |—