Wien, Altes Rathaus, Richard Wagner-Verband – Stipendiaten-Konzert, IOCO Aktuell, 15.03.2020

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Verband Wien

Richard Wagner-Verband Wien – Altes Rathaus Wien – Barocksaal

– Konzert der Stipendiaten –

von Elisabeth König

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Bereits zum vierten Mal präsentierte der Richard Wagner-Verband Wien seine Stipendiaten der letzten Jahre seinen Mitgliedern und dem Publikum. Die ersten drei Konzerte waren gemeinsam mit der Wiener Staatsoper in deren Räumlichkeiten präsentiert worden, das aktuelle Konzert wurde erstmals vom Verband selbst organisiert und im Barocksaal des Alten Wiener Rathauses zur Aufführung gebracht. Ehrengast des Verbandes war einer der erfolgreichsten Stars der Wiener Staatsoper, Kammersängerin Olivera Miljakovic, die sich nach dem Konzert über das hohe Niveau der Stipendiaten sehr erfreut zeigte.

Am Beginn des Konzertes stand zur Begrüßung die Hallenarie der Elisabeth („Dich, teure Halle, grüß‘ ich wieder“) aus Richard Wagners Tannhäuser, welche von Rebecca Blanz mit schönem, großem und klarem Sopran dargebracht und einfühlsam von der Pianistin Stella Marie Lorenz begleitet wurde.

Begrüßt wurde das Publikum durch das Vorstandsmitglied Marcus Haimerl, der nicht nur auf die Geschichte des Verbandes, sondern auch auf die langjährige Tradition der Jugendförderung hinwies, die dem Verband eine Herzensangelegenheit ist. Magdalena Hoisbauer, Dramaturgin der Wiener Volksoper und diesjährige Stipendiatin, moderierte den Abend souverän und versorgte das Publikum mit viel positiver Energie und Charme mit Informationen zu den einzelnen Stipendiaten und Stücken. Sowohl Magdalena Hoisbauer als auch Marcus Haimerl zeichneten auch für die anspruchsvolle Programmgestaltung und die – in Grippezeiten umso anspruchsvollere – gelungene Organisation verantwortlich.

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Akkordeonist Leo Herzog © Marcus Haimerl

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Akkordeonist Leo Herzog © Marcus Haimerl

Der kurzen Ansprache und Einführung zum Konzert folgte ein ganz besonderer musikalischer Moment: der im deutschen Pforzheim geborene Akkordeonist Leo Herzog spielte Domenico Scarlattis Sonate in F-Moll K.19 mit enormer Virtuosität. Auf ebenso hohem Niveau war im zweiten Teil des Konzerts auch seine Darbietung des 1.Satzes „Winter“ aus Antonio Vivaldis Die vier Jahreszeiten. Er bewies dabei gleichzeitig die unglaubliche Vielfalt dieses möglicherweise etwas unterschätzten Instruments wie auch seine Kunstfertigkeit. Ein Solokonzert dieses großartigen jungen Künstlers wäre wünschenswert.

Zu Beginn des zeitgenössischen teils des Konzertes standen zwei Lieder des Komponisten Carl Tertio Druml, der 2019 mit einem Stipendium den Wagner-Verband Wien bei den Bayreuther Festspielen repräsentierte.

Das erste Lied, dargeboten von einem Stipendiaten des Wagner-Verbands Linz, dem in Seoul geborenen Seho Chang, der bereits auf erfolgreiche Auftritte im Musiktheater des Landestheater Linz zurückblicken darf, war die Vertonung des Textes „A Mellow Phantom“ von Koen Kleijn. Seho Chang gestaltete dieses kurze, anspruchsvolle Lied mit kräftigem und sehr tiefem Bariton. Begleitet wurde er von Daniel Strahilevitz, der sich an dem Abend durchwegs als kongenialer Pianist und hervorragender Begleiter präsentieren durfte.

 Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : die Teilnehmer mit Vorstandsmitglied Marcus Haimerl 2 vr © Elisabeth Koenig

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : die Teilnehmer mit Vorstandsmitglied Marcus Haimerl 2 vr © Elisabeth Koenig

Besonders interessant erwies sich das zweite Lied, die Vertonung des Gedichts Abschied von Paul Celan. Gestaltet wurde dieses längere und außerordentlich anspruchsvolle Lied von Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz, die sich beide erst vier Tage vor Konzertbeginn bereit erklärt hatten, für eine erkrankte Kollegin einzuspringen und das Lied in nur zwei Tagen zu lernen. Das außerordentliche Talent der beiden Künstlerinnen und das absolute Gehör von Rebecca Blanz ermöglichten, dass dieses Lied zur Aufführung gelangen konnte. Man könnte Paul Celans Gedicht als eine Art Abrechnung mit Ingeborg Bachmann sehen, mit der er ein Verhältnis hatte. Abschiedsbriefe zwischen dem Lyriker und der Schriftstellerin gab es ja mehrere.

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz,am Fluegel © Marcus Haimerl

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz,am Fluegel © Marcus Haimerl

Carl Tertio Druml hebt in seiner Komposition zwei Geschwindigkeiten gegeneinander hervor, ein Tempo für Klavier und eines für Gesang. Nur bei einer einzigen Stelle („Oh falsches Gespiel“) finden sich die beiden Stimmen, die sich ansonsten vollkommen autonom voneinander weg oder aneinander vorbei bewegen. Ein schiefer Walzer als Illusion der Liebe, ein Furioso als ausbrechende Wut und die Rückkehr zu diesem Walzer, Resignation und Abschiednehmen. Die technische Herausforderung dieses Liedes liegt in dem gewünschten Nebeneinander, das trotz plötzlicher gemeinsamer Momente, in denen Klavier und Gesang auf demselben Ton enden, doch nie ein Miteinander wird. Die schwebende Gestaltung der Höhen unterstreicht die Fragilität des Konstrukts und der Emotionen. Ein Abschied mit Wehmut, mit Wut, aber dennoch mit Liebe. Die komplexe, tief berührende Komposition Carl Tertio Drumls wurde durch die virtuose, hochprofessionelle Gestaltung durch Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz am Klavier zu einem musikalischen Hochgenuss.

Der in Bozen geborene Manuel Zwerger war 2015 Stipendiat des Richard Wagner Verbands. Für die lyrische Koloratursopranistin Beata Beck, ebenfalls Wagner-Stipendiatin, komponierte er das Lied „Nacht wird lang sich nicht erhellen“. Beata Beck sang diese frühromantische Komposition mit schönem, schlankem Sopran, begleitet mit großer Präzision und Musikalität vom österreichischen Pianisten und Organisten Stefan Donner.

Mit dem düsteren und dramatischen Lied „Das irdische Leben“ von Gustav Mahler aus seiner Liedsammlung Des Knaben Wunderhorn konnten Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz noch einmal das Publikum für sich einnehmen.

Eine große Bereicherung für den Abend war auch die belgische Sopranistin Anne-Sophie Sevens, die ihr Stipendium 2019 antrat. Dem Publikum im Barocksaal des Alten Rathauses stellte sich die Künstlerin mit Elsas Arie „Einsam in trüben Tagen“ aus dem ersten Akt von Wagners Lohengrin vor und begeisterte mit ihrem großen, ausdrucksstarken Sopran das Publikum. Begleitet wurde sie von Daniel Strahilevitz, der sich auch bei dieser Arie als einfühlsamer Begleiter erwies.

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Isabella Kuess und Daniel Strahilevitz © Marcus Haimerl

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Isabella Kuess und Daniel Strahilevitz © Marcus Haimerl

Daniel Strahilevitz konnte sich gleich darauf auch eindrucksvoll als virtuoser Solist vorstellen. Mit dem meisterhaft gespielten Adagio und Presto der 2. Klaviersonate in F-Dur KV 280 von Wolfgang Amadeus Mozart bewies der junge Pianist und Dirigent seine feinsinnige Musikalität und außerordentliche Begabung und begeisterte das Publikum.

Einer großen Arie nahm sich im Anschluss Beata Beck an: die Arie der Zerbinetta „Großmächtige Prinzessin“ aus der Oper Ariadne auf Naxos von Richard Strauss. Die Sopranistin bewies in der einigermaßen umfangreichen Arie mit gelungenen Koloraturen Leichtigkeit und wurde dabei erneut von Stefan Donner ausgesprochen feinfühlig begleitet.

Zum Abschluss des ersten Teils lernte das Publikum nochmals zwei neue Künstler kennen: Mit dem kraftvollen hellen Tenor Hans-Jörg Gaugelhofers und der präzisen Begleitung Anton Brezinkas wurde die Romanze des Fenton „Horch die Lerche singt im Hain“ aus der Oper Die lustigen Weiber von Windsor von Otto Nicolai zu einem wunderschönen Abschluss des ersten Programmteils.

Nach der Pause konnte auch Stefan Donner, dessen einfühlsame Begleitung bereits im ersten Teil angenehm auffiel, sein Talent als Solist beweisen. Sein inniger und differenzierter Vortrag von drei Romanzen von Clara Schumann berührte mit zarten Farben.

Mit zwei Liedern aus den vier weißen Liedern Richard Wagners, stellte sich der Tenor Calon Danner, einer der diesjährigen Stipendiaten, dem Publikum vor.

Zu Beginn stand das Lied „Dors, mon enfant“ WWV 53 und im Anschluss „Mignonne“ WWV 57. Calon Danners schöner, eleganter Tenor eignete sich optimal für diese beiden Lieder und hinterließ gemeinsam mit dem intensiven Klavierspiel Anton Brezinkas großen Eindruck.

 Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Anne-Sophie Sevens und Daniel Strahilevitz   © Marcus Haimerl

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Anne-Sophie Sevens und Daniel Strahilevitz   © Marcus Haimerl

Der zweite Auftritt von Anne-Sophie Sevens widmete sich wieder einem Lied Gustav Mahlers:Wo die schönen Trompeten blasen“. Wie schon bei der Arie Elsas im ersten Teil des Konzerts bewies die belgische Sopranistin aufs Neue ihre Eignung für das deutsche Fach, und wurde dabei erneut mit ungeheurer Musikalität und Farbenpracht von Daniel Strahilevitz am Klavier begleitet.

Im nächsten Programmpunkt ehrte die Wiener Sopranistin Isabella Kuëss den Jahresregenten Ludwig van Beethoven zu seinem 250. Geburtstag mit der großen Arie Leonores „Abscheulicher, wo eilst Du hin?“ aus Fidelio. Mit ihrem ausdrucksvollen dramatischen Sopran ist sie im deutschen Fach perfekt besetzt und wurde von Daniel Strahilevitz eindrucksvoll und mit Brillanz begleitet. Ihre nuancenreiche Interpretation und musikalische Gestaltung vermochten Verzweiflung und Wut ebenso auszudrücken wie feingliedrige lyrische Momente treuer Liebe.

 Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Yasuyo Segawa © Marcus Haimerl

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Yasuyo Segawa © Marcus Haimerl

Für eine überwältigende Leistung sorgte auch die japanische Pianistin Yasuyo Segawa, die nach einem Unfall nur noch mit der linken Hand spielen kann. Mit unglaublicher Ausdruckskraft und Intensität gelang es der jungen Künstlerin mit dem „Miserere“ aus Giuseppe Verdis Il Trovatore das Publikum zutiefst zu berühren und zu begeistern.

Ein weiteres Mal bewies auch der koreanische Bariton Seho Chang sein Können und läutete mit der Arie des WolframOh, Du mein holder Abendstern“ aus Richard Wagners Tannhäuser das Finale des Abends ein. Mit seiner imposanten dunklen Stimme wurde diese romantisch-schwelgende Arie Wagners zu einem der vielen musikalischen Höhepunkte des Abends, für deren Begleitung sich erneut Daniel Strahilevitz mit seiner unglaublichen Vielseitigkeit verantwortlich zeigte.

Für die letzte Arie kehrte nochmals Isabella Kuëss auf die Bühne zurück. Mit Sentas Ballade „Johohoe! Traft ihr das Schiff im Meere an“ aus Richard Wagners Der fliegende Holländer sprang die Künstlerin nur wenige Stunden vor dem Konzert für eine erkrankte Kollegin ein. Mit nur einer kurzen Probe vor dem Konzert und einer für sie neuen Arie, konnte die Künstlerin das Publikum erneut mit ihrem beeindruckenden Sopran und ihrer Musikalität überzeugen, und sorgte gemeinsam mit ihrem virtuosen Begleiter Daniel Strahilevitz für ein imposantes Finale.

Nach dem eindrucksvollen Schluss des Konzerts stand großer Jubel für die vielen begabten Künstlerinnen und Künstler seitens des Publikums. In der Tat präsentierten sich alle StipendiatInnen auf höchstem Niveau. Mit Freude wird man ihre weitere Karriere verfolgen und es bleibt die Vorfreude auf das nächste Konzert im kommenden Jahr.

—| IOCO Aktuell Richard Wagner Verband Wien |—

Trier, Theater Trier, Der fliegende Holländer von Richard Wagner, IOCO Kritik, 27.10.2017

Oktober 29, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Trier

trier2.jpg

Theater Trier

Theater Trier © Theater Trier

Theater Trier © Theater Trier

 DER FLIEGENDE HOLLÄNDER von Richard Wagner

17.9.2017 – Der Wagner Verband Trier-Luxemburg feiert 30-Jähriges

Von Susanne Resperger

Franz Grundheber © Susanne Resperger

Franz Grundheber © Susanne Resperger

„Wie aus der Ferne längst vergang’ner Zeiten spricht dieses Mädchens Bild zu mir“. Franz Grundheber singt diese Zeilen beinahe flüsternd, empfindsam, innig. Plötzlich steht die Zeit im Theater Trier still.

Wir wurden alle mitgenommen auf die Reise des verfluchten, verzweifelten alten Mannes der seit Jahrzehnten, vielleicht Jahrhunderten die Meere durchstreift und nun wieder an Land geworfen wurde. Alle sieben Jahre nur einmal.

Sinnlos, ohne Hoffnung – die eine treue Frau bis in den Tod – er hat sie noch nie gefunden. Schon im kraftvollen Monolog war klar, dass dieser Künstler das „jetzt und hier“  mit der Umsetzung seiner Rolle verband. 10 Tage vor seinem 80.Geburtstag bot der Sänger ein bis ins letzte ausgefeiltes Rollenportrait, so wie es immer seine große Kunst war.

Es war nicht zu erkennen, ob gespielt oder nicht, wenn er langsam schleppend aus dem Meer steigt. Wenn er aber im Zorn kraftvoll mit seinem Schicksal hadert („Wann dröhnt er, der Vernichtungschlag, mit dem die Welt zusammenkracht?“), ist er nicht mehr der gebrochene verzweifelte Seefahrer. Er lehnt sich dagegen auf und wehrt sich mit einer Stimme die in jeder Phase, jedem Wort farbreich, intensiv ist. Kein Vibrato wie man es von anderen älteren Sängern so oft gehört hat, klare starke Bögen. Nur manchmal kaschiert er es geschickt wenn der Atem nicht mehr so ganz ausreicht. Er verbirgt dies so gekonnt, dass er sogar daraus noch einen intensiven Ausdruck erzeugt. Dieser Holländer berührt zutiefst.

Nun hat Franz Grundheber seit vielen Jahren keinen Holländer mehr gesungen aber in seiner Heimatstadt Trier wollte man das 30-jährige Jubiläum des Wagner Verbandes Trier-Luxemburg mit ihm gemeinsam begehen. Er ließ sich überreden noch einmal, in fortgeschrittenem Alter diese Partie zu singen. Trotz einiger Zweifel ob seiner hohen Ansprüche an sich selbst, sagte trotz allem „ja“ zu diesem Projekt für seine Heimatstadt.

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

 

Da er jedoch keinen konzertanten Holländer im Frack singen wollte, stellte er das Theater vor eine große Aufgabe eine semikonzertante Aufführung zu gestalten, bei der er mit vielen Ideen zur Verwirklichung beitrug. Eine machbare Aufgabe, trotz kleinem Budget, da alle Beteiligten mit Herz und Hirn bei der Sache waren.

Von der Bühnenmitte wurde ein Steg zum Bühnenrand aufgebaut, zu beiden Seiten Sitzreihen für den Chor, wobei der Steg den sitzenden Chor überragte.

Im Hintergrund eine Wand auf welche die Videoinstallationen von Momme Hinrichs (Fett Film) projiziert wurden. Diese Installationen trugen dazu bei die Atmosphäre des Meeres, später auch des Hauses Dalands, perfekt einzufangen. Dekoration war hier nicht notwendig. Es war alles da, ein Bild des Holländers (ein Gemälde von Franz Grundhebers Holländer aus Savonlinna) inklusive.

Wenn Daland mit dem Holländer nach Hause zu Senta kommt, treten die beide aus einer zuvor virtuell geöffneten Türe. Generell gab es in dieser Aufführung mehr Personenführung als bei einer wochenlang geprobten szenischen Aufführung. Als Beispiel: Senta und Holländer sehen sich nicht an, jeder ist in seinem Traum, in seinem Wahn gefangen nur beim Abgang am Schluss gehen sie gemeinsam ab. Für alles an Konzept, Bühne, Projektionen und Kostüme war Momme Hinrichs verantwortlich. Eine mehr als nur gelungene Arbeit.

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

Es sind alle Darsteller mit ihren Umsetzungen der Figur absolut glaubhaft im Sinn der Oper, im Sinn der Musik und des Textes. Diese Festvorstellung kann neben Franz Grundheber, als Star des Abends, ein hervorragendes Ensemble bieten. Clemens Bieber ist ein anrühriger, lyrischer, liebevoll besorgter Erik der auch heikle Stellen mit Leichtigkeit bewältigt, Thorsten Grümbel ein wohlstimmiger, eher leichterer Bass,  der den Daland mit Selbstverständlichkeit darstellt und im Solo im zweiten Akt besonders punktet.

Die Senta von Cornelia Ptassek ist höhensicher, ein wenig fehlt ihr die Sicherheit in der Mittellage aber ihr Finale ist stark und verfehlt ihre Wirkung nicht. Sie agiert ein wenig kalt und unnahbar, was aber auch mit der Anforderung der Regie zusammenhängt.

Marion Eckstein gestaltet eine sehr starke Mary. Das wenige, das sie zu singen hat imponiert. Ihr schöner Mezzo verlangt nach mehr. Sie wertet diese Rolle mit einer sehr starken Persönlichkeit enorm auf, wie ich sie bisher noch nie erleben durfte. Thomas Greuel fügt sich ebenfalls bestens ein. Er kann dem Steuermann nicht nur eine wunderbare Stimme mitgeben, sondern ist auch impulsiv und  unbedarft, so wie es auch sein soll.

Großartig auch die Leistung des Konzertchors Trier, des Theaterchors Trier und des Extrachors des Theaters. Eine große Herausforderung für alle. Man darf dies nie mit einem großen Haus vergleichen. Wenn man weiß, wieviel Arbeit hinter der Erarbeitung eines solch großen Werkes steht, welches schon lange nicht mehr am Spielplan stand und die Choristen auch nicht alle hauptberuflich Sänger sind, ist diese Leistung umso beachtenswerter. Besonders eindringlich die Chorszene, bei welcher die Matrosen der Norweger und die des Holländers zu beiden Seiten getrennt singen. Da hört man jede Stimme – ein großes Lob an dieser Stelle an den Chor, der ja oft unterschätzt wird.

Ein kleines Manko der Vorstellung ist das teilweise etwas geschleppte Tempo vom Philharmonischen Orchester Triers  und dem Dirigenten Jochen Schaaf. Da hätte man sich ein wenig mehr Feuer und Leidenschaft gewünscht, auch ein wenig mehr Konturen und Feinabstimmungen – aber, auch hier waren nur wenige Proben möglich.

Standing Ovations und langer Jubel für alle Beteiligten, besonders für Franz Grundheber, der diesen Abend zu einem eindringlichen und unvergesslichen werden ließ. Er erzählt danach bei einem kurzen Empfang  im Foyer noch ein paar kurze Anekdoten und unterhält das Publikum seiner Heimatstadt  humorvoll und in seiner ganz besonders liebenswerten charmanten Art. Schade nur, dass diese sehr gelungene Umsetzung des Fliegenden Holländers nur für diesen einen Abend, den 17.9.2017, gestaltet wurde.

 

Dortmund, Theater Dortmund, 5. Philharmonisches Konzert – Liebeswahn – gewidmet Dr. Sonja Müller-Eisold , IOCO Kritik, 05.02.2013

Februar 8, 2013 by  
Filed under Kritiken, Theater Dortmund


Kritik

Theater Dortmund

Theater Dortmund © Theater Dortmund

Theater Dortmund © Theater Dortmund

“Liebeswahn“

5. Philharmonisches Konzert, 05.02.2013

Dieses Konzert war Dr. Sonja Müller-Eisold gewidmet, der langjährigen Kulturjournalistin der “Westfälischen Rundschau“ und Vorsitzenden der Dortmunder Sektion des “Richard Wagner Verbandes“. Sie war im Oktober 2011 unter tragischen Umständen ums Leben gekommen. Sonja Müller-Eisold hatte dieses Konzert in ihrer Eigenschaft als 1. Vorsitzende des Wagner-Verbandes im Vorfeld des 125-jährigen Bestehens der Dortmunder Philharmoniker und zum 200. Geburtstag Richard Wagners initiiert. Nun fand es zu ihrem Gedenken statt.

Am Anfang gab es eine Uraufführung. Die Dortmunder Philharmoniker spielten unter der Leitung ihres ehemaligen GMD Anton Marik (1996-2000), eine Komposition von Stefan Heucke. Der in Baden-Württemberg geborene Heuke ist Absolvent der Staatlichen Musikhochschule Westfalen-Lippe, Abteilung Dortmund. Dort hatte er auch einen Lehrauftrag von 1989-2002.

Theater Dortmund / Stefan Heuke © Christoph Fein

Theater Dortmund / Stefan Heuke © Christoph Fein

Er erhielt verschiedene Preise für seine Kompositionen. Großes mediales Interesse fand die Uraufführung seiner Oper “Das Frauenorchester von Auschwitz“, die bei den Bühnen Krefeld/Mönchengladbach 2006 die Spielzeit eröffnete.

Sein nun im Auftrag des Richard Wagner – Verbandes Dortmund komponiertes Werk, betitelt “Die alte Weise sehnsuchtsbang“ ist ein ungefähr zwanzigminütiges Variationswerk, das auf der Hirtenweise aus “Tristan und Isolde“ basiert. Es ist eine großflächige Komposition, die eine starke Orchesterbesetzung erfordert. Die melancholische Englischhorn-Passage aus dem 3. Akt des “Tristan“ wird als Zitat  übernommen und variiert.

Die Dortmunder Philharmoniker unter Anton Mariks Leitung spielten das Stück sehr engagiert und differenziert. Einfach großartig war die Englischhorn-Spielerin des Orchesters, Christiane Dimigen, die verdient starken Beifall bekam. Aber auch Dirigent und Orchester, sowie der anwesende Komponist wurden mit herzlichem Beifall bedacht.

Theater Dortmund / Anton Marik © Theater Dortmund

Theater Dortmund / Anton Marik © Theater Dortmund

Es folgten die fünf Lieder auf Gedichte von Mathilde Wesendonck von Richard Wagner in der Instrumentierung von Felix Mottl. Die Solistin, die amerikanische Mezzosopranistin Jane Henschel, war einige Jahre Mitglied der Dortmunder Oper und startete von hier ihre Weltkarriere.

Die Wesendonck-Lieder sind bedeutende Kompositionen in Wagners Schaffen.

Jane Henschel sang sie an diesem Abend mit einer großen Tonschönheit, wunderbar offen in der Höhe und im unteren Register sonor, ohne künstliche Abdunkelung. Es gab nicht eine einzige Phrase, wo die Stimme Mühe hatte mit der Musik. Mit großer Textverständlichkeit konnte sie auch die Inhalte der emotionsreichen Gesänge vermitteln. Marik und das Orchester begleiteten subtil und aufmerksam und wussten die sehr farbenreiche Orchesterfassung von Mottl ins beste Licht zu rücken.

Theater Dortmund / Jane Henschel © Barbara Eichinger

Theater Dortmund / Jane Henschel © Barbara Eichinger

Nach der Pause gab es Ausschnitte aus “Tristan und Isolde“. Zu hören waren das Vorspiel zum 1. Aufzug, Brangänes Warnung aus dem 2. Akt (von Jane Henschel aus dem Off gesungen), sowie das Vorspiel zum 3. Akt mit der Hirtenweise und dem Liebestod Isoldes, diesen aber nur orchestral. Viele Zuhörer hätten sich sicherlich gewünscht, dass Frau Henschel den Liebestod gesungen hätte.

Die Ausschnitte klangen stringent und sehr ausgeprägt in den dynamischen Abstufungen. Mariks Tempo war moderat und ließ den Musikern viel Raum zu solistischer Entfaltung.

Es gab viel Beifall für alle Mitwirkenden.

IOCO / UGK / 05.02.2013

—| IOCO Kritik Theater Dortmund |—

Bonn, Theater Bonn, Stipendiatenkonzert des Richard Wagner Verband, 27.02.2012

Februar 21, 2012 by  
Filed under Pressemeldung, Theater Bonn

logo bonn.jpg

Theater Bonn

Stipendiatenkonzert des Richard Wagner Verband Bonn/Siegburg e.V.

Die Reise zum grünen Hügel – ein Konzert von und mit Stipendiaten des Richard-Wagner-Verbands Bonn/Siegburg e.V.

am Montag, 27. Februar 2012, 19.30 Uhr, Opernfoyer

Auch im Jahr 2011 durften vier Stipendiaten des Richard-Wagner-Verbands Bonn/Siegburg e.V. auf den grünen Hügel nach Bayreuth pilgern, um sich drei Produktionen der Bayreuther Festspiele 2011 anzuschauen. Als Dank für eine unvergessliche Zeit veranstalten die Stipendiaten am 27. Februar 2012, 19.30 Uhr, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen vergangener Bayreuth-Jahre, im Foyer des Opernhauses ein Konzert. Neben spannenden Musik- und Wortbeiträgen auf den Spuren Richard Wagners stellen wir Ihnen im Gespräch die Stipendiaten vor, die über ihre ersten Berührungspunkte mit Richard Wagner, ihre Erlebnisse in Bayreuth und ihre Wünsche für die Zukunft berichten werden.

Der Richard-Wagner-Verband Bonn/Siegburg e.V. wurde 1989 gegründet und ist einer von knapp 140 Verbänden im weltweiten Richard-Wagner-Verband International e.V. Zu seiner Zielsetzung gehört es, die noch von Richard Wagner selbst initiierten Richard Wagner-Stipendienstiftung zu unterstützen und damit jungen begabten Nachwuchskünstlern ein Stipendium in Bayreuth zu ermöglichen. Seit seinem Bestehen hat der Richard-Wagner- Verband Bonn/Siegburg e.V. 31 jungen Künstlern ein solches Stipendium vermittelt.

Moderation Carolin Wielpütz Harfe Clara Dicke Klavier Ulrich Zippelius
Mit Melanie Loll, Charlotte Quadt, Alexandra Voulgaris, Martin Hoferick, Giorgos Kanaris u.a.

—| Pressemeldung Theater Bonn |—

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung