Trier, Theater Trier, Der fliegende Holländer von Richard Wagner, IOCO Kritik, 27.10.2017

Oktober 29, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Trier

trier2.jpg

Theater Trier

Theater Trier © Theater Trier

Theater Trier © Theater Trier

 DER FLIEGENDE HOLLÄNDER von Richard Wagner

17.9.2017 – Der Wagner Verband Trier-Luxemburg feiert 30-Jähriges

Von Susanne Resperger

Franz Grundheber © Susanne Resperger

Franz Grundheber © Susanne Resperger

„Wie aus der Ferne längst vergang’ner Zeiten spricht dieses Mädchens Bild zu mir“. Franz Grundheber singt diese Zeilen beinahe flüsternd, empfindsam, innig. Plötzlich steht die Zeit im Theater Trier still.

Wir wurden alle mitgenommen auf die Reise des verfluchten, verzweifelten alten Mannes der seit Jahrzehnten, vielleicht Jahrhunderten die Meere durchstreift und nun wieder an Land geworfen wurde. Alle sieben Jahre nur einmal.

Sinnlos, ohne Hoffnung – die eine treue Frau bis in den Tod – er hat sie noch nie gefunden. Schon im kraftvollen Monolog war klar, dass dieser Künstler das „jetzt und hier“  mit der Umsetzung seiner Rolle verband. 10 Tage vor seinem 80.Geburtstag bot der Sänger ein bis ins letzte ausgefeiltes Rollenportrait, so wie es immer seine große Kunst war.

Es war nicht zu erkennen, ob gespielt oder nicht, wenn er langsam schleppend aus dem Meer steigt. Wenn er aber im Zorn kraftvoll mit seinem Schicksal hadert („Wann dröhnt er, der Vernichtungschlag, mit dem die Welt zusammenkracht?“), ist er nicht mehr der gebrochene verzweifelte Seefahrer. Er lehnt sich dagegen auf und wehrt sich mit einer Stimme die in jeder Phase, jedem Wort farbreich, intensiv ist. Kein Vibrato wie man es von anderen älteren Sängern so oft gehört hat, klare starke Bögen. Nur manchmal kaschiert er es geschickt wenn der Atem nicht mehr so ganz ausreicht. Er verbirgt dies so gekonnt, dass er sogar daraus noch einen intensiven Ausdruck erzeugt. Dieser Holländer berührt zutiefst.

Nun hat Franz Grundheber seit vielen Jahren keinen Holländer mehr gesungen aber in seiner Heimatstadt Trier wollte man das 30-jährige Jubiläum des Wagner Verbandes Trier-Luxemburg mit ihm gemeinsam begehen. Er ließ sich überreden noch einmal, in fortgeschrittenem Alter diese Partie zu singen. Trotz einiger Zweifel ob seiner hohen Ansprüche an sich selbst, sagte trotz allem „ja“ zu diesem Projekt für seine Heimatstadt.

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

 

Da er jedoch keinen konzertanten Holländer im Frack singen wollte, stellte er das Theater vor eine große Aufgabe eine semikonzertante Aufführung zu gestalten, bei der er mit vielen Ideen zur Verwirklichung beitrug. Eine machbare Aufgabe, trotz kleinem Budget, da alle Beteiligten mit Herz und Hirn bei der Sache waren.

Von der Bühnenmitte wurde ein Steg zum Bühnenrand aufgebaut, zu beiden Seiten Sitzreihen für den Chor, wobei der Steg den sitzenden Chor überragte.

Im Hintergrund eine Wand auf welche die Videoinstallationen von Momme Hinrichs (Fett Film) projiziert wurden. Diese Installationen trugen dazu bei die Atmosphäre des Meeres, später auch des Hauses Dalands, perfekt einzufangen. Dekoration war hier nicht notwendig. Es war alles da, ein Bild des Holländers (ein Gemälde von Franz Grundhebers Holländer aus Savonlinna) inklusive.

Wenn Daland mit dem Holländer nach Hause zu Senta kommt, treten die beide aus einer zuvor virtuell geöffneten Türe. Generell gab es in dieser Aufführung mehr Personenführung als bei einer wochenlang geprobten szenischen Aufführung. Als Beispiel: Senta und Holländer sehen sich nicht an, jeder ist in seinem Traum, in seinem Wahn gefangen nur beim Abgang am Schluss gehen sie gemeinsam ab. Für alles an Konzept, Bühne, Projektionen und Kostüme war Momme Hinrichs verantwortlich. Eine mehr als nur gelungene Arbeit.

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

Es sind alle Darsteller mit ihren Umsetzungen der Figur absolut glaubhaft im Sinn der Oper, im Sinn der Musik und des Textes. Diese Festvorstellung kann neben Franz Grundheber, als Star des Abends, ein hervorragendes Ensemble bieten. Clemens Bieber ist ein anrühriger, lyrischer, liebevoll besorgter Erik der auch heikle Stellen mit Leichtigkeit bewältigt, Thorsten Grümbel ein wohlstimmiger, eher leichterer Bass,  der den Daland mit Selbstverständlichkeit darstellt und im Solo im zweiten Akt besonders punktet.

Die Senta von Cornelia Ptassek ist höhensicher, ein wenig fehlt ihr die Sicherheit in der Mittellage aber ihr Finale ist stark und verfehlt ihre Wirkung nicht. Sie agiert ein wenig kalt und unnahbar, was aber auch mit der Anforderung der Regie zusammenhängt.

Marion Eckstein gestaltet eine sehr starke Mary. Das wenige, das sie zu singen hat imponiert. Ihr schöner Mezzo verlangt nach mehr. Sie wertet diese Rolle mit einer sehr starken Persönlichkeit enorm auf, wie ich sie bisher noch nie erleben durfte. Thomas Greuel fügt sich ebenfalls bestens ein. Er kann dem Steuermann nicht nur eine wunderbare Stimme mitgeben, sondern ist auch impulsiv und  unbedarft, so wie es auch sein soll.

Großartig auch die Leistung des Konzertchors Trier, des Theaterchors Trier und des Extrachors des Theaters. Eine große Herausforderung für alle. Man darf dies nie mit einem großen Haus vergleichen. Wenn man weiß, wieviel Arbeit hinter der Erarbeitung eines solch großen Werkes steht, welches schon lange nicht mehr am Spielplan stand und die Choristen auch nicht alle hauptberuflich Sänger sind, ist diese Leistung umso beachtenswerter. Besonders eindringlich die Chorszene, bei welcher die Matrosen der Norweger und die des Holländers zu beiden Seiten getrennt singen. Da hört man jede Stimme – ein großes Lob an dieser Stelle an den Chor, der ja oft unterschätzt wird.

Ein kleines Manko der Vorstellung ist das teilweise etwas geschleppte Tempo vom Philharmonischen Orchester Triers  und dem Dirigenten Jochen Schaaf. Da hätte man sich ein wenig mehr Feuer und Leidenschaft gewünscht, auch ein wenig mehr Konturen und Feinabstimmungen – aber, auch hier waren nur wenige Proben möglich.

Standing Ovations und langer Jubel für alle Beteiligten, besonders für Franz Grundheber, der diesen Abend zu einem eindringlichen und unvergesslichen werden ließ. Er erzählt danach bei einem kurzen Empfang  im Foyer noch ein paar kurze Anekdoten und unterhält das Publikum seiner Heimatstadt  humorvoll und in seiner ganz besonders liebenswerten charmanten Art. Schade nur, dass diese sehr gelungene Umsetzung des Fliegenden Holländers nur für diesen einen Abend, den 17.9.2017, gestaltet wurde.

 

Dortmund, Theater Dortmund, 5. Philharmonisches Konzert – Liebeswahn – gewidmet Dr. Sonja Müller-Eisold , IOCO Kritik, 05.02.2013

Februar 8, 2013 by  
Filed under Kritiken, Theater Dortmund


Kritik

Theater Dortmund

Theater Dortmund © Theater Dortmund

Theater Dortmund © Theater Dortmund

“Liebeswahn“

5. Philharmonisches Konzert, 05.02.2013

Dieses Konzert war Dr. Sonja Müller-Eisold gewidmet, der langjährigen Kulturjournalistin der “Westfälischen Rundschau“ und Vorsitzenden der Dortmunder Sektion des “Richard Wagner Verbandes“. Sie war im Oktober 2011 unter tragischen Umständen ums Leben gekommen. Sonja Müller-Eisold hatte dieses Konzert in ihrer Eigenschaft als 1. Vorsitzende des Wagner-Verbandes im Vorfeld des 125-jährigen Bestehens der Dortmunder Philharmoniker und zum 200. Geburtstag Richard Wagners initiiert. Nun fand es zu ihrem Gedenken statt.

Am Anfang gab es eine Uraufführung. Die Dortmunder Philharmoniker spielten unter der Leitung ihres ehemaligen GMD Anton Marik (1996-2000), eine Komposition von Stefan Heucke. Der in Baden-Württemberg geborene Heuke ist Absolvent der Staatlichen Musikhochschule Westfalen-Lippe, Abteilung Dortmund. Dort hatte er auch einen Lehrauftrag von 1989-2002.

Theater Dortmund / Stefan Heuke © Christoph Fein

Theater Dortmund / Stefan Heuke © Christoph Fein

Er erhielt verschiedene Preise für seine Kompositionen. Großes mediales Interesse fand die Uraufführung seiner Oper “Das Frauenorchester von Auschwitz“, die bei den Bühnen Krefeld/Mönchengladbach 2006 die Spielzeit eröffnete.

Sein nun im Auftrag des Richard Wagner – Verbandes Dortmund komponiertes Werk, betitelt “Die alte Weise sehnsuchtsbang“ ist ein ungefähr zwanzigminütiges Variationswerk, das auf der Hirtenweise aus “Tristan und Isolde“ basiert. Es ist eine großflächige Komposition, die eine starke Orchesterbesetzung erfordert. Die melancholische Englischhorn-Passage aus dem 3. Akt des “Tristan“ wird als Zitat  übernommen und variiert.

Die Dortmunder Philharmoniker unter Anton Mariks Leitung spielten das Stück sehr engagiert und differenziert. Einfach großartig war die Englischhorn-Spielerin des Orchesters, Christiane Dimigen, die verdient starken Beifall bekam. Aber auch Dirigent und Orchester, sowie der anwesende Komponist wurden mit herzlichem Beifall bedacht.

Theater Dortmund / Anton Marik © Theater Dortmund

Theater Dortmund / Anton Marik © Theater Dortmund

Es folgten die fünf Lieder auf Gedichte von Mathilde Wesendonck von Richard Wagner in der Instrumentierung von Felix Mottl. Die Solistin, die amerikanische Mezzosopranistin Jane Henschel, war einige Jahre Mitglied der Dortmunder Oper und startete von hier ihre Weltkarriere.

Die Wesendonck-Lieder sind bedeutende Kompositionen in Wagners Schaffen.

Jane Henschel sang sie an diesem Abend mit einer großen Tonschönheit, wunderbar offen in der Höhe und im unteren Register sonor, ohne künstliche Abdunkelung. Es gab nicht eine einzige Phrase, wo die Stimme Mühe hatte mit der Musik. Mit großer Textverständlichkeit konnte sie auch die Inhalte der emotionsreichen Gesänge vermitteln. Marik und das Orchester begleiteten subtil und aufmerksam und wussten die sehr farbenreiche Orchesterfassung von Mottl ins beste Licht zu rücken.

Theater Dortmund / Jane Henschel © Barbara Eichinger

Theater Dortmund / Jane Henschel © Barbara Eichinger

Nach der Pause gab es Ausschnitte aus “Tristan und Isolde“. Zu hören waren das Vorspiel zum 1. Aufzug, Brangänes Warnung aus dem 2. Akt (von Jane Henschel aus dem Off gesungen), sowie das Vorspiel zum 3. Akt mit der Hirtenweise und dem Liebestod Isoldes, diesen aber nur orchestral. Viele Zuhörer hätten sich sicherlich gewünscht, dass Frau Henschel den Liebestod gesungen hätte.

Die Ausschnitte klangen stringent und sehr ausgeprägt in den dynamischen Abstufungen. Mariks Tempo war moderat und ließ den Musikern viel Raum zu solistischer Entfaltung.

Es gab viel Beifall für alle Mitwirkenden.

IOCO / UGK / 05.02.2013

—| IOCO Kritik Theater Dortmund |—

Bonn, Theater Bonn, Stipendiatenkonzert des Richard Wagner Verband, 27.02.2012

Februar 21, 2012 by  
Filed under Pressemeldung, Theater Bonn

logo bonn.jpg

Theater Bonn

Stipendiatenkonzert des Richard Wagner Verband Bonn/Siegburg e.V.

Die Reise zum grünen Hügel – ein Konzert von und mit Stipendiaten des Richard-Wagner-Verbands Bonn/Siegburg e.V.

am Montag, 27. Februar 2012, 19.30 Uhr, Opernfoyer

Auch im Jahr 2011 durften vier Stipendiaten des Richard-Wagner-Verbands Bonn/Siegburg e.V. auf den grünen Hügel nach Bayreuth pilgern, um sich drei Produktionen der Bayreuther Festspiele 2011 anzuschauen. Als Dank für eine unvergessliche Zeit veranstalten die Stipendiaten am 27. Februar 2012, 19.30 Uhr, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen vergangener Bayreuth-Jahre, im Foyer des Opernhauses ein Konzert. Neben spannenden Musik- und Wortbeiträgen auf den Spuren Richard Wagners stellen wir Ihnen im Gespräch die Stipendiaten vor, die über ihre ersten Berührungspunkte mit Richard Wagner, ihre Erlebnisse in Bayreuth und ihre Wünsche für die Zukunft berichten werden.

Der Richard-Wagner-Verband Bonn/Siegburg e.V. wurde 1989 gegründet und ist einer von knapp 140 Verbänden im weltweiten Richard-Wagner-Verband International e.V. Zu seiner Zielsetzung gehört es, die noch von Richard Wagner selbst initiierten Richard Wagner-Stipendienstiftung zu unterstützen und damit jungen begabten Nachwuchskünstlern ein Stipendium in Bayreuth zu ermöglichen. Seit seinem Bestehen hat der Richard-Wagner- Verband Bonn/Siegburg e.V. 31 jungen Künstlern ein solches Stipendium vermittelt.

Moderation Carolin Wielpütz Harfe Clara Dicke Klavier Ulrich Zippelius
Mit Melanie Loll, Charlotte Quadt, Alexandra Voulgaris, Martin Hoferick, Giorgos Kanaris u.a.

—| Pressemeldung Theater Bonn |—