Karlsruhe, Badisches Staatstheater, Pavel Fieber *30.9.1941 – 6.7.2020, IOCO Aktuell, 09.07.2020

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Badisches Staatstheater Karlsruhe

 

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

Pavel Fieber : 30.9.1941 – 6.7.2020

Pavel Fieber: aus dem Schauspiel kommend, hatte Fieber an vielen Häusern der deutschen Theaterlandschaft über Jahrzehnte markante Produktionen geschaffen. Pavel Fieber schuf über 100 Inszenierungen in Schauspiel, Oper und Musical. Als Darsteller übernahm er eine Vielzahl bedeutender Rollen. In seiner Lieblingspartie als Prof. Higgins in My Fair Lady (Video unten) stand er über 1500 Mal auf der Bühne. Pavel Fieber starb am 6. Juli 2020 in Würzburg.

Als Intendant der Theater Ulm und dem Pfalztheater Kaiserslautern kommend, wechselte Fieber von 1997 bis 2002 als Generalintendant  ans Badische Staatstheater nach Karlsruhe.

1941 in der früheren Tschechoslowakei geboren und in Österreich sowie Bayern aufgewachsen, begann Pavel Fieber seine Schauspielausbildung nach einem Psycholgiestudium am Wiener Max-Reinhardt-Seminar. Nebenbei erhielt er an der Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Wien eine Gesangsausbildung.

Pavel Fieber studierte von 1960 bis 1964 an der Universität Erlangen und an der Universität Wien Psychologie. Von 1962 bis 1964 studierte er zusätzlich Schauspiel, Regie und Musical am Wiener Max-Reinhardt-Seminar und erhielt eine Gesangsausbildung an der Akademie für Musik und Darstellende Kunst Wien, unter anderem bei Leonie Rysanek, später auch in Wiesbaden bei Karl Liebl.

 Badisches Staatstheater / Pavel Fieber © Badisches Staatsheater / Felix Gruenschloss

Badisches Staatstheater / Pavel Fieber © Badisches Staatsheater / Felix Gruenschloss

1965 trat er in Wien sein erstes Engagement als Schauspieler am Theater der Courage und Theater im Centrum an. 1967 spielte er an den Städtischen Bühnen Lübeck unter anderem Dunois in Die heilige Johanna. Von 1968 bis 1972 war er als Schauspieler, Regisseur und zuletzt kommissarischer Oberspielleiter an den Städtischen Bühnen Mainz aktiv. Von 1969 bis 1972 leitete er gleichzeitig die Opernschule am Peter-Cornelius-Konservatorium der Stadt Mainz und gründete das Theater an der Mainzer Universität. Seine wichtigste Inszenierung in dieser Zeit war 1969 George Taboris Die Kannibalen.

Von 1972 bis 1974 war Fieber Oberspielleiter am Theater Oberhausen, von 1974 bis 1978 am Stadttheater Ingolstadt. Er inszenierte mehrere Erst- und Uraufführungen von Pavel Kohout und Václav Havel. 1970 wurde er in der Tschechoslowakei zur Persona non grata erklärt und erhielt einige Zeit keine Einreisegenehmigung.

Von 1978 bis 1985 arbeitete er als freier Schauspieler und Regisseur unter anderem am Theater Wuppertal, am Theater Bonn, am Schauspielhaus Düsseldorf, am Theater des Westens in Berlin, an der Staatsoper Hannover, an den Staatstheatern in Karlsruhe, Darmstadt und Stuttgart.

My fair Lady – hier auch mit Pavel Fieber
youtube Video Badische Staatskapelle – Badisches Staatstheater
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Von 1985 bis 1991 war Fieber Intendant am Theater Ulm. Hier inszenierte er im Schauspiel u. a. Nathan der Weise, Der Bockerer und Hamlet sowie Opern und Musicals. Von 1991 bis 1997 wirkte er als Intendant am Pfalztheater Kaiserslautern. Inszenierungen dort waren zum Beispiel Romeo und Julia, Othello und Wozzeck.

1997 wechselte er als Generalintendant ans BADISCHE STAATSTHEATER nach Karlsruhe, wo er bis 2002 amtierte. Von 2000 bis 2003 übernahm er zudem die künstlerische Leitung der Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel. Im Jahr 2004 wurde er Intendant der Burgfestspiele Mayen. Es folgten Engagements u. a. am Landestheater Salzburg und am Volkstheater Wien.

Fiebers Paraderolle als Schauspieler war die des Professor Higgins in dem Musical My Fair Lady, den er an zahlreichen Theatern verkörperte. Gelegentlich übernahm er auch Rollen im Film und Fernsehen, so z. B. 2008 in Der Komödienstadel – Der letzte Bär von Bayern.

In der Spielzeit 2014/15 gastierte er am BADISCHEN STAATSTHEATER in der Rolle des Frosch in Die Fledermaus. 2016/17 kehrte er als Oberst Pickering in My Fair Lady zurück.  Am 6. Juli 2020 starb Pavel Fieber in Würzburg.

—| IOCO Aktuell Badisches Staatstheater Karlsruhe |—

Wien, Volkstheater, Comedian Harmonists: Singen bis die Nazis kommen, IOCO Kritik, 26.06.2013

Juni 27, 2013 by  
Filed under Kritiken, Volkstheater Wien

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Volkstheater Wien

Volkstheater Wien © Christoph Sebastian

Volkstheater Wien © Christoph Sebastian

Volkstheater Wien: Großes Sprechtheater im Wiener Kulturreigen

Volkstheater Wien © Christoph Sebastian

Volkstheater Wien © Christoph Sebastian

Das Volkstheater entwickelte sich als Spielstätte mit eigener künstlerischer und stilistischer Kraft im unendlich reichhaltigen Wiener Kulturreigen. Gegründet 1889 von Wiener Bürgern, darunter Ludwig Anzengruber und  Möbelfabrikant Thonet, verkörpert das im Stil des Historismus erbaute Volkstheater ein wenig das bürgerliche Gegenstück zum gelegentlich als  elitär angesehenen Wiener Burgtheater. Das Volkstheater will mit seinem Spielplan breite Bevölkerungsschichten erreichen und bietet mit seinen 970 Sitzplätzen die zweitgrößte Sprechbühne Wiens. Der attraktive Zuschauerraum ist im Originalzustand erhalten und war ehemals der größte des deutschen Sprachraumes, sogar größer als der des Burgtheaters. Über 200.000 Besucher finden heute jährlich Spannung, Begeisterung aber auch Entspannung im Volkstheater.

Die „Comedian Harmonists“ am Wiener Volkstheater

Volkstheater Wien / Comedian Harmonists © Lalo Jodlbauer

Volkstheater Wien / Comedian Harmonists © Lalo Jodlbauer

Das Volkstheater ließ die beliebten, wenn auch viel strapazierten Comedian Harmonists wieder aufleben. Warum diesmal hier? Weil Intendant Michael Schottenberg nicht nur über ein ausgezeichnetes Schauspieler-Ensemble verfügt, sondern auch, weil er mit den Comedian Harmonists ein zeitpolitisches Stück auf die Bühne bringen wollte: „Der Bedrohung durch ewig Gestrige widerstehen„, war Schottenbergs Petitum, als er das Stück auf den Spielplan 2012/13 des Volkstheaters setzte. Wirken wie Schicksal der sechs Comedian Harmonists soll nach Schottenberg dauerhaft präsent bleiben: Nach zunächst riesigen Erfolgen wurden 1935 den Comedian-„Ariern“ Biberti, Bootz und Leschnikoff verboten „weiterhin mit diesen Nichtariern zu musizieren„. Die Gruppe löste sich in der Folge auf. Die „Nicht-arischen“ Comedians Collin, Cycowski und Frommermann wanderten 1941 aus.

Volkstheater, Comedian Harmonists Plakat © Volkstheater

Volkstheater, Comedian Harmonists Plakat © Volkstheater

Das Volkstheater-Ensemble bringt das Schicksal der Comedian Harmonists im Dritten Reich,  die unglaubliche Geschichte dieses einst berühmtesten Gesangsensembles der Welt, schauspielerisch und stimmlich mit  einfühlsamer Sensibilität aber auch einnehmendem Charme auf die Bühne, allen voran Marcello de Nardo als Harry Frommermann (er hat mit Schottenberg auch Regie geführt), und der ehemalige Mozart-Sängerknabe Patrick Lammer in der Rolle des Ari Leschnikoff. Nach einem Buch von Gottfried Greiffenhagen wurden die „CH“ von Franz Wittenbrink musikalisch für das Volkstheater eingerichtet. Dem Publikum gefiel es; Ohrwürmer haben immer Saison. „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“, „Veronika, der Lenz ist da“, „Ein Freund, ein guter Freund“, „In der Bar zum Krokodil“ – Lieder wie diese sind dank der „CH“ bis heute wahre Evergreens geblieben.

Die Aufführung der Comedian Harmonists im Wiener Volkstheater endete mit dem erhörten Wunsch nach Zugaben nach drei mitreißenden Stunden mit „standing ovations“.  Intendant Schottenberg gelingt mit dieser Produktion ein Volkstheater-Saisonende  nach Maß: Künstlerisch anspruchsvoll, volles Haus und begeisterte Besucher.

IOCO / Angela Thierry / 24. Juni 2013

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