Dresden, Dresdner Staatskapelle, Ein Sommernachtstraum – Henze – Mendelssohn, IOCO Kritik, 13.5.2019

saechs_staatskapelle.jpg

Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

Ein Sommernachtstraum – William Shakespeare

Interpretationen von Henze und Mendelssohn – Mit Fragezeichen

von Thomas Thielemann

Seit der damals dreißigjährige Vladimir Jurowski mit Pendereckis Oper Der Teufel von London  in Dresden debütierte, ist er regelmäßig Gastdirigent der Staatskapelle Dresden. Dabei ist er ein Garant für außergewöhnliche Programme und Werkfolgen. 1990 von Moskau nach Deutschland gekommen, war er zunächst Student der Dresdner Musikhochschule und konnte auch bei Colin Davis hospitieren. Dabei war bereits vorher der Name Jurowski für das hiesige Konzertleben ein fester Begriff, denn der Vater Michael Jurowski (geboren am Weihnachtsabend 1945) war seit 1988 häufiger Gastdirigent der Staatskapelle, der Philharmonie und der Gohrischer Schostakowitsch-Tage.

Semperoper Dresden / Sächsische Staatskapelle © Matthias Creutziger

Semperoper Dresden / Sächsische Staatskapelle © Matthias Creutziger

10. Symphoniekonzert der Staatskapelle Dresden

Bereits mit der Eröffnung des Konzerts mit Carl Maria von Webers  Ouvertüre zu Oberon werden die Tugenden des Orchesters seiner Fähigkeit zu feinsten dynamischen Abstufungen sofort deutlich. Mit  sattem Streicherklang, neben dem mit großer Wärme intonierten bekannten Hornmotiv, entwickelt Jurowski die Komposition vom ruhigen Einleitungsteil bis zur intensiven Steigerung des klangmalerischen Teils und stimmt so sein Publikum auf die etwas härtere Folgekost ein.

Heinz Werner Henze (1927 in Gütersloh geboren und 2012 in Dresden verstorben) gehört zu den bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts und ist dem heimischen Publikum, 2012 Capell-Compositeur der Staatskapelle,  mit der Agitprop-Oper-Inszenierung „Wir erreichen den Fluss“ noch in Erinnerung. Als explizit politischer Künstler hatte Henze die anscheinend abstrakten Aspekte seiner Kompositionen nie als Selbstzweck betrachtet. In der Kontrastbildung sah er die Möglichkeit Stellung zu beziehen, sich gegen das Elitäre im klassischen Kulturbetrieb zu wenden.

Seine Symphonien hatte er gelegentlich als Studien für seine Opernkompositionen  bezeichnet. Die Sinfonia N. 8, in den Jahren 1992/1993 auf Ischia entstanden, war ein Auftragswerk des Boston Symphony Orchestra. Die Symphonie  ist heiterer und beschwingter als viele Werke Henzes, fügt sich zur südländischen Wahlheimat des Komponisten, war sie doch von drei Episoden aus Shakespeares Sommernachtstraum  inspiriert.

Sächsische Staatskapelle Dresden / Dirigent Vladimir Jurowski Jurowski © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / Dirigent Vladimir Jurowski Jurowski © Matthias Creutziger

Isabel Karajan rezitierte jeweils vor der Wiedergabe der Henzeschen Auslegung der Episoden die Verse von Schlegels wortgewaltiger Shakespeare-Übersetzung aus der linken Proszeniumsloge.  In Jurowskis folgenden  Interpretation war zu spüren, dass er sich intensiv mit der dreisätzigen Partitur auseinander gesetzt hatte. Dabei schien es ihm wichtig, die Spannung und Motivation über die knappe halbe Stunde der Aufführungszeit zu halten. Jurowski dirigierte mit präzisen sparsam dosierten Gesten. Nur kleine Bewegungen der Arme sowie Hände, die sich über die Fingerspitzen den Musikern mitzuteilen schienen und so ihre Wirkung zu erreichten. Mit dieser Intensität und der nach meinem Empfinden makellosen Darbietung hätten wir vor Jahren „Henze“ gern gehört.

Die Rezitation hatte die Sätze „Allegro“, „Alle anzeigen mit comodo tenerezza e ballabilità“ und „Adagio“ deutlich voneinander abgegrenzt  und dem aufgeschlossenen Hörer ein prachtvolles Erlebnis gesichert.

Nach der Konzertpause folgte dann als Kontrast die vollständige Bühnenmusik zu Ein Sommernachtstraum  von Felix Mendelssohn Bartholdy mit einer teilszenischen Aufführung. Der uns von der Zusammenarbeit mit Isabel Karajan bereits bekannte Eventspezialist  Klaus Ortner hatte eine launische Szene eingerichtet und aus Wien den Lichtdesigner Sandro G. Frei  mitgebracht, um den Solistinnen, dem Chor sowie  dem Orchester Voraussetzungen für eine feierliche Würdigung der kompositorischen Glanzleistung Mendelssohns zu verschaffen.

Felix Mendelssohn-Bartholdy © IOCO

Felix Mendelssohn-Bartholdy © IOCO

Dieser komponierte, nachdem er, als der 17-jährige Felix sich mit der Schlegel-Tieckschen-Übersetzung des  Shakespeare’schen  Ein  Sommernachtstraum   beschäftigt hatte, 1826 seine einsätzige Ouvertüre op. 21 zur Schauspielmusik. Mit dieser Arbeit hatte er bereits alle vier der mit einander verwobenen Handlungsstränge der romantischen Komödie eingeschlossen. 1842, Mendelssohn war bereits Musikdirektor des Leipziger Gewandhausorchesters, entstanden  auf Wunsch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. Kompositionen, die als eine Zwischenakt-Musik gedacht waren. Offenbar dauerten die aufwendigen Bühnenumbauten der Tieckschen Inszenierung dem Monarchen zulange. Dank der Eingängigkeit insbesondere der Chor- und Solostellen gelang Mendelssohn eine Einbeziehung seiner Komposition in das eigentliche Bühnengeschehen, so dass  eine  vollständige Bühnenmusik mit Frauenchor; Soli und Orchester op. 61 entstanden war. Glaubt man Ines Pasz, ist diese Symbiose auch nicht ohne Reibung zwischen Felix Mendelssohn und dem Theaterauguren Ludwick Tieck von statten gegangen.

Sächsische Staatskapelle Dresden / Dirigent Vladimir Jurowski Jurowski und Isabel Karajan © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / Dirigent Vladimir Jurowski Jurowski und Isabel Karajan © Matthias Creutziger

Das Orchester mit Vladimir Jurowski konnte auch  die Ouvertüre und das Scherzo mit der uns gewohnten Qualität anklingen lassen, als aus der Streichergruppe eine aufmüpfige Musikerin, „bewaffnet“ mit einer Geige auftauchte und das Heft in die Hand nahm. Sprachlich und körperlich unentwegt aktiv, aber mit wenig Einfühlungsvermögen in das Musikalische versuchte sie in die Traumwelt Shakespeares hineinzuspringen und sich die Figuren zu eigen zu machen. Unentwegt brachte  Karajan neue Requisiten ins Spiel. Selbst ein Palettenwagen, der als Bühne, Künstlergarderobe, Brautbett und Werkzeuglager für die Handwerker herhalten konnte, wurde auf die Bühne gezogen. Diese etwas flippige Darstellung lenkte die Aufmerksamkeit des Auditoriums auf Isabel Karajan, sodass die Präsenz der übrigen Beteiligten zurück trat. Auch musste man gut vorbereitet sein, wollte man Ansagen der Sprecherin (eigentlich Schauspielerin) folgen.

Gelegentlich nahm sich Isabel Karajan zurück und erlaubte Jurowski mit dem Orchester, dem Chor und den beiden Solistinnen Tuuli Takala (Sopran) und Stepanka Pucalkova (Mezzosopran) Passagen dieser genialen Komposition unbeeinflusst darzubringen. Aber irgendwie verschaffte dies dem Dargebotenen  einen zerfaserten Eindruck. Selbst das Genießen der Soli- und der Chorstellen sowie der wundervollen Orchestrierung Mendelssohns erforderte zumindest meine Konzentrationsfähigkeit  bis ihre die Grenzen. Auch Vladimir Jurowski hatte offenbar erhebliche Mühe, seinen Orchesterleitungsstil ähnlich präzise umzusetzen, wie es ihm im ersten Konzertteil gelungen war.

Das überwiegend Dresdner Abonnemente-Publikum spendete freundlichen Beifall, wobei aber auch für die hiesigen Verhältnisse ungewöhnlich intensive Buhrufe und Pfiffe zu hören waren. Gefeiert wurden allerdings neben Valdimir Jurowski die beiden Ensemblemitglieder des Hauses Tuuli Takala und Stepanka Pucalkova.

Wie ist das Fazit des zweiten Teils des Konzertes?

Hat Event-Theater nach der Opernbühne auch das Konzertpodium erreicht?  Wollten die Macher der zweifelsfrei imponierenden Isabel Karajan die Bühne zu einer außergewöhnlichen Leistung verschaffen? Was auch immer die Motivationen waren, ich hätte mir gewünscht, Felix Mendelssohn-Bartholdys 13 Teile der „vollständigen Bühnenmusik mit Soli und Frauenchor“ als Zugabe nachgereicht  zu erhalten.

—| IOCO Kritik Sächsische Staatskapelle Dresden |—

Lyon, Opéra de Lyon – Ein hinreißendes Opernhaus, IOCO Aktuell, 27.11.2018

November 27, 2018 by  
Filed under Hervorheben, IOCO Aktuell, Oper, Opera Lyon

Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon

 Opéra de Lyon  –  Intendant Serge Dorny

– IOCO stellt hinreißende Operhäuser vor –

Von Patrik Klein

Wer im Sommer 2018 auf seiner Reise durch Frankreich in Lyon verblieb und vor der wegen Theaterferien geschlossenen Opéra de Lyon stand, bekam schon einen ersten Eindruck von der besonderen Atmosphäre rund um dieses Operhaus. Direkt gegenüber dem Rathaus liegt das auffällige Gebäude aus verschiedenen Baustilen und Epochen. Unweit davon die Börse, viele kleine schmale Gassen mit Restaurants, die zum Einkehren geradezu übermächtig auffordern; junge Menschen tummeln sich auf den Betonflächen und viel Betrieb herrscht in dem Cafe direkt im Eingangsbereich der Oper. Da ich schon viel von der Oper gehört habe, formt sich die Idee, bald – im Theaterbetrieb – die Opéra de Lyon erneut zu besuchen, mindestens aber für ein ganzes Wochenende.

Wenn einige Wochen später IOCO von der Opéra de Lyon die offizielle Einladung erhält, Haus und Produktionen zu besuchen und Interviews zu führen, dann können frühere Gedankenspiele kein Zufall, dann muß Fügung „im Spiel gewesen sein“.

Opéra de Lyon hier der spektakuläre Zuschauerraum © Stofleth

Opéra de Lyon hier der spektakuläre Zuschauerraum © Stofleth

Diesen als Glücksfall zu bezeichnenden Umstand wird IOCO im März des kommenden Jahres tatsächlich nutzen, um über zwei Produktionen zu berichten, die im Rahmen des dort jährlich stattfindenden Festivals, 2019 unter dem Motto Leben und Schicksale, zur Aufführung gelangen. IOCO wird dabei sein, wenn Tschaikowskys Werk Die Zauberin und Purcells kurze Oper Dido und Aeneas angereichert mit dem Finale Remember me des finnischen Jazzgitarristen Kalle Kalima als Premieren aufgeführt werden.

Ferner gibt der Besuch IOCO die Gelegenheit, das spektakuläre Gebäude im Detail kennen zu lernen und im Interview mit dem seit 2003 agierenden Intendanten Serge Dorny zu erfahren, wie er es schaffte, die Opéra de Lyon in die „erste Reihe“ der Opernhäuser der Welt zu katapultieren.

Opéra de Lyon – Lage, Geschichte, Status

Die Opéra National de Lyon ist ein gemeinnütziger Verein mit dem Ziel, die Musik und den Tanz in Lyon sowie der Region Rhône-Alpes zu fördern. Das Opernhaus befindet sich am Place de la Comédie im 1. Arrondissement der Stadt, direkt gegenüber dem Rathaus.

Die Opéra National de Lyon wurde 1983 gegründet und genießt seit 1996 den Status einer Opéra national.Intendant ist seit 2003 Serge Dorny, *1962 in Wevelgem, Belgien. Das universelle der Opéra de Lyon besteht auch darin, dass es, dem Stagione-Betrieb ähnlich, ohne eigenes Ensemble aber mit eigenem Chor, Orchester und Ballett ein sehr breites Programm von Ballett über Untergrund-Musik, Familiengrogramme (siehe den folgenden herrlichen youtube Video der Opéra de Lyon) bis hin zu klassischen wie modernen Opernproduktionen bietet.

 Opéra de Lyon –  Inmitten der Familie
Youtube Trailer der Opéra de Lyon
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Das erste Opernhaus in Lyon wurde von dem Architekten Jacques-Germain Soufflot erbaut und 1756 eingeweiht. Aufgrund seines schlechten Zustandes wurde es jedoch bereits 1826 abgerissen, um dem Théâtre Chenavard, einem neoklassizistischen Neubau der Architekten Antoine-Marie Chenavard und Jean-Marie Pollet, Platz zu machen. 1989 wurde ein kompletter Umbau der Oper unter Leitung von Jean Nouvel durchgeführt. Vom ursprünglichen Gebäude ist die Ursprungsfassade verblieben; der Innenraum sowie eine sehr markante, in Stahl und Glas ausgeführte Dachkonstruktion wurden völlig neu gestaltet. Das Opernhaus wird seit dieser Neugestaltung in Anlehnung an den Namen des Architekten auch als Opéra Nouvel bezeichnet.

Opéra de Lyon / Grand Studio du Ballet © Stofleth

Opéra de Lyon / Grand Studio du Ballet © Stofleth

In der Oper befindet sich der 1100 Plätze fassende Große Saal sowie räumlich darunter ein kleines Amphitheater mit Platz für 200 Zuschauer. Um störende Vibrationen und andere Umwelteinflüsse bestmöglich vom Zuschauerraum zu isolieren, wurde der Große Saal im inneren des Opernhauses mit Hilfe von sechs gewaltigen Stahlträgern von jeweils 23 Tonnen Eigengewicht an 46 Meter hohen Pfeilern aus Beton aufgehängt.

 Opéra de Lyon – Der Spielpan 2018/19 wird vorgestellt
Youtube Trailer der Opéra de Lyon
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Bemerkenswert ist der Wandel der Opéra de Lyon, die durch den seit 2003 antierenden Intendanten Serge Dorny, durch mutiges Management und dem Motto „Qualität mit und ohne Stars“ von einem provinziellen Theater zu einem der angesagtesten Häuser Europas mutierte. Klar, dass die Opernwelt einen solchen Erfolgsmenschen schnell für sich einnehmen wollte. So wurde Serge Dorny 2013 für fünf Jahre zum neuen Intendanten der Semperoper in Dresden gekürt. Doch aus dem für den 1.9.2014 geplanten Amtsantritt wurde nichts: Die damalige Kunstministerin Sachsens, Sabine von Schorlemer, sprach im April 2014, mit höchst fragwürdiger Begründung, eine seinerzeit auch von Christian Thielemann aktiv unterstützte fristlose Kündigung des Vertrages mit Serge Dorny aus. Diese fristlose Kündigung kassierten jedoch die zuständigen Gerichte in Dresden. Der Vertrag wurde trotzdem im August 2014 gegen Zahlung einer bedeutenden Abfindung aufgehoben. Serge Dorny kehrte – vermutlich nicht unfroh – zurück an seine Wirkungsstätte an der Opéra National de Lyon.

Der gebürtige Belgier Serge Dorny studierte in Gent Architektur, Kunstgeschichte, Archäologie, Komposition und Musikanalyse. Seine Theatertätigkeit begann er 1983 als Dramaturg an der Brüsseler Oper La Monnaie im Team von Gerard Mortier. 1987 wurde er künstlerischer Leiter des Flandern-Festivals. 1996 wechselte er als Generaldirektor und künstlerischer Leiter zum London Philharmonic Orchestra.

Am 12. März 2018 gab der damalige Bayerische Bildungs- und Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle bekannt, dass ab 2021 Serge Dorny neuer Intendant und Vladimir Jurowski  künftiger Generalmusikdirektor am größten deutschen Opernhaus, der Bayerischen Staatsoper werden. In der entsprechenden Pressemitteilung heißt es:

Serge Dorny _ Intendant der Opéra de Lyon © Blandine Soulage

Serge Dorny _ Intendant der Opéra de Lyon © Blandine Soulage

„Gerade haben wir im Bayerischen Kabinett wichtige Weichen für die Zukunft der Bayerischen Staatsoper, für eines der renommiertesten Opernhäuser der Welt, gestellt: Serge Dorny und Vladimir Jurowski werden ab der Spielzeit 2021/22 als neuer Intendant und neuer Generalmusikdirektor den Erfolgskurs der Bayerischen Staatsoper fortsetzen“, so der damalige Kunstminister Bayerns Dr. Ludwig Spaenle am 6. März 2018 nach einer Sitzung des Ministerrats. „Ich freue mich sehr, dass wir diese beiden vielbeachteten Künstler für München gewinnen konnten und dass das Bayerische Kabinett in beiden Personalien meinem Vorschlag zugestimmt hat. Für ihr künftiges Wirken als Intendant und Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper wünsche ich Herrn Dorny und Herrn Jurowski schon jetzt alles Gute“, so Minister Spaenle.

Es darf mit Spannung erwartet werden, was in der verbleibenden Zeit bis zum Amtsantritt in München in Lyon geschehen wird, und wie ein Meister der Organisation eines „Stagione-Spielbetriebs“ ein riesiges Haus in der deutschen Theaterlandschaft als „Repertoirestätte“ um- bzw. neugestalten wird. IOCO ist dabei und wird zeitnah berichten.

—| IOCO Kritik Opéra de Lyon |—

Düsseldorf, Robert Schumann Saal, Dezember 2017

robert_schumann_saal.png

Robert Schumann Saal   

Robert Schumann Saal im MPK Düsseldorf © Christoph Schuknecht

Robert Schumann Saal im MPK Düsseldorf © Christoph Schuknecht

 


Robert Schumann Saal / Lars Vogt und Christian Tetzlaff © Giorgia Bertazzi Favorit

Robert Schumann Saal / Lars Vogt und Christian Tetzlaff © Giorgia Bertazzi Favorit

Star-Duo Christian Tetzlaff und Lars Vogt mit Brahms-Sonaten im Robert-
Schumann-Saal
So, 03.12.2017, 17 Uhr

Konzertreihe erstKlassik!

CHRISTIAN TETZLAFF Violine | LARS VOGT Klavier

Christian Tetzlaff ist seit Jahren einer der gefragtesten Geiger und spannendsten Musiker der Klassikwelt. Mit Lars Vogt, einem der führenden Pianisten seiner Generation, spielte er 2016 das heutige Konzertprogramm in eine von der Fachpresse umjubelte CD ein. Christof Jetzschke (Klassik Heute) etwa urteilte: „Was Christian Tetzlaff und Lars Vogt präsentieren, ist nicht weniger als eine glückliche Synthese aus leuchtkräftiger Klangfülle, Innerlichkeit, emotionaler Dringlichkeit und rhetorischem Feinschliff.“
Johannes Brahms
Sonate für Klavier und Violine Nr. 1 G-Dur op. 78 „Regenliedsonate“
Sonate für Klavier und Violine Nr. 2 A-Dur op. 100
Sonate für Klavier und Violine Nr. 3 d-Moll op. 108
Dauer: ca. 1 Stunde, 40 Minuten inklusive Pause

Karten: 28/24/19/12 € (Schüler/Studenten 10 €) zzgl. Servicegebühren, erhältlich
an vielen Vvk-Stellen, unter T 0211-274000, im Museum Kunstpalast, über
www.robert-schumann-saal.de oder an der Abendkasse.
Wahlabo: Bis zu 20 % Rabatt, Details unter www.robert-schumann-saal.de.
Veranstalter: Stiftung Museum Kunstpalast, Robert-Schumann-Saal

Christian Tetzlaff, Violine
Christian Tetzlaff ist seit Jahren einer der gefragtesten Geiger und spannendsten Musiker der Klassikwelt. „The greatest performance of the work I’ve ever heard“, schrieb Tim Ashley im Guardian über seine Interpretation des Beethoven-Violinkonzerts mit Daniel Harding. Und Hans-Klaus Jungheinrich sprach in derFrankfurter Rundschau geradezu von einer „Neugewinnung“ dieses vielgespielten Werks.

Konzerte mit Christian Tetzlaff werden oft zu einer existenziellen Erfahrung für Interpret und Publikum gleichermaßen, altvertraute Stücke erscheinen plötzlich in völlig neuem Licht. Daneben lenkt er den Blick immer wieder auf vergessene Meisterwerke wie das Violinkonzert von Joseph Joachim, für das er sich erfolgreich stark gemacht hat, und versucht, wirklich gehaltvolle neue Werke wie das von ihm uraufgeführte Violinkonzert von Jörg Widmann im Repertoire zu etablieren. Er pflegt ein ungewöhnlich breites Repertoire und gibt rund 100 Konzerte pro Jahr. Christian Tetzlaff war „Artist in Residence“ bei den Berliner Philharmonikern, hat eine mehrereSpielzeiten umfassende Konzertserie mit dem Orchester der New Yorker Met unter James Levine bestritten und gastiert regelmäßig u.a. bei den Wiener und den New Yorker Philharmonikern, dem Concertgebouworkest und den großen Londoner Orchestern. Dabei arbeitet er mit Dirigenten wie Andris Nelsons, Robin Ticciati und Vladimir Jurowski zusammen.

Was den 1966 in Hamburg geborenen und inzwischen mit seiner Familie in Berlin lebenden Musiker so einzigartig macht, sind – neben seinem großen geigerischen Können – vor allem drei Dinge: Er nimmt den Notentext wörtlich, er versteht Musik als Sprache, und er liest die großen Werke als Erzählungen, die existenzielle Einsichten spiegeln. Was so selbstverständlich klingt, ist im Konzertalltag ein ganz ungewöhnlicher Ansatz.

Wenn Christian Tetzlaff den Notentext so tief wie möglich zu erfüllen versucht – ohne Rücksicht auf die „Aufführungstradition“ und ohne sich die oft üblichen geigentechnischen Erleichterungen zu gönnen –, dann zeigen sich die altbekannten großen Werke oft in neuer Klarheit und Schärfe. Als Geiger versucht Tetzlaff hinter dem Werk zu verschwinden – und das macht seine Interpretationen paradoxerweise sehr individuell.

Zum zweiten „spricht“ Christian Tetzlaff mit seiner Geige, sein Spiel umfasst, wie die menschliche Sprache, eine große Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten und ist nicht allein auf Wohlklang und virtuosen Glanz ausgerichtet. Vor allem aber versteht er die Meisterwerke der Musikgeschichte als Geschichten, die von zentralen Erfahrungen handeln. In ihrer Musik haben die großen Komponisten intensivste Gefühle, höchstes Glück und tiefte Krisen, verarbeitet, und so begibt sich auch Christian Tetzlaff als Musiker in die Grenzbereiche der Gefühle – und der musikalischen Gestaltung. In vielen Stücken geht es um nichts Geringeres als um Leben und Tod. Das dem Publikum zu vermitteln, ist Christian Tetzlaffs Ziel. Voraussetzung für diesen Ansatz sind Mut zum Risiko und spieltechnische Souveränität, Offenheit und eine große Wachheit fürs Leben. Bezeichnenderweise hat Christian Tetzlaff viele Jahre in Jugendorchestern gespielt, in Uwe-Martin Haiberg hatte er an der Musikhochschule Lübeck einen Lehrer, für den die musikalische Interpretation der Schlüssel zur Geigentechnik war – nicht umgekehrt. Bereits 1994 gründete Christian Tetzlaff sein eigenes Streichquartett, und bis heute liegt ihm die Kammermusik ebenso am Herzen wie seine Arbeit als Solist mit und ohne Orchester.

Lars Vogt, Klavier
Lars Vogt hat sich als einer der führenden Pianisten seiner Generation etabliert. 1970 in
Düren geboren, zog er erstmals große Aufmerksamkeit auf sich, als er 1990 den zweiten Preis beim internationalen Klavierwettbewerb in Leeds gewann. In den letzten 25 Jahren hat Lars Vogt eine weltweite Karriere als Pianist erreicht. Zunehmend begann er vor einigen Jahren sich neben seiner Solistentätigkeit dem Dirigieren zu widmen. Seit der Saison 2015/16 ist er der Künstlerische Leiter der Royal Northern Sinfonia in Newcastle England. In seiner Pianistenlaufbahn gastierte Lars Vogt u.a. beim Royal Concertgebouw Orchester, den Wiener Philharmonikern, dem London Philharmonic wie dem London Symphony Orchestra, dem New York Philharmonic, dem NHK Symphony Orchestra sowie beim Orchestre de Paris. Eine besonders enge Verbindung besteht zu den Berliner Philharmonikern, wo er in der Saison 2003/04 der erste „Pianist in Residenz“ war. Lars Vogt arbeitete mit Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Mariss Jansons, Claudio Abbado und Andris Nelsons.

Höhepunkte der Saison 2016/17 sind eine erste Asientournee mit der Royal Northern Sinfonia; als Solist gastiert Lars Vogt u.a. beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem Tonkünstlerorchester, der NDR Radiophilharmonie Hannover, dem Sinfonieorchester Basel, beim Santa Cecilia sowie dem Philharmonia Orchestra. Die enge Zusammenarbeit mit Christian Tetzlaff findet in dieser Saison ihren Niederschlag in einer ausgedehnten USA Tournee, im Trio mit Tanja und Christian Tetzlaff sind Konzerte in Europa geplant. Außerdem gibt er zusammen mit Ian Bostridge Liederabende in Hamburg, London, Wien sowie bei der Schubertiade.

Lars Vogt erfreut sich eines internationalen Renommées als Solist und Kammermusikpartner.1998 gründete er sein Festival „Spannungen“ in Heimbach/Eifel. Dieses Festival hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einem wichtigen Ort anspruchsvoller Kammermusikkonzerte entwickelt. Partner wie Christian und Tanja Tetzlaff, Gustav Rivinius sowie Antje Weithaas wirken regelmäßig mit. Die Festivalkonzerte sind bei EMI und CAvi als Livemitschnitte erschienen. Neben den genannten Partnern verbindet Lars Vogt eine langjährige Zusammenarbeit mit Klaus Maria Brandauer und Konrad Beikircher. Für EMI Classics hat Lars Vogt fünfzehn CDs eingespielt, u.a. mit den Berliner Philharmonikern unter Claudio Abbado; außerdem Konzerte von Beethoven, Schumann und Grieg mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra unter Sir Simon Rattle. Neuere Aufnahmen umfassen eine Einspielung mit Solowerken von Schubert, Mozart Konzerten mit dem Mozarteum Orchester Salzburg sowie mit dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt unter Paavo Järvi. Eine Solo CD mit Werken von Liszt und Schumann erschien bei Berlin Classics, des Weiteren bei Ondine Duo CDs mit Christian Tetzlaff mit Werken von Mozart und Schumann, Bachs Goldberg Variationen sowie zuletzt eine Aufnahme mit Werken von Schubert. Lars Vogt ist Initiator des Schulprojektes „Rhapsody in School“, das zu einem sehr angesehenen Bildungsprojekt in ganz Deutschland geworden ist. 2012 präsentierte sich „Rhapsody in School“ erstmals mit zwei Konzerten im Konzerthaus Berlin. Seit 2012 bekleidet Lars Vogt eine Professur für Klavier an der HMTM Hannover.


Robert Schumann Saal / Viktoria Tolstoy, studio Berlin for Act © Gregor Hohenberg

Robert Schumann Saal / Viktoria Tolstoy, studio Berlin for Act © Gregor Hohenberg

Skandinavischer Jazz mit Viktoria Tolstoy, Håkan Broström und der WDR
Big Band
Mi, 6.12.2017, 20 Uhr

VIKTORIA TOLSTOY voc | HÅKAN BROSTRÖM ld, arr, sax | WDR BIG BAND
Scan Jazz

Der schwedische Musiker Håkan Broström arbeitet schon seit den späten 1990er-Jahren mit der Sängerin Viktoria Tolstoy zusammen. Dabei ist im Laufe der Jahre ein gemeinsames und ganz persönliches „Songbook“ entstanden. Es enthält einen Querschnitt durch die populäre Musik des 20. Jahrhunderts, angefangen bei Standards
von Duke Ellington und George Gershwin bis hin zu Songs von Paul McCartney und Stevie Wonder. Den zweiten Konzertteil bilden Auftragsarrangements, die Håkan Broström der WDR Big Band und der Gastvokalistin maßangefertigt hat: Es geht um Jazz-Adaptionen schwedischer Volkslieder. Mit diesem Programm präsentiert sich die ausdrucksstarke und wandlungsfähige Sängerin aus Schweden zum ersten Mal mit der WDR Big Band.
Dauer: ca. 1 Stunde, 50 Minuten

Karten: 29 € (Schüler/Studenten 10 €) zzgl. Servicegebühren, freie Platzwahl,
erhältlich an vielen Vvk-Stellen, unter T 0211-274000, im Museum
Kunstpalast, über www.robert-schumann-saal.de oder an der Abendkasse.
Wahlabo: Bis zu 20 % Rabatt, Details unter www.robert-schumann-saal.de.


Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ interpretiert
von Pianist Nikolai Tokarev mit Bildern von Kandinsky
So, 10.12.2017, 17 Uhr

Konzertreihe erstKlassik!
NIKOLAI TOKAREV Klavier

Russische Seele

Robert Schumann Saal / Nikolai Tokarev © Arthur Geokhlanyan

Robert Schumann Saal / Nikolai Tokarev © Arthur Geokhlanyan

Der 1983 geborene Weltklasse-Pianist Nikolai Tokarev entstammt einer bekannten Musikerfamilie aus Moskau und trat bereits mit 6 Jahren, als Wunderkind gefeiert, als Solist mit Orchester öffentlich auf. Inzwischen zählt der mit Preisen überhäufte Tastenkünstler zu den herausragenden Musikern seiner Generation. Die Größe und Weite Russlands präge „die Seele, diese große Seele, die wir haben“, sagte er einmal in einem Interview. Auch wenn das Fundament aller russischen Pianisten eigentlich sehr deutsch sei und ohne Bach und Beethoven nichts gehe, sei er am Klavier auf der Suche nach genau so einem Klang – „groß und weit soll er sein.“ Modest Mussorgsky / Wassily Kandinsky Bilder einer Ausstellung – eine abstrakte Bühnenkomposition von Wassily Kandinsky nach der Musik von Modest Mussorgsky, multimedial mit Bildprojektionen in Szene gesetzt und live am Klavier interpretiert

Peter Iljitsch Tschaikowsky
Die Jahreszeiten, op. 37a
Dauer: ca. 1 Stunde, 45 Minuten, ohne Pause

Karten: 25/21/17/10 € (Schüler/Studenten 10 €) zzgl. Servicegebühren, erhältlich
an vielen Vvk-Stellen, unter T 0211-274000, im Museum Kunstpalast, über
www.robert-schumann-saal.de oder an der Abendkasse.
Wahlabo: Bis zu 20 % Rabatt, Details unter www.robert-schumann-saal.de.


„Eine Weihnachtsgeschichte“ nach Charles Dickens als musikalischszenische
Adventslesung mit „Tatort“-Kommissaren Nemec und Wachtveitl
So, 17.12.2017, Doppelvorstellung 17 und 20 Uhr

Konzertreihe Zweiklang! Wort und Musik
Miroslav Nemec Rezitation / Udo Wachtveitl Rezitation
Streichquintett des Radio-Sinfonieorchesters des SWR
„Eine Weihnachtsgeschichte“ nach Charles Dickens

Die beiden Münchner „Tatort“-Kommissare Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl stehen in der Bearbeitung des Charles-Dickens-Klassikers „Eine Weihnachtsgeschichte“ erstmals in einer aufwendigen Inszenierung mit Ton- und Lichteffekten gemeinsam auf einer Bühne.

Robert Schumann Saal / Udo Wachtveitl u Miroslav Nemec © Stefan Nimmesgern

Robert Schumann Saal / Udo Wachtveitl u Miroslav Nemec © Stefan Nimmesgern

Sie ist – neben der Geburt Jesu – das vermutlich meisterzählte Literatursujet der Adventszeit: Charles Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“, die sozialkritische Erzählung über den alten Geizhals Ebenezer Scrooge, der am Vorabend des Weihnachtsfests von vier Geistern heimgesucht wird und daraufhin seine Menschlichkeit wiederentdeckt. Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl holen diesen Klassiker der Weihnachtsliteratur mit
einer szenischen Lesung auf die Bühne. Für diese Adventslesung hat der renommierte
Komponist Libor Šima eigens eine „Weihnachtsgeschichten“-Suite für ein Streichquintett komponiert, die unmittelbar mit der Rezitation des Schauspielerpaares korrespondiert. Zeitlos und gerade auch heute aktuell erscheint die 1843 veröffentlichte Novelle, die den Wert der Nächstenliebe und eines empathischen Umgangs miteinander betont. Und in der Interpretation von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl ist die Erzählung, trotz des moralischen Grundtons, überaus lebendig und unterhaltsam, humorvoll und menschlich. Beiden gelingt es im Zusammenspiel mit der Bühnenmusik den typischen, skurrilen britischen Humor auf anrührende Weise herauszuarbeiten.

Ein Adventsabend, der die Zuschauer auf das nahende Weihnachtsfest einstimmt.
Dauer: ca. 2 Stunden inklusive Pause

Karten: 33/28/22/13 € (Schüler/Studenten 20/15/12/10 €) zzgl. Servicegebühren,
erhältlich an vielen Vvk-Stellen, unter T 0211-274000, im Museum
Kunstpalast, über www.robert-schumann-saal.de oder an der Abendkasse.
Wahlabo: Bis zu 20 % Rabatt, Details unter www.robert-schumann-saal.de


Robert Schumann Saal / Schumann Quartett © Kaupo Kikkas

Robert Schumann Saal / Schumann Quartett © Kaupo Kikkas

Sie lieben Brahms
Am 2. Weihnachtstag zu Gast im Robert-Schumann-Saal: Schumann Quartett
mit Streicherkollegen
Di, 26.12.2017 (2. Weihnachtstag), 17 Uhr

Konzertreihe erstKlassik!
SCHUMANN QUARTETT | ALEXANDER ZEMTSOV Viola | MAXIMILIAN HORNUNG
Violoncello

Die beiden Streichsextette im Zentrum des Programms waren die ersten Kammermusikwerke für Streicher, die Johannes Brahms veröffentlichte, und verhalfen ihm trotz aller Skepsis seiner Verleger wegen der damals ungewöhnlichen Besetzung ebenso zum Durchbruch wie das „Deutsche Requiem“ und die „Ungarischen Tänze“. Verstärkung erhält das in der Reihe „erstKlassik!“ seit langem fest etablierte und inzwischen auch international hochgeschätzte Schumann Quartett mit dem Bratschisten Alexander Zemtsov und Maximilian Hornung, der von DIE ZEIT als Cellist „von einem anderen Stern“ bezeichnet wurde.

Arvo Pärt Fratres für Streichquartett
Johannes Brahms Streichsextett Nr. 1 B-Dur op. 18 und Streichsextett Nr. 2 G-Dur op. 36
Schumann Quartett: Erik Schumann Violine | Ken Schumann Violine
Mark Schumann Violoncello | Liisa Randalu Viola
Dauer: ca. 1 Stunde, 50 Minuten inklusive Pause

Karten: 30/26/21/12 € (Schüler/Studenten 10 €) zzgl. Servicegebühren , erhältlich
an vielen Vvk-Stellen, unter T 0211-274000, im Museum Kunstpalast, über
www.robert-schumann-saal.de oder an der Abendkasse.
Wahlabo: Bis zu 20 % Rabatt, Details unter www.robert-schumann-saal.de.


Veranstalter: Stiftung Museum Kunstpalast, Robert-Schumann-Saal

—| Pressemeldung Robert Schumann Saal Düsseldorf |—

Berlin, Komische Oper Berlin, Moses und Aaron, IOCO Kritik, 20.05.2015

Mai 18, 2015 by  
Filed under Komische Oper Berlin, Kritiken

Komische Oper Berlin

TRIUMPH DES CHORES
MOSES UND AARON von Arnold Schönberg
zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Komische Oper Berlin / Moses und Aron © Monika Rittershaus

Komische Oper Berlin / Moses und Aron © Monika Rittershaus

Es ist bereits fast ein Monat vergangen seit der umjubelten Moses und Aaron Produktion von Barrie Kosky und dem russischen Star-Dirigenten Vladimir Jurowski.

Als einmaliges Projekt der Komischen Oper findet die Produktion nur mit sechs Aufführungen statt. Bereits bei der Premiere, am 19. April anwesend, zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, hatte ich kürzlich erneut die Gelegenheit dieser Produktion in ihrer vorletzten Aufführung am 10. Mai beizuwohnen. So war es mir möglich, einige Aspekte der Inszenierung, die sich mir in der Premierenaufführung nicht vollständig erschlossen hatten besser zu verstehen.

Arnold Schönberg, einer der einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, stammte aus einer jüdischen Wiener Familie und hatte sich bereits seit Anfang der zwanziger Jahre mit dem biblischen Mose-Stoff beschäftigt. 1928 begann er dann an „Moses und Aaron“, welches anfänglich als Oratorium von ihm gedacht war und aus praktischen Gründen zu einer Oper ausgearbeitet wurde, zu komponieren. Er hörte jedoch 1937 endgültig auf daran zu arbeiten und lies sie, ohne den vorgesehenen dritten Akt, unvollendet. Das Opernfragment, bei dem er auch das Libretto schrieb, wurde in Teilen 1951, kurz vor seinem Tod, der Öffentlichkeit präsentiert. Die konzertante Uraufführung, 1954 in Hamburg, erlebte er selber jedoch nicht mehr.

Die Handlung, angelehnt an das zweite Buch Mose, erzählt von Moses, dem von Gott auserwählten Propheten, der mit Hilfe seines älteren Bruders Aaron dem auserwählten israelischen Volk den neuen allmächtigen und vor allem unvorstellbaren Gott verständlich machen soll.

Barrie Kosky versetzt das Geschehen in die Gegenwart um sich ohne jeglichen biblischen Kitsch auf den Kernaspekt des Stückes zu fokussieren – die Unmöglichkeit das Unvorstellbare vorstellbar zu machen.

Schauplatz ist ein mit orientalischen Teppichen ausgelegter Ort, der mit seinen Metall-Barriere-Schranken symbolisch eine Durchgangsstation oder einen Warteraum darstellt (Bühnenbild und Licht: Klaus Grünberg).

Moses, selber unfähig seine Gedanken auszudrücken, lässt seinen Bruder Aaron – hier beide als Vaudeville-Clowns oder Zauberkünstler dargestellt – die abstrakte Idee von Gott für das Volk in greifbare, konkrete Bilder umwandeln. Dabei greift Aaron tief in die Trickkiste um das Volk zu überzeugen. Schnell wird jedoch dabei die Manipulation und der damit verbundene Missbrauch sichtbar.

Meisterhaft bewegt und choreografiert Kosky den durch Vocalconsort Berlin, den Kinderchor und zahlreiche Komparsen ergänzten Chor der Komischen Oper, der eigentliche Star des Abends. Mit vollem Einsatz, stimmlich wie körperlich, gestalteten sie alle Facetten des zerrissenen jüdischen Volkes.

In über hundert musikalischen Proben hat der Chorleiter David Cavelius durch eine perfekte Einstudierung, die Chorsänger bestens vorbereitet und diese Glanzleistung ermöglicht.

Immer wieder werden beeindruckende, ergreifende oder spektakuläre Bilder geschaffen. Darunter besonders packend der Tanz um das goldene Kalb. Eine erotisch-expressionistische Tanz-Performance einer goldbemalten und mit Straußenfedern geschmückten Revue-Tänzerin aus den zwanziger Jahren, inszeniert als eine aus einem Filmapparat kommende Projektion.

Am Projektor die Kurbel drehend stehen drei kleinwüchsige Figuren mit großen Masken. Es sind der Psychoanalytiker und Religionskritiker Sigmund Freud, Theodor Herzl – der Begründer des modernen Zionismus und der Filmregisseur Fritz Lang, dessen Filme den Menschen und seine Beweggründe in den Mittelpunkt stellen.

Bewegend auch das letzte Bild: Ein Berg von (Puppen)-Leichen, aus denen Moses, mit den auf dem Körper eingeritzten und blutenden zehn Gebote hervorsteigt, um dort kurz darauf wieder in Resignation zu verschwinden, umhüllt wie zu Beginn der Oper von einem Teppich. Barrie Kosky versteht mit dem letzten Satz von Moses „O Wort, du Wort, das mir fehlt!“, nicht nur das Ende des zweiten Aktes, sondern sieht darin auch den Schluss der Oper. Und das erscheint auch völlig schlüssig, denn das Begreifen des Ungreifbaren kann nicht gelingen, so wie auch das „Gelobte Land“ unerreichbar bleibt. Somit liegt des Werkes Vollendung in dem Unvollendeten – mit all seinen offenen Fragen.

Hervorragend auch das Orchester unter der herausragenden und präzisen musikalischen Leitung von Vladimir Jurowski, der diesem großen Werk der Zwölftontechnik kraftvolle und ausdrucksstarke Schönheit verleiht.

Glänzend die Leistung der beiden englischen Sänger in den Titelrollen; ausdrucksstark und ergreifend die intensive Interpretation des stotternden Moses von Robert Hayward. Mit großer Inbrunst, gestalterisch wie stimmlich, die Darbietung des Tenors John Daszak. Er meisterte die vokal schwierige Partie mit Bravour, nur hin und wieder hatte man den Eindruck, ihn an stimmlichen Grenzen zu hören.

Wieder ist Barrie Kosky, seinem Team und dem ganzen künstlerischen Ensemble gelungen eine denkwürdige Produktion auf die Beine zu stellen, die noch lange nach dem Theaterbesuch in Gedanken nachwirkt. Ein ganz großes Lob an alle Mitwirkenden!

IOCO / G.G. / 20.05.2015

—| IOCO Kritik Komische Oper Berlin |—

Nächste Seite »