Essen, Aalto-Theater, Eine Nacht in Venedig – Strauss – Korngold – Klimek, IOCO Kritik, 16.09.2018

September 19, 2018 by  
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Aalto Theater Essen

Aalto-Theater-Essen © IOCO

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Eine Nacht in Venedig – Ein Opernhappening

Johann Strauss – Erich Wolfgang Korngold – Bruno Klimek

Von Viktor Jarosch

„Leichte Theater-Kost“ attraktiv zu inszenieren ist wahrlich schwer: Eine Nacht in Venedig  ist solch vermeintlich leichte Theater-Kost. Aalto-Intendant Hein Mulders benötigte 5 Jahre, um diese, seine erste Operetten-Produktion auf die Bühne des Aalto-Theaters zu bringen.

Eine Nacht in Venedig
Youtube Trailer Aalto Theater Essen
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Glatteis und Schnee  in Venedig dominiert die moderne Inszenierung von  Bruno Klimek, welche Klischees, alte wie neue, verlässt und mit Slapstick, Video, farbigen Dialogen und einem bunten Reigen szenischer Überraschungen den Besucher bannt.  Bruno Klimek, Professor an der nahen Essener Folkwang Universität, toppt vergangene Strauß und Korngold Fassungen von Eine Nacht in Venedig  mit einer neuartig faszinierenden Essener Fassung. Eine lebendige Bühnen-Show voller Esprit dort wird geboten. Die  Titulierung der Essener Fassung als „Operette„, so auch im Programmheft des Aalto-Theater, führt offene Erwartungen ein wenig ins Abseits.

Die 1883 uraufgeführte  Nacht in Venedig zeigt schmunzelnd modern nicht enden wollende Irrungen und Wirrungen amüsierfreudiger Frauen wie Männer zum Karneval in Venedig um 1800. Allerdings, die Intrigen um die Entstehung dieser Operette reichen schon für eine eigene Operette. Grund: Johann Strauss´ Operetten wurden alle in Wien uraufgeführt; zumeist im Theater an der Wien; so auch 1874 die Fledermaus; doch, Johann Strauß‘ zweite Ehefrau, die 25 Jahre jüngere Angelica Dittrich, „Lily“, hatte, als Eine Nacht in Venedig 1882 entstand, ein Verhältnis mit Franz Steiner, dem Direktor des Theater an der Wien. So leitete Johann Strauß, auch am Pult, die Uraufführung von Eine Nacht in Venedig 1883 nicht in Wien sondern teilweise „verberlinert“, in Berlin; die Uraufführung in Berlin wurde ein Flop. Die Operette wäre, trotz Anpassungen, wohl untergegangen, hätte nicht Erich Wolfgang Korngold um 1930, über 45 Jahre später, die verschiedenen Straußschen Urfassungen für moderne Theaterbühnen „veropert“ und mit eigenen Kompositionen wie  mit „Sei mir gegrüßt, holdes Venezia“ für Richard Tauber bereichert. So wurde im Aalto-Theater nicht die Straußsche Urfassung sondern die Korngold-Fassung  gespielt. Bruno Klimeks erhebliche wie aktuelle Werkbearbeitung  wirkt wie die Transponierung, wie ein Sprung der Korngold-Fassung in die Moderne, in das 21. Jahrhundert.

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig - hier : Ciboletta rutscht auf dem vereisten Markusplatz aus waehrend ein Luxusliner in Venedigs Hafen einfaehrt © Joerg Landsberg

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig – hier : Ciboletta rutscht auf dem vereisten Markusplatz aus waehrend ein Luxusliner in Venedigs Hafen einfaehrt © Joerg Landsberg

Klimeks  Essener Fassung beherrscht auch den Verwechslungswirrwarr, nicht aber den  Karneval oder Commedia dell´arte. Eine Nacht in Venedig mutiert in Essen durch  Umdichtungen, gestrafften Texten, Gags, Clownerien und oft skurrilen Choreographien zu einem modernen Happening. Klimek:Das Stück ist ein großer, ironischer Abgesang auf die ganze „Gockelherrlichkeit“; der Herzog ist ein überzeichneter Superstar: Es ist Satire, nicht genaues Abbild des Lebens“. Klimek macht in seiner Essener Fassungdie Frauen viel schlauer, stärker als die Männer, ähnlich der Csardasfürstin, der Lustigen Witwe oder Adele “. Klimek:Bei Eine Nacht in Venedig folgt ein Hit dem anderen…  es ist nicht verwunderlich, dass Operette wieder im Kommen ist“.

Der Blick des Besuchers gleitet im ersten Bild (Bühne Jens Kilian) über den  vereisten weiten Markusplatz von Venedig; das angrenzende Meer mit farbigen, stetig wandernden Wolkenformationen am Himmel zeichnen Videoprojektionen auf eine den gesamten Bühnenhintergrund ausfüllenden Leinwand. Auf dem Markusplatz finden sich filigrane Miniaturen des Dogenpalastes, der Markuskirche und alter venezianischer Bauten. Zur Ouvertüre stöckeln warm angezogen, Schnee rieselt auf den Markusplatz, Ciboletta (Christina Clark) und  andere Venezianer, aufgeregt  rufend „Er kommt“, rufen sie; „Wer“, „Nun, er!“.    Wer kommt denn? Noch weiß es niemand!

Der erste Clou der Essener Fassung ist originell wie unerwartet: Ein riesiges Kreuzfahrtschiff  fährt ein in den Hafen Venedigs; Himmel und Meer verdeckend;  die Miniaturpaläste Venedigs wackeln, fallen zusammen. Wer entsteigt dem Schiff auf einer Schiffstreppe?  Nicht Guido, der draufgängerische Herzog von Urbino; es ist   Pappacoda, der Makkaronikoch (Martiijn Cornet). Derweil die in Mänteln und Hüten vermummten Venezianer  auf dem Schnee des Markusplatz rutschen, hinfallen und  „Wenn vom Lido sacht wieder Kühlung weht…“ singen. Pappacoda mischt sich, Makkaroni beschwörend und werfend, unter seine weiterhin „Er kommt, die Frauenwelt Venezias zu verwöhnen….“  singenden Verehrerinnen.

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig - hier : Annina und Ciboletta mit dem Herzog © Joerg Landsberg

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig – hier : Annina und Ciboletta mit dem Herzog © Joerg Landsberg

Clou und Komik verstärken sich, wenn in Wiederholungen, in den Folgen von „Er kommt“,  „Wer“, „Nun, er!“ weitere monströse Kreuzfahrtschiffe (Foto) den Bühnenhintergrund durchkreuzen, Dogenpaläste umfallen und die anderen Protagonisten der Operette in eigenem Oeuvre dem Schiff entsteigen: Enrico Piselli (Carl Bruchhäuser), „Die Frauen müssen wir fernhalten“,  gefolgt von  Caramello (Albrecht Kludszuweit)  und schließlich  mit zahllos kolossalen Seekoffern Guido, Herzog von Urbino  (Dmitry Ivanchey), dem die geifernden Frauen Veneziens sogleich und  triumphierend die Kleider vom Körper reißen. Derweil Annina (Tamara Banjesevic)  ihre Arie  Frutti die Mare„Ich komme von Chioggia zu euch übers Meer…“  in lebendig frischem Sopran singt, von Chor und Statisten revuehaft begleitet. .

Zu allem Spiel, zu packenden Gags und Pointen auf der Bühne verlor sich der Blick des Autors immer wieder in den Bühnenhintergrund, wo psychodelisch wandernde Wolkenformationen,  die Handlung auf der Bühne kontrastierend, stetig sanft zarte Stimmungen webten.

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig - hier : die Nacht des Karnevals, alle Venezianer, Männer wie Frauen, in gleichen Kostuemen © Joerg Landsberg

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig – hier : die Nacht des Karnevals, alle Venezianer, Männer wie Frauen, in gleichen Kostuemen © Joerg Landsberg

Das bunte Kaleidoskop von Klimeks Essener Fassung“ setzt sich modern, unbefrachtet von althergebrachten Operetten-Klischees fort: Senator Delaqua (Karel Martin Ludvik) bewundert den Herzog auf einer Wolke hoch über der Bühne schwebend „Mit der Würde, die Dir eigen…“;  während die Venezianer aus dem Mittelgang des Zuschauerraumes antworten. Doch es geht auch klassisch:  Ein Schlitten auf der Bühne würzt den lyrischen Lockruf des CaramelloKomm in die Gondel, mein Liebchen so steige doch ein..“ . Gags, Tiefsinniges wie  Überraschungen setzen sich im 2. Akt fort: wenn die Venezianer des Palast des Herzogs plündern, während sich Herzog Guido mit Anninazu unbekannten Zwecken“ in ein Hinterzimmer verzogen hat;  wenn zum Karneval Männer und Frauen – ohne Maske –  Männer und Frauen in gleichen Kostümen und Perücken merkwürdig gleich wie geklont wirken; wenn sie dann zum „Karneval ruft zum Ball, der ist Souverän“  auf dünnem Eis einbrechen und versinken; wenn Caramello  im 3. Akt fortwährend Wo ist meine Frau“ rufend über den Markusplatz irrt, während der Herzog (Dmitry Ivanchey) mit Annina und Ciboletta einer Gondel entsteigend den lebensfrohen Lagunenwalzer singt „Ach, wie so herrlich zu schaun, sind all die lieblichen Fraun…“. Aller Verwechslungs-wirrwar der Handlung bleibt bis zu einem „offenen Ende“ bestehen, wo man sich für den Karneval des nächsten Jahres verabredet.

Das gesamte Ensemble bot in der detailreichen Produktion eine darstellerisch wie stimmlich  starke Gesamtleistung. Doch  Tamara Banjesevic als Annina und Christina Clark als Ciboletta  waren in dem Potpourri der Clownerien durch hohe Präsenz, mit Charme, Esprit und romantisch timbrierten Stimmen besonders präsent. Johannes Witt und die Essener Philharmoniker begleiteten das Happening freier, hollywoodesken  Lebensfreude in den bunten Orchesterfarben. So feiert das Publikum lebhaft ein modern boulevardeskes Happening wie dessen Protagonisten auf der Bühne wie im Graben.

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig - hier : Applaus für das Ensemble vor dem venezianischem Himmel © IOCO

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig – hier : Applaus für das Ensemble vor dem venezianischem Himmel © IOCO

Eine Nacht in Venedig im Aalto-Theater; die nächsten Vorstellungen: 30.9.; 7.10.; 28.10.; 3.11.; 11.11. und zu Sylvester am 31.12.2018

—| IOCO Kritik Aalto Theater Essen |—

Mönchengladbach, Theater Krefeld Mönchengladbach, Nabucco – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 26.06.2018

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Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Mönchengladbach © Matthias Stutte

Theater Mönchengladbach © Matthias Stutte

NABUCCO  –  Giuseppe Verdi

„All wars start at home

Von Viktor Jarosch

Mit der Uraufführung von Nabucco am 9. März 1842 am Teatro alla Scala in Mailand wurde Giuseppe Verdi über Nacht berühmt. Der Erfolg bedeutete auch das Ende einer tiefen Schaffenskrise und Depressionen, in welche Verdi zuvor gestürzt war: Zuvor waren seine Frau Margherita und seine zwei Kinder gestorben; seine die Oper Un giorno di regno war durchgefallen. So sagte Verdi später über sich selbst: „Nabucco ist die Oper, mit der in Wahrheit meine künstlerische Laufbahn beginnt“. Nabucco und der alttestamentarische Auszug der Hebräer aus babylonischer Gefangenschaft wird bis heute oft für die patriotische Gesinnung Verdis gesehen, als nationales Erweckungserlebnis der Italiener oder gar Ursprung der italienischen Einigung und rührt bis heute patriotisch gesinnte Italiener oft zu Tränen. Aufwendige, klassische Nabucco – Inszenierungen sind seither Privileg großer Bühnen, von Verona bis zur Bayerischen Staatsoper. Kleinere Theater zeigen Nabucco meist in modernen, zeitgemäßen Interpretationen; wie nun auch, in einer gelungenen Interpretation, das Theater Krefeld Mönchengladbach.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco - hier : Nabucco, das Oberhaupt der Grossfamilie mit Abigaille und Fenena © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco – hier : Nabucco, das Oberhaupt der Grossfamilie mit Abigaille und Fenena © Matthias Stutte

Regisseur Roman Hovenbitzer zeigt in seinem Mönchengladbacher Nabucco auch keinen biblischen Zwist von Babyloniern und Hebräern, keinen babylonischen König. Hovenbitzer interpretiert Nabucco stattdessen modern: „All wars start at home“: Seine Inszenierung transportiert die im heutigen, realen Alltag, auf der Strasse, zu Hause oft spürbare Aggressivität, Feindschaft. Nabucco im Theater Mönchengladbach zeigt eine sich, wie die Hebräer und Babylonier, bekämpfende, hassende moderne auseinander gebrochene Großfamilie.  Hovenbitzer transportiert die archaische Beziehung von Nabucco, Fenena und Abigaille in die heutige Zeit, der Verbindung eines Vaters zu seinen zwei Töchtern. Das Großformat der Oper von Babyloniern und Hebräern spiegelt Hovenbitzer in ein Alltagsformat zweier heutiger aufs Blut zerstrittener, rücksichtsloser Familien der Jetztzeit, worin der totale Machmensch, Nabucco, das Familienoberhaupt, in seinem überzogenem Machtanspruch verfällt und letztlich reift.

Zur Ouvertüre zeigt eine Rückblende die frühe Zeit der Großfamilie, welche, Nabucco und Zaccaria sind noch Kinder, die Saat für Streit, Geld- und Machtgier legt. Das Bühnenbild (Roy Spahn) zeigt zum ersten Bild einen großen hohen Versammlungsraum (der Salomonische Tempel) in welchem sich der eine Teil der Großfamilie (die Hebräer) in moderner Kleidung (Kostüme Magali Gerberon) trifft, berät, lebhaft diskutiert. Die Dramatik des Familienkonflikts wird sichtbar, als Zaccaria (Matthias Wippich) Nabuccos gefangene Tochter Fenena (Eva Maria Günschmann) gefesselt, den Kopf von einer Papiertüte verhüllt, hereinführt, die Tüte vom Kopf reißt, ihr ein Schild  „Feind“ umhängt. Mit seiner ersten großen Arie „Sperate, o figli! Iddio Del suo poter diè segno“ („Hofft, dass sich unser Trübsal ende“) setzt Matthias Wippich als Zaccaria dann mit gewaltiger und doch lyrisch timbrierter Stimme eine großartige Vorgabe für den Premierenabend.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco - hier : Zaccaria und Fenena, die Gefangene © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco – hier : Zaccaria und Fenena, die Gefangene © Matthias Stutte

Doch die Inszenierung zeichnet nicht allein Hochmut und Fall Nabuccos in farbenreicher Choreographie. Zur glitzernden „Krönungsfeier“ der Abigaille als neuer Familienlenkerin („Der Thron ist mehr als der verlorene Vater…“) blinken Börsenkurse und vermitteln den  Untergang aller moralischen Werte. Ebenso expressiv choreographiert Hovenbitzer den berühmten Gefangenchor der Oper, eine der ergreifendsten Werke der Musikgeschichte: Bis 10 Meter in den Bühnenhimmel ragen Stockbetten; auf ihnen liegen, sitzen, stehen die Verlierer einer Gesellschaft, Arme, Kranke, Hilflose, sichtbar Leidende. In zarten Piani beginnend (Musikalische Leitung Diego Martin-Etxebarria und die Niederrheinischen Sinfoniker) erklingen Chor und Extrachor mit dem ergreifenden „Va‘, pensiero, sull’ali dorate. Va‘, ti posa sui clivi, sui coll …..“ (Flieg, Gedanke, getragen von Sehnsucht, lass’dich nieder in jenen Gefilden). Ergriffenheit und Spannung beim Publikum war ebenso spürbar wie beim Autor dieser Rezension.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco - hier : die Krönungsfeier der Abigaille © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco – hier : die Krönungsfeier der Abigaille © Matthias Stutte

Johannes Schwärsky als Nabucco, Oberhaupt der zerstrittenen Großfamilie, die tragende Partie der Komposition wie der Inszenierung. Seine Herrschaft bildet auch ein großes Gemälde ab, welches ihn, Nabucco, stolz auf einem Hengst zeigt. In langem braunem Ledermantel mit Pelzkragen entwickelt Schwärsky mit bleibend kraftvollen, schwerem Bassbariton die große Partie des Nabucco; auch darstellerisch stets präsent: Die Wandel vom aggressiven Machtmensch zum verwirrten menschlichen Wrack und letztlich zum verzeihenden, geläuterten Wesen. Doch auch die weiteren großen Partien der Premiere sind ansprechend besetzt: Kairschan Scholdybajew mit hellem Tenor als Ismaele und Lydia Easley mit dramatischem Sopran als Abigaille und Eva Maria Günschmann mit eher lyrischem Timbre als Fenena runden der Produktion mit wohlklingendem und farbenreichem Ausdruck ab.

Hovenbitzers moderne Interpretation zu Verdis Nabucco„All wars start at home“ – in ihren vielen choreographischen Facetten die Jetztzeit realistisch abbildend, besitzt großen Charme, ergriff das Publikum. Nostalgische Wehmut, Wünsche nach einer klassischen Interpretation war nicht zu hören. Diego Martin-Etxebarria, die Niederrheinischen Sinfoniker, Johannes Schwärsky als Nabucco und Matthias Wippich als Zaccaria und das starke Ensemble wurden vom Publikum lebhaft gefeiert. Kritische Befragungen des Publikums zur Inszenierung durch den Autor führten zu einem eindeutigen Ergebnis: Einhellige, begeisterte Zustimmung.

Nabucco im Theater  Mönchengladbach: 30.6.; 11.7.; 15.7.; 28.9.2018 und mehr

—| IOCO Kritik Theater Krefeld Mönchengladbach |—

Cambridge, Cambridge Handel Opera Company – Julian Perkins, IOCO Interview, 23.05.2018

Great Hall, The Leys School, Cambridge © The Leys School

Great Hall, The Leys School, Cambridge © The Leys School

Cambridge Handel Opera Company

 Julian Perkins – Director  Cambridge Handel Opera Company

The Cambridge Handel Opera Company (CHOC) in Cambridge, England, is a new professional organization that celebrates the fusion of music and the stage with performances that are not just ‘historically informed’, but ‘historically inspired’. There is meaningful integrity between what happens in the music and what happens on stage. Baroque stagecraft is incorporated into their productions in a manner that speaks directly to audiences. In April  2018 Cambridge Handel Opera Company staged a highly acclaimed production of Handel’s Rodelinda, HWV 19 in Cambridge at the new theatre at The Leys. In May 2018 Victor Jarosch, IOCO, spoke to Julian Perkins about his objectives and future plans for the CHOC.

Victor Jarosch (VJ): Julian, who or what inspired you to take up the harpsichord, and pursue a career in music?

Julian Perkins - Artistic Director Cambridge Handel Opera Company © Julian Perkins

Julian Perkins – Artistic Director Cambridge Handel Opera Company © Julian Perkins

Julian Perkins (JP):: As the youngest of four, I was born into a family of musical noise. Sitting on my mother’s lap at the piano, making music started out as little more than sibling rivalry. Apart from anything with a keyboard, I enjoyed singing, playing the violin and recorder (infuriated at having to wait until I had legs long enough for the organ!). My patient parents packed me off to music courses including Pro Corda in Suffolk, which nurtured my deep love of chamber music. I first met the harpsichord in my teens experimenting with Baroque music in chamber groups. How could one not love instantly the joy of the dance, the chatter of counterpoint and the freedom to improvise? And what better way to earn a living than sharing with others this life-affirming music?

VJ: Who or what have been the most important influences on your musical life and career?

JP: At school, David Langdon and Ralph Allwood both went way beyond their job descriptions in supporting my various musical interests. As a choral scholar and organist at King’s College, Cambridge, it was enriching to experience music as part of a daily form of worship. In my studies, I was a shameless magpie in hassling as many musicians as would tolerate me. Amongst others, Trevor Pinnock taught me the importance of connecting with the sound, David Parry the physicality of conducting and Noelle Barker an understanding of the voice.

 George Frederick Handel tomb at Westminster Abbey, London © IOCO

George Frederick Handel tomb at Westminster Abbey, London © IOCO

As a child, there is one stand-out experience that continues to inspire me: singing as a treble in Mahler’s Symphony of a Thousand’ under Klaus Tennstedt. I was a dreamy child, but Tennstedt captivated me for reasons I have never fully understood. A grumpy old man, in poor health, flailing about in a seemingly haphazard manner on the podium – but I have never, ever heard an orchestra or choir sound like they did with him – and this had nothing to do with his relative fame. I can only put it down to his complete identification with the music and his utter determination to transmit it to his fellow musicians. Humbling.

VJ: What have been the greatest challenges of your career so far?

JP: In addition to keeping up and improving one’s musicianship and technique, my greatest challenge is ring-fencing the administration. Like the hydra’s heads – where two more appear if one is amputated – I find that email requests have an alarming tendency to increase the more one writes! Just the other day I sent off programme details for a forthcoming festival only to find two more similar requests in my inbox for other bespoke events. Whilst it is important to keep abreast of the administration, it is vital to maintain the discipline and enjoyment of studying and practising one’s art. I just turn off the computer at a certain point and know that the world will probably not collapse if one email gets slightly delayed.

Cambridge Handel Opera Company / Rodelinda © Jean-Luc Benazet

Cambridge Handel Opera Company / Rodelinda © Jean-Luc Benazet

VJ: As a conductor, how do you communicate your ideas about a work to the orchestra?

JP: Words can be a dangerous medium in rehearsals. Isn’t it truly said that a large part of a conversation happens through one’s body language? While images, colours and metaphors can be useful, I like to communicate my ideas primarily through my gestures and, when I’m directing from the keyboard, my playing.

VJ: How exactly do you see your role as a conductor? Inspiring the players/singers? Conveying the vision of the composer?

JP: I like to enable the musicians to give of their best by providing a framework within which they can work. One needs to balance the dangers of being over-prescriptive on the one hand with being wishy-washy on the other. Every group is different, of course, but if I can earn a group’s trust, stimulate their imagination and have a clear idea of the sound I want, then things are looking good. Inspiration comes out of this – but one can’t plan to be inspiring. As for the composer’s vision, one can only hope to convey this by having a cultural appreciation of their life and works, and by scrutinizing the score again, again and again.

VJ: Which recordings are you most proud of?

JP: They each have treasured memories, but I’m probably most proud of how my first solo recording came together. This was the world-première of eight harpsichord suites by Handel’s younger English contemporary, James Nares. Historic Royal Palaces granted me the honour of recording on the Royal Harpsichord at Kew Palace. The project attracted dozens of subscribers – and even some artwork from one of Nares’ living descendants.

VJ: Which particular works do you think you play best?

JP: Those that are imbued with lyricism and harmonic interest within a cohesive musical structure. A good dollop of counterpoint never goes amiss either!

VJ: How do you make your repertoire choices from season to season?

JP: I like mixing treasured favourites with pieces that are new to me. It’s fascinating how The Frick Collection in New York juxtaposes art and media from different periods. Similarly, I enjoy devising programmes that have meaningful resonances, such as arias by Handel or Hasse alongside recent responses to earlier works by composers like Stephen Dodgson or György Ligeti. And fresh challenges are irresistible! For instance, I recently created an opera pasticcio about Casanova with the writer Stephen Pettitt. We joyfully plundered operas and oratorios from Vivaldi to Bellini, committing some glorious heresies along the way. Watch this space for our next run…

Westminster Abbey London © IOCO

Westminster Abbey, London © IOCO

VJ: Do you have a favourite concert venue to perform in and why?

JP: I find that the quality of a venue is determined as much by the unique chemistry of the audience as by the room itself. I have given recitals in some unusual locations – including a water mill – in which the sense of occasion gave a special quality to the venue. Acoustically, it’s often rewarding to perform in a space where there is some wood panelling as this helps to give a glow to the sound. Among venues that are perhaps lesser-known, Wilton’s Music Hall in East London has a particular charm. Originally a Victorian music hall, its acoustic is akin to the Wigmore Hall in its clarity and warmth. There is also an alluring patina to the building’s fabric that makes it feel like the equivalent of a well-loved pair of slippers.

VJ: Who are your favourite musicians?

JP: Those who are brilliant, humble, open-minded – and fun!

VJ: What is your most memorable concert experience?

JP: Arriving to rehearse Handel’s Messiah only to find that the organ was at the wrong pitch. Transposing the piece up a semitone in the concert proved to be good brain-gym!

VJ: As a musician, what is your definition of success?

JP: Knowing that I have touched a listener’s emotions.

VJ: What do you consider to be the most important ideas and concepts to impart to aspiring musicians?

JP: In addition to the normal nostrums such as preparation, punctuality and professionalism, another ‘P’ has come to have increasing importance for me: Process. When I was starting out as a musician I sometimes worried too much about what people might think of me. Now, I try and focus more on the ever-changing process of making music and let the listeners decide for themselves what they like. When Roger Federer turned the tables and beat Rafael Nadal to win the 2017 Australian Open, he spoke afterwards of having played the ball and not the opponent. Similarly, I think performers should give due importance to playing the notes (grouped together musically!) and not the audience. It’s impossible to make people like you, but if you’re absorbed in what you’re doing, that in turn should draw in the listener.

VJ: Where would you like to be in 10 years’ time?

JP: Playing a positive role with my wife in the lives of our two sons, giving lots of fulfilling performances, teaching proactive students – and enjoying good food.

VJ: What is your most treasured possession?

JP: My appetite for learning. As the Artistic Director of Cambridge Handel Opera, I recently conducted a staged production of Handel’s Rodelinda in Cambridge. Praised for its  ‘flawless ensemble’ in IOCO, Cambridge Independent headlined its review by stating that ‘Productions of Handel’s operas don’t get much better than this one’.

This season also sees Julian’s concerto debut at the Sage Gateshead with the Royal Northern Sinfonia, his directorial debuts with the Croatian Baroque Ensemble and Wroclaw Baroque Orchestra, a solo appearance on BBC Radio 3’s ‘Early Music Show’, a world première of a choral work by Stephen Dodgson and the debut of his group, Sounds Baroque, at St John’s Smith Square. Solo recitals include appearances in Boston (USA) and at the Petworth Festival, Lammermuir Festival, Northern Aldborough Festival, London Handel Festival, St George’s Bristol and the Holywell Music Room, Oxford, and duo recitals for the Budapest Bach Festival and Mozart Society of America. He returns to the Anghiari Festival in Italy this summer to conduct the Southbank Sinfonia, performs with Florilegium and continues his collaboration with Coram in directing the annual Handel Birthday Concert with Sounds Baroque and international soprano Rebecca Evans. Forthcoming recordings include a programme of Purcell’s songs with soprano Anna Dennis and Sounds Baroque, the second volume of Mozart’s keyboard duets on original instruments with Emma Abbate, Schubert’s sonatas for violin and piano with Peter Sheppard Skærved and the world première of Stephen Dodgson’s opera, Margaret Catchpole. His recent recording of Howells’ clavichord music was described by The Guardian as ‘a virtuoso showcase’ and praised by MusicWeb International as ‘exemplary’.

VJ: Thank you, Julian, for the interview.

—| IOCO Interview Cambridge Handel Opera Company |—

Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Der Liebestrank – Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 14.05.2018

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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Der Liebestrank – Gaetano Donizetti

 Semperoper und MiR – Vereint im Liebestrank

Von Viktor Jarosch

Gaetano Donizetti (1797–1848) war ein ungewöhnlicher Viel-Komponist: In seiner Schaffenszeit von nur 25 Jahren komponierte er über 70 Opern, Messen, Kantaten, Sonaten. Er formte, in heftiger Konkurrenz mit Vincenco Bellini (1801–1835), eine musikalische Brücke zwischen Gioacchino Rossini und Giuseppe Verdi wie den Weg vom modischen Belcanto zur differenzierenden musikalischen Charakter-Dramatik. Im September 1830, mit seiner 32sten Oper Anna Bolena, Librettist Felice Romani, wurde Donizetti  bekannt. Weitere sechs Opern hatte Donizetti komponiert bis, im Mai 1832, die in drei Wochen entstandene Oper L´Elisir d´amore, Der Liebestrank den wahren Durchbruch brachte. Er wurde weltberühmt. Der Liebestrank gehört seither zu den meist gespielten Werken auf großen wie kleinen Bühnen des Globus. Der große Erfolg überraschte selbst Donizetti.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Nemorino und die Belcores © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Nemorino und die Belcores © Pedro Malinowski

„Meistermacher“ des Liebestrank war wie bei Anna Bolena, Librettist Felice Romani.  Romani suchte beständig nach neuen Sujets für Donizetti und den schon damals schnelllebigen italienischen Opernmarkt. Das spritzige Libretto des französischen Dramaturgen Augustin Eugène Scribe begegnete ihm; Daniel Auber hatte daraus die in Frankreich erfolgreiche Oper Le Philtre geschrieben. Romani übernahm das Libretto nahezu wörtlich ins italienische, füllte es mit „Buffo-Arien“, welche Donizetti filigran komponierte und instrumentierte: Fertig war L´Elisir d´amore! In einem Monat.  Der folgende große Erfolg überraschte selbst Donizetti.

Belcore, Dulcamara – Bereiter von Lebensvielfalt

Michael Schulz, Regisseur des Liebestrank (NB: Schulz ist auch Intendant des Musiktheater im Revier, MiR) schuf diese Inszenierung zuvor für die Semperoper Dresden; mit Dirk Becker (Bühne) und Renée Listerdal. Schulz´ Paradigma der Inszenierung: Die Befreiung richtungsloser, mental gefangener Menschen, Charaktere aus der Einfalt des Lebens, aus selbst-gewählter Beschränkung in eine lebende, farbige, sich zum Besseren ändernde Welt. Nemorino, Belcore, Dulcamara sind in Schulz‘ Inszenierung die Katalysatoren der Veränderung: Facettenreichtum und farbige Kreativität in Choreographie, Bühnenbild und Kostümen schaffen eine mitreißende Inszenierung. Liebestrank in Gelsenkirchen ist so mehr als pausbackige Komische Oper, keine biedere  Opera Buffa, wenn ihn auch Belcanto und Frohsinn prägen.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Dulcamara und sein Rotwein alias Liebestrank © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Dulcamara und sein Rotwein alias Liebestrank © Pedro Malinowski

Dem Besucher begegnet zur Ouvertüre der der alt-keltischen Sage um Tristan und Isolde entstammende Liebestrank:  Mit wagnerianischen Alliterationen, projiziert auf dem Bühnen-vorhang: „Und Tristan trank den trüben Trunk…..“  , welche mit einem irritierenden „Ha?“ endeten. Das erste Bühnenbild beginnt verhalten; es zeigt einen etwas herunter gekommenen Ballsaal, Tische mit Nummernlämpchen, verriegelte Türen und Fenstern: Eine bunte aber richtungslose Gemeinschaft, tanzt, küsst, stolpert, fällt darin, doch merkwürdig ziellos. Es ist eine Gesellschaft, der Freude am Leben, an partnerschaftlichen Beziehungen, an der Farbe in ihrem Leben verloren ging.  Nur der schüchterne, wie verloren wirkende Nemorino wird noch von Gefühlen, Liebe geleitet und betet in seiner ersten  Arie Quanto è bella, quanto è cara !  Più la vedo, e più mi piace ..Welche Schönheit, welche Reize…“,  die  ebenfalls teilnahmslos, abwesend wirkende Adina an: Die gefühlsarme Gemeinschaft dreht Nemorino den Rücken zu, ignoriert ihn, buht ihn aus. Auch Adina nimmt Nemorino nicht wahr, erzählt stattdessen über den Liebestrank:  „Della crudele Isotta, il bel Tristano ardea…. Tief von Isoldens Reizen  war Tristans Herz getroffen“. Man lebt blutlos, freudlos, wie in Trance.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : die Belcores feiern Adina © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : die Belcores feiern Adina © Pedro Malinowski

Ein wunderbarer Regie-Clou leitet den Wandel der Gemeinschaft zu lebensfrohem, farbigem Leben sichtbar ein: Von magischer Hand geführt schneidet eine Säge eine Öffnung in den Boden. Dieser Öffnung entsteigen, noch in farbloser Malerkluft, Belcore (Michael Dahmen) und acht weiteren Belcores. Auf der Bühne reißen die Belcores ihre Kluft herunter, um mit Helmbusch, prachtvollen Uniformen und mitreißenden Choreographien  (Sebastian Schiller)   reales Leben im Farbe und Sprache zu zeigen: „Keine Frau widersteht dem Anblick eines Helmbusches!“. Ein verloren einsam wirkender Klavierspieler (Askan Geisler) schlurft immer wieder zur Bühnenmitte, um dort Träume in Form eines Luftballons in den Himmel steigen lässt, der kurz darauf zerplatzt auf die Bühne zurück fällt. Doch frohes, neues Leben ist unwiderruflich in die Gemeinschaft zurückgekehrt:  Die Belcores ziehen sich zur Ruhe in ein winziges Zelt zurück, welches beständig verräterisch schaukelt, aus welchem Hände Adinas Bein begrapschen.  Spektakulär verformt sich sodann das Bühnenbild mit dem Erscheinen des Quacksalbers Dulcamara:  Trommelwirbel; der riesige Bug eines Schiffes bricht sich durch die Seitenwand auf die Bühne; aus einer mit glitzernden Lichtern behangenen Türe am Boden des Bugs erscheint Dulcamara: „Kauft meine Medizin….Wollt ihr glatte Haut haben…“. Die noch seelenarme Gemeinschaft horcht…, Nemorino bittet Dulcamara um Tristan und Isoldes Liebestrank.., Belcore erhält einen Marschbefehl..  Ein spektakulär durch die Bühnendecke brechender riesiger Kronleuchter beendet den ersten Akt und zeigt auch, warum diese Produktion in Dresden erfolgreich war.

Der zweite Akt wird dann endgültig zum Stimmenfest, zur herrlichen Opera Buffa: Ein langer gedeckter Tisch mit viel Spaghetti und Rotwein, an welchem die neun Belcores italienisch ausgelassen Hochzeit feiern während sich Adina sichtbar unwohl fühlt; Nemorino bettelt in seinen Liebesnöten Dulcamara erneut um den Liebestrank; verdingt sich bei den Belcores (abermals mit starker Choreographie)  als Soldat;  nebenan feiern die Frauen Nemorina als reichen Heiratskandidaten: „Ist eine gute Partie“. Pralles wie vielseitiges Leben wird allgegenwärtig, ist sichtbar, spürbar, bis zum allseits bekannt guten Ende: der Hochzeit von Nemorina und Adina.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Nemorino wird ob der Erbschaft von Frauen umschwärmt © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Nemorino wird ob der Erbschaft von Frauen umschwärmt © Pedro Malinowski

Das MiR überrascht erneut: Selbst höchst anspruchsvolle  Opern „stemmt“ das inmitten des Ruhrgebietes liegende, finanziell beschränkte MiR meist mit dem eigenen Ensemble; so auch diesen Liebestrank. Die Koreanerin Dongmin Lee kokettiert als Adina spielerisch mit perlenden, lyrisch sanften wie dramatischen Koloraturen; ist  stimmlicher Höhepunkt des Abends. Mit bleibend ungestresster Natürlichkeit in ihren anspruchsvollen Arien vermittelt Dongmin Lee farbiges italienischen Belcanto voller Menschlichkeit und Charme. Ibrahim Yesilay als Nemorino füllte seine große Partie – schüchtern oder mutig weil voll des Liebestranks – darstellerisch und mit wohl timbrierten lyrischem Tenor; einschließlich der großen romantischen Arie Una furtiva lagrima. Auch Michael Dahmen als Belcore wie Joachim Maaß als Dulcamara überzeugen in ihren Partien darstellerisch wie stimmlich. Lina Hoffmann ist in ihrer stimmlich eher kleinen Partie als Gianetta szenisch wie auffällig präsent. Der große wie viel beschäftigte Chor (Alexander Eberle) klingt stets homogen. Thomas Rimes führt die Neue Philharmonie Westfalen lebendig und mit den differenzierenden Pianos sehr sängerfreundlich.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Premierenapplaus © ioco

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Premierenapplaus hier von links Belcore, Adina, Nemorino, Dulcamara und Gianetta © ioco

Das Gelsenkirchener MiR-Publikum feierte Darsteller wie Inszenierung mit großem Beifall: Zum Ende der Vorstellung ohnehin; doch viel umfangreicher in der folgenden MiR-traditionellen Premierenfeier. Zu später Stunde beklatschten dort mehrere hundert Besucher die Ausführungen von Intendant / Regisseur Michael Schulz zu Darstellern und Inszenierung, bei Essen und guten Getränken. Es war deutlich spürbar: Die Besucher feierten nicht nur Darsteller und Inszenierung; sie feierten auch „ihr“ MiR.

Der Liebestrank im Musiktheater im Revier: weitere Vorstellungen 19.5.; 27.5.; 1.6.; 3.6.; 23.6.; 24.6.; 7.7.2018

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