Leipzig, Oper Leipzig, Spielplan Oktober 2019

September 10, 2019 by  
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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Spielplan der Oper Leipzig Spielzeit 2019/20
Oktober 2019


03 DO
14:00 Hausführung | Opernhaus
15:00 Spiel mir eine alte Melodie Schlager-Revue | Westbad
18:00 Der Liebestrank Donizetti | Opernhaus
Kantinengespräch im Anschluss


04 FR
19:30 Schwanensee (Ballett) Schröder/Tschaikowski | Opernhaus
19:30 Spiel mir eine alte Melodie Schlager-Revue | Westbad


05 SA
17:00 Tristan und Isolde Richard Wagnger – PREMIERE | Opernhaus
19:00 Spiel mir eine alte Melodie Schlager-Revue | Westbad


06 SO
10:00 Familienführung | Opernhaus
14:00 Oper zum Mitmachen zu »Schneewittchen« | Probebühne Opernhaus
18:00 Die verkaufte Braut Smetana | Opernhaus


07 MO
20:00 Wahrheit oder Pflicht Musiktheaterproduktion des Jugendchores | Moritzbastei


08 DI
20:00 Wahrheit oder Pflicht Musiktheaterproduktion des Jugendchores | Moritzbastei


09 MI
18:00 Muko Werkstatt Gespräch mit dem Inszenierungsteam und öffentliche Probe zu
»Zorbas/Balkanfeuer« | Westbad


10 DO
19:30 Der fliegende Holländer Wagner | Opernhaus


11 FR
19:30 Schwanensee (Ballett) Schröder/Tschaikowski | Opernhaus


12 SA
17:00 Tristan und Isolde Richard Wagner | Opernhaus
19:00 Zorbas/Balkanfeuer (Ballett) Mahr – PREMIERE | Westbad


13 SO
15:00 Zorbas/Balkanfeuer (Ballett) Mahr | Westbad
18:00 Schwanensee (Ballett) Schröder/Tschaikowski | Opernhaus


14 MO
14:00 Oper zum Mitmachen zum Ballett »Dornröschen«| Probebühne Opernhaus


15 DI
10:00 Peter und der Wolf Prokofjew | Westbad
14:00 Oper zum Mitmachen zum Ballett »Dornröschen«| Probebühne Opernhaus
19:30 Zorbas/Balkanfeuer (Ballett) Mahr | Westbad


16 MI
14:00 Oper zum Mitmachen zum Ballett »Dornröschen« | Probebühne Opernhaus


17 DO
10:00 Babykonzert | Konzertfoyer Opernhaus
14:00 Oper zum Mitmachen zum Ballett »Dornröschen« | Probebühne Opernhaus
19:30 Der fliegende Holländer Richard Wagner | Opernhaus


18 FR
10:00 Babykonzert | Konzertfoyer Opernhaus
14:00 Oper zum Mitmachen zum Ballett »Dornröschen« | Probebühne Opernhaus
19:30 Kleine Komödie Ivan und die Frauen
| Theaterrestaurant Lortzing Musikalische Komödie
19:30 Rusalka Dvorak | Opernhaus


19 SA
19:00 Kleine Komödie Ivan und die Frauen
| Theaterrestaurant Lortzing Musikalische Komödie


20 SO
15:00 Die Fledermaus Strauß | Westbad


25 FR
19:30 Jazz im Lortzing Lukas Natschinski Solo
| Theaterrestaurant Lortzing Musikalische Komödie


26 SA
18:00 Muko Werkstatt Gespräch mit dem Inszenierungsteam und öffentliche Probe zu »Der Vogelhändler« | Westbad


27 SO
15:00 Peter und der Wolf Prokofjew | Westbad


30 MI
19:30 Der Nussknacker (Ballett) Dury/Tschaikowski | Opernhaus


31 DO
14:00 Hausführung | Opernhaus
18:00 Der Nussknacker (Ballett) Dury/Tschaikowski | Opernhaus
Änderungen vorbehalten!


—| Pressemeldung Oper Leipzig |—

Linz, Landestheater Linz, Premiere TRISTAN UND ISOLDE, 15.09.2018

September 10, 2018 by  
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Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

TRISTAN UND ISOLDE – RICHARD WAGNER

 nach dem Versroman Tristan von Gottfried von Straßburg

Koproduktion mit der Opéra de Lyon, Originalproduktion Bayreuther Festspiele 1993

Premiere Samstag, 15. September 2018, 17.00 Uhr, weitere Vorstellungstermine: 23., 30. September; 7. Oktober; 4. November 2018

Musiktheater Linz 360 - © Peter Philipp

Musiktheater Linz 360 – © Peter Philipp

Musikalische Leitung Markus Poschner,  Inszenierung Heiner Müller, Szenische Leitung Stephan Suschke, Bühne Erich Wonder, Realisation Bühne Kaspar Glarner, Kostüme Yohji Yamamoto, Licht Manfred Voss, Einrichtung Licht Ulrich Niepel, Dramaturgie Christoph Blitt, Choreinstudierung Csaba Grünfelder

Landestheater Linz / Tristan und Isolde © Robert Josipovic

Landestheater Linz / Tristan und Isolde © Robert Josipovic

Tristan  Heiko Börner, König Marke Dominik Nekel,Isolde Annemarie Kremer, Dara Hobbs (Vorstellung am 06.01.2019), Kurwenal Martin Achrainer, Melot Matthäus Schmidlechner, Brangäne Katherine Lerner, Ein Hirt Mathias Frey, Ein Steuermann Philipp Kranjc, Ein junger Seemann Mathias Frey,  Herrenchor des Landestheaters Linz, Bruckner Orchester Linz


ZUM STÜCK  –   TRISTAN UND ISOLDE


Tristan und Isolde erzählt die Geschichte einer großen Liebe, die sich über die Grenzen der Vernunft erhebt und deshalb in der Welt keinen Bestand haben kann. Wagner komponierte hierzu eine Partitur, die ständig harmonische Spannungen aufbaut, ohne sie einer Auflösung zuzuführen. So fesselt er seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit dem ganz eigenen Tonfall eines permanenten Begehrens, dem das Ziel ver­sagt zu bleiben scheint.

1993 inszenierte der deutsche Dramatiker und Regisseur Heiner Müller dieses Werk bei den Bayreuther Festspielen. In den visionär-weitläufigen Bühnenraumfantasien von Erich Wonder entfaltete Müller einen Lie­bes- und Todesreigen von antiker Klarheit. Als Koproduktion mit der Opéra de Lyon wird Heiner Müllers damaliger Regiemitarbeiter, der jetzige Linzer Schauspieldirektor Stephan Suschke, diese viel disku­tierte und hochgelobte Festspielinszenierung auf der Bühne des Linzer Musiktheaters wiedererstehen lassen.


INTERVIEW MIT STEPHAN SUSCHKE anlässlich der Lyoner Premiere von Heiner Müllers Inszenierung von Tristan und Isolde

Die Heiner Müller-Inszenierung von Tristan und Isolde ist eine nachgerade „mythische“ Produktion des Regisseurs. Sie stand in Bayreuth von 1993 bis 1999 auf dem Spielplan. Heiner Müller ist leider 1995 gestorben und Sie waren zuständig für die szenische Leitung der Wiederaufnahmen 1996 und 1997. Dazu waren Sie der engste Mitarbeiter Heiner Müllers während seiner Intendanz am Berliner Ensemble. Sie haben auch ein Buch über seine Theaterarbeit geschrieben.

Als Sie die Nachricht dieser Wiederaufnahme erfahren haben, war es eine Überraschung? Was haben Sie empfunden?

Stephan Suschke: Meine erste Reaktion war Unglaube. Als ich begriffen habe, dass Serge Dorny tatsächlich diese Produktion für Lyon rekonstruieren möchte, habe ich mich auf die Arbeit gefreut und auf die Möglichkeit, noch einmal mit dieser Oper Zeit zu verbringen, an ihr zu arbeiten.

Welchen Sinn ergibt solch eine Wiederaufnahme, 23 Jahre nach der Premiere und 19 Jahre nach der letzten Aufführung? Bedeutet es ein „Museum“–Werk zu sehen? Oder noch ein Theatererlebnis?

Stephan Suschke: Mal abgesehen davon, dass ich Museen als »Gattungshöhlen der Menschen« schätze, glaube ich, dass diese Inszenierung nicht gealtert ist, weil sie klassisch ist. Müller hat nicht versucht, diese Oper oberflächlich zu aktualisieren, sondern für ihn war Tristan und Isolde die archetypische Beschreibung des Verhältnisses zwischen Politik und Liebe. Sein ästhetisches Mittelarsenal kam – in Zusammenarbeit mit Erich Wonder – aus dem des Malers. Er hat diese Geschichte weder in Raum noch in der Spielweise illusionistisch in einem deutschen Wohnzimmer spielen lassen. Stattdessen hat er ein fast abstraktes Gemälde geschaffen, eine riesige Projektionsfläche. Jetzt kann man sie wieder neu mit Bedeutungen aufladen. Man könnte auch sagen, dass Müller das Werk eingefroren hat: mit einer sehnsüchtigen Kälte. Ich habe nichts anderes zu tun, als es mit aller Behutsamkeit aufzutauen. Frisch aufgetaut, wird es seinen Glanz entfalten.

Es gibt Inszenierungen (etwa in Wien, in Hamburg) die Jahrzehnte on stage bleiben. So hatte die Tosca in Wien ihre Premiere 1958. Ist das noch „Theater“?

Stephan Suschke: Es gibt Filme aus den fünfziger, sechziger Jahren, deren Wirkung wir uns nicht entziehen können. Das hängt mit den Künstlern zusammen, die sie gemacht haben, mit der Bildsprache, die sie entwickelt haben. Ich glaube, das kann auch mit Tristan und Isolde funktionieren. Für Müller war diese Inszenierung eine große Herausforderung. Es war seine erste (und einzige) Oper und es war Bayreuth, was damals der Olymp war. Auch deshalb hat er sehr viel in diese Arbeit investiert. Gleichzeitig glaube ich, dass diese Oper seinem Regie-„Stil“, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgebildet war – es war seine siebente Inszenierung – entgegenkam. Ihn interessierte der »gefrorene Sturm«.

Welche Hindernisse sehen Sie in der Wiederaufnahme einer „verschwundenen Arbeit“ (auch wenn es eine DVD von dieser Produktion gibt)?

Stephan Suschke: Man muss hinter das eigene Ego als Regisseur zurücktreten. Ich habe mittlerweile selbst Opern inszeniert, das ist aber für diese Arbeit unerheblich. Ich muss versuchen, diese Inszenierung detailgetreu zu rekonstruieren. Es ist die Arbeit eines Archäologen, nicht die eines Bildhauers. Es gilt, die antike Statue freizulegen, nicht darum, abgebrochene Teile zu ergänzen. Trotzdem ist es nicht die Arbeit eines Bürokraten, weil ich versuchen muss, den Geist, den Spirit von Müller lebendig zu machen, um ihn den Sängern zu vermitteln.

Arturo Ui ist noch im Repertoire des Berliner Ensemble seit 1995 und Martin Wuttke ist noch heute Arturo Ui. Diese Produktion von Tristan und Isolde ist mit Waltraud Meiers Isolde (ihre erste Isolde!) sehr verbunden. Ist es kein Problem, diese Produktion mit einer anderen Isolde zu inszenieren?

Stephan Suschke: Wenn es gelingt, die Müllersche Figurenauffassung und das, was Waltraud Meier entwickelt hat mit den Erfahrungen von Ann Petersen zu verbinden, nein. Das kann produktiv sein, weil man eine Synthese schaffen kann.

Die Inszenierung-Arbeit entspricht einem bestimmten Zustand der Lektüre des Werks, der Geschichte der Theaterkunst, der Öffentlichkeit, der Gesellschaft: Riskiert die Wiederaufnahme aus dem Kontext auf die Gewohnheiten oder auf die Wünsche (oder auch Erinnerungen) des Publikums nicht mehr zu antworten?

Stephan Suschke: Ein gutes Bild bleibt ein gutes Bild. Deshalb gehen die Leute in den Louvre, obwohl dort Bilder hängen, die mit ihrer Lebenswirklichkeit wenig zu tun haben. Ich glaube, dass Müller, Wonder und Yamamoto tatsächlich ein Gesamtkunstwerk geschaffen haben – es besteht aus Bildern, sich bewegenden Körpern und Musik. Hinzu kommt: Die Gesellschaft hat sich in den letzten 4000 Jahren ungeheuer verändert, die Gefühle aber sind gleich geblieben. Davon handelt Tristan und Isolde.

Das französische Theaterpublikum kennt Heiner Müller, das Opernpublikum eher weniger. Welches Element seiner Arbeit könnte zu dem gegenwärtigen Lyoner Publikum sprechen?

Stephan Suschke: Müllers Inszenierung verzichtet auf oberflächliche Reize, setzt stattdessen auf eine genaue Figurenführung, bei der jede Geste wichtig ist; das alles vor dem Hintergrund eines großartigen Bühnenbildes in außergewöhnlichen Kostümen. Dieses Gesamtkunstwerk wendet sich der Musik zu, entfaltet sie. Das Spektakuläre besteht in der Einfachheit, in der Konzentration.

Sie haben sehr eng mit Heiner Müller gearbeitet, Tristan war seine erste (und letzte) Opernregie: Wollte er Oper machen? Oder war das Werk Tristan für ihn wichtig? Welche bedeutende Erinnerung(en) der Arbeit mit Heiner Müller auf dieser Produktion behalten Sie?

Stephan Suschke: Oper hat ihn immer als Kunstform interessiert. Auch seine Schauspiel-Inszenierungen hatten etwas Opernhaftes, auch durch Müllers Sprache, die sehr musikalisch war. Ich glaube, er hat sich danach gesehnt, dass seine Texte gesungen werden. Müller hat 1990, also kurz nach dem Fall der Mauer, das Angebot von Wolfgang Wagner bekommen. Es hat ihn interessiert, wegen der Kunstform, aber auch weil er es nicht konnte. Er wollte eine Erfahrung machen. Aber der Aufeinanderprall dieser Auffassung mit den Vorstellungen der Sänger produzierte Konflikte. Seine Überlegungen waren auf höchstem konzeptionellem Niveau, aber die Probleme begannen bei der Umsetzung. Anfangs hat er aus dem Booklet einer CD heraus inszeniert und war erstaunt, wie lange es dauerte, bis ein Satz gesagt worden war. Hinzu kam, dass die Arbeitsweise von Schauspielern und Sängern vollkommen unterschiedlich ist. Sänger sind viel schneller im Fixieren von Gesten und Haltungen. Es gab Spannungen vor allem zwischen Waltraud Meier und Heiner Müller. Aber Müller hat gekämpft, Daniel Barenboim war hilfreich als Vermittler. Nachdem klar war, dass die Geschwindigkeit der Sänger im Umsetzen von Ideen schneller war als die Produktion derselben, sind wir früh um sechs aufgestanden, um die Probe vorzubereiten. Situation für Situation, Schritt für Schritt, Geste für Geste. Müller hasste frühes Aufstehen, aber der künstlerische Ehrgeiz war größer als die Müdigkeit. Es war eine schwierige, gute Zeit, vielleicht die beste. Weil trotz, oder wegen der Konflikte, Probleme, Reibungen alle etwas Außergewöhnliches schaffen wollten. Dass es gelang, war ein Glücksfall. Da Glück ein scheues Reh ist, werden wir uns bemühen, es nicht zu verscheuchen.


PUBLIC VIEWING IM GRÜNEN VOLKSGARTEN

LIVE-ÜBERTRAGUNG AUS DEM MUSIKTHEATER | EINTRITT FREI!

Zur Feier der Spielzeiteröffnung wird das zur Premiere von Tristan und Isolde ausverkaufte Wohnzimmer der Stadt Linz und des Landes Oberösterreich auch ins Grüne geöffnet. Jeder kann dabei sein, chillen, mitfeiern, Freunde treffen und die Live-Übertragung bei Essen und Trinken im spätsommerlichen Volksgarten genießen. Machen Sie dieses Opernfest unter freiem Himmel zu einem unvergesslichen Erlebnis. Wir freuen uns auf Sie!

ab 15.00 Uhr | Ankommen, Einstimmen
Jeder kann dabei sein, chillen, mitfeiern, Freunde treffen und die Live-Übertragung bei Essen und Trinken im spätsommerlichen Volksgarten genießen. Eine köstliche Speisen- und Getränkeauswahl für einen lockeren und entspannten Opernabend im Freien steht für Sie bereit.

17.00 Uhr | Live-Übertragung der Oper Tristan und Isolde  aus dem Großen Saal Musiktheater
Die Originalproduktion der Bayreuther Festspiele von 1993 ist die Eröffnungspremiere der neuen Spielzeit 2018/2019 am Landestheater Linz. Die vieldiskutierte und hochgelobte Inszenierung von Heiner Müller im visionär-weitläufigen Bühnenbild von Erich Wonder und in traumschönen Kostümen des legendären Modeschöpfers Y?hji Yamamoto wird der damalige Regiemitarbeiter, der jetzige Schauspieldirektor Stephan Suschke, wiedererstehen lassen. Erleben Sie das Bruckner Orchester Linz mit Chefdirigent Markus Poschner am Pult eines gigantischen Orchesterapparats.

23.00 Uhr | Premierenfeier
Das Opernfest im Freien endet um 23.00 Uhr. Wir freuen uns darauf, Sie nach Ende der Vorstellung zur Premierenfeier im HauptFoyer des Musiktheaters begrüßen zu dürfen.

Drinnen und draußen – Ein Fest!
Intendant Hermann Schneider und Direktor Uwe Schmitz-Gielsdorf begrüßen Sie vor Beginn der Live-Übertragung und geben eine kurze Operneinführung. In den Pausen erwarten Sie interessante Interviews und Gespräche mit Chefdirigent Markus Poschner sowie Künstlern des Abends und tragen zu einem rundum stimmungsvollen Opernfesterlebnis bei.

Eintritt frei | Sie haben freie Platzwahl
oder Tischplätze
Plätze an reservierten Tischen zum stilvollen Genuss des Opernabends bei Essen und Trinken erhalten Sie für je € 20,00. In diesem Preis ist die Einladung zu einem Glas Sekt von DoN enthalten.

 


BIOGRAFIEN


MARKUS POSCHNER MUSIKALISCHE LEITUNG

Der Münchner Dirigent Markus Poschner, der seit seiner Auszeichnung mit dem Deutschen Dirigentenpreis 2004 regelmäßig bei national und international renommiertesten Orchestern zu Gast ist, wird heute insbesondere für seine aufsehenerregenden Interpretationen und Einspielungen der Werke von Beethoven, Brahms und Mahler geschätzt.

Nach dem Studium in München und als Assistent von Sir Roger Norrington und Sir Colin Davis wirkte Poschner ab 2006 als Erster Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin. Als „großes Nachwuchstalent“ bezeichnete ihn die Neue Zürcher Zeitung, als er mit Regisseuren wie Nicolas Stemann, Hans Neuenfels, Peter Konwitschny, Andreas Homoki und Sebastian Baumgarten zusammenarbeitete.

Im Jahre 2007 wurde er zum Generalmusikdirektor der Freien Hansestadt Bremen ernannt. Hier hat sich Poschner, der auch ein fulminanter Jazzpianist ist, den Ruf als programmatischer Grenzgänger erarbeitet: Gemeinsam mit den Bremer Philharmonikern war er ständig auf der Suche nach Neuartigem und Ungehörtem in Programmatik, Interpretation und Präsentationsform. Mit seinem besonderen Gespür für die Vermittlung klassischer Musik löste er einen bis heute anhaltenden Publikumsboom aus. Im Theater Bremen entwickelte er vor allen Dingen mit dem Regisseur Benedikt von Peter völlig eigene Wege und Formen zeitgenössischen Musiktheaters.

Mit Beginn der Saison 2015/2016 übernahm Markus Poschner auch die Position des Chefdirigenten des Orchestra della Svizzera Italiana. Mit diesem Klangkörper entstand kürzlich für SONY CLASSICAL die aufsehenerregende Gesamteinspielung sämtlicher Brahms-Sinfonien in vollkommen eigener und ungewöhnlicher Lesart. Gleich zu Beginn seiner ersten Spielzeit eröffnete er dort den neuen und hochgelobten Konzertsaal LAC direkt am Luganersee.

Markus Poschner wurde von vielen der renommiertesten Klangkörper und Opernhäuser als Gast eingeladen, darunter Staatskapelle Dresden, Dresdner Philharmoniker, Bamberger Symphoniker, Münchner Philharmoniker, Wiener Symphoniker, Konzerthausorchester Berlin, die Rundfunk-Sinfonieorchester in Berlin, Leipzig, Stuttgart und Köln, Netherlands Radio Philharmonic, Wiener Kammerorchester, Orchestre Philharmonique de Monte Carlo, NHK Symphony Orchestra, Tokio Metropolitan Orchestra sowie Staatsoper Berlin, Komische Oper Berlin, Hamburgische Staatsoper, Oper Köln, Oper Frankfurt und Opernhaus Zürich.

Mit vielen dieser Orchester und Opernhäuser verbindet ihn inzwischen eine enge künstlerische Partnerschaft, wie etwa der Staatsoper Berlin, wo Markus Poschner im Jahr 2014 mit der Neuproduktion des Wagner/Jelinek-Abends Rein Gold in der Regie von Nicolas Stemann debütierte. Mittlerweile dirigierte er dort auch Tosca und Die Zauberflöte und war in der Spielzeit 2015/2016 für die gesamte Serie von Richard Wagners Der fliegende Holländer verantwortlich.

Als Erster Gastdirigent der Dresdner Philharmoniker von 2010 bis 2014 waren dort mit Markus Poschner sämtliche Beethoven-Sinfonien zu hören. Dem Orchester ist er weiterhin eng verbunden und erarbeitet mit ihm aktuell einen Mahler-Zyklus. Seit 2002 ist er außerdem Erster Gastdirigent des Deutschen Kammerorchesters Berlin, das er ebenso prägt wie das legendäre Georgische Kammerorchester Ingolstadt, dessen Chefdirigent er von 2000 bis 2006 war.

Durch seine unkonventionelle und frische Herangehensweise, vor allen Dingen auch an die großen Klassiker des Repertoires, überzeugte Markus Poschner schnell auch die Presse: „…so atemberaubend hat man Beethoven lange nicht mehr gehört“ schwärmte der Berliner Tagesspiegel, „Extra-Applaus immer wieder zwischendurch für den jungen Dirigenten“ die FAZ, „hinreißende Interpretationen“ meldeten die Dresdner Neuesten Nachrichten, „genialisch“ meinte Die Welt. Über sein Debüt in seiner Heimatstadt schrieb die Süddeutsche Zeitung: „Poschner bringt die Münchner Philharmoniker immer wieder wunderbar zum Leuchten“. Die Universität Bremen ernannte Markus Poschner im Juli 2010 zum Honorarprofessor am Institut für Musikwissenschaft.

Seit Beginn der Spielzeit 2017/2018 hat Markus Poschner die Position des Chefdirigenten des BOL sowie des Opernchefs am Landestheater Linz inne.


STEPHAN SUSCHKE SZENISCHE LEITUNG

Stephan Suschke wurde 1958 in Weimar geboren. Von 1982 bis 1987 studierte er Theaterwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin. Ab 1987 arbeitete er als Schauspieldramaturg am Theater Greifswald, und von 1987 bis 1991 als Regieassistent, bzw. als Regie-Mitarbeiter bei den Inszenierungen Heiner Müllers am Deutschen Theater Berlin mit.

1992 wechselte er mit Heiner Müller an das Berliner Ensemble, wo er zunächst als Regie-Mitarbeiter an dessen Inszenierungen mitwirkte. Ab 1994 inszenierte er am Berliner Ensemble. Ab 1995 war er Mitglied der Leitung des Berliner Ensembles. Nach Heiner Müllers Tod wurde er 1996 Stellvertretender Intendant. Von 1997 bis 1999 war er Künstlerischer Leiter des Berliner Ensembles.

Von 1999 bis 2013 war Stephan Suschke freischaffender Regisseur. Er arbeitete am Théâtre National de la Communauté Brüssel, an der National School of Drama New Delhi, am Victorian College of Arts Melbourne, am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken, am Staatsschauspiel Dresden sowie für das Theater Ulm, das Theater Lübeck, das Hessische Landestheater Marburg und das Mainfranken Theater Würzburg.

Außerdem arbeitete er als Hörspielregisseur für die CBC Toronto und war Regisseur und Autor des Dokumentarfilms Ich bin mit meiner Angst allein. Als Autor und Herausgeber gab er u. a. das Buch Walter Schmidinger – Angst vor dem Glück heraus, sowie Müller macht Theater, ein Buch über die Inszenierungen Heiner Müllers. Er war gemeinsam mit Mark Lammert Kurator der Ausstellung Sagerts Welt im Schloss Neuhardenberg.

Seit 2013 ist Stephan Suschke Schauspieldirektor am Mainfranken Theater Würzburg. Ab der Spielzeit 2016/2017 ist Stephan Suschke Schauspieldirektor am Landestheater Linz.


KASPAR GLARNER REALISATION BÜHNE

Kaspar Glarner wurde in Zürich geboren und hat in Paris studiert. Nach seinem Diplom arbeitete er als freier Maler, Grafiker und Innenarchitekt. Später wurde er von Rolf Glittenberg als Bühnenbildassistent am Thalia Theater Hamburg engagiert. Danach assistierte er Erich Wonder für mehrere internationale Opernproduktionen wie Wintermärchen (Bondy/Wonder in Brüssel) und Arabella (Mussbach/Wonder in Paris). Nach ersten eigenen Arbeiten mit Markus Imhoof und Hansgünther Heyme erarbeitete er u. a. mit Uwe-Eric Laufenberg am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel und am Grand Théâtre de Genève Puccinis Tosca, außerdem Peter Grimes in Oldenburg, Lucrezia Borgia in Marseille, Fidelio in Freiburg sowie Elementarteilchen am Münchner Residenztheater. Am Maxim Gorki-Theater Berlin entstanden Das Maß der Dinge von La Bute und Platonov, dem Der lächerliche Prinz Jodelet von Reinhard Keiser an der Hamburgischen Staatsoper folgte. Am Hans Otto Theater Potsdam schuf er u. a. die Bühnenbilder für Die Hermannsschlacht und die Dreigroschenoper sowie für die Uraufführungen Katte von Thorsten Becker und Julia Timoschenko von Adriana Altaras/Maxim Kurotschkin. Ebenfalls in Potsdam entstand die Bühne für den Sommernachtstraum (Regie: Patricia Benecke). Am Theater Augsburg entwarf er Bühnenbild und Kostüme für die Eröffnungspremiere Kasimir und Karoline (Regie: Adriana Altaras), an der Oper Frankfurt die Kostüme zu Roméo et Juliette (Regie: U. E. Laufenberg), Death in Venice und Lear (Regie: Keith Warner) und die Bühnenbilder zu Schuberts Liederzyklen Die schöne Müllerin, Winterreise und Schwanengesang (Regie: Udo Samel) sowie für Weiße Rose (Regie: Christoph Quest) und Dallapiccolas Einakter Volo di notte und Il prigioniero (Regie: Keith Warner). Mit dem Regisseur Keith Warner entstanden auch Die Frau ohne Schatten an der Hamburgischen Staatsoper und Katja Kabanova am Theater an der Wien.

Kaspar Glarner war bereits in der Spielzeit 2005/2006 am Landestheater Linz zu Gast, als er für das Bühnenbild zu Puccinis Manon Lescaut verantwortlich zeichnete.


ULRICH NIEPEL EINRICHTUNG LICHT

Ulrich Niepel ist in Berlin geboren und studierte an der Technischen Fachhochschule Berlin Elektrotechnik und Theater/Veranstaltungstechnik. Seit 1983 ist er an der Deutschen Oper Berlin tätig – seit 1999 als Beleuchtungsoberinspektor, Leiter des Beleuchtungswesens und Lichtgestalter.

Von 1991 bis 2010 wirkte er bei den Bayreuther Festspielen mit. Dort war er ab 1992 Beleuchtungsmeister und von 2004 bis 2010 Leiter des Beleuchtungswesens und Lichtgestalter.

Daneben zeichnet er für die Lichtgestaltung von Produktionen und Gastspielen in Berlin, Bayreuth, Madrid, Los Angeles, Tokyo, Beijing, Bregenz, Sevilla, Bergen, Kopenhagen, Tel Aviv, Barcelona, Lyon und Montpellier verantwortlich.


ANNEMARIE KREMER ISOLDE

Die Niederländische Sopranistin Annemarie Kremer gab ihr erfolgreiches Wagner-Debüt als Elisabeth in Tannhäuser im Februar 2017 an die Opéra de Monte Carlo, Monaco. Die Premiere wurde in ganz Europa live im Fernsehen übertragen.

Zuletzt war sie als Feldmarschallin in Der Rosenkavalier in Beijing zu erleben, als Ursula in Mathis der Maler an der Semperoper Dresden und in der Titelpartie von Korngolds Das Wunder der Heliane in Wien und Freiburg, wobei die Aufführungen in Juli 2017 für eine CD-Veröffentlichung bei NAXOS mitgeschnitten wurden sowie in der Titelpartie der Neuproduktion von Strauss´ Salome in Hannover.

Ihre Pläne umfassen u. a. eine weitere Neuproduktion von Salome in Essen, Tosca in Leipzig und Graz, ihre Debüts als Isolde in Wagners Tristan und Isolde in der legendären Inszenierung von Heiner Müller in Linz, als Turandot in São Paulo und als Hulda in Cesar Francks gleichnamiger Oper in Freiburg. Ebenso in Planung sind eine Reihe von Konzerten und Liederabenden u. a. mit Strauss´ Vier letzte Lieder am Concertgebouw Amsterdam.

2011 debütierte sie in der Titelpartie von Strauss’ Salome an der Wiener Volksoper. Seither hat sie die Partie höchst erfolgreich an verschiedenen Theatern verkörpert: im brasilianischen Sa?o Paulo und Bélèm, in Moskau, Hong Kong und zuletzt im November 2014 am Teatro San Carlo in Neapel.

2012 ersang sie sich einen triumphalen Erfolg bei ihrem Großbritannien-Debüt an der Opera North in der Titelpartie von Bellinis Norma. Für ihre Interpretation der Titelheldin in dieser mit dem TMA-Award ausgezeichneten Produktion, wurde sie als Sängerin des Jahres 2012 von dem Opernmagazin „Opernwelt“ nominiert. Sie bekam auch eine Nominierung von den „International Opera Oscars“.

Mit derselben Norma-Produktion gab sie 2014 in Chemnitz ihr vom Publikum und der Presse umjubeltes Deutschland-Debüt in dieser Partie.

Wichtige Auftritte der vergangenen Spielzeiten waren Madama Butterfly, Luisa Miller und Tosca in Stuttgart, Manon Lescaut in Leipzig, Agrippina in Frankfurt, Andrea Chenier bei Opera North -GB, Madama Butterfly und Tosca in Dortmund, Tosca in Wiesbaden, La Clemenza di Tito in Stockholm und Opera North, Norma in Amsterdam, Madama Butterfly und Die Fledermaus in Essen, Rusalka, Don Giovanni an der Opera Zuid und Don Giovanni und Figaros Hochzeit in Paris und an der National Oper Zagreb. Am GM-Opera Festival in den USA wurde sie eingeladen ihr Amerika-Debüt als Madama Butterfly zu geben.

2012 sang Annemarie Kremer in Amsterdam für die Königin der Niederlande ein umjubeltes Konzert, welches live im Fernsehen übertragen wurde. In ihre Heimat beliebt, tritt Annemarie regelmäßig im Concertgebouw – Amsterdam auf. Sie sang dort bereits Konzert,- und Opernrepertoire von u. a Ligeti, Verdi, Martin, Händel, Beethoven, Mozart, Schulhoff, u. a Don Giovanni, I Lombardi, Le Grand Macabre, Die Fledermaus, Flammen, Die lustige Witwe und Agrippina.

Annemarie Kremer hat mehrere CDs aufgenommen: Repertoire von Mozart (Konzert-Arien, Messen, Geistliche Werke), Mendelssohn und Beethovens 9. Symphonie; auf DVD liegt Agrippina vor.


HEIKO BÖRNER TRISTAN

Heiko Börner debütierte nach privaten Gesangsstudien und Engagements in den Opernchören der Theater Lübeck und Frankfurt im Jahr 2002 am Nordharzer Städtebundtheater in Halberstadt als lyrischer Tenor und war anschließend von 2004 bis 2008 am Mainfrankentheater in Würzburg engagiert. Hier sang er im italienischen, französischen und deutschen Fach ein breites Repertoire, das sich seit seinem Einstieg in die freiberufliche Karriere 2008 zunehmend auf die Gestaltung von Partien des Heldentenorfachs konzentriert.
Zu seinem aktuellen Repertoire zählen unter anderem die Titelpartien in Wagners Tannhäuser und Lohengrin, der Walther von Stolzing aus Die Meistersinger von Nürnberg, Erik in Der Fliegende Holländer, Webers Max im Freischütz, Puccinis Cavaradossi in Tosca und die Titelpartie in Verdis Otello.
Am Landestheater Linz gab er sein Rollendebut als Kaiser in Richard Strauss‘ Die Frau ohne Schatten.

—| Pressemeldung Landestheater Linz |—

Baden – Baden, Festspielhaus – Osterfestspiele 2018, Parsifal von Richard Wagner, IOCO Kritik, 03.04.2018

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Parsifal von Richard Wagner

Glanzvoller Abschied in Grau

Von Uschi Reifenberg

Mit Richard Wagners Weltabschiedswerk, dem Bühnenweihfestspiel Parsifal, nahm auch Sir Simon Rattle, scheidender Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Abschied von den Osterfestspielen Baden-Baden. Sechs Jahre lang verwandelten der Stardirigent und das Weltklasse Orchester alljährlich zur Osterzeit die Stadt an der Oos in ein glanzvolles Mekka für Festivalbesucher aus aller Welt. Einmalig an den Osterfestspielen in Baden-Baden ist, dass die Berliner Philharmoniker über eine Woche lang quasi omnipräsent in vielfältigsten Besetzungen an unterschiedlichen Spielorten die ganze Stadt bespielen und in Kammermusikbesetzungen, Kinderoper, Sinfoniekonzerten oder großer Oper zu hören sind.

Wagners letztes Werk, sein „Opus summum“ und wohl auch sein vielfältigstes und rätselhaftestes, ist ein einzigartiges Konglomerat aus philosophischen, weltanschaulichen und religiösen Thesen und in seiner Vieldeutigkeit durchlässig für die unterschiedlichsten Deutungen.Die Welt in ihrer existenziellen Ausweglosigkeit wird geschildert mit Fragen zu Leid, Vergänglichkeit, Tod, aber auch zu Erneuerung und Erlösung, Wagners Lebensthema.

Nach Wagners Auffassung hatte die Religion ihre Funktion in der säkularisierten Gesellschaft des 19. Jahrhunderts eingebüßt und nun sollte an ihre Stelle die Kunst treten, um die metaphysischen Bedürfnisse als Sinn- und Deutungslieferant zu bedienen. Wagner schreibt 1880: „Man könnte sagen, dass da, wo die Religion künstlich wird, der Kunst es vorbehalten ist, den Kern der Religion zu retten…“ Wagner als Religionsstifter und Parsifal als Kunstwerk, das die erlösungsbedürftige Menschheit zu erneuern im Stande wäre. 1882 wurde der Parsifal im Bayreuther Festspielhaus uraufgeführt. Wagner verfügte, dass sein Werk nur dort zur Aufführung kommen sollte. 30 Jahre lang sollte es auch so sein.

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal - hier: Stephen Gould als Parsifal und Ruxandra Donose als Kundry © Monika Rittershaus

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal – hier: Stephen Gould als Parsifal und Ruxandra Donose als Kundry © Monika Rittershaus

Der verdeckte Orchestergraben, der sogenannte “mystische Abgrund“, erzeugt jenen einzigartigen Mischklang, der nur in Bayreuth zu erleben ist und für welchen Wagner den Parsifal geschaffen hat. Im Festspielhaus Baden-Baden, dem größten Opern- und Konzerthaus Deutschlands, gelingt Sir Simon Rattle auch ohne verdeckten Orchestergraben ein Klangwunder der besonderen Art. Sir Simon näherte sich – wie er in einem Interview erwähnte – der Parsifal Partitur sozusagen retrospektiv aus der Sicht des Komponisten Claude Debussy, der sich, gemäß dem traditionellen Tonsatz, ein Orchester ohne Bass- Fundament wünschte.

Klanggemälde, befreit von jeder Erdenschwere

Gleichsam gelingt dem Dirigenten und seinem Orchester ein impressionistisches Klanggemälde, befreit von jeder Erdenschwere, weich strömend und mit sensibelster Ausbalancierung. Samtige Streicherklänge, ätherische Holzbläsersoli scheinen aus dem Nichts zu entstehen und sich wieder zu verflüchtigen, Linien bis in feinste Verästelungen durchgehört. Transparenz und kammermusikalische Ausformung sind Rattles besonderes Anliegen. Manchmal scheint die Musik aber auf der Stelle zu treten und man hätte sich mehr Stringenz und Zielorientiertheit, mehr dramatischen Zugriff und Auskostung der wagnerischen Höhepunkte gewünscht.

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal - hier: Franz-Josef Selig als Gurnemanz © Monika Rittershaus

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal – hier: Franz-Josef Selig als Gurnemanz © Monika Rittershaus

Für die Inszenierung konnte die 82-jährige Regie-Legende Dieter Dorn gewonnen werden. Der mit Preisen hochdekorierte, ehemalige Intendant der Münchner Kammerspiele, inszenierte bereits 1990 in Bayreuth (Der fliegende Holländer), 1993 an der MET ( Tristan und Isolde) und 2014 in Genf ( Der Ring des Nibelungen). Dieter Dorn bleibt mit seiner Parsifal Inszenierung nah am Text und erzählt die Geschichte linear als eine zeitlose Parabel, ohne ihr gewaltsam eine Deutung aufzuzwingen, aber auch, ohne Antworten zu geben. Im Zentrum der Handlung steht für ihn Kundry, Wagners ambivalenteste Frauenfigur, die schon während des Vorspiels einsam am Boden kauert. Als ihr von seltsamen Gestalten verschiedene weibliche Requisiten angeboten werden, Symbole für unterschiedlichste Identitäten, lehnt sie ab. Am Ende bleibt sie als Einzige vor dem geschlossenen Vorhang zurück und blickt fragend ins Publikum. Gefangen im ewigen Kreislauf, ausgesperrt und auf Erlösung hoffend?

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Für das Gralsgebiet im 1. und 3. Akt finden Dieter Dorn und seine Bühnenbildnerin Magdalena Gut einen offenen, werkstattartigen Raum, der an eine Probebühne erinnert, in welcher riesige Holzplatten und Rampen aufgebaut sind. Auf den Holzplatten sind skizzierte Landschaften zu erkennen, sie werden von gesichtslosen Gestalten in grauen, zerlumpten Gewändern (Kostüme: Monika Staykova), hin- und hergeschoben.
Die vorherrschende Farbe für alle 3 Akte ist grau in verschiedenen Abstufungen (Lichtregie: Tobias Löffler). Die Gralsgemeinschaft scheint eine Gesellschaft der Kraftlosen, Ziellosen zu sein, in Auflösung begriffen, unfähig zur Erneuerung, in Beckettscher Manier in der ewigen Wiederkehr des Gleichen verharrend. Ein schöner Regieeinfall ist der Tod des textgetreu auftretenden Schwanenpaares, der, vom sich ins Gralsgebiet verirrenden, unwissenden, reinen Toren Parsifal absichtsvoll verursacht wird.

Für die Gralsenthüllung im 1. Akt werden die Holzgerüste zu einer Art Theater- Zuschauergalerie zusammengeschoben, auf welcher die Gralsritter wie Theaterbesucher Platz nehmen und der qualvollen Zeremonie des leidenden Amfortas unbeteiligt beiwohnen. Der Gral ist ein strahlend weiß leuchtender Kelch, der in einem Holzschränkchen hereingetragen wird. Anschließend werden Brot und Wein verteilt wie bei einer Armenspeisung. Das Zauberschloss im 2. Akt wird dargestellt durch riesige Zinnen, auf welchen Klingsor in eine weiße Kristallkugel starrt. Dieses Tableau ist in blaues Licht getaucht und lässt kurzzeitig Raum für Magie und Mystik. Die Blumenmädchen mit ihren grell bunten Blumen Accessoires – der einzige Farb Lichtblick dieser Inszenierung – werden nun wieder von der Einheitsfarbe grau kontrastiert. Kundry versucht als blonde Diva in weiß Parsifal zu verführen, der Speerwurf Klingsors wird durch einen gelungenen Lichteffekt in Szene gesetzt.

Im 3. Akt befinden wir uns wieder im Werkstatt Provisorium, in welchem nun die Holzgerüste genauso beschädigt wirken wie die Bewohner und von diesen noch ziel- und planloser hin und her geschoben werden. Gurnemanz, nun lemurenhaft- gespenstisch wirkend, holt Kundry ins Leben zurück, indem er sich ihr erotisch nähert. Parsifal findet als schwarzer Ritter in voller Rüstung zurück ins Gralsgebiet und der Karfreitagszauber erblüht lediglich im Orchestergraben, vom Schnürboden weiße Papierschnipsel herunterwehen und von Erneuerung und Erlösung künden. Die Zusammenführung von Speer und Kelch, Amfortas‘ Heilung und Parsifals Enthüllung des Grals als neuer Heilsbringer, kann die Gralsgemeinschaft aber scheinbar nicht in jene Zukunft führen, die der in ihren Grundfesten erstarrten Gesellschaft die erlösende Erneuerung bringen könnte.

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal - hier: Gerald Finley als Amfortas © Monika Rittershaus

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal – hier: Gerald Finley als Amfortas © Monika Rittershaus

Gesungen wird in dieser Produktion wie erwartet auf hohem Niveau. Franz – Josef Selig ist ein Bilderbuch Gurnemanz mit hell timbriertem, in allen Lagen ausgeglichenem Bass, idealer Textverständichkeit und ohne Ermüdungserscheinungen. Zeigt er sich im 1. Akt noch als viril-jugendlicher Lehrmeister, so findet er im 3.Akt zu jenem schmerzvoll- resignativen Weltwissen, das den reifen Wagner Helden Ihre jeweils ureigene Prägung verleiht. Steven Gould, einer der besten Wagner Tenöre unserer Zeit, präsentiert sich in der Rolle des Parsifal in Bestform. Als jugendlich- naiver reiner Tor bis zum mitleidvoll- Wissenden schlägt er einen glaubhaften Entwicklungsbogen und lässt die große Erweckungsszene im 2. Akt mit heldischer Strahlkraft und erschütternder Intensität zu einem Höhepunkt werden. Die Figur der Kundry – Wagners komplexe Frauengestalt- wird von Ruxandra Donose in der Herzeleide-Erzählung mit schönem lyrischen Timbre und feinen Legatobögen versehen. Die dämonisch-zwielichtige Seite, die Zerrissenheit dieser erlösungssüchtigen Verführerin bleibt Donose in ihrer Interpretation allerdings schuldig.
Evgeny Nikitin im Rocker Outfit ist als bezopfter Klingsor eine Idealerscheinung. Mit schneidender Diktion und stählernem Bariton versprüht er jede Menge Dämonie und lässt an stimmlicher Ausstrahlung nichts zu wünschen übrig. Gerald Finley als Amfortas ist in der Darstellung seines Leidens ein idealer Schmerzensmann mit exemplarischer Textausdeutung und perfekter Phrasierung. In seiner großen Klage im 1. Akt kann er allerdings mit seinen Erbarmen- Rufen wenig Mitleid hervorrufen.

Robert Lloyd als siecher Gralskönig Titurel ist mit immer noch mächtigem Bass eine Idealbesetzung und die perfekt ausbalancierten und herrlich singenden Blumenmädchen sind eine pure Freude. Der Philharmonia Chor Wien (Leitung: Walter Zeh) wartet mit mächtiger Klangkultur auf.

Das Publikum spendete begeistert Beifall und stehende Ovationen nach dieser letzten Parsifal Vorstellung, vor allem für Orchester und Dirigent und freut sich auf ein Wiedersehen mit den Berliner Philarmonikern im nächsten Jahr.

—| IOCO Kritik Festspielhaus Baden-Baden |—

Landshut, Landestheater Niederbayern, Premiere Tristan und Isolde von Richard Wagner, 08.04.2016

Landshut / Theaterzelt © Peter Litvai - Landestheater Niederbayern

Landshut / Theaterzelt © Peter Litvai – Landestheater Niederbayern

Landestheater Niederbayern

Niederbayerische Erstaufführung: Tristan und Isolde von Richard Wagner
Große Premiere in kleiner Ersatzspielstätte

Zum ersten Mal und über 150 Jahre nach der Uraufführung ist Richard Wagners epochales Werk Tristan und Isolde auf den Bühnen Niederbayerns zu sehen. 441 Besucher werden am 8. April 2016 die Premiere im provisorischen Theaterzelt (Bild) das niederbayerische Ereignis verfolgen. Die Hauptspielstätte, das Stadttheater Landshut,  bleibt bis Herbst 2019 wegen Sanierung geschlossen.

Landshut / Theaterzelt - Innen © Peter Litvai - Landestheater Niederbayern

Landshut / Theaterzelt – Innen © Peter Litvai – Landestheater Niederbayern

Eine gigantische Kraft bindet Tristan und Isolde aneinander. Ein Blick – und bedingungslose Liebe entbrennt zwischen ihnen. Eine ungeheure musikalische Sogwirkung entfaltet dazu die Musik Wagners. Sie strebt permanent zu einem tonalen Zentrum hin, erreicht es aber nie. Dadurch entsteht eine Spannung, die erst ganz am Schluss, im sogenannten „Liebestod“, aufgelöst wird. Ein Vorbote der Moderne: Indem Wagner alles Beiwerk reduziert, erfährt die Handlung eine Ausweitung nach innen, die Musik dringt in die Tiefen des Unterbewusstseins vor.

Landshut / Tristan und Isolde © Peter Litvai - Landestheater Niederbayern

Landshut / Tristan und Isolde © Peter Litvai – Landestheater Niederbayern

 In der unerbittlich hellen Welt der Konventionen und Bedingungen können Tristan und Isolde ihre Liebe nicht leben. Erst im Angesicht des Todes, als sie vom vermeintlichen Todestrank trinken, gestehen sie sich ihre Gefühle ein und verschließen fortan die Augen vor dem nüchternen Tag: Sie flüchten in die Welt der Nacht. Nichts weniger als die Überwindung unserer Welt und der Aufbruch in einen transzendentalen Raum der Erleuchtung und Liebe ist ihr Ziel. Intendant und Regisseur Stefan Tilch deutet die Geschichte spirituell-affirmativ: „Tristan und Isolde schaffen es, Tag und Nacht zu umarmen. Es ist eine Geschichte mit Happy End.“

Für dieses überwältigende Musikdrama konnte das Landestheater Niederbayern hochkarätige Sänger verpflichten: Annette Seitgen (Isolde), Hans-Georg Wimmer (Tristan), Anne-Theresa Möller (Brangäne), Peter Tilch (Kurwenal), Stephan Bootz (König Marke), Christos Kechris (Hirte/Seemann), Albertus Engelbrecht (Seemann/Melot) und Kyung Chung Kim (Steuermann). Die Bühne gestaltet Karlheinz Beer, die Kostüme Ursula Beutler. Es spielt die Niederbayerische Philharmonie unter GMD Basil H. E. Coleman.

Tristan und Isolde – Alle Vorstellungen:
Landshut: 08.04.2016, 10.04.2016, 30.04.2016, 05.05.2016, 26.05.2016
Passau: 10.04.2016, 14.04.2016, 16.04.2016, 20.05.2016, 22.05.2016
Straubing: 26.04.2016,

Premiere im Landshuter Theaterzelt ist am Freitag, den 8. April 2016 um 18.00 Uhr.

—| Pressemeldung Landestheater Niederbayern |—