Frankfurt, Oper Frankfurt, IDOMENEO – Wolfgang Amadeus Mozart, 31.08.2019

August 27, 2019 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

  IDOMENEO – Wolfgang Amadeus Mozart

Wiederaufnahme: Samstag, 31. August 2019, 19.00 Uhr, weitere Vorstellungen: 7., 15. 27. September 2019

Mit Idomeneo von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) gab Jan Philipp Gloger, mittlerweile Schauspieldirektor am Staatstheater Nürnberg, sein Hausdebüt an der Oper Frankfurt. Nach der Mozart-Premiere am 17. März 2013 konnte man in der Neuen Musikzeitung (www.nmz.de) lesen: „Uneingeschränkter Jubel für den Mythos von Gestern und seine bestürzende Gültigkeit für Heute.“ Wie Krieg und der Wille zur Macht das Handeln von Menschen beeinflussen, kann man in Glogers Inszenierung besonders an der Titelfigur exemplarisch beobachten.

Oper Frankfurt / Idomeneo - Idomeneo und Neptun © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Idomeneo – Idomeneo und Neptun © Barbara Aumüller

Idomeneo, König von Kreta, entkommt auf seiner Rückkehr aus dem Trojanischen Krieg nur knapp einem Seesturm, indem er in seiner Not dem Meeresgott Poseidon ein Opfer verspricht: Der erste Mensch, dem er am Strand begegnet, soll für seine Errettung sterben. Das Schicksal will es, dass ihm ausgerechnet sein eigener Sohn Idamante freudig entgegentritt. Der zwischen zwei Frauen – der trojanischen Prinzessin Ilia und Agamemnons Tochter Elektra – stehende, unwissende junge Mann kann sich die Ablehnung des unglücklichen Vaters nicht erklären. Erst nachdem er von dem Schwur erfährt, beginnt er zu verstehen. Als Poseidon ein Meeresungeheuer schickt und damit auf Erfüllung des Eides drängt, ist Idamante bereit, für sein Volk zu sterben. Daraufhin hat der Gott ein Einsehen. Dessen Forderung, Idamante den Thron zu überlassen, gibt Idomeneo nach – das Volk ist gerettet.

Die zweite Wiederaufnahme der Produktion aus der Spielzeit 2012/13 wartet mit einer Reihe von Neubesetzungen auf: Dirigent Rasmus Baumann ist seit 2014 Generalmusikdirektor am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen und war hier zuletzt 2017/18 für die Wiederaufnahme von Barbers Vanessa zu Gast. Die Titelpartie des Idomeneo übernimmt der junge deutsche Tenor Attilio Glaser, seit 2016 Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin. An der Oper Frankfurt debütierte er 2017/18 als Massenets Werther und wird im April 2020 als Wilhelm Meister in Ambroise Thomas’ Mignon (konzertant) hierher zurückkehren. Alle weiteren Neubesetzungen stammen aus dem Ensemble sowie dem Opernstudio der Oper Frankfurt:

Idomeneo – Einführung in die Frankfurter Produktion
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Die amerikanische Mezzosopranistin Cecelia Hall (Idamante) verkörperte hier kürzlich Marguerite in Berlioz’ La Damnation de Faust, während die aus Rumänien stammende Sopranistin Florina Ilie (Ilia) u.a. als Valencienne in Lehárs Die lustige Witwe zu erleben war. Ambur Braid (Elektra) erstaunte kürzlich mit den halsbrecherischen Koloraturen der Scintilla in Madernas Satyricon im Bockenheimer Depot. (link HIER!) Im März 2020 wird die kanadische Sopranistin Strauss’ Salome im Rahmen einer Frankfurter Neuproduktion verkörpern. Der amerikanische Tenor Michael Porter (Arbace) gab jüngst seinen ersten Liederabend im Rahmen der hochkarätig besetzen Reihe der Oper Frankfurt. Sein Landsmann Michael McCown (Oberpriester des Neptun) war kürzlich Mastro Trabuco in Verdis La forza del destino. Der südkoreanische Bass Kihwan Sim singt in der ersten Vorstellung der Serie am 31. August 2019 Die Stimme, anschließend übernimmt diese Partie sein österreichisch-neuseeländischer Fachkollege Anthony Robin Schneider.

Musikalische Leitung: Rasmus Baumann, Inszenierung: Jan Philipp Gloger, Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Caterina Panti Liberovici, Bühnenbild: Franziska Bornkamm
Kostüme: Karin Jud, Licht: Jan Hartmann, Chor: Tilman Michael, Dramaturgie: Zsolt Horpácsy

Idomeneo: Attilio Glaser, Idamante: Cecelia Hall, Ilia: Florina Ilie, Elektra: Ambur Braid
Arbace: Michael Porter, Oberpriester des Neptun: Michael McCown, Die Stimme: Kihwan Sim / Anthony Robin Schneider, Neptun: Volodymyr Mykhatskyi, Chor und Statisterie der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Idomeneo Wiederaufnahme: Samstag, 31. August 2019, 19.00 Uhr, weitere Vorstellungen: 7., 15. 27. September 2019

(Oper für Familien, 18.00 Uhr; pro Erwachsenen-Kaufkarte maximal drei Tickets für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre gratis, empfohlen ab 8 Jahren), 22. (18.00 Uhr), 27. September 2019 Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.00 Uhr

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Wiederaufnahme FAUSTS VERDAMMNIS, Juni 2019

Juni 18, 2019 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Zweite und letzte Wiederaufnahme
LA DAMNATION DE FAUST (FAUSTS VERDAMMNIS)

Légende-dramatique in vier Teilen von Hector Berlioz
Text von Hector Berlioz und Almire Gandonnière
nach Faust. Der Tragödie erster Teil (1806) von Johann Wolfgang von Goethe
in der französischen Übersetzung (1828) von Gérard de Nerval
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung: Roland Böer
Inszenierung: Harry Kupfer
Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Nina Brazier
Bühnenbild: Hans Schavernoch
Kostüme: Yan Tax
Licht: Joachim Klein
Video: Peer Engelbracht / impulskontrolle
Chor und Extrachor: Tilman Michael
Dramaturgie: Norbert Abels
Faust: Giorgio Berrugi
Méphistophélès: Kihwan Sim
Brander: Brandon Cedel
Marguerite: Cecelia Hall u.a.
Chor, Extrachor und Statisterie der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS - Ensemble © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS – Ensemble © Barbara Aumüller

Fausts Verdammnis von Hector Berlioz (1803-1869) in der Inszenierung von Regie-Altmeister Harry Kupfer war die letzte Neuproduktion im Opernhaus der Spielzeit 2009/10. Ein Volltreffer, da waren sich Publikum und Presse einig. So konnte man in der FAZ lesen: „Die Aufführung wirkt (…) ungemein theatralisch lebendig, spannungsvoll, bildkräftig und farbenreich.“ Der Kritiker der Frankfurter Rundschau attestierte: „Harry Kupfer als kluger, sprudelnder, trickreicher Bühnenerzähler.“ Und der Radioberichterstatter des SWR2 schloss seine Rezension folgendermaßen: „Das war unterm Strich Musiktheater voller Saft und Kraft, mit opulentem Bühnenbild, spektakulären Effekten und klarer, stimmiger Symbolik. Altmeister Harry Kupfer mit seinen nun fast 75 Jahren [im Jahre 2010, Anm. d. Red.] präsentiert sich in beeindruckender Weise auf der Höhe seiner Regie-Kunst.“

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS - Kihwan Sim (Méphistophélès; mit roten Handschuhen) und Giorgio Berrugi (Faust) sowie im Hintergrund Ensemble © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS – Kihwan Sim (Méphistophélès; mit roten Handschuhen) und Giorgio Berrugi (Faust) sowie im Hintergrund Ensemble © Barbara Aumüller

Die Handlung folgt bis auf den Schluss der von Goethe stammenden literarischen Vorlage: Faust ist des Lebens überdrüssig und sehnt sich nach innerem Frieden. Méphistophélès verspricht ihm ewige Jugend und die Erfüllung all seiner Wünsche, zudem weckt er Fausts Verlangen nach Marguerite. Die junge Frau träumte kürzlich von einem Geliebten. Wieder glaubt sie zu träumen, als Faust erscheint und sie sich ihm hingibt. Als er von den Nachbarn entdeckt wird, ergreift er die Flucht. Méphistophélès hat den Tod von Marguerites Mutter verschuldet, sie selbst soll dafür mit dem Tode büßen. Faust fleht Méphistophélès an, das Mädchen zu retten. Umsonst – die beiden Männer fahren zur Hölle, Marguerites Musik aber spricht nicht von Verdammung…

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS - Brandon Cedel (Brander; auf dem Tisch sitzend) mit Herrenchor der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS – Brandon Cedel (Brander; auf dem Tisch sitzend) mit Herrenchor der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Die musikalische Leitung dieser zweiten und letzten Wiederaufnahme hat mit Roland Böer kein Unbekannter an der Oper Frankfurt inne. Ihr war er anfangs als Solorepetitor und von 2002 bis 2008 als Kapellmeister verbunden. Roland Böer ist seit 2009 musikalischer Leiter und seit 2015 auch Künstlerischer Direktor des Cantiere Internazionale d’Arte di Montepulciano. Ab der Spielzeit 2018/19 wird er für drei Jahre Erster Gastdirigent des Mikhailovsky-Theaters in Sankt Petersburg sein. Auch die übrige Besetzungsliste verzeichnet neue Namen: Der italienische Tenor Giorgio Berrugi gibt sein Hausdebüt als Faust. Von 2010 bis 2013 war er Ensemblemitglied an der Dresdner Semperoper. Seither ist er freiberuflich tätig, und zu seinen aktuellen Verpflichtungen gehören Alfred in Strauß’ Die Fledermaus an der Mailänder Scala, Cavaradossi in Puccinis Tosca in Rom, Rodolfo in Puccinis La Bohème in Neapel und Alfredo in Verdis La Traviata in Chicago. Alle weiteren Künstler*innen gehören zum festen Sängerstamm der Oper Frankfurt: Der südkoreanische Bassbariton Kihwan Sim (Méphistophélès) zählt seit 2012/13 zum Frankfurter Ensemble. Hier war er kürzlich erneut als Escamillo in Bizets Carmen zu erleben und gastierte zuvor als Masetto in Mozarts Don Giovanni an der New Yorker Metropolitan Opera – dies übrigens im Wechsel mit Brandon Cedel (Brander). Zu den Plänen dieses US-amerikanischen Bassbaritons gehören u.a. Argante in Händels Rinaldo beim Glyndebourne Festival und Basilio in Rossinis Il barbiere di Siviglia in Toronto. Wie Brandon Cedel gehört auch seine Landsfrau, die Mezzosopranistin Cecelia Hall (Marguerite), seit 2016/17 zum Frankfurter Ensemble. Sie war hier zuletzt u.a. als Humperdincks Hänsel und Mozarts Cherubino zu erleben.

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS - Cecelia Hall (Marguerite) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS – Cecelia Hall (Marguerite) © Barbara Aumüller

Wiederaufnahme: Sonntag, 16. Juni 2019, um 19.30 Uhr im Opernhaus

Weitere Vorstellungen: 21. (Oper für Familien; pro Erwachsenen-Kaufkarte maximal drei Tickets für Kinder
und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre gratis, empfohlen ab 8 Jahren), 26.,
30. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren) Juni 2019
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Norma – Vincenzo Bellini, 07.06.2019

Juni 6, 2019 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

NORMA  –  Vincenzo Bellini

Text Felice Romani,  nach Norma ou L’Infanticide (1831) von Alexandre Soumet

Wiederaufnahme 7. Juni 2019

Nachdem die Übernahme einer Koproduktion der Norma von Vincenzo Bellini (1801-1835) mit Den Norske Opera & Ballet in Oslo aus künstlerischen Gründen nicht zustande kam, sprang der renommierte Regisseur Christof Loy kurzfristig ein, um seine Sicht auf das Meisterwerk Norma in Frankfurt zu realisieren.

Norma   –   Vincenzo Bellini
youtube Trailer der Oper Frankfurt zur Premiere 2018
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Wenngleich sich Christof Loy schon lange Gedanken zu dieser Oper gemacht hatte, kam es bisher nie zu einer Umsetzung. Dann aber war die Begeisterung bei Publikum und Presse groß. So urteilte etwa die Radiokritikerin von SWR2 nach der Premiere am 10. Juni 2018: „Solche tragischen Zwischentöne zu erzählen, ist typisch für den Bühnenpsychologen Christof Loy. Er hat Bellinis pompösen ‚Gallier gegen Römer‘-Stoff auf seinen Kern reduziert – und bietet in Frankfurt zeitlos-packende Kammerspiele statt archaische Druidenkult- und Römer-Helm-Klischees.“

Ganz sicherlich war der Erfolg auch der Besetzung der Titelpartie mit dem ehemaligen Frankfurter Ensemblemitglied Elza van den Heever geschuldet, auf die Loy sein Konzept zugeschnitten hatte. „Die rückhaltlose Art, mit der sich die südafrikanische Sopranistin Elza van den Heever auf die ambivalente Rolle der gallischen Druidenpriesterin einlässt, versetzt das Publikum in Ekstase. (…) Beinahe demütig wird man Zeuge, wie auf der Frankfurter Bühne eine Sängerin in ihrer Menschendarstellung über sich selbst hinauswächst und das scharf umrissene Porträt einer nervlich zerrütteten Frau zeichnet (…)“ Diese wahre Hymne war in der Frankfurter Neuen Presse zu lesen. Deshalb ist es äußerst erfreulich, dass nicht nur der premierenbewährte Tenor Stefano La Colla als Pollione, sondern auch Elza van den Heever in der Titelpartie für die erste Wiederaufnahme der Produktion aus 2017/18 nach Frankfurt zurückkehren.

Oper Frankfurt / Norma - rechts Elza van den Heever (Norma) mit ihren Kindern sowie links Julia Moorman (Clotilde) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Norma – rechts Elza van den Heever (Norma) mit ihren Kindern sowie links Julia Moorman (Clotilde) © Barbara Aumüller

Im von Rom besetzten Gallien unterhält die Druidenpriesterin Norma eine geheime Liebesbeziehung zum feindlichen Prokonsul Pollione, dem Vater ihrer beiden Kinder. Als sich der Soldat jedoch in die junge Priesterin Adalgisa verliebt, ist Norma am Boden zerstört. Der Versuch ihrer schuldlosen Rivalin, die beiden Kontrahenten zu versöhnen, misslingt. Norma schwört Rache und ruft ihr Volk zum Kampf gegen die Römer auf. Dem inzwischen gefangengenommenen Pollione droht der Tod. Norma erklärt, dass eine Priesterin ihren Eid gebrochen habe und zusammen mit dem Römer sterben soll. Nach einigem Zögern gibt sie sich selbst als die Frevlerin zu erkennen. Gemeinsam mit Pollione, dessen Liebe zu ihr neu erwacht ist, besteigt sie den Scheiterhaufen.

Oper Frankfurt / Norma - Elza van den Heever (Norma)) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Norma – Elza van den Heever (Norma)) © Barbara Aumüller

Die musikalische Leitung der Wiederaufnahme übernimmt der italienische Dirigent Giacomo Sagripanti, der sich an der Oper Frankfurt 2015/16 mit der Wiederaufnahme von Rossinis Die diebische Elster vorstellte. Regelmäßig gastiert er u.a. an der Deutschen Oper Berlin und der Opéra National de Paris sowie den Staatsopern von München und Wien. Norma dirigiert er bald auch an der Staatsoper Stuttgart. Die deutsche Mezzosopranistin Dshamilja Kaiser (Adalgisa) zählt seit 2009/10 zum Ensemble der Oper Graz, wo sie – neben den Opernhäusern von Riga und Oslo – diese Partie bereits verkörperte. Der amerikanische Bass James Creswell (Oroveso) sprang in Frankfurt 2006/07 als Sarastro in Mozarts Die Zauberflöte ein und kehrte in der Saison darauf als Rocco in Beethovens Fidelio zurück. Aktuelle Engagements nimmt er an den Opernhäusern von Madrid, Amsterdam und San Francisco sowie auch an der New Yorker Metropolitan Opera wahr. Die Sopranistin Julia Moorman (Clotilde) und der Tenor Matthew Swensen (Flavio) stammen beide aus den USA und sind Mitglieder des Opernstudios bzw. des Ensembles der Oper Frankfurt.

Oper Frankfurt / Norma - Dshamilja Kaiser (Adalgisa) und Stefano La Colla (Pollione) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Norma – Dshamilja Kaiser (Adalgisa) und Stefano La Colla (Pollione) © Barbara Aumüller

Wiederaufnahme: Freitag, 7. Juni 2019 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen: 17., 20., 23. (18.00 Uhr), 28. Juni 2019, Falls nicht anders angegeben, Beginn  19.30 Uhr

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Der ferne Klang – Franz Schreker, IOCO Kritik, 30.04.2019

April 30, 2019 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Der ferne Klang  –   Franz Schreker

– Fritz, ein junger Mann, bricht auf, einen „fernen Klang“ zu finden –

von Ljerka Oreskovic Herrmann

Franz Schrekers Oper Der ferne Klang erlebte seine Uraufführung 1912 in der Frankfurter Oper. Heute heißt dieses Gebäude Alte Oper, war aber bis zum Ende des 2. Weltkriegs das Opernhaus der Stadt Frankfurt. Fast die Hälfte von Schrekers zehn Opernwerken gelangte in der Mainmetropole zur Uraufführung. Die Wiederentdeckung von „Schrecker“ – so Schrekers bei Geburt – verdankt sich insbesondere dem vor kurzen verstorbenen Dirigenten Michael Gielen (1927-2019). Ihm ist diese Aufführung gewidmet, denn er war einer der prägendsten GMDs der Nachkriegsgeschichte. Von 1977 bis 1987 wirkte Gielen in Frankfurt und hat Maßstäbe gesetzt.

Der ferne Klang  –  Franz Schreker
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Insofern kam wohl bei dem einen oder der anderen im Premierenpublikum eine gewisse Wehmut auf, die allerdings verflog, denn das, was aus dem Orchestergraben ertönte und auf der Bühne zu sehen war, überwältigte vollkommen. Gebannt und gefangen von diesem Werk, von der ersten bis zur letzten Sekunde. Schreker hat das Libretto – mit autobiografischen Bezügen – selbst verfasst, so dass sich alles fügte und zusammen gehörte. Und auch die Inszenierung war aus einem Guss. Damiano Michieletto, der Regisseur, und seinem Team (Bühnenbild: Paolo Fantin, Kostüme: Klaus Bruns, Licht: Alessandro Carletti, Video: Roland Horvath und Carmen Zimmermann, rocafilm) ist eine kongeniale Umsetzung der Musik ins Szenische gelungen: Wir sehen, was wir hören und wir hören, was wir sehen.

Die Geschichte selbst beginnt mit der Sehnsucht eines jungen Mannes namens Fritz, einen „fernen Klang“ zu finden und letztlich als Künstler zu reüssieren. Dabei bleibt seine „Liebe“, Grete Graumann, zurück, seine Kunstsuche geschieht zu ihren Lasten. Schreker erzählt ihr Leben als eine einzige Abwärtsspirale, ihre Liebe wird davon aber nie berührt oder gar zerstört werden. Von Fritz verlassen, versucht Grete – wohl nicht ohne Hintersinn an Fausts Margarete erinnernd –, ihrem tieftraurigen Elternhaus zu entkommen und ihn zu finden. Gefunden wird sie allerdings von einem alten Weib, das ein zwielichtiges Haus auf einer Insel bei Venedig betreibt und sie als Edelkurtisane ausstattet.

Oper Frankfurt / Der ferne Klang - hier : Ian Koziara als Fritz, Jennifer Holloway als Grete Graumann © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Der ferne Klang – hier : Ian Koziara als Fritz, Jennifer Holloway als Grete Graumann © Barbara Aumueller

Mit einfachen, dafür um so berückenden Mitteln erzeugt Michieletto Räume, Situationen und Stimmungen. Schleierartige Vorhänge gehen auf, erzeugen neue Räumlichkeiten, erzählen eine weitere Geschichte oder Verweisen auf Zukünftiges. Seelenräumen gleich, die alle durchlaufen werden müssen. Die Harfe, die materielle Verkörperung einer nicht greifbaren Empfindung, der Musik eben, schwebt immer wieder von oben herunter – doch dieser ferne Klang“ kann nicht eingefangen werden, und wenn es gelingen sollte, dann ist es der ferne (und doch hörbare) Klang des Endes. ‚Die Harfe’ wird auch Fritz’ letztes Werk heißen.

Schon am Anfang ist die unberührte und ahnungslose Grete mit der alten Margarete konfrontiert, aber sie begegnen sich eher wie Wesen nicht von dieser Welt. Umso brutaler ist dann die Realität. Der Vater, ein Trinker, „verspielt“ seine Tochter an den Wirt des Gasthauses „Zum Schwan“. Grete, die ihrer einst patenten, nun recht hilflosen Mutter nichts vom Ring, den sie zum Abschied von Fritz erhalten hatte, erzählt, sieht sich einer „Heirat“ gegenüber, der sie um jeden Preis entfliehen will. Und so landet sie auf der Insel, im verruchten „La casa di maschere“, wo das Leben ach so bunt, glamourös und ein leichtes ist. Mitnichten, denn Fritz, den sie hier zum ersten Mal nach ihrer Trennung wiedersieht, weist sie angesichts ihrer äußeren Erscheinung und gesellschaftlichen Stellung angewidert zurück.

Oper Frankfurt / Der ferne Klang - Jennifer Holloway (Grete Graumann) und Ian Koziara (Fritz) sowie hinter dem Vorhang Martin Georgi (Alter Fritz) und Statisterie der Oper Frankfurt © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Der ferne Klang – Jennifer Holloway (Grete Graumann) und Ian Koziara (Fritz) sowie hinter dem Vorhang Martin Georgi (Alter Fritz) und Statisterie der Oper Frankfurt © Barbara Aumueller

Nur für einen kurzen Augenblick gönnt uns die Musik und die Inszenierung eine Illusion: Das wunderbare Couplet Die Blumenmädchen von Sorrent vermittelt eine musikalische Heiterkeit, und Michieletto lässt die Glitzerwelt der frühen 60er Jahre als Ahnung aufleuchten. Fast glaubt man einen Dean Martin mit seinem It’s amore auf die Bühne springen zu sehen. Aber hier ist keine Liebe. Das beinahe schlagerartige Lied ist bitter: Diese „falschen“ Blumenmädchen wollen geheiratet werden, nur sollte das ein „ehrbarer“ Mann nicht tun. Während die Gäste darüber lachen, vergeht Grete das Lachen vollends, ihr Absturz – musikalisch grandios eingeleitet – ist deshalb umso dramatischer. Kleid bzw. Seidenstrümpfe zerreißend, erinnert ihr tänzerischer „Ausbruch“ von weitem an Salome, bei dieser ist es ein lasziver Tanz – bei Grete hingegen entlädt sich die ganze Verzweiflung ihrer Seele. Sie folgt dem Grafen und verlässt die Insel, danach hält aber nichts mehr ihren freien Fall – als Straßendirne endend – auf. Wieder werden sich ihre und Fritz’ Wege kreuzen: Sie verfolgt als Zuschauerin im Theater seinen künstlerischen Zusammenbruch.

Immer mehr wird die Handlungsebene auf der Bühne nach hinten verschoben, am Anfang vorne, als alles möglich und noch rein schien, auf der mittleren Ebene das überbordende Edelbordell und hinten das Ende im Theater bzw. Krankenbett – wobei sich alles miteinander verwebt, von den Schleiern verbunden oder getrennt wird. Auch die Projektionen verstärken die Eindrücke. Der alte Fritz, nach wie vor seinen fernen Klang suchend, inzwischen von Krankheit und Lebenserinnerungen geplagt, kann nur noch sterbend feststellen, dass er den letzten Akt seines Werkes ‚Die Harfe’ – aber vielleicht meint er auch sein eigenes Leben – für verfehlt hält. Nun hat er ihn – den musikalischen Ausdruck – gefunden, und wenn fast alle Orchesterinstrumente von oben herunterschweben ist das ein überwältigendes Bild, aber es ist zu spät. Die ebenfalls gealterte Grete, das verschmutzte Kleid hat seinen einstigen Glanz längst eingebüßt und ist äußeres Sinnbild ihres Niedergangs, findet endlich ihre Liebe. Es ist die finale Begegnung der beiden, und nun ist es Fritz, der sie braucht und sie so annehmen kann, wie sie ist – und sie ist für ihn da. Alle sind an ihrer Misere schuld, gesellschaftlich missachtet, ist sie die einzig Aufrechte – vom Leben gebeutelt nicht gebrochen. Grete ist eine Opernheroine ersten Ranges, Seit an Seit mit Alban Bergs Lulu und Richard Strauss’ Salome und das eigentliche Zentrum dieser Oper.

Oper Frankfurt / Der ferne Klang - hier : Martin Georgi als Alter Fritz, Jennifer Holloway als Grete Graumann © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Der ferne Klang – hier : Martin Georgi als Alter Fritz, Jennifer Holloway als Grete Graumann © Barbara Aumueller

Der Chor unter der Leitung Tilman Michael zeigt wie immer eine bravuröse Leistung bis hin zu den Chorsoli. Auch das Orchester entwickelt eine sogartige Wirkung, die die ganze Klangarchitektur des Werkes unter der souveränen musikalischen Leitung von GMD Sebastian Weigle zur Geltung und vollkommenen Entfaltung bringt. Exemplarisch für alle Protagonisten seien hier Jennifer Holloway und Ian Koziara als Grete und Fritz genannt. Sie vollbringen Glanzleistungen – wie sie sich als junges Paar immer mehr dem alten (stumm: Steffie Sehling und Martin Georgi) annähern und damit nicht nur äußere, sondern auch innere Wandlungen durchlaufen, ist einfach großartig anzuhören und anzusehen. Auch die jeweilige Einzelleistung der insgesamt herausragenden Ensemblesolisten kann nicht genug gewürdigt werden. Es sangen und spielten: Anthony Robin Schneider (Wirt des Gasthauses „Zum Schwan“), Iurii Samoilov (Schmieren-schauspieler), Magnús Baldvinsson (Der alte Graumann/ 2. Chorist), Barbara Zechmeister (Seine Frau), Dietrich Volle (Dr. Vigelius), Nadine Secunde (Ein altes Weib), Julia Dawson (Mizi), Bianca Andrew (Milli/ die Kellnerin), Julia Moorman (Mary), Kelsey Lauritano (eine Spanierin), Gordon Bintner (der Graf), Ian MacNeil (der Baron), Theo Lebow (der Chevalier/ 1. Chorist), Sebastian Geyer (Rudolf), Hans-Jürgen Lazar (ein zweifelhaftes Individuum) und Anatolii Suprun (ein Polizeimann/ ein Diener).

Bei dieser Inszenierung stimmt alles. Regisseur Damiano Michieletto ist so ein fulminanter Einstand in Frankfurt gelungen. Das Publikum belohnte ihn, sein Team und alle Mitwirkenden mit lang anhaltendem Applaus.

Der ferne Klang an der Oper Frankfurt;  weitere Vorstellungen 26.4.; 28.4.; 9.5.; 11.5.2019

—| IOCO Kritik Oper Frankfurt |—