Frankfurt, Kammeroper im Palmengarten, 25 Jahre Kammeroper – Rainer Pudenz, IOCO Aktuell, 02.09.2019

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Kammeroper Frankfurt

Kammeroper Frankfurt / Die verkehrte Braut © Martin Pudenz

Kammeroper Frankfurt / Die verkehrte Braut © Martin Pudenz

Die Kammeroper Frankfurt – Jubiläum im Palmengarten

 Die Kammeroper und Rainer Pudenz – Ein Herz und eine Seele 

von Ljerka Oreskovic Herrmann

Der Palmengarten ist ein echtes Wahrzeichen von Frankfurt am Main. Eröffnet wurde er 1871 und zählt heute mit seinen 22 Hektar zu einem der größten Gärten seiner Art in Deutschland. Seine Entstehung verdankt sich, wie so vieles in der Stadt, einer privaten, oftmals bürgerlichen Gründung. Als die freie Reichsstadt Frankfurt und Hessen-Nassau 1866 preußisch wurden, bot der depossedierte Herzog Adolf von Nassau seinen tropischen Pflanzen- und Baumbestand aus der Orangerie des Schlosses Biebrich zum Verkauf an. 1868 wurde ein Verein gegründet und der Gartenarchitekt Heinrich Siesmayer mit dem Kauf und der Leitung eines anzulegenden Gartens betraut. 1869 konstituierte sich die Palmengarten-Gesellschaft, 1871 folgte die feierliche Eröffnung des „Palmengarten“.

Nota bene – Das Schicksal sollte es doch noch gut mit Herzog Adolf von Nassau meinen: 1890 wurde er Großherzog von Luxemburg. Die Rhein-Main-Gegend verdankt ihm viel, u.a. die Förderung des Kurbetriebs in Wiesbaden, die Industrialisierung in Biebrich und Höchst und auch die Gründung der „Herzoglich Nassauischen Landes-Credit-Casse“ von 1840, aus der später die Nassauische Sparkasse hervorgehen sollte, geht auf ihn zurück.)

Kammeroper im Palmengarten / Carmen - im Palmengarten in der Muschel © Wolfgang Fuhrmannek

Kammeroper im Palmengarten / Carmen – im Palmengarten in der Muschel © Wolfgang Fuhrmannek

Der Palmengarten verfügt seit den 1980er Jahren – die alten Gewächshäusern wurden saniert – über ein Tropicarium und ein Subantarktishaus. Viele Schätze lassen sich in dem Areal finden, kleine und große Entdeckungen machen und nicht alle sind grün oder pflanzlicher Natur. Hier – wie in einer „kulturellen“ Oase – befindet sich mittlerweile eine andere Frankfurter Institution: die Kammeroper Frankfurt.

Auch die Kammeroper Frankfurt verdankt sich einer Privatinitiative und feiert in diesem Jahr silbernes Jubiläum im Palmengarten – gegründet wurde sie allerdings schon 1982. Seit einem Vierteljahrhundert finden die Vorstellungen in der sogenannten Muschel statt: Eine Muschel wie in einem echten Kurpark, Bänke bieten 400 Besuchern unter freiem Himmel Platz, inmitten einer üppigen Vegetation. Nicht nur in Frankfurt ein einmaliger Ort, um Kunst entstehen zu lassen. Und der Begriff „Kammeroper“ suggeriert keineswegs „nur“ einen kleinen Rahmen oder gar „weniger“ Kunst – im Gegenteil, der Anspruch der Verantwortlichen an sich selbst ist groß und ambitioniert. Ohne diese Beharrlichkeit, das Durchhaltevermögen und den Glauben an die eignen Visionen und Fähigkeiten hätte die Kammeroper – ohne festes Ensemble, lange ohne feste Spielstätte – kaum überlebt. Und wohl auch nicht ohne die finanziellen Zuwendungen durch die Stadt Frankfurt, das Land Hessen und den drei-vier Stiftungen, denn so der Kammeropern-Gründer: „Oper ist immer eine teure Geschichte“. Rainer Pudenz, Leiter und Regisseur der Kammeroper, stets in Schwarz gekleidet dafür aber inzwischen mit weißem Haupthaar, hat seine Begeisterung und Leidenschaft für die Oper nie verloren: „Von den damaligen Mitbegründern bin nur noch ich da – von den 37 Jahren Kammeroper!“ Eine Mitstreiterin aus den frühen Kammeropern-Jahren gibt es noch: die Kostümbildnerin Margarete Berghoff.

Die Winterreise – in der Kammeroper Frankfurt
youtube Trailer von FLAME, dem Florence Art Music Ensemble
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Wenn man sich bei Pudenz nach Vorbildern erkundigt, erhält man eine dezidierte Antwort: „Walter Felsenstein!“. Der legendäre Walter Felsenstein (1905-1975), Gründer und langjähriger Intendant der Berliner Komischen Oper, bei dem er zwar nicht direkt, sondern bei einem Schüler von ihm gelernt hat:  „Das ist mein Vorbild – woran ich arbeite. Und so arbeite ich mit dem Text, mit der Logik, mit der Dramaturgie, der Musik. Die Musik an einer Oper ist Gebrauchsmusik. Da ist jeder Gang in der Musik geschrieben. Vor allem beim Don Giovanni. Das ist ein Exempel dafür, das alles ganz logisch dramaturgisch aufgebaut worden ist musikalisch.“ Und wie bei Felsenstein wird bei ihm auf Deutsch gesungen und wie dieser spricht auch Rainer Pudenz lieber von „Musiktheater“.

Pudenz ist Theatermann, durch und durch! Gespielt wird bei ihm bei Wind und Wetter, mit wenigen (finanziellen) Mitteln, aber mit großer Verve und Engagement, viel Witz und jeder Menge schräger Ideen. Das Publikum ist ihm all die Jahre treu geblieben, nimmt ohne Murren schlechtes Wetter in Kauf und geniest doch die herrlich ausgefallene Atmosphäre im Palmengarten.

Das Orchester – aus etwa fünfundzwanzig Personen bestehend – ist mitsamt seinem Dirigenten vor der Muschel postiert, in ihr befindet sich die Bühne, auf der die Akteure auftreten. Als Zuschauer ist man vereint mit beiden Ensembles, der Blick auf ihr Wirken und Agieren ist durch keinen Graben getrennt, die Distanz zur „hohen“ Kunst fast aufgehoben. Alles wirkt unmittelbar und gehört zusammen. „Es war mir alles zu groß an den großen Häusern. Ich wollte Intimität schaffen mit meinen Opern. Ich wollte maximal 400-500 Besucher haben, damit die Intimität einer Kammer gewährleistet ist.“ Außerdem, fügt er an, „braucht jede große Stadt eine kleine Opera buffa oder komische Oper, hat jede große Stadt, die etwas auf sich hält.“

Kammeroper im Palmengarten / La Traviata - im Palmengarten in der Muschel © Wolfgang Fuhrmannek

Kammeroper im Palmengarten / La Traviata – im Palmengarten in der Muschel © Wolfgang Fuhrmannek

Auch das ist sicherlich eine Erklärung, warum die Kammeroper über eine eingeschworene Fan-Gemeinde verfügt; der intime Rahmen – und Picknick-Charakter der Umgebung – schafft eine Gemeinschaft, die sich in ihrer Leidenschaft für die Kunstform Oper mit den Machern vereint sieht. Und für Wiederentdeckungen und Raritäten gut ist. Immer wieder gelingt Rainer Pudenz eine Ausgrabung aus dem unendlichen Fundus der Opernliteratur. Werke, die als verstaubt gelten oder längst vergessen sind, in den großen Opernhäuser vielleicht sogar mit ein bisschen Naserümpfen als zurecht vergessen erachtet werden. Jedenfalls sind sie dort kaum auf den Spielplänen zu finden. Es ist nicht nur eine geschickte „Marktlücke“, die Pudenz für sich und sein Haus (im Freien) gefunden hat, sondern echte Liebe und, so muss wohl hinzugefügt werden, Überzeugungsarbeit an der Kunstform Oper – insbesondere an der Opera buffa. Er möchte Werken zu neuem Bühnenleben verhelfen, die sonst nie zur Aufführungen gelangen. Denn nirgendwo sonst, wird man Stücke zu sehen und hören bekommen, die einen langen Dornröschenschlaf hielten oder ganz in den Orkus der Operngeschichte verschwinden sollten.

So erblickte zum silbernen Jubiläum eine Rossini-Oper zum ersten Mal das Licht der Öffentlichkeit in Frankfurt: Die verkehrte Braut. (Bei Pudenz verlängerte sich das Rossini-Gedenkjahr etwas.) Als dramma giocosa schrieb der damals erst 19jährige und noch wenig bekannte Gioacchino Rossini seine L’Equivoco stravagante, wie die Oper im Original heißt, und prompt wurde das sich um die damalige Political Correctness wenig scherende Werk von der Zensur verboten. Ernestina, die belesene und nach intellektuellem Tiefgang strebende Heldin und „verkehrte Braut“ der Oper, rettet sich vor der geplanten Verheiratung mit dem unbedarften Stutzer Buralicchio in den Soldatenanzug. Außerdem liebt sie den armen Hauslehrer Ermanno, den ihr Vater – der neureiche Bauer Gamberotto – selbstverständlich als Schwiegersohn ablehnt.

Dem gezielt gestreuten Gerücht, sie sei eigentlich gar keine Frau, sondern ein Kastrat, der vor dem Militärdienst flieht, sitzt der einfältige Buralicchio vollends auf und lässt sie daraufhin verhaften. Das ist er seiner Ehre schuldig, aber Ermanno befreit seine Ernestina und am Ende gibt es das wohlverdiente Happy End. Rossinis Musik ist berauschend, das Libretto herrlich anstößig oder vielmehr erstaunlich modern, nimmt es doch unsere heutige Suche nach Geschlechteridentität oder die nach medialer Aufmerksamkeit drängenden Geld- und Geschmacksfragen fast prophetisch vorweg. Kurz: eine wunderbar subversive Komik und ganz nach dem Geschmack von Pudenz: „Viele Libretti sind zu unrecht verurteilt worden. Es ist wirklich keine literarische Geschichte, die da passiert. Wie geht es weiter im Gesang?! Das ist die interessantere Frage für mich. Die Musik führt’s weiter.“

Kammeroper im Palmengarten / Don Giovanni - im Palmengarten in der Muschel © Wolfgang Fuhrmannek

Kammeroper im Palmengarten / Don Giovanni – im Palmengarten in der Muschel © Wolfgang Fuhrmannek

Wie nebenbei gelingt es der Kammeroper, Werke, nach Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten in Archiven oder Schubladen der Vergessenheit zu entreißen, sie vom Staub und Schlack der historischen Einschätzung zu befreien und zu neuem Bühnenleben zu verhelfen. Eine enorme Leistung, die Anerkennung verdient. Und so ist sein Verdienst ein doppelter: Neues Leben für alte, nicht mehr oder selten aufgeführte Stücke und in Rossinis Fall, einen Komponisten (oder vielmehr sein Oeuvre) zu erleben, der leider immer noch gerne auf nur wenige – meist eingängige – Opernwerke reduziert wird. Pudenz kann seine nimmermüde Begeisterung für das Groteske und Urkomische an den Mann und die Frau bringen; das Jubiläum bestritten unter seiner Regie: Dzuna Kalnina, Thomas Peter, Timon Führ, Ralf Simon, Louise Fenbury, Ilja Aksionov und Harald Mathes sowie der zwar kleine doch spielfreudige Chor. Für das Bühnenbild sind Frank Keller und Mateo Vilagrasa, für die Kostüme ist Claudia Kraspe verantwortlich gewesen. Vilagrasa – Bühnenbildner und Künstler und ebenso prägende Gestalt der Kammeroper – ist vergangenes Jahr gestorben. Dirigent dieser Produktion ist Daniel Stratievsky. Er wurde 1986 in Leningrad geboren und stammt aus einer Musikerfamilie. Aktuell ist er am Theater und Orchester GmbH Brandenburg/Neustrelitz als 2. Kapellmeister und Solorepetitor engagiert. Für viele erwies sich die Kammeroper als Sprungbrett für etwas Größeres – auch dem jungen Dirigenten Stratievsky wäre es zu wünschen.

Tatsächlich entpuppt sich die Kammeroper immer wieder als ein Sprungbrett. Und Pudenz zählt gleich einige auf: „Ja, ja, es gab ein paar große Karrieren. Roberto Saccà war das seinerseits. Martin Kränzle, der Sänger ist. Martin Kränzle hat bei uns im Orchester gespielt – Geige hat er gespielt. Roland Böer, der hier am Haus war. Dann war es Zoran Todorovich.Barbara Zechmeister, die fast gleich von unserer Produktion an die Oper Frankfurt gegangen ist. Johannes Kösters, für uns ein Großer, aber den habe ich nicht rausgebracht, das war kein Sprungbrett. Er war ein wichtiger Mann auch für uns. Beate Bilandzija, die an die Wiener Staatsoper gegangen ist – um nur einige zu nennen.“ Für die Produktionen gibt es immer ein Vorsingen, so dass sich junge Talente bei ihm präsentieren können. Das Orchester hat sich relativ stabil gehalten, aber natürlich kann er allen – ob auf oder vor der Bühne – nicht so viel zahlen, wie es an großen Häusern üblich ist.

Nur einmal berührten sich Kammeroper und Oper Frankfurt: 1993 führte Rainer Pudenz Regie auf der großen Opernbühne. Er inszenierte die bis in die fünfziger Jahre nicht sehr häufig gespielte Oper Die heimliche Ehe von Domenico Cimarosa. Es war eine bunte, schrille Angelegenheit, die damals viele Opernbesucher zu irritieren vermochte. Aus heutiger Sicht war es eher eine harmlose, natürlich überzogene, den Witz des Stückes überdehnende Interpretation – aber fordern heutzutage manche Inszenierungen das Publikum nicht vielmehr heraus?! Bei dieser einmaligen Arbeit auf der großen Opernbühne ist es bis heute geblieben. Pudenz bedauert das nicht, denn schließlich ist er in der Kammeroper sein eigener Herr und die beiden Institutionen stehen sowieso nicht in Konkurrenz zueinander.

Der Kammeropern-Chef liebt seine Stücke und das Theater. Es ist ihm wichtig, dass der Text verstanden und an den entsprechenden Stellen gelacht wird – nicht erst, wenn die Übertitel die Übersetzung angezeigt haben, und so wird bei ihm auf Deutsch gesungen. „Übertitel mag ich nicht“, sagt Pudenz trocken (Was aufgrund der architektonischen Gegebenheiten sowieso nicht möglich wäre.) Nicht nur die Musik, auch Sprache transportiert für ihn Emotion und muss deshalb verständlich sein. „Die Texte sind keine literarischen Großwerke“, so Pudenz, „aber ich entwickle eine Oper anhand des Texts. Man soll ja wissen, was man singt.“

Und das Publikum soll es ebenfalls verstehen können. Text und Musik bilden für ihn eine Einheit, der unbedingte Glaube, dass sich noch für jedes – meist komisch-absurd-subversive – Libretto eine theatralische Umsetzung konzipieren lässt, erweist sich als goldrichtig. Die gängige Auffassung und somit Trennung von auf der einen Seite wunderbaren Musik und auf der anderen Seite verschwurbeltem, nicht aufführbarem Inhalt hat für Pudenz keinen Bestand. Dass verlangt für die Übersetzung philologische Arbeit am Libretto – natürlich die deutsche Sprache bis zum Äußersten ausreizend und auskostend bis hin zum Grotesken –, zugleich muss sie so gelingen, dass der deutsche Text singbar ist. Dafür ist seit einigen Jahren Thomas Peter, selbst Sänger, zuständig, der die Sprache „vom zuckrigen Guss“ der Übersetzungen aus den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts befreit.

In gewisser Weise ist Rainer Pudenz seinem Idol Felsenstein nahe gekommen, ihm fast ebenbürtig geworden, denn die Kammeroper wird nun endlich ein richtiges Haus erhalten – ein „200-Mann-Theater“, wie er es nennt. Der intime Rahmen bleibt, hinzukommen wird ein Dach über dem Kopf und damit die Unabhängigkeit vom Wettergott – kurzum ein richtiges Theater. Auch IOCO – Kultur im Netz gratuliert  zum 25jährigen Jubiläum der Kammeroper im Palmengarten und für die Zukunft weiterhin: toi, toi, toi.

—| IOCO Aktuell Kammeroper Frankfurt |—

Halfing, Immling Festival, Die Fledermaus – Johann Strauss, 6.07.2019

Immling Festival

Immling Festival / Die Fledermaus - Alexander Geller und Katja Boerdner © Verena von Kerssenbrock

Immling Festival / Die Fledermaus – Alexander Geller und Katja Boerdner © Verena von Kerssenbrock

Die Fledermaus  – Sommerliche Versuchungen in Immling

nehmen ihren Lauf bei der Premiere von Die Fledermaus  von  Johann Strauss am 6.7.2019 im Festspielhaus. Wer sein Glück in einem Seitensprung sucht, sollte idealerweise nicht an die eigene Gattin geraten. Und wenn doch? Wiener Charme, Walzerseligkeit und bitterböse Ironie gehen in Strauss` Meisterwerk Hand in Hand.

Immling Festival / Thomas Peters © Steffi Henn

Immling Festival / Thomas Peters © Steffi Henn

Gibt es besondere Regieüberraschungen bei der Immlinger Neuinszenierung dieser „Königin der Goldenen Operettenära“?

Thomas Peters, Regisseur: Ich sehe meine Aufgabe darin, einen lustigen, lebendigen und für das Publikum und die Mitwirkenden unterhaltsamen Abend auf die Bühne in Immling zu stellen. Dafür habe ich tolle Leute an meine Seite gestellt bekommen. Wir haben uns ein … sagen wir …“ungewöhnliches“ Setting für den 2.Akt beim Prinzen Orlofsky ausgedacht, die Sängerinnen und Sänger sind durch die Bank hervorragend und wir haben einen ganz wunderbar komischen Frosch im 3. Akt. Tolle Grundvoraussetzungen also.

Immling Festival / Evan Alexis Christ © Walter Schönenbröcher

Immling Festival / Evan Alexis Christ © Walter Schönenbröcher

Was ist die besondere musikalische Herausforderung bei der Arbeit an einer Operette?

Evan Alexis Christ; musikalische Leitung: Die Leichtigkeit! Denn nicht nur die Unbeschwertheit des Inhalts soll beim Publikum ankommen, sondern auch die der Musik. Und die Musik leicht und witzig zu transportieren, ist eigentlich das Schwerste. Die musikalischen Elemente der Operette sollen fast improvisiert wirken, obwohl alles durchaus wohl überlegt ist. Das betrifft natürlich sowohl die Sänger als auch die Orchestermusiker.

Wie läuft da das Zusammenspiel zwischen Regisseur und Musikalischem Leiter?

Thomas Peters: Eine derart enge Zusammenarbeit zwischen Regie und musikalischer Leitung, wie ich sie hier in Immling erlebe, habe ich vorher so noch nicht erfahren. Weder als Darsteller, noch als Regisseur. Evan ist immer auf der Suche nach der Seele der Musik, höchst professionell und fundiert. Wir arbeiten Hand in Hand.

Evan Alexis Christ: Thomas ist so eine kommunikative und musikalische Person. Er legt Wert auf das Miteinander und das macht einfach Spaß. Er kitzelt alle möglichen Feinheiten aus dem Stück und aus unseren Darstellern heraus.

Liegt das auch daran, Herr Peters, dass Sie ja nicht nur Erfahrung als Regisseur, sondern auch als Schauspieler haben und sogar selbst schon in der „Fledermaus“ gespielt und gesungen haben?

Thomas Peters: Ich durfte selbst schon zwei Mal den Frosch spielen. Das erste Mal am Staatstheater am Gärtnerplatz. Und dann auch noch am Nationaltheater in Mannheim. Eine meiner absoluten Lieblingsrollen!

Musikalische Leitung: Evan Alexis Christ und Kai Röhrig (21.7., 26.7.), Inszenierung: Thomas Peters, Bühnenbild: Nikolaus Hipp, Kostüme: Wiebke Horn, Videodesign: Maximilian Ulrich, Lichtdesign: Arndt Sellentin, Dramaturgie: Florian Maier, Festivalchor Immling, Festivalorchester Immling

Gabriel von Eisenstein: Alexander Geller, Rosalinde: Katja Bördner, Frank: Markus Nieminen, Prinz Orlofsky: Jina Choi, Alfred: Victor Campos Leal, Dr. Falke: Gezim Berisha, Dr. Blind: Pierre Herrmann, Adele: Jennifer Zein, Ida: Caren Maxerath, Frosch: Uli Bauer

Alle Aufführungstermine beim Immling Festival auf einen Blick:

Sa. 6.7.2019 | 18.00 Uhr (Premiere)                                    Fr. 26.7.2019 | 19.00 Uhr
Fr. 12.7.2019 | 19.00 Uhr                                                      Sa. 3.8.2019 | 18.00 Uhr
So. 14.7.2019 | 15.00 Uhr (Inklusionsvorstellung)                Do. 8.8.2019 | 19.00 Uhr
So. 21.7.2019 | 18.00 Uhr

—| Pressemeldung Immling Festival |—

Mönchengladbach, Theater Krefeld-Mönchengladbach, PREMIERE My Fair Lady, 17.11.2013

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Theater Krefeld Mönchengladbach

Premiere: My Fair Lady  von Frederick Loewe

17. November um 19.30 Uhr im Theater Mönchengladbach
 
Henry Higgins, ein schrulliger Phonetikprofessor aus der britischen Upperclass, wettet mit seinem Freund Oberst Pickering, dass er das einfache Blumenmädchen Eliza durch intensives Sprachtraining binnen weniger Monate zur feinen Lady umerziehen kann. Ihre Gossensprache soll in gesellschaftsfähige Redeweise umgewandelt werden. Denn schließlich machen nicht nur Kleider Leute, sondern eben auch: die Sprache! Das Pygmalion-Experiment gestaltet sich komplizierter als gedacht. Ab sofort heißt
es, Vokale zu kauen und Konsonanten zu spucken. Die berühmten Blüten, „die nürgens so grün grünen wü ün Spünien“, bringen sowohl Higgins als auch Eliza zur Weißglut. Auf das gemeinsame Ziel hinarbeitend entwickelt sich zwischen Mentor und Schülerin plötzlich mehr als nur die verabredete Zusammenarbeit.
Das Musical My Fair Lady basiert auf George Bernard Shaws Komödie Pygmalion aus dem Jahr 1913 und dem Film Pygmalion (1938). Frederick Loewe und sein Librettist Alan Jay Lerner brachten die Bühnenfassung des Stoffs schließlich unter dem Titel My Fair Lady am 15. März 1956 am Mark Hellinger Theatre in New York zur Uraufführung. Der Erfolg des Weltmusicals basiert – neben der mitreißenden und unterhaltsamen Aschenputtel-Story – auf der genialen Musik Loewes, die mit leichter Hand einen Bogen von rhythmischen Tanznummern („Wäre det nich wundascheen, Es grünt so grün“) bis hin zu gefühlsbetonten Balladen („Weil ich weiß, in der Straße wohnst du“) spannt.
 
Musikalische Leitung: Andreas Fellner
Inszenierung: Roland Hüve
Bühne und Kostüme: Okarina Peter und Timo Dentler
Choreografie: Robert North
Choreinstudierung: Maria Benyumova
Dramaturgie: Ulrike Aistleitner
 
Mit: Debra Hays, Gabriela Kuhn/Susanne SeeMng, Johanna Lindinger; Rafael Bruck, Hayk Dèinyan, Manfred Feldmann, Markus Heinrich, Thomas Peter, Rochus Triebs, Frank Valentin; Ballettensemble und Chor; Niederrheinische Sinfoniker
 
Weitere Termine: 29.11.; 12., 14., 23.12.2013; 24.1.; 2.(19.30 Uhr), 4., 12., 18.2.; 8., 20., 30.3.2014 (16 Uhr);  Soweit nicht anders angegeben, Vorstellungsbeginn um 20 Uhr.
 
—| Pressemeldung Theater Krefeld Mönchengladbach |—

Krefeld, Theater Krefeld Mönchengladbach, Premiere Rienzi – Aufstieg und Fall eines Machtmenschen, IOCO Kritik, 09.03.2013

März 12, 2013 by  
Filed under Kritiken, Theater Krefeld Mönchengladbach


Kritik

Theater Krefeld Mönchengladbach

Richard Wagner “Rienzi“ Premiere am 09.03.2013

Aufstieg und Fall eines Machtmenschen

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Pünktlich zu Wagners 200. Geburtstag in diesem Jahr rüsten sich die Bühnen der Welt mit Neuinszenierungen und Wiederaufnahmen seiner Werke, um dieses Jubiläum festlich zu begehen. Aber es sind landauf, landab ausschließlich die gängigen Werke seines umfangreichen Schaffens, die zu erleben sind.

Nun nahm sich mit Mut und Zuversicht das Theater Krefeld/Mönchengladbach ein Frühwerk vor, ganz nach der Redensart – wer wagt gewinnt – . “Rienzi, der letzte der Tribunen“ wurde im Oktober 1842 in Dresden uraufgeführt. Der Untertitel des Werkes lautet “Große tragische Oper in fünf Akten“. Die Vorlage für den knapp 30jährigen Komponisten war die deutsche Übersetzung des Romans “Rienzi, or the Last of The Tribunes“, des Engländers Edward Bulwer-Lytton.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Es geht um Machterhalt, Machtgewinn, politische Ränke, um die Freiheit des geknechteten Volkes. Es ist ein Polit-Thriller, der im Rom des 14. Jahrhunderts spielt, der viel politische Brisanz birgt und dessen Titelheld Rienzi, anders als alle anderen Titel gebenden Helden Wagners, real war. Eingewoben in die Handlung ist eine interessante Dreiecks-Beziehung.

Rienzi“ wird selten aufgeführt. Unter anderem deshalb, weil die musikalischen Anforderungen sehr hoch sind und viele kleinere Bühnen einfach überfordert wären, eine Aufführung zu stemmen. Leider! Denn trotz vieler schwacher Stellen kann dieses Werk immer noch stark wirken, zumal wenn man den revolutionären Kern scharf heraus arbeitet.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Und das schaffte hier der Regisseur Matthias Oldag ganz überzeugend, indem er behutsam kürzte und sich auf das wesentliche beschränkte. Auch verlegte er die Handlung in die Jetztzeit, ins Hier und Heute.

Eine ideale Ergänzung zu dieser Sicht war da die Bühne von Thomas Gruber. Seine Video-Installationen der verschiedensten politischen Ereignisse der letzten Jahrzehnte korrespondierten sehr gut zu Grubers Interpretation. Passend auch dazu waren die Kostüme von Henrike Bromber.

In beeindruckenden Bildern gelingt es Oldag, die Geschichte des Volkstribuns Cola Rienzi zu zeichnen, dem idealistischen “Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit“, der aber scheitern muss, aufgerieben “im politischen Kampf zwischen Volk, Adel, Kirche und Kaisertum“ und darüber wahnsinnig wird.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Besonders faszinierte der Regisseur mit seiner Personenführung. Eine “Hauptperson“ profitierte da in ganz erheblichem Maße, der Chor, der in diesem Werk Wagners eine Hauptrolle inne hat. Oldags Choreografie der Massen war überwältigend gut. Und dieser Chor war einfach großartig und deswegen muss er an erster Stelle der zu beurteilenden musikalischen Protagonisten genannt werden.

Der Chor des Theaters Krefeld-Mönchengladbach gilt über die Region hinaus als einer der vielseitigsten und stimmstärksten Opernchöre in NRW, in dem die jungen Stimmen hörbar dominieren. Wieder einmal hatte ihn die außerordentlich begabte Maria Benyumova optimal einstudiert.

Waren in der Ouvertüre noch einige Intonationstrübungen bei den Blechbläsern nicht zu überhören, klang später alles rund und die melodienreiche, rhythmisch prägnante Musik Wagners erfuhr durch die hörbar gut aufgelegten Niederrheinischen Sinfoniker gebührendes Gewicht. Obwohl GMD Mihkel Kütson ein moderates Tempo vorgab, gelang es ihm Stringenz und Spannung zu halten, sowie den ganzen musikalischen Apparat souverän zu dirigieren und ein orchestrales Feuerwerk zu entfachen.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Hervorragend die Gesangssolisten:

Die kräftezehrende Titelpartie verkörperte Carsten Süss. Sein Tenor hat Biss und Durchschlagskraft. Dazu ist er ein fabelhafter Gestalter, was er auch schon als Andrej in “Mazeppa“ überzeugend demonstrierte. An diesem Premierenabend baute er im 2. Akt stimmlich etwas ab, teilte seine Kräfte aber gut ein und brachte die Partie bewundernswert sicher zu Ende. Das war eine ganz große Leistung.

Etwas zu bieder gestaltete Anne Preuß die Irene, Rienzis Schwester. Ihr jugendlich-dramatischer Sopran geriet bei dieser sehr hoch liegenden Partie an ihre Grenzen und wurde bei Extremnoten schrill. Solide in Stimme und Spiel war Hayk Déinyan als Stefano Colonna.

Sein Sohn Adriano (eine Hosenrolle), der Irene liebt, wurde von Eva-Maria Günschmann mit dramatischer Attacke hervorragend gesungen und überzeugte mit einem intensiven, glaubwürdigen Spiel.Eine prächtige Type war Andrew Nolen als verwegen aussehender Paolo, Haupt der mit den Colonnas verfeindeten Orsini-Sippe. Matthias Wippich sang stimmschön den Kardinal. Walter Planté war als Senator Baroncelli sehr überzeugend. Thomas Peter als Gast, sang die kleine Rolle des Cecco.

Berechtigten Riesenbeifall gab es für alle Mitwirkenden seitens des Publikums im ausverkauften Haus. Diese Produktion hat das Zeug dazu, alle Freunde der Oper, insbesondere die Wagnerianer, zu begeistern. Man sollte sie unbedingt besuchen.

IOCO / UGK / 09.03.2013

Weitere Vorstellungen für diese weit und breit einzige szenische RIENZI-Inszenierung sind am 19., 27. und 29. März, am 7., 14., 27. April, am 5. und 24. Mai.

—| IOCO Kritik Theater Krefeld Mönchengladbach |—

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