Bonn, Theater Bonn, Fidelio – realer Befreiungsaufruf – für Kurden, IOCO, 04.01.2020

Januar 5, 2020 by  
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Theater Bonn

Theater Bonn © Thilo Beu

Theater Bonn © Thilo Beu

Fidelio – Ludwig van Beethoven

 Beethoven-Jahr – Beginn mit real politischer Befreiungsoper

von Viktor Jarosch

Ludwig van Beethoven Denkmal in Bonn © IOCO

Ludwig van Beethoven Denkmal in Bonn © IOCO

Der Weltgeist Ludwig van Beethoven, wurde vor 250 Jahren, am 17.12.1770 in Bonn geboren. Zu dieser Zeit pulsierte in Bonn das Musikleben in allen Ausprägungen; in der Hofkapelle, in Kirchen, in der Oper. Maximilian Franz (1756-1801), musikaffiner Sohn von Maria Theresia von Habsburg, kam 1784 in seine neue Residenzstadt Bonn, um dort als Kurfürst von Köln und Fürstbischof von Münster die Regierungs-geschäfte seiner Bistümer zu leiten. Beethovens Vater Vater war zu dieser Zeit Sänger am Bonner Hof, sein Großvater zuvor Kapellmeister. So wuchs Ludwig van Beethoven in eine blühende Musikkultur hinein: Orgel spielte er bereits mit 11 Jahren Orgel in Kirchen, Klavier bei den Kammermusikern des Kurfürsten, Bratsche im Hoftheater. Auch der Kurfürst lernte Beethoven früh schätzen: er sendet ihn nach Wien, um bei Joseph Haydn für die Bonner Hofkapelle musikalisch weiter ausgebildet zu werden. Doch Wien wurde für Beethoven zu seiner neuen Heimat: von persönlichen Krisen und Hörbeschwerden stark behindert, wuchs er dort zu jenem musikalischen Weltgeist, der in der Europahymne der Europäischen Gemeinschaft (Vertonung von Schillers Ode an die Freude) täglich hörbar und spürbar ist.

Fidelio am Theater Bonn – Hochpolitischer Fokus auf Kurden in der Türkei

Das Theater Bonn beginnt das Beethoven-Jahr am 1. Januar 2020 mit der Premiere dessen „Befreiungsoper“ Fidelio. Befreiungsopern waren Anfang des 19. Jahrhunderts populär. So hatte Intendant des Theater an der Wien, Peter Freiherr von Braun, hatte Beethoven den Auftrag für eine solche Oper erteilt. Die 1798 uraufgeführte französische Oper Léonore, ou L‘amour conjugal, in welcher eine Frau ihren Mann aus der Herrschaft der Jakobiner befreit, inspirierte Beethoven zu Fidelio. Die Uraufführung der ersten Fidelio-Version, 1805 im Theater an der Wien war wenig erfolgreich. Erheblich überarbeitet wurde 1814, neun Jahre später, die im Kärntnertortheater uraufgeführte dritte Fidelio-Version zum großen Erfolg: Das Allgemein-Menschliche des Handelns wird überhöht und kompositorisch herausgestellt: die große Befreiungsoper der Menschheit war geschaffen, war Grundlage für die hochpolitische Inszenierung im Theater Bonn.

Theater Bonn / Fidelio - hier : Marzelline und Jaquino auf der Bühne, unten, im Media-Markt oben © Thilo Beu

Theater Bonn / Fidelio – hier : Marzelline und Jaquino auf der Bühne, unten, im Media-Markt oben © Thilo Beu

Filmset – Moderne Videotechnik verbindet die Bühne mit Weltgeschehen

Regisseur Volker Lösch ergänzt auf der Bühne die dramaturgische Authentizität von Beethovens Fidelio um die Befreiung des in Isolationshaft gehaltenen politischen Gefangenen Florestan mit einer Dokumentation über verfolgte Kurden in der Türkei. Die Bühne (Carola Reuther) ist als Nachrichtenstudio / Filmset gehalten, ohne alle Kulissen, vollständig grün ausgekleidet. Diese Greenscreen-Technik (Videodesign Chris Kondek und Ruth Stofer) verbindet im Theater Bonn Beethovens bekannte Oper über zahlreiche Videos und Zeitzeugen auf der Bühne (beständig gefilmt von zwei Live-Kameras) mit der Kurdenproblematik in der Türkei. Unruhen, kriegerische Gewalt, aktuelle Hintergründen oder Filmaufnahmen aus Istanbul, Ankara werden auf eine 10 x 5 Meter große Leinwand projiziert. Das beständige Zusammenspiel von Beethovens Komposition mit Badestrand, Krieg und Elend in der Türkei geben dem Besucher das ungewohnte Gefühl, das moderne Werk eines zeitgenössischen Komponisten zu erleben. Das komplexe Regie-Konzept fordert Besucher, Darsteller, Orchester und Regie gleichermaßen: Doch Volker Lösch und sein Team beschreiten mit dieser Inszenierung neue Wege: ein ernsthaftes Experiment, welches mitreißt und gelungen ist.

Beethoven Haus in Bonn © IOCO

Beethoven Haus in Bonn © IOCO

Beethovens Komposition wird im Theater Bonn ungestrichen gespielt; die offene Struktur der Fidelio-Handlung wird jedoch von fünf in Deutschland lebenden kurdischen ZeitzeugInnen immer wieder aufgebrochen; auf der Bühne oder an einem Tisch neben dem Filmstudio sitzend, wird von konkret Erlebtem erzählt, von grausamer Folter, von Frauen, die an den Haaren aufgehängt wurden, von Zerstörung, Krieg, Gefängnissen; befragt werden dabei die ZeitzeugInnen von „Filmregisseur“ Matthias Kelle. Prominentester Zeitzeuge auf der Bühne war der in Köln lebende Schriftsteller Dogan Akhanli, der in einem Buch seine Verhaftung und Folter in der Türkei beschrieben hatte. Differenzierende, allgemeine Betrachtungen greift in diesen Darstellungen nicht!  Aktuelles, von den Individuen auf der Bühne konkret erlebtes und deren Sehnsucht nach einem friedvollen Leben sind Fokus der Inszenierung.. Der Mut der Darsteller auf der Bühne, ihre persönlichen Erfahrungen in der Türkei mit den Besuchern des Theater Bonn zu teilen, sich deshalb,außerhalb des Theaters vielleicht mit der Aggressivität radikaler Andersdenkender auseinanderzusetzen zu müssen, ist allein beeindruckend.

Theater Bonn / Fidelio - hier : Der Gefangenenchor, unten, auf der Leinwand Fotos Gefangener, Misshandelter © Thilo Beu

Theater Bonn / Fidelio – hier : Der Gefangenenchor, unten, auf der Leinwand Fotos Gefangener, Misshandelter © Thilo Beu

Zur kurzen Ouvertüre des hochgefahrenen Orchesters leuchtet auf der Leinwand auf der Bühne in großen plakativen Lettern: KOMMANDO BEETHOVEN „zur Sichtbar-machung von politischen Gefangenen in der Türkei“. Es folgen Videos über die Stadt Istanbul, politischen Massenjubelfeiern dort, Flüchtlingstrecks, der Pegida in Leipzig, Merkels umstrittenes „Wir schaffen das“ und Erdogans drohendes „Hey, Europäische Union, reißt euch zusammen…“. In den folgenden Szenen werden die Darsteller auf der Bühne von Video-Sequenzen auf der Leinwand begleitet, das Orchester ist heruntergefahren. Marzelline (Marie Heeschen in hellem, frischem Sopran) und ihr Jaquino (Kieran Carrel) laufen streitend und ,eingespielt, wie sie mit Einkaufstüten durch den Media Markt (Foto oben). Die „angenehme“ friedliche Seite der Türkei erscheint: Badestrände, Yachten, spielende Kinder.

In späteren Videos reißt Leonore (Martina Welschenbach (weich, wohl timbrierten Sopran) in ihrer Arie „Komm, o Hoffnung“, als Racheengel mit gestrecktem Arm und geballter Faust durch die Luft fliegend, die Mauern aller Gefängnisse niederreißt, während Marzelline auf rotem Sofa vom geordneten bürgerlichen Leben träumt. Zur mächtigen Gold-Arie des Rocco („Hat man nicht auch Gold beineben, Kann man nicht ganz glücklich sein..“,  Karl-Heinz Lehner kraftvoll und gut verständlich) fliegen er und Marzelline auf der Leinwand auf einem Euro-Schein dahin: Live-Kameras filmen die Darsteller beständig auf der Bühne, hinter der Bühne werden diese Aufnahmen mit anderen Filmen „gemischt“ und auf die große Leinwand projiziert.

 Theater Bonn / Fidelio - hier : Aufruf zum Ende der Vorstellung  © Thilo Beu

Theater Bonn / Fidelio – hier : Aufruf zum Ende der Vorstellung  © Thilo Beu

Der Gefangenenchor ist ein Höhepunkt jeder Fidelio-Inszenierung. Im Greenscreen-Studio des Theater Bonn erscheinen die Gefangenen als grün verhüllte Wesen, in gesucht überhöhtem Ausdruck menschlichen Leids und Elend, als unterdrückte seelenlose Masse; als nicht-menschliche Wesen. Dieser optisch quälende Anblick wandelt sich ergreifend zu dem sich von sanfter Wehmut in kraftvolle Emphase wandelndem Chor „O welche Lust, in freier Luft, den Atem leicht zu heben! Nur hier, nur hier ist Leben..“; (Einstudierung Marco Medved); die nicht-menschlichen Wesen werden  zu Individuen, Menschen, wenn sie sich langsam ihre grünen Hüllen entledigen. Während-dessen die Leinwand über ihnen beständig Fotos zahlreicher in der Türkei Gefangener zeigt. Florestans Arie „Gott, welch Dunkel hier…“, von Thomas Mohr zu Beginn nahezu unsichtbar in einer Kiste liegend lyrisch ausdrucksstark vorgetragen, spiegelt die Qualen des Individuums, des Einzelnen: Beethovens Postulat an die Menschheit.

So endet Fidelio am Theater Bonn mit dem Freiheitsruf auf der Leinwand: FREE THEM ALL und dem am Bühnenrand stehenden Ensemble, welches auf Plakaten die Freiheit in der Türkei inhaftierter fordert.

Beethoven Grab in Wien © IOCO

Beethoven Grab in Wien © IOCO

Der große Erfolg der vielschichtig polarisierenden Inszenierung hängt maßgeblich auch „in den Händen“ von GMD Dirk Kaftan und dem Beethoven Orchester Bonn. Die beständige Abstimmung von Beethovens Komposition mit den vielen Facetten von Volker Löschs spezieller Regie, den Erzählern und der Video-Flut auf der Leinwand ist für Dirigent und Orchester äußerst anspruchsvoll. Zwar reduziert die Inszenierung Beethovens Komposition ein wenig in ihrer Größe. Umso größer ist unsere Referenz vor Dirk Kaftan Ditigat und dem Beethoven Orchester für ihr sängerfreundliches und ausdrucksvolles Klangfestival.

Der Beifall für die auffällige, kontroverse, Widersprüche herausfordernde Fidelio-Inszenierung am Theater Bonn war überraschend positiv, frenetisch. Orchester, Ensemble und Chor wurden ebenfalls gleichermaßen anhaltend und begeistert gefeiert.

Aufforderung an Alle: Nehmt Teil an dem Befreiungs-Postulat

Postkarten, nach der Vorstellung im Theater – Eingang für die Besucher ausgelegt: gerichtet an Politiker und Inhaftierte, so auch an: „Lieber Selahattin Demirtas, wir sind tief besorgt, daß Sie und Tausende von Menschen in der Türkei inhaftiert sind, weil Sie von Pressefreiheit Gebrauch machen wollten…“.

Fidelio am Theater Bonn; die weiteren Vorstellungen 4.1.; 16.1.; 24.1.; 2.2.; 9.2.; 15.2.; 14.3.; 27.3.2020

—| IOCO Kritik Theater Bonn |—

Bonn, Theater Bonn, Fidelio – Ludwig van Beethoven, 01.01.2020

Dezember 29, 2019 by  
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Theater Bonn

Theater Bonn © Thilo Beu

Theater Bonn © Thilo Beu

Fidelio – Ludwig van Beethoven

Freiheit für Ahmet Altan, Hozan Canê, Gönül Örs, Soydan Akay, Selahattin Demirtac

Premiere am 1. Januar 2020 –    IOCO wird berichten

Die erste FIDELIO-Inszenierung am 1. Januar des Kalenderjahres 2020 wird durch ihr Erscheinen in der Geburtsstadt des Komponisten mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden. Das Theater Bonn und das Inszenierungsteam um Regisseur Volker Lösch gehen mit Beethoven über Beethoven hinaus, indem sie FIDELIO mit aktuellen Geschichten von politischen Gefangenen in der Türkei und deren Angehörigen aufladen!

Beethoven war der erste wirklich politische Komponist der Musikgeschichte, wofür seine FIDELIO das eindringlichste Beispiel ist. FIDELIO handelt von einem Mann, der die Wahrheit über die undemokratischen Verhältnisse in seinem Land sagt und deshalb im Gefängnis verschwindet. Im Zentrum der Oper steht seine Frau Leonore, durch deren Mut nicht nur die Befreiung ihres geliebten Mannes gelingt, sondern auch die Absetzung des Gewaltherrschers.

Ludwig van Beethoven Denkmal in Bonn © IOCO

Ludwig van Beethoven Denkmal in Bonn © IOCO

In FIDELIO macht Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) ein musikalisch-politisches Experiment. Seine Ausgangsfrage lautet: Was muss man tun, um das schier Unmögliche zu erreichen? Seine Antwort: Man muss sein Leben riskieren und bereit sein, eine ungeheure Zerreißprobe auszuhalten. Leonore alias Fidelio gelingt dies, und sie löst letztendlich einen gesellschaftlichen Umsturz aus. Hoffnung ist das Hauptmotiv in jeder Szene und Beethovens Musik eine Inspiration für die Verwirklichung von Utopien.

Die modellhafte Welt von FIDELIO ist ein einziges, großes Gefängnis. Die Türkei ist das aktuelle, europäische Beispiel für einen Staat, in dem Regimegegner verhaftet werden und durch eine Willkürjustiz im Gefängnis verschwinden. Mit dieser Inszenierung wird sich konkret für die Freilassung von Ahmet Altan, Hozan Canê, Gönül Örs, Soydan Akay und Selahattin Demirtac eingesetzt. Als Zeitzeugen treten u.a. Dogan Akhanli, der drei Mal in türkischen Gefängnissen war und mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet wurde, sowie Süleyman Demirtac auf, dessen Bruder Selahattin als wichtigster politischer Herausforderer des türkischen Staatspräsidenten Erdogan gilt und wegen angeblicher Terrorunterstützung seit über drei Jahren im Hochsicherheitstrakt in Edirne unrechtmäßig, so 2018 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geurteilt, inhaftiert ist.

—| Pressemeldung Theater Bonn |—

Minden, Stadttheater Minden, Götterdämmerung – Der Ring des Nibelungen, IOCO Kritik, 24.09.2019

September 24, 2019 by  
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Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

Götterdämmerung – Ringzyklus am Stadttheater Minden

– „Starke Scheite schichtet mir dort!“ –

von Sebastian Siercke / Patrik Klein / Karin Hasenstein

Minden, die Stadt im Osten Nordrhein-Westfalens, die hauptsächlich für ihren Dom und die Nähe zur Porta Westfalica und dem Kaiser Wilhelm Denkmal bekannt ist, macht in diesem Jahr erneut auf sich aufmerksam mit Werken Richard Wagners im beschaulichen 528 Zuschauer fassenden Stadttheater an der Weser. Nicht nur eine Produktion, sondern gleich vier Werke des berühmten deutschen Komponisten stehen erstmalig auf dem Programm, nachdem sie in den Jahren zuvor jeweils für sich alleine neu aufgeführt wurden.

 Götterdämmerung – Erster zyklischer Ring in Minden – Fulminantes Ende

2018 fasste man folgerichtig den wagemutigen Entschluss, Richard Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen in 2019 zyklisch zu präsentieren. Das ist für ein Haus dieser Größe wahrlich „ein Wunder“. Und das schien noch nicht genug, denn man entschied, 2019 sogar zwei Ring-Zyklen innerhalb von je 11 Tagen aufzuführen. So etwas kann nur funktionieren, wenn alle normalen Rahmenbedingungen einer Kleinstadt ausgehebelt werden und besondere Energien am Werke sind. Dem Richard Wagner Verband Minden ist dies in ungeahnter Weise vorzüglich gelungen, alle Kräfte der Stadt zu bündeln, Gelder durch Sponsoren aufzutreiben und vorhandenes Personal zu nahezu übermenschlichen Leistungen zu motivieren. Richard Wagner hätte das sicher gefallen.

Stadttheater Minden / Götterdämmerung © Friedrich Luchterhandt

Stadttheater Minden / Götterdämmerung © Friedrich Luchterhandt

IOCO – Kultur im Netz ist beim ersten Ringzyklus 2019 vor Ort, kann die ganz besondere Atmosphäre erleben, von den Ereignissen berichten. Sowohl in den sozialen Medien, als auch bei den Kollegen von www.ioco.de, dreht sich für die Zeit, in der auf dem Dach des Stadttheaters eine Wagnerflagge weht und die Stadt voller Besucher erscheint, alles um den berühmten Komponisten aus Leipzig. Ein Rahmenprogramm mit Vorträgen und Ausstellungen lockt die einquartierten Besucher und die Einwohner von Minden zu umfangreicher Beschäftigung mit dem Komponisten. Ganz Minden ist plakatiert mit Ringmotiven. Wotans Auge scheint einen jeden jederzeit und überall zu verfolgen.

Am Nachmittag der Vorstellungen erblickt man gut gekleidete Zuschauerinnen und Zuschauer, die durch den Ort schlendern und zu den hell leuchtenden weißen Fassaden des schmucken Stadttheaters pilgern. Man erblickt Damen in Abendgarderobe, Herren in Smoking und sogar Gehrock, erlebt auf dem Balkon des Stadttheaters den Posaunenchor der Schaumburg-Lippischen Landeskirche, der ganz wie in Bayreuth mit jeweils drei Fanfaren die Pausen beschließt. Im Foyer wird man von freundlichen Helfern begrüßt und bekommt ein Programmheft, das Maßstäbe setzt und allerlei Merchandising-Produkte angeboten. Man darf sich beinahe wie auf dem Grünen Hügel in Oberfranken vorkommen.

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : die Rheintöchter zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Götterdämmerung – hier : die Rheintöchter zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Alles das wäre wenig, wenn nicht auf der Bühne aufregendes, spannendes Musiktheater gespielt und dazu auf einem hohen Niveau musiziert würde.

Man betritt den Zuschauerraum und steht vor der Bühne. Kein Orchestergraben trennt das Publikum vom Geschehen. Die Bühne wird umrahmt von einem großen Quadrat, in das ein Kreis eingestellt ist, was unmittelbar an die Gestaltung der LP-Boxen des alten Solti – Ringes erinnert. Die eigentliche Bühne, die Fläche, die dort hauptsächlich bespielt wird, hat die Grundfläche eines wohlbemessenen Wohnzimmers. Das Orchester sitzt dahinter, auf der Bühne, abgeteilt durch einen Gazevorhang, der auch als Projektionsfläche für die handlungsunterstreichenden Videos dient.

Das Stadttheater Minden hat nicht nur kein eigenes Ensemble, es hat auch kein eigenes Orchester. Dazu kommt die Nordwestdeutsche Philharmonie aus Herford, ein Landesorchester Nordrhein-Westfalens, ein Klangkörper aus der ersten Liga der deutschen Orchesterlandschaft.

Die Nordwestdeutsche Philharmonie hat unter der Leitung von Frank Beermann einmal mehr ihren Ruf als Spitzenorchester bestätigt. Absolut souverän und hoch konzentriert führte Beermann die 80 Musiker durch die über fünf Stunden Musik.
Dabei lotete er gekonnt alle dynamischen Anforderungen der Partitur vom zarten Pianissimo des Englischhorn zu Beginn im Gesang der Nornen über das Forte im vierstimmigen Herrenchor in zweiten Aufzug bis hin zum Fortefortissimo im Trauermarsch im dritten Aufzug. Die scharfen Staccato-Akkorde im schweren Blech ließen den Zuschauerraum erzittern und man wünschte sich dieses Orchester in einem größeren Theater oder Konzertsaal.
Die NWD Philharmonie überzeugte mit großem Farbenreichtum in den Holzbläsern ebenso wie mit außerordentlicher Brillanz im Blech. Insbesondere die Hörner, zum Beispiel der Siegfriedruf, ein heikles Horn-Solo sowie die zusätzliche Bühnenmusik ließen keine Wünsche offen.

Frank Beermann begleitete die Solisten einfühlsam und mit großer Kenntnis der Partitur. Dass er dabei die Solisten im Rücken hatte und nicht wie sonst im Opernbetrieb vor sich auf der Bühne, führt dazu, dass diese das Dirigat nur vom Monitor abnehmen können, was für die Sänger nicht so ungewöhnlich ist, was aber auch bedeutet, dass der Dirigent die Sänger nicht sieht. Trotzdem waren alle Einsätze sicher und präzise und die gesamte Darbietung wirkte enorm harmonisch und perfekt eingespielt.

Auch die Dynamik innerhalb des Orchesters hat Beermann gut ausbalanciert. Wo Solostimmen, z.B. Flöte oder Klarinette, vorkommen, waren sie zu hören und gingen nicht im Orchesterapparat unter. Zauberhaft auch die Harfe zum Ende des dritten Aufzuges.

Als Fazit bleibt festzustellen: dieser wunderbare Klankörper sollte viel häufiger große romantische Oper spielen!

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : das Ensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Götterdämmerung – hier : das Ensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Die Inszenierung des Abends gestaltet Gerd Heinz, der hauptsächlich vom Sprechtheater kommt und offensichtlich eine ganz andere Herangehensweise ans Musiktheater hat, als der übliche Opernregisseur. Hier wird das Werk auf die Bühne gebracht. Kein Umdeuten in abstruse oder andere Richtungen, kein „Wir verlegen die Handlung in eine andere Zeit“, die dann gerne mit wohlbekannten Uniformen bebildert wird, keine abgegriffene Kapitalismuskritik. Diese Götterdämmerung spielt im Jetzt. Ein zeitloses Irgendwann-Jetzt, sind doch Handlung und Aussage des Werkes ebenso zeitlos und allgemeingültig. Jede kleinste Bewegung, jede Geste, jedes Minenspiel ist feinst durchdacht, die Sänger auf der Bühne dadurch fast noch mehr Schauspieler als Sänger. Ein solches Zusammenspiel von Musik und Geschehen auf der Bühne hat man selten erlebt!

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : das Ensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Götterdämmerung – hier : das Ensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Da der kleine Orchestergraben nicht als solcher benutzt werden kann, ragt in ihn die Bühnenkonstruktion hinein, mit rege bespielten Treppen nach unten ergibt sich eine ungewohnte Dreidimensionalität der Bühne. Das Publikum sitzt quasi mitten im Geschehen, unmittelbar vor den Protagonisten des Dramas auf der Bühne.

Die Sängerriege ist exquisit besetzt. Große Stimmen sind es – allesamt. Siegfried und Brünnhilde, zwei Mörderpartien, die so manchen Weltstar gelegentlich in die Knie zwingen, werden hier dargebracht, als gäbe es kaum Leichteres zu singen auf der Welt.

Thomas Mohr gibt nicht nur den Siegfried in der Götterdämmerung, nein er ist an allen vier Opernabenden dabei. Beim Rheingold gibt er den Loge, beDie Walküre schlüpft er in den halbstarken Siegmund, in Siegfried ist er der junge Gesandte Wotans, der Brünnhilde aus magischem Schlaf erweckt. Thomas Mohr singt und gestaltet mit durchschlagskräftigem Tenor, der genauso die zarten Partien fein nuanciert bieten kann, wie die wütenden Ausbrüche ohne dabei forciert oder auch nur angestrengt zu klingen. Eine schier unglaublich große Leistung!

Dara Hobbs als Brünnhilde überflutet das Werk mit ihrem wundervoll geführten Sopran, der bruchlos von der Tiefe bis in die Spitzen kommt und dabei noch beachtliche Ausdrucksmöglichkeiten bietet. Dazu kommt bei ihr eine bewundernswerte Textverständlichkeit. Selbst wenn man den Text nicht mittlerweile auswendig kennt, kann man jedem Wort folgen. In der zweiten und dritten Szene des dritten Aufzuges, gegen Ende eines sehr langen Abends, präsentiert Dara Hobbs ihr “Starke Scheite schichtet mir dort”, als hätte sie soeben frisch ausgeruht die Bühne betreten. Mit großer Ruhe und reichlich Reserven singt sie diese lange und anspruchsvolle Szene. Ihr dramatischer Sopran ist extrem fokussiert und perfekt geführt und auch in der hohen Lage noch warm timbriert. Dara Hobbs begeisterte das Publikum mit ihrer kontinuierlich grosartigen Leistung und erhielt verdient unzählige Bravi.

Stadttheater Minden / Götterdämmerung - hier : Thomas Mohr, Siegfried, zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Götterdämmerung – hier : Thomas Mohr, Siegfried, zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Renatus Mészár als Gunther, der genau wie Thomas Mohr an jedem der vier Abende zu sehen und zu hören ist,  nämlich als Wotan und Wanderer bildet mit Magdalena Anna Hofmann als Gutrune, einen stimmlich wie darstellerisch sehr kontrastreichen Gegenpart zu dem Heldenpaar.  Die Schwärze in seiner Stimme als Wotan und Wanderer reduzierend, kann Renatus Mészár als Gunther die schlankeren Töne wirkungsvoll erklingen lassen. Auch Magdalena Anna Hofmann, die in der Walküre bereits als lyrisch-dramatische Sieglinde überzeugt hat,  gelingt eine eindrucksvolle Interpretation der Gutrune. Das Gibichungenpaar steht Brünnhilde und Siegfried  in der Bühnenwirkung in nichts nach.

“Schläfst du, Hagen, mein Sohn?”  Nein, ganz und gar nicht! Andreas Hörl ist als Hagen stets hellwach. Sein voluminöser Bass ist gut geführt und er verleiht dem Widersacher Siegfrieds mit viel Variabilität eine große Glaubwürdigkeit. Andreas Hörl verfügt über einen dunkel gefärbten Bass, den er sehr flexibel einzusetzen weiß. Er scheut sich nicht, die ganze Bandbreite von Schönklang bis hin zu “schmutzigen” Tönen auszunutzen und erzielt damit eine große Überzeugungskraft. Nicht nur stimmlich beeindruckt Hörl, auch darstellerisch besticht er durch enorme Bühnenpräsenz vom ersten bis zum letzten Moment, als Hagen erkennen muss, dass der Ring an die Rheintöchter verloren ist.

Im zweiten Aufzug tauchen im Hintergrund in den oberen Bereichen die Mannen der Gibichungen auf. In dunkler Kleidung gehalten, stehen sie hinter dem Gazevorhang und singen kraftvoll und artikulationsgenau von der Jagd und vom Kampf. Der Herrenchor setzt sich zusammen aus dem Wagner Chor Minden 2019 und dem Ersten Deutschen Freien Opernchor (Coruso), Einstudierung Thomas Wirtz.

Sensationell an diesem denkwürdigen Abend der Ringvollendung ist die Waltraute von Kathrin Göring. Als Fricka im Das Rheingold und Die Walküre, in der Kathrin Göring  zusätzlich eine  der acht Walküren übernahm, fegt sie panisch und angstzerfressen auf und über die Bühne und bietet eine Dramatik in der Stimme, wie man sie selten live erleben kann. Schauer konnten einem bei ihrer Erzählung über den Rücken laufen, eine  ganz große Leistung!

Bösewicht und Nibelungenzwerg Alberich, dargestellt von Heiko Trinsinger, lässt seinen schwarz gefärbten Bariton wort- und stimmgewaltig, anknüpfend an die Leistung beim Rheingold und im Siegfried verströmen.

Tiina Pentinen, Christine Buffle und Julia Bauer als Nornen und Rheintöchter runden das Ensemble sehr wohlklingend und ansehnlich ab.

Folgerichtig ist das Publikum nach dem langen Abend enthusiastisch infiziert, dankt mit Jubel, herzlichem Applaus, Bravorufen und „Standing Ovations“ den über sich hinausgewachsenen Musikern und Sängern am Stadttheater Minden.

Man mag den Beteiligten und den Verantwortlichen wünschen, dass der Kater nach solch berauschenden Stunden und Tagen schnell vergehen wird und dass man sich für alle Wagnerfreunde in und um Minden in den nächsten Jahren überlegt, doch erneut ein bislang noch nicht aufgeführtes Werk in Minden zu wagen. Wie wäre es mit einem Parsifal?

—| IOCO Kritik Stadttheater Minden |—

Minden, Stadttheater Minden, Siegfried – Der Ring des Nibelungen, IOCO Kritik, 24.09.2019

September 24, 2019 by  
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Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

Siegfried  –  Der Ringzyklus am Stadttheater Minden

  – Siegfried heißt der Held im Stadttheater von Minden –

von Sebastian Siercke

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Es ist 41 Jahre her, daß ich Richard Wagners  Der Ring des Nibelungen zum ersten Mal sah. Der Theaterfundus der Hamburgischen Staatsoper war gerade abgebrannt und man musste sich die Dekorationen von anderen Opernhäusern ausleihen. Dieser Ring kam von der Oper Köln und war eine etwas betagte Wieland-Wagner-Produktion. Seither habe ich viele Ringe gesehen und eine Unzahl aus Einzelwerken daraus. Legendäre Inszenierungen, längst vergessene Belanglosigkeiten und Ärgerliches. Musikalische Höhepunkte, die zu andächtigem Niederknieen verleiteten und welche, über die schnell der gnädige Mantel des Vergessens gelegt wurde.

Und dann kam der Ring des Nibelungen am Stadttheater Minden!

Kurzentschlossen gelang es uns 2018 die letzte Götterdämmerung zu besuchen und danach stand fest: Der komplette Ring des Nibelungen am Stadttheater Minden wird 2019 für uns zu einer Pflichtveranstaltung! Das Erlebte in Minden mit Superlativen zu überhäufen wird dem Ganzen nicht wirklich gerecht. Die Sänger sind durch die Bank erstklassig, das Orchester großartig, der Dirigent Weltklasse.

Stadttheater Minden / Siegfried © Friedrich Luchterhandt

Stadttheater Minden / Siegfried © Friedrich Luchterhandt

Das Herausragende am Ring des Nibelungen am Stadttheater Minden ist aber das Gesamtpaket dieser Aufführungen. Jeder in der Stadt scheint zu wissen, daß sich im Stadttheater außerordentliches tut und spricht die angereisten Gäste darauf an. Um das Theater herum hat man beinahe das bekannte, wohlige Bayreuth-Gefühl. Das Publikum steht in Hochstimmung vor dem Haus und wartet auf die Fanfaren, die hier wie dort das Pausenklingeln ersetzen und in Haus rufen. Letztlich fehlt nur der Bratwurststand um es zu komplettieren.

Das mit 525 Plätzen übersichtliche, beinahe intime Theater hat einen zu kleinen Orchestergraben für ein großes Wagnerorchester, also wird dieser überbaut zur Vergrößerung der Bühne, das Orchester sitzt nun hinter einen Gazevorhang im Hinterraum der Bühne. Dadurch hat man selbst aus der vorletzten Reihe im Parkett das Gefühl direkt ins Spiel auf der Bühne einbezogen zu werden. Und das, was dort gespielt wird ist wirklich außerordentlich! Der Regie von Gerd  Heinz merkt man an, daß er vom Schauspiel kommt. Eine so ausgefeilte Personenführung, perfekt an Musik und Text angelehnt, habe ich selten erlebt. Die Darsteller danken es mit hinreißender Spielfreude, bei der Gestik und Mimik in nie gesehener Perfektion gezeigt werden. Den Auftritt des gurrenden, flatternden Waldvogels wird jedem im Gedächtnis bleiben müssen.

Mit der Titelpartie des Siegfried hatte Thomas Mohr mittlerweile die dritte Rolle in dieser Ring-Serie; nach Loge im Rheingold und Siegmund in der Walküre. Von  lyrisch gesungen Passagen im ersten Akt über wuchtige Schmiedelieder bis zu dem strahlend inbrünstigen Werben um Brünnhilde im letzten Akt, gelang es ihm alles komplett mühelos erscheinen zu lassen, von der Anstrengung, die diese Mordspartie erfordert, war buchstäblich nichts zu hören oder zu sehen. Seine Brünnhilde war, wie schon in der Walküre, Dara Hobbs. Vom ersten „Heil Dir, Sonne!“ an hatte sie das Publikum mit ihrem strahlenden Sopran fest im Griff.  Herrlich, wie sich im folgenden Duett die ehemals göttliche Jungfrau und der eben erst erwachsene Jüngling sich gegenseitig wahrnehmen und neckend umwerben, bis sich zum Finale in die Arme werfen.

Stadttheater Minden / Siegfried - Dara Hobbs als Brünnhilde und Thomas Mohr als Siegfried © Friedrich Luchterhandt

Stadttheater Minden / Siegfried – Dara Hobbs als Brünnhilde und Thomas Mohr als Siegfried © Friedrich Luchterhandt

Mime war der amerikanische Tenor Jeff Martin, wunderbar den verschlagenen, falschen Charakter der Partie darstellend. Renatus Meszar als Wanderer, im ersten Akt noch souverän als wanderender Wotan, der verzweifelt versucht Mime dazu zu bringen endlich die richtigen Fragen, die, die ihm beantworten würden, wie das das Schwert zu schmieden sei, zu einem resignierten Gott im zweiten und dritten Akt, zeigte stimmlich wie darstellerisch hervorragend die Wandlung zu jemandem, der dann nur noch schweigend, stumm und ernst in Walhall sitzen wird um das eigene Ende zu erwarten. Welch ein Einfall der Regie, daß nicht Siegfried am Amboss das Schwert schmiedet, sondern Wotan als Schattenbild im Hintergrund mit dem Aufstoßen seines Speers Nothung neu formt, in der vergebenen Hoffnung Siegfried könnte mit des Schwertes Hilfe doch noch alles zum Guten wenden. Erda trug mit ihrem Auftritt ihren Teil zu Wotans Wandlung bei. Nicht mehr als allwissendes Weib wie im Rheingold, sondern als alte verwirrte Frau saß sie auf der Bühne, verschlafend, was sie wissen müsste und letztlich von Wotan  zu ewigem Schlaf zurückgesandt.

Janina Baechle verkörperte diese Erda brillant. Heiko Trinsinger als Alberich mit höchst ausdrucksvoller Stimme, kommt als Jäger auf die Bühne und hat erstmal seinen kleinen Sohn Hagen dabei. Er erzieht ihn zum kalten Neid, zeigt ihm schon früh wo die Feinde sind, die er, erst erwachsen, für seinen Vater zu  schlagen hat. Der erste der fällt, wenn auch durch Siegfried ist Fafner, der Wurm. War es im Rheingold noch ein chinesischer Karnevalswurm, ringelte sich jetzt ein von Komparsen gespielter glitzernder Riesenwurm auf der Bühne. Erst als er von Siegfried tödlich getroffen wird verwandelt er sich zurück in Fafner, den Riesen, der seinen Bruder für den Ring erschlagen hat. Johannes Stermann lieh erst dem gelangweilten Wurm, Ich lieg und besitz: lasst mich schlafen, zum sterbend weisen Riesen seinen schönen Bass. Was war bei Julia Bauers Waldvogel eigentlich wichtiger? Die klangschöne Stimme oder das sagenhafte Spiel? Da spielte niemand einen Vogel: ein Vogel saß auf der Balkonbrüstung!

Bleibt noch das Orchester, wie immer in Minden die Nordwestdeutsche Philharmonie aus Herford, das makellos und klangschön wohl die meisten Opernorchester mit dieser Leistung souverän an die Wand spielt. Liegt es auch am Dirigenten? Bestimmt. Frank Beermann entlockt dem Orchester Klänge, wie man sie kaum noch sonst zu hören bekommt. Das gesamte Spektrum der romantischen Emotionen und überbordenden Dramatik wird hervorgeholt, daß es einem heiß und kalt wird. Genau so möchte ich Siegfried hören! Ganz ganz wunderbar!

Stadttheater Minden / Siegfried - Der Ring des Nibelungen - hier : das Ensemble beim Schlussapplaus © Patrik Klein

Stadttheater Minden / Siegfried – Der Ring des Nibelungen – hier : das Ensemble beim Schlussapplaus © Patrik Klein

Ein Wermutstropfen: 2020 ist in Minden Wagner-Pause. Ob und mit was man in Minden in den folgenden Jahren weiter macht steht noch nicht fest. Ich hoffe, daß weiteres kommt; die Opernwelt wäre deutlich ärmer ohne Richard Wagner in Minden!

Widmen möchte ich diese Zeilen meinem besten Freund, den ich 1978, bei meinem ersten Ring in Hamburg kennenlernte und mit dem ich in den folgenden Jahren hunderte von Opernvorstellungen landauf-landab gesehen habe. Er starb am Morgen dieses Mindener Siegfrieds.  Er hätte diese Aufführung geliebt!

—| IOCO Kritik Stadttheater Minden |—

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