Hamburg, Elbphilharmonie, Spielplan 2020/21: Currentzis, Järvi, Porgy and Bess …, IOCO Aktuell, 02.05.2020

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung der Elphi © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie – Laeiszhalle : SAISON 2020/21

– Rückkehr zum Ausnahmezustand des Glücks –

Den Komponisten György Kurtag und Thomas Ades sind 2020/21 Schwerpunkte gewidmet. Patricia Kopatchinskaja, Daniil Trifonov, Sir Antonio Pappano, Anoushka Shankar und Max Richter verleihen dem Programm mit Residenzen weiteres Profil. René Jacobs, Zubin Mehta und das Israel Philharmonic Orchestra debütieren. Die Elbphilharmonie, als verkapptem Opernhaus: »Israel in Egypt«, »Porgy and Bess« und mehr.

Corona-Krisenfest: Ticketbuchung durch  „Book Now, Pay Later“  System

Spitzenorchester aus aller Welt, mehrfache Wiederbegegnungen mit Publikumslieblingen von Teodor Currentzis über Patricia Kopatchinskaja bis Paavo Järvi, Komponisten von Weltrang als Residenzkünstler, viele Werke von lgor Strawinsky anlässlich seines 50. Todestags, ein neues Festival für die neueste Musik, dazu ein breit gefächertes Programm aller Spielarten der besten Musik aus allen Zeiten und ein opulentes Angebot der regionalen Musikschaffenden: Das Saisonprogramm 2020/21 von Elbphilharmonie & Laeiszhalle präsentiert sich gewohnt hochkarätig und abwechslungsreich. Generalintendant Christoph Lieben­Seutter gab via Videokonferenz einen Ausblick auf die künstlerischen Pläne beider Konzerthäuser für die Saison 2020/21. Für die Elbphilharmonie ist es bereits die fünfte Spielzeit, und sie beinhaltet mehr Konzerte als je zuvor. Der Aboverkauf beginnt heute, am 29. April 2020. Die Bestellung von Einzeltickets verläuft nach dem Motto »Book now, pay later«, so bleibt der Kartenkauf im Hinblick auf mögliche Pandemie-bedingte Konzertabsagen für die Kunden risikolos. Gebucht werden kann ab 26. Mai, bezahlt wird erst, wenn sichergestellt ist, dass das Konzert auch stattfinden wird – spätestens sechs Wochen vor dem jeweiligen Termin.

Elbphilharmonie Hamburg / Jochen Margedant , Christoph Lieben-Seutter © Michael Zapf

Elbphilharmonie Hamburg / Jochen Margedant , Intendant Christoph Lieben-Seutter © Michael Zapf

Saison startet mit Gästen aus Pittsburgh  –  Elbphilharmonie Sommer entfällt

Den Corona-bedingten Restriktionen, die das Konzertleben in Hamburg bereits seit Mitte März lahmlegen, fällt auch der Elbphilharmonie Sommer 2020 zum Opfer. Davon betroffen sind nicht nur die 16 im August geplanten Konzerte im Großen Saal, sondern auch das Elbphilharmonie Konzertkino.

Zu der am 2./3. September geplanten Saisoneröffnung der HamburgMusik besteht zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Hoffnung, dass das Konzertleben dann wieder Fahrt aufnehmen wird. Die ersten Konzerte nach nahezu halbjähriger Pause würde dann das Pittsburgh Symphony Orchestra geben. Es kehrt unter der Stabführung seines Chefdirigenten Manfred Honeck in die Elbphilharmonie zurück und huldigt mit der Geigerin Anne-Sophie Mutter dem Jubilar Ludwig van Beethoven, dessen Geburtstag sich 2020 zum 250. Mal jährt.

Bei der NDR Opening Night, die ebenfalls an zwei Abenden gefeiert wird, empfängt Alan Gilbert, Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters, den Geiger Leonidas Kavakos. Er spielt das Concerto en Re von lgor Strawinsky und gibt damit schon mal einen Vorgeschmack auf das im April 2021 stattfindende Festival »Strawinsky in Hamburg«, mit dem das NDR Elbphilharmonie Orchester die intensive Zusammenarbeit mit dem Meisterkomponisten in der Frühzeit der eigenen Orchestergeschichte würdigt.

Heiner Goebbels, dessen »Eislermaterial« mit dem Ensemble Modern im Februar 2020 in der Elbphilharmonie das Publikum begeisterte, kehrt mit dem erweiterten Ensemble Modern Orchestra und der Aufführung seines brandneuen Stücks »A House of Call. My lmaginary Notebook« an den Ort seines Erfolgs zurück. Zu den Auftraggebern des Werks zählt auch die Elbphilharmonie [6.9., Großer Saal].

Ein Wiedersehen und Wiederhören gibt es sodann mit George Benjamin, Composer in Residence der Elbphilharmonie-Saison 2018/19. Er führt das Mahler Chamber Orchestra durch ein Programm mit Musik von Purcell, Ravel und Mozart und sein eigenes Werk »A Mind of Winter«. Solisten sind Pierre-Laurent Aimard [Klavier] und die Sopranistin Jennifer France [7.9., Großer Saal].

Elbphilharmonie Hamburg / NDR - Elbphilharmonie Orchester im Großen Saal © Michael Zapf

Elbphilharmonie Hamburg / NDR – Elbphilharmonie Orchester im Großen Saal © Michael Zapf

Große Interpreten als Dauergäste

Zum Ende der Eröffnungswoche läutet ein Gastspiel des Orchestra e Coro dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia – Roma den Reigen diverser Künstlerresidenzen der Saison ein. Das bedeutendste Sinfonieorchester Italiens bringt unter der Leitung seines Chefdirigenten Sir Antonio Pappano neben Musik von Beethoven und Schönberg auch eine Rarität mit: das Klavierkonzert mit Männerchor von Ferruccio Busoni. Den Solopart übernimmt lgor Levit [9.9., Großer Saal]

Sir Antonio Pappano gehört zu den exponierten Künstlern, die in der kommenden Saison mehrfach in Hamburg konzertieren. Der insbesondere für seine große Expertise als Operndirigent gerühmte kosmopolitische Pult-Star – in England geboren, in den USA aufgewachsen und familiär in Italien verwurzelt – komplettiert  seine Konzertreihe  mit der Accademia Nazionale di Santa Cecilia –  Roma im Mai 2021 mit zwei weiteren Konzerten im Rahmen des Internationalen Musikfests [4./5.5., Großer Saal] und bringt zudem das Chamber Orchestra of Europe zurück nach Hamburg, das unter seiner Stabführung Musik von Bartok und Gershwin spielt, außerdem das Klavierkonzert Nr.  1 von Ravel mit Jean-Yves Thibaudet als Solist [26.2., Großer Saal].

Harbour Front Sounds: Dichterlesungen mit Musik

Bereits in den vergangenen Jahren fanden zahlreiche Lesungen und Autoren-begegnungen im Rahmen des Harbour Front Literaturfestivals auch in den Sälen der Elbphilharmonie statt. In diesem Jahr nun präsentieren die Veranstalter in Kooperation mit HamburgMusik  mit »Harbour  Front Sounds« ein Festival im Festival, das in 14 Veranstaltungen Autoren bzw. aus deren Werk lesende Schauspieler mit Musikern zusammenbringt. Zu den zahlreichen Höhepunkten bei Harbour Front Sounds zählen die Begegnung zwischen dem US-amerikanischen Schriftsteller Richard Ford und dem legendären Singer/Songwriter Jackson Browne [13.9., Großer Saal], die Vorstellung der Autobiografie von Achim Reichel [13.9., Großer Saal] und die in eine veritable Russendisko ausufernde Lesung des Schriftstellers Wladimir Kaminer [12.9., Kleiner Saal].

Orchester aus aller Welt zu Gast in Hamburg

Gastspiele von rund 40 international tätigen Orchestern tragen das Ihre dazu bei, den Ruf Hamburgs als eine der führenden Musikstädte der Welt weiter zu festigen. Die meisten von ihnen kennen den Saal bereits aus den ersten elbphilharmonischen Jahren, aber manches  Debüt  stand  noch  aus. So kommt es endlich zum sehnsüchtig erwarteten ersten Besuch des Israel Philharmonie Orchestra  unter der Leitung seines neuen  Chefdirigenten Lahav Shani in  der  Elbphilharmonie [20.3.,  Großer Saal]. Maestro Zubin Mehta, der das Israel Philharmonie  über  ein  halbes  Jahrhundert  lang prägte, feiert seine Genesung nach langer Krankheit  unter anderem  mit  seinem Debüt  in  der  Elbphilharmonie am Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks [28.1., Großer Saal]. Weitere Debüts werden vom Danish National Symphony Orchestra [15.3., Großer Saal] erwartet, vom BBC Symphony Orchestra [9.4., Großer Saal] und vom Tokyo Symphony Orchestra [31.5., Großer Saal]. Auch das Radio Filharmonisch Orkest [13.5., Großer Saal] sowie das Bolschoi Theater Moskau debütieren in der kommenden Saison in der Elbphilharmonie – Einzelheiten hierzu in den Abschnitten  über  György Kurtag bzw. das Oster-programm.

Die Elbphilharmonie in Hamburg
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Jordi Savall und sein Orchester Le Concert des Nations komprimieren ihren ursprünglich auf zwei Spielzeiten verteilten Beethoven-Zyklus in der Laeiszhalle nun auf ein Wochenende im Oktober: Die neun Sinfonien erklingen in vier  Konzerten,  zwei  am  Nachmittag,  zwei  am  Abend  [17./18.10., Laeiszha llel.

Der weltweit gefragte Dirigent Paavo Järvi ist dem Hamburger Publikum nicht zuletzt  durch viele Konzerte am Pult der Deutschen  Kammerphilharmonie  Bremen  bestens  vertraut.  Im  zweiten  Jahr seiner Amtszeit als Chefdirigent und musikalischer Direktor auch des Tonhalle-Orchesters Zürich kommt Järvi im März 2021 mit  den Schweizern  zu  drei  Konzerten  nach  Hamburg.  An den  Abenden sind nacheinander die Solisten Faz1l Say [Klavier]. Kian Soltani [Cello] und Frank Peter Zimmermann [Violine] zu erleben, die dramaturgische Klammer bildet die Fokussierung auf  Werke  der  drei Komponisten Pärt, Schumann und Tschaikowsky.

Freuen kann sich das Publikum außerdem auf ein Wiedersehen mit Top-Orchestern wie dem SWR Symphonieorchester unter Teodor Currentzis [23.9., Großer Saal], den Münchner Philharmonikern unter Valery Gergiev [10.10., Großer Saal]. dem City of Birmingham Symphony Orchestra unter Mirga Grazinyte-Tyla [19.11.] oder den Wiener Philharmonikern unter Franz Welser-Möst [24.4., Großer Saal]. Möst ist auch Chefdirigent des Cleveland  Orchestra  und  steht  bei dessen  zweitägigem  Gastspiel mit Musik von Ades, Bruckner, Strawinsky und Mozart am Pult [14./15.10, Großer Saal].

Elbphilharmonie Hamburg / Münchner Philharmoniker - hier : Valery Gergiev © Daniel Dittus

Elbphilharmonie Hamburg / Münchner Philharmoniker – hier : Valery Gergiev © Daniel Dittus

Spielen und Hören mit Kopf und Herz: Portrait Patricia Kopatchinskaja

Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja hat sich in der letzten Dekade den Ruf einer Künstlerin erarbeitet, die nicht nur jedes Werk, das sie spielt, gründlich befragt, sondern die auch das Konzertwesen an sich, wo immer sie kann, aus den Angeln der Routine hebt. Bereits vor Eröffnung des neuen Konzerthauses an der Elbe war sie Residenzkünstlerin der Elbphilharmonie Konzerte. Nun kehrt die moldawisch-österreichisch-schweizerische Musikerin par excellence zu einer Residenz in die Elbphilharmonie zurück, deren sechs Abende es in sich haben, sowohl im Hinblick aufs Repertoire als auch auf die Darreichungsform

Noch im September gastiert sie an der Seite von Teodor Currentzis, einem ihrer erklärten Lieblingsdirigenten, mit Bartoks Violinkonzert Nr. 2, diesmal begleitet vom SWR Sinfonieorchester [23.9., Großer Saal]. In einem inszenierten Konzert,  überschrieben  mit  dem Titel »Dies lrae«, erkundet sie wenig später mit Gastsolisten und Mitgliedern des Ensemble Resonanz Bezüge und Reibungen zwischen Musik der Renaissance-Komponisten Biber und Lotti und jener von Crumb, Scelsi und Ustwolskaja, drei im weiteren Sinne miteinander geistesverwandten Komponisten des 20. Jahrhunderts [1.10., Großer Saal].

Mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France unter seinem Chefdirigenten Mikko Franck spielt Kopatchinskaja das selten aufgeführte Violinkonzert Nr. 2 des polnischen Komponisten Karol Szymanowski [23.10., Großer Saal]. Unverkennbar trägt ihre dramaturgische Handschriftauch dann wieder das vorösterliche Programm »Der Tod und das Mädchen«, bei dem die Geigerin mit der Camerata Bern Sterbe- und Todesmusiken von Dowland und Gesualdo über Schubert bis zu Kurtag zu einem bewegenden Reigen verschränkt [31.3., Großer Saal]. Kurtags Kafka-Fragmente, für die sich Patricia Kopatchinskaja die Sopranistin Ah Young Hong als Partnerin holt, bilden den Abschluss ihrer Portrait-Reihe [16.5., Kleiner Saal]. zu der tags zuvor  auch  eine  Filmvorführung mit  Musik  um Kurt Schwitters‘ legendäre »Ursonate« gehört [15.5., Kaistudiol.

Fünf Mal Klavierkunst in Vollendung: Daniil Trifonov

Elbphilharmonie Hamburg / Daniil Trifinov © Dario Acosta

Elbphilharmonie Hamburg / Daniil Trifinov © Dario Acosta

Der Russe Daniil Trifonov, mit seinen 29 Jahren bereits einer der vollkommensten Pianisten des 21. Jahrhunderts, ist in der Saison 2020/21 gleich fünf Mal in Hamburg zu erleben: solistisch mit Musik ausschließlich des 20.  Jahrhunderts  [16.11.,  Laeiszhalle].  anschließend  zweimal  in  der Elbphilharmonie mit dem Gewandhausorchester Leipzig unter seinem Chefdirigenten Andris Nelsons. Bei den beiden reinen Beethoven-Programmen spielt Trifonov das Klavierkonzert Nr. 5 und tags darauf mit Anne-Sophie Mutter [Violine] und Daniel Müller-Schott [Cello] das Tripelkonzert [17./18.11, Großer Saal]. Im Februar gastiert Trifonov bei zwei Konzerten des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter der Leitung seines Chefdirigenten Alan Gilbert [4./7.2., Großer Saal]. im April mit  dem Mahler Chamber Orchestra unter Jakub Hrusa [22.4., Großer Saal].

Die Elbphilharmonie, das verkappte Opernhaus

Zu den beliebtesten Fehlzuschreibungen der Elbphilharmonie gehört, sie sei Hamburgs neues Opernhaus. Doch so grundverkehrt ist das nicht, denn zur allgemeinen Überraschung und Freude erwies sich insbesondere der Große Saal des Hauses rasch als überaus geeignete Location für konzertante und halb-szenische Aufführungen auch von Opern gleich welcher Epoche der Musikgeschichte. Deshalb ziehen sich auch durch die kommende Saison immerhin neun konzertante bis semi-szenische Aufführungen, zudem vielfach Raritäten selbst auf Spielplänen echter Opernhäuser. Den spektakulären Auftakt hierzu liefert der Barock-Spezialist René Jacobs. Er bringt seine vielfach hymnisch besprochene CD-Produktion der »Leonore« von Beethoven, der Urfassung des »Fidelio«, mit dem Freiburger Barockorchester und der Zürcher Sing-Akademie live nach Hamburg und hat für das Gastspiel hervorragende junge Gesangssolisten ausgewählt [16.10., Großer Saal].

Auch die Silvester-Sause in der Elbphilharmonie, nach der »Fledermaus« 2018/19 und »My Fair Lady« 2019/20 fast schon zur Tradition geworden, gestaltet das NDR Elbphilharmonie Orchester wieder mit einer konzertanten Opernaufführung: Die Leitung von Jacques Offenbachs Bühnenhit »Orpheus in der Unterwelt« liegt in den Händen von Marc Minkowski, der im November 2019 mit seinen Musiciens du Louvre und Händels »Ariodante« das Elbphilharmonie-Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss [31.12./1.1., Großer Saal].

Im Rahmen des Internationalen Musikfests 2021 sind gleich drei große Opern zu erleben. Thomas Hengelbrock kehrt mit seinen Balthasar-Neumann-Ensembles und Solisten zu einer konzertanten Aufführung von Händels »Israel in Egypt« in die Elbphilharmonie zurück [12.5., Großer Saal], während sich Alan Gilbert und das NDR Elbphilharmonie Orchester einem der Schlüsselwerke des US-amerikanischen Musiktheaters widmen, George Gershwins »Porgy and Bess«. Einer testamentarischen Verfügung des Komponisten folgend, sind alle Gesangsrollen mit Afroamerikanern besetzt. Die Titelpartien singen Morris Robinson [Porgy] und Elizabeth Llewellyn [Bess] [21./22.5., Großer Saal]. Kurz vor dem Musikfest-Finale bringen das Helsinki Baroque Orchestra und der Arnold Schoenberg Chor aus Wien ein Werk zur Aufführung, das nicht zuletzt der unvergessene Nikolaus Harnoncourt dem Urteil der Unspielbarkeit zu entreißen versuchte: »Genoveva« von Robert Schumann. Die Visualisierung übernimmt die renommierte finnische Regisseurin Kristiina Helin, am Pult steht Aapo Häkkinen. In der Titelpartie ist Carolyn Sampson zu erleben, die ihr Elbphilharmonie-Debüt eigentlich in diesen Tagen beim Internationalen Musikfest Hamburg  2020 hätte feiern sollen. Als Golo steht der Tenor Andrew Staples auf der Bühne, der im vergangenen Jahr zwei bedeutende Aufführungen in der Elbphilharmonie gesungen hat – die Arien bei Bachs »Johannes-Passion« mit Sir Simon Rattle in der Inszenierung von Peter Sellars und als Solist beim »War Requiem« von Benjamin Britten [29.5., Großer Saal].

Zwei weitere Opern erklingen gleich in den ersten Wochen der neuen Saison auch in der Laeiszhalle: Im Rahmen der Reihe »Das Alte Werk«, die insgesamt sechs Konzerte umfasst, führt die Accademia Bizantina Vivaldis »ll Tamerlano« auf [29.9.]. das in London beheimatete junge Ensemble Solomon’s Knot präsentiert bei seinem überfälligen Hamburg-Debüt Auszüge aus Purcells »The Fairy Queen« [26.10.].

Weitere Einzelheiten bitten wir den Spielplan 2020/2021 der Elbphilharmonie – Laeiszhalle zu entnehmen.

—| Pressemeldung Elbphilharmonie Hamburg |—

Hannover, Staatsoper Hannover, Stephan Zilias – Neuer Generalmusikdirektor, IOCO Personalie, 16.04.2020

Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Stephan Zilias – Generalmusikdirektor ab Spielzeit 2020/21

Staatsoper Hannover / Intendantin Laura Bermann © Franz Bischof

Staatsoper Hannover / Intendantin Laura Bermann © Franz Bischof

Laura Berman, Intendantin der Staatsoper Hannover,  hat nach Abschluss eines breit angelegten Auswahlverfahrens, Stephan Zilias als neuen Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover vorgeschlagen. Es bestand Einigkeit im Aufsichtsrat darüber, die Verhandlungen mit Stephan Zilias zum Abschluss zu bringen. Damit wird zum Beginn der Spielzeit 2020/21 die Stelle nach einjähriger Vakanz wieder besetzt: Vorgänger  Ivan Repušic hatte 2017, als Nachfolger von Ulf Schirmer (IOCO berichtete,  link HIER)  die Leitung des Münchner Rundfunkorchesters übernommen.

„Ich bin glücklich, dass unser ausführlicher Auswahlprozess, in den viele Mitarbeiter*innen der Staatsoper eingebunden waren, zu einem neuen Generalmusikdirektor geführt hat, der bei allen im Haus auf positive Resonanz trifft. Die Zeit, die wir uns genommen haben, war extrem hilfreich, hat der Staatsoper gut getan und gezeigt, dass das Haus sich einig ist“, äußert sich Intendantin Laura Berman.Ich freue mich auf einen Partner, den ich als Dirigenten und Musiker mit großer Sorgfalt, Mitgefühl für seine Mitmenschen und ganz großem Herzen kennengelernt habe.“

Energiegeladen, leidenschaftlich, überzeugend und risikofreudig: Stephan Zilias, zur Zeit Kapellmeister an der Deutschen Oper Berlin, hat im Herbst 2019 an der Staatsoper Hannover die Wiederaufnahme von Salome geleitet sowie das 4. Sinfoniekonzert Verwandlungen mit Werken von Henri Dutilleux, Béla Bartók und Robert Schumann dirigiert.

„Ich fühle mich tief geehrt, zum Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover ernannt worden zu sein. Es ist eine wunderbare Aufgabe mit großer Verantwortung, auf die ich mich aus vollem Herzen freue. Ich hatte das Vergnügen, in den letzten Monaten mit dem fantastischen Orchester und den Sänger*innen des Ensembles schon intensiv arbeiten zu können. Ich freue mich auf die Arbeit mit Laura Berman, dem Ensemble, mit Orchester, Chor und den Teams von Staatsoper und Staatsballett. Gemeinsam werden wir uns neuen Herausforderungen stellen und alles daransetzen, die lange und exzellente Musiktradition in Hannover fortzuführen und neue Impulse zu setzen – einer Stadt, die meiner Familie und mir bald zur neuen Heimat werden wird,“ so der designierte Generalmusikdirektor Stephan Zilias.

Staatsoper Hannover / Stephan Zilias - kommender Generalmusikdirektor © Simon Pauly

Staatsoper Hannover / Stephan Zilias – kommender Generalmusikdirektor © Simon Pauly

Stephan Zilias studierte Klavier und Dirigieren in Köln, Düsseldorf und London. Zu seinen Lehrern zählten Pierre-Laurent Aimard und Tamara Stefanovich (Klavier), sowie Volker Wangenheim, Rüdiger Bohn und Colin Metters (Dirigieren). Wichtige musikalische Impulse erhielt er durch Meisterkurse bei Bernard Haitink, Gianluigi Gelmetti und Ilan Volkov.

Bereits während seiner Studienzeit wirkte er als Dirigent und musikalischer Assistent von Markus Stenz an der Oper Köln, wo er 2011 mit drei Vorstellungen von Wozzek debütierte. Prägende Erfahrungen sammelte er auch als Assistent von Edward Gardner und Thomas Hengelbrock an der English National Opera bzw. bei den Pfingstfestspielen Baden-Baden und bei Stefano Montanari an der Opéra de Lyon.

Im Sommer 2013 debütierte er mit Die Zauberflöte auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele. Nach zwei Spielzeiten als Repetitor und Kapellmeister am Staatstheater Mainz, folgte er 2014 dem Ruf ans Theater Lüneburg als 1. Kapellmeister, bevor er 2015 in der gleichen Rolle an die Oper Bonn berufen wurde. Dort dirigierte er die gefeierten Inszenierungen von Madama Butterfly, La bohème, Turandot, Le nozze di Figaro, Don Giovanni, Cosi fan tutte, Die Zauberflöte, Il barbiere di Siviglia, Lucia di Lammermoor, La Traviata, Rusalka, Carmen und Philip Glass‘ Akhnaten. Während seiner Amtszeit in Bonn war er aktiv an den Bildungs- und Vermittlungsprogrammen des Beethoven Orchesters beteiligt. Zu seinen weiteren symphonischen Erfahrungen gehörten Konzerte mit den Hofer Symphonikern und dem Orchestre Symphonique de Mulhouse.

In der Saison 2018/19 wurde Stephan Zilias Kapellmeister und Assistent von Donald Runnicles an der Deutschen Oper Berlin. In der vergangenen Saison dirigierte er Wiederaufnahmen von La Traviata, Die Zauberflöte, Die Fledermaus, Carmen und Neuproduktionen von Wozzeck, La Sonnambula und Detlev Glanerts neuer Oper Oceane.

Zu Beginn der Spielzeit 2019/20 gab er sein Hausdebüt an der Staatsoper Hannover mit Salome und kehrte später für symphonische Konzerte zurück. Außerdem dirigierte er Aufführungen mit dem Beethoven Orchester Bonn und an der Deutschen Oper Berlin (Don Giovanni, La Traviata, Die Zauberflöte, Die Fledermaus, Nabucco und Langgaards Antikrist). Weitere Hausdebüts in dieser Saison sind Auftritte an der Oper Leipzig (Il barbiere di Siviglia) und bei den Opernfestspielen von Savonlinna (Carmen).

Für die Zukunft sind Debüts im Herkulessaal der Residenz München, im Wiener Konzerthaus und an der Royal Swedish Opera geplant. Außerdem kehrt er an die Deutsche Oper Berlin zurück, um in den nächsten zwei Spielzeiten vier Produktionen als Gastdirigent zu dirigieren.

Im Mai 2018 wurde Stephan Zilias vom Honours Committeein London zum Associate of the Royal Academy of Music ernannt.

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Sehnsucht nach dem Miteinander, Festspiel-Saison 2020/2021

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Baden-Badener Festspiel-Saison 2020/2021

Sehnsucht nach dem Miteinander

Baden-Badener Festspiel-Saison 2020/2021 mit fünf Festivals, sieben Opern, Residenzorchestern aus Berlin, New York, St. Petersburg, München und Stuttgart –Intendant setzt auf die Macht der Musik und des Miteinanders.

Baden-Badens Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa ist fest davon überzeugt, dass Menschen schon bald wieder in großer Zahl gemeinsam Musik genießen werden können. Sein neues Programm der Saison 2020/2021 stellt er deshalb unter das Motto „Sehnsucht nach dem Miteinander“. Der Vorverkauf dazu beginnt heute (16. März 2020).

„Auch wenn wir derzeit noch von der Corona-Pandemie gebremst werden: Ich möchte mit dem neuen Programm Mut machen und positiv in die Zukunft blicken.“ Das Publikum, die Freunde und Förderer des Festspielhauses bittet Benedikt Stampa:Buchen Sie schon jetzt für die neue Saison und stellen Sie sich an die Seite so vieler wunderbarer Künstlerinnen und Künstler. Gemeinsames Musikerleben stärkt unsere Gesellschaft. Wir spüren gerade in der Corona-Krise schmerzhaft, wie sehr wir Konzerte, Opernabende und Ballett-Aufführungen vermissen. In ihnen schlummern seelische Abwehrkräfte.“

Fünf Festivals und sieben Opern

Fünf Festivals prägen das Saisonprogramm des Festspielhauses Baden-Baden 2020/2021.Sieben Opern, davon vier szenische Produktionen, bilden das Rückgrat der neuen Spielzeit“, so der Intendant. Sein zweites Baden-Badener Programm schärft zudem die Profile der einzelnen Baden-Badener Festspiele und beschäftigt sich wieder intensiv mit der Musikgeschichte des „Sehnsuchtsortes“ Baden-Baden. Die Opern Salome von Richard Strauss und Mazeppa von Peter I. Tschaikowsky werden in Baden-Baden neu inszeniert. Die Saison 2020/2021 beginnt am 20. September 2020. Sir Simon Rattle dirigiert Béla Bartóks Opern-Thriller Herzog Blaubarts Burg in einer konzertanten Aufführung.

Salome  –  neu inszeniert von Philipp Stölzl

„Die Herbstfestspiele 2020 werden mit der Neuinszenierung Salome von Regisseur Philipp Stölzl deutlich aufgewertet“, so Benedikt Stampa. Residenzorchester dieses Festivals (vom 28. November bis zum 6. Dezember 2020) sind die Münchner Philharmoniker, die neben ihrem Einsatz im Orchestergraben auch zwei Konzerte unter der Leitung ihres Chefdirigenten Valery Gergiev und eines mit Thomas Hengelbrock geben werden. Als Salome debütiert Evgenia Muraveva in Baden-Baden. Im Ensemble dieser Oper sind zudem Evelyn Herlitzius (Herodias), Michael Volle (Jochanaan) und Andrei Popov (Herodes).

Osterfestspiele 2012 – Mit den Berliner Philharmoniker 

Im Rahmen der Osterfestspiele 2021 mit den Berliner Philharmonikern dirigiert Kirill Petrenko die Tschaikowsky-Oper Mazeppa und leitet die konzertante Aufführung der Oper Francesca da Rimini von Sergei Rachmaninow. Die Neuinszenierung Mazeppa erarbeitet der russische Regisseur Dmitri Tcherniakov. Zu den Solisten der Oper zählen Olga Peretyatko (Maria), Ekaterina Semenchuk (Ljubow), Vladislav Sulimsky (Mazeppa) und Dmitry Ulyanov (Kotschubei). Um Tschaikowskys intensiver Auseinandersetzung mit den Werken Wolfgang Amadeus Mozarts nachzuspüren interpretiert Kirill Petrenko zudem am 29. März und am Karfreitag (2. April) dessen Requiem. Im Theater Baden-Baden entsteht im Rahmen der Osterfestspiele eine Neuinszenierung des Mozart-Singspiels „Zaide“.

Kameliendame –  von John Neumeier

Gleich zweimal kommt das Hamburg Ballett John Neumeier in der Spielzeit 2020/2021 nach Baden-Baden – im Herbst 2020 sowie zu Pfingsten 2021. Die schon traditionellen Ballett-Tage zu Beginn der Saison bringen dann John Neumeiers Nachtstücke und seinen Klassiker Die Kameliendame mit Musik von Frédéric Chopin. Sowohl im Herbst als auch zu Pfingsten lädt John Neumeier zu einer Ballettwerkstatt ein.

  Pfingstfestspiele 2021  – Hamburg Ballett – SWR Symphonieorchester

Zu den Pfingstfestspielen 2021 mit dem SWR Symphonieorchester kehren das Hamburg Ballett und John Neumeier zurück an die Oos. „Ich freue mich sehr auf Oliver Messiaens ‚Turangalîla‘-Sinfonie“, sagt Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa, denn „sie gehört zur DNA des SWR Symphonieorchesters und wurde von John Neumeier kongenial choreografiert.“ Werke des französischen Komponisten Messiaen sowie Gegenüberstellungen mit Kompositionen von Ravel, Wagner und Strawinsky prägen diese zweite Ausgabe der Festspiele im Zeichen der klassischen Moderne.

Mariinsky Ballett in den Winterfestspielen

Neben dem Hamburg Ballett John Neumeier bleibt das Mariinsky Ballett eine weitere feste Größe in Baden-Baden. Über die Weihnachtstage 2020 zeigt die Compagnie, deren Wurzeln im 18. Jahrhundert liegen, die Handlungsballette „Schwanensee“ und „Romeo und Julia“. In einer neu konzipierten Ballett-Gala am Zweiten Weihnachtstag tanzt die Compagnie Werke von Mikhail Fokine, Jerome Robbins und Marius Petipa. Die Residenz des Mariinsky Balletts firmiert unter dem Titel Winterfestspiele. „Auch dieses Festival möchte ich in den Folgejahren weiter profilieren“, so Intendant Benedikt Stampa, der zum Jahreswechsel Gastgeber des ARD-Silvesterkonzerts ist. Am 31.12.2020 leitet Teodor Currentzis das SWR Symphonieorchester. Auf dem Programm stehen Tschaikowskys Violinkonzert, die „Feuervogel“-Suite von Igor Strawinsky sowie Maurice Ravels „Boléro“.

Brahms mit Hengelbrock und Nézet-Séguin

Nach dem Erfolg der ersten Mikro-Festivals der Saison 2019/2020 hat das Festspielhaus Baden-Baden den Dirigenten Thomas Hengelbrock eingeladen, mit mehreren Ensembles im Herbst 2020 zentrale Werke von Johannes Brahms („Ein Deutsches Requiem“, „Ungarische Tänze“, Chormusik) und Johann Strauß zu interpretieren. Den Programm-Schwerpunkt Johannes Brahms greift im Sommer 2021 Yannick Nézet-Séguin auf. Er beginnt mit den Sinfonien 1 und 2 sowie dem 2. Klavierkonzert einen Brahms-Zyklus, der in den Folgejahren fortgesetzt werden soll. Musikalische Partner sind hier das Chamber Orchestra of Europe sowie die Solisten Andreas Ottensamer (Klarinette) und Yuja Wang (Klavier).

MET-Orchester erstmals wieder in Europa

Mit dem ersten Gastspiel des Orchesters der Metropolitan Opera New York seit fast 20 Jahren eröffnet Benedikt Stampa die Sommerfestspiele 2021 in Baden-Baden. „Yannick Nézet-Séguin möchte mit mir gern die Baden-Badener Musikgeschichte lebendig werden lassen“, sagt Benedikt Stampa, der den neuen Musikdirektor der MET auch als Liedbegleiter präsentiert. Am 2. Juli 2021 interpretieren der kanadische Dirigent und die Sopranistin Joyce DiDonato im Festspielhaus Baden-Baden Schuberts Winterreise zum Auftakt des Festivals. Dem Liederabend folgen Orchesterkonzerte, in denen Werke von Richard Strauss, Richard Wagner und Hector Berlioz im Mittelpunkt stehen. Berlioz dirigierte zu Lebzeiten häufig in Baden-Baden und schrieb hier auch Teile seiner Oper „Die Trojaner“. Auszüge daraus dirigiert Yannick Nézet-Séguin am 3. Juli 2021.

Zwei Aufführungen der Oper „Tosca“ und zwei Konzerte des Orchesters des Mariinsky Theaters beenden die Saison 2020/2021 im Festspielhaus Baden-Baden. Die Inszenierung der Puccini-Oper entstand 2007 in St. Petersburg und wird von Ensemble, Chor und Orchester des Mariinsky Theaters aufgeführt. In zwei Konzerten dirigiert Valery Gergiev zudem das Orchester des Mariinsky Theaters.

Stars der Oper in Konzerten

Die Liste großer Künstler-Namen, die 2020/2021 in Baden-Baden Konzerte und Opernaufführungen gestalten werden, ist lang. Intendant Benedikt Stampa heißt Cecilia Bartoli mit zwei halb-szenischen Aufführungen der Rossini-Oper La Cenerentola (6./8.11.2020) ebenso willkommen wie Diana Damrau, die gemeinsam mit Nicolas Testé am 4.12.2020 den Abend „Royal Affairs – Kings and Queens of Opera“ mitbringen wird. Auch Elena Garanca (14.11.2020), Sonya Yoncheva (12.6.2021) und Plácido Domingo (6.3.2021) werden erwartet.

Entertainment herzlich willkommen

Explizit wies Intendant Benedikt Stampa darauf hin, dass das Festspielhaus Baden-Baden auch Jazz, Pop und Musical ein guter Gastgeber sein möchte. „Ich freue mich in der Saison 2020/2021 auf eine neue Ausgabe des SWR3 New Pop Festivals, auf den modernen Klassiker ‚Stomp‘ und eine Serie des Musicals Ich war noch niemals in New York (13. bis 18.4.2021)“, so Benedikt Stampa.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Paris, Theatre des Champs-Élysées, Ludwig van Beethoven – Messe in C-Dur – Coriolan, IOCO Kritik, 09.02.2020

THÉÂTRE DES CHAMPS-ELYSÉES © Hartl Meyer

THÉÂTRE DES CHAMPS-ELYSÉES © Hartl Meyer

Théâtre des Champs-Élysées

LUDWIG VAN BEETHOVEN  oder  DIE SPIRITUELLE ERHÖHUNG ZUR MENSCHLICHKEIT

Messe in C-Dur op.86 (1807) / Klavierkonzert Nr.4 in G-Dur op .58 (1808) / Coriolan-Ouvertüre op.62 (1808)

von Peter M. Peters

Beethoven-Haus in Wien © IOCO

Beethoven-Haus in Wien © IOCO

Wohl kein anderer Komponist hat in seiner Musik, in seinem gesamten Schaffen Humanität und  Freiheitsgedanken, das Gute im Menschen verkörpert und integriert. Tatsächlich war Beethoven (1770-1827) ein musikalischer Moralist, der erste wirklich politische Komponist der Musikgeschichte. Schon während seiner Bonner Jugendjahre wurde er mit den Ideen der bürgerlichen Aufklärung, die schließlich – zumindest in Frankreich – zum Ausbruch der Revolution führten. Auch durch Vorlesungen des Franziskaners und Aufklärers Eulogius Schneider (1756-1794) konfrontiert, entwickelte er seine republikanische Weltanschauung, die sich später unter dem Einfluss Friedrich von Schillers (1759-1805) und besonders der Philosophie von Emmanuel Kants (1724-1804) noch erweiterte und verschärfte. Ein Bogen spannt sich von der frühen Kantate auf den Tod des Reformkaisers (Kantate auf den Tod Joseph II WoO 87 / 1790) bis hin zu der idealistischen Botschaft der „Freiheit“ unter dem Decknamen der „Freude“ in der Neunten Symphonie, einem Appell an die Menschheit inmitten der Metternichschen Unterdrückungspolitik. Bis zuletzt verweigerte Beethoven diese Repressionspolitik und äußerte frei und offen seine republikanischen Überzeugungen, wann und wo es ihm passte. Hätte man ihn in Wien nicht für einen Verrückten gehalten, dann wäre er von Metternichs (1773-1859) Spitzeln sicher verhaftet worden.

THÉÂTRE DES CHAMPS-ELYSÉES / Ludwig van Beethoven - hier : der Balthasar Neumann Ensemble und Orchester in Paris © Florence Grandeur

THÉÂTRE DES CHAMPS-ELYSÉES / Ludwig van Beethoven – hier : der Balthasar Neumann Ensemble und Orchester in Paris © Florence Grandeur

Die Zentrale Kategorie der Französischen Revolution – Freiheit – fand in Beethovens Musik ihren wohl wirksamsten Widerhall, und das bis in die innersten Zellen hinein: „Ist er schon der musikalische Prototyp des revolutionären Bürgertums, so ist er zugleich der einer  ihrer gesellschaftlichen Bevormundung entronnenen, ästhetisch voll autonomen, nicht länger bediensteten Musik.“ (Th. W. Adorno / 1903-1969). Und es ist die voll erreichte künstlerische Autonomie, die dafür die Voraussetzung bot, das Thema „Freiheit“ verbindlich gestalten zu können. Erst Beethovens Musik hat sich selbst von den Konventionen befreit. Der „neue Weg“, den er programmatisch beschritt, war der Versuch, die überlieferte Musiksprache einer grundlegenden Reflexion zu unterziehen, um sie durchlässig machen zu können für moralisch-politische Botschaften, von denen man früher sich nicht hätte träumen lassen.

Das Jahr 2020 feiert in der ganzen Welt den 250jährigen Geburtstag eines musikalischen Genie, aber auch das eines großen Humanisten. Jedoch gedenken wir auch an den 75.Jahrestag der Befreiung von Auschwitz: Als Angehöriger einer großen Musik-und Kulturnation können wir die ewige Frage, die wir ein Leben lang als Ballast mit uns tragen ohne je eine Antwort gefunden zu haben, nicht verschweigen! Warum? Wie konnte Unfassbares geschehen?

 Ludwig van Beethoven - so ganz anders © Peter M. Peters

Ludwig van Beethoven – so ganz anders © Peter M. Peters

Konzert am 3. Fevrier 2020 – Théâtre des Champs-Elysées

Musikalische Leitung  Thomas Hengelbrock

Sopran: Heike Heilmann, Agnes Kovacs, Mezzosopran: Anne Bierwirth, Natalia Kawalek, Tenor: Mirko Ludwig, Jan Petryka, Jakob Pilgram, Bass: Reinhard Mayr, André Morsch

Kristian Bezuidenhout: Hammerklavier, Balthasar Neumann Chor, Balthasar Neumann Ensemble

„Ich schreibe nicht für die Menge, ich schreibe für Kulturmenschen“

Die Messe in C-Dur ist ein Auftragswerk des Prinzen Nikolaus II Esterhazy (1714-1790) an Beethoven und wurde in Baden und später in Eisenstadt komponiert. Treu seiner humanistischen Divise wurde das Werk ein Manifest seiner „politischen und musikalischen Spiritualität“, indem jeder das Recht hatte erbauliche Übungen und geistige Erhöhung zu empfangen. Im Sinne der religiösen Aufklärung waren alle Menschen gleich und die konfessionelle Richtung wurde unwichtig. Das individuelle Denken und die humanistische Handlung eines jeden Menschen war das spirituelle Leitmotiv. Dass die Modernität und Zukunftsvision dieser Messe den Prinzen Esterhazy empörte, ist nicht verwunderlich, denn dieser erwartete ein Werk nach traditionellen und akademischen Muster. Thomas Hengelbrock hatte die geniale Idee den Chor vor das Orchester an die Bühnenrampe zu stellen ganz im Sinne Beethovens und der Epoche. Mitglieder des Chores übernahmen die normalerweise von Solisten vorgetragenen Solos, sodass eine musikalische Integration und Einheit geschaffen wurde ohne jedoch das Individuelle zu vergessen. Die fünf liturgischen Partien sind als Symphoniestücke konzipiert und staffeln sich autonom übereinander und nebeneinander und vereint mit der menschlichen Stimme bilden sie ein Ganzes angeführt von der C-Dur Tonalität. Diese jubelnde und aufbrausende Interpretation hat uns zum ersten Mal die ganze Schönheit und Besonderheit dieses selten aufgeführten Werkes nahe gebracht. Nach dem Misserfolg verließ der Komponist schwer verärgert Eisenstadt! Wir dagegen stimmen in den Jubel ein und mit Standing-ovation feiern wir Thomas Hengelbrock mit seinem Chor und Orchester ohne jedoch das Genie Beethovens zu vergessen.

Thomas Hengelbrock © Karl Forster

Thomas Hengelbrock © Karl Forster

Wie die Messe in C-Dur sowie auch die CoriolanOuvertüre gehört das 4. Klavierkonzert in die zweite Schaffensperiode des Komponisten. Auch das Konzert ist gewissermaßen eine Neuigkeit, komponiert in drei Sätzen und jeder Satz wird als symphonisches Stück vom Orchester behandelt, indem das Klavier gleichzeitig die Rolle des verbindenden Gliedes übernimmt. Die zwei Kadenzen befinden sich jeweils am Ende des ersten Satz sowie im Letzten. In allen drei Sätzen glaubt man Anklänge von Leonore und Orpheus (Gluck /1714-1787) zu hören, ein immer wiederkehrendes Wunschthema des Komponisten: „Freiheit und Liebe“. Der südafrikanische Pianist Kristian Bezuidenhout spielte auf einem Hammerklavier mit großer Sensibilität und sehr diskret reihte er sich in den Orchesterklang ein ohne virtuose Manier. Der Musiker ist wohl im Moment der gefragteste Hammerklavierspieler und alle Konzertsäle der Welt reißen sich um ihn. Und so war es denn auch eine Trauminterpretation, die vereint mit dem ausgezeichneten Orchester wahre Klangwunder vollbrachte.

Thomas Hengelbrock zur Bedeutung von Ludwig van Beethoven
youtube Trailer Théatre des Champs-Élysées, Paris
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Die CoriolanOuvertüre beginnt mit einem aufbrausenden wilden Takt, die mit vierzehn geballten Frequenzen dreimal kurz aufeinander erklingen, danach „komponierte“ Stille, bevor das Drama des römischen Helden beginnt. Man denkt an die Worte Goethes (1749-1832) gerichtet an den jungen Mendelssohn (1809-1847): “Ach der Beethoven, der mit seiner Musik Häuser und Paläste einreißt!“

Für den alternden Weimarer Dichterfürsten war das zu viel gefährliche Revolution. Zum Trotz spielte Thomas Hengelbrock mit dem Balthasar Neumann Ensemble diese Musik im Revolutionstakt, sodass man glaubte die Wände des Theaters erbebten. Ein großer musikalischer Abend: nicht nur ein Ohrenschmaus, sondern auch eine Ermahnung zum Denken.

Théatre des Champs Élysées, Paris / der Besucherraum im Stil des Art-Déco © Hartl Meyer

Théatre des Champs Élysées, Paris / der Besucherraum im Stil des Art-Déco © Hartl Meyer

Kleines Hammerklavier-Latein:

Hammerklavier ist der Oberbegriff für besaitete Tasteninstrumente, deren Saiten durch Hämmer angeschlagen und zum Klingen gebracht werden. Diese Hämmer bestehen in der Regel aus Holz und sind meist mit Filz oder Leder bespannt. Heutzutage wird die Bezeichnung „Hammerklavier“ zur deutlichen Abgrenzung historischer Instrumente von modernen Klavieren benutzt. Auch „Pianoforte“ und „Fortepiano“ bezeichnete man zunächst ein Tasteninstrument, auf dem man im Gegensatz zum Cembalo stufenlos leise (piano) und laut (forte) spielen kann. Als Erfinder des Hammerklavier (italienisch Gravicembalo col piano e forte) gilt Bartolomeo Cristofori (1655-1731), der um 1698 erste Exemplare fertigte. Für die Verbreitung in Deutschland war vor allem Gottfried Silbermann (1683-1753) bedeutend, der nicht nur einer der berühmtesten Orgelbauer seiner Zeit, sondern auch innovativ im Bau besaiteter Tasteninstrumente wie Cembalo, Clavichord und Hammerklavier war. Seine Hammermechaniken sind bis in Details hinein sehr stark von Cristoforis Entwürfen beeinflusst.

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