Bonn, Theater Bonn, Premiere TOSCA von Giacomo Puccini, 03.11.2013

Oktober 18, 2013 by  
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Theater Bonn

Theater Bonn © Thilo Beu

Theater Bonn © Thilo Beu

Premiere: TOSCA  von Giacomo Puccini 

Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica
nach dem Drama von Victorien Sardou  
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln  
 
Premiere: 3. November 2013, 18.00 Uhr; Weitere Vorstellungen: 8.11.2013; 10.11.2013; 16.11.2013; 30.11.2013; 7.12.2013; 18.12.2013; 25.12.2013; 25.12.2013; 29.12.2013; 12.01.2014; 18.01.2014; 24.01.2014; 26.01.2014; 01.02.2014; 08.02.2014; 15.02.2014; 27.03.2014
In seinem 2010 erschienenen Buch Zwei ungleiche Rivalen ruft der Schriftsteller Helmut Krausser anschaulich in Erinnerung, wie durch List und Winkelzüge des Verlegers Giulio Ricordi ein bis heute ununterbrochen anhaltender Welterfolg der Opernliteratur entstehen konnte. Das bereits vollendete Libretto war für einen anderen [und eigentlich zu der Zeit noch erfolgreicheren] Komponisten der Casa Ricordi geschrieben worden: Alberto Franchetti, der mit ASRAEL und CRISTOFORO COLOMBO in Folge zwei Opern herausbrachte, die ihn sogleich mit an die Spitze der jüngeren Komponistengeneration nach Verdi katapultiert hatten. Und doch spürte der Verleger instinktiv in Giacomo Puccini den längerfristig mehr Versprechenden. Und tatsächlich fügt sich der nur auf den ersten Blick reißerische Stoff nahtlos in die Folge seiner Opern ein, die fast ausnahmslos dem Erfolgsrezept des französischen Dramatikers Victorien Sardou [und angeblich auch Gustave Flauberts] zu folgen scheinen: „Quäle deine Heldinnen!“ Darüber gerät aber gern aus dem Blick, dass TOSCA sozusagen den Inbegriff eines Politthrillers darstellt, der nicht nur auf dem Hintergrund des Konflikts zwischen römischen Republikanern und neapolitanischen Royalisten gesehen werden muss.
 
Rom, 1800. Bis auf ihre gelegentlichen Eifersuchtsanfälle führt die berühmte Sängerin Floria Tosca eine glückliche Beziehung mit dem Maler Mario Cavaradossi. An dem Tag, als Mario einem Staatsfeind zur Flucht verhilft, ändert sich jedoch das Leben des Liebespaars von Grund auf. Tosca gerät ins Visier des mächtigen Polizeichefs Scarpia. Dieser lässt Cavaradossi gefangen nehmen, und Tosca wird unversehens zum Spielball. Für eine Liebesnacht mit ihm, Scarpia, verspricht er ihr, den Geliebten laufen zu lassen. Mit Recht misstraut Tosca diesem Erpressungsversuch und sieht keinen anderen Ausweg, als ein Verbrechen zu begehen…
 
Musikalische Leitung: Hendrik Vestmann
Inszenierung: Philipp Kochheim
Bühnenbild: Thomas Gruber
Kostümbild: Gabriele Jaenecke
Choreinstudierung: Volkmar Olbrich
Einstudierung Kinderchor: Ekaterina Klewitz
 
Mit: Yannick-Muriel Noah (Floria Tosca); Christian Juslin (Mario Cavaradossi), Evez Abdulla (Baron Scarpia), Johannes Mertes (Spoletta), Alexey Smirnov (Sciarrone), Rolf Broman (Cesare Angelotti),  Priit Volmer (Mesner),  Chor des Theater Bonn | Kinderchor des Theater Bonn,  Beethoven Orchester Bonn
 
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Krefeld, Theater Krefeld Mönchengladbach, Premiere Rienzi – Aufstieg und Fall eines Machtmenschen, IOCO Kritik, 09.03.2013

März 12, 2013 by  
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Kritik

Theater Krefeld Mönchengladbach

Richard Wagner “Rienzi“ Premiere am 09.03.2013

Aufstieg und Fall eines Machtmenschen

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Pünktlich zu Wagners 200. Geburtstag in diesem Jahr rüsten sich die Bühnen der Welt mit Neuinszenierungen und Wiederaufnahmen seiner Werke, um dieses Jubiläum festlich zu begehen. Aber es sind landauf, landab ausschließlich die gängigen Werke seines umfangreichen Schaffens, die zu erleben sind.

Nun nahm sich mit Mut und Zuversicht das Theater Krefeld/Mönchengladbach ein Frühwerk vor, ganz nach der Redensart – wer wagt gewinnt – . “Rienzi, der letzte der Tribunen“ wurde im Oktober 1842 in Dresden uraufgeführt. Der Untertitel des Werkes lautet “Große tragische Oper in fünf Akten“. Die Vorlage für den knapp 30jährigen Komponisten war die deutsche Übersetzung des Romans “Rienzi, or the Last of The Tribunes“, des Engländers Edward Bulwer-Lytton.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Es geht um Machterhalt, Machtgewinn, politische Ränke, um die Freiheit des geknechteten Volkes. Es ist ein Polit-Thriller, der im Rom des 14. Jahrhunderts spielt, der viel politische Brisanz birgt und dessen Titelheld Rienzi, anders als alle anderen Titel gebenden Helden Wagners, real war. Eingewoben in die Handlung ist eine interessante Dreiecks-Beziehung.

Rienzi“ wird selten aufgeführt. Unter anderem deshalb, weil die musikalischen Anforderungen sehr hoch sind und viele kleinere Bühnen einfach überfordert wären, eine Aufführung zu stemmen. Leider! Denn trotz vieler schwacher Stellen kann dieses Werk immer noch stark wirken, zumal wenn man den revolutionären Kern scharf heraus arbeitet.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Und das schaffte hier der Regisseur Matthias Oldag ganz überzeugend, indem er behutsam kürzte und sich auf das wesentliche beschränkte. Auch verlegte er die Handlung in die Jetztzeit, ins Hier und Heute.

Eine ideale Ergänzung zu dieser Sicht war da die Bühne von Thomas Gruber. Seine Video-Installationen der verschiedensten politischen Ereignisse der letzten Jahrzehnte korrespondierten sehr gut zu Grubers Interpretation. Passend auch dazu waren die Kostüme von Henrike Bromber.

In beeindruckenden Bildern gelingt es Oldag, die Geschichte des Volkstribuns Cola Rienzi zu zeichnen, dem idealistischen “Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit“, der aber scheitern muss, aufgerieben “im politischen Kampf zwischen Volk, Adel, Kirche und Kaisertum“ und darüber wahnsinnig wird.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Besonders faszinierte der Regisseur mit seiner Personenführung. Eine “Hauptperson“ profitierte da in ganz erheblichem Maße, der Chor, der in diesem Werk Wagners eine Hauptrolle inne hat. Oldags Choreografie der Massen war überwältigend gut. Und dieser Chor war einfach großartig und deswegen muss er an erster Stelle der zu beurteilenden musikalischen Protagonisten genannt werden.

Der Chor des Theaters Krefeld-Mönchengladbach gilt über die Region hinaus als einer der vielseitigsten und stimmstärksten Opernchöre in NRW, in dem die jungen Stimmen hörbar dominieren. Wieder einmal hatte ihn die außerordentlich begabte Maria Benyumova optimal einstudiert.

Waren in der Ouvertüre noch einige Intonationstrübungen bei den Blechbläsern nicht zu überhören, klang später alles rund und die melodienreiche, rhythmisch prägnante Musik Wagners erfuhr durch die hörbar gut aufgelegten Niederrheinischen Sinfoniker gebührendes Gewicht. Obwohl GMD Mihkel Kütson ein moderates Tempo vorgab, gelang es ihm Stringenz und Spannung zu halten, sowie den ganzen musikalischen Apparat souverän zu dirigieren und ein orchestrales Feuerwerk zu entfachen.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Rienzi © Matthias Stutte

Hervorragend die Gesangssolisten:

Die kräftezehrende Titelpartie verkörperte Carsten Süss. Sein Tenor hat Biss und Durchschlagskraft. Dazu ist er ein fabelhafter Gestalter, was er auch schon als Andrej in “Mazeppa“ überzeugend demonstrierte. An diesem Premierenabend baute er im 2. Akt stimmlich etwas ab, teilte seine Kräfte aber gut ein und brachte die Partie bewundernswert sicher zu Ende. Das war eine ganz große Leistung.

Etwas zu bieder gestaltete Anne Preuß die Irene, Rienzis Schwester. Ihr jugendlich-dramatischer Sopran geriet bei dieser sehr hoch liegenden Partie an ihre Grenzen und wurde bei Extremnoten schrill. Solide in Stimme und Spiel war Hayk Déinyan als Stefano Colonna.

Sein Sohn Adriano (eine Hosenrolle), der Irene liebt, wurde von Eva-Maria Günschmann mit dramatischer Attacke hervorragend gesungen und überzeugte mit einem intensiven, glaubwürdigen Spiel.Eine prächtige Type war Andrew Nolen als verwegen aussehender Paolo, Haupt der mit den Colonnas verfeindeten Orsini-Sippe. Matthias Wippich sang stimmschön den Kardinal. Walter Planté war als Senator Baroncelli sehr überzeugend. Thomas Peter als Gast, sang die kleine Rolle des Cecco.

Berechtigten Riesenbeifall gab es für alle Mitwirkenden seitens des Publikums im ausverkauften Haus. Diese Produktion hat das Zeug dazu, alle Freunde der Oper, insbesondere die Wagnerianer, zu begeistern. Man sollte sie unbedingt besuchen.

IOCO / UGK / 09.03.2013

Weitere Vorstellungen für diese weit und breit einzige szenische RIENZI-Inszenierung sind am 19., 27. und 29. März, am 7., 14., 27. April, am 5. und 24. Mai.

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