Hagen, Theater Hagen, CARDILLAC – Paul Hindemith, 21.09.2019

September 20, 2019 by  
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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

CARDILLAC – Oper von Paul Hindemith

Samstag, 21. September 2019, 19.30 Uhr

Die Eröffnungspremiere im Theater Hagen im Großen Haus am 21.9.2019 (19.30 Uhr) bildet die Aufführung der Oper Cardillac von Paul Hindemith in ihrer Erstfassung von 1926 mit einem Libretto von Ferdinand Lion nach der Erzählung Das Fräulein von Scuderi von E.T.A. Hoffmann.

Schmuck verkaufen und den Käufer dann hinterrücks ermorden, um auf diese Weise Schmuck und Geld behalten zu können, klingt nach einem rein materialistisch motivierten Geschäftsmodell. Nicht so beim Goldschmied Cardillac, der doch genau das tut. Aber er mordet eben nicht aus Geldgier, sondern schlicht, weil er nicht ertragen kann, dass ‚sein’ Schmuck nicht mehr bei ihm ist – der Künstler wird zum Psycho-Serientäter, und eine Stadt sucht einen Mörder. – E.T.A. Hoffmann hat mit seiner Erzählung Das Fräulein von Scuderi den Stoff für diesen Krimi geliefert, den Paul Hindemith in den 1920er Jahren, zur Zeit von ‚Bauhaus‘ und ‚neuer Sachlichkeit‘, vertont hat.

Theater Hagen / Cardillac- Thomas Berau (Cardillac) und Chor des Theaters Hagen © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Cardillac- Thomas Berau (Cardillac) und Chor des Theaters Hagen © Klaus Lefebvre

Für die Umsetzung dieser Oper wirkt erneut ein Team zusammen, welches in der letzten Spielzeit mit großem und überregionalem Erfolg Wagners Tristan und Isolde im Theater Hagen realisiert hat und deutschlandweit für Aufsehen sorgte – eine Produktion, die von Fachkritikern mehrfach ausgezeichnet wurde: Joseph Trafton (Musikalische Leitung), Jochen Biganzoli (Regie), Wolf Gutjahr (Bühne), Katharina Weissenborn (Kostüme), Hans-Joachim Köster (Licht), Francis Hüsers (Dramaturgie). Dieses Team sieht den im Künstler-Psycho-Drama gefangenen Goldschmied Cardillac als eine Art Kunst-Terrorist, der (zu) radikale Antworten auf die Frage nach dem gesellschaftlichen Sinn von Kunst ausprobiert. So legt die Hagener Inszenierung unter der Krimi-Handlung von Hindemiths „Cardillac“ den bis heute währenden Streit um Kunst frei, der zuweilen in einer Radikalität geführt wird, die selbst im Bauhaus-Manifest von Walter Gropius von 1918 beinahe wie religiöser Eifer aufscheint: „Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft […] als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens.“ Die Aufführungen von dieser klangreichen, dramatischen Oper am Theater Hagen sind also nicht ohne Grund Teil der Veranstaltungen zum „Bauhaus-Jahr“ 2019. Generalmusikdirektor Joseph Trafton dirigiert dieses Werk, dessen Stil von der Musikwissenschaft tatsächlich auch schon mal als „Bauhaus-Barock“ bezeichnet wurde, und er hat mit dem Orchester, den Solo-Sänger*innen und dem Chor die höchste Ansprüche an alle stellende Partitur effektvoll erarbeitet. Denn trotz Hindemiths frühmoderner Vorliebe für Abstraktion und Stilisierung ist seine „Cardillac“-Musik doch ganz auf den fesselnden Klangeffekt im Ablauf eines spannenden Psycho-Krimis konzentriert.

Es singen und spielen: Thomas Berau (Cardillac), Angela Davis (Cardillacs Tochter), Milen Bozhkov (Offizier), Thomas Paul (Kavalier), Veronika Haller (Eine Dame), Ivo Stánchev (Goldhändler), Kenneth Mattice (Der Führer der Prévôté); Chor und Extrachor des Theaters Hagen, Statisterie des Theaters Hagen, Philharmonisches Orchester Hagen

Samstag, 21. September 2019, 19.30 Uhr , weitere Vorstellungen: 3.10. (18.00 Uhr); 18.10. (19.30 Uhr); 10.11. (15.00 Uhr); 13.11.2019 (19.30 Uhr); 10.1. (19.30 Uhr); 16.1. (19.30 Uhr); 26.1.2020 (18.00 Uhr)

DIE STUNDE DER KRITIK  – CARDILLAC
Sonntag, 10.11.2019, im Anschluss an die Vorstellung, Theatercafé, Eintritt frei
Zu Gast: Wiebke Roloff (Opernwelt), MIT MUSIK Kenneth Mattice singt Hindemiths „Drei Hymnen von Walt Whitman“, am Klavier: Amy Tarantino-Trafton

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Hagen, Theater Hagen, Premieren September – Oktober 2019, IOCO Aktuell

August 13, 2019 by  
Filed under Ballett, Oper, Operette, Premieren, Theater Hagen

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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

 

Theater Hagen :  Premieren September – Oktober 2019


CARDILLAC   –  Oper von Paul Hindemith in drei Akten, Erstfassung von 1926,  Libretto von Ferdinand Lion nach der Erzählung Das Fräulein von Scuderi von E.T.A. Hoffmann   – In deutscher Sprache mit Übertexten

Premiere: Samstag, 21. September 2019, 19.30 Uhr | Großes Haus

Schmuck verkaufen und den Käufer dann hinterrücks ermorden, um Schmuck und Geld behalten zu können, klingt nach einem profitablen Geschäftsmodell. Doch der Goldschmied Cardillac mordet nicht aus Geldgier – er kann nur nicht ertragen, dass ‚sein’ Schmuck nicht mehr bei ihm ist: Der Künstler wird zum Psycho-Serientäter, und eine Stadt sucht einen Mörder. E.T.A. Hoffmann hat mit seiner Erzählung Das Fräulein von Scuderi den Stoff für diesen Krimi geliefert, den Paul Hindemith in den 1920er Jahren, zur Zeit von „Bauhaus“ und „neuer Sachlichkeit“, vertont hat.

Regisseur Jochen Biganzoli, der mit seiner Hagener Inszenierung von Wagners Tristan und Isolde deutschlandweit für Aufsehen sorgte, sieht den Goldschmied Cardillac als eine Art Kunst-Terrorist, der (zu) radikale Antworten auf die Frage nach dem Sinn von Kunst sehr praktisch ausprobiert. So macht die Hagener Inszenierung unter der Krimi-Handlung die Radikalität eines Kunst-Streits sichtbar, die selbst im Bauhaus-Manifest von Walter Gropius von 1918 schon als religiöser Eifer aufschien: „Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft […] als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens.“

Die Aufführungen von Hindemiths Cardillac sind Teil des „Bauhaus-Jahres“ 2019 in Hagen, wo an vielen Gebäuden der Anspruch dieser frühmodernen Kunstschule zu begutachten ist. Und dass dieser Anspruch weit über das Bauen hinausreichte, wird am Theater nun in einem Genre erlebbar, das mit Architektur gar nichts zu tun hat: das durch Klang ausgedrückte Drama, die alle Sinne fesselnde Oper.

Generalmusikdirektor Joseph Trafton wird die von der Musikwissenschaft tatsächlich auch schon als „Bauhaus-Barock“ bezeichnete Partitur effektvoll zum Klingen bringen. Denn trotz Hindemiths frühmoderner Vorliebe für Abstraktion und Stilisierung ist diese Musik doch ganz auf den fesselnden Effekt im Ablauf eines spannenden Psycho-Krimis konzentriert. Wieder einmal wird im Theater Hagen Außerordentliches zu erwarten sein!

Musikalische Leitung Joseph Trafton | Inszenierung Jochen Biganzoli | Bühne Wolf Gutjahr | Kostüme Katharina Weissenborn | Licht Hans-Joachim Köster | Dramaturgie Francis Hüsers | Mit Thomas Berau (Der Goldschmied Cardillac), Milen Bozhkov (Der Offizier), Angela Davis (Die Tochter), Veronika Haller (Die Dame), Kenneth Mattice (Der Führer der Prévôté), Thomas Paul (Der Kavalier), Ivo Stánchev (Der Goldhändler) | Chor und Extrachor des Theaters Hagen | Statisterie des Theaters Hagen | Philharmonisches Orchester Hagen

Weitere Vorstellungen: 3.10. (18.00 Uhr); 18.10. (19.30 Uhr); 10.11. (15.00 Uhr); 13.11.2019 (19.30 Uhr); 10.1. (19.30 Uhr); 16.1. (19.30 Uhr); 26.1.2020 (18.00 Uhr)

Werkstatt-Probe (Einführungsveranstaltung): 16.9.2019, 18.15 Uhr, Theatercafé/Großes Haus,  Die Stunde der Kritik: 18.10.2019, im Anschluss an die Vorstellung, Theatercafé

b   –   Eine LiveMusikKlassikerShow nach dem Drama von Georg Büchner
In einer Fassung von Anja Schöne • Ab 14 Jahren
Schulvorstellungen besonders empfohlen für die Klassen 9-13

Premiere: SAMSTAG, 28. SEPTEMBER 2019, 19.30 Uhr | Lutz

Ein Radiomoderator hat jahrelang Anrufe von Menschen entgegengenommen, die seinen Rat suchten. Nun feiert er seine letzte Sendung und will seinen Abschied stimmungsvoll mit einer Liveband begehen. Doch da ruft ein gewisser Woyzeck an und stammelt, er habe seine Freundin Marie ermordet. Wegen des Tambourmajors, der Erbsen und der Stimmen in seinem Kopf. Statt der Feier beginnt eine musikalische Untersuchung, die die Geschehnisse rund um den Mord aufrollt.

Büchners radikales Fragment über Macht und Ohnmacht, Willensfreiheit und Fremdbestimmung und das gewalttätige Potential derer, die sich ausgeschlossen und ausgenutzt fühlen, verwandelt sich auf der Lutz-Bühne in das entlarvende Porträt einer unmenschlichen Gesellschaft, nah an Büchner und doch ganz im Heute.

Inszenierung Anja Schöne | Bühne Jeremias H. Vondrlik | Kostüme Sabine Kreiter | Musik Basil Weis | Dramaturgie Anne Schröder | Mit Justin Benedict Dörpinghaus, Kristina Günther, Aischa-Lina Löbbert, Björn Lukas, Basil Weis

Weitere Vorstellungen: 25.10.2019 (19.30 Uhr); 20.3. (19.30 Uhr); 25.4. (19.30 Uhr); 19.5.2020 (19.30 Uhr)

Schulvorstellungen: 1.10. (12.00 Uhr); 6.11. (12.00 Uhr); 8.11.2019 (12.00 Uhr); 18.3. (12.00 Uhr); 19.3. (12.00 Uhr); 28.4. (12.00 Uhr); 19.5.2020 (12.00 Uhr)

Diese Produktion wird vom Förderprojekt „Jeder Schüler ins Theater Hagen“ vom Theaterförderverein Hagen e.V. unterstützt, das einen kostenlosen Besuch für Schüler*innen im Klassen- oder Kursverband ermöglicht.

CASA AZUL  –  Inspired by Frida Kahlo
Ballett von Marguerite Donlon,   Komposition und musikalische Arrangements von Claas Willeke

Premiere: Samstag, 5. Oktober 2019, 19.30 Uhr, Großes Haus

Marguerite Donlon, neue künstlerische Leiterin des Balletts Hagen, hat sich für die Kreation von CASA AZUL intensiv mit Leben und Werk von Frida Kahlo auseinandergesetzt. „Schon zu Lebzeiten war sie eine Legende, heute ist sie zum Mythos geworden. Um durchzuhalten, malte sich Kahlo in ihren detailgenauen Selbstportraits die physischen und psychischen Leiden von der Seele. Durch das Malen überwand sie Schmerz, Liebesleid und Lebensverdruss. Kahlo malte buchstäblich um ihr Leben.“

Den transformatorischen Prozess ihrer inneren Phantasie-, Farb- und Gestaltwelten und die äußeren Zwänge ihres Lebens im „Korsett“, aber auch als eigenständige Frau im beginnenden 20. Jahrhundert in Tanz umzusetzen – die Poesie dieser großen Künstlerin bewegt zu gestalten, ihrem Leben nachzuspüren, ist eine wunderbare choreographische Herausforderung.

In der Casa Azul wurde sie geboren – im berühmten blauen Haus am Rande Mexico Cities ist sie auch 1954 verstorben. Kurz nach ihrem Tod hat ihr Ehemann, der Freskenmaler Diego Rivera, die Casa Azul als Museum der Öffentlichkeit übergeben.

Frida Kahlos intensives, kraftvolles wie kraftraubendes Leben ist geprägt von ihrem schier unbeugsamen Willen zu leben und zu überleben – eine kontinuierliche Selbstvergewisserung in einer von inneren und äußeren Brüchen bestimmten Lebenswelt. Ihre politischen Aktivitäten, die Rückbesinnung auf die indigene Kultur Mexikos, ihr politisches Bekenntnis zum Kommunismus, ihr Verständnis von freier Liebe zu beiden Geschlechtern, insbesondere aber die Liebe zu Diego Rivera, ihre zweifache Ehe mit dem berühmten Muralisten, ihre zahlreichen Aufenthalte in den USA und die Einladung des Surrealisten André Breton nach Paris, um nur einige Facetten ihres reichhaltigen Lebens hervorzuheben, verdeutlichen den unglaublichen Radius einer Frau, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Ich necke den Tod und lache ihn aus, damit er mich nicht so leicht unterkriegt.“ Im Alter von 18 Jahren wurde Frida Kahlo durch einen tragischen Unfall in der Straßenbahn durch eine eiserne Griffleiste „wie ein Torerodegen den Stier durchbohrt“ für ihr Leben getroffen. Frida Kahlos den Blick bannende Selbstbildnisse bilden den Großteil ihres künstlerischen Schaffens. Sie, die „Krüppelin malt sich schön, von aristokratischer Eleganz, in boticellesker Malweise“, kleinformatig im Stuhl oder im Bett liegend, mit Spiegeln ausgestattet, um die Welt aufzunehmen. „Nichts ist für das Leben wichtiger als das Lachen. Lachen bedeutet Stärke, Selbstvergessenheit und Leichtigkeit. Tragödien sind dagegen albern.

Choreographie und Inszenierung Marguerite Donlon | Bühne, Video und Licht Ingo Bracke | Kostüme Markus Maas | Gesang und Gitarre Luis Gonzalez | Choreographische Assistenz Francesco Vecchione | Dramaturgie Waltraut Körver | Mit Brandon Alexander, Filipa Miranda Amorim, Gennaro Chianese, Peter Copek, Alexandre Démont, Ciro Iorio, Jeong Min Kim, Noemi Emanuela Martone, Federica Mento, Amber Michelle Neumann, Sara Peña, Dario Rigaglia

Weitere Vorstellungen 11.10. (19.30 Uhr); 20.10. (15.00 Uhr); 27.10. (15.00 Uhr); 6.11. (19.30 Uhr); 17.11. (18.00 Uhr); 21.11. (19.30 Uhr); 27.12.2019 (19.30 Uhr); 18.1. (19.30 Uhr); 29.1. (19.30 Uhr); 22.2. (19.30 Uhr); 29.3. (18.00 Uhr); 18.4.2020 (19.30 Uhr); Gastspiel in Siegen: 29.10.2019

WERKSTATT-PROBE (Einführungsveranstaltung): 30.9.2019, 18.15 Uhr, Großes Haus

DIE STUNDE DER KRITIK: 27.10.2019, im Anschluss an die Vorstellung, Theatercafé – Zu Gast: Dr. Marieluise Jeitschko


Pardauz  –  Ein TanzObjektTheaterSpaß von Anja Schöne und Ensemble • Ab 3 Jahren

Premiere: SAMSTAG, 19. Oktober 2019, 15.00 Uhr | Lutz

Zwei Performer*innen kugeln anarchisch verspielt auf die Bühne – pardauz – liegen sie da. Doch schon im nächsten Moment stehen sie wieder auf, verwandeln sich in bunte Dreiecke, umkreisen sich, kommen sich näher, werden zum Quadrat und pardauz – fällt alles auseinander. Gleich geht es weiter in spiralförmigen Sprüngen – bis zum nächsten pardauz.

In einem bunten TanzTheater mit Objekten schickt Regisseurin Anja Schöne ihr Ensemble auf die Spuren von Bauhaus und Dada und schafft ein mitreißendes Theaterspektakel für alle Generationen rund um die Erkenntnis, dass nach dem Fall immer vor dem Fall ist. Oder frei nach Hugo Ball „elifantolim brussala bulomen tromtata“.

Inszenierung Anja Schöne | Choreographie Jozsef Hajzer | Bühne und Kostüme Sabine Kreiter | Dramaturgie Jannica Hümbert | Es spielen, kugeln und fallen: Anne Schröder und Lilian-Felicitas Prudlo

Weitere Vorstellungen: 23.10. (10.00 Uhr); 27.12.2019 (15.00 Uhr); 26.1. (15.00 Uhr); 28.1. (10.00 Uhr); 29.2. (15.00 Uhr); 5.4.2020 (15.00 Uhr)


DER GRAF VON LUXEMBURG  –  von Franz Lehár

Libretto von Robert Bodanzky, Leo Stein, Alfred Maria Willner,  In deutscher Sprache mit Übertexten

Premiere: SAMSTAG, 26. Oktober 2019, 19.30 Uhr, Großes Haus     

„Heut‘ noch werd‘ ich Ehefrau! Doch wer wird mein Mann? Bis jetzt weiß ich es nicht genau, egal! – Was liegt daran?“ (Angèle in  Der Graf von Luxemburg)

Zwei Menschen heiraten, ohne sich zu kennen und ohne sich während der Trauung sehen zu können: Diese Scheinehe ermöglicht Angèle zur Gräfin zu werden und nach der schon geplanten Scheidung eine standesgemäße Ehe mit dem Fürsten Basil eingehen zu können. Basil ist es auch, der dem Grafen René mit viel Geld davon überzeugt, zum „Heiratsgrafen“ zu werden. Der Graf von Luxemburg kann dieses Geld gut gebrauchen, schließlich hat er sein Vermögen „verjuxt, verputzt, verspielt, vertan“ und weiß nicht, wie er sein ausschweifendes Leben in Paris weiterhin finanzieren soll. Teil der Vereinbarung ist jedoch, dass René und Angèle sich nie kennenlernen. Es kommt zu einem zufälligen Treffen der beiden in der Oper, bei dem sie sich verlieben. Zunächst ist ihnen nicht bewusst, dass sie auf dem Papier bereits Mann und Frau sind. Doch als René erkennt, an wen er sein Herz verloren hat, stellt sich die Frage: Geld oder Liebe?
Franz Lehár gelang es 1909 mit dieser Operette an den sensationellen Erfolg von „Die lustige Witwe“ anzuknüpfen: Der Komponist schuf ein Meisterwerk der späten Wiener Operette voller mitreißender Melodien, Tempo und Witz. Bist du’s, lachendes Glück? – diese Frage treibt die Figuren um: Zwischen Pragmatismus und Hoffnung schwankend, versuchen sie ihren Gefühlen habhaft zu werden.
Nach seinen überaus beliebten Inszenierungen von Kiss me, Kate und „Blues Brothers“ kehrt der Regisseur Roland Hüve nun ans Theater Hagen zurück.

Musikalische Leitung Rodrigo Tomillo, Inszenierung Roland Hüve,  Bühne und Kostüme Siegfried E. Mayer,  Choreographie Eric Rentmeister,  Licht, Chor Wolfgang Müller-Salow,  Dramaturgie Rebecca Graitl, Mit Marilyn Bennett, Angela Davis, Olaf Haye, Kenneth Mattice, Cristina Piccardi, Richard van Gemert, Oliver Weidinger, Chor des Theaters Hagen, Extrachor des Theaters Hagen, Ballett Hagen, Philharmonisches Orchester Hagen

Weitere Vorstellungen: 31.10. (19.30 Uhr); 3.11. (18 Uhr); 8.11. (19.30 Uhr); 15.11. (19.30 Uhr); 23.11. (19.30 Uhr); 4.12. (19.30 Uhr); 14.12. (19.30 Uhr); 18.12. (19.30 Uhr); 31.12. (15.00 Uhr); 31.12.2019 (19.30 Uhr); 5.1. (15.00 Uhr); 15.1. (19.30 Uhr); 16.2.2020 (15.00 Uhr)

Werkstatt-Probe (Einführungsveranstaltung): Montag, 21.10.2019, 18.15 Uhr, Theatercafé/Großes Haus – Eintritt frei

Die Stunde der Kritik:  Sonntag, 3.11.2019, im Anschluss an die Vorstellung, Theatercafé – Eintritt frei


—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Premiere – Orpheus in der Unterwelt, 17.02.2019

Februar 11, 2019 by  
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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

  Orpheus in der Unterwelt  –  Jacques Offenbach

Um Sein und Schein geht es in Jacques Offenbachs Operette Orpheus in der Unterwelt, und so enthüllt Regisseur Markus Bothe im Jahr des 200. Geburtstages von Offenbach in seiner Inszenierung eine marode Götterwelt, die keiner mehr braucht, und stellt eine Eurydike in den Mittelpunkt, die sich nicht zum Opfer machen lässt.

Premiere  Sonntag, 17. Februar, 19 Uhr

Nationaltheater Mannheim / Orpheus in der Unterwelt © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Orpheus in der Unterwelt © Hans Jörg Michel

An der Seite von Markus Bothe, der am Nationaltheater Mannheim bereits äußerst erfolgreich Die Heimkehr des Odysseus und Norma inszeniert hat, sind Robert Schweer wieder für die Gestaltung der Bühne und Justina Klimczyk für die Kostüme verantwortlich. In der in Mannheim auf Deutsch gesungenen Operette geben Joshua Whitener und Amelia Scicolone das durch den Tod getrennte Paar Orpheus und Eurydike; die Götter Pluto, Jupiter, Juni, Venus, Diana, Mars, Merkur und Cupido sind Joachim Goltz, Thomas Berau, Marie-Belle Sandis, Estelle Kruger, Iris Kupke (Gast), Ilya Lapich, Uwe Eikötter und Ludovica Bello. Mit von der Partie ist als Styx der legendäre Wagner-Sänger Wolfgang Neumann, bis zu seinem Ruhestand Mitglied des Mannheimer Sängerensembles und Publikumsliebling am NTM. Die Musikalische Leitung hat Benjamin Reiners.

Weitere Vorstellungen finden am 19. und 23. Februar, 3., 8., 15., 23. und 30. März, 4. und 28. April, 1. Juni und 5. Juli statt.

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—

Mannheim, Nationaltheater, Die Meistersinger von Nürnberg – Richard Wagner, IOCO Kritik, 29.11.2018

November 30, 2018 by  
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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Die Meistersinger von Nürnberg – Richard Wagner

– Der Aufmarsch der Marionetten –

Von Uschi Reifenberg

Das Nationaltheater Mannheim hat wieder eine Meistersinger Inszenierung, die Spaß macht, und das im doppelten Wortsinne. Die verschiedenen Spielarten des Komischen stehen für den englischen Regisseur Nigel Lowery, der ebenso für das Bühnenbild und die Kostüme verantwortlich zeichnet, im Vordergrund seiner Inszenierung von Richard Wagners einziger komischen Oper Die Meistersinger von Nürnberg.

Was Lowery vorführt, ist Theater auf dem Theater im besten Sinne, episches Theater im Stile Brechts, ein Spiel mit Masken und Spiegeln, eine Verbindung aus Märchen-Puppen und Marionettentheater mit Anleihen bei der Commedia dell‘arte.

Die Meistersinger von Nürnberg – Richard Wagner
Youtube Trailer des Nationaltheater Mannheim
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Karikatur, Parodie, Ironie, Slapstic, comicartige Szenen, gewürzt mit einer Prise englischen Humors à la Monthy Python ergeben pralles, sinnliches Musiktheater, das nie ins Lächerliche abdriftet.

Lowerys Verkleinerungen, Perspektivwechsel und ironische Brechungen weiten und multiplizieren die Wahrnehmung, was zwar faszinierend ist, aber auch die Distanz vergrößert.

In Wagners menschlichstem Werk wünscht man sich, näher an die innerseelischen Vorgänge der Figuren herangeführt zu werden, was zumindest am Beginn des 3. Aktes in der Schusterstube gelingt. Wenn alle Hüllen gefallen sind und die Privatperson Hans Sachs nach den Ausschreitungen der Johannisnacht in Freizeitkleidung den Boden wischt, wird klar, dass Sachs nicht nur im entfesselten Gewirr der künstlerischen Ergüsse für Ordnung sorgt, sondern auch im realen Alltag den Überblick behält. Sichtbar wird ein einsamer, resignierter Mann, der über den wahnhaften Zustand der Welt reflektiert, der Abschied nimmt vom eigenen Liebesglück und sich zu der Erkenntnis durchringt, dass er sowohl der nächsten Generation als auch den künstlerischen Errungenschaften zur Weiterentwicklung und zum Fortbestand verhelfen muss.

Nationaltheater Mannheim / Die Meistersinger von Nürnberg - hier :  Ensemble © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Meistersinger von Nürnberg – hier : Ensemble © Hans Joerg Michel

Die Meistersinger, Wagners bürgerliche Festoper, konzipiert als (heiteres) Satyrspiel, das nach antikem Vorbild auf die Tragödien folgte, sind angesiedelt im Nürnberg des 16. Jahrhunderts, zur Zeit der Reformation, mit der historischen Figur des Schuster-Poeten Hans Sachs an der Spitze. Die Meistersinger sind alles andere als  rückwärtsgewandtes Historiendrama, der Ort

Nürnberg fungiert hier als Metapher für die Auseinandersetzung von Tradition und Fortschritt, Gegenwart und Zukunft, Politik und Staat. Über allem geht es in Wagners philosophischer Komödie um die Kunst. Sie erscheint hier als das Bindeglied der bürgerlichen Gemeinschaft und vermag- anders als die Politik- mit ihren Regeln Ordnung zu gewährleisten und Anarchie und „Wahn“ in Schach zu halten. Wagners gesellschaftsutopischer Entwurf, wie in seiner Schrift Das Kunstwerk der Zukunft“ thematisiert, findet hier seine ideale Entsprechung.

Das Spiel im Spiel findet in einem Guckkasten Rahmen mit Brecht-Gardine statt, in welchem sich die Akteure einfinden und den Darstellern die passenden Kostüme anprobieren. Ebenso werden verschiedene Bühnenbilder ausprobiert, beispielsweise ein großformatiges Tableau vom Moulin Rouge, das aber dann doch dem Inneren der Katharinenkirche weichen muss. Beckmesser entscheidet sich nach Anprobe einer Naziuniform und jüdischer Kippa mit Locken (man denkt an Beckmesser als viel gescholtene Judenkarikatur), schließlich für das Gewand eines evangelischen Priesters. Im schön gemalten gotischen Kirchenraum sieht man Eva- puppenhaft herausgeputzt- in träumerischer Haltung. Wie ihre Leidensgenossinnen Senta und Elsa sehnt sie sich heftig einen Retter herbei. Da schwebt plötzlich – man traut seinen Augen kaum — am oberen Bühnenrand das Raumschiff Enterprise l vorbei. Jetzt wissen wir: Erlösung naht aus den unendlichen Weiten des Weltalls. Und tatsächlich erscheint ein Stolzing/ Lohengrin Verschnitt in silbernem Gewand und blonder Haarpracht, direkt von der Enterprise in die Kirche gebeamt.

Nationaltheater Mannheim / Die Meistersinger von Nürnberg - hier : Tilmann Unger als Stolzing, Thomas Jesatko als Sachs, Thomas Berau und Ensemble © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Meistersinger von Nürnberg – hier : Tilmann Unger als Stolzing, Thomas Jesatko als Sachs, Thomas Berau und Ensemble © Hans Joerg Michel

Da wird nicht lange gefackelt, kaum haben sich Eva und Stolzing kurz beschnuppert, sind die beiden auch schon ein Paar, das ziemlich genau weiß, was es will und sich um Regeln und Vorschriften herzlich wenig kümmert. Dies nämlich ist vor allem Sache der Meistersinger. Diese kommen daher als putzige Karikaturen in detailverliebten Renaissancekostümen mit diversen Altersgebrechen, ein seniles Häuflein beflissener Nürnberger Handwerker, das keine neuen Impulse von Außen zulässt und sich verzweifelt an das Regelwerk der Tabulatur klammert. Die Kunstausübung ist erstarrt und hängt sozusagen am Tropf der tradierten Norm. Vielleicht wird deshalb immer wieder ein Sarg über die Bühne getragen, mal beerdigt man symbolisch die Kunst, oder was von ihr übrig geblieben ist, oder auch die Hoffnung-wer weiß…

Die aber stirbt bekanntlich zuletzt, was auch dadurch gezeigt wird, dass die Meister bei Stolzings überschwänglichem Probelied plötzlich wie in Trance zu tanzen beginnen und Wände in Bewegung geraten. Ein witziges Leitmotiv ist der Busch, der verschiedene Metamorphosen durchläuft. Zuerst fährt er als Dornenhecke Beckmessers über die Bühne, dann ist er Fliederbusch, der sich vermehrt und als Requisit für Sachsens Monolog dient, dann mobiles Versteck für das Liebespaar im 2. Akt oder gar brennender Dornbusch am Ende der Prügelfuge.

Am Schluss des ersten Aktes, wenn Stolzing gegen den Protest der Meister sein Kunstlied durchgesetzt hat, verstopfen sich die Meister die Ohren mit Zeitungspapier, ein bedrohliches Bühnenbild mit schwarzem Gewölk wird dazu heruntergefahren, das sogleich wieder verschwindet, stattdessen erstrahlt ein klarer Sternenhimmel, in welchen Stolzing hinaufgezogen wird. Nicht im Venusberg, sondern im Parnass hat der Künstler geweilt und vermag auf der Festwiese von jenen Wonnen zu singen, die ihm dort widerfahren sind …   Möglicherweise ist dies aber auch ein Verweis des Regisseurs auf Wagners eigene Inspiration, die ihn 1861 in Venedig nach dem Anblick des Bildes von Tizians Assunta, der Himmelfahrt Marias, zur Vollendung der Meistersinger animiert haben soll.

Der Sternenhimmel wölbt sich auch über das Bühnenbild des 2. Aktes, ergänzt durch einen Dorfbrunnen mit Johannes Figur und einem Häusereck im bayerisch-barocken Stil. Eine klare Verortung der Szene mit liebevollem bis kitschigem Lokalkolorit. Sachs – detailgetreu historisch kostümiert, mit weißer Perücke, singt seinen Fliedermonolog auch tatsächlich unterm Fliederbusch und hat mit Eva ein sehr inniges Verhältnis, was am unkomplizierten Körperkontakt zu erkennen ist. Beckmesser wird in seinem Ständchen von einer aparten Harfenistin mit veritabler Beckmesser- Harfe unterstützt, die jedoch um ihre wohlverdiente Gage geprellt wird. Bemerkenswert ist auch der Nachtwächter mit Totenkopfmaske, Laterne und Kegel, ein mittelalterlicher Sensenmann, der allgegenwärtig ist und wahllos zuschlägt.

Zum Ende von Beckmessers desolatem Ständchen verirren sich Sachs und Beckmesser in die erste Reihe des Zuschauerraumes und schaffen es gerade noch rechtzeitig zur Prügelfuge auf die Bühne, die von lustigen Kasperle Figuren angezettelt wird. Lowery inszeniert die Kontrapunktik der Prügelfuge, indem er der größtmöglichen musikalischen Verdichtung ein Puppentheater entgegensetzt. In der Tat ein interessanter Kunstgriff.

 Nationaltheater Mannheim / Die Meistersinger von Nürnberg - hier :  Thomas Jesatko als Sachs © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Meistersinger von Nürnberg – hier : Thomas Jesatko als Sachs © Hans Joerg Michel

Die Schusterstube im 3. Akt ist in schwarz gehalten, kräftige weiße Pinselstriche deuten die Innenarchitektur an, ein Kamin, ein Schreibtisch und eine Katze komplettieren Sachsens gemütliches Zuhause. Sachs und Stolzing sind während ihres philosophischen Diskurses über Leben und Kunst in rote Bademäntel gehüllt, trinken Punsch und lassen in schönster Harmonie eines der genialsten Lieder entstehen, die je geschrieben wurden. Beckmesser darf noch einen Kampf mit Sachsens Katze ausfechten, der für Lacher sorgt. Im 3. Akt ist die Guckkasten-Bühne mit überdimensional gespiegelter Laute, riesiger Ritterrüstung und bunten Mittelalter- Wimpeln ein Eyecatcher.

David darf noch seinen Junggesellen Abschied im zwielichtigen „Haus zum Schwanen“ feiern, (Parsifal lässt grüßen), dann fährt Lowery zum großen Festwiesen Finale zusätzlich zum Puppen Arsenal noch mal sämtliche Geschütze auf, die der Wagner Fundus zu bieten hat. Stolzing bringt zum Gesangswettbewerb gleich den Gralskelch mit, der die Kunst- Erlösung garantiert und lässt ihn – ganz im Wagnerschen Sinne -bei der Festwiesen Gesellschaft rumgehen. Bei Sachsens Schlussansprache ziehen – synchron zur berüchtigten c-Moll Stelle – wieder die dunklen Wolken herauf. Keiner will Sachs  zuhören, alle Anwesenden verschwinden, zu schwer wiegt die Bürde der Vergangenheit. Sachs bleibt zunächst im Regen stehen, da erscheint der versöhnte Beckmesser, den Sachs zu sich unter den Schirm holt. „Zweieinig“, unter dem Jubel aller Beteiligten feiern die beiden Kontrahenten die Kunst und Sachsens integrative Gesamtleistung. Am Bühnenhimmel wartet schon die Enterprise. Stolzing und Eva machen sich aus dem Staub und dringen womöglich in Galaxien vor, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Auch das Wagnerensemble, Orchester und Chor des NTM sind  überzeugend aufgestellt.

Nationaltheater Mannheim / Die Meistersinger von Nürnberg - hier : Ensemble © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / Die Meistersinger von Nürnberg – hier : Ensemble © Hans Joerg Michel

Der Bayreuth- erprobte Thomas Jesatko als Sachs stattet die Riesen- Partie mit allen Facetten seines variablen Baritons aus, wortverständlich, sensibel, mit großer Emphase, berührend in den resignativen Momenten, ein beeindruckendes Rollenportrait. Als Beckmesser steht Joachim Goltz ihm nicht nach. Sein klarer, tragfähiger und höhensicherer Bariton besticht mit präziser Deklamation, Goltz‘ darstellerische Fähigkeiten geben der vielschichtigen Figur nicht nur Witz, sondern auch Tiefe. Tilman Unger ist vom Erscheinungsbild her ein idealer Stolzing. Er teilt sich die Partie klug ein, lässt aber bisweilen heldische Strahlkraft und Durchsetzungsfähigkeit vermissen. Astrid Kessler überzeugt als mädchenhafte, quirlige Eva, mit klangvoller Mittellage und Tiefe sowie mit dramatischen Aufschwüngen in der Schusterstube. Christopher Diffey singt als David die Weisen differenziert, lebendig mit schönem Timbre und mühelosen tenoralen Spitzen. Der Pogner von Sung Ha erscheint als seriöse Persönlichkeit, mit kultiviertem, sonorem Bass. Die Magdalene wird von Marie-Belle Sandis mit resoluter Mezzo-Attitüde versehen. Als Nachtwächter lässt Bartosz Urbanowicz aufhorchen. Chor und Extrachor unter der Leitung von Danis Juris präsentieren sich in Bestform, homogen und klangexpansiv.

GMD Alexander Soddy geht das Vorspiel mit straffen Tempi, schwungvoll, pathosfrei, mit viel Sinn für die Mittelstimmen von Wagners komplexer kontrapunktischer Partitur an. Der 1. Akt kommt allerdings wirkt wie mit angezogener Handbremse; die Balance zwischen Bühne und Graben lässt ab und zu wünschen übrig, ebenfalls vermisste man diesmal die Trompeten, dafür überraschte das überaus engagierte Solohorn umso mehr. Im Laufe des Abends gleichen sich diese leichten Unstimmigkeiten; Soddy findet- bei aller kammermusikalischen Behandlung – zu schwebendem Fluss und sinfonischem Aufblühen der Komposition. Im 3. Akt vereint Soddy Orchester, Chor und Solisten zu einer eindrucksvollen Schlussapotheose in strahlendem C-Dur.

Das enthusiasmierte Publikum spendet lang anhaltenden Beifall für alle Beteiligten und Jubelrufe für die Solisten. Mit dieser Meistersinger Inszenierung kann man die kommenden Jahre wunderbar leben!

—| IOCO Kritik Nationaltheater Mannheim |—

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