Ulm, Theater Ulm, Kay Metzger – Intendant bis 2026, IOCO Aktuell, 26.03.2021

März 26, 2021 by  
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Theater Ulm

Theater Ulm © Kerstin Schomburg

Theater Ulm © Kerstin Schomburg

 Kay Metzger  –   Intendant  bis 2026

Der Gemeinderat der Stadt Ulm hat im nichtöffentlichen Teil seiner Sitzung am 24. März 2021 beschlossen, den Vertrag von Kay Metzger bis zum 14. August 2026 zu verlängern, und folgte damit der Empfehlung des Fachbereichsausschusses Kultur.

Bürgermeisterin Iris Mann gratulierte Kay Metzger zum Votum des Gemeinderats: »Ich freue mich auf die weitere konstruktive Zusammenarbeit mit Kay Metzger, die vielen spannenden Projekte in- und außerhalb des Theatergebäudes, und kann es kaum erwarten, dass wir endlich wieder die Ergebnisse des wunderbaren künstlerischen Potenzials am Theater live sehen können.«

Kay Metzger, *5.2.1960, ist seit der Spielzeit 2018/2019 Intendant am Theater Ulm. Zuvor leitete er die Mehrspartenhäuser in Halberstadt und Quedlinburg sowie in Detmold.

Theater Ulm / Intendant Kay Metzger © Kerstin Schomburg

Theater Ulm / Intendant Kay Metzger © Kerstin Schomburg

Nach dem erfolgreichen Start Kay Metzgers in Ulm musste in der Mitte der Jubiläumsspielzeit 2019/2020 der reguläre Spielbetrieb wegen der Corona-Pandemie eingestellt werden. In den ersten anderthalb Spielzeiten der Intendanzzeit vor der Pandemie gelang es Metzger, in der Stadt und Region großen Enthusiasmus für die künstlerische Arbeit des Theaters zu erzeugen, was auch Ausdruck fand in steigenden Abo- wie Besucherzahlen. Zur positiven Resonanz trug neben dem breit gefächerten und hochwertigen Programm in allen Sparten auch die Öffnung des Theaters in den Stadtraum bei, die mit einer Vielzahl an Formaten und Kooperationspartnern realisiert wurde.

Metzgers Credo, das Theater zudem als Ort auch des politischen Diskurses zu definieren, wurde mit einer Serie von Theatertexten zu sozialen Problemstellungen wie Extremismus und Populismus in die Tat umgesetzt. Auch die Bemühungen Metzgers um die zeitgenössische Akzentuierung der Theaterarbeit wurden deutlich sichtbar mit zahlreichen Ur- und Erstaufführungen, Auftragswerken, der Etablierung von Arbeitsbeziehungen des Theaters mit Autoren und Autorinnen sowie mit performativen Projekten im Spielplan, auch unter Nutzung digitaler Gestaltungsoptionen.

Zu den künftigen Projekten in dieser Hinsicht zählen die Uraufführung von John von Düffels Antigone in der kommenden Spielzeit und die posthume Uraufführung von Charles Tournemires La Légende de Tristan in der Spielzeit 2022/2023. Markante Akzente setzte Metzger weiterhin mit der Intensivierung der theaterpädagogischen Arbeit, besonders bei Tanzpädagogik und Musikvermittlung, sowie mit zahlreichen Kooperationen, so mit der ADK Ludwigsburg oder mit Theatern wie dem Königlichen Opernhaus Stockholm und den Staatstheatern in Meiningen und Oldenburg.

Während der schwierigen Phase der Pandemie konnte Metzger auf das hohe Engagement aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theaters setzen, die alternative künstlerische Programme u.a. für die sozialen Medien entwickelten und unter schwierigen Bedingungen die ersten Produktionen der kommenden Spielzeit vorbereiten, etwa die Oper Kátja Kabanová als Regiedebüt von Angela Denoke in einer speziell konzipierten musikalischen Fassung. Zudem konnte trotz der pandemiebedingten Einschränkungen die Nachfolge auf der Position des Generalmusikdirektors am Theater Ulm geregelt werden, mit dem neuen Orchesterchef Felix Bender befindet sich Intendant Kay Metzger (lesen Sie mehr, HIER!) derzeit an der Planung künftiger Vorhaben.

–| IOCO Aktuell Theater Ulm |—


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Ulm, Theater Ulm, Felix Bender – Neuer Generalmusikdirektor, IOCO Aktuell, 12.03.2021

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Theater Ulm

Theater Ulm © Kerstin Schomburg

Theater Ulm © Kerstin Schomburg

Felix Bender – neuer GMD am Theater Ulm

Am 10. März berichtete IOCO noch ausführlich über das Findungsverfahren zum neuen Generalmusikdirektor am Theater Ulm. Die Entscheidung für Felix Bender fiel schneller als erwartet, als angekündigt:

Intendant Kay Metzger informierte Bürgermeisterin Iris Mann am 11. März, 2021, Donnerstagmorgen über den Ausgang des Auswahlverfahrens um die Position des Generalmusikdirektors am Theater Ulm. Nach einer spannenden Schlussrunde, in der sich vier renommierte Dirigenten mit einer intensiven Arbeitsprobe und einem nichtöffentlichen Dirigat präsentierten, verständigten sich Intendant und Philharmonisches Orchester der Stadt Ulm rasch und eindeutig auf den 35-jährigen Felix Bender. Bürgermeisterin Mann zeigt sich über den erfolgreichen und einvernehmlichen Ausgang der Wahl erfreut: »Hier ist in schwierigen Zeiten eine wichtige Weichenstellung für Stadt und Theater erfolgt, die hoffnungsfroh stimmt und in guter Ulmer Tradition einem relativ jungen Künstler eine hervorragende Bühne bietet«. Felix Bender erhält einen Fünfjahresvertrag.

Felix Bender © Felix Bender

Felix Bender © Felix Bender

Nahezu 120 Bewerbungen gingen auf die Ausschreibung der GMD-Stelle ein, darunter leider nur drei von Dirigentinnen. Das Auswahlverfahren begann im Januar 2020 und musste wegen der Corona-Pandemie immer wieder unterbrochen, verschoben und zuletzt modifiziert werden. »Mit dem Abschluss des Verfahrens haben wir allerdings aus der Not eine Tugend gemacht«, so Metzger, »denn durch die Orchesterprobe am Vormittag und die anspruchsvolle Programmauswahl für das Konzert konnten vielfältige Eindrücke und gute Erkenntnisse gewonnen werden«.

Obwohl sich alle vier Kandidaten in der Schlussrunde mit insgesamt sehr überzeugenden Dirigaten vorstellten, sei die Wahl auf den ehemaligen Thomaner Felix Bender nicht schwergefallen. Es seien viele Parameter für solch eine Position ausschlaggebend, betont Metzger. Das dreistündige Gespräch, das er mit Felix Bender führte, habe ein Übriges getan. Da passe vieles zusammen. Bender selbst zeigte sich ungemein glücklich über die vom Theater getroffene Entscheidung: »Es ist eine wunderbare Aufgabe mit großer Verantwortung, auf die ich mich aus vollem Herzen freue«. In seinen bisherigen Begegnungen mit den Künstlern und Künstlerinnen habe er sofort »eine besonders inspirierende Atmosphäre und gemeinsame Lust am Musizieren verspürt«, äußerte Bender nach seiner Wahl. Etwas Besseres könne es für einen Dirigenten nicht geben. Im ersten Gedankenaustausch mit Intendant Kay Metzger erklärte er: »Gemeinsam werden wir uns in dieser besonderen Zeit neuen Herausforderungen stellen und alles daransetzen, die große Musiktradition in Ulm erfolgreich fortzuführen und neue Impulse zu setzen. Darauf freue ich mich sehr«.

Lucia di Lammermoor am Theater Chemnitz mit Felix Bender als Musikalischer Leiter
youtube Trailer Theater Chemnitz
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Konzertmeister Tamás Füzesi rechnet nach dem deutlichen Votum mit einem überaus fruchtbaren Miteinander zwischen Orchester und Dirigent. Der Orchestervorstand ist dankbar, dass das Verfahren trotz der Pandemie erfolgreich abgeschlossen werden und sich jeder der Finalisten gut präsentieren konnte. »Wir sind glücklich über die Wahl und freuen uns sehr auf die gemeinsame musikalische Zusammenarbeit«, so Maria Braun vom Vorstand.

Turandot – Finale- Felix Bender
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Felix Bender tritt in der kommenden Spielzeit die Nachfolge von Timo Handschuh an, der nach 10 Jahren erfolgreichen Wirkens seine Tätigkeit am Theater Ulm auf eigenen Wunsch im Sommer 2021 beendet. Timo Handschuh verpflichtete Bender bereits 2015 als Gastdirigent für ein Sinfoniekonzert im CCU mit Brahms’ Doppelkonzert und Hindemiths Sinfonie Mathis der Maler‚ das vielen Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters in guter Erinnerung blieb.

Der gebürtige Hallenser studierte in Weimar, wo er auch von 2010 bis 2013 als 2. Kapellmeister engagiert war. Anschließend wechselte er als 1. Kapellmeister und stellvertretender GMD nach Chemnitz und übernahm dort in der Spielzeit 2016/2017 kommissarisch das Amt des GMD. Seit 2018/2019 ist Felix Bender ständiger Gastdirigent an der Oper Leipzig. Ferner dirigierte er Orchester wie die Staatskapelle Dresden, das MDR-Sinfonieorchester und das Konzerthausorchester Berlin.

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Ulm, Theater Ulm, Findungsverfahren zu neuem GMD – Status, IOCO Aktuell, 11.03.2021

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Theater Ulm

Theater Ulm © Carola Hölting

Theater Ulm © Carola Hölting

Generalmusikdirektor – Findungsverfahren am Theater Ulm

Felix Bender, Stefan Klingele, Leo Siberski, Andreas Wolf

Kai Metzger - Intendant - INTHEGA Ehrenpreisträger © Theater Ulm

Kai Metzger – Intendant – INTHEGA Ehrenpreisträger © Theater Ulm

Vorspann: Theaters und des Publikums plötzlich (wieder) schmerzlich bewusst. Der rote Stempel „Erledigt am 17. März 2020“ auf dem aktuellen Spielzeitheft sowie eine „Hätte hätte Fahrradkette“ Postkarte in signalrotem Pink verstärkten dieses Gefühl ungemein: Das Theater Ulm darf seit dem 13. März 2020 keine Vorstellungen und Konzerte spielen. Ein schrecklicher Zustand für Publikum und Theaterschaffende. Fast ein Jahr später, am 1. März 2021 um 18.00 Uhr, streifte man aber diese Gedanken weg und freute sich auf die vier Kandidaten.

Diese sind Stefan Klingele, der zurzeit als Musikdirektor und Chefdirigent an der Musikalischen Komödie in Leipzig tätig ist; Leo Siberski, der Generalmusikdirektor am Theater Plauen-Zwickau; Felix Bender, der u. a. als 1. Kapellmeister, stellvertretender GMD am Theater Chemnitz und ein als ein ständiger Gastdirigent der Oper Leipzig agiert und Andreas Wolf, der Erster Kapellmeister und kommissarischer GMD am Theater Lübeck tätig ist. Die Termine für das Auswahlverfahren wurden auf den 1., 2., 4. und 5. März 2021 angesetzt und man hofft auf eine rasche endgültige Entscheidung.

1. –  5. März 2021 –  Das  Findungsverfahren – Aktueller Stand

Von Oxana Arkaeva

 1. März 2021: Ein Jahr Kultur-Abstinenz deutschlandweit liegt hinter uns. Beim Spazieren durch die Straßen Ulms sieht man lange Schlangen vor den Friseurläden. Heute dürfen sie als eine der Weniger in Baden-Württemberg wieder öffnen. Das Theater Ulm und viele anderen Geschäfte, Institutionen aber immer noch nicht. Das ist schade, beginnt doch heute auch das endgültige Auswahlverfahren für die Position des Generalmusikdirektors am Theater Ulm.

Zum Sommer 2021 und nach insgesamt 10 Jahren erfolgreichen Wirkens verlässt der jetzige Generalmusikdirektor Timo Handschuh das Haus auf eigenen Wunsch. Laut der Pressemitteilung des Theater Ulm hat die Stellenausschreibung für den neuen GMD eine Welle der Bewerbungen ausgelöst. Nahezu 120 Bewerbungen gingen ein; davon  leider nur drei von  Dirigentinnen. Aus dieser Vielzahl wurden 11 Bewerber und eine Bewerberin in die engere Auswahl genommen. Im Februar 2020 stellten sich diese im Rahmen einer Orchesterprobe vor. Nach intensiven Beratungen zwischen der Theaterleitung und dem Orchestervorstand wurden vier Kandidaten für die nun festgelegte finale Runde ausgewählt, welche nun vom 1. bis 5. März 2021 stattfand.

Entsprießend dem Zitat aus dem Theatermagazin „Vorspiel 10“ – „Außergewöhnliche Umstände-Besonderes Theater“ ist auch dieses Auswahlverfahren besonders. Aufgrund der Corona-Pandmie musste es immer wieder verschoben werden. Nur, Corona hin, Corona her, der Posten muss besetzt werden. Und im Gegenteil zu den immer öfter stattfindenden online Auswahlverfahren, kann man einen Dirigent schlecht per ZOOM Schaltung vordirigieren lassen. Das Auswahlverfahren muss live, vor Ort stattfinden. So hat die Ulmer Theaterleitung zusammen mit den zuständigen städtischen Behörden ein modifiziertes Verfahren entwickelt, um dies zu ermöglichen. Während unter normalen Bedienungen die Kandidaten sich dem Publikum in einer regulären Vorstellung, live, vorstellen würden, musste es diesmal in einem nicht öffentlichen Konzert geschehen. Mit Auszügen aus Giuseppe Verdis Oper Rigoletto sowie der Suite aus Der Rosenkavalier vom Richard Strauß.

Die Vertreter der Presse wurden entsprechend Hygienemaßnahmen und im Abstand im dem Rang des Theater Ulm platziert. Unten im Zuschauerraum verteilten sich die Mitglieder des Hauschores und vereinzelt Mitarbeiter des Hauses. Die Musiker des Philharmonischen Orchester der Stadt Ulm kamen auf die Bühne durch getrennte Eingänge. Die Sitzanordnung fand gemäß Abstandsregeln statt und nahm die ganze Bühne in Anspruch bis hin zu hinterer Wand. Zwei Gesangssolisten traten auf den Seitenbühnen auf. Sichtlich bewegter Intendant Kay Metzger (Foto oben) begrüßte die Anwesenden. Er bat um Verständnis für die außergewöhnlichen Umstände und lud die Anwesenden ein, „endlich mal wieder ein schönes Orchester auf der Bühne zu erleben.“

Nicht nur der Intendant, alle Anwesenden waren vor dem Anblick der Bühne und des Orchesters gerührt. Es wurde einem auf einmal das Fehlen der Livemusik, des Theaters und des Publikums plötzlich wieder schmerzlich bewusst. Der rote Stempel „Erledigt am 17. März 2020“ auf dem aktuellen Spielzeitheft sowie eine „Hätte, hätte Fahrradkette“ Postkarte in signalrotem Pink verstärkten dieses Gefühl ungemein: Das Theater Ulm darf seit dem 13. März 2020 keine Vorstellungen und Konzerte spielen. Ein schrecklicher Zustand für Publikum und Theaterschaffende.

Nun, fast ein Jahr später, am 1. März 2021 um 18.00 Uhr, streifte man aber diese Gedanken weg und freute sich auf die vier Kandidaten

GMD Wahl:   Die Suche nach dem / der Besten!

In regelmäßigen Abständen von im Querschnitt von 6 bis 15 Jahren stehen Symphonie- und Theaterorchestern in Deutschland vor der Aufgabe, einen Nachfolger für die Stelle des GMDs oder Chefdirigenten/-tin zu finden. Dabei geht es immer wieder um Beantwortung einer wichtigen Frage: Wer ist der/die Beste für unser Haus, unser Orchester? Hans von Bülow, vor gut hundert Jahren Chefdirigent und Leiter des Berliner Philharmonischen Orchesters, hat angeblich behauptet: Es gäbe keine guten oder schlechten Orchester, sondern nur gute oder schlechte Dirigenten.

Was macht also eine/n gute/n  Dirigenten/in aus?

An der ersten Stelle stehen die Hard Skills: das handwerkliche Können, gefolgt von fundierter fachlicher Ausbildung, Repertoirekenntnisse und praktischen Erfahrung. Hierzu kommen die persönlichen Eigenschaften, sogenannten Soft Skills: die Fähigkeit zum Führen, managen, koordinieren, Zuhören, Kommunizieren, vermitteln, mit Fingerspitzengefühl agieren, den Takt vorgeben, um am Ende ein gemeinsames Tempo, ein gemeinsames ICH-Gefühl im Klangkörper zu erzielen. In Rahmen eines Vor-Dirigates und insbesondere unter gegebenen Umständen geht es vor allem um das Klanggefühl. Um die Fähigkeit des/der Dirigenten/-in seine/ihre Gedanken an das Orchester transportieren zu können. Um die individuelle Interpretation des Werkes, um zusammen mit den Orchestermusikern dem Stück eine persönliche, authentische Note zu verleihen. Gepaart mit einer authentischen Ausstrahlung, starken Persönlichkeit, die dem Publikum das Gefühl gibt, es zu lieben, dann ist das Paket vollständig.

Tamás Füsezi, Konzertmeister der Ulmer Philharmoniker, definierte seine persönlichen Auswahlkriterien, indem er „das einzige wesentliche“ in der Musik sieht. „Wenn ich keine Luft mehr bekomme und das Gefühl habe, ich ersticke vor Schönheit, dass mir der Hals zuschnürt, dann habe ich meinen Kandidaten gefunden. Und mit welchen Mitteln er es macht, ob er mit dem rechten Bein, mit seinen Augen oder mit kleinem Finger dirigiert, ist es mir egal.“ Er sieht vor allem und einzig die Musik als Produkt des Orchesters „und, wie es erreicht wurde zweitrangig.“ Eine starke Ansage und eine Herausforderung, die allen vier Kandidaten in diesen vier Tagen bevorstand.

Stefan Klingele © Stefan Klingele

Stefan Klingele © Stefan Klingele

Stefan Klingele, Kandidat 1, weist eine berufliche Laufbahn als u. a. Dirigent am Staatstheater am Gärtnerplatz und als 1. Kapellmeister am Theater Bremen auf, wo er auch als Chefdirigent tätig war. Aktuell als Musikdirektor und Chefdirigent an der Musikalischen Komödie in Leipzig tätig, weist Klingele ein umfangreiches Repertoire und fundierte Erfahrung auf. Leichtfüßig und mit Maske betrat Klingele die Bühne und es ging los mit der großen Szene aus dem 2. Akt vom Verdis Rigoletto. Klingele bewältigte diese Aufgabe souverän, war sehr konzentriert, etwas sparsam in Gestik und hat seine volle Aufmerksamkeit auf die Koordination, das Zusammenspiel aller Beteiligten gerichtet. Hier und da hat man sich über ein oder anderes Tempo gewundert. Dynamisch war es eher laut als ausbalanciert. Nach der kurzen Pause ging dann weiter mit der Suite aus dem Rosenkavalier. Hier hat man einen anderen Klingele erlebt. Jemand, der in seinem Element ist. Am Ende erklang enthusiastische Beifall und der sympathische Dirigent bedankte sich bei allen Beteiligten. Der erste insgesamt positive Eindruck machte neugierig auf die folgenden Kandidaten.

Leo Siberski © Leo Siberski

Leo Siberski © Leo Siberski

Leo Siberski, Kandidat 2, hat bereits beim Auftreten eine Menge an Energie auf die Bühne mitgebracht: man nahm einen erfahrenen Musiker, ein Bühnentier wahr. Seit 2017 als General Musikdirektor am Theater Plauen – Zwickau tätig, war Siberski als erste Kapellmeister an Theatern in Bielefeld und Kiel engagiert und gastierte an den Opernhäusern in Hannover, Düsseldorf, Innsbruck sowie Rumänien und Georgien. Seine Biografie weist ein beeindruckendes Netzwerk auf und er ist außerdem auch als Komponist und Produzent von elektronischer Musik tätig. Beim seinem Vordirigat am 4. März war es sofort klar, dass er ein erfahrener Operndirigent ist, der einen sicheren, klaren, souverän und bestimmenden Dirigat aufweist. Man hatte das Gefühl, er wolle die Anwesenden durch große Gesten, expressiven Gesichtsausdrücken von sich überzeugen. Es gab eine beeindruckende Szene aus Rigoletto, wo insbesondere die berühmte Arie von den Protagonisten „Cortigiani, vil Razza Dannata“ einen großen Eindruck hinterlassen hat. Seine Straußinterpretation hatte eine beeindruckende dynamische Ausdifferenzierung, die u. a. die emotionalen Dissonanzen solistisch erklingen ließ. Sein Dirigat ist durch eine Plastizität ausgezeichnet. Er lässt mal den Stock bei Seite und dirigiert mit den Händen. Mit seinem im Ganzen beeindruckenden Dirigat hat er die Planke deutlich nach oben verlegt und den übrigen Kandidaten eine starke Konkurrenz-Ansage erteilt.

Felix Bender © Felix Bender

Felix Bender © Felix Bender

Felix Bender, Kandidat 3, folgte am 4. März. Bender ist der jüngste Bewerber, weist aber bereits eine beachtliche Laufbahn als erster Kapellmeister und stellvertretender GMD in Weimar, Chemnitz sowie als ständige Gastdirigent an der Oper Leipzig. Er ist der Preisträger der Eliteförderung des Dirigentenforums und die Künstlerliste der „Maestros von morgen“.

Felix Bender ist ein sehr talentierter junger Dirigent, der das Orchester ruhig, aber bestimmend führt. Sein Dirigat ist extrem musikalisch und er hat dem Orchester einen beeindruckenden Klang entlockt. Seine Haltung ist eher bescheiden, nichtdestotrotz man ist nicht das Gefühl los, er hätte alles im Blick. Insbesondere haben seine Pianissimi beeindruckt. Große Achtung. Auch im Rosenkavalier spürt man Potenzial, welches sich in den nächsten Jahren noch entfalten wird. Vielleicht wird diese Entfaltung am Theater Ulm stattfinden? Nun, das werden wir bald erfahren.

Andreas Wolf © Olaf Malzahn

Andreas Wolf © Olaf Malzahn

Andreas Wolf, Kandidat 4,  folgte am 5. März, am letzten Tag dieses Auswahlverfahrens, Aktuell kommissarisch als GMD am Theater Lübeck tätig weist Wolf eine bewundernswerte Laufbahnentwicklung, vielfältiges Repertoire auf und hat einen Ruf als Spezialist für die Musik des 19. und 20. Jahrhunderts. Im in – und Ausland dirigierte er zahlreiche Orchester wie zum Beispiel das Osaka Simphony Orchestra, die Münchener und Hamburger Symphoniker und arbeitete mit Künstlern wie Arabella Steinbacher, Christiane Oelze oder Götz Alsmann. Auch die Regisseure wie Jochen Biganzoli, Immo Karaman und Tilman Knabe stehen auf der Liste seines beruflichen Netzwerkes. Sein Dirigat im ersten Teil kam sehr sängerisch mit unglaublich gut ausgewogener Dynamik rüber. Hier kommen die großen Affetti aus dem Inneren heraus ohne die große Gestik. Er atmet mit den Sängern, hört genauestens zu, ist aber stets am Führen und hat das Orchester gut im Griff. In der Rosenkavalier Suite zaubert er einen großen Strauss-Klang. Hat gleichzeitig keine Angst von der Stille, einer Atempause, dem dynamischen Rückzug, um danach um so größer herauszuholen.

Nach vier Tagen voll der wunderbaren Musik ist nun bis zur letztlichen GMD-Entscheidung Ab-Warten angesagt. Intendant Kay Metzger und die wenigen Anwesenden haben sich bei allen Beteiligten und insbesondere bei den Gesangssolisten bedankt. Sopranistin Maryna Zubko und Bariton Dae-Hee Shin haben diesen Marathon stimmlich exzellent mitgemacht.

Die Entscheidung zum neuen GMD am Theater Ulm sollte bald fallen: Ein genauer Termin wurde jedoch hierzu nicht genannt.

Ein  Dirigat ist eine Momentaufnahme, dessen Bewertung von vielen Umständen abhängig sind. Alle vier Kandidaten waren wiederum auf ihre eigene Art exzellent geeignet und ohne Ausnahme Sympathieträgern. Die Auswahlkommission aus Orchestervertretung und Leitung des Hauses steht somit vor einer verantwortungsvollen Aufgabe und Herausforderung, in dieser außergewöhnlichen Zeit ihrem Publikum einen neuen GMD zu präsentieren, der nicht nur technisch visiert ist, sondern und vor allem ein Orchester gestaltet. ist. Jemand, der uns unvergessliche musikalische Momente und Kultur beschert, bei welchen uns von der Schönheit wahrhaftig der Atem stehen bleibt: Das wichtigstes Kriterien für ein erfolgreiches Rückkehr des Live-Publikums und nicht nur am Theater Ulm.

 

AKTUELLE MELDUNG  — Siberski zieht Bewerbung zurück 10.03.2021

GMD-Findungsverfahren hat Leo Siberski seine Bewerbung kurzfristig zurückgezogen. Er teilte Intendant Kay Metzger am Dienstagabend mit, dass er sich »nach langer Überlegung«zu diesem Schritt entschlossen habe. Siberski ist momentan Generalmusikdirektor am Theater Plauen-Zwickau. »Ich habe das Gefühl, mein Haus in der jetzigen Situation nicht im Stich lassen zu wollen. Daneben bahnt sich auch, wie schon angedeutet, ein fruchtbarer Neustart nach Corona und mit neuer Leitung an.«So Siberski in seiner Mitteilung an das Theater Ulm. Siberski war einer der vier Finalisten im GMD-Findungsverfahren, und hatte bei seinem Dirigat in der vergangenen Woche gute Eindrücke hinterlassen. Intendant Metzger respektiert seinen Schritt und betont gleichzeitig, dass es ungeachtet dieser Entscheidung zu einer baldigen Wahl des Generalmusikdirektors für das Theater Ulm und das Philharmonische Orchester kommen werde.

–| Pressemeldung Theater Ulm |—


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Ulm, Theater Ulm, Spielplan 03.-05.07.2020

Juni 23, 2020 by  
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Theater Ulm

Theater Ulm / Zuschauerraum © Carola Hoelting

Theater Ulm / Zuschauerraum © Carola Hoelting

Kammermusik, Lesung und Liederabend

Das abwechslungreiche »Zwischenspiel«-Programm vom 3. bis 5. Juli 2020

Durch die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg vom 26. Mai 2020 sind auch am Theater Ulm Veranstaltungen mit bis zu 100 Teilnehmenden ab Juni wieder erlaubt. Nach der Corona-bedingten Schließung seit Mitte März lädt das Theater ab dem 19. Juni 2020 wieder zu Vorstellungen und Konzerten ein. Im Foyer und auf der Bühne des Großen Hauses werden bis zum 19. Juli 2020 immer freitags, samstags und sonntags unter Einhaltung behördlich vorgeschriebener Regelungen zur Corona-Prävention ca. einstündige abwechslungsreiche Programme aller Sparten gezeigt. Die geltenden Verhaltensregeln sind auf der Website des Theaters (https://www.theater-ulm.de/theater/aktuelles/verhaltensregeln) veröffentlicht.

Am Freitag, den 3. Juli 2020 präsentieren Christianne Bélanger und Martin Gäbler um 19.30 Uhr im Foyer Liederzyklen Robert Schumann und Michael Weiger, der den Liederabend auch am Klavier begleiten wird. Das Konzert steht dabei ganz im Zeichen der Liebe. Zur Liebe gehören maßlose Gefühle, rauschender Überschwang und Schmerz. Davon künden auch die Gedichte von Lise Devèze: »… dass in meinen Träumen, wenn ich schlafe / Goldlandschaften tanzen.« Lise Devèze stellte dem Ulmer Kapellmeister und Studienleiter Michael Weiger ihre Gedichte persönlich für eine Vertonung zur Verfügung. Nach der Uraufführung der »Rutilances« im Jahr 2000 in der Schweiz präsentiert Michael Weiger nun in Ulm mit der Sängerin Christianne Bélanger die Erstaufführung der Fassung für mittlere Stimmlage. Helle und düstere Seiten einstigen Liebesglücks sprechen auch aus Schumanns Liederzyklus »Dichterliebe«, der in einer Interpretation von Martin Gäbler zu Gehör gebracht werden wird. Sechzehn Gedichte aus Heinrich Heines »Lyrischem Intermezzo« verwandelte Schumann 1840 in ironische und sehnsuchtstänzelnde Musik. Klavier- und Gesangspart scheinen zu verschmelzen. Für den Liederabend, in dem diese besonderen Kompositionen erstmalig zusammen zur Aufführung kommen, sind Karten (16 €, ermäßigt 11 €) an der Theaterkasse oder online unter www.theater-ulm.de verfügbar.

Am Samstag, den 4. Juli 2020 liest Schauspieler Stephan Clemens aus Julian Barnes‘ »Eine Geschichte der Welt in 10 ½ Kapiteln«. Julian Barnes genialischer Episoden-Roman ist ein moderner Klassiker und — wie das Publikum bereits bei einer Lesung mit Stephan Clemens im Februar genießen konnte — ein echtes Hörvergnügen. Auf den Spuren des Arche-Noah-Mythos lädt uns der Schauspieler ein auf eine Reise durch die Zeit. »Die Kunst des Julian Barnes ist ein Schiff, das jeder besteigen sollte, den es zu den Abenteuern des Gedankens drängt«, urteilte die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die »Zeit« befand ob der »unglaublichen Leichtigkeit« dieses Werks: »Wem die Kunst des Romans nicht gefällt, dem ist auf Erden nicht zu helfen — mit Kunst und Literatur jedenfalls nicht.« Stephan Clemens präsentiert in einer neu zusammengestellten Version das erste Kapitel »Der blinde Passagier«, in dem das Publikum die uneingeschränkte Wahrheit über die Arche erfahren wird, über Noah, seine Sippschaft und das, was wirklich mit dem Einhorn geschehen ist, einen Reisebericht, den man so nicht in der Bibel finden wird. Die Lesung im Großen Haus beginnt um 19 Uhr und wird musikalisch einfühlsam begleitet von der Harfenistin Evelyne Zoller. Karten zu 22 € (ermäßigt 14 €) sind an der Theaterkasse und online unter www.theater-ulm.de erhältlich.

Am Sonntag, den 5. Juli 2020 präsentieren Musikerinnen und Musiker des Philharmonischen Orchesters der Stadt Ulm um 11 Uhr und um 15 Uhr unter dem Titel »Romantik Russlands« Kammermusik von Alexander Borodin und Pjotr Iljitsch Tschaikowsky im Foyer des Theaters Ulm. Borodin und Tschaikowsky gelten als die namhaftesten Vertreter künstlerischer Gruppierungen in Russland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die sich jeweils der Emanzipation von bis dahin vorherrschenden italienischen, deutschen und französischen Einflüssen und der Herausbildung einer nationalen Musik verschrieben, unter Einbindung volkstümlicher Melodien und Themen. Hauptamtlich Wissenschaftler, Mediziner und Chemieprofessor, war das Komponieren für den vielfach begabten Alexander Borodin eine lebenslange Passion: Im seiner Frau Ekaterina Protopova gewidmeten 2. Streichquartett von 1881 ist russische Melodik dominant, betont vor allem durch das Cello, welches Borodin selbst virtuos spielte. Die Komposition wurde nicht zuletzt durch das effektvolle Notturno populär. Das überhaupt erste bedeutende Streichquartett eines russischen Komponisten aber stellte der junge Pjotr Iljitsch Tschaikowsky 1871 mit einem Konzert eigener Lieder, Klavier- und Kammermusikwerke in Moskau vor, die von ortsansässigen prominenten Musikern interpretiert wurden. Tschaikowskys Opus 11 gelangte rasch zu internationalem Ruhm, vor allem das Andante cantabile, welches in zahlreichen Bearbeitungen weltweit Verbreitung fand. Wie bei Borodin sind auch hier volkstümlich inspirierte Themen prägnant, die schlichte ukrainische Volksmelodie aus dem Andante berührte den Dichter Lew Tolstoi bei einem Konzert zu seinen Ehren 1876 derart, dass er weinen musste. Angeblich lauschte Tschaikowsky diese Volksweise während der Sommerfrische einem ukrainischen Zimmermann bei der Arbeit ab. Es musiziert das »Porta Nuova Quartett«: Yuki Kojima (Violine) Christina Hauser-Gurski (Violine) Sayuri Nakao-Haas (Viola) Andreas Haas (Violoncello). Karten für die Konzerte (16 €, ermäßigt 11 €) sind an der Theaterkasse und online unter www.theater-ulm.de erhältlich.

Die Theaterkasse ist zu folgenden Zeiten geöffnet: Montag bis Freitag: 11 – 18 Uhr, Samstag: 10 – 13 Uhr. Die Abend- bzw. Tageskasse öffnet jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

 

—| Pressemeldung Theater Ulm |—


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