Kiel, Theater Kiel, Spielplan August-September 2019

August 12, 2019 by  
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Theater Kiel

Opernhaus Kiel / Blick über den Rathausplatz © VollwertBIT

Opernhaus Kiel / Blick über den Rathausplatz © VollwertBIT


operkiel*

Premieren


AIDA auf dem Rathausplatz in Kiel © Janina Wilkens

AIDA auf dem Rathausplatz in Kiel © Janina Wilkens

sommertheaterkiel*

Samstag, 24. August | 20.00 Uhr | Rathausplatz
AIDA
Oper von Giuseppe Verdi
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Das Sommerereignis in Kiel 2019 steht vor der Tür – im doppelten Sinne des Wortes! Ab 24. August geht es auf dem Rathausplatz italienisch-ägyptisch zu, »Aida« kommt, die Oper mit dem Triumphmarsch, die Sommeroper aller Sommeropern!
Die äthiopische Gefangene Aida und der ägyptische Heerführer Radamès lieben einander, obwohl ihre Länder Krieg gegeneinander führen. Wegen Aida weist Radamès nicht nur die ägyptische Prinzessin Amneris zurück, er begeht auch Landesverrat, wofür er zu einem perfi den Tod verurteilt wird. Als er die Gruft betritt, in der er lebendig eingemauert werden soll, wartet Aida dort auf ihn …
Musikalische Leitung Benjamin Reiners Regie Daniel Karasek
Bühne Lars Peter Kostüme Claudia Spielmann
Chöre Lam Tran Dinh Choreografi e Yaroslav Ivanenko
Mit Jule-Katrin Burghardt / Elisabeth Raßbach-Külz, Veronika Dzhioeva / Izabela Matula, Maria Gulik / Cristina Melis; Thorsten Grümbel, Fred Hoffmann, Stefano Meo, Sung Kyu Park / Mergen Sandanov sowie Opern- und Extrachor des Theaters Kiel,
Ballett Kiel, Philharmonisches Orchester Kiel


Sonntag, 8. September | 19.00 Uhr | Opernhaus
DIE VOLKSBÜHNENGALA
Kaum sind Aida und Radamès auf der Bühne des Rathausplatzes zum letzten Mal gestorben, da geht es drinnen im Opernhaus weiter, denn nicht nur Prinz Orlofsky »lädt gern sich Gäste ein«. In der Volksbühnengala servieren wir »Appetitmacher« aus den Werken, die Sie in der Spielzeit 2019 / 2020 bei uns erleben werden. Also fliegt die Fledermaus über die tote Stadt, besucht Lucia di Lammermoors Hochzeit, tanzt wie Eugen Onegin, dankt Gott mit Elias, feiert mit den Trojanern Karthago und seine ekstatischen Nächte und fi ndet erst mit einem Amerikaner in Paris den richtigen Rhythmus, um sich noch einmal an Aidas Triumphmarsch zu erinnern! Leitung und Moderation Benjamin Reiners
Mit Agnieszka Hauzer, Ks. Heike Wittlieb; Yoonki Baek, Norbert Ernst, Michael Müller-Kasztelan, Ks. Tomohiro Takada u. a. sowie dem Opernchor und dem Extrachor des Theaters Kiel Es dirigieren Benjamin Reiners u. a.


Freitag, 28. September | 19.30 Uhr | Opernhaus
Deutsche Erstaufführung
EIN AMERIKANER IN PARIS
Musical von George Gershwin
Songs in englischer, Dialoge in deutscher Sprache
Der amerikanische Soldat Jerry Mulligan bleibt nach Ende des zweiten Weltkriegs in Paris, um sich als freier Künstler zu erproben. Als er die junge Französin Lise Dassin kennenlernt, ist es um ihn geschehen – zum Leidwesen seiner Freunde und Konkurrenten Adam Hochberg und Henri Baurel.
Für welchen ihrer drei Verehrer wird sich Lise entscheiden? »I got rhythm«, »They can’t take that away from me«, »Stairway to Paradise« oder »Shall we dance« sind einige der Gershwin-Standards, die Eingang in die spektakuläre Bühnenversion des Filmklassikers von 1951 gefunden haben.
Der West End- und Broadway-Hit ist in Kiel in einer exklusiven Musical- Besetzung erstmals auf einer deutschen Bühne zu erleben, natürlich inklusive des titelgebenden Orchesterhits »An American in Paris«.

Musikalische Leitung Daniel Carlberg
Regie / Choreografi e Ricarda Regina Ludigkeit
Bühne Hans Kudlich Kostüme Gabriele Heimann
Mit Sheila Grant, Evita Komp, Leoni Kristin Oeffi nger, Angelika Ratej, Lynsey Reid, Léonie Thoms, Barbara Wanasek, Alice Wittmer; Hermann Bedke, Adam Cooper, Connor Dowling, Peter Lesiak, Max Meister, Claus Opitz, Robert Schmelcher, Sascha Stead, Andrea Viggiano, Lars Wandres


Wiederaufnahmen


Theater Kiel / Die Reise nach Reims © Olaf Struck

Theater Kiel / Die Reise nach Reims © Olaf Struck

Freitag, 6. September | 19.30 Uhr | Opernhaus
DIE REISE NACH REIMS
Oper von Gioachino Rossini
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Absurdes Musiktheater trifft Zeichentrickfi lm, Wechselwirkung inbegriffen, Spaß pur! Auf dem Weg zur Krönung von Karl X. in Reims bleiben Reisende verschiedener Nationen stecken und müssen nun gemeinsam die Zeit totschlagen … Der für und auf die Musik entstandene Film übersetzt die musikalisch großartig ausgeschmückten »Nicht-Ereignisse« in eine Zeichentrickwelt, mit und in der die Sänger spielen!

Theater Kiel / Die Reise nach Reims © Olaf Struck

Theater Kiel / Die Reise nach Reims © Olaf Struck

Musikalische Leitung Moritz Caffi er / Sergi Roca
Regie und Konzeption Pier Francesco Maestrini
Cartoon und Konzeption Joshua Held Ausstattung Alfredo Troisi
Choreinstudierung Lam Tran Dinh Lichtgestaltung Carsten Lenauer
Mit Julie Caffi er, Tatia Jibladze, Hye Jung Lee, Rossella Ragatzu, Vigdis Bergitte Unsgård; Matteo Maria Ferretti, Fred Hoffmann, Anton Rositskiy, Ks. Jörg Sabrowski, Kemal Ya?ar u. a. sowie dem Opernchor des Theaters Kiel
Koproduktion mit dem Theater Lübeck,
Kooperation mit dem Teatro Filarmonico di Verona

Theater Kiel / Die Reise nach Reims © Olaf Struck

Theater Kiel / Die Reise nach Reims © Olaf Struck


Theater Kiel / Die Krönung der Poppea © Olaf Struck

Theater Kiel / Die Krönung der Poppea © Olaf Struck

Samstag, 14. September | 19.00 Uhr | Opernhaus
DIE KRÖNUNG DER POPPEA
Oper von Claudio Monteverdi
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Mit »Ganz große Oper!« beendete die SHZ ihre Kritik zu Serena Sinigaglias begeistert aufgenommener Inszenierung des hochbarocken Musiktheater- Meisterwerks »Die Krönung der Poppea« über den zielstrebigen Aufstieg der machtgierigen Schönheit Poppea zur neuen Gemahlin Kaiser Neros, der nur durch erzwungenen Selbstmord und Verbannung ihrer Gegner möglich wird. Die bitterböse Satire auf Gewinnstreben und Rücksichtslosigkeit einer selbstverliebt eitlen Wohlstandsgesellschaft berührt durch die
eindringliche Menschlichkeit von Monteverdis Musiksprache.

Theater Kiel / Die Krönung der Poppea © Olaf Struck

Theater Kiel / Die Krönung der Poppea © Olaf Struck

Musikalische Leitung Alessandro Quarta Regie Serena Sinigaglia
Bühne Maria Spazzi Kostüme Daniela Cernigliaro
Mit Francesca Boncompagni, Adriana Di Paola, Caroline Nkwe, Tatia Jibladze, Hye Jung Lee, Lucia Napoli, Vigdis Bergitte Unsgård; Andrés Montilla-Acurero, Luca Cervoni, Matteo Maria Ferretti, Fred Hoffmann, Ivan Scherbatyh, Anton Schmalz,
Robert Manuel Zangari und der Statisterie des Theaters Kiel

Theater Kiel / Die Krönung der Poppea © Olaf Struck

Theater Kiel / Die Krönung der Poppea © Olaf Struck


OPER Extra


Samstag, 21. September | 17.00 Uhr | 1. Foyer Opernhaus
Operncafé: EIN AMERIKANER IN PARIS
Wie bringt man einen Film auf die Bühne? Und wie choreografi ert man
Gershwins Klassiker? Fragen und Antworten zum »Amerikaner in Paris«
gibt es wie immer beim Operncafé.


Montag, 23. September | 20.00 Uhr | 1. Foyer Opernhaus
GESCHICHTEN AUS DEM TRIOLENGITTER
Mary Bauermeister ist selber Künstlerin und gleichzeitig einzigartige Zeitzeugin der neuesten Musikgeschichte. Ob »Fluxus«, Kunst oder Musik – sie hat alle gekannt: Nam June Paik, Karlheinz Stockhausen, Ben Patterson, David Tudor, John Cage. Hier liest sie aus Ihrem Buch »Ich hänge im Triolengitter
– Mein Leben mit Karlheinz Stockhausen«. Der Kontrabassist Heiko Maschmann spielt Werke von John Cage und Stockhausen, gemeinsam werden Bauermeister und Maschmann Benjamin Pattersons Duo für Stimme und Streichinstrument darbieten.
In der Konzertreihe KLANGRAUSCHEN


Sonntag, 29. September | 11.00 Uhr | 1. Foyer Opernhaus
Operncafé: DIE TOTE STADT
Einen »Traum der Wiederkehr«, wie ihn der Witwer Paul in Korngolds Oper träumt, haben auch etliche Opernliebhaber geträumt. Ihr Traum wird jetzt wahr: Erich Wolfgang Korngolds »Die tote Stadt« kommt zurück nach Kiel! Die Regisseurin Luise Kautz und GMD Benjamin Reiners erläutern ihre Sichtweisen auf den schwelgerischen, spannenden, psychologisch ausgefeilten Opernhit der 1920 er Jahre.


Montag, 30. September | 20.00 Uhr | 1. Foyer Opernhaus
SECHS AUF EINEN STREICH
John Doig, Lukas Mimura (Violine), Marie Yamanaka, Hsinyi Liu (Viola), Frauke Rottler-Viain und Laura Barkauskaite (Violoncello) spielen Erwin Schulhoffs Streichsextett op. 45 und Antonín Dvo?áks Sextett op. 48. Beide Komponisten wurden in Prag geboren und von der Volksmusik ihrer Heimat geprägt. Dvo?ák (1841–1904) machte die böhmische Volksmusik erst »salonfähig «, Schulhoff (1894–1942) baute darauf auf, nachdem Dvo?ák ihn als Siebenjährigen »mit zwei Stück Schokolade zum Musikanten promovierte«.


orchesterkiel*


Theater Kiel / Generalmusikdirektor Benjamin Reiners© Gerhard Kühne.

Theater Kiel / Generalmusikdirektor Benjamin Reiners© Gerhard Kühne.

Sonntag, 15. September | ab 14.30 Uhr
Seegartenbrücke und Kieler Schloss
Phil.feiert!
Das philharmonische Antrittskonzert unseres neuen Generalmusikdirektors Benjamin Reiners ist für uns ein Grund zum Feiern – Feiern Sie mit … … und seien Sie bereits dabei, wenn Benjamin Reiners um 14.30 Uhr mit dem Schiff »MS Stadt Kiel« an der Seegartenbrücke ankommt! Nach einer musikalischen Begrüßung gibt’s auf dem Schlossplatz Cake & Coffee, bevor um 15.00 Uhr die Gesprächseinführung »Das Musikalische Quartett« beginnt.
Highlight des Tages ist dann das 1. Philharmonische Konzert um 16.00 Uhr im großen Saal, für dessen Dauer kostenfreie Kinderbetreuung angeboten wird. Im Anschluss daran heißt es: »Phil.feiert!« mit Fischbrötchen, Kieler Bier, Live-Jukebox und weiteren Überraschungen. Alle Einnahmen aus den Tagesveranstaltungen werden dem Förderverein »Konzertsaal am Kieler Schloss« gespendet. Ihre Kieler Philharmoniker und Ihr neuer GMD freuen sich auf Sie!


Mittwoch, 11. September | 18.00 Uhr | musiculum
KOMPONISTENPORTRAIT: SJ HANKE
von den Musikfreunden Kiel

Sonntag, 15. September | 16.00 Uhr | Kieler Schloss
Montag, 16. September | 19.30 Uhr | Kieler Schloss
(Nach dem Konzert am Montag: Philharmonischer Absacker mit Fischbrötchen
und Kieler Bier auf dem Schlossplatz, bei kühleren Temperaturen im Fördefoyer.)
Gesprächseinführung »Das Musikalische Quartett«
um 15.00 Uhr (Sonntag) bzw. 18.30 Uhr (Montag) im Festsaal
1. Philharmonisches Konzert
Ralph Vaughan Williams Serenade to music
Joseph Haydn Sinfonie Nr. 6 D-Dur »Le Matin«
SJ Hanke ropes and knots (Kompositionsauftrag der Musikfreunde Kiel
gemeinsam mit dem Theater Kiel)
Johannes Brahms Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98
Caroline Nkwe (Sopran) Margaret Newcomb (Mezzosopran)
Michael Müller-Kasztelan (Tenor) Ks. Jörg Sabrowski (Bass-Bariton)
Opernchor des Theaters Kiel (Einstudierung Lam Tran Dinh)
Dirigent Benjamin Reiners
Sonntag, 29. September | 17.00 Uhr | musiculum
Kammerkonzert der Orchesterakademie
Sonntag, 29. September | 19.00 Uhr | St. Nikolaikirche Kiel
1. Mozart-Konzert
Werke von Johann Sebastian Bach und
Wolfgang Amadeus Mozart
Gesangssolisten, LandesJugendChor Schleswig-Holstein
Ensemble Schirokko
Dirigent Matthias Janz


Förderverein am Kieler Schloss


MUSIK GEHÖRT ZUM LEBEN,
WIE DER KONZERTSAAL ZU UNSERER STADT
Die Spannung war wochen- und monatelang groß. Am 1. Januar 2019 ist die Entscheidung dann gefallen. Stadt und Land haben den Konzertsaal sowie das Schlossareal gekauft. Das Schloss ist somit wieder in öffentlicher Hand. Der Förderverein Konzertsaal am Kieler Schloss e. V. hat sich das Ziel gesetzt, private Spenden für die Sanierung des Konzertsaales zu sammeln. Ein fulminanter Auftakt der Vereinsarbeit ist in Zusammenarbeit mit den Kieler Musikfreunden im Oktober letzten Jahres gelungen. »Kiel goes Elphi« – Das Benefi zkonzert in der Elbphilharmonie. Mehr solcher großen – und auch kleineren Spenden, sowie viel Einsatzbereitschaft und Tatkraft sind nötig, um unser sportliches Ziel von 4 Millionen Euro zu erreichen. Sie erinnern sich an Ihr schönstes Konzert und möchten, dass sich dieses einmalige Hörerlebnis wiederholt? Dies gelingt nur verbunden mit Ihrer Großzügigkeit!
Bitte spenden Sie für den Erhalt unseres Kieler Konzertsaales.
Vielen Dank. Ihr Förderverein Konzertsaal am Kieler Schloss e. V.


ballettkiel*


Gastspiel des Theater Kiel
Lübeck-Premiere
Samstag, 21. September | 19.30 Uhr | Theater Lübeck (Großes Haus)
LA SYLPHIDE
Ballett von August Bournonville zur Musik von Herman Løvenskiold Das Ballett Kiel gastiert in dieser Spielzeit erneut mit einer Produktion am Theater Lübeck und bringt dort das Ballett »La Sylphide«, das 2017 in Kiel Premiere hatte, zurück auf die Bühne. Das romantische Ballett über einen schottischen Landjunker und dessen unerfüllbare Liebe zu einem Luftgeist ist eines der ältesten bis heute erhaltenen Handlungsballette und prägte das Bild der Ballerina, die rätselhaft, überirdisch und unberührt auf Spitze entschwebt. Die Kieler Inszenierung, die vom Ballettdirektor des Kopenhagener Tivoli Ballet Theatre Peter Bo Bendixen einstudiert wurde, orientiert sich an der originalen Choreografi e von August Bournonville aus dem Jahr 1836, die neben klassischem Ballett auch traditionelle schottische Tänze bietet. Wer »La Sylphide« in Kiel nicht sehen konnte, bekommt somit in Lübeck nun noch einmal die Gelegenheit dazu!
Eine Kooperation des Ballett Kiel mit dem Theater Lübeck Choreografi e August Bournonville Einstudierung Peter Bo Bendixen Musikalische Leitung Jan-Michael Krüger Ausstattung Heiko Mönnich Ballett Kiel
Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck
Statisterie des Theater Lübeck


BALLETT Extra


Samstag, 28. September | 10.00 Uhr | Ballettsaal Opernhaus
ÖFFENTLICHES TRAINING
Einen Blick hinter die Kulissen erhaschen und das Ballett Kiel aus nächster Nähe erleben: Diese Möglichkeit bietet das Öffentliche Training wieder im September. Nur fünfzig Zuschauer fi nden im Ballettsaal Platz, daher heißt es: schnell Karten sichern! Der Einlass erfolgt um 9.45 Uhr über die graue Eisentür am Opernparkplatz.


schauspielkiel*


Premieren

Freitag, 20. und Samstag, 21. September | 20.00 Uhr | Schauspielhaus
FAUST
Johann Wolfgang von Goethe
Ein großer Klassiker zum Spielzeitauftakt: »Da steh ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.« Mit seinem unstillbaren Verlangen nach Erkenntnis gilt Faust als Sinnbild des modernen Menschen. Er möchte wissen, »was die Welt im Innersten zusammenhält.« Er hinterfragt und missachtet althergebrachte Regeln, fühlt sich von der Gesellschaft entfremdet und möchte in jeder Beziehung über sie hinauswachsen: Für die Erfüllung all seiner Wünsche ist er bereit, dem Teufel seine Seele zu überlassen. Mephisto, »ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft«, bemüht sich mit allen Mitteln seiner Zauberkunst um Fausts Seele und führt ihn dabei mitten hinein ins pralle irdische Leben, mit all seinen Verführungen und Abgründen, und hin zu Gretchen: Die junge Frau wird zur Projektionsfl äche faustischen Begehrens und schließlich zum Opfer seines Größenwahns.

Kein Werk nach der Luther-Bibel hat so viele Spuren in der deutschen Sprache und Geschichte hinterlassen wie Goethes »Faust«. Es gilt als das deutsche literarische Werk, als die Thematisierung des menschlichen Urkonfl ikts schlechthin: der Mensch als zugleich kreativstes und destruktivstes Wesen in der unüberbrückbaren Spannung zwischen gesellschaftlich und moralisch gesetzten Grenzen und deren permanenter Überschreitung.
Regie Annette Pullen Bühne Iris Kraft
Kostüme Barbara Aigner
Mit Maximilian Herzogenrath, Imanuel Humm, Tiffany Köberich,
Anne Rohde, Yvonne Ruprecht, Tristan Steeg


Sonntag, 22. September | 19.30 Uhr | Studio Schauspielhaus
AMSTERDAM
Maya Arad Yasur
Amsterdam: liberal, kosmopolitisch, angesagt. Menschen aus aller Welt und ihre Geschichten treffen hier aufeinander und mittendrin lebt eine israelische Komponistin, die eines Morgens eine unbezahlte Gasrechnung vor ihrer Haustür fi ndet. Und zwar eine aus dem Jahr 1944. Was hat es damit auf sich? Sie begibt sich auf Spurensuche und stößt dabei auf düstere Ereignisse aus der Vergangenheit, die sich während des Zweiten Weltkrieges in ihrem Wohnhaus zugetragen haben. Gleichzeitig wird sie selbst in ihrer vermeintlich so weltoffenen Umgebung immer stärker mit ihrem Selbstbild als Jüdin, mit Vorurteilen und Stereotypen konfrontiert. Leichtfüßig und tiefgründig lässt die junge israelische Autorin die Zuschauer*innen in eine packende Geschichte eintauchen, in der die Schatten der Vergangenheit immer weiter in die Gegenwart hineinwachsen.

Das 2018 mit dem Ersten Preis beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens ausgezeichnete Stück ist auf der einen Seite ein faszinierender Krimi und stellt auf der anderen Seite Fragen nach der Aufarbeitung von Geschichte, nach Erinnerungskultur heute und nach deren Auswirkung auf die eigene Identität.
Regie Josua Rösing Ausstattung Michael Lindner
Musik Thies Mynther
Mit Jennifer Böhm, Rudi Hindenburg, Ksch. Almuth Schmidt


SCHAUSPIEL Extra


Sonntag, 8. September | 11.00 Uhr | Bistro Entracte Schauspielhaus
VorOrt: FAUST
Mit Regisseurin Annette Pullen, Dramaturg Jens Paulsen und Mitgliedern
des Ensembles.

Sonntag, 22. September | 11.00 Uhr | Bistro Entracte Schauspielhaus
VorOrt: FRÜCHTE DES ZORNS
Mit Regisseur Malte Kreutzfeldt,


werftparkkiel*


junges theater
Premiere
Samstag 21. September | 18.00 Uhr | Junges Theater im Werftpark
DAS GESPENST VON CANTERVILLE
ab 6 Jahren
Sir Simon de Canterville ist ein Schlossgespenst, wie es sich gehört. Seit Jahrhunderten spukt er durch das Anwesen von Canterville, jagt den Bewohnern Angst und Schrecken ein und hegt und pfl egt den traditionellen Blutfleck in der Bibliothek. Doch als Familie Otis in das Schloss zieht, wird alles anders. Die glauben nicht an Gespenster! Eine Unverschämtheit! Unaufhörlich versucht Sir Simon de Canterville, ihnen das Gruseln beizubringen. Mit »Das Gespenst von Canterville« bringt das Junge Theater im Werftpark den 1887 erschienenen Klassiker des irischen Schriftstellers Oscar Wilde als unterhaltsames Stück für die ganze Familie auf die Bühne.


—| IOCO Kritik Theater Kiel |—

Lübeck, Musik und Kongresshalle, Das Wunder der Heliane – Erich Wolfgang Korngold, IOCO Kritik, 27.03.2019

MuK-Lübeck Konzertsaal © Malzahn

MuK-Lübeck Konzertsaal © Malzahn

Musik und Kongresshalle Lübeck

Das Wunder der Heliane  –  Erich Wolfgang Korngold

Wundersame Auferstehung nach neunzig Jahren

 von Michael Stange

Erich Wolfgang Korngolds Das Wunder der Heliane zeichnet sich durch fesselnde musikdramatische Dichte, hohe Expressivität und faszinierende musikalische Einfälle aus. Der individuelle musikalische Charakter und die stete Geschlossenheit der Komposition sind Meilensteine des Opernschaffens des zwanzigsten Jahrhunderts. Die opalisierenden, blutroten, flammenden Klänge, das geheimnisvoll, schleiernde Kolorit des Orchesterklanges und die gewagte und an atonales grenzende Harmonik faszinieren noch heute. Sie belegen Korngolds kompositorische Meisterschaft. Das Werk zeigt ihn auf dem Höhepunkt seiner langen, großen musikalischen Erfinderkunst. Große Musik paart sich mit Drama, Intelligenz und unwiderstehlichem Zauber.

Die Wirkung der Oper ist durchgängig packend und schlägt die Zuhörer nahezu drei Stunden in ihren Bann. Höhepunkte sind im 1. Akt in die Duette zwischen Fremden und Herrscher und Heliane und dem Fremden. Gleiches gilt für den 2. und 3. Akt. Hierzu zählen insbesondere die Richterszene, das Gottesurteil und die großen oratorienhaften Chorszenen des Schlussaktes.

Ein Grund, dass die Wiedererweckung länger als bei der Toten Stadt auf sich warten ließ, ist das Libretto. Hans Müller-Einigen ersann eine Mixtur plagiatverdächtiger Wagner-Übersteigerungen unter Hinzufügung von Andeutungen libertär erotischer Enthemmung aus seinem eigenen Werk Das Wunder des Beatus und dem Fragment des früh verstorbenen Dichters Hans Kaltneker.

MuK-Lübeck / Das Wunder der Heliane © Lutz Roeßler

MuK-Lübeck / Das Wunder der Heliane © Lutz Roeßler

Die Dreiecksgeschichte handelt von einem grausamen Herrscher, seiner ihn nicht liebenden Frau Heliane und einem Fremden. Eine Mischung aus Liebessehnsucht des Herrschers, vermeintlichem Ehebruch Helianes mit dem Fremden, Suizid des Fremden, seiner Wiedererweckung durch Heliane in einem Gottesurteil, die Tötung Helianes durch den Herrscher und der Gang Helianes und des Fremden in den Himmel bilden eine übersteigerte psychodramatische Melange. Sie ist stofflich und dramaturgisch dem Wien der Zeit vor dem 1. Weltkrieg zurechnen schon zum Zeitpunkt der Urraufführung durch die damalige Lebenswirklichkeit und die neuen literarischen Strömungen überholt.

Musikdramatisch und von der Handlung trafen die Opern Alban Bergs, Franz Schrekers, Ernst Kreneks und Paul Hindemiths viel mehr den Zeitgeist und Geschmack des Uraufführungsjahres 1927.

Nach langer Pause hat das Werk in den letzten zwölf Jahren nach konzertanten und szenischen Aufführungsserien u. a. in Kaiserslautern, Wien, Amsterdam, Berlin, Freiburg und anderenorts beträchtlich an Popularität gewonnen. Die brillante und ausgezeichnet dirigierte Aufführung aus Freiburg liegt auf CD bei Naxos vor. Die Berliner Aufführung wird im Juni auf DVD erscheinen.

Nun hat Lübeck das Werk für sich wiederentdeckt. Dort erklang es erstmals im Theater Lübeck am 1. März 1928 als siebte Aufführung und nur fünf Monate nach der Hamburger Uraufführung.

Der Verzicht auf die szenische Aufführung schadete nicht ernstlich, weil das Werk mit seiner Mysterienhaftigkeit ohnehin musikalisch viel stärker wirkt als szenisch. Ursprünglich im Theater Lübeck vorgesehen verlegte man die Aufführungen man  in die Musik und Kongresshalle Lübeck (MUK). Damit tat man sich und dem Publikum keinen Gefallen. Die Gesangssolisten waren auf einem Podium hinter dem Orchester platziert. Dies schmälerte ihre Hörbarkeit beträchtlich und verschob das Werk einseitig zu Gunsten des Orchesters. Warum man sie nicht vor dem Orchester platzierte und nicht einige Monitore im Saal für ihre Einsätze zur Verfügung stellte bzw. aus welchem Grund man statt des akustisch wesentlich besser geeigneten Theaters auf die Musik und Kongresshalle auswich blieb ein Rätsel.

Der Dirigent des Abends Andreas Wolf legte seinen Schwerpunkt auf den bombastischen und wuchtigen Korngold. Eine fesselnde Farbpalette, schwelgerische Zartheiten, das an sich auch vorhandene im Werk durchsichtige Orchesterbild einschließlich der Hörbarkeit aller Instrumente und ein ineinander übergehendes spätromantisches Klangbild wurden diesem Konzept geopfert. Dadurch rückte die Oper nahezu völlig in die Nähe der dramatischen Ausbrüche von Puccini und Wagner.

Die Choralszenen und ihre oratorienhafte Prägung des Werkes verloren damit stark an Wirkung, weil der Chor – auf der Empore stehend – oft orchestral zugedeckt wurde.

Was die Aufführung auszeichnete, waren die Solisten, die stimmlich Grandioses vollbrachten und nach dieser Aufführung alle in die erste Korngold Liga gehören. Hätte man sie vor dem Orchester platziert, wäre die Wirkung des ganzen Werkes wesentlich stärker gewesen.

Bei der Wahl der Sängerinnen und Sänger hat sich das Theater Lübeck allerdings selbst übertroffen und eine hohe Kennerschaft für Stimmen bewiesen. Ein so exquisiter Geschmack ist in Opernhäusern rar gesät.  Cornelia Ptasseks Stimme ist für die Heliane wie geschaffen. Mit weitem Atem und jugendlich dramatischem Timbre kam die Stimme mühelos über das Orchester und behielt ihre blühende Klangschönheit in jeder Phrase. Ihr silbriger, lyrisch dramatischer Sopran verfügt über immense Durchschlagskraft und über eine leuchtende blühende, metallische Höhe. Von der leidenden Gattin bis zur feurigen Geliebten stellte sie alle Facetten der Rolle mit ihrer reichen stimmlichen Farbpalette seelenvoll und ausdrucksstark dar. Wie sie die Stimme an entscheidenden Stellen vom Piano zum Forte flutete, zeugte von phänomenaler Gesangstechnik und Stimmbeherrschung. Raumgreifend, klangschön und ergreifend faszinierte sie als Heliane uneingeschränkt und vokal souverän.

Zurab Zurabishvili als Fremder ging in der Rolle völlig auf. Mit südlich betörenden Timbre und einer glänzend sicheren Höhe durchschritt er die Partie belcantesk, furchtlos feurig und mit beglückender Gestaltung. Sein berückender Stimmklang klang in allen Registern voll und saftig. Seine ausgezeichnete Textverständlichkeit bei diesem schweren Debut war beeindruckend. In den nicht wenigen lauten Passagen blieb er stets hörbar ohne die Stimme zu forcieren. Innere Anteilnahme und Calaf Töne ergaben ein exzellentes Portrait mit eigner Note und hohem stimmlichen Wiedererkennungswert. Seine sängerische Intelligenz paarte sich mit immenser Musikalität. Er ist wirklich ein Glücksfall für diese sonst oft nicht einmal adäquat zu besetzende Rolle. Hoffentlich ist er in dieser Partie bald wieder zu hören und erschließt sich neben Erik und Parsifal weitere deutsche Partien.

MuK-Lübeck / Das Wunder der Heliane - hier : Schlussapplaus © Patrik Klein

MuK-Lübeck / Das Wunder der Heliane – hier : Schlussapplaus © Patrik Klein

Aris Argiris als Herrscher belegt durch die mit ihm erschienen Aufnahme, dass er heute der ideale Rollenvertreter für den Herrscher ist. Mit seiner warmen, volltönenden, dramatischen, mehrere Oktaven umfassenden Heldenbaritonstimme ist er eine der herausragenden Sängerpersönlichkeiten unserer Tage. Sein Atemstrom scheint unermüdlich. Die hohen Töne kommen völlig organisch, natürlich und balsamisch strömend. Als gefeierter Rigoletto, Amonasro und Wotan verbindet er Belcanto und dramatisches deutsches Heldenfach. Hohe Rollenidentifikation, dramatisches Feuer und seine stupende Gesangstechnik lassen ihn in seine Rollen eintauchen und sie selbst konzertante Aufführungen zu glutvollem Leben erwecken. Nicht nur sein „Weh mir, weh euch..“ sondern auch die Qual des Ungeliebten und das ganze Portrait waren von packender bewegender Wucht. Darstellerisch noch reifer und berührender als in seiner vorherigen Serie in Freiburg hat er hier seinem Repertoire eine neue Glanzpartie hinzugefügt. Selbst bei der ungünstigen Positionierung war die Stimme mühelos hörbar, was aufgrund der tiefen Stimmlage für einen Bariton an sich schon eine staunenswerte Leistung ist.

Katerina Hebelková war eine Botin mit wuchtiger Attacke und klangschönem Timbre. Taras Konoshchenkos Pförtner strömte bassselige Klänge in den Saal. Hojong Song war ein potenter Schwertrichter mit glühendem Tenor.

Es ist dem Theater Lübeck hoch anzurechnen, dass man Korngolds Heliane im Norden aufgeführt und ins Gespräch gebracht hat. Mehr Rücksicht auf Sängerinnen und Sänger bei der nächsten Produktion, bei Beibehaltung der hohen Qualität der Stimmen würden diesen Verdiensten eine noch strahlendere Krone aufsetzen.

—| IOCO Kritik Musik und Kongresshalle Lübeck |—

Lübeck, Theater Lübeck, Musical-Star Gitte Haenning im Gespräch, IOCO Aktuell, 30.12.2017

Dezember 30, 2017 by  
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Theater Lübeck

Theater Lübeck © Olaf Malzahn

Theater Lübeck © Olaf Malzahn

 Gitte Haenning  „JAZZ IST MEINE GROSSE AFFINITÄT“

Gitte Haenning ist Norma Desmond, Hauptdarstellerin, in Sunset Boulevard, dem Musical von Andrew Lloyd Webber. Rolf Brunckhorst (RB) sprach mit dem populären Musical-Star im Theater Lübeck

Gleich zu Beginn spricht Gitte über das Theater, zitiert Brecht und Schiller, die das Theater als Lehranstalt verstanden. „Wenn man es im Theater schafft, dann schafft man es auch besser im Leben. Shakespeare hat gesagt: „The world is a stage and the stage is the world“. Das Theater kann allerdings auch böse, unangenehm, psychopathisch und pervers sein. Ich gehe gern ins Theater, bin aber kein Fan von modernem Regietheater, wobei ich hier in Deutschland gutes Regietheater erleben kann. Manchmal fliege ich nach Kopenhagen, um zu sehen, wie dort der Stand ist;  z.B. habe ich dort vor vier Jahren einen Hamlet gesehen, der sehr gelobt wurde, aber ich fand es schlecht, es gab darin gute Protagonisten, aber der Hamlet war schlecht und die Mutter war auch schlecht. Ich versuche, den Stand in Deutschland und Dänemark zu vergleichen, deshalb sah ich mir in Kopenhagen auch den Woyzeck an, ein Freund spielte mit und war sehr unzufrieden mit dem Regisseur, der schlecht gelaunt und noch im Jet-lag war, von unten ins Mikrofon rülpste und nicht bereit war, mit den Schauspielern über das Regiekonzept zu diskutieren, er war der Ansicht, ‘die Schauspieler haben das zu tun was ich sage‘. Und das ist eben die harte Seite des Berufs. Das Theater kann eine Heilanstalt sein, aber auch eine Irrenanstalt, es zeigt das Leben.“

Gitte führt eine Mitarbeiterin im Theater an, die erzählte, jeden Abend ins Theater gehen zu müssen, ohne das Theater nicht leben zu können. Rolf Brunckhorst führte ein weiteres Beispiel für die soziale Verantwortung des Theaters an: Viele Opernfans, die vor Jahren noch an der Theaterkasse stundenlang Schlange standen, um Premierenkarten zu bekommen, sind nun frustriert, weil es die meisten Karten nun online zu kaufen gilt, und online kann man keine Menschen treffen. Nach einleitenden Gedanken kam das Gespräch auf die aktuelle Internet-Kultur. Gitte steht dieser ganzen Internet-Kultur skeptisch gegenüber, sie nutzt z.B. Facebook nicht selbst, das machen andere für sie, aber sie ist dennoch erstaunt über die Möglichkeiten, die das Internet bietet.

Nun wenden wir uns dem eigentlichen Anlaß unseres Gespräches zu, ihrer Rolle der Norma Desmond. „Ich habe sofort Nein gesagt, als das Angebot kam. Ich habe Schwierigkeiten, deutsche Texte zu lernen und sagte ihnen, sie seien nicht gut bedient mit mir. In meinen eigenen Konzerten habe ich Textbücher, und hier in Lübeck sagten sie, sie würden mir Monitore aufstellen, und das haben sie dann auch gemacht. Ich dachte, okay, let’s give it a try, denn das Theater ist ja eine Lehranstalt, und ich trage ein großes Drama in mir, ähnlich wie meine Schwester, und auch meine Mutter wäre eine großartige Schauspielerin gewesen, aber sie hat sich geopfert für die Familie. Mein Vater fühlte sich berufen, Liedermacher zu werden, er war eigentlich Silberschmied. Ich selbst wurde in die Musikbranche fast hineingezwungen, daher habe ich eine etwas ambivalente Auffassung vom Showbusiness. Ich bin eigentlich eher introvertiert, scheu, und ich muß längeren Zulauf haben, ich bin nicht jemand, der sich hinstellt und sofort sagt: „Yes“. Aber Lübeck hatte mich angesprochen, sie wollten unbedingt mich“. Rolf Brunckhorst erinnert sich, wie sehr er sich gefreut hatte, als er von dieser Besetzung erfuhr: Sunset Boulevard und dann noch mit Gitte !

 Gitte Haenning im Gespraech mit Rolf Brunckhorst © Patrik Klein

Gitte Haenning im Gespraech mit Rolf Brunckhorst © Patrik Klein

Gitte zu Sunset Boulevard: Es ist ein gelungenes Webber-Musical, ich bin eigentlich kein Fan von Webber, aber ich mag Jesus Christ Superstar, Cats und eben auch dieses. Ich hatte Tell me on a Sunday gemacht und dafür sogar einen Preis bekommen, danach mochte ich es auch, aber am Anfang fand ich es nicht so toll. Ich mag Stephen Sondheim lieber, z.B. Gypsy oder Sunday in the Park with George. Sondheim schreibt Musik und Libretto, beides, und es ist rund für mich. Hier bei Lloyd-Webber ist es selten rund, furchtbar eckig, nicht sehr jazzy, aber ab und zu gibt es ein paar jazzige Einlagen, z.B. bei Betty Schafers kleinem Solo im 1. Akt“. RB ergänzt, daß wohl die gesamte Filmmusik durch den Jazz geprägt sei, worauf Gitte erwidert: „Ohne Jazz geht gar nichts, Jazz ist meine große Affinität. Ich hatte so viele Jazz-Erlebnisse als Teenager in Kopenhagen mit großen Jazz-Musikern. Bei seinem eigenen Musikgeschmack muß man seinem Herzen oder seinem Bauch folgen.“ Aber zurück zu Lloyd-Webber: „ Wie gesagt hatte ich einen Preis bekommen für „Bleib noch bis zum Sonntag“, und er wollte, daß ich dieses Stück überall in Europa mache, z.B. auch in Amsterdam und in Skandinavien. Ich hatte Lloyd-Webber in meiner Fernsehshow und er machte wieder einen Anlauf, mich für dieses Projekt zu gewinnen, aber ich hatte den Eindruck, daß er das Musical noch gar nicht fertig geschrieben hatte. Jedenfalls hatte er für seinen Bruder im ersten Akt ein langes Cello-Solo komponiert und ich hatte keine Lust, so lange auf meinen Auftritt zu warten, und am Ende sollte ich noch ein Duett mit seinem Bruder singen. Ich hatte keine Lust und habe dann Angelika Milster dafür empfohlen (sie lacht), die übrigens auch die Norma Desmond singt, in Gera.“

Auf die Frage nach Zukunftsplänen antwortet Gitte:  „Ich bin mit meiner Band ausgebucht, aber ich habe die Vision von einem Musical sowohl für Kinder als auch für Erwachsene, meine Freunde Rolf Kühn und Katrin Briegel schreiben es und es wäre eine tolle Rolle für mich.“ RB  schlägt als weitere mögliche Rolle für Gitte die Schankwirtin in Le Misérables vor: „Nein, das mag ich nicht, das ist mir zu sentimental. Mein Schwager ist auch ganz begeistert von Les Misérables, aber er ist ein alter Kommunist gewesen und er hat diese romantischen Träume von arm und reich. Nein, für mich wäre das nichts, aber ich kenne andere süße Schauspielerinnen, die in dieser Rolle Erfolg haben würden“.

Theater Lübeck / Sunset Boulevard - hier Schlussapplaus mit Gitte Haenning © Patrik Klein

Theater Lübeck / Sunset Boulevard – hier Schlussapplaus mit Gitte Haenning © Patrik Klein

Auf die Frage, ob es möglicherweise ein weiteres Angebot aus Lübeck gäbe, antwortet Gitte: „Nein, darüber habe ich auch noch nicht nachgedacht, und anderes ist mir im Moment wichtiger, und ich denke auch, wichtig ist es, daß „Sunset Boulevard“ hier weiterhin ein Erfolg ist mit sehr viel Qualität. Das Ensemble hier ist wunderbar und ich habe mich sofort wohl gefühlt mit diesen Kollegen, mit Steffen Kubach habe ich mich von Beginn an gut verstanden, und er ist bezaubernd  in seiner Rolle. Rasmus Borkowski und ich haben sehr viel Spaß, er ist ein wunderbar authentischer Darsteller mit so viel Wärme. Und er will vor allem kein typisches Musical-Produkt sein, er nimmt die Schauspielerei sehr ernst.“ R.B.  unterbricht und sagt: „Das habe ich gemerkt, als er zu Norma sagt: Ich wollte Dir nie weh tun.“ Gitte fährt fort: „Ja, wir haben bei den Proben oft zu ihm gesagt, Du mußt etwas böser werden. Er sieht so liebend aus mit so viel Tiefe“. „Es ist ein Abgrund für ihn, einerseits so fies zu sein, aber doch nicht allzu fies.“ Gitte: „Genau das ist es, das macht er gut, das kriegt er alles hin, und es freut mich sehr, daß Sie das sagen. – Ich werde hier getragen vom Chor, der Chor zeigt  viel Herzenswärme, auch die Arbeiter auf den Bühne geben alles für mich, das ist ein gutes Gefühl für mich und das gibt mir Kraft“.

Das Gespräch wendet sich anderen Rollen zu: Gitte berichtet von ihrer Papagena in Mozarts „Zauberflöte“ in Berlin, die für sie transponiert worden ist, obwohl es nach Aussage der anderen Solisten gar nicht nötig war. Und dann noch von Offenbach Orpheus in der Unterwelt, in der sie die Rolle der Juno mit René Kollo in Trier sang.

„Ich bin ohnehin kein großer Opernfan, ich habe Wagner-mäßig viel von Harry Kupfer in Berlin  gesehen, aber da meiste fand ich furchtbar und ich habe sehr gelitten. Als Dänin wollte ich wissen, wie es ist mit der deutschen Kultur, und wann immer ich Zeit hatte, bin ich in die Oper gegangen. So habe ich in Hamburg „Tristan und Isolde“ gesehen und habe auch wieder sehr gelitten. Ein anderes Mal sah ich „Tristan und Isolde“ in einer Inszenierung von Götz Friedrich und das war toll, das Bühnenbild war nur blauer Himmel und ein Berg, es war eine wunderbare Atmosphäre, da kommt die eigene Phantasie ins Spiel.  Aber René Kollo, den habe ich gemocht, er war hervorragend als Wagner-Sänger, er liebt Wagner, aber ich verstehe einfach nicht, wie man Wagner lieben kann (sie lacht). Meine Eltern hatten damals versucht, mich an die Oper heranzuführen, aber es hat nicht geklappt, ich dafür viel zu unruhig, ich war immer mehr für Jazz.“

An dieser Stelle unterbricht uns die Kantinenwirtin, und weist auf die fortgeschrittene Uhrzeit hin. Wir fügen uns, beenden das Interview. Vielen Dank, Gitte, für dieses intensive Gespräch.

Das Gespräch fürhte Rolf Brunckhorst

—| IOCO Interview Theater Lübeck |—

Lübeck, Theater Lübeck, Musical Sunset Boulevard – Mit Gitte, IOCO Kritik, 10.12.2017

Dezember 11, 2017 by  
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Theater Lübeck

Theater Lübeck © Olaf Malzahn

Theater Lübeck © Olaf Malzahn

 SUNSET  BOULEVARD von Andrew Lloyd-Webber

 Prickelnde Wiederaufnahme mit Gitte Haenning

Von  Rolf Brunckhorst

Das Theater Lübeck hat dankenswerterweise sein Erfolgsstück aus der letzten Spielzeit, das Musical Sunset Boulevard  von Andrew Lloyd-Webber, wieder aufgenommen, und das in der exakt selben Besetzung wie vor einem Jahr. Die Inszenierung mit einer großen Multifunktionstreppe bietet immer noch einen vorzüglichen Rahmen für die Ereignisse am Sunset Boulevard. Ein kleines Highlight stellte der Luxus-Oldtimer dar, den Norma Desmond am Paramount Studio abliefern soll und der sich als einfaches Gestell entpuppt, das die Sänger sich quasi unter den Arm klemmen konnten, um eine Autofahrt zu simulieren –  Applaus auf offener Szene!

Zur Handlung: Im Pool einer luxuriösen Villa treibt ein Leichnam. Es ist der junge Drehbuchautor Joe Gillis, erschossen nach einer verhängnisvollen Affäre mit der früheren Stummfilmdiva Norma Desmond. Im Rückblick erzählt Joe, wie es zu dem tragischen Vorfall kam: Norma lebt zurückgezogen auf ihrem Anwesen am Sunset Boulevard. Ihre goldenen Zeiten als Filmstar sind vergangen, die Ära des Stummfilms ist vorbei und Normas Ruhm längst verblasst. Doch sie, süchtig nach dem Scheinwerferlicht, lebt in der Erinnerung an ihre schillernde Vergangenheit und glaubt fest an ein Comeback. Als sie die Bekanntschaft mit Joe Gillis macht, keimt ihre Hoffnung auf einen neuen Film auf. Doch der Schein trügt – es entspinnt sich ein Netz von Abhängigkeiten……..

Theater Lübeck / Sunset Boulevard hier Ensemble © Olaf Malzahn

Theater Lübeck / Sunset Boulevard hier Ensemble © Olaf Malzahn

Den ersten großen Applaus hatte GITTE HAENNING schon für ihre Auftrittsarie „Nur ein Blick“ entgegennehmen können, und Gitte erwies sich auch in dieser Spielzeit wieder als Top-Besetzung der Norma Desmond. Es war faszinierend anzusehen, wie sie die zentrale Freitreppe in immer neuen Bewegungsabläufen auf und ab eilte. Man vergleiche z.B. den ersten Auftritt auf der Treppe, den sie mit ihrem neuen Scriptboy noch scheinbar unbeteiligt und ungerührt absolviert, mit dem letzten Auftritt, wenn die total verwirrte Norma Desmond sich auf den Treppenstufen (ihrer Bühne) präsentiert. Gitte konnte alle diese unterschiedlichen Seelenzustände überzeugend ausdrücken. Auch stimmlich bot Gitte eine exzellente Leistung, ihr unverkennbares Timbre kann sich in den Soloszenen prächtig entfalten. Gittes Intensität in dramatischen Höhepunkten ist schier unglaublich.

Theater Lübeck / Sunset Boulevard hier Ensemble © Olaf Malzahn

Theater Lübeck / Sunset Boulevard hier Ensemble © Olaf Malzahn

Darin war ihr Bühnenpartner RASMUS BORKOWSKI als Joe Gillis ebenbürtig, wenn er singt, kann man sich im Sessel zurücklehnen und entspannen, alle schwierigen Passagen und Spitzentöne kommen tonschön zu Gehör. Darüber hinaus ist er ein gewandter Darsteller, der fast schon zu freundlich erscheint, wenn er Norma zum Abschied sagt: „Ich habe Dir nie weh tun wollen“KATRIN HAUPTMANN in der Rolle der Betty Schaefer entspricht dem äußeren Idealbild eines amerikanischen Möchtegern-Glamourgirls, ihre Stimme ist durchweg präsent und allen technischen Schwierigkeiten singt sie sicher entgegen. Vierter im Quartett der Publikumslieblinge ist STEFFEN KUBACH als Max von Mayering, der einen sonoren Kavaliersbariton vorführte, dem weder in der Höhe noch in der Tiefe irgendwelche Grenzen anzumerken waren. Wohl besetzt waren auch die Rollen des Cecil B. DeMille (MICHAEL WALLNER), Sheldrake (RUDOLF KATZER), Artie Green (GRZEGORZ SOBCZAK), sowie GUILLERMO VALDES, der in gleich drei kleineren Rollen zu gefallen wußte.

 Theater Lübeck / Sunset Boulevard hier Applausfot mit Gitte Haenning © Patrik Klein

Theater Lübeck / Sunset Boulevard hier Applausfot mit Gitte Haenning © Patrik Klein

Das faszinierende dieser Auflistung ist, daß der Rezensent bei keinem der Solisten Einschränkungen machen oder Einwände erheben muß, es war eine vorbildlich geschlossene Ensembleleistung, an der selbstverständlich LUDWIG PFLANZ am Dirigentenpult mit seinem Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck einen großen Anteil hatte. Von der Klangqualität des Orchesters konnte man sich in den zahlreichen Zwischenspielen und den Akt-Einleitungen überzeugen. Ein Pauschallob auch für die Mitglieder des Chores und des Balletts, die die Massenszenen stimmlich und tänzerisch vorbildlich im Griff hatten. Falls Sunset Boulevard keine dritte Auflage erleben sollte, könnte die Intendanz vielleicht ein anderes Top-Musical in Betracht ziehen. Das Publikum schien derselben Meinung zu sein, denn es gab am Ende Jubel für alle Beteiligten, Standing Ovations und zahlreiche Bravos – ein wirklich Abend.

Sunset Boulevard am Theater Lübeck: Weitere Vorstellungen 31.12.2017 15.00 und 19.30 Uhr; 13.01.2018

—| IOCO Kritik Theater Lübeck |—

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