Wien, Volksoper Wien, Roxy und ihr Wunderteam – Paul Abraham, IOCO Aktuell, 04.09.2021

September 4, 2021 by  
Filed under Hervorheben, IOCO Aktuell, Operette, Volksoper Wien

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Volksoper Wien

 Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

 Roxy und ihr Wunderteam – Paul Abraham

Csárdás und Elfmeter – Paillettenkleid und Fußballtrikot

Wo sind die Zeiten, als die österreichische Fußball-Nationalmannschaft als „Wunderteam“ tituliert wurde? Das war zu Beginn der 1930er Jahre. Im März 1937 feierte eine danach benannte österreichische (und dank Paul Abraham ungarisch geprägte) Vaudeville-Operette ihre umjubelte Uraufführung im Theater an der Wien. Nun haucht auch die Volksoper Paul Abrahams Roxy und ihr Wunderteam einem schwungvollen Meisterwerk aus der Spätzeit der Operette – neues Leben ein.

Roxy – Premiere an der Volksoper Wien – 11.9.2021 – link HIER!

Aber wer ist Roxy? Die selbstbewusste Nichte eines schottischen Mixed-Pickles-Fabrikanten, die von ihrer eigenen Hochzeit flüchtet und lieber der ungarischen Mannschaft (und insbesondere dem feschen Mittelstürmer Gjurka) ins Trainingslager am Plattensee folgt. Turbulent wird es, als dort die Schülerinnen eines Mädchenpensionats auf die jungen Sportler treffen. Wird es den Herren unter diesen Umständen möglich sein, das Entscheidungsspiel gegen England zu gewinnen?

Die schillernde Revue-Operette in der Regie von Hausdebütant Andreas Gergen sprüht vor Humor, Sexappeal und dem Testosteron der Fußballelf. Die musikalische Einrichtung zwischen Csárdas, Jazz und Operettenschmelz stammt von Kai Tietje, der erstmals am Pult des Volksopernorchesters steht. Als sexy Roxy verdreht die junge Wiener Musicaldarstellerin Katharina Gorgi dem Fußballteam und dem Publikum den Kopf. Das ehemalige Mitglied des Kinderchors ist erstmals in einer Hauptrolle an der Volksoper zu erleben. Jörn-Felix Alt ist der ernsthafte und schüchterne Mittelstürmer Gjurka Karoly das Objekt ihrer Begierde, Robert Meyer ihr knausriger schottischer Onkel Sam Cheswick und Christoph Wagner-Trenkwitz tauscht Frack gegen Trikot und versucht sich erstmals als Fußballkommentator.

 Volksoper Wien / Roxy und ihr Wunderteam, hier: Katharina Gorgi als Roxy und Ensemble © Barbara Palffy

Volksoper Wien / Roxy und ihr Wunderteam, hier: Katharina Gorgi als Roxy und Ensemble © Barbara Palffy

Glückliche Reise, wer klug ist und weise – Der Untergang einer (Operetten-) Ära

Zwischen steppenden Sportlern, jubelnden Donaunixen, aberwitzigen Verwechslungsspielen und jazzigen Klängen ist alles möglich in diesem bunten Wirrwarr, dieser Feier des Sportsgeists und der Liebe, dem Aufbegehren der Jugend, der Flucht in Sorglosigkeit und Freiheit. Und doch kündigt sich auch der Untergang einer (Operetten-)Ära an: „Glückliche Reise, wer klug ist und weise, fährt los und fragt nicht viel.“

Mit seinen Operetten Viktoria und ihr Husar, Die Blume von Hawaii und Ball im Savoy erlebtePaul Abraham, *1898 in Apalin Österreich-Ungarn,  Anfang der 30er-Jahre in Berlin einen kometenhaften Aufstieg; ebenso jäh gestoppt 1933, durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Abraham flüchtete vor den Nazis in die USA (jüdischer Hintergrund; seine Werke waren als  „entartete Kunst“ diffamiert), kehrte 1956 nach Hamburg zurück  und starb dort 1960 geistig verwirrt an Krebs (er glaubte bis zu seinem Tod in New York zu leben). Der Gegensatz der real düsteren Lebenserfahrungen Paul Abrahams zu seinen Frohsinn und Lebensfreude verbreitenden prallen Operetten, schockiert bis heute.

Roxy und ihr Wunderteam bescherte dem Komponisten einen letzten großen Erfolg in Wien, bevor er sich erneut vor dem Faschismus in Sicherheit bringen musste. Er flüchtete über Paris und Havanna nach New York, erlitt dort neurologische Ausfälle infolge einer Syphilis-Erkrankung und verbrachte über ein Jahrzehnt in einer psychiatrischen Einrichtung, bevor er schließlich 1960 in Hamburg starb. Erst nach und nach wurde Abrahams Schaffen in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt, Roxy und ihr Wunderteam erklingt nun erstmals an der Volksoper.

 Volksoper Wien / Roxy und ihr Wunderteam, hier: die Fussballer - Ensemble © Barbara Palffy

Volksoper Wien / Roxy und ihr Wunderteam, hier: die Fussballer – Ensemble © Barbara Palffy

Österreich ist Fußball-Europameister!

Österreich ist Fußball-Europameister! Was sich nach dem Wunschtraum einer durchzechten Nacht zwischen Dosenbier und Vuvuzela anhört, ist tatsächlich eine Schlagzeile aus dem Jahr 1932. Zu dieser Zeit wird die österreichische Nationalmannschaft als „Wunderteam“ gefeiert, dessen internationaler Höhenflug im Mai 1931 mit sensationellen Siegen über Schottland (5:0) und Deutschland (6:0) begonnen und nach zwölf Spielen in Folge ohne Niederlage den Status eines europäischen Sportmythos erlangt hatte. So ist im März 1937 bei der umjubelten Uraufführung seiner Vaudeville-Operette Roxy und ihr Wunderteam im Theater an der Wien auch die titelgebende Mannschaft rund um Star-Stürmer und Kapitän Matthias Sindelar anwesend. Die Originalfassung der Operette war allerdings noch ungarisch. 3:1 a szerelem javara (3:1 für die Liebe) handelte noch von einem siegreichen Wasserball-Team. Die Eindeutschung von Alfred Grünwald (Buch) und Hans Weigel (Gesangstexte) drehte sich dann um das Sportthema Nummer eins, den Fußball.

Wenn sich auch Parallelen zum österreichischen Wunderteam finden (wie etwa in der Figur des Mannschaftskapitäns Gjurka Karoly, der Ähnlichkeiten mit dem realen Matthias Sindelar aufweist), ist es doch die ungarische Nationalmannschaft, die zu Beginn des Stückes in einer Londoner Hotelsuite ihren sensationellen Sieg über England feiert. Kurz vor der Heimreise platzt die junge Engländerin Roxy, Nichte des schottischen Mixed-Pickles-Fabrikanten Sam Cheswick, herein, die sich auf der Flucht vor ihrer eigenen Hochzeit mit dem dümmlichen Bobby Wilkins befindet. Dem vehementen Protest von Kapitän Gjurka Karoly zum Trotz, beschließt die Mannschaft kurzerhand, ihr neues Maskottchen Roxy mit ins Trainingslager an den Plattensee zu nehmen: „Hipp! Hipp! Hurra! Das Wunderteam ist da!“ Unterdessen heften sich der geizige Cheswick und Ex-Bräutigam Bobby an die Fersen der vermeintlichen Entführer. Am Plattensee angekommen, müssen die Fußballer feststellen, dass die verordnete sportliche Ertüchtigung, Disziplin und Enthaltsamkeit nicht aufrecht zu erhalten sein werden – denn die Schülerinnen eines Mädchenpensionats samt ihrer strengen Direktorin haben sich ebenfalls im Landhaus einquartiert. Die Jugend will sich vergnügen, der Tokayerwein fließt, die Hormone spielen verrückt, Roxy und Gjurka kommen einander näher … Wird es dem Wunderteam unter diesen Umständen möglich sein, das Entscheidungsspiel gegen England zu gewinnen?

—| IOCO Aktuell Volksoper Wien |—


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Wien, Wiener Symphoniker, Konzerte der Wiener Symphoniker im Juni und Juli 2020

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Wiener Symphoniker

Wiener Symphoniker / Gruppenfoto am Podium des Großen Saales im Wiener Konzerthaus (mit Chefdirigent), © Stefan Oláh

Wiener Symphoniker / Gruppenfoto am Podium des Großen Saales im Wiener Konzerthaus (mit Chefdirigent), © Stefan Oláh

 

Es geht wieder los!

Nach der Durststecke der vergangenen Wochen ist die Freude groß, ab Juni endlich wieder für Sie, verehrtes Publikum, musizieren zu dürfen. „Ich spüre große Erleichterung und Vorfreude im ganzen Orchester aber auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abseits der Bühne, dass es nun endlich wieder losgeht und wir wieder für unser Publikum, für die Menschen in Wien live spielen können. Ich bin zuversichtlich, dass sich diese spezielle Energie auch in denkwürdige Konzerterlebnisse übersetzen wird.“ so der Intendant der Wiener Symphoniker Jan Nast. Nach langen Tagen des Stillstandes öffnen das Wiener Konzerthaus und der Musikverein ab kommender Woche also wieder ihre Pforten – und bitten die Wiener Symphoniker auf ihre Podien.

Um unser aller Sicherheit zu gewährleisten, wird bei der Wiederaufnahme des Konzertbetriebs behutsam vorgegangen. Die Konzerte finden ohne Pause statt und dauern nicht länger als eine Stunde. Die Reduktion der Publikumsplätze auf 100 (Juni) beziehungsweise 250 (Juli) Personen ermöglicht die Einhaltung der notwendigen Sicherheitsabstände. So kann gewährleistet werden, dass bis zu vier Menschen, die gemeinsam ins Konzert gehen möchten, nebeneinanderliegende Plätze bekommen und gleichzeitig der erforderliche Abstand zu anderen Besucherinnen und Besuchern gewahrt wird. Dadurch kann während der Veranstaltungen auf den Mund-Nasen-Schutz verzichtet werden, nur bis zum Erreichen des Platzes muss er getragen werden.

Wir freuen uns sehr, dass wir gemeinsam mit Igor Levit am 5. und 6. Juni jene Konzerte spielen dürfen, mit denen das Wiener Konzerthaus die Wiederaufnahme des Spielbetriebs einläutet. Der russisch-deutsche Pianist, der in den Wochen der Isolation mit seinen Hauskonzerten via Twitter Furore gemacht hat, ist hier nun endlich wieder live mit Mozarts Zwölftem Klavierkonzert KV 414 im Mozartsaal zu erleben. Am 10. Juni wird der scheidende Chefdirigent und gefeierte Beethoven-Interpret Philippe Jordan die Leonoren-Ouvertüre sowie die Dritte Symphonie „Eroica“ im Goldenen Saal des Musikvereins dirigieren. Ende des Monats tritt schließlich mit Manfred Honeck ein langjähriger künstlerischer Wegbegleiter ans Pult der Wiener Symphoniker. Anlässlich des 150. Geburtstags von Franz Lehár wird unter seinem Dirigat ein Medienprojekt für den Meister der Wiener Operette im Theater an der Wien unter Ausschluss der Öffentlichkeit aufgezeichnet. Schon eine Woche später ist Manfred Honeck mit Werken von Verdi und Tschaikowski im Goldenen Saal des Musikvereins zu erleben. Ein besonderer Höhepunkt folgt Anfang Juli, wenn mit Rudolf Buchbinder einer der versiertesten Kenner der Klavierkonzerte Beethovens in die Tasten greift. An drei aufeinanderfolgenden Tagen wird er alle fünf Klavierkonzerte des großen Wahlwieners zum Besten geben, und das Orchester dabei im Großen Saal des Wiener Konzerthauses vom Klavier aus leiten.

Um trotz der reduzierten Sitzplätze möglichst vielen Musikbegeisterten den Genuss eines Livekonzerts zu ermöglichen, werden die Programme nach einer ausgiebigen Pause jeweils ein zweites Mal erklingen.

Der Vorverkauf im Wiener Konzerthaus startet am 28. Mai um 9:00, jener im Musikverein am 27. Mai um 12:30 (für Mitglieder) beziehungsweise am 29. Mai um 12:30 (allgemeiner Vorverkauf). Details und Informationen zum Ticketkauf finden Sie auf den Seiten der beiden Häuser unter konzerthaus.at und musikverein.at.

In Vorfreude auf einen besonderen Konzert-Sommer,

Ihre Wiener Symphoniker


Programm Juni & Juli 2020


Freitag, 05. Juni 2020, 18.00 & 20.30 Uhr

Samstag, 06. Juni 2020, 18.00 & 20.30 Uhr

Wiener Konzerthaus, Mozart-Saal

Interpreten

Igor Levit, Klavier und Leitung

Wiener Symphoniker

Werke

Wolfgang Amadeus Mozart Ouvertüre zum Singspiel „Der Schauspieldirektor“ KV 486

Edvard Grieg „Aus Holbergs Zeit“, Suite op. 40

Wolfgang Amadeus Mozart Konzert für Klavier und Orchester Nr. 12 A-Dur KV 414 (KV 385p)


Mittwoch, 10. Juni 2020, 17.00 & 20.00 Uhr

Musikverein, Großer Saal

Interpreten

Philippe Jordan, Dirigent
Wiener Symphoniker

Werke

Ludwig van Beethoven Ouvertüre Nr. 3 zur Oper „Leonore“ op. 72b
Ludwig van Beethoven Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 „Eroica“


Samstag, 27. Juni 2020, 11.00 & 17.00 Uhr

Musikverein, Großer Saal

Interpreten

Manfred Honeck, Dirigent
Wiener Symphoniker

Werke

Giuseppe Verdi Ouvertüre zur Oper „La Forza del Destino“ („Die Macht des Schicksals“)

Pjotr Iljitsch Tschaikowski Symphonie Nr. 5 e-moll op. 64


Samstag, 04. Juli 2020, 18.00 & 20.30 Uhr

Wiener Konzerthaus, Großer Saal

Interpreten

Rudolf Buchbinder, Klavier und Leitung
Wiener Symphoniker

Werke

Ludwig van Beethoven Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 B-Dur op. 19
Ludwig van Beethoven Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-moll op. 37


Sonntag, 05. Juli 2020, 18.00 & 20.30 Uhr 

Wiener Konzerthaus, Großer Saal

Interpreten

Rudolf Buchbinder, Klavier und Leitung
Wiener Symphoniker

Werke

Ludwig van Beethoven Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 C-Dur op. 15
Ludwig van Beethoven Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur op. 58


Montag, 06. Juli 2020, 18.00 & 20.30 Uhr   

Wiener Konzerthaus, Großer Saal

Interpreten

Rudolf Buchbinder, Klavier und Leitung
Wiener Symphoniker

Werke

Ludwig van Beethoven Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 Es-Dur op. 73


—| Pressemeldung Wiener Symphoniker |—


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Bonn, Theater Bonn, Fidelio – realer Befreiungsaufruf – für Kurden, IOCO, 04.01.2020

Januar 5, 2020 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Bonn

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Theater Bonn

Theater Bonn © Thilo Beu

Theater Bonn © Thilo Beu

Fidelio – Ludwig van Beethoven

 Beethoven-Jahr – Beginn mit real politischer Befreiungsoper

von Viktor Jarosch

Ludwig van Beethoven Denkmal in Bonn © IOCO

Ludwig van Beethoven Denkmal in Bonn © IOCO

Der Weltgeist Ludwig van Beethoven, wurde vor 250 Jahren, am 17.12.1770 in Bonn geboren. Zu dieser Zeit pulsierte in Bonn das Musikleben in allen Ausprägungen; in der Hofkapelle, in Kirchen, in der Oper. Maximilian Franz (1756-1801), musikaffiner Sohn von Maria Theresia von Habsburg, kam 1784 in seine neue Residenzstadt Bonn, um dort als Kurfürst von Köln und Fürstbischof von Münster die Regierungs-geschäfte seiner Bistümer zu leiten. Beethovens Vater Vater war zu dieser Zeit Sänger am Bonner Hof, sein Großvater zuvor Kapellmeister. So wuchs Ludwig van Beethoven in eine blühende Musikkultur hinein: Orgel spielte er bereits mit 11 Jahren Orgel in Kirchen, Klavier bei den Kammermusikern des Kurfürsten, Bratsche im Hoftheater. Auch der Kurfürst lernte Beethoven früh schätzen: er sendet ihn nach Wien, um bei Joseph Haydn für die Bonner Hofkapelle musikalisch weiter ausgebildet zu werden. Doch Wien wurde für Beethoven zu seiner neuen Heimat: von persönlichen Krisen und Hörbeschwerden stark behindert, wuchs er dort zu jenem musikalischen Weltgeist, der in der Europahymne der Europäischen Gemeinschaft (Vertonung von Schillers Ode an die Freude) täglich hörbar und spürbar ist.

Fidelio am Theater Bonn – Hochpolitischer Fokus auf Kurden in der Türkei

Das Theater Bonn beginnt das Beethoven-Jahr am 1. Januar 2020 mit der Premiere dessen „Befreiungsoper“ Fidelio. Befreiungsopern waren Anfang des 19. Jahrhunderts populär. So hatte Intendant des Theater an der Wien, Peter Freiherr von Braun, hatte Beethoven den Auftrag für eine solche Oper erteilt. Die 1798 uraufgeführte französische Oper Léonore, ou L‘amour conjugal, in welcher eine Frau ihren Mann aus der Herrschaft der Jakobiner befreit, inspirierte Beethoven zu Fidelio. Die Uraufführung der ersten Fidelio-Version, 1805 im Theater an der Wien war wenig erfolgreich. Erheblich überarbeitet wurde 1814, neun Jahre später, die im Kärntnertortheater uraufgeführte dritte Fidelio-Version zum großen Erfolg: Das Allgemein-Menschliche des Handelns wird überhöht und kompositorisch herausgestellt: die große Befreiungsoper der Menschheit war geschaffen, war Grundlage für die hochpolitische Inszenierung im Theater Bonn.

Theater Bonn / Fidelio - hier : Marzelline und Jaquino auf der Bühne, unten, im Media-Markt oben © Thilo Beu

Theater Bonn / Fidelio – hier : Marzelline und Jaquino auf der Bühne, unten, im Media-Markt oben © Thilo Beu

Filmset – Moderne Videotechnik verbindet die Bühne mit Weltgeschehen

Regisseur Volker Lösch ergänzt auf der Bühne die dramaturgische Authentizität von Beethovens Fidelio um die Befreiung des in Isolationshaft gehaltenen politischen Gefangenen Florestan mit einer Dokumentation über verfolgte Kurden in der Türkei. Die Bühne (Carola Reuther) ist als Nachrichtenstudio / Filmset gehalten, ohne alle Kulissen, vollständig grün ausgekleidet. Diese Greenscreen-Technik (Videodesign Chris Kondek und Ruth Stofer) verbindet im Theater Bonn Beethovens bekannte Oper über zahlreiche Videos und Zeitzeugen auf der Bühne (beständig gefilmt von zwei Live-Kameras) mit der Kurdenproblematik in der Türkei. Unruhen, kriegerische Gewalt, aktuelle Hintergründen oder Filmaufnahmen aus Istanbul, Ankara werden auf eine 10 x 5 Meter große Leinwand projiziert. Das beständige Zusammenspiel von Beethovens Komposition mit Badestrand, Krieg und Elend in der Türkei geben dem Besucher das ungewohnte Gefühl, das moderne Werk eines zeitgenössischen Komponisten zu erleben. Das komplexe Regie-Konzept fordert Besucher, Darsteller, Orchester und Regie gleichermaßen: Doch Volker Lösch und sein Team beschreiten mit dieser Inszenierung neue Wege: ein ernsthaftes Experiment, welches mitreißt und gelungen ist.

Beethoven Haus in Bonn © IOCO

Beethoven Haus in Bonn © IOCO

Beethovens Komposition wird im Theater Bonn ungestrichen gespielt; die offene Struktur der Fidelio-Handlung wird jedoch von fünf in Deutschland lebenden kurdischen ZeitzeugInnen immer wieder aufgebrochen; auf der Bühne oder an einem Tisch neben dem Filmstudio sitzend, wird von konkret Erlebtem erzählt, von grausamer Folter, von Frauen, die an den Haaren aufgehängt wurden, von Zerstörung, Krieg, Gefängnissen; befragt werden dabei die ZeitzeugInnen von „Filmregisseur“ Matthias Kelle. Prominentester Zeitzeuge auf der Bühne war der in Köln lebende Schriftsteller Dogan Akhanli, der in einem Buch seine Verhaftung und Folter in der Türkei beschrieben hatte. Differenzierende, allgemeine Betrachtungen greift in diesen Darstellungen nicht!  Aktuelles, von den Individuen auf der Bühne konkret erlebtes und deren Sehnsucht nach einem friedvollen Leben sind Fokus der Inszenierung.. Der Mut der Darsteller auf der Bühne, ihre persönlichen Erfahrungen in der Türkei mit den Besuchern des Theater Bonn zu teilen, sich deshalb,außerhalb des Theaters vielleicht mit der Aggressivität radikaler Andersdenkender auseinanderzusetzen zu müssen, ist allein beeindruckend.

Theater Bonn / Fidelio - hier : Der Gefangenenchor, unten, auf der Leinwand Fotos Gefangener, Misshandelter © Thilo Beu

Theater Bonn / Fidelio – hier : Der Gefangenenchor, unten, auf der Leinwand Fotos Gefangener, Misshandelter © Thilo Beu

Zur kurzen Ouvertüre des hochgefahrenen Orchesters leuchtet auf der Leinwand auf der Bühne in großen plakativen Lettern: KOMMANDO BEETHOVEN „zur Sichtbar-machung von politischen Gefangenen in der Türkei“. Es folgen Videos über die Stadt Istanbul, politischen Massenjubelfeiern dort, Flüchtlingstrecks, der Pegida in Leipzig, Merkels umstrittenes „Wir schaffen das“ und Erdogans drohendes „Hey, Europäische Union, reißt euch zusammen…“. In den folgenden Szenen werden die Darsteller auf der Bühne von Video-Sequenzen auf der Leinwand begleitet, das Orchester ist heruntergefahren. Marzelline (Marie Heeschen in hellem, frischem Sopran) und ihr Jaquino (Kieran Carrel) laufen streitend und ,eingespielt, wie sie mit Einkaufstüten durch den Media Markt (Foto oben). Die „angenehme“ friedliche Seite der Türkei erscheint: Badestrände, Yachten, spielende Kinder.

In späteren Videos reißt Leonore (Martina Welschenbach (weich, wohl timbrierten Sopran) in ihrer Arie „Komm, o Hoffnung“, als Racheengel mit gestrecktem Arm und geballter Faust durch die Luft fliegend, die Mauern aller Gefängnisse niederreißt, während Marzelline auf rotem Sofa vom geordneten bürgerlichen Leben träumt. Zur mächtigen Gold-Arie des Rocco („Hat man nicht auch Gold beineben, Kann man nicht ganz glücklich sein..“,  Karl-Heinz Lehner kraftvoll und gut verständlich) fliegen er und Marzelline auf der Leinwand auf einem Euro-Schein dahin: Live-Kameras filmen die Darsteller beständig auf der Bühne, hinter der Bühne werden diese Aufnahmen mit anderen Filmen „gemischt“ und auf die große Leinwand projiziert.

 Theater Bonn / Fidelio - hier : Aufruf zum Ende der Vorstellung  © Thilo Beu

Theater Bonn / Fidelio – hier : Aufruf zum Ende der Vorstellung  © Thilo Beu

Der Gefangenenchor ist ein Höhepunkt jeder Fidelio-Inszenierung. Im Greenscreen-Studio des Theater Bonn erscheinen die Gefangenen als grün verhüllte Wesen, in gesucht überhöhtem Ausdruck menschlichen Leids und Elend, als unterdrückte seelenlose Masse; als nicht-menschliche Wesen. Dieser optisch quälende Anblick wandelt sich ergreifend zu dem sich von sanfter Wehmut in kraftvolle Emphase wandelndem Chor „O welche Lust, in freier Luft, den Atem leicht zu heben! Nur hier, nur hier ist Leben..“; (Einstudierung Marco Medved); die nicht-menschlichen Wesen werden  zu Individuen, Menschen, wenn sie sich langsam ihre grünen Hüllen entledigen. Während-dessen die Leinwand über ihnen beständig Fotos zahlreicher in der Türkei Gefangener zeigt. Florestans Arie „Gott, welch Dunkel hier…“, von Thomas Mohr zu Beginn nahezu unsichtbar in einer Kiste liegend lyrisch ausdrucksstark vorgetragen, spiegelt die Qualen des Individuums, des Einzelnen: Beethovens Postulat an die Menschheit.

So endet Fidelio am Theater Bonn mit dem Freiheitsruf auf der Leinwand: FREE THEM ALL und dem am Bühnenrand stehenden Ensemble, welches auf Plakaten die Freiheit in der Türkei inhaftierter fordert.

Beethoven Grab in Wien © IOCO

Beethoven Grab in Wien © IOCO

Der große Erfolg der vielschichtig polarisierenden Inszenierung hängt maßgeblich auch „in den Händen“ von GMD Dirk Kaftan und dem Beethoven Orchester Bonn. Die beständige Abstimmung von Beethovens Komposition mit den vielen Facetten von Volker Löschs spezieller Regie, den Erzählern und der Video-Flut auf der Leinwand ist für Dirigent und Orchester äußerst anspruchsvoll. Zwar reduziert die Inszenierung Beethovens Komposition ein wenig in ihrer Größe. Umso größer ist unsere Referenz vor Dirk Kaftan Ditigat und dem Beethoven Orchester für ihr sängerfreundliches und ausdrucksvolles Klangfestival.

Der Beifall für die auffällige, kontroverse, Widersprüche herausfordernde Fidelio-Inszenierung am Theater Bonn war überraschend positiv, frenetisch. Orchester, Ensemble und Chor wurden ebenfalls gleichermaßen anhaltend und begeistert gefeiert.

Aufforderung an Alle: Nehmt Teil an dem Befreiungs-Postulat

Postkarten, nach der Vorstellung im Theater – Eingang für die Besucher ausgelegt: gerichtet an Politiker und Inhaftierte, so auch an: „Lieber Selahattin Demirtas, wir sind tief besorgt, daß Sie und Tausende von Menschen in der Türkei inhaftiert sind, weil Sie von Pressefreiheit Gebrauch machen wollten…“.

Fidelio am Theater Bonn; die weiteren Vorstellungen 4.1.; 16.1.; 24.1.; 2.2.; 9.2.; 15.2.; 14.3.; 27.3.2020

—| IOCO Kritik Theater Bonn |—


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Hagen, Theater Hagen, Der Graf von Luxemburg – Franz Lehár, IOCO Kritik, 01.11.2019

November 1, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Musical, Operette, Theater Hagen

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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Der Graf von Luxemburg –  Franz Lehár

 – in Pariser Bohème-Milieu  – Oligarch  kauft „Heiratsgraf“ –

von Viktor Jarosch

1905 – Die lustige Witwe, 1909 – Der Graf von Luxemburg: mit frühen Kompositionen begründete Franz Lehár (1870-1948) seinen bleibenden Ruf als großer Operettenkomponist. Mit Victor Léon, Emmerich Kalman, Leo Fall, Ralph Benatzky, Oscar Strauss ist Léhar auch Mitbegründer der „silbernen Operettenära“, welche zahllose auch heute noch populäre wie lebensfrohe Werke schuf.

Franz Lehár im Stadtpark von Wien © IOCO

Franz Lehár im Stadtpark von Wien © IOCO

Und doch schwebt beständig ein Hauch von Wehmut über den Frohsinn verbreitenden Werken der „silbernen Operettenära“. Viele Komponisten dieser Epoche, so Kalman, Benatzky, Victor Léon mussten im Dritten Reich wegen jüdischer Wurzeln in die USA flüchten; viele, wie beide Brüder von Leo Fall oder Paul Morgan, wurden in  Konzentrationslagern ermordet. Robert Stolz, 1909 Dirigent der Uraufführung des Graf von Luxemburg, durch über 60 Operetten fast ebenso berühmt wie Lehár,  musste ebenso flüchten; 1938 emigrierte er über Paris in die USA. Franz Lehárs Rolle im Dritten Reich ist vielschichtig wie undurchsichtig. Hitler und Goebbels liebten seine Werke; Lehár blieb in der NAZI-Zeit in Deutschland und weitgehend „unbehelligt“.

Der Graf von Luxemburg wurde von Franz Lehár schnell, quasi mal eben, komponiert, in nur vier Wochen. An einen Erfolg seines Werks glaubte er wohl nicht; er übergab das fertige Werk dem Intendanten des Theater an der Wien im Juni 1909 mit den Worten: „Der Schmarrn ist fertig und wenn es keinen Erfolg haben wird, habt ihr es euch selbst zuzuschreiben!“. Lehár und andere irrten: allein über 300 Mal wurde das Stück nach der Uraufführung im Theater an der Wien gespielt; in den folgenden Jahrzehnten wurde es vielfach überarbeitet und blieb bis heute ein „Gassenhauer“ auf den Bühnen der Welt.

Theater Hagen / Der Graf von Luxemburg - hier : zu ersten Takten Kenneth Mattice als weltverlorenes Wesen © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Der Graf von Luxemburg – hier : zu ersten Takten Kenneth Mattice als weltverlorenes Wesen © Klaus Lefebvre

Von seinem Charme, seiner Popularität hat Der Graf von Luxemburg seit 1909 nichts verloren, in kitschig anrührenden Filmen, in zahllosen Produktionen großer wie kleiner Theater und nun auch im Theater Hagen wird die Geschichte um den russischen Fürsten Basil Basilowitsch inszeniert, welcher seine große Liebe, die bürgerliche Sängerin Angèle Didier, nicht heiraten kann da sie keine Adelige ist; und nun, trickreich und vermeintlich clever, den verarmten Graf Réne von Luxemburg bittet, für eine halbe Million Francs Angèle für drei Monate zu heiraten, um in dieser Art Scheinehe in den Adelstand erhoben zu werden, um sich dann wieder scheiden zu lassen, um dann den reichen Fürsten Basil Basilowitsch zu heiraten. Doch es ist eine Operette; und so bilden zu bunten Liedern und beschwingter Musik schräge wie lebensnahe Verwechslungen, Humor und Verdrehungen einen Potpourri der Lebensfreude, natürlich mit glücklichem Ende. So auch im Theater Hagen; einem Theater mit bescheidenen Mittel und einem kleinen Ensemble, welches immer wieder mit beeindruckenden Produktion aufwartet.

Der Graf von Luxemburg – Franz Lehár
youtube Trailer des Theater Hagen
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Regisseur Roland Hüve kennt das Theater Hagen: Kiss me, Kate und Die Blues Brothers inszenierte Hüve in Hagen und erntete großen Publikumszuspruch. Der Graf von Luxemburg im Theater Hagen spielt authentisch im Milieu der Jahrhundertwende, ist lebendig, bunt wie humoresk angelegt: keine Variante auf den modernen Zeitgeist. Die Handlung hat Hüve im Kern unverändert gelassen doch durch eigene Texte, durch Anleihen bei Paul Lincke, Tosca oder Shakespeares „Sein oder Nichtsein“, choreographische Umdeutungen und Kürzungen dem Stück in Hagen Behäbiges genommen und in klassischem Ambiente doch die Moderne geführt. Dazu geben vielschichtig originelle Bühnenbilder und farbige Kostüme (Siegfried E. Mayer) und eine filigrane  Choreographie (Eric Rentmeister) der Inszenierung frohsinnige Lebendigkeit anregt.

Der Besucher wird mit dem ersten Bild gebannt: wenn, zu den ersten Takten der Operette, René, Graf von Luxemburg etwas trunken träumend auf einer goldgelben Mondsichel sitzend sinniert. Im Hintergrund ein sternenreicher Pariser Nachthimmel und ein Gemälde des Eiffelturms. Eine Karnevalsgemeinde in frohen Kostümen umtanzt den Grafen ihn singend: „Karneval, Du allerschönste Zeit..“  und musikalischen Anleihen umtanzt. Dann, unvermittelt, senkt sich aus dem Bühnenhimmel ein riesiger Rahmen auf die Bühne und verändert die Traumwelt des Grafen in das Atelier des Malers Armand Brissard und seiner stets zickigen Freundin Juliette Vermont.  Erstes Staunen und Sonderbeifall waren damit schon gegeben.

 Theater Hagen / Der Graf von Luxemburg - hier : Kenneth Mattice als Graf und Angela Davis als Angèle heiraten ohne sich ansehen zu können © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Der Graf von Luxemburg – hier : Kenneth Mattice als Graf und Angela Davis als Angèle heiraten ohne sich ansehen zu können © Klaus Lefebvre

Spannend, schräg und lebendig setzt sich die Handlung fort, wenn dann in diesem Maleratelier Fürst Basil Basilowitsch, hier ganz russischer Oligarch in klassischem Zweireiher mit zwielichtigen Kumpanen und dem -herrlich- verwirrt agierenden Standesbeamten Pélégrin (Dirk Achille) erscheint. Diese bieten dem Graf von Luxemburg  500.000 Franc, (mit eigenen Texten, hier: „zu zahlen auf eine amerikanische  oder deutsche  oder englische – vor oder nach dem Brexit –  Bank“, Lied:  „Bare 500.000 Francs“) damit er die Sängerin Angèle Didier, Freundin des Fürsten Basil, zu deren Erlangung des Adelsstandes, kurz, für drei Monate, heiratet. Dies alles geschieht ohne Blickkontakt; die baldige Scheidung ist in den Vertrag mit eingeschlossen. Das Gemälde des Eiffelturm (Foto oben) dient bei der Heirat des Grafen von Luxemburg mit Angèle als Sichtschutz. Operettenseligkeit beginnt Raum zu nehmen mit dem wunderbar gesungen Duett:  „Sie geht links, er geht rechts“

Bühne und Akteure der Operette wandeln sich beständig; am auffälligsten wandelt sich Fürst Basil Basilowitsch, welcher vom trockenen russischen Oligarchen im dunklen Zweireiher im 1. Bild, zum tanzenden Operettenfürsten in festlicher Ballkleidung im 3. Bild mutiert; der dann sogar, auf Befehl des Zaren die alte Gräfin Stasa Kokozowa heiraten muss: welche in elegantem Abendkleid erscheint um Whisky darum bittet, „zunächst alles in Ruhe zu genießen.“ Das Ballett Hagen belebt das Bühnengeschehen immer wieder mit ansprechenden choreographischen Einlagen.

Rodrigo Tomillo und das Philharmonische Orchester Hagen stützten sängerfreundlich und mit „feinen Händen“ den Geist Lehárs und seiner Komposition, welche in humoriger Unernstigkeit die Lebensfreude befeuern  soll.

Theater Hagen / Der Graf von Luxemburg - hier : das Ensemble © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Der Graf von Luxemburg – hier : das Ensemble © Klaus Lefebvre

IOCO bewundert oft die mitreißende künstlerische Vielfalt, welche kleinere deutsche Theater mit begrenzten Mitteln auf ihren Bühnen zeigen. Der Graf von Luxemburg ist  hierzu Beispiel: seine vielschichtige stimmlichen wie darstellerischen Herausforderungen werden durch das weitgehend eigene Ensemble des Theater Hagen wunderbar auf die Bühne gebracht: Dies allein verdient schon ein großes Kompliment für alle Beteiligten; die sichtbaren auf und die unsichtbaren hinter der Bühne.

Kenneth Mattice ist in dem wuseligen „Operettenspiel“ ein nachdenklicher, geradezu seriöser René, Graf von Luxemburg, welcher mit dem ersten Bild mit sanftem Timbre Menschlichkeit und Verletzlichkeit in all seinen Facetten ausdrückt. Oliver Weidinger stellt als Fürst Basil Basilowitsch hierzu einen stimmlich wie  optisch gelungenen Kontrapunkt zum Grafen, dessen Wandlung vom rauhen Oligarchen zum tänzelnden Operettenkönig fasziniert. Tenor Richard van Gemert als Maler Armand und, mit feinem hellen Sopran, Christina Piccardi, als Freundin Juliette Vermont, faszinieren durch ihre  filigrane    Angela Davis ist als Angèle Didier die dominante Operettendiva dieser Produktion; bestens disponiert, mit lebendiger Präsenz und mit auch in Höhen sehr sicherem Sopran (herrlich ihre ToscaAnleihe). Doch zum starken Abschluss des Premierenabends trägt in ihrer kürzerer Partie auch das langjährige Ensemblemitglied Marilyn Bennett als Gräfin Stasa Kokozowa massgeblich bei, wenn sie, in langem Abendkleid, mit sicherem Mezzo und einem Whisky in der Hand, große Bühnenpräsenz ausstrahlt und ihrem zukünftigen Gatten, Fürst Basil Basilowitsch aufträgt: „Alles mit Ruhe genießen“!

Das Publikum im Theater Hagen war überzeugt: Ungeteilten Beifall und Bravos gab es für alle Beteiligten; für das stimmige und gut umgesetzte Regiekonzept um Roland Hüve wie für alle Darsteller auf der Bühne.

Der Graf von Luxemburg im Theater Hagen; die kommenden Vorstellungen 31.10.; 3.11.; 8.11.; 15.11.; 23.11.; 4.12.; 14.12.; 18.12.; 31.12.2019 (Silvester – um 15.00 und 19.30);  auch in 2020 weitee Vorstellungen

—| IOCO Kritik Theater Hagen |—


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