Aachen, Theater Aachen, A QUIET PLACE – Trouble in Tahiti – Leonard Bernstein, IOCO Kritik, 14.02.2019

Februar 14, 2019 by  
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Theater Aachen

Theater Aachen © IOCO

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A quiet place / Trouble in Tahiti  – Leonard Bernstein

von Ingo Hamacher

Mit nicht enden wollendem Applaus und Ovationen feiert das Aachener Premieren-publikum am 10.2.2019 die Opern von Leonard Bernstein: A quiet place / Trouble in Tahiti.

Hier wurde gezaubert!

Am beeindruckendsten die Nutzung der Drehbühne von Mathis Neidhardt. Bei seinem Bühnenbild scheint ein Kreis deutlich mehr als 360 Grad zu haben. Schier ungezählt die Räume, Perspektiven und Blickwinkel – bis hin zur vielbespielten Toilette des Hauses – in die er uns unter Berücksichtigung der häufigen Zeitsprünge an die verschiedensten Orte des „kleinen weißen Vorstadthauses“ führt.

Von Christopher Ward, dem neuen Aachener GMD, erwarten wir nach der kurzen gemeinsamen Zeit jetzt schon nichts Anderes als Höchstleistungen, und nichts weniger als das hat er uns an diesem Abend geboten. Gemeinsam mit dem ausgezeichneten Aachener Sinfonieorchester entführt er uns in eine musikalische Welt, in der auch der Komponist Bernstein weit über sich selbst hinaus gewachsen ist.

Leonard Bernstein (1918-1990) ist als Kind russisch-jüdischer Einwanderer in Amerika zu einer überragenden Figur der Musikgeschichte  des 20. Jahrhunderts  aufgestiegen. Mit seinen vielseitigen Begabungen, die er sowohl als Pianist und Dirigent, als Komponist und Verbalinterpret dem Publikum vorstellte, arbeitete er an der Idee „ein Musical zu machen, das eine tragische Geschichte mit den Mitteln und im Stil eines Musicals erzählt und nie Gefahr läuft in ‚Oper‘ auszuarten.“ Es galt ihm, „die feine Scheidewand zwischen Oper und Broadway zu finden.“ Diese Zielvorstellungen setzte er in seinem Musical WEST SIDE STORY (1957), seinem wohl bekanntesten Stück, äußerst erfolgreich um. Fünf Jahre zuvor hatte er noch eine Oper geschrieben: TROUBLE IN TAHITI.

Theater Aachen / Trouble in Tahiti - hier :  mit Takahiro Namiki, Jelena Rakic, © Carl Brunn

Theater Aachen / Trouble in Tahiti – hier : mit Takahiro Namiki, Jelena Rakic, © Carl Brunn

TROUBLE IN TAHITI (Aufregung in Tahiti; deutscher Titel: INSELZAUBER), Oper in sieben Szenen von Leonard Bernstein, Text vom Komponisten. Uraufführung: 1952 Brandeis University (USA). Das Thema: Dinah (Sopran) und Sam (Bariton) leben ohne tiefere Beziehung nebeneinander her. Ausdruck ihrer unerfüllten Sehnsüchte wird ein Film, den sie im Kino sehen; er trägt den Titel Trouble in Tahiti.

Diesen Einakter versuchte Bernstein dreißig Jahre später mit A QUIET PLACE fortzusetzen. Als das Ergebnis 1983 auf Ablehnung stieß, vermischte er ein Jahr später in der Mailänder Scala beide Opern zu einem Dreiakter. TROUBLE IN TAHITI besteht aus motivisch teilweise verzahnten geschlossenen Nummern, die von einem mikrofonverstärkt singendem Jazztrio kommentiert werden, das in bonbonfarbenen Kostümen, Masken und Perücken, die Illusion einer perfekten Barbie-Welt simuliert. Der Schlussakkord des Einakters, der symphonische Momente mit Revuestil mischt, steht programmatisch am Anfang von A QUIET PLACE.

Bernstein, der immer wieder darauf hingewiesen hat, dass die Überlebenschance der Musik in deren Tonalität liege, hat hier mit atonalen und teilweise sogar zwölftönig seriellen Einschüben experimentiert, sodass er mit seiner Oper TROUBLE IN TAHITI / A QUIET PLACE anspruchsvolles Musiktheater amerikanischer Prägung geschaffen hat, das trotz aller Probleme als eines seiner Hauptwerke angesehen werden kann, das viel zu selten gespielt wird.

Während Sam, der sich für den geborenen Sieger hält, zur Arbeit geht, erzählt Dinah ihrem Psychiater den Traum von einem Garten, aus dem ihr eine Stimme den Weg zu einem ruhigen Ort (a quiet place) verkündet. Diesen RUHIGEN ORT, nach dem sich Dinah wohl all die Jahre gesehnt hat, scheint sie zu Beginn der dreiaktigen Oper gefunden zu haben: Ihr Sarg steht, nach einem möglicherweise gewollten Autounfall, in einer Leichenhalle aufgebahrt. Zu verwirrender Zwölftonmusik versammeln sich Ehemann Sam, Freunde und Familienangehörige zur Trauergemeinde. Als Letzter erscheint Sohn Junior, der früher mit François, dem Mann seiner Schwester Dede, eine Affäre hatte. Junior, der seit Jahren an einer psychischen Erkrankung leidet, hat seinen Vater seit fast 20 Jahren nicht mehr gesehen. Sam hat seinen Schwiegersohn François nie getroffen.

Vater Sam hat keine Beziehung zu seinen Kindern und noch weniger zu sich selbst. Sofort brechen Animositäten auf. Junior beginnt in Reimen zu sprechen – ein Symptom seiner Psychose – und provoziert Sam mit einem improvisierten Strip-Blues.

Theater Aachen / A quiet place © Carl Brunn

Theater Aachen / A quiet place © Carl Brunn

Leonard Bernstein hat sich für seine zweite und letzte Oper A Quiet Place an großen Vorbildern orientiert, an Zerstörungsorgien der amerikanischen Literatur, Wutausbrüchen im Vorstadtidyll. In der Hysterie von Bernsteins Personen liegt etwas von der zerstörerischen Energie aus Wer hat Angst vor Virginia Woolf. Der Chor singt im Stück: „What a fucked up family“. Recht hat er! Der Bestattungsunternehmer: „Ich habe mit Schwulen nie etwas anfangen können!“ Antwort: „Ich habe mit Bestattungsunternehmern nie etwas anfangen können.“

Im zweiten Akt sehen wir als Rückblende Ereignisse aus der Oper TROUBLE IN TAHITI. Sam sichtet den Nachlass seiner Frau, als seine Tochter Dede das Zimmer betritt. Bei der gemeinsamen Durchsicht von Dinahs Besitz nähern sie sich langsam emotional an. Nebenan konfrontiert François seinen Ex-lover Junior mit seinem Verhalten im Bestattungsinstitut. Ganz scheint das gegenseitige Interesse jedoch noch nicht verschwunden zu sein; beide ringen mit ihrer wechselseitigen körperlichen Anziehung.

François Ärger provoziert eine psychotische Phase bei seinem Gegenüber, die Junior durch einige schmerzhafte Assoziationen zu einer wichtigen Erkenntnis führt: dass er seinen Vater liebt und braucht. Eine inzestuöse Beziehung zwischen Junior und seiner Schwester Dede wird angedeutet, es könnte sich jedoch auch nur um einen Ausschnitt aus Juniors psychotischem Wahngebäude handeln. Vater und Tochter umarmen sich; Junior bricht zusammen.

Das Jazz-Trio wiederholt seine Vorliebe für den amerikanischen Vororttraum. Anstatt an Juniors Schulaufführung teilzunehmen, hat Sam um eine Handball-Trophäe gespielt und gewonnen. Er verkündet sein Credo, als Gewinner geboren zu sein. Auch Dinah hat die Schulaufführung nicht besucht, sondern hat Fernsehen gesehen: Es lief ein Technicolor-Musical namens Trouble in Tahiti. Nach dem Duett: „Why did I have to lie?“ von Dinah und Sam scheint die Regisseurin Nina Russi den familiären Sprengstoff nicht mehr ausgehalten zu haben. Anders als in Stephen Wadsworths Libretto lässt sie die Beiden sich gegenseitig in die Arme sinken und zueinander zu finden. Familientragödien sind auch für Außenstehende nur begrenzt ertragbar.

Dritter Akt

Am nächsten Morgen trifft man sich im Garten. Kindliches Spiel der jungen Leute führt zu einer entspannten und versöhnungsbereiten Simmung zwischen den Familienangehörigen. Der Chor singt nach einem Zitat des Jazztrios aus TROUBLE IN TAHITI sein finales Amen auf die Zukunftspläne der vier Protagonisten. Sam, der am Ende um Aussöhnung bittet und seiner Familie die Hände entgegenstreckt, ist nicht unähnlich dem alten Leonard Bernstein, der unter der ihm auch von den eigenen Kindern vorgeworfenen Schuld litt, seine Frau für seine Liebhaber verlassen zu haben. Als er von der tödlichen Krebserkrankung seiner Frau erfahren hatte, kehrte er zu ihr zurück. Nach einem kurzen Moment des Verzeihens und der Harmonie brechen die tief sitzenden Traumatisierungen wieder hervor; der Weg bis zu heilen Welt scheint noch weit zu sein… falls es überhaupt gelingt!?

Winterzeit ist Grippezeit!

Zwei Sänger waren gesundheitlich nicht in der Lage zu singen, konnten ihre Rollen jedoch spielen: Gesungen wurde die Partie der Dede, Dinahs Tochter vom griechischen Sopran Evmorfia Metaxaki, die derzeit am Theater Lübeck engagiert ist. Für die Partie des Young Sam sprang der spanische Bariton Sebastià Peris ein, der eng mit der Deutschen Oper am Rhein verbunden ist. Beide sangen ihre Partien jeweils vom Rand ein, was das Durcheinander auf der Bühne natürlich noch zusätzlich vergrößerte.

Theater Aachen / A quiet place -  hier :  Der Bestattungsunternehmer; der Weg zur heilen Welt scheint weit  © Carl Brunn

Theater Aachen / A quiet place – hier : Der Bestattungsunternehmer; der Weg zur heilen Welt scheint weit  © Carl Brunn

Zusammenfassend: Es hat alles gestimmt! Regie, Bühne, Kostüme, Gesang, Musik; es war ein großartiger Abend! Der Zuschauerschwund des ausverkauften Hauses in der Pause nach dem 2. Akt war nur gering. Aber für Menschen, die nur zwei Augen und zwei Ohren haben, war es doch alles ein bisschen viel, was einem dort in knapp drei Stunden (inklusive Pause) geboten wurde.

Vielleicht hat Leonard Bernstein seinem Publikum zu viel zugemutet, weswegen die Stücke auch nur sehr selten aufgeführt werden. Ich habe jedenfalls schon einen zweiten Besuch des Stückes am Theater Aachen geplant!

Musikalische Leitung: Christopher Ward. Der Brite ist seit August 2018 Generalmusikdirektor der Stadt Aachen sein und leitet damit auch das Sinfonieorchester Aachen.
Inszenierung: Die Schweizer Regisseurin Nina Russi ist seit der Spielzeit 07/08 am Opernhaus Zürich beschäftigt. Die aktuelle Bernstein Oper ist ihr erste Regiearbeit am Theater Aachen.
Bühne: Mathis Neidhardt, der viele Jahre am Staatsschauspiel Dresden engagiert war. Seit 2001 ist er freischaffend tätig.
Kostüme: Annemarie Bulla, die nach vielen Jahren am Staatstheater Nürnberg seit 2015 als freie Kostüm- und Bühnenbildnerin tätig ist.
Choreinstudierung: Jori Klomp
Dramaturgie: Pia-Rabea Vornholt

Old Sam, Dinahs Mann: Wielans Satter. Der Bass-Bariton ist seit der Spielzeit 2012/13 Ensemblemitglied des Pfalztheaters Kaiserslautern und singt als Gast des Hauses.
Dede, Dinahs Tochter: Katharina Hagiopan. Die Sopranistin gehört seit 2011 zum Ensemble des Theater Aachen.
Junior, Dinahs Sohn: Der in Aachen geborene belgische Bariton Fabio Lesuisse ist inzwischen häufiger und gerne gesehener Gast in Aachen.
Francois, Mann von Dede: Der US-amerikanische Tenor Patrick Cook gibt mit dieser Rolle als Gast sein Europa-Debut.
Susie, Dinahs Freundin, Sopran, Irina Popova. Die Bulgarin ist seit der Spielzeit 2005/2006 am Theater Aachen engagiert.
Bill, Dinahs Bruder: Der Bass Jorge Escobar gehört dem Opernchor Aachen an.
Doc, Dinahs Arzt: Pawel Lawreszuk. Der polnische Bariton ist seit August 2005 am Theater Aachen engagiert.
Mrs. Doc, dessen Frau: Die Altistin Ekaterina Chekmareva ist Mitglied im Opernchor Aachen.
Bestattungs-Unternehmer: Der Koreaner Soon-Wook Ka, Tenor. In der vergangenen Spielzeit war Ka Stipendiat der Theater Initiative Aachen und kehrt nun als Gast zurück.
Analytiker: Tenor Hans Schaapkens, Opernchor des Theater Aachen.

Vocal Quartett
Die japanische Mezzosopranistin Rina Hirayama ist in dieser Spielzeit Stipendiatin der Theater Initiative Aachen.
Young Sam: Der britische Bariton Ronan Collett ist Gast des Hauses.
Dinah, Mezzo, die Französin Fanny Lustaud. 2017/18 war Lustaud Mitlied des Opernstudios der Opéra national du Rhin in Straßburg. Seit der aktuellen Spielzeit gehört Fanny Lustaud zum Ensemble des Theater Aachen.
Jazz Trio und Vocal Quartet, Jelena Rakic, serbischer Sopran. Seit der Spielzeit 2011/2012 gehört Rakic zum Ensemble des Theater Aachen.
Jazz Trio und Vocal Quartet, Takahiro Namiki, japanischer Tenor. In der dieser Spielzeit ist er Stipendiat der Theater Initiative Aachen.
Jazz Trio und Vocal Quartet, Eddie Mofokeng, südafrikanischer Bariton und Gast des Hauses.
Sinfonieorchester Aachen, Opernchor Aachen

A QUIET PLACE,  Oper in drei Akten, Englisch mir deutschen Übertiteln, Musik: Leonard Bernstein, Libretto: Stephen Wadsworth, Uraufführung: 17. Juni 1983, Ort der Uraufführung: Houston/Texas, Spieldauer: ca. 2 1/2 Stunden, Ort und Zeit der Handlung: New York, Gegenwart und vor etwas mehr als 20 Jahren.

A quiet place – Trouble in Tahiti am Theater Aachen: die eiteren Termine:
16.02.; 24.02. (Nachmittag); 27.02.; 10.03.; 11.04.; 18.04.; 26.04.; 17.05.2019

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Aachen, Theater Aachen, Roméo et Juliette – Charles Gounod, IOCO Kritik, 12.12.201

Dezember 12, 2018 by  
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Theater Aachen

Theater Aachen © IOCO

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  Roméo et Juliette – Charles Gounod

Von Ingo Hamacher

„Ich liebe Gounod! Und ich bin jedes mal froh, wenn ich eine seiner Opern aufgeführt sehe. Neben seinem berühmten Faust, in Deutschland in der Regel zur Vermeidung von Verwechslungen unter dem Titel Margarethe gezeigt, gehört das wesentlich seltener gespielte Stück Roméo et Juliette ebenfalls zum festen Bestandteil des Opernrepertoires.“

Aber auch seine anderen Stücke werden inzwischen wieder entdeckt. 2017 spielte die Oper Leipzig den Cinq Mars unter dem Titel: Der Rebell des Königs und in diesem Jahr hat die Opéra Comique, Paris, die zweite seiner zwölf Opern: La Nonne sanglante (Die blutige Nonne) erneut zur Diskussion gestellt.

Theater Aachen / Roméo et Juliette - hier : auch Soon-Wook Ka, Pawel Lawreszuk, Ensemble © Wil van Iersel

Theater Aachen / Roméo et Juliette – hier : auch Soon-Wook Ka, Pawel Lawreszuk, Ensemble © Wil van Iersel

Charles Gounod, der populärste Komponist der französischen Opernschule des 19. Jahrhunderts, kam am 17. Juni 1818 in Paris zu Welt (gestorben 1893). Sein musikalisches Talent und seine dramatische Begabung ließen ihn zum Hauptvertreter der französischen Romantik werden. Mit seinem Werk Roméo et Juliette, das sich mit großer Treue an Shakespeares Drama hält, – Libretto von Jules Barbier und Michel Carré – gelang ihm ein Erfolgsstück, mit dem viele Jahre regelmäßig die prunkvolle Saisoneröffnung der New Yorker Metropolitan-Oper erfolgte.

Die Regisseurin Ewa Teilmans erarbeitet mit ihrem Produktionsteam eine Inszenierung von so wunderbarer Schönheit, dass sich die für Gounod typische Süsse der Musik, mit teilweise ins kirchlich-religiöse übergehenden Klangbild in der liebevollen Aufführung wiederspiegelt, ohne jedoch die Härte und Brutalität des Stückes zu verwischen.

Giulietta Statue im berühmten Casa di Giulietta in Verona © IOCO

Giulietta Statue im berühmten Casa di Giulietta in Verona © IOCO

Gewalt, Streit und Kampf. Verfolgungsszenen und Schlägerreien sind unsere ersten Bilder, wenn sich zu Beginn der Ouvertüre der Vorhang öffnet und wir in die Lebenswelt der Familien Montaigu und Capulet blicken. Wir schauen auf eine kreisrund aufgerissene Fabrikwand, wie nach einem Bombeneinschlag, die ihre Standfestigkeit nur noch aus rostigen Gerüsten und Stützstreben erhält, und die in ihrer Zerborstenheit mehr Blicke freigibt, als dass sie sie noch verstellen kann. Marodes Industriegelände im hier und jetzt, Niemannsland und No-Go-Ärea für friedfertige Menschen.

In einem Prolog berichten die am Geschehen Beteiligten über das aus der Fehde zwischen den Capulets und den Montaigus erwachsene Schicksal Roméos und Juliettes.

1. Akt –  Im Palast der Capulets wird eine Maskenball veranstaltet.

Die Bühne dreht sich, und wir sehen auf der anderen Seite die prachtvolle Welt der Renaissance. Rot- und Gelbocker, Säulen mit goldenen Kapitelen, Bögen und Ornamenten. Auf der linken Seite ein kleiner Balkon, der im weiteren Verlauf große Bedeutung gewinnen wird.

Ein buntes Fastnachtstreiben mit schrillen Kostümen, halbnackten Menschen, strapsetragende Transvestiten und weiterem buntem Volk wird auf die Bühne gespült um tanzend in wildem Rausch das Leben zu genießen.

Roméo und Mercutio aus dem Haus der befeindeten Montaigus mischen sich unter die feiernden Gäste. Juliette, gerade 14 Jahre geworden, soll der Gesellschaft und ihrem zukünftigen Ehemann, dem vornehmen Pâris, vorgestellt werden. Und es ist höchste Zeit! Von ihrer Amme Gertrude, wunderbar gesungen und gespielt von Ariana Fucos als Ersatz für die erkrankte Julia Mintzer, erfahren wir, dass diese in dem Alter bereits lange verheiratet war.

Als Juliette ihren Auftrittswalzer „Je veux vivre“ (‚Ich will leben‘) singt, frieren alle Bewegungen des wilden Treibens ein, so dass wir diesen zeitlos-lyrischen Moment in aller Schönheit genießen können.

Juliette Capulet  –  Larisa Akbari

Der russische Sopran Larissa Akbari sang erstmalig im Frühling 2016 am Theater Aachen, und zwar die Partie der Blonde in der Produktion Entführung aus dem Serail. Seit dem ist sie immer wieder gerne gesehener und gehörter Gast des Hauses, wobei sie mit ihrer großen Lebendigkeit und Spielfreude genauso begeistert wie mit ihren großartigen Gesang.

Theater Aachen / Roméo et Juliette auf dem berühmten Balkon © Wil van Iersel

Theater Aachen / Roméo et Juliette auf dem berühmten Balkon © Wil van Iersel

Als Juliette für kurz unbeaufsichtigt ist, spricht Roméo sie an; beide sind sofort in Liebe entbrannt. In diesem ersten der vier großen Liebesduette gestehen sie sich gegenseitig mit „Ange adorable“ (‚Anbetungswürdiger Engel‘) ihre Liebe.

Roméo Montaigu  –  Alexey Sayapin

Der junge russische Tenor, in Aachen augenzwinkernd auf Grund der großen Ähnlichkeit auch gerne „Unser Jonas Kaufmann“ genannt, weiß neben seinem guten Aussehen auch mit seiner schönen Stimme zu überzeugen; eine Idealbesetzung für diese Partie. Tybalt, Juliettes Cousin (gesungen von Soon-Wook Ka), deckt die Herkunft des Fremden auf; nur das Eingreifen Capulets hält ihn davon ab, auf Roméo loszugehen.

2. Akt  –  Garten vor dem Haus Juliettes.

Balkonszene, Duett II: „Ô nuit divine“ (‚O göttliche Nacht‘).  Die Beiden genießen eine heimliche Liebesnacht; Juliette bittet Roméo, sie zu heiraten.

3. Akt  –  Pater Lorenzo verheiratet das Liebespaar

Es sind regelrechte Schnapsideen die Bruder Laurent den jungen Liebenden anträgt: Als wenn sich über Generationen bestehende Familienfehden durch die heimliche Heirat der jüngsten Familiensprosse besänftigen ließen!  Und wohin seine Idee mit dem Narkotikum am Ende führen wird, kann man ja getrost als bekannt voraus setzten.

Daher ist es nur folgerichtig, wenn Ewa Teilmans ihn als bekifften obdachlosen Ex-Rocker zeigt, auf einem Klappstühlchen neben einem Campingtisch sitzend. In einer Ecke einer an den betongrauen Charm eines Parkhauses erinnernden Wand hat er sich mittels Plakaten, Zeitungsausrissen und Ansichtskarten eine Insel des Dogenkonsums und des Gottesglaubens geschaffen.

Aber wenn der Einsiedler, wunderbar gesungen von Woong-jo Choi, dann seine „Klause“ verlässt und das Priestergewand anlegt, sind wir wieder zurück in der klassischen Handlung, und erleben die ergreifende Eheschließung Roméos und Juliettes.

In einer anschließenden Straßenszene entfacht Roméos Page (Hosenrolle: Fanny Lustaud) die Fehde erneut. Die in den vorhergehenden Szenen historisierenden Kostüme sind aktueller Mode junger Menschen gewichen und verdeutlichen damit das Zeitlose des Konfliktes. Der hinzukommende Roméo versucht, die Parteien zu beschwichtigen, doch als Tybalt Mercutio im Kampf verletzt, läßt er sich herausfordern und ersticht ihn. Daraufhin wird er vom Herzog aus der Stadt verbannt.

4. Akt

Trotz des Bannspruchs verbringt Roméo die Nacht bei Juliette und nimmt erst bei Tagesanbruch Abschied: Duett III: „Va! Je t‘ai pardonné“ (‚Geh, ich habe dir verziehen‘)

Vater Capulet drängt indessen auf die Hochzeit seiner Tochter mit Pâris. Bruder Laurent findet einen Ausweg und gibt Juliette ein Narkotikum, das sie in einen todesähnlichen Schlaf versetzen soll. Als der Vater Juliette zur Hochzeit mit Pâris führen will, bricht sie leblos zusammen.

5. Akt

Ein Brief Bruder Laurents an Roméo, der ihn über Juliettes fingierten Tod informieren sollte, hat den Empfänger nicht erreicht. So muß Roméo in der unterirdischen Gruft der Capulets glauben, am Grab seiner Frau zu stehen. Er umarmt Juliette ein letztes Mal, dann nimmt er einen Gifttrank. Noch ehe das Gift wirkt, erwacht Juliette. Ein letzter ergreifender Liebesgesang, Duett IV, „Dieu! quelle est cette voix“ (‚Gott! Was ist diese Stimme?‘) verabschiedet das unglückliche Paar. Dann sinkt Roméo tot nieder und Julia ersticht sich über seiner Leiche.

Theater Aachen / Roméo et Juliette - hier :  auch mit Pawel Lawreszuk, Larisa Akbari, Woong-jo Choi, Andranik Fatalov © Wil van Iersel

Theater Aachen / Roméo et Juliette – hier : auch mit Pawel Lawreszuk, Larisa Akbari, Woong-jo Choi, Andranik Fatalov © Wil van Iersel

Als romantische Nummernoper mit Arien, Duetten und Chorszenen bietet das Stück zahlreiche musikalische Höhepunkte. Eine Reihe von Melodien hat sich außerhalb des Werks verbreitet, so die Tenorarie Romeos „Ah, lève toi soleil!“ (‚Erhebe dich, Sonne‘), ein froher Walzer Julias „Je veux vivre dans le rêve“ (‚Ich will wie im Traume leben‘) und einiges aus den Liebesduetten.

Großer Applaus für die wunderbare stimmliche Leistung der Solisten und des gesamten Ensembles. Jubel für das Produktionsteam und Standing Ovations für die musikalische Leistung von Christopher Ward und dem Sinfonieorchesters Aachen.

Eine großartige Leistung aller Beteiligten, der man für die kommenden Aufführungen auch weiterhin ausverkaufte Reihen wünscht. Es wäre schade, die Aufführung zu verpassen.

Musikalische Leitung – Christopher Ward – Seit August 2018 ist Christopher Ward Generalmusikdirektor der Stadt Aachen und damit auch Leiter des Sinfonieorchesters Aachen.

Inszenierung: Ewa Teilmans –  Teilmans, eine Theaterfrau von der Pike auf, hat eine Vielzahl von Opern und Schauspielen am Theater Aachen inszeniert. In der laufenden Spielzeit sind sechs Arbeiten von ihr in Aachen zu sehen.

Bühne – Elisabeth Pedross (Mit Ewa Teilmans ist es nach den Opern Rigoletto und Rusalka und den Schauspielproduktionen Mein Kampf und Wassa Schelesnowa die fünfte gemeinsame Arbeit in Aachen.)

Kostüme –  Andreas Becker (In der laufenden Spielzeit mit vier Arbeiten in Aachen vertreten)

Romé et Juliette am Theater Aachen; weitere Termine: 15.12., 20.12., 25.12., 31.12.2018; 13.01., 20.01. (Nachmittags), 25.01.;17.02., 09.03., 24.03., 04.04., 13.04., 23.04.2019

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Aachen, Aachener Bachtage 2018 – Feuer und Flamme, IOCO Kritik, 15.11.2018

November 16, 2018 by  
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Aachener Bachtage 2018 in der Annakirche © Aachener Bachverein / Andreas Schmitter

Aachener Bachtage 2018 in der Annakirche © Aachener Bachverein / Andreas Schmitter

Bachverein Aachen

– 45. Aachener Bachtage – Feuer und Flamme  –

3. November – 26. November 2018

Von Ingo Hamacher

Bach-Recital am 13. November 2018 im Rahmen der 45. Aachener Bachtage in der Aachener Annakirche unter dem Motto: Feuer und Flamme.

Feuer und Flamme waren nicht nur das Barock-Ensemble des Sinfonieorchesters Aachen unter der Leitung von Justus Thorau, sondern auch die Besucher des Bach-Recitals, die die großartige Leistung der Vortragenden vor fast ausverkauftem Haus mit nicht enden wollendem Applaus und rythmischem Klatschen lobten.

Nach begrüßenden Worten des künstlerischen Leiters der Aachener Bachtage, Georg Hage, wurde das Publikum mit der feurig-lebendigen Ouvertüre der Orchestersuite C-Dur Bach Werkverzeichnis (BWV) 1066 auf den Abend eingestimmt.

Justus Thorau, seit Beginn der Spielzeit 2018/2019 als 1. Kapellmeister am Saarländischen Staatstheater engagiert, und in der letzten Spielzeit noch stellvertretender GMD in Aachen, dankte dem Aachener Bachverein für die nun zum zweiten mal stattfindende Teilnahme des Aachener Sinfonieorchesters an den Aachener Bachtagen und gab seiner Hoffnung auf eine zukünftig fortbestehende Zusammenarbeit Ausdruck.

Aachener Bachtage 2018 in der Annakirche / Bachkantate zum Mitsingen © Aachener Bachverein / Andreas Steindl

Aachener Bachtage 2018 in der Annakirche / Bachkantate zum Mitsingen © Aachener Bachverein / Andreas Steindl

Mit dem überregional bedeutenden Musikfestival Aachener Bachtage, initiiert 1974, setzt der Aachener Bachverein zusammen mit der Evangelischen Kirchengemeinde als Veranstalter einen künstlerischen Schwerpunkt. Mit Barock- und Kammermusik, Kantaten und Oratorien, Orgelmusik, Orchesterkonzerten und Jazz-Improvisation bieten die Aachener Bachtage alljährlich ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Musikprogramm.

Der Aachener Bachverein, seit 2008 unter der künstlerischen Leitung von Annakantor Georg Hage, ist der Oratorienchor der Evangelischen Kirchengemeinde Aachen. Als herausragende Institution mit Resonanz weit über die Grenzen der Stadt hinaus zählt der Aachener Bachverein mit seinen rund 120 Mitgliedern aller Altersgruppen und Konfessionen zu den traditionsreichsten (bestehend seit 105 Jahren) Kulturträgern der Region.

Es folgt die Kantate BWV 199: Mein Herze schwimmt im Blut aus dem Jahr 1714, geschrieben für Solo-Sopran, Oboe, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.

Johann Sebastian Bach in Weimar © IOCO / Gallée

Johann Sebastian Bach in Weimar © IOCO / Gallée

Der Großteil des Textes ist Georg Christian Lehms‘ Sammlung Gottgefälliges Kirchen-Opfer entnommen; er handelt von der Erlösung eines Sünders durch Gott.

Die Kantate besteht aus acht Sätzen:
„Mein Herze schwimmt im Blut“
„Stumme Seufzer, stille Klagen“
„Doch Gott muss mir genädig sein“
„Tief gebückt und voller Reue“
„Auf diese Schmerzensreu“
„Ich, dein betrübtes Kind“
„Ich lege mich in diese Wunden“
„Wie freudig ist mein Herz“

Suzanne Jerosme – französischer Sopran und Ensemblemitglied am Theater Aachen – gestaltet mit ihrer klaren, ergreifenden Stimme die Leiden des sich zu Gott kehrenden Sünders zu einem sinnlich erfahrbaren und atemberaubenden Erlösungsereignis.

Johann Sebastian Bach (* 31. März 1685 in Eisenach; †28. Juli 1750 in Leipzig) war ein deutscher Komponist, Kantor sowie Orgel- und Chembalovirtuose des Barocks. In seiner Hauptschaffensperiode war er Thomaskantor zu Leipzig. Er ist der prominenteste Vertreter der Musikerfamilie Bach und gilt heute als einer der bekanntesten und bedeutendsten Musiker überhaupt.

Als zweite Kantate des Bach-Recitals – unter einem Recital versteht man ein Konzert, das entweder von einem einzigen Solisten dargeboten wird oder – wie hier – aus den Werken eines einzigen Komponisten besteht – hören wir die Kantate aus dem BWV 170: Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust, eine Solokantate für Alt, aus dem Jahr 1726.

Mit „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“ beginnt Georg Christian Lehms ein Loblied auf den „wahren Seelenfrieden“ und auf die „Stille und Ruhe des Herzens“. Der Arientext ist jedoch nur ein ruhiges Vorspiel. Im ersten Recitativo, wettert er über die Schar der Sünder. Im zweiten Arientext wird der Irrweg des menschlichen Herzens beklagt. In der letzten Zeile dieser Arie heißt es wie schon zu Beginn: „Wie jammern mich doch die verkehrten Herzen“. Damit kehrt Lehms wieder zum Anfang zurück. Das nächste Recitativo setzt dann das Klagen fort, bis es dann aber zu „Gottes Vorschrift“, auch den Feind wie einen Freund zu lieben, zurückkehrt. Die abschließende Arie vollendet den Gedankenkreis, indem sie mit der „vernügten Ruh“ wieder zum Beginn zurückkehrt.

Die Kantate gliedert sich in fünf Teile:
Arie: Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust
Recitativo: Die Welt, das Sündenhaus
Arie: Wie jammern mich doch die verkehrten Herzen
Recitativo: Wer sollte sich demnach wohl hier zu leben wünschen
Arie: Mir ekelt mehr zu leben

 Aachener Bachverein © Aachener Bachverein / Andreas Hermann

Aachener Bachverein  © Aachener Bachverein / Andreas Hermann

Um der Forderung Bachs, der für diese Kantaten ein zweimanualiges Continuo fordert, nachzukommen teilt Justus Thorau sein Barock-Orchester, dass die Stücke auf zeitgenössischen Instrumenten vorträgt, auf. Während die restlichen Musikern weiterhin vom Altarraum der Kirche her spielen, zieht er sich mit 4 Streichern auf die Empore zurück, um dort an der großen Orgel das Stück wie gefordert begleiten zu können.

Durch die Teilung des Orchesters, wie auch durch Fanny Lustauds (großartiger Mezzosopran, Ensemble-Mitglied des Theaters Aachen) Positionswechsel vom Chorraum zur Empore im zweiten Teil der Kantate, entsteht ein spannungsgeladenes raumfüllendes Musikerlebnis, von ungewöhnlicher Intensität getragen von der besonderen Akustik des Kirchenraumes.

Die evangelische Annakirche ist eine ehemalige Klosterkirche in Aachen. Im Jahr 1511 wurde in Aachen zu dem bereits bestehenden umfangreiche Ordensleben der Stadt ein kleines Benediktinerinnenkloster gegründet und der hl. Anna geweiht. Als 200 Jahre später die Notwendigkeit und die Möglichkeit eines größeren Kirchenneubaus entstand, wurde diese Aufgabe dem für Aachen so bedeutenden Architekten und Sohn der Stadt Johann Joseph Couven übergeben. Es entstand ein einschiffiger Saalbau. Mit der französischen Besetzung Aachens 1794 wurde das Kloster aufgelöst. Die bald darauf eingeführte Religionsfreiheit führte dazu, dass den evangelischen Gemeinden eines der aufgelösten Klöster zur Verfügung gestellt wurde. So wurde die Annakirche 1802 evangelisch.

Als Abschluss dieser doch seelenschwerden Kantatentexte verabschiedet uns das Orchester mit Bachs 3. Brandenburgischen Konzert, BWV 1048, eine Komposition für neun Streichinstrumente und Basso Continuo, vermutlich aus dem Jahre 1714.

Aachener Bachtage 2018 in der Annakirche © Aachener Bachverein

Aachener Bachtage 2018 in der Annakirche © Aachener Bachverein

Der erste Satz zieht seine Spannung vor allem aus der Gegenüberstellung der dreistimmigen Violinen gegen die ebenfalls dreistimmigen Violen. Das Konzert hat als Überleitung keinen ausgeführten langsamen Satz, sondern nur zwei gehaltene überleitende Akkorde, an die der Schlusssatz unmittelbar anschließt. Dieser Satz stellt einen lebhaften, heiteren Tanz dar. Wie für einen Tanz typisch besteht der Satz aus zwei Teilen, die in sich wiederholt werden.

Für das begeisterte Publikum und die spiel- und sangesfreudigen Künstler, die abschließend mit Präsenten eines ortsansässigen Schokoladenherstellers verwöhnt wurden, sind die 45. Aachener Bachtage aber noch nicht abgeschlossen.

Am Sonntag, 18. November 2018 gibt es am selben Ort ein Kammerkonzert mit Werken J.S. Bachs.

Sonntag, 25. November 2018 und Montag, 26. November 2018 ein Chorkonzert II von Felix Mendelssohn Bartholdy in der Kirche St. Michael, Jesuitenstraße. Mendelssohn gilt als ‚Wiederentdecker‘ von Bachs Werken.

Über die Aachener Bachtage hinaus ist der Aachener Bachverein auch im kommenden Jahr aktiv. Folgende Termine sind bislang bekannt:

Samstag, 9. Februar 2019, Haus der Ev. Kirche: Bach Kantate zum Mitsingen und Mitspielen

Sonntag, 10 Februar 2019, Annakirche, Musikalischer Gottesdienst mit Bach-Kantate

Sonntag, 31. März 2019; Krönungssaal des Aachener Rathauses: Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem, vorgetragen vom Kammerchor Aachener Bachverein und dem Aachener Bachorchester

Palmsonntag, 14. April 2019, Kirche St. Michael, Jesuitenstraße: Johann Sebastian Bach: Markus Passion

Interessierte haben in den nächsten Monaten ebenfalls die Möglichkeit, das Sinfonieorchester Aachen-Barock unter der Leitung von Justus Thorau zu erleben. Bis Februar 2019 spielt das Theater Aachen das Oratorium Il Triumpho von Händel in einer musikalisch äußerst ansprechenden szenischen Inszenierung im Großen Haus. Auch dort wieder dabei: Suzanne Jerosme und Fanny Lustaud.

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Aachen, Theater Aachen, 3. Sinfoniekonzert Debussy – Chausson – Ravel – Durufle, 18.+19.11.2018

November 13, 2018 by  
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 Theater Aachen

Theater Aachen © IOCO

Theater Aachen © IOCO

3. Sinfoniekonzert mit Werken von Debussy // Chausson // Ravel // Duruflé

Von Liebe und Meer handeln die Werke beim 3. Sinfoniekonzert mit dem Sinfonieorchester Aachen am 18. und 19. November im Eurogress Aachen. Den Auftakt macht Claude Debussys zartes »Prélude à l’aprés-midi d’un faune«, das als Hauptwerk des Impressionismus gilt. Die Ballettmusik basiert auf einem fantastischen Gedicht von Stéphane Mallarmé, welches Debussy mit großem Gespür für Klanglichkeit vertonte. Im Programm folgt Ernest Chaussons »Poème de l’amour et de la mer« für Singstimme und Orchester.

Theater Aachen / Angela Brower © Birgit Hart

Theater Aachen / Angela Brower © Birgit Hart

Der in Deutschland in den Spielplänen vernachlässigte Chausson gehört zu den prägenden Komponistenpersönlichkeiten Frankreichs im 19. Jahrhundert. In seinem »Poème« vertont er in einer hochromantischen, bisweilen an Richard Wagner erinnernden Musiksprache zwei Gedichte eines befreundeten Dichters und trennt sie durch ein orchestrales Zwischenspiel. Ravels »Une barque sur l’océan« ist das dritte Stück aus der Reihe »Miroirs«, die fünf Werke für Klavier umfasst. Besonders an diesem erst später orchestrierten Satz ist, dass das Pedal in der Urfassung das gesamte Stück über gehalten werden sollte. Den Abschluss des Konzerts bildet Maurice Duruflés 1947 uraufgeführte lateinische Totenmesse, ein inniges »Requiem« für Sopran- und Baritonsoli, gemischtem Chor und Orchester. Angela Brower und Hrólfur Saemundsson sind als Solisten zu erleben. An Pult des Sinfonieorchester Aachen steht GMD Christopher Ward.

Karten für beide Konzerte sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Das Konzert am Sonntag beginnt um 18.00 Uhr und das am Montag um 20.00 Uhr.

—| Pressemeldung Theater Aachen |—

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