Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Schwanda der Dudelsackpfeifer – Jaromir Weinberger, IOCO Kritik, 19.06.2019

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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Schwanda der Dudelsackpfeifer – Jaromir Weinberger

Robin Hood trifft auf tschechischen Troubadix: Der Räuber Babinsky versteckt im Haus des musikalischen Bauernhelden Schwanda…..

von Ingo Hamacher

Teuflisch gut! Schwanda im MiR Gelsenkirchen: Mit tosendem Applaus in gut besetztem Haus, wurde eine großartige Premiere im MiR bejubelt, die auf allen Ebenen überzeugte.

Die Handlung von Schwanda ist eher unbekannt: Schwanda der Dudelsackpfeifer, verheiratet mit Dorota erhält Besuch von einem gewissen Babinsky, der Schwanda mit seinen Berichten von einem freien, abenteuerlichen Leben Lust macht, sein beschauliches Heim zu verlassen. Als Schwanda von einer melancholischen Königin hört, beschließt er, sie mit dem Spiels seines Dudelsacks zu heilen, und schleicht sich von zu Hause fort.

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer - hier : Piotr Prochera als Schwanda © Forster

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer – hier : Piotr Prochera als Schwanda © Forster

Mit einer fröhlichen Polka befreit er die Königin von ihrer Schwermut – aber als sie ihren Retter heiraten will, erscheint Dorota, Schwandas Frau. Der böse Magier, unter dessen Einfluss sich die Königin bis dahin befand, lässt Schwandas Dudelsack verschwinden und nimmt ihm damit seine Macht. Nun soll Schwanda sogar hingerichtet werden – aber im letzten Augenblick ist Babinsky als Retter da. Als Dorota dem Gatten Vorwürfe wegen seiner Untreue macht, schwört Schwanda – und,  der Teufel soll in holen, wenn es nicht wahr ist! -, dass… und der Teufel holt ihn wirklich.

Schwanda hockt in der Hölle, aber auch hier taucht Babinsky auf. Babinsky gewinnt dem Teufel beim Kartenspiel Schwandas Seele ab und bringt den Dudelsackpfeifer seiner treuen Dorota zurück.

Dass dies heitere und in seinen sinfonischen Passagen ungewöhnlich brillante Musikwerk Schwanda der Dudelsackpfeifer so selten gespielt wird, liegt keinesfalls an einer fehlenden Repertoirefähigkeit des Stückes, wie die aktuell im MiR in  Gelsenkirchen zur Diskussion gestellte Aufführung beweist, sondern ist eher mit der tragischen Biographie des Komponisten verbunden. So wie die Stärke des Textbuches in der ansprechenden Verarbeitung von Volkssagen liegt, zieht auch die Musik ihre größte Wirkungen aus einer glänzenden Verwendung der slawischen Folklore. Weinberger gibt zahlreiche eigene Ideen dazu und zeigt sich in der Verarbeitung als ausgezeichneter Musiker, einfallsreich in Harmonie und Orchestrierung, melodiös in der Führung der Singstimmen.

Jaromir Weinberger, der jüdische Tscheche mit dem deutschen Nachnamen, wurde am 08. Januar 1896 in Prag geboren, studierte in seiner Heimatstadt sowie in Leipzig bei Reger. Schon 1922 wurde er Professor für Komposition in Ithaka, USA, kehrte 1936 nochmals in die Heimat zurück, aus der ihn dann die deutsche Invasion drei Jahre später endgültig vertrieb. Weinberger konnte mit seiner Frau Hansi in die USA fliehen, wogegen seine Mutter und Schwester nach Treblinka deportiert und ermordet wurden. Seine Oper konnte sich zwar noch auf den Spielplänen halten, aber die ihm zustehenden Tantiemen wurden ihm nicht ausbezahlt, so dass Weinberger in den USA mittellos und vergessen lebte. Zwei weitere Opern, Die geliebte Stimme (1931) und Wallenstein (1937) konnten den Erfolg von Schwanda nicht wiederholen. In Nordamerika, wo er sich nach der Auswanderung niederließ, schuf er u.a. eine Lincoln-Sinfonie sowie mehrere Musicals. In der Seele verwundet nahm er sich am 09. August 1967 in St. Petersburg/NY, USA das Leben.

Das Textbuch der zweiaktigen Volksoper Schwanda der Dudelsackpfeifer stammt von dem tschechischen Schriftsteller Milos Kares, der auf Weinbergers Anregung alte slawische Märchen verarbeitet, darunter jenes von edlen Räuber Babinsky und das des Dudelsackpfeifers und Aufschneiders Schwanda aus Strakonitz. Nach der noch mit Zurückhaltung aufgenommenen Uraufführung am 27.April 1927 in Prag (im gleichen Jahr haben Kreneks Jonny spielt auf, Schoecks Penthesilea und Hindemiths Hin und zurück Premiere) geht Schwanda nach der Übersetzung und Veränderungsberatung von Max Brod erfolgreich über 300 Bühnen in der ganzen Welt.

Eine charmante Begrüßungsidee: Auf den geschlossenen Vorhang werden zwei Lehrbuchzeichnungen projiziert. Die Skizze eines Dudelsacks und eines menschlichen Herzens. Neben den erstaunlich ähnlichen Umrissen wird damit auch das Thema des Abends vorgestellt: Musik und die menschliche Seele sind im Grunde eins.

Ort und Zeit: Schwandas Bauernhof im tschechischen Dorf Strakonice, das für seine Dudelsackspieler berühmt und sprichwörtlich war; der Hof der Königin zur Märchenzeit, d.h. zur Zeit des legendären Volkshelden Babinsky. Die Hölle.

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer - hier : Schwanda und Babinsky © Forster

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer – hier : Schwanda und Babinsky © Forster

Erstes Bild: DAHEIM

Der Vorhang hebt sich über einem böhmischen Bauernhausgarten, Teil des Heims von Schwanda, dem lustigen Dudelsackspieler und seiner Frau Dorota. Mit wenigen Elementen farbenprächtig angedeutet, strahlt die Szene vor einem dem den ganzen Abend schwarzen Hintergrund. Ilia Papandreou, die die Partie der Dorota singt, überzeugt mit einem stimmstarken Sopran, den man sich zwar auch lyrischer hätte vorstellen können, der jedoch zur burschikos inszenierten Rolle sehr gut passt.

Zwei Landsknechte erscheinen und fragen die allein anwesenden Dorota, ob sie nicht einen Fremden gesehen habe, den zu verhaften sie ausgeschickt wurden. Als die Frau verneint, eilen sie weiter. Da springt ein Mann aus der Krone eines Baumes auf die Erde nieder und beginnt ein liebenswürdiges galantes Gespräch mit Dorota, die vor Verlegenheit kaum weiß, wie sie ihn behandeln soll. Der Fremde, der sich später als Räuber Babinski vorstellen wird, wird von Uwe Stickert mit glasklarem hohen Tenor gesungen, eine starke Leistung!

Schwanda (Piotr Prochera) Bariton, der sich nach anfänglichen Unsicherheiten im zweiten Teil der Partie vollumfänglich gewachsen zeigt) kommt von seinen Feldern heim, und der Fremde weiß sofort seine Neugierde zu wecken. Er gibt ein Lied über den berühmten Räuber Babinsky zum besten, der vom ganzen Volk mehr geliebt als gefürchtet wird, da er die Reichen plündert, um die Armen zu beschenken. Der Fremde erzählt, daß Babinsky stets, wohin er komme, eine ausgefranste Manschette als Kennzeichen zurücklasse.

Ja, wer solch ein Leben führen könne, frei, in der weiten Welt! Schwandas Wunsch, andere Gegenden und Menschen kennen zu lernen, wird immer größer. Vergebens sucht Dorota ihn mit einer herzlichen Melodie (die zu einem mehrfach wiederkehrenden Motiv des friedlichen Lebens auf dem Bauernhof wird) zurückzuhalten. Als Schwanda auch noch hört, daß eine Königin in Melancholie verfallen sei, aus der sei Dudelsack sie erlösen könne, hat er seinen Entschluss gefaßt. Während Dorota in die Küche geht, um das Mahl zu bereiten, schleichen die beiden Männer davon.

Der Fremde lässt eine zerfranzte Manschette auf dem Tisch zurück. Als Dorota sie findet, zögert sei keinen Augenblick. Sie eilt Schwanda nach, um ihn wieder für sich zu gewinnen.

Zweites Bild: BEI DER EISKÖNIGIN

Das zweite Bild spielt am Hof der Königin (Petra Schmidt, Mezzosopran), die, nachdem sie von einem Zauberer viel Schmuck, aber auch ein Herz aus Eis statt ihres eigenen erhalten hat, melancholisch geworden ist. Dichter Schnee fällt auf eine grausige Szene: Wir sehen ein Schafot, auf dem die Leiche eines enthaupteten Prinzen liegt, der es gewagt hatte um die Hand der Königin zu werben. Erstarrt verharren Königin und Hofstaat in operettenhaften Roben.

Plötzlich hallt der Palast von einer Polka wieder, die den seit langem erstarrten Hofstaat aufweckt. Schwanda tritt mit seinem Dudelsack auf und stellt sich als Retter vor, den die Königin natürlich sofort heiraten will. Schwanda sieht sich bereits als König, doch im Augenblick, da er seiner künftigen Gattin den ersten Kuss geben will, erscheint Dorota. Große Verwirrung am Hof. Die Königin will Dorota töten lassen, doch Schwanda versucht, sie zu schützen.

Beide werden festgenommen, während der Magier (Michael Heine, Bass, mit leichten Intonations- und Artikulationsschwächen) den Dudelsack verschwinden läßt. Sein Triumph scheint nun sicher, die Königin befindet sich neuerlich in seiner Gewalt. Die mächtige Waffe seines Feindes ist in den tiefsten Keller gesperrt. Statt Dorota soll nun Schwanda hingerichtet worden soll. Als letzte Gnade erbittet er seinen Dudelsack. Unverrichteter Dinge kehren die Diener zurück, der Dudelsack ist verschwunden. Die Königin ordnet die Hinrichtung an.

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer - hier : Petra Schmidt als Königin Eisherz, Michael Heine © Forster

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer – hier : Petra Schmidt als Königin Eisherz, Michael Heine © Forster

Der Henker will Schwanda mit dem Beil den Kopf abschlagen, aber ein Lachsturm folgt seinem Versuch: Heimlich wurde von Babinsky das Beil mit einem Besen vertauscht, der Schwanda auch noch sein Instrument bringt. Mit voller Kraft legt der Musikant los, Hof und Volk tanzen in immer wilder werdenden Verrenkungen davon.

Dorota macht ihrem Gatten Vorwürfe über seine Untreue. Babinsky unterstützt sie darin und heizt den Konflikt weiter an, denn er hat schon längst ein Aufge auf die schöne Bäuerin geworfen. Schwanda schwört, er habe die Königin nicht geküßt, na nicht die Hälfte eines Kusses habe er ihr gegeben, nicht ein mal ein Viertel … und wenn es nicht wahr sei, so möge ihn der Teufel holen!

Kaum gesagt, ist Schwanda schon unter Flammen und Rauch im Bühnenboden versunken: der Teufel hat ihn wirklich geholt. Dorota ist untröstlich, und Babinsky, dem edlen Räuber, bleibt nicht anderes übrig, als Schwanda aus der Hölle zu befreien.

Drittes Bild: IN DER HÖLLE

Spontaner Beifall für die Bühne, wenn sich der Vorhang hebt: Pyramidenartig erhebt sich ein bis zur Bühnendecke reichender Turm aus wilden, rotgewandeten teuflischen Höllenknechten, in deren Mitte auf einem Thron der Teufel selbst sitzt. Farbenprächtig und strahlend; ein Augenschmaus!

Der Teufel (Joachim G. Maaß, Bass, stimmlich vereinzelt etwas unsicher aber großartig in seiner Spielfreude) ist mißgelaunt und gelangweilt, weil niemand mit ihm Karten spielen will. Vergeblich sucht er Schwanda dazu zu bringen, mit seinem Dudelsack die düstere Höllenatmosphäre aufzuheitern. Der sehnt sich jedoch nur nach Dorota. Schließlich zaubert der Teufel ihm das Bild der Geliebten vor Augen und verspricht ihm, sie wieder zusammen zu bringen, wenn Schwanda ihm ein Schriftstück unterzeichnet.

Schwanda unterzeichnet es, ohne viel auf den Inhalt zu achten. Damit hat er dem Teufel seine Seele verschrieben, so dass dieser ihn zwingen kann, Dudelsack zu spielen. Als Schwanda sich immer noch weigert, werden die Marterwerkzeuge für ihn bereitet. Da, große Überraschung in der Hölle: der berühmte Räuber Babinsky kommt persönlich zu Besuch! Man bereitet ihm einen würdigen Empfang. Babinsky schlägt dem Teufel eine Kartenpartie vor, begeistert stimmt dieser zu.

Als Einsatz zieht Babinsky Schätze aus seiner Tasche, die er vorher dem Teufel aus dessen Tresor geraubt hat. Was setzt der Teufel gegen diese herrlichen Juwelen? Die Hälfte der Hölle! „Zu wenig“, meint Babinsky und verlangt außerdem noch Schwandas Seele. Satan versucht zu handeln, stimmt aber schließlich ein, da er sich seines Sieges sicher glaubt. Alles scheint auch nach seinem Wunsch zu gehen. Dann jedoch zeigt sich, dass Babinsky noch besser schwindeln kann als der Teufel und dadurch gewinnt. Großer Jammer bricht in der Hölle aus, am meisten weint der Teufel, der nun wirklich ein armer Teufel geworden ist. Zum Trost schenkt Babinsky dem besiegten Gegner alles, was er ihm abgewann, mit Ausnahme der Seele Schwandas.

Schwanda beginnt überglücklich auf seinem Dudelsack zu spielen, und die ganze Hölle tanzt. Der Räuber nimmt rührenden Abschied von seinem neuen Freund, dem Teufel, und bald ist er mit Schwanda wieder auf der Erde angelangt

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer - hier : Piotr Prochera als Schwanda, Joachim G. Maaß als Teufel, Tobias Glagau als des Teufels Famulus, Jiyuan Qiu als Höllenhauptmann © Forster

Musiktheater im Revier / Schwanda der Dudelsackpfeifer – hier : Piotr Prochera als Schwanda, Joachim G. Maaß als Teufel, Tobias Glagau als des Teufels Famulus, Jiyuan Qiu als Höllenhauptmann © Forster

Viertes Bild: DAHEIM

Vergeblich versucht Babinsky noch einmal Schwanda zu weiteren Abenteuern in der Welt zu verführen. Schwanda will nur noch nach Hause zu seiner Dorota.

Der stimmgewaltige, von Alexander Eberle ausgezeichnet geführte Chor betritt in Alltagskleidung die Bühne und singt zusammen mit Schwanda und Dorota das Heimatlob: „Auf unserem Hofe daheim hört man die Gänse schrein…“, während im Hintergrund Stadtansichten von Gelsenkirchen bühnenfüllend eingeblendet werden. Große Begeisterung; tosender Applaus. Lobenswert: Obwohl auf Deutsch gesungen wird, wird auf eine Übertitelung nicht verzichtet, was das Text- und Handlungsverständnis nachhaltig unterstützt.

In den kleineren Rollen: Jiyuan Qiu und John Lim,  Opern und Extrachor und Statisterie des MiR. Es spielt die Neue Philharmonie Westfalen unter der wunderbaren Leitung von Giuliano Betta, der mit großer Leidenschaft gerade in den ausgiebigen orchestralen Teilen jede Feinheit der Partitur auslotet. Inszenierung und Bühne: Michiel Dijkema, Kostüme: Jula Reindell, Licht: Thomas Ratzinger, Choreografie: Denis Untila,  Dramaturgie: Anna Chernomordik

Schwanda der Dudelsackpfeifer  im MiR, weitere Vorstellungen am 22.6.; 27.6.; 5.7.; 7.7.2019

—| IOCO Kritik Musiktheater im Revier |—

Hildesheim, TfN, Die Pantöffelchen – Pjotr I. Tschaikowsky, IOCO Kritik, 12.12.2018

Dezember 12, 2018 by  
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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

 Die Pantöffelchen – Pjotr I. Tschaikowsky

 – Märchenhafter Weihnachtszauber –

Von Randi Dohrin

Die Oper beruht auf der Erzählung Die Nacht vor Weihnachten von Nikolai Gogol aus den Jahren 1831/32; die Großfürstin Jelena Pawlowna beauftragte Jakow Polonski, ein Libretto für den Komponisten Alexander Seros anzufertigen. Dieser verstarb jedoch, sodass nur sehr wenige Skizzen vorhanden waren. Daraufhin rief die Großfürstin einen Wettbewerb für die beste Vertonung des Librettos aus.

Das Pantöffelchen  – Peter Tschaikowsky
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Der äußerst selbstkritische Tschaikowsky beteiligte sich aber erst an diesem Wettbewerb, als ihm bekannt wurde, dass keine Meister wie Nikolai Rimski-Korsakow oder Anton Rubinstein daran teilnehmen würden. Im Juni 1874 begann er den Text der Oper, mit dem ursprünglichen Titel Der Schmied Wakula, zu vertonen.

Bereits nach wenigen Monaten hatte er sein Werk vollendet und erhielt dafür den ersten und zweiten Preis, auch wenn man einmal davon absieht, dass – außer ihm – nur Amateure versucht hatten, ihr bestes zu geben. Am 6. Dezember 1876 wurde seine Erstfassung in Sankt Petersburg uraufgeführt, und sie verschwand bereits 1879 wieder vom Spielplan. …„Die Oper erfülle nicht die Erwartungen!“ ..., hieß es allgemein.

Zutiefst unglücklich, überarbeitete Tschaikowsky 1885 seine einzige komische Oper, veränderte einige Teile der Musik, vereinfachte die Harmonik und die Instrumentierung und gab der Oper den neuen Namen Pantöffelchen. Trotz seiner immer vorhandenen Selbstzweifel, gefiel ihm seine Umarbeitung ausgesprochen gut, und er hielt diese Oper für seine …„lustigste und gelungenste“ … .

Leider wird bis heute diese winterliche Märchenoper sehr selten aufgeführt und so verwundert es nicht, dass Florian Ziemen, GMD und Operndirekter des TfN Hildesheim, wieder einmal mit einer fantasievollen Besonderheit im Spielplan aufwartet.

Die Uraufführung dieser Neufassung fand am 19. Januar 1887 im Bolschoi-Theater in Moskau statt. Tschaikowsky hatte damals die musikalische Leitung übernommen.

Theater für Niedersachsen / Die Pantoeffelchen - hier : Neele Kramer als Hexe Solocha, Peter Kubik als Teufel © Falk von Traubenberg

Theater für Niedersachsen / Die Pantoeffelchen – hier : Neele Kramer als Hexe Solocha, Peter Kubik als Teufel © Falk von Traubenberg

Die Oper spielt in der Nacht vor Weihnachten in einem Dorf in der Ukraine, Ende des 18. Jahrhunderts. Oxana, (Katja Bördner) die Tochter Tschubs, (Uwe Tobias Hieronimus) stellt ihren Verehrer und Schmied Wakula (Wolfgang Schwaninger) vor einen kaum zu erfüllenden Liebesbeweis. Er soll ihr die goldenen Pantöffelchen der Zarin bringen.

In klagender Verzweiflung will Wakula sich ins Wasser stürzen. Doch der Teufel (Peter Kubik), der in dieser vorweihnachtlichen Nacht im Dorf erscheint, hindert ihn daran und hält Wakula nun für seinen Besitz. Der Teufel bot dem Schmied an, ihm seine Seele zu verkaufen, um Oxana den Liebesbeweis bringen zu können. Wakula stimmt zu, jedoch nur zum Schein. Als er den Vertrag des Teufels unterschreiben soll, drückt er ihn zu Boden, sodass der Teufel nun dem Schmied gehorchen muss. In der Hoffnung, von der Zarin die Pantöffelchen zu erhalten, fordert er den Teufel auf, ihn nach St. Petersburg zu fliegen.

Theater für Niedersachsen / Die Pantoeffelchen - hier : Wolfgang Schwaninger als Wakula, Katja Boerdner als Oxana © Falk von Traubenberg

Theater für Niedersachsen / Die Pantoeffelchen – hier : Wolfgang Schwaninger als Wakula, Katja Boerdner als Oxana © Falk von Traubenberg

Nur gut, dass in der Nacht vor Weihnachten Wünsche erfüllt werden und so erhält Wakula die Pantöffelchen für seine Braut. Solocha, die Hexe, (Nele Kramer) und Oxana glauben indes, dass Wakula nicht mehr lebt. Plötzlich, wie aus dem Nichts, erscheint Wakula und zeigt Oxana die Pantöffelchen. Diese ist aber gar nicht mehr an den Pantöffelchen interessiert, sie will nur noch ihren Wakula. Die Vermählung der beiden wird ausgelassen im Dorf gefeiert und von Tschub gesegnet.

Einprägende Melodien in meisterhaften Orchestrierungen, kennzeichnen nicht nur die Ballette, Sinfonien, Klavierkonzerte und Opern des genialen Komponisten Pjotr. I. Tschaikowsky; so versteht es der Komponist in seiner Oper Die Pantöffelchen die folkloristisch tänzerischen und lyrischen Elemente musikalisch excellent umzusetzen.

Dem Orchester des Theaters für Niedersachsen, unter der Leitung seines GMD Florian Ziemen, gelingt es, die fortlaufende Handlung mit einem abwechselnd strahlenden oder dramatisch kraftvollen Klang unterstützend zu bereichern. Beeindruckend setzt das Orchester die dichte anspruchsvolle Vertonung der vielfältigen charakteristischen Szenen dieser Oper um.

Lyrisch sentimental leiten zwei Flöten die Ouvertüre ein, der es zudem an vielen Motiven und langen Kantilenen nicht mangelt. Nur wenige Takte darauf, erklingt die prägnante Melodie des Hornsolos. Souverän führt Florian Ziemen das Orchester durch das winterlich märchenhafte Geschehen in eine andere sphärische Wirklichkeit. Die gekonnt dargebotenen tänzerischen Einlagen, in der fantastischen Choreographie von Natascha Flint, meistert das Ensemble mit ausgeprägter Spielfreude.

Stimmlich und darstellerisch, vom ersten bis zum letzten Ton, überzeugte Wolfgang Schwanninger als liebenswürdiger Schmied Wakula. Mit komödiantischen Verve brillierten Nele Kramer als Hexe Solocha und ganz besonders Peter Kubik als Teufel mit gekonnter tänzerischer Beweglichkeit. Hinreißend erklingen die Spitzentöne von Katja Bördner. Mit ihrer klangvollen Stimme füllt sie die Rolle der launischen Oxana perfekt aus.

Theater für Niedersachsen / Die Pantoeffelchen © Falk von Traubenberg

Theater für Niedersachsen / Die Pantoeffelchen © Falk von Traubenberg

Uwe Tobias Hieronimus als Tschub, Levente György als Dorfschulze, Julian Rohde als Schulmeister und Jesper Mikkelsen als Zeremonienmeister standen den Hauptakteuren in Nichts hinterher und runden das Solistenbild hervorragend ab.

Besonders hervorzuheben ist die großartige Leistung des Opern- und Extrachores des Theaters für Niedersachsen unter der Leitung von Achim Falkenhausen. Spielsicher, im traumhaft homogenen Klang, verkörperte der Chor Burschen, Mädchen, alte Männer, alte Frauen, Geister, Hofdamen, Kavaliere, Rusalken und noch viele Personen mehr.

Verdient, nicht enden wollender frenetischer Applaus für alle Beteiligten dieser humoristischen Operninszenierung von Anna Katharina Bernreiner und der fantasievollen Ausstattung von Hannah Oellinger und Manfred Rainer; man darf sie sich auf keinen Fall entgehen lassen.

—| IOCO Kritik für Niedersachsen |—

Erfurt, Theater Erfurt, Zum letzten Mal DER FREISCHÜTZ, 20.05.2012

Mai 16, 2012 by  
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Theater Erfurt

Zum letzten Mal DER FREISCHÜTZ

Der Jäger Max kann nur mit dem Sieg beim Probeschießen die Hand seiner Liebsten erringen. Um sicher zu gewinnen, lässt er sich auf ein gefährliches Spiel mit Kasper ein, der mit dem Teufel im Bunde steht. Ein Spiel auf Leben und Tod beginnt. Der bekannte Schauspieler und Regisseur Dominique Horwitz präsentiert Webers romantische Oper Der Freischütz am Theater Erfurt in einer radikal neuen Lesart. Die viel diskutierte Inszenierung ist nun zum letzten Mal auf der Bühne des Großen Hauses zu sehen.

Letzte Aufführung
So, 20. Mai 2012, 15 Uhr, Großes Haus

—| Pressemeldung Theater Erfurt |—