Berlin, Komische Oper, Blaubart von Jacques Offenbach, IOCO Kritik, 26.03.2018

März 27, 2018 by  
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Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Blaubart – Opéra bouffe von Jacques Offenbach

Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Godot kommt auch nicht…

Von Kerstin Schweiger

Blaubart ist nach Anatevka in der Inszenierung von Hausherr Barrie Kosky die zweite Neuproduktion in der Spielzeit 2017/18, mit der die Komische Oper Berlin unter dem Motto »70 Jahre Zukunft Musiktheater« ihren 70. Geburtstag begeht und dabei auch an den Gründer des Hauses, Walter Felsenstein, erinnert. In Felsensteins Inszenierung erlebte Ritter Blaubart zwischen 1963 und 1992 insgesamt 369 Aufführungen und ist damit nach Anatevka die zweiterfolgreichste Produktion in der Geschichte des Hauses.
Intendant Barrie Kosky hatte in einem früheren Interview einmal gesagt, „Komödie ist Knochenarbeit. Komik zu machen, ist nicht lustig. Wenn auf den Proben sechs Wochen lang durchgelacht wird, hat man was falsch gemacht“.

Nichts zu lachen hatte auch das Produktionsteam von Blaubart um Regisseur Stefan Herheim im Vorfeld. Der erste vernehmliche Laut von Blaubart kam rund 10 Tage vor der geplanten Premiere und hieß warten. Diese wurde diese um eine Woche verschoben, „aus technischen Gründen„. Ein Vorgang, der eher selten ist. Intendant Kosky gab Rückendeckung: „Stefan Herheim und sein Team haben ein wundervolles Konzept für diesen Blaubart erarbeitet, an dem sie seit sieben Wochen mit großem Engagement, aber unter massiven Belastungen durch technische Probleme arbeiten. Grund für die Verschiebung sind technische und sicherheitstechnische Probleme in Zusammenhang mit dem Bühnenbild, die den bisherigen Probenprozess behindert haben. Es sind unplanmäßige Umbauten und Modifikationen erforderlich sowie – daraus resultierend – zusätzliche Probenzeit.“

Schon Felsenstein bestand auf langen Probenzeiten. In einem Spiegel-Interview 1965 sagte er: „Je nach Reife und Begabung der Sänger und je nach der Schwierigkeit des Werkes brauche ich für Proben ungefähr die achtzig- bis hundertfünfzigfache Aufführungsdauer, also ungefähr acht Wochen.“

Komische Oper Berlin / Blaubart - hier Wolfgang Ablinger-Sperrhacke als Blaubart © Iko Freese drama-berlin.de

Komische Oper Berlin / Blaubart – hier Wolfgang Ablinger-Sperrhacke als Blaubart © Iko Freese drama-berlin.de

Doch worum geht`s?
„Es ist kompliziert“, lautet der Beziehungsstatus von Ritter Blaubart. „Frauenprobleme“ überall. Blaubart, der sich für unwiderstehlich hält, seinen Liebschaften aber nur legal nachzugehen bereit ist, hat bereits fünf Frauen geehelicht und – geplant – an den Tod wieder verloren. Ist er einer Gattin überdrüssig, schickt er diese in den Tod und seinen Handlanger Popolani auf die Suche nach einer würdigen Nachfolgerin. Die robuste Bäuerin Boulotte lässt sich von Baubarts Ruf als lustigem Witwer nicht bange machen, eher schon von endloser Langeweile an der Seite Popolanis, der bereits ihre Vorgängerinnen aus eigennützigen Gründen und entgegen Blaubarts Befehl in nicht ganz so ewigen Schlaf versetzt hat. Auch am Königshof ist die Stimmung im Keller. Aufgrund der allumfassenden Blödheit seines Sohnes ist der ebenfalls nicht gerade mit hoher Intelligenz gesegnete König Bobèche zwecks Thronfolgesicherung auf der verzweifelten Suche nach seiner dereinst ausgesetzten Tochter. Die Schäferin Fleurette wird im Prinzessinnen-Casting als hinreichend tochterhaft erkannt, kurzerhand als Hermia akkreditiert und im Königsschloss mit dem Traum-Schwiegersohn Saphir vermählt. König Bobéche hat übrigens auch mehrere Leichen im Keller – von seinem Minister Graf Oscar entsorgte Liebhaber seiner Gattin Königin Clémentine.
In der allseits verzwickten Lage nehmen Boulotte und Hermina das Szepter in die Hand. Angeführt von Boulotte proben Blaubarts wiedererweckte Verflossene den Aufstand!

So schräg, so gut.
Das Baubart-Motiv geht auf ein Märchen von Charles Perrault aus dem 17. Jahrhundert zurück. Vielfach adaptiert in der Literatur (Tieck, Döblin, Friedrich der Große) ist Bela Bartoks Oper Herzog Blaubart Burg wohl die bekannteste Version der mörderischen Geschichte des Ritters Blaubart, der seine Frau auf die Probe stellt, in seiner Abwesenheit darf sie ein verschlossene Kammer in der Burg nicht öffnen. Sie tut es dennoch und findet die Leichen ihrer fünf Vorgängerinnen als Ehefrau. Durch Cleverness und Hilfe gelingt ihr, dem eigenen Tod durch den Ehemann zu entkommen. Ihre Brüder töten den Ritter. Im Gegensatz zu anderen Autoren nutzte Offenbach den Blaubart-Stoff, um ein Phantasiekönigreich als politische Satire aufzubereiten.

Komische Oper Berlin / Blaubart- hier Blaubart und Ensemble © Iko Freese drama-berlin.de

Komische Oper Berlin / Blaubart- hier Blaubart und Ensemble © Iko Freese drama-berlin.de

Zur Entstehungszeit diente die Maskerade zur gepflegten musikalischen Kaiserschelte. Man lachte mit Offenbach über die eigene erotische und politische Unzulänglichkeit, ein satirischer Kommentar auf die bigotte Moral des zweiten Kaiserreichs unter Napoleon III.. Gemeinsam mit dem Dirigenten Clemens Flick haben Herheim und sein Dramaturg Alexander Meier-Dörzenbach eine neue deutschsprachige Fassung mit französischem Einschlag erarbeitet, die Musik aus anderen Offenbachiaden und ein Füllhorn von musikalischen Anspielungen aus dem Opernrepertoire von Tosca, über Wagner, bis zur Strauss‘schen Fledermaus hinzufügt, jedoch und vom Original vieles wegnimmt. Z.B. die Ouvertüre, eines der Markenzeichen jedes Offenbach-Werkes.

Hintergrund
Der jüdische deutsche, aus Köln eingewanderte, „Franzose“ Jacques Offenbach hatte nur ein Streben: eine Oper zu schreiben. Stattdessen waren es die Bouffes (komische satirische Revuen, Operetten), die ihn berühmt machen sollten und ihm eine einzigartige Stimme als Komponist und Theaterunternehmer in Paris verschafften. Karl Kraus bezeichnete seine Werke später als „Offenbachiaden“, um deutlich zu machen, dass diese keinem anderen Genre zuzuordnen sei.

Jacques Offenbach Grabstätte in Montmartre © IOCO

Jacques Offenbach Grabstätte in Montmartre © IOCO

1835 begann Offenbach als Cellist an der Opéra-Comique in Paris zu arbeiten. Die Kunstform Opera Comique sah damals im Gegensatz zur Grande Opera Opernaufführungen von Stücken vor, in denen sich Arien und Ensembles mit gesprochenen Zwischentexten abwechselten. Das Gebäude der Opera Comique entstand aus einem Jahrmarktstheater, das Vorläufer dieser Operngattung aufführte. Seine Erfahrungen dort waren vermutlich Inspiration, diese Theaterform aufzugreifen und als Theaterunternehmer führte er ab 1855 „Offenbachiaden“ auf. Diese satirische Musiktheaterstücke mit gesprochenen Dialogen machten das Theater nach seinem Erfolgsstück Orpheus in der Unterwelt 1858 zu einer Art „Flüsterkneipe des Musiktheaters“. Als scharfzüngiger Beobachter und Maitre de Plaisier im französischen zweiten Kaiserreich unter Kaiser Napoleon III. hatte er seinen Platz und einen Weg gefunden, der allgegenwärtigen Zensur ein Schnäppchen zu schlagen. Offenbach karikierte Sitten, Ereignisse und Personen seiner Zeit und hielt der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts und konkret Kaiser Napoleon III. den Spiegel vor – ein musikalischer Cartoonist. Er war wohl von der Zensur bewusst zum musikalischen Ventil für Kritik des Volkes an der aktuellen Regierung zugelassen. Sein Theaterkonzept erlaubte unter dem Deckmantel der Parodie politische und erotische Freizügigkeit in Zeiten strenger Zensur.

Walter Felsensteins noch heute gültige Definition für Musiktheaterregie stimmt mit Offenbachiaden wie Blaubart zu 100 Prozent überein: „Eine Geschichte sollte mit den besonderen Möglichkeiten der Musik auf dem Theater erzählt werden, nicht als Selbstzweck, sondern als ein künstlerisches Abbild der Welt, bezogen auf ein Publikum, das sich in dieser Geschichte wiederfinden kann, in seinen Konflikten, Leidenschaften, Niederlagen und Hoffnungen“ (Quelle: Berliner Zeitung)

Über 50 Jahre nach der legendären Inszenierung von Walter Felsenstein legt der norwegische Regisseur Stefan Herheim, der zuletzt mit seinem verrückt-opulenten Xerxes das Berliner Publikum an der Komischen Oper begeisterte, nun seine Version von Offenbachs Opéra Bouffe vor.

Herheim und sein Produktionsteam schaffen eine Rahmenhandlung und damit eine Distanz zur legendären Vorgängerproduktion. So ist genug Raum für einen unvoreingenommenen Blick und gleichzeitig ein plausibler Zugang zur märchenhaften Handlung. Ein ewig schwankender Theaterkarren, hoch beladen mit Skeletten, macht Halt. Bewegt wird er von zwei ebenso schwankenden Beckett‘schen Gestalten, die sich, im ständigen Disput miteinander, als Gevatter Tod und Liebesbote Cupido entpuppen. Ein „Lucky-Pozzo-Paar des Welttheaters“. So verhandeln sie im Spannungsfeld von Liebe und Tod mit Goethes Faust-Worten „und jedermann erwartet sich ein Fest“ um die Vormacht. Dazwischen entfaltet auf der Karrenbühne eine Commedia dell‘Arte Truppe ihr derbes Spiel mit einer Personnage, aus dem Gefolge Blaubarts und dem Hofstaat des morbiden Königs Bobèche. Eine Brecht‘sche Brechung. Überhaupt will der Regisseur dem Stück die Leichtigkeit hin und wieder austreiben. „Wir sind doch hier keine Spaßmacher“, schimpft der Tod und sorgt sich um die Fortentwicklung des Theaters, bricht eine Lanze für ein lebendiges Theater, das die Welt verändern kann und richtet sich gegen eine Durchhalte-Unterhaltung bei Bombenstimmung. Offenbach und seinem satirischen-Musiktheater tut er damit Unrecht.

Vom musikalischen Erfindungsgeist her bleibt das Stück hinter Offenbachs Coupletkracher-reichen Vorgängerstücken Orpheus in der Unterwelt und Die schöne Helena zurück. Die Neueinrichtung schwankt überdies unentschieden zwischen Umgangssprache und überspitzt eingesetzten Operettentexten, fast übervoll mit einer mit musikalischen Füllstücken aus anderen Werke und musikalischen Zitaten angereicherten Partitur. Das zündet nicht durchgehend. Auch die verzwickte Handlung kommt nur langsam ins Spiel. Wie in Becketts Warten auf Godot spielt hier Zeit keine Rolle.

Zwei Ebenen macht Stefan Herheim in seiner Version aus: eine übergeordnete theatralische, in der Liebe und Tod als personifizierte Figuren der Commedia dell Arte verhandeln, was Liebe darf und Doppelmoral entlarvt. Und eine politische Dimension, die zwischen dem märchenhaften Rittertum eines Blaubarts aufscheint, mit der Ummünzung des französischen zweiten Kaiserreichs auf ein preußisch-deutsches Kaiserreich, das nur wenige Jahre nach der Uraufführung in den 1870er Jahren zum bitteren Feind Frankreichs wurde und sich mithilfe der daraufhin geleisteten Reparationen Frankreichs selbst mächtiger denn je aufstellte. Die großartigen Kostüme des Hofstaats (Esther Bialas) sind folgerichtig in grauer Gründerzeitmode mit Applikationen aus dem Rittertum von Mittelalter und Renaissance versetzt.

Herheim hat viele wunderbare Mitstreiter auf der Bühne und in seinem Produktionsteam.
Heraus ragen Philipp Meierhöfer als verlängerter Arm des Königs mit unglaublicher Stil- und Spielsicherheit und Johannes Dunz, ein Spieltenor mit Esprit und einer großen Portion Selbstironie als Schäfer/Prinz. Bei beiden funkelt Offenbachs Bühnensprache am Publikumsverführerischsten.

Wolfgang Ablinger-Sperrhacke in der Titelpartie ist ein tödlicher Freund der Frauen und ein Ritter von der vertrottelten Gestalt, mit kernigem Tenor und klarer Diktion, der mit dem kapriziösen Couplet-Sprinter Offenbach jedoch nicht immer mithält. König Bobèche ist in Kostüm und Maske eine komplette Referenz an Felsensteins Original. Felsenstein bediente in seiner kurz nach dem Mauerbau entstandener Inszenierung (1963) mit dem schmächtigen König mit kleiner Krone und einer großen Weltkugel bereits eine offenbachreife Form, um herrschende Verhältnisse (in der damaligen DDR) satirisch zu kommentieren. Bobèche wohnt jetzt im Berliner Stadtschloss. Eine der stärksten Szenen ist die in Dialog gegossene Debatte über das Kreuz auf der Schlosskuppel. „Dieses Haus hat kein Kupfer mehr, dafür umso mehr Felsenstein“.

Doch Peter Renz findet, gekleidet wie sein Vorgänger Werner Enders, aus diesem Original nicht so recht ins Heute, bleibt mehr Commedia dell’Arte-Typus denn gefährlicher Potentat ohne Verstand. Tom Erik Lie als Alchemist Popolani und Königin Clémentine (Christiane Oertel) als durchtrieben-desillusionierte erste Dame des Landes werten den Hofstaat komödiantisch auf. Fleurette/Hermia (Vera-Lotte Böcker) und Boulotte („eine Carmen der Wanderbühne“, Sarah Ferede) heizen in den Commedia-Szenen den Operetten-Vulkan mächtig auf. Die Sprechrollen von Gevatter Tod und Cupido übernehmen Wolfgang Häntsch und Rüdiger Frank, der als Cupido anrührend und nachdenklich ist.

Komische Oper Berlin / Blaubart - hier Blaubart mit Prinz Saphir und Chor © Iko Freese drama-berlin.de

Komische Oper Berlin / Blaubart – hier Blaubart mit Prinz Saphir und Chor © Iko Freese drama-berlin.de

Christof Hetzer (Bühne) schafft u.a. mit der variablen magischen Wanderbühne „Variété Vanitas“ einen beeindrucken Erzählrahmen, im großartigen Lichtdesign Andreas Hofer (Phoenix) macht dies eine große Qualität des Abends aus. Chor und Orchester präsentieren sich mit riesiger Spielfreude in Bestform. Das Dirigat des offensichtlich erst später in die Produktion eingestiegenen Stefan Soltész differenziert fein die Offenbach-typischen raffinierten Rhythmen, die mit immer neuen Melodien phantastische Verbindungen eingehen und musikalisch Tempo ins Spiel bringen.

Die Komische Oper will in der Jubiläumssaison die Vergangenheit feiern und gleichzeitig dieses Feuer in die Gegenwart tragen. Doch der Funke springt nicht ganz über. Herheim nimmt sich für diesen Blaubart viel Zeit. Er meint es zu gut und „schont Prospekte nicht und nicht Maschinen“, doch der latente Bezug zu Goethes Faust hat kürzlich erst an anderer Stelle – nicht weit entfernt – zur Oper nicht so sehr getaugt.

Der Abend macht an vielen Stellen Vergnügen; doch das liegt im Detail, nicht im großen Bogen. Der Zuschauer ist gefordert, um dieses Vergnügen voll ausschöpfen zu können.
Über den liebevoll zusammen getragenen Details und einem Zuviel an Assoziationen geht der Satire ein bisschen „die Puste aus“. Spannend und witzig wird es immer dann, wenn das kurz und knackig bleibt, wie beim Aufbauchor der Höflinge, die aus Würfelquadern das Stadtschloss wieder aufbauen sollen, was erst nach vielen Versuchen mit falschen Ergebnissen gelingt. Oder wenn Blaubarts tot geglaubte Ehefrauenriege die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ zu ihrem Schlachtruf gegen Blaubart und das Patriarchat machen. Das spiegelt auf intelligente Weise den Esprit einer echten Offenbachiade. Und schließlich ganz zum Schluss, wenn der Kreis der Rahmenhandlung sich schließt, ertönt als Referenz an den Komponisten Offenbach, der als Cellist begann, ein Cellosolo.

– Zustimmender Applaus nach einem langen Abend –

Stefan Herheim, designierter Intendant des Theaters an der Wien, hat Offenbachs Blaubart mit überbordenden Perspektiven seine Referenz erwiesen. Auf den Ring des Nibelungen des Götz-Friedrich-Schülers ab 2020 an der Deutschen Oper Berlin, darf man gespannt sein.


Blaubart an der Komischen  Oper Berlin; weitere Termine: 24., 31. März; 22., 27. Apr; 10., 13., 20., 25. Mai;10. Jun; 1., 13. Jul 2018

—| IOCO Kritik Komische Oper Berlin |—

Düsseldorf, Savoy Theater, René Kollo – Abschiedstournee, IOCO Aktuell, März 2018

concert team nrw

Savoy Theater

Savoy Theater /concert team m´nrw - René Kollo © HGM-Press

Savoy Theater /concert team m´nrw – René Kollo © HGM-Press

René Kollo – Abschied von seinem Publikum

Anlässlich des 80. Geburtstags

Rene Kollo präsentierte sich im Savoy-Theater Düsseldorf im Rahmen seiner Abschiedstournee mit heiteren, besinnlichen und unterhaltsamen Begebenheiten aus seinem langen und interessanten Künstlerleben. Erzählungen und musikalische Kostproben wechselten sich dabei harmonisch ab. Nicht nur als Sänger, auch als Komponist und Literat führte er das Publikum durch sein wunderschönes Programm mit Arien aus Opern und Operetten, Volksliedern und Evergreens. Er brachte einen kompletten und umfangreichen Ausschnitt aus seinem Repertoire der ernsten und heiteren Muse. Auch gerade durch diese Vielfältigkeit hat er eine Weltkarriere gemacht.

Gewürzt mit launigen Anekdoten und persönlichen Geschichten seiner glanzvollen künstlerischen Laufbahn, nimmt er Abschied von seinem Publikum und lässt singend und plaudernd sein ereignisreiches Leben passieren. Es war eine interessante Zeitreise durch seine Erinnerungen, in der er ehrlich mit sich selbst und ehrlich mit den schönen und auch weniger schönen Seiten des Opernbetriebes war.

Kollo begann als Schauspieler und Schlagersänger und finanzierte damit sein klassisches Gesangsstudium. Seine Opernsänger-Karriere startete er 1965 am Staatstheater Braunschweig. Danach folgte von 1967 bis 1971 ein Engagement an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf, wo er in Opern von Mozart, Verdi, Puccini und Janacek sang. Mit der Partie des Steuermanns aus Der fliegende Holländer debütierte er in Bayreuth und wurde ab diesem Zeitpunkt vom Publikum für die großen Wagnerpartien wie Siegfried, Parsifal und Lohengrin gefeiert. Er gastierte an allen großen und bedeutenden Opernhäusern der Welt. Regelmäßig an der Deutschen Oper Berlin, der Bayerischen Staatsoper München und bei den Salzburger Festspielen, sowie auch an der Metropolitan Opera New York und an der Covent Garden Opera in London.

Der Titel des Kammersängers wurde ihm von den Opernhäusern Berlin und München verliehen. Geehrt wurde er mit dem „Bayerischen Verdienstorden“ und dem „Bundesverdienstkreuz Erster Klasse am Bande“ Auch verfasste er seine Memoiren und drei unterhaltsame Bücher, in denen er scharf und bissig den modernen Musikbetrieb kritisiert.

An diesem Abend begeisterte Kollo u.a. mit einem Potpourri aus der Kollo-Dynastie, Willi Kollo (Vater) und Walter Kollo (Großvater) und weckte in vielen Besuchern Erinnerungen an Zeiten in denen diese Melodien Gassenhauer waren. Sein musikalisches Programm begann mit dem Operettenlied Ich lad‘ mir gerne Gäste ein“ aus Die Fledermaus von Johann Strauß dann folgte ein bekanntes friesisches Lied, auf plattdeutsch gesungen, in Gedenken an seine norddeutsche Mutter „Kum bi de Nacht as tu min leevste büst (eine Friesin im Publikum fühlte sich angesungen und verdrückte heimlich einige Tränchen).

Danach sang er Es war in Schöneberg im Monat Mai aus der Operette Wie einst im Mai von Walter und Willi Kollo, Immer an der Wand lang eine Komposition des Großvaters Walter Kollo, Dein ist mein ganzes Herz aus Land des Lächelns von Franz Lehár, die Arie des Pinkerton aus „Madama Butterfly“ „Addio, fiorito asil“ von Puccini, Winterstürme wichen dem Wonnemond aus „Walküre“, Richard Wagner und Liebste glaub an mich aus der Operette „Schön ist die Welt“ von Franz Lehár.

Er beendete diesen kurzweiligen Abend mit einer Eigenkomposition Willst du das Land meiner Träume sehen Begleitet wurde Kollo von dem ausgezeichneten Pianisten Florian Schäfer, der hin und wieder heiter die Souffleuse ersetzte.

Beim gut gelaunten Publikum hat der sympathische Tenor an diesem Abend wieder einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ein gelungener Abschied.   Von  K.K.

—| IOCO Aktuell Savoy Theater Düsseldorf |—

Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Juan Diego Flórez – Belcanto Konzert, 07.04.2018

März 23, 2018 by  
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Tonhalle Düsseldorf

Heinersdorff Konzerte

Heinersdorff Konzerte / Juan Diego Flórez © Gregor-Hohenberg / Sony Classical

Heinersdorff Konzerte / Juan Diego Flórez © Gregor-Hohenberg / Sony Classical

Belcanto im schönsten Wortsinn
Juan Diego Flórez Tenor

Samstag, 07. April 2018, 20 Uhr

 Gluck, Mozart, Donizetti, Massenet, Verdi

NDR Radiophilharmonie, Riccardo Minasi Leitung

Es scheint, als wäre der Begriff Belcanto extra erfunden worden, um seine Kunst zu beschreiben: Juan Diego Flórez übertrifft mit seinem kraftvollen Timbre und dem unverkennbaren Schmelz in der seelenvollen Tenorstimme alle Superlative des „schönen Gesangs“. Seit seinem überragenden Debüt als 23-Jähriger in der Mailänder Scala 1996 hat der peruanische Sängerestivals der Welt führt. Dass er dennoch niemals seine Herkunft als Sohn eines peruani eine Bilderbuchkarriere hingelegt, die ihn regelmäßig an die größten Opernhäuser und zu den renommiertesten Fschen Volkssängers vergisst und immer wieder gerne zur Gitarre greift, um sich selbst in schlichten Liedern und Canzonen zu begleiten, spricht für den sympathischen Superstar. Sein lang ersehntes Heinersdorff-Gastspiel steht ganz im Zeichen Mozarts und des italienischen Belcanto.

Karten: € 95,- / 85,- / 75,- / 60,- / 45,- zzgl. VVK-Gebühr
Vorverkauf: Opernshop, Tel. 0211 89 25 211, www.heinersdorff-konzerte.de

[Von Juan Diego Flórez wurden verschiedene Aufnahmen bei der Sony Classical veröffentlicht.]


Heinersdorff Konzerte / Juan Diego Flórez © Kristin Hoebermann

Heinersdorff Konzerte / Juan Diego Flórez © Kristin Hoebermann

Juan Diego Flórez: Die großen Theater der Welt sehen in Juan Diego Flórez den Belcanto-Tenor par excellence. Sein ausdrucksstarker, müheloser und virtuoser Gesang macht ihn zu einem idealen Interpreten für Opern von Gioachino Rossini, Gaetano Donizetti und Vincenzo Bellini. Publikum und Kritiker feiern einhellig die Vorstellungen, die er auf den bedeutendsten internationalen Opernbühnen und Konzertpodien gibt. Sein Operndebüt gab der peruanisch-österreichische Sänger im Jahr 1996 in Rossinis Matilde di Shabran beim Rossini-Opernfestival in Pesaro. Heute singt er an den wichtigsten Opernhäusern der Welt, gastiert regelmäßig beim Festival in Pesaro und gibt regelmäßig Konzerte.

Der peruanische Tenor Juan Diego Flórez ist dank seiner einzigartigen Stimme und seiner sensationellen Technik einer der Weltstars der Oper. Auf seiner aktuellen CD singt Flórez erstmals Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, einem weiteren Komponisten, dessen Werk ideal zu seinen Fähigkeiten passt. Mit 18 Jahren trat Flórez als Chorsänger in der Zauberflöte auf und fand so zur Oper. Seitdem hat er in zahlreichen Konzerten Mozart gesungen.

Die Einspielung entstand in Zürich mit dem herausragenden Orchester La Scintilla, den Alte Musik Spezialisten der Züricher Oper, unter Leitung von Mozart-Kenner Riccardo Minasi. Juan Diego Flórez wurde 1973 geboren und studierte Musik in seiner Heimatstadt Lima und am Curtis Institute in Philadelphia. 1996 gab er in Matilde di Shabran sein offizielles Debüt beim Rossini-Opernfestival in Pesaro, wo seine ausdrucksvolle Stimme und erstaunliche Agilität über Nacht für eine Sensation sorgten und ihn noch im selben Jahr, mit dreiundzwanzig Jahren, an die Scala führten. Seitdem tritt er regelmäßig unter den weltweit führenden Dirigenten auf den renommierten internationalen Opernbühnen auf. Als Belcanto-Tenor der Spitzenklasse hat sich Flórez vor allem in den führenden Tenorrollen von Rossini, Donizetti und Bellini sowie in Opern Verdis (Rigoletto und Falstaff), Puccinis (Gianni Schicchi), Glucks (Armide), Mozarts (Mitridate) und Nino Rotas (Il cappello di paglia di Firenze) einen Namen gemacht. 2007 brach er an der Scala mit einer 75 Jahre alten Tradition und sang eine Zugabe aus Donizettis Fille du régiment, die Arie ‚Ah! mes amis‘ mit neun hohen C; für eine ähnliche Sensation sorgte er 2008 mit der gleichen Meisterleistung an der New Yorker Metropolitan.

Er tritt auch als Solist und Konzertsänger in Werken wie Rossinis Stabat Mater auf. In den vergangenen Spielzeiten war er zu sehen und zu hören in: L’elisir d’amore an der WienerStaatsoper und der Met, Il barbiere di Siviglia in Lima, Le comte Ory an der Met,  I puritani in Tokio, Linda di Chamounix in Barcelona, Rigoletto in Zürich, Matilde di Shabran in Pesaro, Guillaume Tell in Lima und Pesaro, Les Pêcheurs de perles in Madrid, La donna del lago in Covent Garden, La Fille du régiment in Wien sowie in einem Konzert in Machu Picchu mit Gustavo Dudamel und dem Orquesta Sinfónica Simón Bolívar. Für 2014 sind geplant: La sonnambula in Barcelona, La Fille du régiment in Covent Garden, Roméo et Juliette in Lima, La Cenerentola an der Met, Il Barbiere di Siviglia in München, Le comte Ory an der Scala und La Favorite bei den Salzburger Festspielen sowie Konzerte in Marseille, Istanbul, Zürich, Genf, Madrid, Lüttich, Baden-Baden, Ludwigshafen, München und Wien.

Juan Diego Flórez hat als Decca-Exklusivkünstler seit 2001 zahlreiche Soloalben und Operngesamtaufnahmen auf CD und DVD veröffentlicht; viele davon haben Preise gewonnen, darunter den deutschen Echo und den Cannes Classical Award. Zu seinen neueren Einspielungen gehören Gesamtaufnahmen von Bellinis La sonnambula, mit Cecilia Bartoli auf CD und mit Natalie Dessay auf DVD, Glucks Orphée et Eurydice mit Ainhoa Garmendia, Bel  Canto spectacular – 2010 in der Kategorie ‚Best Classical Vocal Performance‘ für einen Grammy® nominiert – sowie 2010 eine CD mit geistlichen Liedern unter dem Titel ‚Santo‘. 2012 erschien die 2009 beim Rossini-Festival in Pesaro aufgenommene DVD mit Rossinis Zelmira, und 2013 folgte Rossinis Matilde di Shabran als Mitschnitt aus dem Teatro Comunale in Bologna. Für 2014 ist sein erstes, nur in französischer Sprache gesungenes Album ‚L’Amour‘ mit Opernarien von Donizetti bis Massenet geplant.

Der peruanische Tenor hat zahlreiche weitere internationale Kritikerpreise erhalten sowie den Sonnenorden als höchste Auszeichnung der peruanischen Regierung. 2012 wurde er zum Sonderbotschafter der UNESCO ernannt und in Wien als Kammersänger

—| Pressemeldung Tonhalle Düsseldorf |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Tenor RICCARDO MASSI im IOCO Interview, IOCO Aktuell, 17.03.2018

März 20, 2018 by  
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Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburgische Staatsoper © IOCO

 

„Gemeinsam in die Oper“

  Tenor RICCARDO MASSI im IOCO – Interview

 Debut an Staatsoper Hamburg – Zu den Italienischen Wochen

Von Rolf Brunkhorst

In diesen Tagen findet ein lang überfälliges Debüt an der Hamburger Staatsoper statt:  RICCARDO MASSI, der seit Jahren überall auf der Welt umjubelte italienische Tenor singt zum ersten Mal in Hamburg; den Cavaradossi in der Wiederaufnahme der Tosca.

Schon vor diesem seinen offiziellen Debüt gab er überraschend, am vergangenen Samstag, sein vorzeitiges Debüt  an der Staatsoper Hamburg, als er kurzfristig den Tenor-Part in der szenischen Produktion von Verdis  Messa da Requiem sehr erfolgreich übernahm.

Mit der ebenfalls ungeplanten wie kurzfristigen Übernahme einer Tenorpartie begann seine Karriere in 2009: An der Mailänder Scala übernahm er den Don José der dortigen Carmen-Produktion; für den erkrankten Jonas Kaufmann übernahm. Der außergewöhnliche Erfolg dieser Debüt-Vorstellung öffnete Riccardo Massi fortan alle bedeutenden Bühnentüren, so tauchen nun in seiner Vita die Staatsoper Unter den Linden, die Deutsche Oper Berlin, Dresden, Rom, Triest, Turin, Brüssel, die Metropolitan Opera New York, Houston, Stockholm, Oslo, das Bolshoi-Theater Moskau, Covent Garden London, Zürich, das Théatre des Champs Elysées Paris, Avignon, Toronto und viele andere große Häuser auf.

 Riccardo Massi © Wolfgang Schmitt

Riccardo Massi © Wolfgang Schmitt

Und nun also das Cavaradossi-Debüt hier an der Hamburger Staatsoper. Riccardo Massi stellt den Cavaradossi als Multi-Talent (Maler, Dichter, Revolutionär) dar, der am Ende er Oper weiß, daß er in den Tod gehen wird und nur seiner geliebten Tosca bis zur letzten Minute die Illusion eines gemeinsamen Überlebens vermittelt. Überhaupt scheinen die Verismo-Opern ein Schwerpunkt in Riccardo Massis Repertoire zu bilden. „Keiner hat wie Puccini so sehr die Herzen erreichen können.“ In nächster Zeit möchte er sich wieder mehr Giuseppe Verdi annähern, für dessen frühe Werke er lobende Worte findet. „Ich liebe besonders La Battaglia di Legnano, I due Foscari und auch I Lombardi. Vom späteren Verdi reizt mich besonders der Don Carlo, aber für diese lange und komplizierte Oper würde ich eine ausreichende Probenzeit beanspruchen. Der Otello kann in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren kommen, da höre ich nur auf meine Stimme“.

Seine Opernkarriere bezeichnet Riccardo Massi als sein drittes Leben. Sein erstes Leben war das eines Sportlers, seine Leidenschaft war Karate und Thai-Boxen, und er verdiente sich seinen Lebensunterhalt und sein Gesangsstudium als Security-Agent, was ihm quasi sein zweites Leben bescherte, nämlich die Arbeit als Stuntman, so wirkte er u.a. in Hollywood-Filmen von Martin Scorcese als Stunt u.a. in  Gangs of New York , oder Die Passion Christi und die Fernsehserie Rom mit. „Meine sportliche Ausbildung macht es mir oftmals auf der Bühne leicht, bestimmte vom Regisseur erwartete und verlangte Bewegungsabläufe auszuführen“.  Für Regisseure gilt im allgemeinen: „Ein Regisseur sollte erst einmal die Oper kennen, und zwar genauestens kennen. Er muss sich auch darüber im Klaren sein, welche Bewegungen oder Aktionen ein Sänger oder eine Sängerin nachvollziehen kann. Und ein Regisseur muss ein glaubwürdiges Regiekonzept vorlegen, um seine Produktion zum Erfolg zu führen, und er darf den ursprünglichen Gehalt der Oper nicht verwischen und missinterpretieren. Wenn dem Regisseur der roten Faden aus der Hand gleitet und er plötzlich die Idee hat, dass der dritte oder vierte Akt als Traum des Tenors oder der Sopranistin dargestellt werden soll, dann ist das schon mal Unsinn. Ein Regiekonzept muss glaubwürdig und nachvollziehbar sein, andernfalls verlieren die Protagonisten die Lust und das Interesse an der Arbeit und das Publikum ist enttäuscht und gelangweilt. Das Publikum muss die Emotionen spüren, das Geschehen auf der Bühne muss sie in seinen Bann ziehen“.

 Riccardo Massi © Wolfgang Schmitt

Riccardo Massi © Wolfgang Schmitt

Nachdem Riccardo Massi den Cavaradossi in diesem Jahr bereits am Londoner Opernhaus Covent Garden und in Palm Beach gesungen hat, freut er sich nach seinen Hamburger Auftritten auf sein Debüt am Teatro Colón Buenos Aires, wo er den Radames singen wird, anschließend wird er an die Oper in Sydney zurückkehren – ebenfalls als Radames. In Sydney sang er bereits La Forza del Destino, Luisa Miller, Tosca und Turandot. Weitere Zukunftspläne sind sein Debüt an der Washington Opera als Cavaradossi, und Auftritte an der Münchner Staatsoper als Pinkerton und als Pollione in Norma während der Münchner Opernfestspiele 2019.

Bleibt zu hoffen, dass Riccardo Massi zukünftig ein häufiger Gast an der Hamburger Staatsoper sein wird. Als Cavaradossi in Tosca ist Riccardo Massi dort am 21.3., 24.3. und 29.3.2018 zu erleben.

—| IOCO Aktuell Staatsoper Hamburg |—

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