Dresden, Semperoper, Nabucco – Im Krieg der Jetztzeit angekommen, IOCO Kritik, 18.06.2019

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Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

 Nabucco  – Giuseppe Verdi

In der Jetztzeit –  Syrien, Pistolen, Militär, Krieg

von Thomas Thielemann

Viel ist nicht zu David Böschs Inszenierung von Nabucco an der Semperoper Dresden zusagen. So wie die Soldaten des babylonischen Herrschers Nabü-kudurrï-usur II. (um 640 v. Chr. Bis 562 v. Chr.) im Jahre 595 v. Chr. Jerusalem nach langer Belagerung eroberten, werden ideologische oder religiöse Unterschiede noch immer als Vorwände für kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Volksgruppen oder für Bürgerkriege genutzt. Sind doch offenbar große Teile der Menschheit im Verlaufe der letzten zweieinhalb Jahrtausende kaum klüger geworden.

Nabucco-  Giuseppe Verdi
youtube Trailer der Semperoper
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Deshalb war es für Bösch einfach, Verdis Hebräern und Babylonier zeitgenössische Kleidung und Uniformen anzuziehen (Kostüme: Meentje Nielsen) und in einer Ruinenstadt unserer heutigen Zeit agieren zu lassen. Damit dürfte die Inszenierung deutlich näher am biblisch überlieferten Geschehen bleiben, als das Libretto von Temistocle Solera. Patrick Bannwart stellte eine an den Turmbau von Babel erinnernde Stahlbau-Ruine auf die Bühne und konfrontiert uns mit Fernsehbildern unserer Tage aus Syrien, dem Irak, der Ost-Ukraine oder Jemen. Der Turm, vertikal geteilt, an die Bühnenränder verschoben, bildete die Spielfläche für die weitere Vorstellung.

Bleibt damit nur, die leider nicht durchgängig handwerklich gute Personenführung Böschs zu loben und über die musikalischen Aspekte des Opernabends zu schreiben: Da wäre unbedingt der von Jörn Hinnerk Andresen hervorragend vorbereitete Staatsopernchor, der gemeinsam mit dem Sinfoniechor Dresden und der Komparserie das Rückgrat der Vorstellung bildete. Dazu die Musiker der Staatskapelle, wieder unter der sorgsamen Leitung des „gesundeten“ Omer Meir Welber, der seine Intensität hervorragend den Möglichkeiten und Erfordernisse der Bühne anpasste.

Semperoper Dresden / Nabucco - hier : Plácido Domingo als Nabucco, Saioa Hernández als Abigaille, Christa Mayer als Fenena, Vitalij Kowaljow als Zaccaria, Ensemble © Semperoper Dresden / Daniel Koch

Semperoper Dresden / Nabucco – hier : Plácido Domingo als Nabucco, Saioa Hernández als Abigaille, Christa Mayer als Fenena, Vitalij Kowaljow als Zaccaria, Ensemble © Semperoper Dresden / Daniel Koch

Zur Besprechung der Eindrücke der Gesangs- und Schauspielerleistungen der Solisten erfordert es in Böschs Auslegung der Verdischen Komposition schon ein gehöriges Abstraktionsvermögen. So sehr ich ansonsten Szenenapplaus als störend empfinde, hier war er angebracht, weil doch das Gehörte und das Gesehene keinen gemeinsamen Fluss bildeten. Da war die „Beifalls-Pause“ sogar hilfreich.

Die Titelrolle hatte der zu seinen Bariton-Anfängen zurück gefundene Plácido Domingo mit der gesamten Bühnenpräsenz seiner Persönlichkeit übernommen. Er musste die Rolle komplett in einer Felduniform unserer Tage singen und spielen. Mit einem stimmlichen Spektrum von Donner und Demut tritt er gewaltig bis geschmeidig auf. Nachhaltige Eindrücke hinterlassen vor allem seine ruhigeren Darstellungen im Wahnsinns-Monolog im 4. Akt.

Semperoper Dresden / Nabucco - hier : Plácido Domingo als Nabucco, Saioa Hernández als Abigaille, Ensemble © Semperoper Dresden / Daniel Koch

Semperoper Dresden / Nabucco – hier : Plácido Domingo als Nabucco, Saioa Hernández als Abigaille, Ensemble © Semperoper Dresden / Daniel Koch

Die Spanierin Saioa Hernándes bot in ihrem Rollen- und Deutschlanddebüt als Spinto-Sopranistin alles, was zur Gestaltung der Figur der Abiggaille zur Verkörperung ihres Machthungers und ihrer Brutalität benötigt wurde: Die Höhen und Tiefen, die Attacke und das Lyrische für die wenigen psy-chologischen Momente. Ob ihre Zornausbrüche im ersten Akt oder ihr Duett mit Plácido Domingo im 3. Akt, immer war sie richtig dominierend. Kaum weniger Beeindruckend die zurückhaltendegehaltene Gestaltung ihrer Halbschwester Fenena durch die Mezzosopranistin Christa Mayer. Ihr Geliebter Ismaele, vom italienischen Tenor Massimo Giordano dargestellt, bot eher Schöngesang als Leidenschaft oder gar Kampfesmut.

Den Oberpriester des Baals zelebrierte der aus Korea stammende Bassist Sejong Chang stimmgewaltig als blutrünstiger Rächer. Für den emotionalen Höhepunkt und für einen musikalischen Glanzpunkt der Aufführung sorgten der Chor und der Bassist Vitalij Kowaljow mit dem letztlich eigenständig in das „Geschehen“ eingebaute „Flieg Gedanke auf goldenen Schwingen“.

Der frenetische Schluss-Beifall, der sich dann zum Stakkato und stehend entwickelte galt uneingeschränkt dem ganzen Ensemble,  Plácido Domingo eingeschlossen.

—| IOCO Kritik Semperoper Dresden |—

Berlin, Deutsche Oper Berlin, Letzte Vorstellungen: NABUCCO, 23. und 30.01.2016

Januar 19, 2016 by  
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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Letzte Vorstellungen: NABUCCO

Giuseppe Verdi (1813 – 1901)
Dramma lirico in vier Teilen
Libretto von Temistocle Solera
Uraufführung am 9. März 1842 in Mailand
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 8. September 2013
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Letzte Vorstellungen:
Sa 23. Januar 2016, 19:30 Uhr
Sa 30. Januar 2016, 19:30 Uhr

„Es gehört zu den Herausforderungen des Stückes, aus Abigaille einen Charakter zu machen. Ich sehe sie im Gespinst aus einander widersprechenden Lebensprinzipien gefangen – auf der individuellen Ebene genauso wie auf der politischen. Sie entdeckt, dass sie Tochter einer Sklavin ist, und uns allen ist klar, wie das ungefähr gelaufen sein mag: Nabucco wird nach der Eroberung einer Stadt mit einer Sklavin geschlafen haben, wird anschließend entdeckt haben, dass er sich stärker emotional verpflichtet fühlt und wird dann das Kind mit sich zur Erziehung genommen haben. Und dabei hat er sie letztlich zu einer Art Monster gemacht. Mich erinnert das an die Art, wie Wotan mit Brünnhilde umgeht: Er hält sie von der realen Welt fern und sie kämpft die ganze Zeit darum, menschlich zu werden. Und das bewegt ihn letztlich, selbst menschlicher zu werden. So passiert es auch Nabucco: Auch er kann zu keinem Zeitpunkt wirklich menschlich zu Abigaille sein – auch wenn wir im Duett des dritten Aktes fast an den Punkt gelangen, wo es beiden möglich sein könnte, einander zu verzeihen, aber der Bruch mit ihr löst letztlich seine Wandlung aus. Und während er anschließend ein weiser Herrscher wird, geht Abigaille zugrunde, weil sie das nicht bekommt, was sie am dringendsten braucht: die Liebe und den Segen ihres Vaters.“ (Keith Warner)

Musikalische Leitung Ivan Repusic, Francesco Ivan Ciampa (07.01.2016 | 23.01.2016 | 30.01.2016)
Inszenierung Keith Warner
Bühne Tilo Steffens
Kostüme Julia Müer
Chöre William Spaulding

BESETZUNG:
Nabucco: Sebastian Catana
Ismaele: Attilio Glaser
Zaccaria: Günther Groissböck
Abigaille: Ekaterina Metlova
Fenena: Irene Roberts
Oberpriester des Baal: Dong-Hwan Lee
Abdallo: Jörg Schörner
Anna: Adriana Ferfezka

Chöre: Chor der Deutschen Oper Berlin
Orchester: Orchester der Deutschen Oper Berlin

—| Pressemeldung Deutsche Oper Berlin |—

Leipzig, Oper Leipzig, EIN WOCHENENDE MIT VERDIS SCHÖNSTEN OPERN: Rigoletto, Nabucco und La Traviata, 08./09./10.01.2016

Januar 7, 2016 by  
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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Adreas Bikigt

Oper Leipzig © Adreas Bikigt

EIN WOCHENENDE MIT VERDIS SCHÖNSTEN OPERN
Rigoletto, Nabucco und La Traviata

VERDI-WOCHENENDE I
RIGOLETTO am 08. Januar 2016, 19:30
NABUCCO am 09. Januar 2016, 19:00
LA TRAVIATA am 10. Januar 2016, 18:00

VERDI-WOCHENENDE II
RIGOLETTO am 01. April 2016, 19:30
NABUCCO am 02. April 2016, 19:00
LA TRAVIATA am 03. April 2016, 18:00

Vom 8. bis 10. Januar können sich Verdi-Fans ein ganzes Wochenende in die Musik des italienischen Meisters vertiefen und mit Rigoletto, Nabucco und La Traviata gleich drei seiner größten Werke genießen. Giuseppe Verdis Musik ist einzigartig: Selbst nach 200 Jahren trifft sie unmittelbar in Kopf und Herz des Opernliebhabers, ist intensiv emotional und bleibt dabei stets echt und wahr. In vielen seiner Opern gibt es den ganz besonderen Hit – weltberühmt etwa „La donna è mobile“ aus „Rigoletto“, der Gefangenenchor „Va, pensiero“ aus „Nabucco“ oder das „Libiamo“ aus „La Traviata“, die bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren haben.

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Rigoletto von Giuseppe Verdi

DIRIGENT CHRISTOPH GEDSCHOLD
REGIE ANTHONY PILAVACHI
BÜHNE UND KOSTÜME TATJANA IVSCHINA
EINSTUDIERUNG CHOR ALESSANDRO ZUPPARDO
DRAMATURGIE CHRISTIAN GELTINGER

BESETZUNG:
GILDA: Eun Yee You, GIOVANNA: Carolin Masur, GRÄFIN CEPRANO: Stefania Abbondi
MADDALENA: Karin Lovelius, PAGE: Anika Paulick, HERZOG: Gianluca Terranova
RIGOLETTO: Francesco Landolfi, GRAF VON MONTERONE: Jürgen Kurth
GRAF CEPRANO: Andreas C. Reinboth, MARULLO: Jonathan Michie
BORSA: Viktor Sawaley, SPARAFUCILE: Milcho Borovinov
USCHERE: Frank Wernstedt, Herren des Opernchores
Gewandhausorchester

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NABUCCO
GIUSEPPE VERDI
Oper in vier Teilen
Text von Temistocle Solera

DIRIGENT ANTHONY BRAMALL
INSZENIERUNG DIETRICH W. HILSDORF
BÜHNE DIETER RICHTER
KOSTÜME RENATE SCHMITZER
EINSTUDIERUNG CHOR ALESSANDRO ZUPPARDO

BESETZUNG:
ABIGAIL: Anna Pirozzi
FENENA: Sandra Maxheimer
ANNA: Magdalena Hinterdobler
NABUCCO: Devid Cecconi
OBERPRIESTER DES BAAL: Sejong Chang
ABDALLO: Keith Boldt
ZACCARIA: Tuomas Pursio
ISMAEL: Gaston Rivero
Opernchor
Gewandhausorchester
In Originalsprache. Mit deutschen Übertiteln

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LA TRAVIATA
GIUSEPPE VERDI
Oper in drei Akten
Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Roman »Die Kameliendame« von Alexandre Dumas
In Originalsprache. Mit deutschen Übertiteln

DIRIGENT CHRISTOPH GEDSCHOLD
INSZENIERUNG ANDREAS HOMOKI
BÜHNE FRANK PHILIPP SCHLÖSSMANN
KOSTÜME GABRIELE JAENECKE
EINSTUDIERUNG CHOR ALESSANDRO ZUPPARDO

BESETZUNG:
VIOLETTA VALERY: Eun Yee You
FLORA BERVOIX: Sandra Janke
ANNINA: Stefania Abbondi
ALFREDO GERMONT: Sergey Pisarev
GIORGIO GERMONT: Mathias Hausmann
GASTONE: Dan Karlström
BARONE DOUPHOL: Jürgen Kurth
MARCHESE D´OBIGNY: Diogo Mendes
DOTTORE GRENVIL: Sejong Chang
Opernchor

—| Pressemeldung Oper Leipzig |—

Bonn, Theater Bonn, Premiere: JÉRUSALEM, 31.01.2016

Dezember 17, 2015 by  
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Theater Bonn

Theater Bonn © Thilo Beu

Theater Bonn © Thilo Beu

 JÉRUSALEM  von Giuseppe Verdi

  Libretto von Alphonse Royer und Gustave Vaëz nach I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA von Temistocle Solera, In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere am 31. Januar 2015, 18:00 Uhr, weitere Vorstellungen: 14 Feb 18:00 H, 27 Feb 19:30 H, 10 Mrz 19:30 H, 18 Mrz 19:30 H, 26 Mrz 19:30 H, 02 Apr 19:30 H, 09 Apr 19:30 H

Nachdem Verdi nach seinen frühen Erfolgen bereits international bekannt geworden war, wollte auch die Pariser Oper ein Werk des Komponisten als Grand opéra aufführen. Verdi plante darauf zunächst, seine Oper ATTILA aus dem Jahr 1846 für die französische Metropole umzuarbeiten, entschied sich dann aber für seine 1843 entstandene Oper I LOMBARDI ALLA PRIMA, wofür die Librettisten Alphonse Royer und Gustave Vaëz (eigentlich Jean-Nicolas-Gustave Van Nieuwenhuysen) verpflichtet wurden, Soleras Originallibretto in einer französischen Fassung zu überarbeiten. Nach allgemeiner Einschätzung machte das die handelnden Personen glaubwürdiger.

Im Kern begegnen wir einer spannenden Kreuzritter-Geschichte aus dem 11. Jahrhundert – und dennoch: Einer Oper namens JÉRUSALEM von Giuseppe Verdi wird man in den meisten Opernführern nicht begegnen, obwohl sie im Entstehungsjahrhundert 40 Jahre lang ständig und erfolgreich aufgeführt wurde – aber tatsächlich fast nur in Frankreich. Die Handlung spielt in den Jahren 1095 – 1099 in Toulouse und Palästina mit leidenschaftlicher Romeo und Julia- und inzestuöser Onkel-Nichte-Verwicklung, orientalischem Harems- und Kriegerdrama und mitreißendem Liebes-, Reue- und Sieges-Happy-End. Verdi hat für diese Version seiner LOMBARDI-Oper teilweise vollkommen neue Musik komponiert, die große Tenorpartie des Gaston praktisch neu konzipiert und dem Geschmack des französischen Publikums angenähert. Innerhalb der Reihe mit frühen Verdi-Opern nimmt JÉRUSALEM in vielerlei Hinsicht eine Ausnahmeposition ein, zeigt aber die Bandbreite des Komponisten (und die ihm bereits hier eignenden Möglichkeiten) in großer Deutlichkeit.

Musikalische Leitung: Will Humburg, Inszenierung: Francisco Negrín
Licht: Thomas Roscher, Bühne: Paco AzorínKostüme, : Domenico Franchi
Video: Joan Rodón, Emilio Valenzuela Alcaraz, Choreinstudierung: Marco Medved
Musikalische Assistenz: Stephan Zilias, Regieassistenz: Alexander Grün
Bühnenbildassistenz: Ansgar Baradoy, Musikalische Einstudierung: Christopher Arpin, Christopher Sprenger, Adam Szmidt, Thomas Wise
Inspizienz: Tilla Foljanty, Sprachcoach: Dr. Maria Teresa Picasso-Menck
Regiehospitanz: Patricia Knebel, Charlotte Morschhausen
Hospitanz musikalische Assistenz: Christian Casleanu

BESETZUNG:
Gaston, Vicomte von Bearn – Sébastien Guèze [P] / Felipe Rojas Velozo
Der Graf von Toulouse – Csaba Szegedi [P] / Giorgos Kanaris
Roger, Bruder des Grafen – Franz Hawlata [P] / Martin Tzonev
Hélène, Tochter des Grafen – Anna Princeva
Isaure, Vertraute Helenes – Vardeni Davidian / Brigitte Jung
Adhémar de Monteil, päpstlicher Legat – Priit Volmer
Schildknappe Gastons – Christian Georg
Der Emir von Ramla – Johannes Pannermayr
Ein Offizier des Emirs – Christian Specht [P] / Hans Müller
Ein Herold – Egbert Herold / Nicholas Probst
Ein Soldat – Hartmut Nasdala / Nicholas Probst
Chor und Extrachor des Theater Bonn
Beethoven Orchester Bonn

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Einführungsgespräch
Opernfoyer | So, 17. Jan 2016, 11h

—| Pressemeldung Theater Bonn |—

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