Hannover, Staatsoper Hannover, Stephan Zilias – Neuer Generalmusikdirektor, IOCO Personalie, 16.04.2020

Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Stephan Zilias – Generalmusikdirektor ab Spielzeit 2020/21

Staatsoper Hannover / Intendantin Laura Bermann © Franz Bischof

Staatsoper Hannover / Intendantin Laura Bermann © Franz Bischof

Laura Berman, Intendantin der Staatsoper Hannover,  hat nach Abschluss eines breit angelegten Auswahlverfahrens, Stephan Zilias als neuen Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover vorgeschlagen. Es bestand Einigkeit im Aufsichtsrat darüber, die Verhandlungen mit Stephan Zilias zum Abschluss zu bringen. Damit wird zum Beginn der Spielzeit 2020/21 die Stelle nach einjähriger Vakanz wieder besetzt: Vorgänger  Ivan Repušic hatte 2017, als Nachfolger von Ulf Schirmer (IOCO berichtete,  link HIER)  die Leitung des Münchner Rundfunkorchesters übernommen.

„Ich bin glücklich, dass unser ausführlicher Auswahlprozess, in den viele Mitarbeiter*innen der Staatsoper eingebunden waren, zu einem neuen Generalmusikdirektor geführt hat, der bei allen im Haus auf positive Resonanz trifft. Die Zeit, die wir uns genommen haben, war extrem hilfreich, hat der Staatsoper gut getan und gezeigt, dass das Haus sich einig ist“, äußert sich Intendantin Laura Berman.Ich freue mich auf einen Partner, den ich als Dirigenten und Musiker mit großer Sorgfalt, Mitgefühl für seine Mitmenschen und ganz großem Herzen kennengelernt habe.“

Energiegeladen, leidenschaftlich, überzeugend und risikofreudig: Stephan Zilias, zur Zeit Kapellmeister an der Deutschen Oper Berlin, hat im Herbst 2019 an der Staatsoper Hannover die Wiederaufnahme von Salome geleitet sowie das 4. Sinfoniekonzert Verwandlungen mit Werken von Henri Dutilleux, Béla Bartók und Robert Schumann dirigiert.

„Ich fühle mich tief geehrt, zum Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover ernannt worden zu sein. Es ist eine wunderbare Aufgabe mit großer Verantwortung, auf die ich mich aus vollem Herzen freue. Ich hatte das Vergnügen, in den letzten Monaten mit dem fantastischen Orchester und den Sänger*innen des Ensembles schon intensiv arbeiten zu können. Ich freue mich auf die Arbeit mit Laura Berman, dem Ensemble, mit Orchester, Chor und den Teams von Staatsoper und Staatsballett. Gemeinsam werden wir uns neuen Herausforderungen stellen und alles daransetzen, die lange und exzellente Musiktradition in Hannover fortzuführen und neue Impulse zu setzen – einer Stadt, die meiner Familie und mir bald zur neuen Heimat werden wird,“ so der designierte Generalmusikdirektor Stephan Zilias.

Staatsoper Hannover / Stephan Zilias - kommender Generalmusikdirektor © Simon Pauly

Staatsoper Hannover / Stephan Zilias – kommender Generalmusikdirektor © Simon Pauly

Stephan Zilias studierte Klavier und Dirigieren in Köln, Düsseldorf und London. Zu seinen Lehrern zählten Pierre-Laurent Aimard und Tamara Stefanovich (Klavier), sowie Volker Wangenheim, Rüdiger Bohn und Colin Metters (Dirigieren). Wichtige musikalische Impulse erhielt er durch Meisterkurse bei Bernard Haitink, Gianluigi Gelmetti und Ilan Volkov.

Bereits während seiner Studienzeit wirkte er als Dirigent und musikalischer Assistent von Markus Stenz an der Oper Köln, wo er 2011 mit drei Vorstellungen von Wozzek debütierte. Prägende Erfahrungen sammelte er auch als Assistent von Edward Gardner und Thomas Hengelbrock an der English National Opera bzw. bei den Pfingstfestspielen Baden-Baden und bei Stefano Montanari an der Opéra de Lyon.

Im Sommer 2013 debütierte er mit Die Zauberflöte auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele. Nach zwei Spielzeiten als Repetitor und Kapellmeister am Staatstheater Mainz, folgte er 2014 dem Ruf ans Theater Lüneburg als 1. Kapellmeister, bevor er 2015 in der gleichen Rolle an die Oper Bonn berufen wurde. Dort dirigierte er die gefeierten Inszenierungen von Madama Butterfly, La bohème, Turandot, Le nozze di Figaro, Don Giovanni, Cosi fan tutte, Die Zauberflöte, Il barbiere di Siviglia, Lucia di Lammermoor, La Traviata, Rusalka, Carmen und Philip Glass‘ Akhnaten. Während seiner Amtszeit in Bonn war er aktiv an den Bildungs- und Vermittlungsprogrammen des Beethoven Orchesters beteiligt. Zu seinen weiteren symphonischen Erfahrungen gehörten Konzerte mit den Hofer Symphonikern und dem Orchestre Symphonique de Mulhouse.

In der Saison 2018/19 wurde Stephan Zilias Kapellmeister und Assistent von Donald Runnicles an der Deutschen Oper Berlin. In der vergangenen Saison dirigierte er Wiederaufnahmen von La Traviata, Die Zauberflöte, Die Fledermaus, Carmen und Neuproduktionen von Wozzeck, La Sonnambula und Detlev Glanerts neuer Oper Oceane.

Zu Beginn der Spielzeit 2019/20 gab er sein Hausdebüt an der Staatsoper Hannover mit Salome und kehrte später für symphonische Konzerte zurück. Außerdem dirigierte er Aufführungen mit dem Beethoven Orchester Bonn und an der Deutschen Oper Berlin (Don Giovanni, La Traviata, Die Zauberflöte, Die Fledermaus, Nabucco und Langgaards Antikrist). Weitere Hausdebüts in dieser Saison sind Auftritte an der Oper Leipzig (Il barbiere di Siviglia) und bei den Opernfestspielen von Savonlinna (Carmen).

Für die Zukunft sind Debüts im Herkulessaal der Residenz München, im Wiener Konzerthaus und an der Royal Swedish Opera geplant. Außerdem kehrt er an die Deutsche Oper Berlin zurück, um in den nächsten zwei Spielzeiten vier Produktionen als Gastdirigent zu dirigieren.

Im Mai 2018 wurde Stephan Zilias vom Honours Committeein London zum Associate of the Royal Academy of Music ernannt.

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

Essen, Klavierfestival Ruhr 2020, Klavier-Festival Ruhr beflügelt digital, April 2020

Klavierfestival Ruhr 2020

Klavierfestival 2020 / Daniel Barenboim © Peter Wieler

Klavierfestival 2020 / Daniel Barenboim © Peter Wieler

Klavier-Festival Ruhr beflügelt digital

Das Klavier-Festival Ruhr beflügelt digital: Ab Karfreitag, 10. April, überbrückt es die bevorstehende konzertlose Zeit mit Video- und Tonaufnahmen von Konzerten der vergangenen Jahre. „Wir wollen unser Publikum während der Pandemie nicht alleine lassen“, erklärt Intendant Franz Xaver Ohnesorg hierzu in einer Videobotschaft. „Hervorragende Aufnahmen aus der CD-Reihe ‚Edition Klavier-Festival Ruhr‘ und DVD-Aufzeichnungen unserer Konzerte sollen dazu beitragen, diese nicht ganz einfache Zeit zu überstehen. Die Musik soll aufbauen, ermuntern und zuversichtlich machen.“

Das „Digitale Klavier-Festival Ruhr“ startet am Karfreitag, 10. April um 10 Uhr unter der Adresse http://www.klavierfestival.de/musik-fuer-zuhause mit einer Video-Aufnahme der beiden Klavierkonzerte von Franz Liszt in einer schon heute als historisch geltenden TV-Aufzeichnung mit Daniel Barenboim und der Staatskapelle Berlin unter der Leitung des im Jahr 2016 verstorbenen Großmeisters Pierre Boulez. Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven, gespielt von Benjamin Moser und Mona Asuka, sind ab 14. bzw. 16. April zu hören.

Am Samstag, 18. April startet eine Video-Live-Aufnahme vom Klavier-Festival Ruhr 2010: Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin spielen unter der Leitung von Andris Nelsons Frédéric Chopins Klavierkonzert Nr. 1 in e-Moll op. 11. Am 20. und 22. April werden wiederum Klavierwerke Ludwig van Beethovens übertragen, diesmal interpretiert von Herbert Schuch und Tamara Stefanovich. Das Video des Zweiten Klavierkonzert Nr. 2 f-Moll op. 21 Frédéric Chopins – wieder mit Daniel Barenboim und Andris Nelsons – ist ab 25. April zu sehen. Den April-Spielplan beschließen ab 27. April Dennis Russell Davies und Maki Namekawa mit Ausschnitten aus Beethovens Fidelio in einer Klavierfassung Alexander Zemlinskys und ab 29. April Benjamin Moser mit der c-Moll-Sonate Nr. 32 op. 111.

Die Aufnahmen sind an den genannten Tagen ab 10 Uhr unter http://www.klavierfestival.de/musik-fuer-zuhause abrufbar. Die Video-Mitschnitte mit Daniel Barenboim bleiben jeweils nur für wenige Tage verfügbar.
Stiftung


Klavier-Festival Ruhr: Digitaler Spielplan April 2020


 

Karfreitag, 10. April, ab 10 Uhr bis Dienstag, 14. April, 10 Uhr
Franz Liszt: Die beiden Klavierkonzerte (VIDEO)
Richard Wagner: Eine Faust-Ouvertüre | Siegfried-Idyll
Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin, Pierre Boulez (Dirigent)
Live vom Klavier-Festival Ruhr, Philharmonie Essen, 9./10. Juni 2011

Dienstag, 14. April, ab 10 Uhr
Ludwig van Beethoven: Sonate Nr. 17 d-Moll op. 31/2 “Der Sturm” (AUDIO)
Benjamin Moser
Live vom Klavier-Festival Ruhr, Martinstift Moers, 25. Mai 2011
Edition Klavier-Festival Ruhr, Vol. 28

Donnerstag, 16. April, ab 10 Uhr
Ludwig van Beethoven: Sonate Nr. 8 in c-Moll op. 13 „Pathétique“ (AUDIO)
Mona Asuka
Live vom Klavier-Festival Ruhr, Amphi-Saal, Harenberg City Center Dortmund, 1. Juli 2008
Edition Klavier-Festival Ruhr, Vol. 22

Samstag, 18. April, ab 10 Uhr bis Montag, 20. April, 10 Uhr
Frédéric Chopin: Klavierkonzert Nr. 1 in e-Moll op. 11 (VIDEO)
Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin, Andris Nelsons (Dirigent)
Live vom Klavier-Festival Ruhr, Philharmonie Essen, 1. Juli 2010

Montag, 20. April, ab 10 Uhr
Ludwig van Beethoven: Sonate Nr. 23 f-Moll op. 57 “Appassionata” (AUDIO)
Herbert Schuch
Live vom Klavier-Festival Ruhr, Robert-Schumann-Saal Düsseldorf, 27. Mai 2006
Edition Klavier-Festival Ruhr, Vol. 15

Mittwoch, 22. April, ab 10 Uhr
Ludwig van Beethoven: Sonate Nr. 25 in G-Dur op. 79 (AUDIO)
Bagatellen op. 119 / op. 126 (Auswahl) (AUDIO)
Tamara Stefanovich
Live vom Klavier-Festival Ruhr, Stadthalle Mülheim an der Ruhr, 21. Juni 2007
Edition Klavier-Festival Ruhr, Vol 17

Samstag, 25. April, ab 10 Uhr bis Montag, 27. April, 10 Uhr
Frédéric Chopin: Klavierkonzert Nr. 2 f-Moll op. 21 (VIDEO)
Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin, Andris Nelsons (Dirigent)
Live vom Klavier-Festival Ruhr, Philharmonie Essen, 1. Juli 2010

Montag, 27. April, ab 10 Uhr
Ludwig van Beethoven: Fidelio (Auszüge; AUDIO)
Fassung für Klavier zu vier Händen von Alexander Zemlinsky
Dennis Russell Davies, Maki Namekawa
Aufnahme 2007, Brucknerhaus Linz
Edition Klavier-Festival Ruhr, Vol. 16

Mittwoch, 29. April, ab 10 Uhr
Ludwig van Beethoven: Sonate Nr. 32 in c-Moll op. 111 (AUDIO)
Benjamin Moser
Live vom Klavier-Festival Ruhr, Martinstift Moers, 25. Mai 2011
Edition Klavier-Festival Ruhr, Vol. 28

Der digitale Spielplan für Mai 2020 wird in der letzten Aprilwoche bekannt gegeben.

—| Pressemeldung Klavierfestival Ruhr |—

Berlin, Pentatone – Musikhören und digitaler Wandel, IOCO, 07.02.2019

Februar 9, 2019 by  
Filed under Hervorheben, IOCO - CD-Rezension, Konzert, Oper

 

Pentatone LOGO

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PENTATONE

PENTATONE – Die Welt des Labels 

Womit überrascht es 2019 – Musikhören und digitaler Wandel

von Michael Stange

Musik wird heute meist mittels Mobil- oder Hi-Fi-Geräten erlebt. Tonträger und Technik sind dadurch zentral für das Hörerlebnis und die Erwartungen an Live-Konzerte. Vorschläge der Streamingsdienste für nach Computeralgorithmen generierte Playlists prägen in weiten Teilen den Geschmack der Hörer.

Tamara Stefanovich und Kaspar van Kooten PENTATONE © Jörg Rüger, Berlin, httpswww.sichtbarkeiten.de

Tamara Stefanovich und Kaspar van Kooten PENTATONE © Jörg Rüger, Berlin, httpswww.sichtbarkeiten.de

Meilensteine dieses Wandels waren die Erfindung der Tonaufnahme und die Verbreitung von Musik aller Kontinente durch Schallplatten und später durch die Kurzwellensender der Radiostationen aller Welt. Bald danach boten Schallplatten und CDs die Möglichkeit, sich vertieft und eigenständig in alle Erteile, Epochen und Musikrichtungen zu begeben.

Entsprechende technische Geräte zogen in die Wohnungen der Hörer. So wurden Künstler weltbekannt und Plattenlabel verkauften manche Tonträger millionenfach mit immensem Profit.

Mit der Digitalisierung wurden diese Geschäftsmodelle zu Grabe getragen. Tonträgermarkt und Hörverhalten haben sich revolutioniert. Streaming Dienste ersetzen physische Tonträger. Kostenlos verfügbare Angebote wie youtube bieten gigantische Musikbibliotheken und früher kaum Beschaffbares steht nach einem Klick gratis zur Verfügung.

Arabella Steinbacher © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

Arabella Steinbacher © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

Ein Umstand spielt aber heute noch den verbliebenen rührigen Plattenlabels in die Hände. YouTube, digitale Radiosender und mancher Stream geraten Hinsichtlich der Klangqualität rasch an ihre Grenzen.

Schlecht Aufgenommenem und stark Komprimiertem fehlen Dynamik, Präzision und Klangschönheit. Ergänzt durch leistungsschwache Wiedergabegeräte bleiben insbesondere bei Orchester-, Vokal- und Instrumentalaufnahmen am Kopfhörer des Smartphones viele Wünsche nach wirklichkeitsgetreuer, raumfüllender Wiedergabe offen.

Dass Klangvollendetes Hören mit guten technischen Geräten für die Musikwiedergabe beginnt haben die Konsumenten erkannt. Der Markt für Hi-Fi-Komponenten wächst. Umsätze für Verstärker, Streaming Geräte und Hi-Fi-Lautsprecher steigen. Der Trend zu hochwertigen Geräten und höheren Preisen scheint ungebrochen.

Die vollendete Wiedergabequalität gewährleisten heute Super Audio CD (SACD), CD, ein hochauflösender Stream oder ein hochwertiger Download. Bindeglied zwischen Musik und Wiedergabegeräten sind qualitativ hochwertigen Aufnahmen, die sämtliche Möglichkeiten der heutigen Aufnahme- und Wiedergabemöglichkeiten nutzen.

Im Klassikbereich müssen Musiklabels daher noch mehr als früher auf technisch und künstlerisch hochwertige Aufnahmen als Markenzeichen und Alleinstellungsmerkmale setzen. Dies wird idealerweise durch einen vielfältigen spannenden Katalog mit Bewährtem und Neuem ergänzt.

  PENTATONE  –  Das Label

Große Interpretationen und perfekte Technik gehören zur Philosophie von PENTATONE. Mit der Qualität der Künstler und der technischen Perfektion der Aufnahmen wird kräftig gepunktet. Der exquisite Geschmack bei der Auswahl des Repertoires, die Vielfältigkeit des Katalogs, der außerordentlich große Reigen an brillanten Künstlerinnen und Künstlern, ihre Interpretationen und der Klang der Aufnahmen begeistern.

Simon Eder, der Geschäftsführer von PENTATONE, fasste dies dergestalt zusammen, dass Tonträgerproduzenten bzw. Label heute auch die Aufgabe haben, die Künstler in den Mittelpunkt zu stellen und sie durch Marketing auch in den sozialen Medien zu unterstützen.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die Güte der Aufnahmen und die technische Qualität idealerweise derart faszinieren, dass Musikfans gern auch zu bisher für sie Unbekanntem greifen, weil sie dem musikalischen Geschmack des Teams von PENTATONE vertrauen.

Denis Kozhukhin, Renaud Loranger © Jörg Rüger, www.sichtbarkeiten.de

Denis Kozhukhin, Renaud Loranger © Jörg Rüger, www.sichtbarkeiten.de

Die Aufnahmen sind von höchster Qualität. Mit Spitzentechnologie und kundigen Toningenieuren wird die Musik naturgetreu eingefangen. Dies ist dem PENTATONE Label auch ein wenig in die Wiege gelegt. Seine Gründer waren drei ehemaligen leitende Angestellten der Philips Classics Records. Sie setzen auf den 5-Kanal-Surround-Sound als Ersatz für den Stereoklang. Der Vorläufer dieser Technologie war die Quadrophonie im Hi-Fi Bereich. In den siebziger Jahren ersonnen und erprobt, hat sie sich bei Industrie und Hörern wegen komplexer technischer Anforderungen, der Preise für die erforderlichen Geräte und des Erfordernisses von vier Lautsprechern nicht durchgesetzt. Dies hat sich durch technische Innovationen und die Beliebtheit von auch für die Wiedergabe von Filmen verwendbaren Surround Systemen heute gewandelt.

Bisher sind 27 Quadrophonie-Einspielungen legendärer Philips-Classics-Künstler jener Epoche auf SACD erschienen. Sie kommen in exzellenten 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie es 1970 geplant war. Dadurch besteht beispielsweise erstmals die Möglichkeit, Rafael Kubeliks Beethoven – Zyklus mit dem Concertgebouw Orchester in dieser damals revolutionären Technologie zu hören.

Hauptteil des Katalogs sind aber Neueinspielungen in brillanter Qualität. Unter Marek Janowski liegen Richard Wagner Hauptbühnenwerke auf 33 SACDs vor. Darüber hinaus enthält der Katalog in Hülle und Fülle weitere Komponisten und hervorragende Interpreten.

Alle PENTATONE-Aufnahmen erscheinen auf sogenannten hybriden SACDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal liegt. Diese hybriden Tonträger können in Stereo auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround-Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SACD-Spieler und eine Sourround-Hi-Fi-Anlage.

Guy Braunstein © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

Guy Braunstein © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

Schon mit einem CD Spieler oder einem Wiedergabegerät für Streams kann der Stereo-Hörer in die PENTATONE Welt eintauchen. Die SACDs brillieren auch dort durch räumliche Klangwiedergabe, blühende Farben von Orchester und Instrumenten, ihre Dynamik und die Klangschönheit der Aufnahmen.

Die Aufnahmen:

CD Anna Lucia Richter –  Heimweh

Liedern mit dem Thema Heimweh von Franz Schubert widmet der Sopran Anna Lucia Richter ihr ihre Debüt-Album bei PENTATONE.

Selbst Hörer, die dem Liedgesang erst für sich entdecken dürften die Interpretationen und die Hingabe von Anna Lucia Richter in ihren Bann ziehen. Anna Lucia Richter ist in der Welt des Liedes zutiefst zu Hause und hat mit dem Album belegt, dass sie zur ersten Reihe der heutigen Liedinterpretinnen gehört. Ihr gelingt es mit Poesie, Musikalität und Charisma den Hörer zu umgarnen und in die Welten der Dichter und Schuberts Musik zu entführen. Ihr glockenheller Sopran punktet in Tiefe und Mittellage mit bronzefarbenem Timbre und erreich silbrig schimmernde, jauchzende Höhen. Ihr Album gestaltet sie mit musikalischer Präzision, Textdeutlichkeit und glutvollen, beseelten Stimmfarben. Das Textbuch kann getrost zur Seite gelegt werden. Durch ihre sprudelnden Stimmfarben und ihre tiefe emotionaler Involviertheit gelingt es ihr, die Zuhörer an den Lautsprechern schon nach den ersten Takten ihren Bann zu ziehen.

Beispielhaft ist die erste Zeile des Liedes Nr. 2 der Mignon. „Heiß mich nicht reden..“, die sie mit ungemein verhaltener Melancholie nimmt, bei „der Sonne Lauf“ blüht die Stimme wie Sonnenlicht auf, verschattet sich wie Nebel bei „der finstern Nacht“ und leuchtet danach wieder intensiv bei „erhellen“ auf. Jedes Lied ist mit einer Stilsicherheit, einem tiefen inneren Erleben und einer Intensität vorgetragen, die Staunen macht. Gerold Huber spürt die Farben und den Atem der Lieder und des Soprans. Seine schwebende und musikalische intensive Begleitung tragen einen großen Teil zur Stimmigkeit und Schönheit dieser Liedeinspielungen bei. Technisch punktet die Aufnahme durch eine kammermusikalische Atmosphäre, klaren Klang und getreue Wiedergabe von Stimme und Klavier ein wesentlicher Faktor dieses wunderbaren Albums ist. Ungemein beglückend und emotional zutiefst berührend.  Bravo!

CD Richard Strauss – Alpensinfonie –  hr-Sinfonieorchester Frankfurt und
Andrés Orozco-Estrada

Die Alpensinfonie von Richard Strauss ist üppig-illustrierte Reise. Das kühne, optimistische und leidenschaftliche Werk erzählt in 22 Abschnitten von einer Bergbesteigung und dem folgenden Abstieg. Sie stellt entfesselte und ekstatische Ausbrüche orchestraler Farben neben Momente ehrfürchtiger Betrachtung der Naturschauspiele. Strauss verband im Werk persönliche Erinnerungen sowie Reaktionen die Tode Friedrich Nietzsche und Gustav Mahlers Jahr 1911. So entstand das Werk in einer Zeit, in der klar war, dass die alte Welt unterging. Er selbst schrieb in seinem Tagebuch: „Ich möchte meine Alpensinfonie Anti-Christ nennen. Sie ist eine moralische Reinigung durch eigene Anstrengung, Befreiung durch Arbeit und Anbetung der ewigen, ruhmvollen Natur.“ Im Jahr 1915 ist es vor den „Vier letzten Liedern“ der erste Weltabschied von Richard Strauss von seiner damaligen gewohnten Welt, der Monarchie und ihrer Bürgerlichkeit, die mit Beginn des 1. Weltkriegs versank.

Johannes Moser © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

Johannes Moser © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

In Orchesterfarben und Klangbild der Alpensinfonie finden sich viele traditionelle Klänge und Bezüge zur Spätromantik. Die interpretatorische Tücke liegt darin, Strauss Intentionen nicht als Kitsch abzutun, sondern sie schwelgerisch auszukosten und die Partitur erblühen zu lassen statt die Orchesterfarben durch rasche Tempi zu verwischen, zu verdecken oder zu „glätten“.

Dies gelingt dem Sinfonieorchester des Frankfurter Rundfunks und Andrés Orozco-Estrada vortrefflich. Die beredsame Phrasierung und die klare und glutvolle Spielweise sind ein großer Pluspunkt der Aufnahme. Orozco-Estradas Ansatz besticht durch warmen Ton und majestätisches Ausloten der Partitur. Die „Vision“ wird mit weitem Atem gespielt und lyrisch ausgekostet. Orozco-Estrada lässt die Schweizer Natur auf der Alm vor dem Auge des Hörers erstehen. Innigkeit und Freude des Spiels atmen Grasgeruch und Sonnenlicht. Die vielen Bilder der Sinfonie erstehen durch die Spielfreude des Orchesters lebhaft vor dem Auge des Zuhörers. Spannungen werden sorgsam vorbereitet, gut aufgebaut und machtvoll durchlebt. Orozco-Estradas Sichtweise überzeugt durch herrlicher Wärme und Größe. Ein immenser Pluspunkt ist auch die klangliche Brillanz der Aufnahme der Performance und der Farbreichtum.

Zehn Minuten länger als Richard Strauss in seiner Einspielung von 1941 oder fünf Minuten länger als Hans Knappertsbusch braucht Orozco-Estrada. Die Musik fließt, sie bleibt trotz Auskosten intensiver Momente nie stehen. Geschaffen wird eine Alpensinfonie, in der sich Melodie und Farben organisch entwickeln und die durch beseelte Interpretation besticht. Orozco-Estrada hat eine extrovertierte, aber auch sehr aufrichtige und liebevolle Vision der Alpen im Sinne von Richard Strauss für die heutigen Hörer aufgenommen.

Die Aufnahme atmet den Geist des Werkes in seiner Melancholie und Anbetung der Natur. Sie besticht durch ihre Musikalität und Leidenschaft. Luxuriös ausgekostet, wissend im Detail und liebevoll in den Klangfarben haben Orchester und Dirigent hier einen wertvollen Beitrag zur Strauss Discographie geleistet.

Die Aufnahmequalität ist perfekt. Der Orchesterklang warm und durchsichtig, die Balance zwischen den Instrumenten und die Dynamik perfekt. Das Versprechen auf der Rückseite des Booklet  „Sit back and enjoy“  wird vollends erfüllt.

PENTATONE Event Berlin 2019

Ihr Label und die Pläne für 2019 stellten PENTATONE Vorstand Simon Eder, Renaud Loranger (Vorstand Artists and Repertoire) und Kasper van Kooten (Produkt Manager) vor.

Im Februar wird die Schubert Lied CD Heimweh mit Anna Lucia Richter erscheinen. Sämtliche Planungen finden sich schon auf der Webseite des Labels (http://www.PENTATONEmusic.com/releases).

Tamara Stefanovich © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

Tamara Stefanovich © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

Im März 2019 wird die Pianistin Tamara Stefanovich eine CD mit Werken von Bach, Messiaen, Béla Bartók, Charles Ives veröffentlichen. Man darf gespannt sein. Für sie bedeutet Klavierspiel auch die Suche nach authentischer Musik. Dies demonstrierte sie beim Release Event mit Ausschnitten aus Sonaten von Ives. Mit Verve, Leidenschaft und fein durchgeformtem Anschlag interpretierte sie diesen faszinierenden Komponisten.

Ein weiterer Höhepunkt dürfte die Klavier CD Denis Kozhukhins mit Grieg und Mendelssohn werden. Sein Grieg paart Kühle und Feuer. Mit technischer Brillanz bot er Kostproben seiner Sicht auf Grieg, die neugierig machten.

Arabella Steinbacher gab Charmant einen Ausblick auf ihre im Oktober erscheinende CD Four Seasons mit Werken von Antonio Vivaldi und Astor Piazzolla, die sie mit dem Munich Chamber Orchestra eingespielt hat. Einen glutvollen, mitreißenden Vorgeschmack darauf gab sie mit Stücken aus den Jahreszeiten von Piazzola.

Johannes Moser präsentierte seine Sicht auf Mendelssohn Cello Sonaten mit rundem Bogen und innigem Ton. Diese CD erscheint im August 2019. Nebendem ist vieles mehr zu erwarten. Stöbern lohnt sich.

Eine gelungene Veranstaltung mit einem sympathischen, gut aufgelegten Reigen an Künstlern und Musikproduzenten. Die Ankündigungen und musikalischen Kostproben machten auf die Veröffentlichungen gespannt. Ein runder Auftakt für das Musikjahr 2019.

—| IOCO CD-Rezension |—

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