Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Premiere – Freundeskreis, Die Zauberflöte, IOCO Kritik, 14.09.2014

September 19, 2014 by  
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Düsseldorf / Deutsche Oper am Rhein_Die Zauberflöte © Hans Joerg Michel

Düsseldorf / Deutsche Oper am Rhein_Die Zauberflöte © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein

Die Zauberflöte – Wolfgang Amadeus Mozart
Freundeskreis-Premiere, 14.09.2014

Diese Inszenierung von Mozarts populärer Oper Die Zauberflöte (eine der meistgespielten Opern) sollte man unbedingt besuchen. Welch ein Spaß! Für alle Mühseligen und Beladenen ist es ein absolutes Muss, mal drei Stunden den Alltagssorgen zu entgehen. Diese geistreiche, witzige, von optischen Einfällen überbordende Inszenierung macht das möglich.

Es ist eine Produktion der Komischen Oper Berlin, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Oper am Rhein und lief schon mit Riesenerfolg in der vergangenen Spielzeit im Duisburger Haus.

 Düsseldorf / Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte © Hans Joerg Michel

Düsseldorf / Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte © Hans Joerg Michel

Der Regisseur Barry Kosky und sein Team ließen Mozarts Meisterwerk im digitalen Zeitalter ankommen. Es wurde ein farbiges, effektvolles, sprühendes Animationstheater. Kosky hatte sich mit den Video-Animationskünstlern Suzanne Andrade und Paul Barritt, die sich als Team “1927“ nennen (1927 endete die Stummfilmzeit) zusammen getan. In diese Zeit legten sie auch ihre Inszenierung.

Auf eine weiße Wand werden die tollsten Sachen projiziert. Diese Wand hat an verschiedenen Stellen Drehtüren mit Böden, auf denen die Sänger stehen und “hereingedreht“ werden. Zum Beispiel bei Taminos Auftrittsarie sieht man ihn nur bis zur Brust und mit den Armen arbeiten wie bei einem Dauerlauf. Seine laufenden Beine werden per Video eingeblendet. Ein riesiger Höllenhund verfolgt ihn und “macht ihm Beine“.

 Düsseldorf / Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte © Hans Joerg Michel

Düsseldorf / Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte © Hans Joerg Michel

Wenn Papageno in der Prüfungsszene sein Glas Wein serviert bekommt, füllen niedliche, rosa Elefanten durch ihre Rüssel das Glas.

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Zauberflöte Vorstellungen Spielzeit 2014/15:
Rheinoper Düsseldorf: 20.9.2014; 21.9.; 25.9.; 28.9.; 3. Oktober; 11.10.; 12.10.; 18.10.; 24.10; 14.11.; 20.11.; 6.12.; 9.12.; 11.12. 10.30 Uhr; 11.12. 19.30 Uhr; 14.12.2014 15 Uhr; 14.12. 19.30 Uhr, 25.12.; 9. Januar 2015; 28.1.2015; 15.2.; 5.3.; 20.3.; 16.5.; 21.5.; 25.5.; 31.5.; 5. Juni 2015
Theater Duisburg: 17.12.2014 10.30 Uhr; 17.12.2014 19.30 Uhr; 19.12.2014
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Kosky und sein Team haben auf die Dialoge verzichtet. Die Sänger brauchen in den Sprechpassagen nur stumm zu mimen. Die Worte, die sie zu sprechen hätten, werden auf die Leinwand projiziert. Ganz großartig ist der Auftritt der Königin der Nacht, aus der eine riesige Spinne wurde. Wenn Papageno und Papagena von ihren “lieben kleinen Kinderlein“ sprechen, bevölkern gleich hunderte hübsch gemalte die Wand. Dies nur einige der unglaublich vielen, witzigen Einfälle, mehr davon würde den Rahmen sprengen. Man muss es einfach gesehen haben.

Dass bei dieser gewaltigen Bilderflut manchmal die Musik ins Hintertreffen gerät, bleibt nicht aus. Zumal die musikalische Komponente sich auf höchstem Niveau präsentierte.

 Düsseldorf / Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte © Hans Joerg Michel

Düsseldorf / Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte © Hans Joerg Michel

Am Pult stand Marc Piollet und schlug sich wacker mit den prächtig disponierten Düsseldorfer Symphonikern. Klang die Ouvertüre noch ein wenig matt aus dem Graben, so sorgte Piollet schon bald für spannungsvolles Musizieren, nicht nur bedingt durch die straffen, vorwärtsdrängenden Tempi. Hervorragend war der Kontakt zur Bühne. Souverän und mit geschärfter Aufmerksamkeit unterstützte er die Sänger. Und diese Sänger waren durchwegs großartig.

Den Tamino sang Ovidiu Purcel mit sehr modulationsfähigem, flexiblem Tenor, der aber in der hohen Lage vielfach zu kraftvoll eingesetzt wurde, was auf Kosten der Ausgewogenheit ging.

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte © Hans Joerg Michel

Heidi Elisabeth Meier als Pamina gab ein Musterbeispiel für kultivierten Mozart-Gesang. Sie verfügt über eine warme, nach oben wunderbare offene Stimme. Die G-Moll-Arie mit ihren technischen Tücken hat man selten so exemplarisch gehört.

Christina Poulitsi sang mit dramatischer Attacke und klangschön, hinauf bis zum gefürchteten “F“ die Königin der Nacht. Bombensicher und ebenmäßig gerieten die Staccati.  Thorsten Grümbel gefiel durch seine Stimmkultur ebenso, wie durch seine makellose Technik. Mit schlankem Bass und großer Textverständlichkeit erfreute der junge Torben Jürgens als Sprecher.

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte © Hans Joerg Michel

Die drei Damen der Königin der Nacht, Romana Noack, Annika Kaschenz und Ramona Zaharia fanden nach etwas nervösem Beginn zu harmonischer Homogenität.

Bogdan Baciu (Papageno) gefiel durch seine mimische Beredsamkeit ebenso, wir durch seine gesangliche Leistung. Anna Tsartsidze, seine Papagena, stand ihm da nicht nach.

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte © Hans Joerg Michel

Hochkarätig besetzt waren auch die kleineren Rollen. So etwa die beiden Geharnischten Bruce Martin und Lukasz Konieczny und der in seinem Nosferatu-Outfit bizarr aussehende Florian Simson. Die drei Knaben gefielen mehr durch Munterkeit, als durch Stimme. Absolut prächtig sang der Chor, bestens einstudiert von Gerhard Michalski.

Riesenbeifall gab es für die Mitwirkenden und der war hoch verdient.

Jedem Liebhaber der Zauberflöte  kann diese Produktion nur empfohlen werden. Es sind mehr als dreißig Vorstellungen geplant. Nix wie hin!

IOCO / UGK / 14.09.2014

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Premiere DIE ZAUBERFLÖTE, 13.09.2014

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Deutsche Oper am Rhein

Opernhaus Düsseldorf © IOCO

Opernhaus Düsseldorf © IOCO

Premiere von Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Zauberflöte“

Am 13. September um 19.30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf

Unsere neue Spielzeit beginnt mit einer außergewöhnlichen Inszenierung eines echten Opernklassikers: Sehr herzlich laden wir Sie zur Premiere von Mozarts „Die Zauberflöte“ am Samstag, 13. September, um 19.30 Uhr in das Opernhaus Düsseldorf ein. Die gefeierte Inszenierung von Barrie Kosky, die er gemeinsam mit Suzanne Andrade und Paul Barritt aus der britischen Theatergruppe „1927“auf die Bühne bringt, hat in der vergangenen Spielzeit bereits am Theater Duisburg für große Begeisterung gesorgt.

Seit ihrer Uraufführung haben sich immer wieder Künstler mit dem visuellen Charakter der „Zauberflöte“ beschäftigt. Die britische Theatergruppe „1927“ steht mit ihren handgezeichneten und auf die musikalische Interpretation animierten Bildern in dieser Tradition. In Koskys Inszenierung agieren Sänger und Chor vor einer Projektionsfläche, die „Die Zauberflöte“ zu einem völlig neuen Seherlebnis werden lässt.

Als Tamino und Pamina sind in der Premierenbesetzung Jussi Myllys und Anke Krabbe zu erleben, Richard Sveda und Luiza Fatyol sind Papageno und Papagena. Thorsten Grümbel übernimmt die Rolle des Sarastro und Cornelia Götz ist die Königin der Nacht. In weiteren Rollen sind Sylvia Hamvasi, Marta Márquez, Katarzyna Kuncio, Johannes Preißinger, Luis Fernando Piedra und David Jerusalem zu erleben. Am Pult der Düsseldorfer Symphoniker steht Gastdirigent Marc Piollet.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Die Zauberflöte – Musical Cool, IOCO Kritik, 21.12.2013

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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

 Die Zauberflöte: Im Bann von Projektionen und Slapstick   

Von Viktor Jarosch

Die Opern Wolfgang Amadeus Mozart und seines Librettisten Emanuel Schikaneder begeisterten durch die Jahrhunderte. Noch heute ist Mozarts jene 1791 geschaffene   Zauberflöte  die populärste und  meist inszenierte Oper weltweit. Mozarts abgeklärt zeitlose Musik, die symbolhaften Akkorde und seine rätselhafte mystisch-phantastische Welt rührt jedes Jahr Millionen Besucher. Am Nektar dieses Erfolgs saugen seit 1791  Legionen von Regisseuren, Dirigenten und Sänger.

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte / Tamino im Magen der Schlange © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte / Tamino im Magen der Schlange © Hans Jörg Michel

So auch der Regisseur Barrie Kosky, welcher 2012 für seine Komische Oper Berlin eine zeitgeistverstrickte Zauberflöte produzierte.

Seit der Premiere sind in Berlin alle Vorstellungen der Zauberflöte ausverkauft. Die Deutsche Oper am Rhein übernahm im Dezember 2013 die Berliner Produktion. Auch im Theater Duisburg waren alle Vorstellungen ausverkauft. Intendant Christoph Meyer zeigt sich gegenüber IOCO überrascht wie begeistert vom Erfolg dieser Produktion: „Karten für diese Zauberflöte sind heftig gesuchte Mangelware„.

Die Zauberflöte der Regisseure Barrie Kosky und Suzanne Andrade bricht mit Opern-gewohnten Regieansätzen und kreiert eine moderner Leichtigkeit gewidmete Animationsshow, musikalisch untermalt von Mozarts Komposition: Eine die Bühne verdeckende Wand dient als riesige Projektionsfläche für eine zweistündige multimediale Bilderflut. In Öffnungen dieser Wand treten, von kräftigen Bild- und Tonanimationen begleitet, die Protagonisten der Zauberflöte auf. Ein schmaler Bühnenraum vor der Wand dient dem Chor oder Solisten gelegentlich für bescheidene darstellerische Ausflüge. Ein Musical wurde geboren. In schwindelerregender Höhe müssen angegurtete Sänger durch Drehtüren, um, hoch oben, auf kleinen Podesten ihre Einsätze zu treffen und Arien zu singen. Eingefleischten Rampensänger bietet diese Inszenierung wenig Platz. 800 technische Befehle steuern die animierten Bilder durch die Vorstellung.

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte / Königin der Nacht : Eine Spinne © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte / Königin der Nacht : Eine Spinne © Hans Jörg Michel

Die erste Handlung bereits trifft die volle Kraft von Projektionen: Ein riesiger Bauch einer vermeintlichen Schlange (Bild 1), darin zahllose Skelette an die Wand projiziert. In diesem Bauch rennt Tamino, animiert, singend um sein Leben: „Zu Hilfe! Zu Hilfe! Sonst bin ich…“   , die laufenden Beine perfekt abgefilmt. Die Drei Damen töten die Schlange mit Pfeilen, welche ihre Augen verschießen. Die Königin der Nacht füllt als riesige Monsterspinne nahezu die gesamte Bühnenwand aus. Ihre langgliedrigen, scharf bezahnten Laufbeine bewegen sich drohend, perfekt animiert. Auf der Bühne fügt sich das Ensemble in die Bewegungen der Monsterspinne ein.

Die Drei Knaben schweben mit Schmetterlingsflügeln in der Wandmitte. Auch Sprüche werden projiziert: Die Drei Damen erhalten die Namen: „Schwatz“, „Klatsch“, „Tratsch“: Auf die Wand projiziert, in altdeutscher Schrift, liest man sie. Flotter Musical-Jargon der Regie.

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte / Sarastro mit Zylinger, Sami und Luttinen © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte / Sarastro mit Zylinger, Sami und Luttinen © Hans Jörg Michel

Beim Auftritt von Monostatos liest man an der Wand: „Kill Sarastro“. Auch Mozarts Freimaurer-Gebote tauchen bei Sarastros Auftritt wie anderswo eher nebensächlich auf: „Weisheit“, „Gerechtigkeit“. Gegelte schwarze Haare, geweißte Gesichter, Kleidung wie Hüte bei Chor und Ensemble holen die Stummfilmzeit zurück; Charlie Chaplin oder Buster Keaton werden klammheimlich im Ensemble vermutet. Zur Arie „Ein Mädchen oder Weibchen..  werden in Sektgläsern badende und bald darauf abfliegende rosa Elefanten projiziert, vom Himmel regnet es Noten…..Mozarts musikalische Feinheiten verschwimmen im Sog von „Schwatz“, „Klatsch“, „Tratsch“. Typisch für das Regiekonzept von Barrie Kosky und Suzanne Andrade war die kaum wahrnehmbare Panflöte des Papageno. Viel Lachen und Kichern im Publikum begleiten stattdessen diese Inszenierung. Eine moderne Zauberflöte, gemacht für ein zeitgeistiges, spaßaffines Publikum.

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte / Tamino mit Traum Pamina © Hans Jörg Michels

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte / Tamino mit Traum Pamina © Hans Jörg Michels

Die farbig lebendigen Projektionen lassen das Orchester wie Solisten leider verblassen. Die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Wen-Pin Chien wirkten wenig strahlend, fast gehemmt. Die Tempi der fallenden, laufenden Bilder beschneiden die darstellerische Kraft des Ensembles. Die Stimmen des Ensembles gefallen zwar durchweg, nur schaffen sie keine Dominanz. Sami Luttinen in der Rolle des Sarastro füllte das Haus mit tiefem schwarzem  Bass. Auch Heidi Elisabeth Meier, meistert ihre schwierige Partie der Königin der Nacht mit sicheren aber zurückgenommen wirkenden Koloraturen. Jussy Myllys glänzte dagegen als Tamino, mit kräftig höhensicherem Tenor. Anke Krabbe als Pamina und Luiza Fatyol als Papagena in   verwöhnen die Besucher mit ihrem gut geführten, klangschönen Sopran. Dmitri Vargin als Papageno füllt seine Partie mit sattem Bariton und starker darstellerischer Präsenz.

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte / Tamino, Pamania und viele Kinderlein © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Die Zauberflöte / Tamino, Pamania und viele Kinderlein © Hans Jörg Michel

Projektionen, Slapsticks und flache Gags verwandeln die Zauberflöte der Rheinoper in einen Mozart-light, ein flottes Musical von unterhaltender flapsiger Leichtigkeit. Barrie Kosky implantiert die simplen Botschaften des Musical-Königs Andrew Lloyd Webber (Phantom der Oper, Cats) in Mozarts Zauberflöte: Anspruchsvolle Technik, Gags, Slapsticks, rührende Lovestory; und füllt damit die Komische Oper Berlin und die Deutsche Oper am Rhein bis auf den letzten Platz und trifft Erwartungen vieler junger Menschen. Mozarts Genius, nachdenkliches zu Menschlichkeit und Weisheit, sängerische wie orchestrale Reife findet sich nur leise versteckt, in der zweite Reihe.

Willkommen in der Spaßgesellschaft  oder  Oper, Willkommen in der Moderne

Zauberflöte Vorstellungen an der Rheinoper Düsseldorf: 20.9.2014; 12.9.; 25.9.; 28.9.; 3. Oktober; 11.10.; 12.10.; 18.10.; 24.10; 14.11.; 20.11.2014 und mehr

 

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