Dortmund, Theater Dortmund, Premiere Don Carlo, IOCO Kritik, 29.09.2013

Oktober 1, 2013 by  
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Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

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Kritik

Theater Dortmund

Giuseppe Verdi “Don Carlo“

Premiere am 29.09.2013

Theater Dortmund / Don Carlo © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Theater Dortmund / Don Carlo © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Ein weiser Spruch sagt, wo Licht ist, ist auch Schatten. Auf die Eröffnungs-Premiere der neuen Spielzeit am Theater Dortmund am Sonntag gemünzt, möchte ich diesen Aphorismus umkehren und sagen, wo Schatten ist, ist auch Licht.

Man eröffnete mit VerdisDon Carlo“ in der vieraktigen italienischen Fassung von 1884, die 17 Jahre nach der Uraufführung in Paris, in Mailand über die Bühne ging.

Der Hausherr, Opernintendant Jens-Daniel Herzog, inszenierte und der neue GMD des Hauses, Gabriel Feltz, gab nach einem begeistert aufgenommenen Philharmonischen Konzert, seinen Einstand mit Verdis Meisterwerk in der Oper.

Theater Dortmund / Don Carlo © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Theater Dortmund / Don Carlo © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Jens-Daniel Herzog hatte sich einiges einfallen lassen. Es gab viele neue Sichtweisen, die gefallen konnten, aber da waren auch Einfälle, die Rätsel aufgaben, spannende Szenen, die unter die Haut gingen, aber auch Bilder, die befremdeten und die, wie im Falle der ersten Szene des Gartenaktes, abstoßend waren. Die obszönen Aktivitäten zum Schleierlied der Eboli waren überflüssig, wie auch das alberne Getue der lüsternen, gelangweilten Hofdamen an einem Kinderplanschbecken, in dem dann der arme Page Tebaldo landete.

Rätselhaft war auch – da die Handlung offensichtlich in der Neuzeit spielt – warum Carlo, Filippo und Elisabetta historische Kostüme trugen, aber Eboli, Posa, der Großinquisitor und das Volk nicht. Die trugen normale Straßenkleidung und neuzeitliche Uniformen.

Theater Dortmund / Don Carlo © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Theater Dortmund / Don Carlo © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Zwei Bilder in Herzogs Regie berührten sehr stark. Zum einen die Szene Filippos im Escorial, in der er die Kälte seiner Frau beklagt, die ihn nie geliebt hat. Herzog ließ den Marquis Posa stumm zuhören, was sehr effektvoll war. Zum anderen der Auftritt des Großinquisitors und die sich anschließende Szene mit dem König. Auch diese ließ Herzog von Posa belauschen, der ja zum Vertrauten des Königs geworden war. Das machte Sinn.

Sehr beeindruckend war das Autodafé-Bild im 2. Akt. Hier büßten keine Ketzer (wie üblich), die sich der allmächtigen Kirche widersetzt hatten und auf Geheiß der mächtigen Inquisition verbrannt wurden. Hier saßen Militärs (in Uniformen der Militärdiktatur) mit dem König bei Tisch, bewirtet mit Brot und Wein, die danach von Inquisitoren erschossen wurden. Das war eine Sichtweise mit sehr starker Wirkung und effektvoll zugleich. Denn man hatte erwartet, dass den sechs flandrischen Gesandten der Garaus gemacht würde.

Für die Ausstattung zeichnete Mathis Neidhart verantwortlich. Seine Kostümentwürfe waren mehr oder minder unauffällig, selbst die drei Prunkkostüme glänzten durch Schlichtheit, wie auch das Bühnenbild, das sich aber durch verschiebbare Wände und einem fahrbaren Kubus hervorragend bespielbar zeigte.

Theater Dortmund / Don Carlo © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Theater Dortmund / Don Carlo © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Auch die musikalische Seite der Produktion geriet nicht einheitlich und zeigte

Licht und Schatten. Der neue Dortmunder Generalmusikdirektor Gabriel Feltz hatte durchaus das richtige Gespür für diese kostbare Musik Verdis, für das rhythmische Gefüge dieser breit gefächerten Partitur. Er bevorzugte durchwegs ein zügiges Tempo und setzte auf  höchstmögliche Transparenz. Das geriet alles sehr gut. Auch die höchst aufmerksame Begleitung der Sänger ist positiv hervorzuheben. Was wirklich zu bemängeln ist, waren die unglaublichen Klanggipfelungen, die aus dem Graben schallten. Die Philharmoniker zeigten sich in glänzender Verfassung und Spiellaune. Aber es war vielfach zu laut. Das nervte auf die Dauer und hatte auch Auswirkungen auf die Sänger.

Wunderbar homogen waren die von Granville Walker einstudierten Chöre des Theaters Dortmund. Die, angefeuert vom Pult, ließen hören, was in ihnen steckt. Insbesondere die Herren zeigten enorme Lungenkraft.

Die Titelpartie war mit dem kanadischen Tenor Luc Robert besetzt. Er gab an diesem Abend hier sein Deutschland-Debüt. Er verfügt über eine technisch gut sitzende Stimme, die farblich ein wenig neutral klingt, aber mit einer offenen, kraftvollen Höhe prunkt, die er auch einzusetzen immer bereit war. Darstellerisch wirkte er ziemlich schwerfällig, was aber auch an dem die Bewegung hemmenden Kostüm liegen könnte.

Susanne Braunsteffer fand die rechten Töne für die unglückliche, zwischen den Fronten stehende Königin. Die farblich nicht sehr interessante Stimme wurde makellos, sowie technisch perfekt geführt und hatte auch im Extrembereich keine Schwierigkeiten. Sie behauptete sich auch im dicksten Tutti souverän.

Den Posa sang Gerardo Garciacano. Die Stimme war auch im Forte noch weich, hatte ein angenehmes Timbre, Fülle und Flexibilität. Zudem ist er ein glänzender Darsteller.

Der chinesische Bass Wen Wie Zhang sang den König mit schlankem Bass, kraftvoll, recht gut verständlich und in der Darstellung sehr eindringlich.

Theater Dortmund / DonCarlo © Theater Dortmund

Theater Dortmund / DonCarlo © Theater Dortmund

Theater Dortmund / Don Carlo © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Theater Dortmund / Don Carlo © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Theater Dortmund / Don Carlo © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Theater Dortmund / Don Carlo © Thomas M. Jauk / Stage Picture

 

 

 

 

 

 

Theater Dortmund / Don Carlo © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Theater Dortmund / Don Carlo © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Katharina Peetz war mit der dramatischen Partie der Prinzessin Eboli überfordert. Die durchaus schöne Stimme (ihre außerordentliche Adalgisa ist noch gut in Erinnerung) hatte mit der dramatischen Anlage der Partie zu kämpfen und die Sängerin musste häufig forcieren um durchzukommen. Hinzu kam, dass der Regisseur sie ziemlich unangenehm und unsympathisch zeichnete. Doch das zog sie bewundernswert durch. Sie hatte die größte Agilität von allen Solisten.

Den Großinquisitor gestaltete Christian Sist. Wenngleich er kein ausgesprochen schwarzer Bass ist, verstand er es hervorragend, die Kälte des Großinquisitors, seine erloschene Menschlichkeit und den Starrsinn des Mannes vokal umzusetzen.

Wie immer in Dortmund waren auch die kleinen Rollen sehr gut besetzt. Stellvertretend für alle sei da genannt Karl Heinz Lehner, der mit sonorem Bass den Mönch sang.

Starker Premierenbeifall nach der Aufführung, doch auch einige Buhs waren nicht zu überhören.

IOCO / UGK / 29.09.2013

—| IOCO Kritik Theater Dortmund |—

Dortmund, Theater Dortmund, Premiere DON CARLO, 29.09.2013

September 27, 2013 by  
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Theater Dortmund

Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

DON CARLO von Giuseppe Verdi

Premiere Sonntag 29.09., 18 Uhr; Weitere Vorstellungen:29. September, 12. Oktober, 20. Oktober, 03. November, 08. November, 16. November, 8. Dezember 2013
 
Das Verdi-Jahr geht am Theater Dortmund in die zweite Runde: Nach dem TROVATORE in der letzten Saison steht nun Verdis DON CARLO auf dem Spielplan des Opernhauses Dortmund. Die Inszenierung ist eine Koproduktion mit dem Nationaltheater Mannheim, wo sie im Februar 2013 Premiere hatte. Regisseur und Opernintendant Jens-Daniel Herzog hat sie nun mit „seinen“ Sängerinnen und Sängern am Theater Dortmund erarbeitet. Premiere ist am Sonntag, den 29. September, um 18 Uhr, im Opernhaus Dortmund.
 
Am Pult der Dortmunder Philharmoniker steht Gabriel Feltz, der neue Generalmusikdirektor. Nach dem triumphalen Erfolg, den er mit Strauss‘ Alpensinfonie und Beethovens „Pastorale“ beim ersten Philharmonischen Konzert in dieser Woche im Konzerthaus Dortmund feiern konnte, gibt er nun auch seinen Einstand im Opernhaus Dortmund.
Theater Dortmund / Don-Carlo-Darsteller Luc Robert © Gerardo Garciacano/Theater Dortmund

Theater Dortmund / Don-Carlo-Darsteller Luc Robert © Gerardo Garciacano/Theater Dortmund

 
In der Titelrolle ist der kanadische Tenor Luc Robert zu hören, der damit zugleich sein Deutschland-Debüt gibt. In Rennes, Nantes und an der Opéra de Québec sang er den Nemorino in Donizettis „Liebestrank“. An der Pacific Opera Victoria war er als Herzog in Verdis „Rigoletto“ und Malcolm aus „Macbeth“ zu erleben. Zuletzt trat er an den Opernhäusern von Malmö („Luisa Miller“) und Helsinki („Thaïs“) auf. Zu seinem Repertoire gehören auch die Tenorpartien in Verdis Requiem und Puccinis Messa di Gloria.  
 
Die Rolle von Carlos‘ Stiefmutter (und ehemaligen Verlobten) Elisabeth singt bei der Premiere die junge bayerische Sopranistin Susanne Braunsteffer (in Dortmund bereits als Troubadour-Leonora zu hören), in späteren Vorstellungen Christiane Kohl. In der Rolle des Marquis Posa alternieren die Ensemblemitglieder Sangmin Lee und Gerardo Garciacano, in den Rollen des König Philipp und des Großinquisitors Wen Wei Zhang und Christian Sist. Katharina Peetz singt die Prinzessin Eboli. In weiteren Rollen sind zu hören: Karl-Heinz Lehner (Ein Mönch), Julia Amos (Tebaldo), John Zuckerman (Lerma) und Anke Briegel (Stimme vom Himmel). Die sechs flandrischen Deputierten sind vorwiegend Studenten der Folkwang-Hochschule Essen.
 
Das Bühnenbild schuf Mathis Neidhart, der zusammen mit Verena Polkowski auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet. Den Chor studierte Granville Walker ein.
 
Das Werk wird in  der vieraktigen Fassung in italienischer Sprache gezeigt. Die Vorstellungen laufen von Ende September bis Anfang Dezember. 
—| Pressemeldung Theater Dortmund |—

Dortmund, Theater Dortmund, Il Trovatore, IOCO Kritik, 08.02.2013

Februar 11, 2013 by  
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Kritik

Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Giuseppe Verdi  und  Il Trovatore

Premiere am 02.02.2013, Besuchte Vorstellung am 08.02.2013

Ein neuer Troubadour im Theater Dortmund schon lange überfällig. Der letzte Troubadour liegt meines Wissens schon mehr als zehn Jahre zurück. So ist der 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi ein guter Anlass, dies Werk auf die Bühne der Oper Dortmund zu bringen.

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture - Theater Dortmund

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture – Theater Dortmund

Es ist eine wüste, abstruse Geschichte, die Giuseppe Verdi Mitte der 1850er Jahre auf eine  Tragödie des Spaniers Gutierrez vertonte und 1853 in Rom uraufgeführte. Die Geschichte um Macht, Hexerei, Kriege und Liebe zwischen Verrat und Hingabe wäre ungenießbar, wenn nicht Verdis kraftvolle, melodienreiche, wunderbare Musik sie adeln würde.

 

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture - Theater Dortmund

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture – Theater Dortmund

Es ist eine ideale Sängeroper. Der legendäre Enrico Caruso meinte, es würde reichen, wenn man die vier größten Sänger der Welt auf die Bühne stellte, dann hätte man die ideale Besetzung.

Wie will man also solch ein Werk inszenieren? Es hat viele Deutungen gegeben. Hier in Dortmund verlegte die Hausregisseurin Katharina Thoma die ursprünglich im 15. Jahrhundert in Aragón angesiedelte Handlung in die Bürgerkriegsjahre Spaniens mit allen unerlässlichen wie lässlichen Zutaten. Ihre Betrachtungsweise ist interessant, trägt aber letztlich wenig dazu bei, die diffuse Handlung aufzuhellen. Hinzu kommt, dass ihre Personenführung viel im Statischen verweilt.

Thoma’s Ausstatterin Julia Müer baute ihr eine karge, graue, bedrückende Betonlandschaft mit Luken, Gittern und verschiebbaren Wänden, auf die häufig Kriegsgräuel projiziert wurden.

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture - Theater Dortmund

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture – Theater Dortmund

Bei den Kostümen, die Irina Bartels entwarf, dominierten die Uniformen. Ansonsten herrschte Alltagskleidung vor, weiße Nonnengewänder und etwas Zigeunerkolorit bei Azucena und Manrico.

Die musikalische Seite hatte viel Licht.  Ganz fabelhaft war der Chor des Theaters (von Granville Walker einstudiert). Er ließ wieder einmal erkennen, dass er zu den besten der Region zählt. Doch an diesem Abend ließen sich leider einige Wackler nicht überhören. Aus dem Graben klang es gut. Die Dortmunder Philharmoniker unter der diskreten Führung von Lancelot Fuhry, spielten präzise, sauber und akkurat.

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture - Theater Dortmund

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture – Theater Dortmund

Aber der entscheidende Funke, der da heißt “Italianatá“, und der ein orchestrales Feuerwerk entfachen sollte, wollte nicht zünden.

Die Titelpartie sang der italienische Tenor Stefano La Colla. Seine Stimme hat Biss, große Strahlkraft, ist von angenehmer Farbe und weiß mit einer bombigen Höhe zu punkten. Letzteres verleitet natürlich gelegentlich zu mehr Power, als nötig wäre.

 

Seine Leonora war Susanne Braunsteffer. Die junge Sängerin ist Absolventin des Salzburger Mozarteums. Sie verfügt über einen angenehmen, gut klingenden Spintosopran, der kaum Mühe mit der diffizilen Partie hatte, aber in hohen Lagen schneidend wurde. Sie verstand es gut, der zwischen Liebe und Leid schwankenden Partie Profil zu geben.

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture - Theater Dortmund

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture – Theater Dortmund

Ein wenig zu kultiviert sang die sympathische Hermine May die Zigeunerin Azucena. Ein paar saftige Orgeltöne im unteren Register sind einfach unerlässlich bei dieser Partie. Ihr fehlte einfach die Durchschlagskraft, sich im Tutti zu behaupten. Ganz toll klang ihre Stimme bei “ai nostri monti“, da konnte kein voller Orchestersound sie eindecken. Darstellerisch war sie sehr engagiert und berührte insbesondere im Finale des letzten Bildes. Ganz prächtig spielte und sang Wen Wai Zhang den Ferrando, Hauptmann des Grafen Luna.

Luna, in Gestalt des koreanischen Baritons Sangmin Lee, gebührt die vokale Palme des Abends. Er sang die Partie mit einem wohl gerundeten, dunklen, vibrierenden Klang, perfektem Legato und unglaublichem Atemvolumen. Seine Arie “Il balen del suo sorriso“ war ein Highlight des Abends.

Das Publikum spendete freundlichen Beifall. Eine Gruppe jugendlicher Zuschauer war geradezu begeistert.

IOCO / UGK / 08.02.2013

Weitere Vorstellungen des Il Trovatore in der Oper Dortmund sind am:

Sa, 16. Februar 2013
So, 24. Februar 2013
Mi, 27. Februar 2013
Sa, 02. März 2013
So, 10. März 2013
Fr, 15. März 2013
Do, 21. März 2013
Sa, 30. März 2013
Sa, 06. April 2013
So, 14. April 2013

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