Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Götterdämmerung – Richard Wagner, IOCO Kritik, 09.11.2018

November 10, 2018 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Hervorheben, Kritiken, Oper

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Götterdämmerung – Richard Wagner

– Dietrich W. Hilsdorfs stoischer Rückzug aus der Ring-Regie –

Von Hanns Butterhof

Mit der Götterdämmerung ist der Düsseldorfer Ring des Nibelungen von Richard Wagner in der Regie von Dietrich W. Hilsdorf abgeschlossen, ohne als ganzer und auch jetzt mit dessen drittem Abend voll zu befriedigen. Einer guten musikalischen Leistung des Sängerensembles und der Düsseldorfer Symphoniker unter Axel Korber steht entgegen, dass die Regie keine schlüssig übergreifende Konzeption gefunden und sich in der Götterdämmerung bis in die Nähe zum Konzertanten zurückgezogen hat.


Götterdämmerung – Richard Wagner
Youtube Trailer der Deutschen Oper am Rhein
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Das Vorspiel der Götterdämmerung nutzt Hilsdorf zu einem Statement über sein Regieverständnis. Da kommen drei ältere Damen in wilhelminisch-jugendstilähnlicher Gewandung (Kostüme: Renate Schmitzer) zum Kaffeeklatsch vor der romantischen Kulisse des Rheins am Drachenfels zusammen. Mit unüberhörbaren Anklängen an das Schauspiel Kalldewey, Farce von Botho Strauß sind es die drei schicksalspinnenden Nornen (Susan Maclean, Sarah Ferede und Morenike Fadaymi), die das Elend der Welt betratschen. Es ist immer das gleiche, sie ist aus den Fugen, spätestens seit Siegfried den Speer Wotans zerschlagen hat. Jetzt ist ihr Schicksal-Seil zerschlissen, das sie sich wie einen unsichtbaren Ball zuwerfen. Da zitiert Hilsdorf direkt Botho Strauß mit einem Schriftzug über der Bühne:

Der Rest ist Theater, der letzte unserer magischen Versuche, die Ängste uns auszutreiben.

Dazu flackern aufgeregt die Varieté-Lämpchen, die schon seit dem Rheingold die Bühne umrahmen. Und am Schluss formuliert er, wieder Strauß zitierend, seinen Konzeptionsverzicht, verbunden mit der Aufforderung an das Publikum: Nehmt euch, was ihr gebrauchen und erhalten könnt. Der Rest, das ist die Götterdämmerung, und jeder sehe zu, was sie ihm sagt.

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung - hier : Die Rheintöchter © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung – hier : Die Rheintöchter © Hans Joerg Michel

– Kammerspiel auf dem Hinterdeck –

Dann fällt die Rheinkulisse und gibt den Blick frei auf das marode Schiffchen MS Wodan, das Kernstück der von Dieter Richter entworfenen Einheitsbühne. Das Schiff liegt an einem Landungssteg, den man sich durchaus am Rhein denken darf, und ist, nun ja,  Brünnhilde-Felsen, Gibichungen-Halle und schließlich der Scheiterhaufen für Siegfried. Optisch ist das Bühnenbild von beeindruckender Düsternis. Das Schiff vermittelt auch den Anschein, als triebe es während der Handlung bedeutungsvoll aus mythischen Urgründen der Gegenwart entgegen und auf Düsseldorf und Duisburg zu. Dass es dabei seinen Landungssteg mitführt, trübt allerdings die Plausibilität des in lichtschwacher Videoprojektion burgenbestanden vorüberziehenden Rheinufers. Die Entscheidung, die wesentlichen Teile der Handlung auf dem Schiff spielen zu lassen, engt den Spielraum der Akteure erheblich ein und lässt das Weltgeschehen des Rings zu einem Kammerspiel auf dem Hinterdeck schrumpfen.

Weniger aus der räumlichen Enge treibt es dann Siegfried (Michael Weinius) davon zu neuen Taten. Er hält eher die Spießigkeit auf dem Hinterdeck nicht aus, auf dem Brünnhilde (Linda Watson) neben einem Weihnachtsbäumchen an der Reling sitzt und Höschen für den Nachwuchs strickt. Bei aller Beteuerung von strahlender Liebe, bei allen jubilierend vielfachen Heil-Rufen ist kaum Beziehung zwischen beiden zu spüren. Siegfried hat seine frühere Knabenhaftigkeit verloren und sich zu einem Bruder Leichtfuß entwickelt, der das Wissen, das ihm Brünnhilde vermacht hat, so wenig zu bewahren weiß wie seine Liebe zu ihr. So kann am Hof der Gibichungen Gutrune (Sylvia Hamvasi)  getrost den Siegfried von Hagen (Hans-Peter König) zugedachten Vergessenstrank verschütten. Siegfried verfällt ihr auch ohne diesen auf der Stelle, vielleicht weil sie so sehr das Gegenstück zu Brünnhilde ist. Sie ist fast klassisch weiblich passiv und auch an der späteren Intrige bestenfalls billigend inkaufnehmend beteiligt. Dass sie offenbar an der Nadel hängt ist für den Fortgang der Handlung ebenso bedeutungslos wie der angedeutete Alkoholismus ihres Bruders, König Gunther (Bogdan Baciu).

Hagen, der Sohn Alberichs (Michael Kraus) und Stiefbruder der königlichen Gibichungen, hat nichts als den Gewinn des Rings und damit die Herrschaft über die Welt im Sinn. Er zieht in der Götterdämmerung nur zu diesem Zweck die Fäden. Hans-Peter König gibt ihm stimmlich und enorm bühnenpräsent die entsprechende Statur, ohne eine wirkliche Kontrastfigur zu Siegfried zu sein. Seine Ähnlichkeit mit diesem weist vielmehr darauf hin, dass beide je auf ihre Weise das Programm ihrer Vorfahren verfolgen – und verraten.

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung - hier : Siegfried (Michael Weinius), Brünnhilde (Linda Watson) © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung – hier : Siegfried (Michael Weinius), Brünnhilde (Linda Watson) © Hans Joerg Michel

Um Gutrune heiraten zu dürfen, lässt sich Siegfried auf den Plan Hagens  ein, für den schwachen König Gunther und in dessen Gestalt – der Tarnhelm aus dem Nibelungenhort macht es möglich – Brünnhilde als Braut zu gewinnen. Die grauenvolle, Brünnhilde vergewaltigende Handlung vollzieht sich erstaunlich gesittet; so wenig vorher Liebe zwischen Siegfried und Brünnhilde, so wenig ist jetzt die Gewalt zwischen ihnen spürbar; nur als ihr Siegfried den Ring entreißt, kommt Bewegung auf.

Der nicht nur der Enge auf dem Schiffsdeck geschuldete Mangel an Bewegung zieht sich durch die ganze Götterdämmerung. Das ist selbst in der einzigen Chorszene der Fall, als Hagen die Mannen zusammenruft. Bei der Rückkehr Siegfrieds und dann Gunthers mit Brünnhilde sollen sie Zeugen der Schwäche ihres Königs und des Betrugs an Brünnhilde werden. Dazu drängt sich dann ein Stadtsoldaten-Karnevalsverein auf dem Schiffsdeck zusammen. Bewegung findet nur auf dem Landungssteg statt, wo als Hinweis auf das  Leid Brünnhildes bedeutsam ein Tanzmariechen mit Spagat-Übungen gequält wird.

Recht statuarisch geht es dann weiter dem Ende zu, bis Siegfried vor der Projektion rauchender Industrieschlote bei Duisburg von Hagen hinterrücks kühl erstochen wird. Dem sterbend im Schiffsbauch der MS Wodan verschwindenden Siegfried werfen wie bei einer Seebestattung Stadtsoldaten die Flaggen der deutschen Geschichte hinterher. Dem Doppeladler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, der Hakenkreuzflagge des III. Reichs und dem Schwarz-Rot-Gold Nachkriegsdeutschlands mit und ohne die DDR-Applikation Hammer und Sichel folgt eine gänzlich weiße Flagge. Sie kann das Leichentuch der deutschen Geschichte so gut meinen wie die Kapitulation vor einer Deutung der ganzen Ring-Geschichte. Oder sie mag die  Freifläche sein, die vom geneigten Publikum mit eigenen Assoziationen  gefüllt werden kann, während es Brünnhilde zusieht. Die steht heroisch auf der MS Wodan, auf der ein kleines Feuerchen als Hinweis auf Siegfrieds Scheiterhaufen flackert, und wirft den Ring zu den Rheintöchtern hinab, um ihn zu entsühnen. Die munteren Mädchen (Anne Krabbe, Kimberley Boettger-Soller und Ramona Zaharia) setzen sogleich das am Ring haftende Morden fort, indem sie Hagen, der ihnen beim Erhaschen des Rings zuvorkommen wollte, ein nasses Grab bereiten.

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung - hier : Hagen (Hans-Peter König), Alberich (Michael Kraus) © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung – hier : Hagen (Hans-Peter König), Alberich (Michael Kraus) © Hans Joerg Michel

Wenn man schon meint, nun seien alle tot, hat Hilsdorf zur hoffnungsfrohen Schlussmusik bei erleuchtetem Zuschauerraum doch noch eine Botschaft parat. Wotan, der auf dem Besetzungsplan der Götterdämmerung gar nicht mehr vorgesehen ist, erscheint wie im Siegfried, als er Mime die Wissenswette aufzwang, mit Bart und Fahrrad. Dann legt er das Götterkostüm des Wanderers ab, enthüllt darunter einen bürgerlichen Straßenanzug von heute, und schiebt fröhlich sein Fahrrad in die Kulisse. So könnte der Bürger der neue Wotan sein, nachindustriell und ökologisch.

Es sind die von sich aus ruhigen Szenen wie die dramatische  Unterredung Brünnhildes mit ihrer Walkürenschwester Waltraute (Katarzyna Kunico) oder der eindringliche Wachtraum-Dialog Hagens mit Alberich, die voll überzeugen. In ihnen wirken alle Elemente des Musikdramas glücklich zusammen, Gesang, Darstellung und Orchestermusik. In ihnen ist auch die Personenführung zu spüren, auf die Hilsdorf wenig achtet und sich gern damit begnügt, ein charakterisierendes Schlaglicht auf eine Figur zu werfen und sie ansonsten singen zu lassen.

Es ist die Musik, die über die gut fünfstündige Götterdämmerung trägt. Star des guten Ensembles ist Hans-Peter König als Hagen, der mit wuchtigem, dominantem Bass szenisch und stimmlich beeindruckt. Ihm kann man zutrauen, dass er Gunter von jeher klein gemacht hat, denn  Bogdan Baciu hat stimmlich raumgreifend alle Anlagen zum König, gesangsdarstellerisch ist der Bariton einsame Spitze. Linda Watson  bringt ihre ganze Bühnenerfahrung mit und gibt der Brünnhilde immer wohlklingend stimmliche Substanz, in der Trauer überzeugender denn als Liebende. Michael Weinius ist ein Siegfried von bewundernswerter stimmlicher Kondition und heldentenoralen Spitzen, der in den lyrischen Partien am Ende auch menschliche Wärme ausstrahlt. Sie  zwischenmenschlich darzustellen gelingt ihm nicht so recht, auch nicht bei der Gutrune Sylvia Hamvasi, deren schöner Stimme das Orchester mehr Raum hätte zugestehen können. Katarzyna Kunico als Waltraute und Michael Kraus als Alberich,  die Rheintöchter Anne Krabbe, Kimberley Boettger-Soller und Ramona Zaharia sowie die Nornen   Susan Maclean, Sarah Ferede und Morenike Fadayomi und schließlich der von bedrohlich karnevalistischer Heiterkeit überschäumende Chor (Einstudierung: Gerhard Michalski)  komplettieren die gute sängerische Gesamteistung.

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung - hier : Woglinde (Anke Krabbe), Siegfried (Michael Weinius), Floßhilde (Ramona Zaharia), Wellgunde (Kimberley Boettger-Soller) © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Götterdämmerung – hier : Woglinde (Anke Krabbe), Siegfried (Michael Weinius), Floßhilde (Ramona Zaharia), Wellgunde (Kimberley Boettger-Soller) © Hans Joerg Michel

Wesentlichen Anteil daran, dass der Abend sich nicht in die Länge zieht, hat Axel Kober am Pult der engagiert spielenden Düsseldorfer Symphoniker. Er setzt nicht auf den großen überwältigenden Wagnersog, sondern begleitet die Handlung so sorgfältig, dass im unaufdringlichen Herausarbeiten der Leitmotive viel mehr hörbar wird, als die Szene zeigt. Er zieht in die Götterdämmerung hinein, raunt mit den Nornen, albert mit den Rheintöchtern, kann es so ausdrucksstark krachen wie die wilde Geschichte auch hoffnungsfroh sanft enden lassen.

Götterdämmerung an der Deutschen Oper am Rhein; die weiteren Vorstellungen am 18. und 25.11.2018 17.00 Uhr, 2.12.2018 15.00 Uhr

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Rheingold, 23.06.2017

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - Maria Kataeva (Wellgunde), Anke Krabbe (Woglinde) und Michael Kraus (Alberich) – © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – Maria Kataeva (Wellgunde), Anke Krabbe (Woglinde) und Michael Kraus (Alberich) – © Hans Jörg Michel

Der Ring des Nibelungen an der Rheinoper

Premiere Das Rheingold in Düsseldorf

Nicht nur hier am Rhein wird sie mit Spannung erwartet: die Premiere von Das Rheingold am Freitag, 23. Juni, im Opernhaus Düsseldorf. 27 Jahre nach der letzten Neuinszenierung bringt die Deutsche Oper am Rhein Richard Wagners vierteiligen Opernzyklus Der Ring des Nibelungen in der Regie von Dietrich W. Hilsdorf auf die Bühne. Axel Kober hat die musikalische Leitung. In der Opernwerkstatt mit offener Probe gibt er zusammen mit dem Regieteam schon am Montag, 19. Juni, um 17.00 Uhr im Opernhaus einen interessanten Einblick in die Produktion. Der Eintritt ist frei.

Für Axel Kober geht mit der Neuproduktion von Richard Wagners Ring des Nibelungen ein Traum in Erfüllung: Der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein, der seit 2013 auch regelmäßig bei den Bayreuther Festspielen dirigiert, bringt das Opus magnum bis zum Sommer 2019 mit beiden Orches­tern – den Düsseldorfer Sym­pho­­nikern und den Duisburger Philharmoni­kern – und unterschied­lichen Sängerbesetzun­gen sowohl im Opernhaus Düsseldorf als auch im Theater Duisburg zur Aufführung und knüpft damit an die große Wagner-Tradition der Deutschen Oper am Rhein an.

Der Regisseur Dietrich W. Hilsdorf, den Generalinten­dant Christoph Meyer zusammen mit Dieter Richter (Bühnenbild) und Renate Schmitzer (Kostüme) für die Neuproduktion gewonnen hat, betrachtet die Inszenierung des vierteiligen Opernzyklus als ergebnis­offenen Prozess: „Uns ist wichtig, jedes Stück für sich zu denken und daraus die Verknüpfungen für den gesamten ‚Ring‘ entspringen zu lassen. ‚Das Rheingold‘, in dem alle Konflikte der Tetralogie schon angelegt sind, kann wie eine Collage aus Bildern des Bürgertums im 19. Jahr­hundert betrachtet werden, in dessen Idylle die wirtschaftlichen und sozialen Krisen einbrechen.“

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - Norbert Ernst (Loge), Michael Kraus (Alberich), Simon Neal (Wotan) © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – Norbert Ernst (Loge), Michael Kraus (Alberich), Simon Neal (Wotan) © Hans Jörg Michel

„Das Rheingold“ in Düsseldorf bietet spannende Begegnungen mit renommierten Gastsolisten und Wagner-Interpreten aus dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein: Simon Neal, der hier zuletzt als Telra­mund („Lohengrin“) und Mandryka („Arabella“) gefeiert wurde, gibt sein Debüt als Wotan. Mit Norbert Ernst kehrt der Loge der Bayreuther Festspiele und der Wiener Staatsoper wieder an sein erstes Opernhaus zurück. Der international erfolgreiche Bariton Michael Kraus debütiert als Alberich. Alle weiteren Partien sind mit Solisten aus dem eigenen Ensemble besetzt: Renée Morloc tritt als Fricka, Sylvia Hamvasi als Freia und Susan Maclean als Erda auf. Torben Jürgens und Ovidiu Purcel sind Donner und Froh. Bogdan Talos und Thorsten Grümbel verkörpern die Riesen Fasolt und Fafner, Alberichs Bruder Mime singt Cornel Frey. Anke Krabbe, Maria Kataeva und Ramona Zaharia sind als Rheintöchter zu erleben.

Das Rheingold“ im Opernhaus Düsseldorf:

Fr 23. Juni – 19.30 Uhr (Premiere) / So 25. Juni – 18.30 Uhr / Do 29. Juni – 19.30 Uhr / So 2. Juli – 18.30 Uhr / Mi 12. Juli – 19.30 Uhr / Fr 14. Juli – 19.30 Uhr / So 16. Juli – 15.00 Uhr


Der Ring des Nibelungen – die weiteren Premieren:

Das Rheingold: Sa 4. November 2017 – Theater Duisburg

Die Walküre: So 28. Januar 2018 – Opernhaus Düsseldorf  / Do 31. Mai 2018 – Theater Duisburg

SIEGFRIED: Sa 7. April 2018 – Opernhaus Düsseldorf  /  Sa 26. Januar 2019 – Theater Duisburg

Götterdämmerung: Sa 27. Oktober 2018 – Opernhaus Düsseldorf  /  So 5. Mai 2019 – Theater Duisburg

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Das Rheingold, 23.06.2017

Mai 17, 2017 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / "Das Rheingold" © Hypermania123RF

Deutsche Oper am Rhein / „Das Rheingold“ © Hypermania123RF

DOR – Neuinszenierung  Der Ring des Nibelungen
Das Rheingold feiert Premiere im Opernhaus Düsseldorf

Die Deutsche Oper am Rhein hat mit der Neuinszenierung von Richard Wagners  Der Ring des Nibelungen begonnen und lädt am Freitag, 23. Juni, um 19.30 Uhr zur Premiere von Das Rheingold ins Opernhaus Düsseldorf ein. Generalmusikdirektor Axel Kober freut sich auf die musikalische Auseinandersetzung mit Wagners Opus magnum, das er mit beiden Orches­tern – den Düsseldorfer Sym­pho­­nikern und den Duisburger Philharmoni­kern – erarbeiten und mit unterschied­lichen Sängerbesetzun­gen bis zum Sommer 2019 sowohl im Opernhaus Düsseldorf als auch im Theater Duisburg zur Aufführung bringen wird.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - Dietrich W. Hilsdorf (Inszenierung) beim Konzeptionsgespräch © Susanne_Diesner

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – Dietrich W. Hilsdorf (Inszenierung) beim Konzeptionsgespräch © Susanne_Diesner

Ein künstlerisches Großprojekt ist Der Ring für den Regisseur Dietrich W. Hilsdorf, den Generalinten­dant Christoph Meyer zusammen mit Dieter Richter (Bühnenbild) und Renate Schmitzer (Kostüme) für die Inszenierung gewonnen hat. „Uns ist wichtig, jedes Stück für sich zu denken und daraus die Verknüpfungen für den gesamten Ring entspringen zu lassen“, sagte Hilsdorf zu Probenbeginn. Das Rheingold, in dem alle Konflikte der Tetralogie schon angelegt sind, kann wie eine Collage aus Bildern des Bürgertums im 19. Jahrhundert betrachtet werden, in dessen Idylle die wirtschaftlichen und sozialen Krisen einbrechen.“

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - Dietrich Dieter Richter (Bühne) beim Konzeptionsgespräch © Susanne_Diesner

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – Dietrich Dieter Richter (Bühne) beim Konzeptionsgespräch © Susanne_Diesner

Das Rheingold in Düsseldorf bietet spannende Begegnungen mit renommierten Gastsolisten und Wagner-Interpreten aus dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein: Simon Neal, der hier zuletzt als Telra­mund (Lohengrin) und Mandryka (Arabella) gefeiert wurde, gibt sein Debüt als Wotan. Mit Norbert Ernst kehrt der Loge der Bayreuther Festspiele und der Wiener Staatsoper wieder an sein erstes Opernhaus zurück. Der international erfolgreiche Bariton Michael Kraus debütiert als Alberich. Aus dem eigenen Ensemble wirken Renée Morloc als Fricka, Sylvia Hamvasi als Freia und Susan Maclean als Erda mit. Bogdan Talo? und Thorsten Grümbel verkörpern die Riesen Fasolt und Fafner. Torben Jürgens und Ovidiu Purcel sind Donner und Froh, während Anke Krabbe, Maria Kataeva und Ramona Zaharia als Rheintöchter zu erleben sind.

 

Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf – Alle Karten Hier :
Karten Kaufen

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Der Graf von Luxemburg – Léhar neu geadelt, IOCO Kritik, 11.12.2016

Dezember 11, 2016 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Hervorheben, Kritiken, Operette

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Der Graf von Luxemburg  an der Rheinoper

 Léhars Operette neu geadelt und brillant zur Schau gestellt

Der Graf von Luxemburg:  Weitere Vorstellungen in Duisburg oder Düsseldorf: 17.12.2016, 22.12.2016, 22.12.2016, 26.12.2016, 28.12.2016, 31.12.2016, 06.01.2017, 20.01.2017, 07.02.2017, 26.02.2017, 25.3.2017, 31.03.2017, 11.05.2017

von Albrecht Schneider

Hi Leute, möchte man an dieser Stelle rufen, ehe Ihr weiterlest, kauft schleunigst ein Ticket und schaut Euch den Grafen selber an. Drei hinreißende Stunden werdet Ihr erleben….

Bereits des Längeren kommt die Operette, die nach dem letzten Krieg vornehmlich in verkitschten Filmen überlebte, im Sog der Musicals und mittels peppiger Inszenierungen wieder, und diese Vokabel wird ihr durchaus gerecht, angetanzt auf den Bühnen der Staats- und Stadttheater. Nach wie vor liefert sie süße Gefühle und transportiert uns in eine schadstoff-freie Umgebung. Allein, nicht unentwegt bleibt der Verstand zugunsten des Sentiments ausgeschaltet, perlt die Musik nicht zwingend wie der Champagner aus der geöffneten Flasche. Das trifft gerade auf den Graf von Luxemburg zu, der zwar nach wie vor mit den unverzichtbaren Versatzstücken wie Liebe und Komik, mit Geld und unreinen Herzen hantiert, sowie üppig musikalisches Schaumgebäck serviert. Nur steigt bei ihm, als einem Kind des zwanzigsten Jahrhunderts, schon einmal der korrumpierbare Mensch aus dem Kostüm, schimmert durch die Schminke das wahre Gesicht. Und in reine Harmonie ist die Geschichte auch nicht durchwegs gebettet, sondern sie wird bisweilen durch Klänge unbequem, die eher der „seriösen“ Musik zugehören.

Deutsche Oper am Rhein / Der Graf von Luxemburg - Michel Cornel Frey (Armand Brissard), Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Chor © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Der Graf von Luxemburg – Michel Cornel Frey (Armand Brissard), Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Chor © Hans Joerg Michel

Regisseur Jens-Daniel Herzog stellt in einem Paris der Jetztzeit einen Grafen vor, dem alles abhanden kam, vor allem das Geld, und dem jetzt noch das letzte abhanden kommt, was ihm nach einem munteren Playboydasein geblieben ist, nämlich die Distinktion seiner adeligen Gesellschaft.

Für eine halbe Million Francs verkauft er sich an den plutokratischen russischen Fürsten Basil Basilowitsch (steinreiche Russen sind für das Genre Operette seit ihrer Entstehung offenbar nahezu unentbehrlich), indem er zum Schein dessen Liebe, die Sängerin Angèle Didier, ehelicht. Die Dame soll mit ihrem Einverständnis auf diese Weise adelig, mithin zu einer standesgemäßen Partie erhoben und zur Heirat mit dem Russen salonfähig gemacht werden. Die Bedingung für den Grafen besteht darin, bei dem amtlichen Akt des Ringetauschs die potentielle Gattin nicht zu sehen zu kriegen und nach drei Monaten Pseudoehe in die Scheidung einzuwilligen.

Der Graf von Luxemburg – Franz Léhar
youtube Trailer Deutschen Oper am Rhein
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Jetzt könnte man denken, das sei weniger eine vergnügliche, eher eine leicht unappetitliche Affäre, und als Operettenstoff kaum brauchbar. Allerdings findet sie im Künstlermilieu statt, und da geht es bekanntlich zwar immer ärmlich, dafür mächtig lustig zu. Dem aus pekuniärem wie feudalistischem Anlass verkuppelten Paar, das absehbar gegen Ende der Vorstellung zueinander finden wird, steht ein buffoneskes gegenüber: der Maler Armand Brissard, ein Freund des Grafen, möchte mit der geliebten Juliette Vermont, vormals Sängerin und nunmehr Zofe der Kollegin Didier, unbedingt intim sein. Eine Kopulation, zu der, ihr prinzipiell zuneigend, sie erst nach Heimkehr vom Standesamt bereit ist. Mit dem daraus resultierenden üblichen Kampf der Geschlechter, ausgetragen in gegenseitiger Körpermalerei, einer Art Action Painting mit weiter dazu gestoßenen Bohemiens und sonstigen Possen, zu denen der zunächst grämliche, danach trunkene Graf seinen letzten Sous beisteuert.

Deutsche Oper am Rhein / Der Graf von Luxemburg - Vlnr: Bruce Rankin, Karl Walter, David Jerusalem, Luis Fernando Piedra, Bo Skovhus © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Der Graf von Luxemburg – Vlnr: Bruce Rankin, Karl Walter, David Jerusalem, Luis Fernando Piedra, Bo Skovhus © Hans Jörg Michel

Somit ist der Knoten geschürzt, und von der Musik angesteckt darf das Spiel der guten wie miesen Gefühle, der Amüsierlust und des Katzenjammers hin zum Happyend beginnen. Aus dem Mit- und Gegeneinander von fünf Figuren mit unterschiedlichen Begierden schlägt die Inszenierung wahre Funken. Die Szene wechselt behende, vor das simple Maleratelier schiebt sich ein lausiges Zimmer, das der Abwicklung des lausigen Heiratsgeschäfts dient. Zu den Hauptfiguren gesellen sich des Fürsten Dreigestirn von russischer Gorillas (Bodyguards), das für mancherlei Slapstickeinlagen gut ist.

Im zweiten Akt wacht ein echter Drache als Pförtner vor dem Bühneneingang des Opernhauses, worin aufgrund ihrer Heirat die Frühverrentung der Sängerin Angèle Didier gefeiert wird. Dort kommt es zu einigen Turbulenzen, weil der Graf, jäh in die Künstlerin und anonyme Gattin verliebt, in deren Garderobe eindringt, Russenfürst und Leibgarde dazwischenfahren und zudem das Buffopärchen zwischen die Fronten gerät. Da tanzt und tobt die überkandidelte Gesellschaft derart herum, um Kritikaster die Nase rümpfen zu lassen ob der Holterdiepolterkomik. Aber geht hier nicht eine Operette über die Bühne?

Wenn die Grand Dame Oper bei soignierten Musikfreunden in höchstem Ansehen steht, so kehren sie dem Töchterchen Operette, als käme es wie ein leichtes, verdrehtes Mädchen angestakst, deswegen verächtlich den Rücken zu. Verglichen mit der altehrwürdigen Mutter wartete das oft hübschere und gewiss leichtsinnigere Kind mit schlichteren Geschichten auf, hüpfen, kreisen und verbiegen sich die Körper anders als in der Opera Seria oder dem Musikdrama. Und das alles passiert zu einer Musik, die den Ohren kaum wehtut.

Deutsche Oper am Rhein / Der Graf von Luxemburg - Susan Maclean (Gräfin Stasa Kokozowa) © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Der Graf von Luxemburg – Susan Maclean (Gräfin Stasa Kokozowa) © Hans Jörg Michel

In der Hotelhalle des 3. Aktes mutiert der Drache durch geschwinde Umkostümierung gleichermaßen zum Concierge, zum Liftboy wie zum Servierfräulein, und empfängt und bedient die just angereiste russische (!) Gräfin Stasa Kokozowa. Die nutzt ihr Couplet: Was ist das für ne Zeit, liebe Leut, um mittels einiger hinzugedichteter Verse dem Publikum zeitnah ein bisschen die Meinung zwar nicht zu geigen, doch immerhin zu singen. Ihrer Rolle obliegt die Lösung des Knotens, indem sie auf das ihr einst gegebene Heiratsversprechen des Fürsten pocht. Der erinnert sich dessen und entbindet das liebend Paar von seinen Verpflichtungen. Hiermit dürfen die zwei in eine bereits geschlossene, bislang nicht vollzogene, bloß hoffentlich beide Partner beglückende Ehe entschreiten.

Ja, wir sind in der Operette, und deren Bedingung ist Tempo, befeuert von der Musik. Bo Skovhus, ein Graf von Habitus und Stimme, lässt sich von ihr treiben. Selten erlaubt sie Momente, in denen die Protagonisten zu sich selbst finden. Dann singt der Luxemburger Aristokrat mit changierender Prosodie und den Banknoten zwischen den Fingern von lachendem Glück und der Liebe, womit sowohl das Geld gemeint sein kann wie die unbekannte ferne Frau, deren Parfüm Trèfle incarnat noch im Raum schwebt. Dessen Duft wird ihn später dazu anstiften, in melancholischen Tönen die eigene unredliche Handlungsweise zu reflektieren. Sein Singen weiß genau, wann Partitur und Augenblick die heldische, die getrübte oder die fidele Klangfärbung fordern.

Deutsche Oper am Rhein / Der Graf von Luxemburg - Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Juliane Banse (Angèle Didier), Chor © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Der Graf von Luxemburg – Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Juliane Banse (Angèle Didier), Chor © Hans Jörg Michel

Gleiches lässt sich von Julia Banse sagen, welche die distinguierte wie kokettierende Sängerin Angèle Didier in jeder Hinsicht verlebendigt. Franz Léhars Komposition ist von sinfonischer, von operndramatischer Qualität und der eines Giacomo Puccini, was die Künstler selbst betonen, durchaus ebenbürtig. Bo Skovhus und Julia Banse: Zwei berühmte Namen, die den ihnen vorauseilenden glänzenden Ruf sicht- und hörbar bestätigen. Beider Leistung vor Augen und im Ohr wäre stimmliche Kritik beckmesserisch, weil sie sich nicht unbedingt im Schöngesang äußern müssen, sondern in einer die jeweilige Situation beglaubigenden Klangrede.

Bruce Rankin, der Fürst Basil Basilowitsch, singt sich vortrefflich vom selbstherrlichen Boss über den verliebten Gockel hin zum kapitulierenden Trauerklößchen, Lavinia Dames und Cornel Frey geben das Künstlerpärchen Juliette Vermont und Armand Brissard und stehen den Kollegen in nichts nach. Gewissermaßen in der Nachfolge von Kolumbine und Harlekin agieren sie gleich springlebendigen sinnlichen Rivalen des leicht verdorbenen und berechnenden ersten Paares.

Der Schauspieler Oliver Breite wechselt wie ein Irrwisch die Kleidung und das Geschlecht, um überzeugend sämtliches Hotelpersonal zu mimen, während Susan Mclean als Gräfin Stasa Kokozowa der Zeit und dem Publikum singend die Leviten liest und sich alsbald den Fürsten schnappt.

Deutsche Oper am Rhein / Der Graf von Luxemburg - Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Cornel Frey (Armand Brissard), Lavinia Dames (Juliette Vermont) © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Der Graf von Luxemburg – Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Cornel Frey (Armand Brissard), Lavinia Dames (Juliette Vermont) © Hans Jörg Michel

Das Orchester unter Lukas Beikircher macht dem Ensemble ordentlich und con fuoco Beine, denn die Musik will tanzen und tanzen lassen. Dass es manchmal voller Temperament über die eigenen Füße stolpert, was soll’s, trägt es doch die Sänger jederzeit sicher durch die Partitur und unterschlägt oder verschleiert nicht Töne, die unter der Melodielinie bisweilen der scheinbar allseitigen guten Laune widersprechen wollen.

Das vorwiegend soignierte Publikum im Düsseldorfer Opernhaus schien die von Sibylle Gädeke ausstaffierte und von Mathis Neidhardt eingerichtete Operette Der Graf von Luxemburg zu goutieren. Der Beifall zumindest ließ darauf schließen. Sofern sie weiterhin so leichtfüßig und elegant auftritt, dürfte sie den Herrschaften bald richtig ans Herz wachsen. Wie auch immer, Leute, es bleibt dabei: Gehet hin und kauft Euch ein Ticket. Von Albrecht Schneider

Der Graf von Luxemburg:  Weitere Vorstellungen in Duisburg oder Düsseldorf: 17.12.2016, 22.12.2016, 22.12.2016, 26.12.2016, 28.12.2016, 31.12.2016, 06.01.2017, 20.01.2017, 07.02.2017, 26.02.2017, 25.3.2017, 31.03.2017, 11.05.2017

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Nächste Seite »