Wien, Wiener Staatsoper, NUREJEW GALA, 29.06.2018

Juni 27, 2018 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

WIENER STAATSBALLETT – NUREJEW GALA 2018 AM 29. JUNI 2018

Zum Abend und Programm : Auch in diesem Jahr bildet die beliebte Nurejew Gala den krönenden Abschluss einer weiteren erfolgreichen Saison des Wiener Staatsballetts. Bei der diesjährigen Gala am Freitag, 29. Juni 2018 präsentiert die Compagnie ein gewohnt abwechslungsreiches und vielgestaltiges Programm aus der internationalen Welt des Tanzes. An ihren Namensgeber erinnert die Gala u. a. mit Marguerite and Armand, dem Stück, das Frederick Ashton 1963 für Rudolf Nurejew und Margot Fonteyn choreographierte, sowie mit Ausschnitten aus Raymonda und Schwanensee unter dem Titel Nureyev Celebration: Anlässlich des 80. Geburtstages von Rudolf Nurejew stellte Manuel Legris eine kompakte Auswahl aus den beiden Werken zusammen, die das Wiener Staatsballett erstmals auf seiner Japan-Tournee im Mai 2018 präsentierte und die den Abschluss der diesjährigen Nurejew Gala im Haus am Ring bildet.

Auch einem weiteren Jahresregenten – Marius Petipa – wird anlässlich seines 200. Geburtstags nicht nur mit einem Pas de deux aus Satanella sowie einem Ausschnitt aus Le Rendez-vous Tribut gezollt; sein Einfluss ist auch bei den Auszügen aus Le Corsaire, Raymonda und Schwanensee gegenwärtig.

Zu den weiteren Programmpunkten zählen die Staatsopern-Erstaufführungen von George Balanchines Valse Fantaisie, Eno Pecis Opus 25, Neumeiers Opus 100 – Für Maurice und Maillots The Taming of the Shrew. Mit Auszügen aus Neumeiers Le Pavillon d’Armide, MacMillans Concerto, Clugs Peer Gynt, Eifmans Giselle Rouge und Lukács’ Movements to Stravinsky präsentiert die Compagnie weitere Höhepunkte aus ihrem Repertoire.

Die Nurejew Gala wird im Rahmen von „Oper live am Platz“ auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen.

Zur Besetzung : Nicht nur die Tänzerinnen und Tänzer des Wiener Staatsballetts – zu erleben sind u. a. die Ersten SolotänzerInnen Olga Esina, Kiyoka Hashimoto, Liudmila Konovalova, Ketevan Papava, Nina Poláková, Maria Yakovleva, Davide Dato, Robert Gabdullin, Masayu Kimoto, Roman Lazik und die SolotänzerInnen Ioanna Avraam, Alice Firenze, Nikisha Fogo, Natascha Mair, Jakob Feyferlik, Eno Peci und Mihail Sosnovschi – präsentieren sich noch einmal vor der Sommerpause dem Publikum, auch heuer wirken renommierte internationale Gastsolistinnen und Gastsolisten bei der Nurejew Gala mit: Es tanzen Isabelle Guérin – in Le Rendez-vous mit Ballettdirektor Manuel Legris – Olga Smirnova und Semyon Chudin vom Bolschoi Ballett, Marianela Nuñez und Vadim Muntagirov vom Royal Ballet sowie Alexandre Riabko und Ivan Urban (beide Hausdebüt an der Wiener Staatsoper) vom Hamburg Ballett.

Aufgrund von Erkrankungen kommt es zu folgenden Umbesetzungen: Anstelle von Irina Tsymbal wird Gastsolistin Isabelle Guérin mit Manuel Legris in Petits Le Rendez-vous zu erleben sein; Mihail Sosnovschi tanzt anstelle von Denys Cherevychko in Satanella; Roman Lazik verkörpert anstelle von Vladimir Shishov den Vater in Marguerite and Armand; Eno Peci tanzt anstelle von Vladimir Shishov in Giselle Rouge und Masayu Kimoto anstelle von Denys Cherevychko die Variation von Prinz Siegfried aus dem 1. Akt von Schwanensee im Rahmen der „Nureyev Celebration“ zum Abschluss der Gala. Fiona McGee tanzt anstelle von Nikisha Fogo in Movements to Stravinsky.

Am Dirigentenpult steht Kevin Rhodes – er leitet die Nurejew Gala im Haus am Ring bereits zum vierten Mal musikalisch.


Sonderpublikation „Impressionen zur Nurejew Gala“ : Anlässlich des 80jährigen Geburtstages von Rudolf Nurejew erscheint zeitgleich zur diesjährigen Nurejew Gala „Impressionen zur Nurejew Gala“, ein Bildband mit Kurztexten, der die Nurejew Gala in Wien seit der Saison 2010/2011 dokumentiert. Darin kommen Manuel Legris sowie weitere bekannte Choreographinnen und Choreographen der Gegenwart, wie zum Beispiel John Neumeier, zu Wort.

Ehrenmitgliedschaft der Wiener Staatsoper für Ballettdirektor Manuel Legris : Im Anschluss an die Nurejew Gala am 29. Juni wird Ballettdirektor Manuel Legris auf offener Bühne zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt. Die Ehrung sowie die Überreichung des von Juwelier Wagner gesponserten Ehrenrings erfolgt durch Staatsoperndirektor Dominique Meyer und Jürgen Meindl, Leiter der Sektion Kunst und Kultur im Bundeskanzleramt.


Detailliertes Programm


NUREJEW GALA 2018
Künstlerische Leitung: Manuel Legris
Dirigent: Kevin Rhodes

Teil I:

VALSE FANTAISIE
Choreographie: George Balanchine | Musik: Michail Glinka
Natascha Mair – Jakob Feyferlik; Elena Bottaro, Adele Fiocchi, Sveva Gargiulo, Madison Young

OPUS 25
Choreographie: Eno Peci | Musik: Frédéric Chopin
Maria Yakovleva – Eno Peci
LE PAVILLON D’ARMIDE (Ausschnitt)
Choreographie: John Neumeier | Musik: Nikolai Tscherepnin
Masayu Kimoto

CONCERTO (Ausschnitt)
Choreographie: Kenneth MacMillan | Musik: Dmitri Schostakowitsch
Nina Poláková – Roman Lazik;
Elena Bottaro, Anita Manolova, Rikako Shibamoto,
Richard Szabó, Dumitru Taran, Andrey Teterin

SATANELLA (Ausschnitt)
Choreographie: Marius Petipa | Musik: Cesare Pugni
Kiyoka Hashimoto – Mihail Sosnovschi

GISELLE ROUGE (Ausschnitt)
Choreographie: Boris Eifman | Musik: Peter Iljitsch Tschaikowski
Ketevan Papava – Eno Peci

THE TAMING OF THE SHREW (Ausschnitt)
Choreographie: Jean-Christophe Maillot | Musik: Dmitri Schostakowitsch
Olga Smirnova (Gast, Principal Dancer beim Bolschoi Ballett)
Semyon Chudin (Gast, Principal Dancer beim Bolschoi Ballett)

RAYMONDA (Ausschnitt)
Choreographie: Rudolf Nurejew nach Marius Petipa | Musik: Alexander Glasunow
Raymonda: Maria Yakovleva | Clémence: Eszter Ledán | Henriette: Elena Bottaro
Bernard de Ventadour: Scott McKenzie | Béranger: Richard Szabó
Andreas II: Zsolt Török | Gräfin Sybille: Alena Klochkova | Ensemble

Teil II:

MARGUERITE AND ARMAND
Choreographie: Frederick Ashton | Musik: Franz Liszt, arr. Dudley Simpson
Marguerite: Marianela Nuñez (Gast, Principal beim Royal Ballet)
Armand: Vadim Muntagirov (Gast, Principal beim Royal Ballet)
Vater: Roman Lazik | Herzog: Alexis Forabosco | Zofe: Franziska Wallner-Hollinek

Teil III:

MOVEMENTS TO STRAVINSKY (Ausschnitt)
Choreographie: András Lukács | Musik: Igor Strawinski
Alice Firenze – Masayu Kimoto; Ioanna Avraam – James Stephens;
Fiona McGee – Richard Szabó;
Sveva Gargiulo, Arne Vandervelde, Géraud Wielick

LE CORSAIRE (Ausschnitt)
Choreographie: Manuel Legris | Musik: Léo Delibes
Médora: Liudmila Konovalova | Conrad: Robert Gabdullin

PEER GYNT (Ausschnitt)
Choreographie: Edward Clug | Musik: Edvard Grieg
Solveig: Nina Poláková | Peer Gynt: Davide Dato

OPUS 100
Choreographie: John Neumeier | Musik: Simon & Garfunkel
Alexandre Riabko (Gast, Erster Solist beim Hamburg Ballett)
Ivan Urban (Gast, Sonderdarsteller und Ballettmeister-Assistent beim Hamburg Ballett)

JEWELS (Ausschnitt: Diamonds Pas de deux)
Choreographie: George Balanchine | Musik: Peter Iljitsch Tschaikowski
Olga Smirnova (Gast, Principal Dancer beim Bolschoi Ballett)
Semyon Chudin (Gast, Principal Dancer beim Bolschoi Ballett)

LE RENDEZ-VOUS (Ausschnitt)
Choreographie: Roland Petit | Musik: Joseph Kosma

NUREYEV CELEBRATION (Ausschnitte aus Raymonda und Schwanensee)
RAYMONDA
Choreographie: Rudolf Nurejew nach Marius Petipa | Musik: Alexander Glasunow

1. Akt, Adagio:
Raymonda, Gräfin de Doris: Olga Esina
Ritter Jean de Brienne:, Raymondas Verlobter: Jakob Feyferlik

3. Akt:
Henriette, Raymondas Freundin: Natascha Mair
Vier Kavaliere: Scott McKenzie, Tristan Ridel, Dumitru Taran, Arne Vandervelde
Clémence, Raymondas Freundin, und zwei Damen: Adele Fiocchi – Anita Manolova, Rikako Shibamoto

2. Akt:
Abderachman, Sarazenischer Fürst: Mihail Sosnovschi
Sarazenen-Duo: Sveva Gargiulo, Francesco Costa
Raymonda, Gräfin de Doris: Olga Esina
SCHWANENSEE
Choreographie: Rudolf Nurejew nach Marius Petipa und Lew Iwanow | Musik: Peter Iljitsch Tschaikowski

1.Akt, Pas de cinq:
Coda: Leonardo Basílio (Prinz Siegfried), Ioanna Avraam, Alice Firenze, Scott McKenzie, Richard Szabó (Gefährtinnen und Gefährten des Prinzen)
Variation Prinz Siegfried: Masayu Kimoto

3. Akt:
Die spanischen Tänzer: Gala Jovanovic, Oxana Kiyanenko, Alexandru Tcacenco, Andrey Teterin
Die ungarischen Tänzer: Nikisha Fogo, Géraud Wielick und Ensemble
Pas de deux (Coda): Liudmila Konovalova (Odile), Masayu Kimoto (Prinz Siegfried)
Isabelle Guérin – Manuel Legris

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Plauen, Vogtlandtheater, Ballett der Feuervogel von Igor Strawinsky, IOCO Kritik, 09.07.2016

Juli 9, 2016 by  
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Theater Plauen Zwickau

Theater Plauen-Zwickau © Theaterfotograf Peter Awtukowitsch

Theater Plauen-Zwickau © Theaterfotograf Peter Awtukowitsch

Ballett  Der Feuervogel von Igor Strawinsky

 San Michele / Das Grab von Igor Stravinsky © IOCO

San Michele / Das Grab von Igor Stravinsky © IOCO

Der Feuervogel, ein Ballettklassiker der Moderne mit Musik von Igor Strawinsky, feierte am Samstag in Plauen Premiere. Choreografin Annett Göhre inszenierte mit hohem Anspruch, dabei emotional und intellektuell überzeugend. Dieses Ballett wird Furore machen.  Von Lutz Behrens

Zwei Wege führen, wie so oft, zum Glück. Ich kann mich einmal dem Ballett Der Feuervogel frei von aller Vorbelastung hingeben und es genießen. Hinschauen, hinhören, mich emotional berühren lassen, mit allen Sinnen offen sein. Für eine auf der Bühne faszinierend demonstrierte und jedem Anspruch standhaltende Tanzkunst. Mich dabei immer wieder fragen, welch großartige Talente eine junge Frau oder ein Mann mitbringen muss, um bei immensem, nie nachlassendem Trainingsaufwand derartige körperliche Höchstleistungen an Kraft, Beweglichkeit und Grazie zeigen zu können. Ich kann hören, was da an Strawinskys kongenialer Musik auf mich einwirkt.  Synkopisch hart, in diatonischer Melodik oder dem musikalischen Impressionismus verpflichtet und chromatisch erweitert; hervorragend intoniert von den Damen und Herren des Philharmonischen Orchesters am Theater Plauen-Zwickau und dirigiert von Maxim Böckelmann. Diesem wiederum verdankt das Ballett die eigenständige Klangcollage „Spacevogel“, die die Eingangsszene erfüllt und in eine märchenhafte Welt hineinführt, über die noch zu reden sein wird.

Plauen / Theater_Der Feuervogel © Peter Awtukowitsch

Plauen / Theater_Der Feuervogel © Peter Awtukowitsch

Ich kann intuitiv und mit aller Kraft meiner Phantasie versuchen zu begreifen, was ich sehe. Ragt ein Thron im Zentrum des Bühnenbildes (Miriam Braunstein) auf? Oder ist das ein Baum? Von Gras umgeben und weißen Luftballons gekrönt. Wer aber wird sich auf die Schaukel schwingen, die lockend zwischen den Zweigen hängt? Eine herrisch auf hochhakigen Schuhen daherkommende Dame (Louisa Poletti) im schwarzen Mantel, dominiert den Auftakt. Dreimal umkreist sie den Baum. Aus dem Orchestergraben winden sich unwirkliche Gestalten. Ein junges Mädchen (Nicole Stroh) betritt die Szene, modern gekleidet, suchend. Dann, der Feuervogel (Federico Politano), in unterschiedlicher Verkleidung. Das Spiel kann beginnen. Es werden, auch wie so oft, die stets die Künstler inspirierenden, uralten Themen verhandelt: die Suche nach Liebe, der Kampf zwischen Gut und Böse, Tod und Erfüllung.

 Plauen / Theater_Der Feuervogel_Poletti und Politano © Peter Awtukowitsch

Plauen / Theater_Der Feuervogel_Poletti und Politano © Peter Awtukowitsch

Oder ich nähere mich zum anderen dem Gegenstand mit wissenschaftlicher Akribie. Erfahre, dass Der Feuervogel bereits seit über 100 Jahren Furore macht, Ballettgeschichte geschrieben hat. Dass Strawinsky mit seiner Feuervogel-Musik zum weltbekannten Komponisten avancierte. Dass sich die Handlung speist aus russischen Märchenmotiven; dem des Feuervogels und des Märchenhelden Iwan Zarewitsch und dem vom unsterblichen Zauberer Kaschtschej, was schon verwirrend genug ist. Lese dann im schönen Programmheft (Ulrike Cordula Berger) nach, dass Ballettdirektorin Göhre dieses Ballett sehr heutig begreift und sein Wesen darin erkennt, „dass ein junger Mensch erwachsen werden muss und … sich zwischen der Traumwelt und der Realität entscheidet.“ Dass sie zudem einen Geschlechterwechsel riskiert hat. So wird der Feuervogel von einem Mann getanzt, und selbst ein knallrotes Tutu tut dem keinen Abbruch. Iwan hat sich in Iwanka verwandelt, die schöne Zarewna in einen Zarewitsch (Keigo Nozaki), und der Zauberer Kaschtschej betört –  endlich des Lackledermantels ledig – als sehr erotische Dame im transparenten Ganzkörpergewand (Kostüme: Leah Lichtwitz). –

Einprägsame Bilder bestimmen die herausragende Inszenierung. Ein Glücksgefühl entsteht, wenn die Tänzerinnen und Tänzer, die mit eckigen Bewegungen als mechanisch reagierende Schaufensterpuppen zu Automaten mutiert sind, sich – nun auch bekleidet – in harmonische Menschen verwandeln und unbedingt genannt sein müssen: Maki Taketa, Ekaterina Tumanova, Elena Tumanova, Michele Ciacci, Sebastian Uske und Keigo Nozaki.  

Viele theatralischen Register werden gezogen: So blitzt und donnert es gewaltig, Lichteffekte (Beleuchtung Jan Parthey) tun ein Übriges, die Kunstwelt wird zum sehr wirklichen Ort. Da in den russischen Volksmärchen, die ursprünglich das Ballett inhaltlich strukturieren, das Ei eine wichtige Rolle spielt (als Sitz der unsterblichen Seele Kaschtschejs), ermöglichen die zahllosen eiförmigen und hellen Luftballons, die wirkungsvoll auf die Bühne fallen, entsprechende Assoziationen. Schließlich haucht die böse Zauberin ihre Seele aus und endet in Ketten geschlagen. Die Liebenden finden sich.

Nach gut einer Stunde geht das furiose Ballett mit versöhnenden Szenen voller Hoffnung zu Ende. Ob ich es mit heiterem, naivem Herzen genieße oder mich vor allem in kunsttheoretische Überlegungen vertiefe, immer bleibt mir ein Kunsterlebnis, das alle meine Sinne anspricht und auf meine Ratio nicht verzichtet. Sehr empfehlenswert. IOCO / Lutz Behrens / 07.07.2016

Der Feuervogel:  Weitere Vorstellungen in Plauen am 16.12.2016 und 26.3.2017;  in der Lukaskirche Zwickau am 17.3.2017, 18.3.2017, 19.3.2017, 22.3.2017.

—| IOCO Kritik Theater Plauen Zwickau |—