Wuppertal, Wuppertaler Bühnen, Und ewig begeistert Hänsel und Gretel, IOCO Kritik, 12.02.2014

Februar 14, 2015 by  
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Wuppertaler Bühnen

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Opernhaus Wuppertal © Andreas Fischer

Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck

 Das junge Publikum feiert auch die letzte Vorstellung !

Auslaufende, „ausgediente“ Produktionen an Theatern finden nur wenig Aufmerksamkeit in den Gazetten. IOCO besuchte Anfang Februar 2015 in Wuppertal die letzte Hänsel und Gretel  Aufführung der Spielzeit und sprach mit jungen wie alten Besuchern über deren Meinung zur Inszenierung und Vorstellung. Intendant Toshiyuki Kamioka saniert zurzeit die Oper bei dramatischen Sparvorgaben, kämpft mit höchst merkwürdigen operativen Hemmnissen. IOCO wollte zur letzten Hänsel und Gretel Vorstellung, einer wiederbelebten Produktion von ex-Intendant Johannes Weigand aus 2006, deren Zuspruch, Akzeptanz durch das Publikum kennen lernen.

Wuppertaler Bühnen / Hänsel und Gretel © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Hänsel und Gretel © Uwe Stratmann

Hänsel und Gretel ist Deutschlands heimliche Nationaloper, eine der meist gespielten Opern in deutschen Sprachraum. Komponist Engelbert Humperdinck (1854 – 1921), ein großer seiner Zunft, lernte 1879 in Italien Richard Wagner kennen, welcher ihn sogleich als persönlichen Assistenten nach Bayreuth engagierte. So wirkte Humperdinck 1882 an der Uraufführung des Parsifal aktiv mit. Auch Cosima Wagner war von Humperdinck angetan. Lange nach Richard Wagner Tod bat sie ihn, ihrem Sohn Siegfried Musikstunden zu geben und in Kompositionslehre zu unterweisen. Die Komposition von Hänsel und Gretel ist mehr als leichte Kinderkost. Humperdincks spätromantischer Welterfolg atmet die kompositorischen Erfahrungen seiner extremen Jahre von Bayreuth. Der große Richard Strauss leitete 1893 die Uraufführung.

Wuppertaler Bühnen / Hänsel und Gretel - Taumännchen und Engel © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Hänsel und Gretel – Taumännchen und Engel © Uwe Stratmann

Hänsel und Gretel in Wuppertal ist eine märchenhaft, lebensnah wie bunte Produktion, welche das jüngere Publikum mitnehmen möchte. Die grausamen Teile der Grimmschen Sage werden deshalb sorgsam verpackt. Farbendralle Bühnenprospekte (Markus Pysall) verleihen dem Bühnengeschehen einen unschuldig, romantischen Hintergrund. Ein alter hölzerner Wohnwagen, eine Wäscheleine, und ein Sessel stimmen das junge Publikum in die meist bekannte Handlung ein: Hänsel und Gretel tollen ausgelassen, die Mutter Gertrud sorgt sich und schimpft, Vater  Besenbinder kommt ausgelassen von der Arbeit. Doch dann weicht das Klassische: Das Sandmännchen erscheint in Tretboot und Raumanzug, Taumännchen auf schrägem, propellergetriebenem Fahrrad. Das Lebkuchenhäuschen der Hexe ist  ein Haribo-Lakrizhäuschen, dem eine zunächst „brave Hexe“ in gepflegtem Kostüm entsteigt, Hänsel und Gretel lockend. Doch bald feiern die kleinen Besucher begeistert mit: Von Kostüm und Haaren entledigt, in Kleiderfetzen und mit bleichen Zottelhaaren vollführt die „böse Hexe“ einen  Hexentanz  und verschwindet letztendlich und leibhaftig im Bühnenhimmel.

Wuppertaler Bühnen / Hänsel und Gretel - Hexe © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Hänsel und Gretel – Hexe © Uwe Stratmann

Mikhail Asgrest führt das gut aufgelegte Sinfonieorchester Wuppertal schon mit der Ouvertüre sanft, romantisch durch Grimms Märchenwelt. Die Klänge schweben, die große Komposition Engelbert Humperndincks wird hörbare Belohnung der reifen, Hänsel und Gretel-erfahrenen Besucher. Klangsprachliches bleibt in den sphärischen und somnambulen Partien schön erhalten. Dorothea Brandt als Gretel stimmt mit ihrer lyrisch und gut verständlich gesungenen Arie „Brüderchen komm tanz mit mir“ das junge Publikum sofort ein. Ein 8-Jähriger berichtete uns begeistert in der Pause, „man versteht alles so gut“; nicht ohne, ganz alter Opernhase, über das manchmal laute Orchester zu klagen. Gemeinsam mit Michaela Mehring als Hänsel tanzen, singen, spielen die Hauptprotagonisten bestens abgestimmt. Thomas Laske zeichnet, obwohl noch jung wirkend, mit wohltimbriertem Bariton den gut gelaunten wie sorgenvollen Vater stimmlich wie spielerisch authentisch, von Stefanie Braun als Mutter bestens begleitet. Der junge Tenor Boris Leisenheimer verleiht als zunächst betulich „brave“, dann aber als fetzig „böse“ Hexe der Partie stimmlich wie darstellerisch markanten, mitreißenden Charakter; auch sein leibhaftiger Abflug (Michael Pachura) quer durch den Bühnenhimmel gelang: Von vielen Kindern laut bestätigt! Der vom Zauber befreite große Kinderchor, „Erlöst, befreit für alle Zeit“, besingt liebevoll das gute Ende von Handlung wie der letzten Hänsel- Aufführung der Spielzeit.

Wuppertaler Bühnen / Hänsel und Gretel - Die böse Hexe © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Hänsel und Gretel – Die böse Hexe © Uwe Stratmann

Das junge Publikum tobte. Auch wir Großen konnten uns der Spielfreude des Ensembles wie der sanften Romantik des abschließenden Kinderchores nicht entziehen. Das klassische Märchen Hänsel und Gretel wird in Wuppertal zur bunten Wundertüte für das begeistert tuschelnde junge Publikum. Die letzte Vorstellung von Hänsel und Gretel zeigte hohe Akzeptanz.

Die Oper Wuppertal war  ausverkauft, das Publikum aufgeschlossen.  Die vielen fröhlichen ganz Kleinen merkten ihrem Jubel nur schüchtern an, das Orchester könne gelegentlich leiser spielen.

IOCO / Viktor Jarosch / 13.02.2015

Wuppertal, Wuppertaler Bühnen, Premiere DON QUICHOTTE, IOCO Kritik, 13.04.2013

April 15, 2013 by  
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Kritik

Wuppertaler Bühnen

Packend:   “Don Quichotte“  von Jules Massenet

Von den gut zwei Dutzend Opern, die Massenet geschrieben hat, sind Manon, Werther und Cendrillon feste Bestandteile der internationalen Spielpläne. Allenfalls gehört noch seine 21. Oper Don Quichotte dazu, die 1910 in Monte Carlo aus der Taufe gehoben wurde. Kein Geringerer als Feodor Schaljapin sang damals die Titelrolle des  Ritters von der traurigen Gestalt

Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte -   v.l.n.r.: Martin Js. Ohu, John In Eichen © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte – v.l.n.r.: Martin Js. Ohu, John In Eichen © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte -  v.l.n.r.: Martin Js. Ohu, John In Eichen © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte – v.l.n.r.: Martin Js. Ohu, John In Eichen © Uwe Stratmann

Das Libretto von Henri Cain fußt nicht direkt auf der Dichtung von Miguel Cervantes, sondern auf dem Theaterstück “Le Chevalier de la longue Figure“ von Jaques le Lorrain. Bei Massenet bekommt der Quichotte einen anderen Charakter. Aus dem “wirrköpfigen“ Ritter bei Cervantes wird ein Wohltäter und Idealist. Auch die von Quichotte angebetete Dulcinée erfährt eine Veränderung. Aus dem Bauernmädchen wird eine Kurtisane.

Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte - Herrenchor der Wuppertaler Bühnen / Mitte: John In Eichen © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte – Herrenchor der Wuppertaler Bühnen / Mitte: John In Eichen © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte -  v.l.n.r.: John In Eichen, Martin s. Ohu © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte – v.l.n.r.: John In Eichen, Martin s. Ohu © Uwe Stratmann

Die Handlung ist gut gegliedert und auf drei wesentliche Szenen beschränkt. “Leidenschaftlich bringt Quichotte der schönen Dulcinée ein Ständchen. Sie fordert ihn auf, ihr von Banditen geraubtes Diadem zurückzubringen. Im dichten Morgennebel verwechselt der Ritter einen Riesen mit einer Windmühle und wird von deren Flügeln fast erschlagen. Zusammen mit seinem treuen Gefährten Sancho Pansa stöbert er die Banditen auf, von denen er gefangen genommen wird und aufgehängt werden soll. Doch sein mit Inbrunst vorgetragenes Stoßgebet gen Himmel rührt die Räuber, sie lassen ihn frei und geben das geraubte Diadem zurück. Voller Glückseligkeit überreicht er Dulcinée das Diadem und hält um ihre Hand an. Doch sie weist ihn zurück und gibt sich ihm als Kurtisane zu erkennen. Gebrochenen Herzens und verhöhnt von allen flüchtet er mit Sancho Pansa in den Wald. Dort hört er zum letzten Mal die Stimme der Angebetenen und stirbt in Sanchos Armen“ (sinngemäß aus dem Programmheft übernommen).

 
Nun nahmen sich die Wuppertaler Bühnen des Werkes an und konnten einen respektablen Erfolg erzielen.
Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte -  Mitte: Joslyn Rechter; vorne: John In Eichen und Chor der Wuppertaler Bühnen © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte – Mitte: Joslyn Rechter; vorne: John In Eichen und Chor der Wuppertaler Bühnen © Uwe Stratmann

Die Inszenierung übernahm Jakob Peters-Messer, der in Wuppertal schon einige Werke erarbeitet hat. Seine sensible Personenführung schafft für die Sänger viele Freiräume, aber unterstützt auch die Formung des Charakters der jeweiligen Rolle. Mit kleinen Gesten schuf er poetische Stimmungen und fand ohne Effekthascherei zu spielerischer Leichtigkeit und zu einer klar verständlichen Aussage.
Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte -  v.l.n.r.: Martin Js. Ohu, John In Eichen © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte – v.l.n.r.: Martin Js. Ohu, John In Eichen © Uwe Stratmann

 
Kongenial ihm zur Seite sein Bühnen- und Kostümbildner Markus Meyer, der eine phantasievolle, aber farblich eintönige Ausstattung kreierte. 
Einige Details: Quichottes Refugium ist eine hübsche fahrbare Badewanne. Für sein Ross Rosinante genügt eine Doppelleiter. Sancho Pansas voluminöses wattiertes Kostüm ist ebenso komisch, wie der Eselskopf hübsch. Die weiße Rückwand mit ihren Türen und Luken ermöglicht viele Effekte. Eine nicht gehende beleuchtete Wanduhr gibt Rätsel auf.     
  
Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte - Joslyn Rechter, John In Eichen © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte – Joslyn Rechter, John In Eichen © Uwe Stratmann

Am Pult stand Tobias Deutschmann, der den Spannungsgehalt der klangvollen Musik Massenets vorzüglich zur Geltung brachte. Dabei wurde er bestens unterstützt vom Sinfonieorchester Wuppertal, das glänzend disponiert war und dessen seidige Streicher wieder einmal hervorragend zur Geltung kamen. 

 
Sehr gut klingend präsentierte sich der Chor der Wuppertaler Bühnen, den Jens Bingert einstudiert hatte. 
 
Vokal ausgezeichnet und in der Gestaltung sehr spielintensiv überzeugten die Solisten. 
 
John in Eichen blieb der diffizilen Rolle des Don Quichotte stimmlich und darstellerisch nichts schuldig. Wenngleich doch seine enge, nasale hohe Lage  gewöhnungsbedürftig ist.
 
Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte - Mitte: Martin Js. Ohu, John In Eichen / Chor der Wuppertaler Bühnen © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte – Mitte: Martin Js. Ohu, John In Eichen / Chor der Wuppertaler Bühnen © Uwe Stratmann

Mit prächtigem, gut klingenden Bass und wirklich überrumpelnder Ausstrahlung war Martin Js. Ohu ein idealer Sancho Pansa, dessen behände Körpersprache immer wieder verblüffte.
 
Ein glänzendes Rollenporträt zeichnete Joslyn Rechter. Ihre Dulcinée war in allen Situationen glaubhaft. Ihr feiner, in allen Lagen ansprechender 
Mezzosopran, hatte viele Farben bereit für diese schillernde Figur, die Massenet mit musikalischer Opulenz ausgestattet hat.
 
Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte -  v.l.n.r.: Chor der Wuppertaler Bühnen / Annika Boos, Boris Leisenheimer, Miljan Molovic, Joslyn Rechter, Miriam Ritter © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Don Quichotte – v.l.n.r.: Chor der Wuppertaler Bühnen / Annika Boos, Boris Leisenheimer, Miljan Molovic, Joslyn Rechter, Miriam Ritter © Uwe Stratmann

Tadellos in Stimme und Spiel präsentierten sich die Sänger der mehr als ein halb Dutzend kleineren Rollen. Von ihnen gefiel besonders der Juan von Miljan
Milovic.
 
Das Publikum feierte alle Mitwirkenden mit lang anhaltendem, frenetischem Beifall. Diese Produktion sollte man unbedingt gesehen haben.
IOCO / UGK /  13.04.2013

Münster, Schlossplatz, Anna Netrebko – Ramón Vargas – Erwin Schrott- Gipfeltreffen der Stars auf dem Schlossplatz von Münster, IOCO Kritik, 02.06.2012

Juni 5, 2012 by  
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Kritik

DEAG in Zusammenarbeit mit  Handwerker Promotion &  Stratmann Konzerte

Gipfeltreffen der Stars auf dem Schlossplatz in Münster

Handwerker Promotion / Erwin Schrott © ANDREAS H. BITESNICH

Handwerker Promotion / Erwin Schrott © ANDREAS H. BITESNICH

Handwerker Promotion / ANNA NETREBKO © DARIO ACOSTA

Handwerker Promotion / ANNA NETREBKO © DARIO ACOSTA

Anna Netrebko, Erwin Schrott & Ramón Vargas
Mit dem Orchester Neue Philharmonie Westfalen
Unter der Leitung von Marco Armiliato
Und dem Norddeutschen Figuralchor

Seit gut acht Jahren veranstaltet die DEAG diese außergewöhnlich gut organisierten Klassik Events auf hohem Niveau, zu dem auch hier in Münster wieder Schaaren von begeisterten Fans pilgerten.

An diesem kühlen Juniabend bildete das Fürstbischöfliche Schloss in Münster die malerische Kulisse für einen wunderbaren Abend. Das schöne Barockschloss aus dem 18. Jahrhundert umrahmt den Schlossplatz, der über 10 000 Personen Platz bot.

Die Solisten Anna Netrebko, Erwin Schrott und Ramón Vargas, der für den erkrankten Jonas Kaufmann eingesprungen ist, versprachen einen hochkarätigen Abend. Die neue Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Marco Armiliato spielte zum Auftakt die Ouvertüre aus L‘Italiana in Algeri von Gioacchino Rossini mit außerordentlicher Präzision und hoher rhythmischer Vitalität.

Erwin Schrott präsentierte sich in einem modernen, aber für seine Verhältnisse ungewöhnlich dezenten Smoking. Mit seiner echten Haarfarbe wirkte er geradezu jungenhaft. Er betrat die Bühne gewohnt lässig, die Hände in den Hosentaschen und schmetterte das Rondo des Méphistophélès  “Le veau d‘or“ aus Faust von Charles Gounod.

Die russische Sopranistin Anna Netrebko erschien in einem atemberaubenden mintgrünen schulterfreien Kleid, rieb sich fröstelnd die Arme und nahm schon vor dem ersten Ton das Publikum für sich ein. Sie sang die Arie “Io son L’umile ancella“ aus Adriana Lecouvreur von Francesco Cilea mit wunderschönen warmen Tönen und lies das kühle Wetter an diesem Abend schnell vergessen.

Obwohl in Luisa Millers “O fede negar potessi .. Quando le sere al placido“ das Orchester etwas schwerfällig spielte, präsentierte der mexikanische Tenor Ramón Vargas diese Arie mit langem Atem und stabiler Höhe. Die Neue Philharmonie Westfalen interpretierte das Intermedio der Zarzuela La Boda de Luis Alonso von Gerónimo Giménez mit enthusiastischem Schwung.

Beim Tango Oblivion von Astor Piazzolla stahl der Bandoneon Spieler Mario Stefano Pietrodarchi mit seinen leidenschaftlich wiegenden fast übertriebenen Gesten dem Bariton E.Schrott in dieser Nummer klar die Show. Das amüsierte Publikum konnte die Augen kaum von dieser “schauspielerischen Darbietung“ lassen, zumal diese auch in Nahaufnahme über die Großbildschirme übertragen wurde.

Das Duett Vargas / NetrebkoO soave fanciulla“ aus La Bohème von Giacomo Puccini sangen beide Künstler auf hohem Niveau. Für das finale Interno begaben sich die Sänger an den äußeren Bühnenrand, wo Vargas den Schlusston nicht besonders optimal ansetzte und ihn mit einer sympathisch resignierenden Geste abbrechen musste. Netrebko hielt das “C“ sicher und perfekt bis zum Ende. Mit dem dramatischen Terzett “Qual voluttà!“ aus I Lombardi alla prima crociata von Giuseppe Verdi endete der erste Teil des Programms.

Der Anfang des zweiten Teils des Konzertes war ganz dem Komponisten Giuseppe Verdi gewidmet. Die Neue Philharmonie Westphalen spielte die Ouvertüre aus La forza del destino. E.Schrott sang die Arie “Come dal ciel precipita“ aus Macbeth, kraftvoll, mit hervorragender Diktion und sonorem Timbre. In der komplizierten Arie “Merce dilette amiche“ aus I Vespri Siciliani, in welcher der Sopranistin eine gute Höhe, wie auch voluminöse Tiefe abverlangt wird, brillierte Netrebko mit technisch hervorragend ausgeführten Koloraturen und herrlichen Akuti.

Es folgte Pietro Mascagnis Intermezzo aus Cavalleria Rusticana. Marco Armiliato und die Neue Philharmonie Westfalen bewies Sinn für die Klangbalance sowie Leidenschaft und Emotion. In der  Arie des Nemorino “Una furtiva lagrima“ aus L’elisir d’amore von Gaetano Donizetti entfaltete Vargas große Expressivität und lies das Publikum das Leid dieser tragisch-komischen Figur mitempfinden. Das Orchester begleitete den Tenor hier hervorragend. Es “atmete“ förmlich mit ihm.

In einem pastellfarben gemustertes Frühlingskleid begeisterte Netrebko mit  “Heia, in den Bergen“ aus der Operette Die Csardasfürstin von Emmerich Kálmán tanzend und  mitreißend temperamentvoll das Publikum.

Der Komponist und Sänger Carlos Gardel, dessen Herkunft zwischen Uruguay und Argentinien oft zu Kontroversen führte, ist der Autor des Boleros “El día que me quieras“, den, der ebenfalls aus Uruguay stammenden Bariton, Erwin Schrott begleitet von Bandeon, Klavier und dezentem Orchester mit hervorragender Diktion darbrachte.

Das neapolitanische Lied “Core ‘ngrato“ das von Salvatore Cardillo 1911 für Caruso geschrieben wurde, präsentierte  Vargas mit schönem Farbenreichtum und tiefem Sentiment.

Der Bariton Erwin Schrott ließ es sich natürlich nicht entgehen in dem Duett “Lippen schweigen“ aus der lustigen Witwe von Franz Lehár an der Seite seiner Frau die Partie des Danilo zu singen. Das Paar begann erst verschämt flirtend, tanzte dann bald verliebt beim abendlichen Vollmond und beendete dieses Stück mit einem innigen Kuss. Das Publikum applaudierte begeistert.

Die Neue Philharmonie Westfalen entwickelte geradezu spanische Leidenschaft in der “Aragonese“ aus Carmen von Georges Bizet. Das Schlußterzett “Alerte, Alerte, ou vous etes perdus“ aus Faust von Charles Gounod bildete ein wunderbares Finale mit dem sich die drei Solisten, der Chor und das Orchester verabschiedeten.

Das Publikum hielt es nicht mehr auf den Sitzen und honorierte die Leistung der Künstler mit Standing Ovations. Unter andauerndem Beifall wurden den Sängern Blumen überreicht. Vargas bedankte sich mit einer Rose, die er ins Publikum warf. Schrott konterte natürlich mit einem ganzen Blumenstrauß, den er einer Dame in der ersten Reihe zuwarf.

Anna Netrebko begann die Zugaben mit “O mio Babbino caro“ aus Gianni Schicchi von Giacomo Puccini und nutzte den, von einem kleinen Mädchen auf die Bühne geworfenen Blumenstrauß als Requisite für ihre exquisite Interpretation. Es folgte Ramón Vargas, der ein fulminantes “Granada“ in die Menge feuerte. Er sang dieses bekannte Lied, dass der Komponist Agustin Lara für den Tenor und Namensvetter Pedro Vargas geschrieben hat, mit  langanhaltenden Spitzentönen. Der “Rojo Tango“ von Pablo Ziegler beendete den Zugabenreigen und wurde von Erwin Schrott mit großer Leidenschaft gesungen.

Trotz eindringlicher Forderung nach weiteren Darbietungen, verabschiedeten sich die Künstler winkend unter langanhaltendem Jubel vom angeheizten Publikum.

Kommende Konzerte:
04.06.2012    Mannheim    –           Rosengarten
09.06.2012    Wiesbaden   –           Bowling Green
16.07.2012    Hannover      –           Kuppelsaal
15.01.2013    Hamburg       –           Laeiszhalle

IOCO / BK & MJ / 02.06.2012

 

—| IOCO Kritik Schlossplatz Münster |—

Münster, Schlossplatz – Gipfeltreffen der Stars – Ramón Vargas springt für den erkrankten Jonas Kaufmann ein, 02.06.2012

Juni 1, 2012 by  
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BUCARDO in Zusammenarbeit mit  Handwerker Promotion

Stratmann Konzerte

Das Gipfeltreffen der Stars 2012!

Weltstar Ramón Vargas kommt für erkrankten Jonas Kaufmann
Anna Netrebko und Erwin Schrott proben heute für Münster!

& dem Orchester der Prager Philharmonie

Sa., 02.06.2012, 20 Uhr

Münster, Schlossplatz

Handwerker Promotion / Gipfeltreffen-der-Stars-2011© Ralph@Larmann.com

Handwerker Promotion / Gipfeltreffen-der-Stars-2011© Ralph@Larmann.com

Am 2. Juni findet auf dem Schlossplatz in Münster das Klassikhighlight des Jahres statt: Das Gipfeltreffen der Stars. Anna Netrebko und Erwin Schrott befinden sich bereits auf dem Weg zu ihren Konzertproben, die heute in der Nähe von Münster stattfinden. Anna Netrebko und ihr Partner und Bassbariton von Weltformat Erwin Schrott freuen sich auf das gemeinsame Open Air Konzert. An Anna Netrebkos Seite wird der weltweit gefeierte Tenor Ramón Vargas Jonas Kaufmann ersetzen, der wegen einer hartnäckigen Infektion seine Teilnahme leider absagen muss. Ramón Vargas hat dafür kurzfristig seine Proben an der Wiener Staatsoper unterbrochen, um am 02.06. in Münster auf dem Schlossplatz singen zu können! Das Orchester der Neuen Philharmonie Westfalen spielt unter der Leitung von Maestro Marco Armiliato.

Anna Netrebko und Ramón Vargas verbindet eine langjährige, kollegiale und auch persönliche Freundschaft. Bereits 2007 wurden sie bei ihren gemeinsamen Konzerten von Publikum und Medien gleichermaßen gefeiert. Die Berliner Morgenpost notierte: „Stafettenlauf der vokalen Herrlichkeiten, serviert von der bezaubernden Anna Netrebko und ihrem Bühnenpartner Ramón Vargas…mit vereinten künstlerischen Kräften machten sie die Philharmonie zum Tollhaus des Jubels“ und “ …das Publikum feierte dazwischen lauthals das Glück, zuhören zu dürfen, das Vargas mit seinen Soli noch zu steigern verstand.“ Und der Tagesspiegel stellte zu Ramón Vargas fest: „eleganter Interpret und smarter Darsteller“.

Anna Netrebko und Ramón Vargas werden gemeinsam „O soave fanciulla“ aus Giacomo Puccinis La Bohème vortragen sowie im Terzett mit Erwin Schrott „Qual voluttà!“ aus Verdis I lombardi alla prima crociata und “Alerte, alerte, ou vous êtes perdus!“ aus Gounods Faust.

Weitere Programmhöhepunkte von Anna Netrebko sind „Io son l’umile ancella“ aus Francesco Cileas Adriana Lecouvreur, der Bolero „Mercè, dilette amiche“ aus Verdis I vespri siciliani sowie „Heia, in den Bergen“ aus Kálmáns Die Csárdásfürstin. Erwin Schrott wird neben „Le veau d’or“ aus Gounods Faust, „Come dal ciel precipita“ aus Verdis Macbeth auch ein Duett mit Anna Netrebko aus Lehárs Die lustige Witwe ‘Lippen schweigen!’ singen. Ramón Vargas wird „Una furtiva lagrima“ aus Donizettis Liebestrank und einige Überraschungen im Gepäck haben.

Das Gipfeltreffen der Stars 2012
02.06.2012 Münster Schlossplatz

 

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