Hagen, Theater Hagen, Hoffmanns Erzählungen – Jacques Offenbach, IOCO Aktuell, 29.11.2019

November 29, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Oper, Pressemeldung, Theater Hagen

theaterhagen_seit1911_2

Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN  – Jacques Offenbach

Intendant Francis Hüsers inszeniert

Premiere 30. NOVEMBER 2019, 19.30 Uhr

Die Premiere von Hoffmanns Erzählungen am Theater Hagen findet am 30. November 2019 statt. IOCO wird dazu berichten. 

Aufgeführt wird die Neuinszenierung der Oper Hoffmanns Erzählungen (Les Contes d’Hoffmann) von Jacques Offenbach (Libretto von Jules Barbier; Fassung: Choudens-Guiraud 1907), in französischer Sprache mit deutschen Übertexten.

Jacques Offenbach Paris © IOCO

Jacques Offenbach Paris © IOCO

Diebe, die es auf Schatten und Spiegelbilder abgesehen haben; eine längst verstorbene Mutter, die in den Gesang ihrer Tochter einstimmt; ein Wesen zwischen Mensch und Maschine; geheimnisvolle Doppelgänger – in den Werken des deutschen romantischen Dichters E.T.A. Hoffmann werden die Leser in phantastische Welten geführt, in denen die Gesetze der Logik und Vernunft außer Kraft gesetzt sind. 30 Jahre nach dem Tod E.T.A. Hoffmanns griffen Jules Barbier und Michel Carré auf drei Erzählungen des Autors zurück und machten daraus ein Schauspiel. Ihre Idee war es auch, den Dichter Hoffmann selbst als Protagonisten auf die Bühne zu bringen. Der Komponist Jacques Offenbach, dessen 200. Geburtstag in 2019 gedacht wird, verwendete dieses Stück als Vorlage für seine letzte, abwechslungs-, fantasie- und überaus melodienreiche Oper, die unvollendet blieb und erst posthum 1881 in Paris zur Uraufführung gebracht wurde.

Intendant Francis Hüsers inszeniert Hoffmanns Erzählungen für das Theater Hagen. Zum Produktionsteam gehören: Alfred Peter (Bühne), Katharina Weissenborn (Kostüme), Eric Rentmeister (Choreographie), Martin Gehrke (Licht) sowie Generalmusikdirektor Joseph Trafton (musikalische Einstudierung und Leitung), Wolfgang Müller-Salow (Choreinstudierung), Rebecca Graitl (Dramaturgie).

Theater Hagen / Hoffmanns Erzählungen - hier: Thomas Paul als Hoffmann, Netta Or als Giulietta © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Hoffmanns Erzählungen – hier: Thomas Paul als Hoffmann, Netta Or als Giulietta © Klaus Lefebvre

In der Inszenierung wird Hoffmanns Blickwinkel mit der Perspektive von vier Frauen konfrontiert, die sich in ein Spiel mit ihm begeben und ihn dabei herausfordern. Dadurch entsteht ein Ringen um Macht und Ohnmacht, um die Deutungshoheit über die Geschichten Hoffmanns und nicht zuletzt um das wahre Wesen der Liebe.

Es singen und spielen: Marilyn Bennett (Stimme der Mutter), Angela Davis (Antonia), Boris Leisenheimer (Spalanzani), Maria Markina (Muse/Nicklausse), Kenneth Mattice (Hermann/Schlemihl), Netta Or (Giulietta), Matthew Overmeyer (Nathanael), Thomas Paul (Hoffmann), Cristina Piccardi (Olympia), Steven Scheschareg alternierend mit Dong-Won Seo (Lindorf/Coppélius/Miracle/ Dapertutto), Ivo Stánchev (Luther/Crespel), Richard van Gemert (Andrès/Cochenille/Pitichinaccio/Frantz), Chor des Theaters Hagen, Extrachor des Theaters Hagen, Statisterie des Theaters Hagen, Philharmonisches Orchester Hagen

Weitere Vorstellungen: 6.12. (19.30 Uhr); 20.12. (19.30 Uhr); 26.12. (16.00 Uhr); 29.12.2019 (15.00 Uhr); 12.1. (18.00 Uhr); 19.1. (18.00 Uhr); 15.2. (19.30 Uhr); 4.3. (19.30 Uhr); 21.3. (19.30 Uhr); 1.4.2020 (19.30 Uhr); Gastspiel in Remscheid: 25.1.2020

Karten an der Theaterkasse, unter Tel. 02331/207-3218 oder www.theaterhagen.de, an allen Hagener Bürgerämtern, Tel. 02331/207-5777 sowie bei den EVENTIM-Vorverkaufsstellen.


„Jacques Offenbach – Meister des Vergnügens“

Heiko Schon liest aus seinem Buch: Freitag, 6.12.2019, 18.30 Uhr, Theatercafé – Eintritt frei

Die Stunde der Kritik: Freitag, 20.12.2019, im Anschluss an die Vorstellung, Theatercafé – Eintritt frei. – Zu Gast: Karl Gabriel von Karais (Das Opernglas)

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Wien, Arnold Schönerg Center, Appell und Seelenschau – Konzert, IOCO Kritik, 31.01.2019

Arnold Schönberg Wien © IOCO

Arnold Schönberg – Gedenkplastik Wien © IOCO

Arnold Schönberg Center

Appell und Seelenschau – Madison String Quartet

Arnold-Schönberg-Center – Wien

von Marcus Haimerl

Gemeinsam mit dem österreichisch-amerikanischen Bariton Steven Scheschareg, dem israelischen Pianisten Itay Goren und dem amerikanischen Dirigenten Charles Prince, gestaltete das Madison String Quartet (Evelyn Estava, Violone, Rebecca Harris-Lee, Violine, Michael Avagliano, Viola und Gerall Hieser, Violoncello), welches im Januar 2019 sein 20-jähriges Bestehen feiert, ein ebenso spannendes, wie tief berührendes Konzert mit dem Titel Appell und Seelenschau.

Am Beginn stand Dover Beach op. 3 von Samuel Barber aus dem Jahr 1931. Das Werk des gerade erst 21jährigen amerikanischen Komponisten beruht auf einem Gedicht des viktorianischen Dichters Matthew Arnold (1822 – 1888). Die pessimistische Grundhaltung des Gedichts wandelt die Schönheit der Naturbilder in ein Symbol der Wiederkehr des menschlichen Elends. Der ruhige, beinahe meditative Beginn dieses Stückes steuert auf einen Höhepunkt zu, nur um am Ende wieder in einen wellenartigen Rhythmus zurückzufallen. Mit seinem schönen, dunklen Bariton gelang Steven Scheschareg gemeinsam mit dem Madison String Quartet eine berührende Umsetzung von Samuel Barbers Werk.

Noch näher am Thema Musik und Politik befindet sich das Werk The Survivor des venezolanischen Komponisten Icli Zitella (*1966). Inspiriert durch Arnold Schönbergs A Survivor from Warsaw (1948) schrieb Zitella eine Chronik von Aufstieg und Machterhaltung des totalitären Regimes in Venezuela. Das Werk voller Zitate aus der venezolanischen Nationalhymne, dem Militärlied „Patria, patria querida“, aber auch politischen Liedern und venezolanischer Volksmusik ist ein musikalisches Porträt über die verheerenden Auswirkungen der Revolution.

Arnold Schönberg Center / Madison String Quartet © Steven Scheschareg

Arnold Schönberg Center / Madison String Quartet © Steven Scheschareg

Mit Arnold Schönbergs Fuge in e-Moll („Kristallnachtfuge“), in einem wunderschönen Arrangement für Klaviertrio, berührten Itay Goren (Klavier), Evelyn Estava (Violine) und Gerall Hieser (Violoncello) das Publikum mit dem Versuch einer Reaktion des Komponisten auf die Reichsprogromnacht.

Für ein besonderes Gänsehaut-Feeling sorgte das Madison String Quartet mit dem Stück „La vida es sueño op. 76“ (Life is a dream) des in Montevideo, Urugay geborenen, amerikanischen Komponisten Miguel del Águila. Als Einführung trug Steven Scheschareg das zu Grunde liegende Gedicht Calderón de la BarcasDas Leben ist ein Traum“ vor. Zu der Musik, vom spanischen Phrygisch zu einem lebhaften Jota-Tanz, rezitieren die Musiker die Worte Calderóns. Ein besonderes Klangerlebnis, wenn Evelyn Esteva zu Beginn des Stücks hinter dem Publikum zu spielen beginnt.

Nach der Pause folgte das Hauptwerk des Abends: Arnold SchönbergsOde to Napoleon Buonaparte op. 41“. Zu der vom Madison String Quartet und Itay Goren vorgetragenen, von Charles Prince dirigierten Musik Schönbergs, trug Steven Schechareg den Text von Lord Byrons Gedicht vor. Mühelos gelang dem Bariton ein intensiver Vortrag in dem von Schönberg exakt vorgegebenen Sprechgesang. Insgesamt war hier eine exemplarische Darbietung von Schönbergs Werk zu erleben.

Der Vortrag zu Arnold SchönbergsOde to Napoleon Buonaparte op. 41“ durch Eike Feß brachte dem Publikum Hintergrund und Entstehung dieses Werks näher und ermöglichte bei der nachfolgenden Wiederholung des gesamten Stücks ein noch sehr viel tiefgreifenderes Erlebnis.

Auch wenn die Werke unweigerlich Betroffenheit, ja sogar tiefen Schmerz auslösen mussten, zeugte der wohlverdiente, frenetische Applaus des Publikums im gut besuchten Arnold-Schönberg-Center nicht nur von den klug gewählten Werken, sondern auch von der hohen musikalischen Qualität jedes einzelnen Künstlers.

—| IOCO Kritik Arnold Schönberg Center Wien |—