Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, Faust – Charles Gounod, IOCO Kritik, 29.01.2019

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège.

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège

FAUST (Margarethe)  –  Charles Gounod

Margarethe – „Ich bin wie in einem eisernen Ring gefangen!“

von Ingo Hamacher

22 bekannte FAUST – Opern bestehen in der Musikgeschichte. FAUST von Charles Gounod ist davon die berühmteste. Uraufführung am 19. März 1859 im Théâtre-Lyrique, Paris. In Deutschland wird Gounods FAUST meist als MARGARETHE aufgeführt. 1883 wurde die Metropolitan Opera, New York mit diesem Werk eröffnet.


„Ich bin wie in einem eisernen Ring gefangen!“ – Diesen Ausruf Margarethes im 4. Akt auf dem Gipfel ihrer Leiden, hat Stefano Poda als Thema seiner Lütticher FAUST-Inszenierung aufgegriffen, und platziert einen 10 Meter hohen und 2 Meter breiten eisernen Ring in die Mitte des Bühnengeschehens.

Um die ästhetische Einheit seiner Arbeiten für das Musiktheater zu gewährleisten, zeichnet der Italiener Stefano Poda (*1973) stets für die Inszenierung, Bühne, Kostüme, Licht und auch Choreographie verantwortlich, was seinen Inszenierungen ein ganz eigenes, gesamtkünstlerisches Gepräge verleiht. Dreh- und Schwenkbar wird dieser riesige Ring immer neue Blickwinkel und Perspektiven eröffnen, und so in größter Schlichtheit eine geradezu festspielwürdige Aufführung ermöglichen.

FAUST (Margarethe) –  Charles Gounod
youtube Trailer der Opéra Royal de Wallonie-Liège
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Der Bühnenboden ist kreisförmig mit deutschsprachigen Textauszügen des Goetheschen FAUST beschrieben, und wirkt wie ein Zauberbuch. Im Hintergrund und an den Seiten großblöckiges weißes Mauerwerk, dass bei Bedarf angehoben werden kann um dahinter schwarze Mauern zu zeigen.

Akt 1

Faust ist verzweifelt. Seine Bibliothek ist nichts mehr als ein riesiger Haufen Altpapier. Dutzende von Stundengläsern, deren Sand gnadenlos verrieselt, erinnert ihn daran, dass auch seine Zeit abläuft. Was er bisher nicht geschafft hat, wird ihm wohl nicht mehr gelingen. Er will sein Leben beenden; sieht er doch kaum auf mehr als auf ein ungelebtes Leben zurück. Wissenschaft und Glauben verfluchend, ruft er den Teufel an. Prompt erscheint dieser auch. Das Angebot ist verlockend: Als Gegenleistung für Jugend und Liebe soll er seine Seele verschreiben. Faust willigt ein.

Die anspruchsvolle Partie des FAUST wird von Marc Laho gesungen. Der 54 jährige belgische Tenor, der in Lüttich und Italien Gesang studiert hat und in weit über 30 Rollen auf zahlreichen internationalen Bühnen zu hören ist, singt einen großartigen Faust. Daran ändert auch nichts, dass er sich auf dem Höhepunkt der berühmten Kavatine „Salut! De meure chaste et pure“ („Hallo! Vom keuschen und reinem Morgen“) völlig versingt und lediglich einen schrillen, kaum zu ertragenen Ton herausbringt. Das Publikum reagiert mit verständnisvollem Gelächter. Die Partie ist schwierig, und Sänger sind auch nur Menschen. Versungen, aber nicht vertan, wird die Gesamtleistung der Arie mit reichlichem Applaus (!) belohnt.

Ildebrando D’Arcangelo, ein 50 jähriger italienischer Bass-Bariton, der weltweit vor allem klassische Rollen singt, ist erstmalig in Lüttich zu erleben. Er singt den Méphistophélès mit einer nachtschwärze, das seine Herkunft aus der Hölle auch akustisch mehr als glaubhaft wird.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST - Charles Gounod hier A-C. GILLET als Margarethe M. LAHO als Faust © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST – Charles Gounod hier A-C. GILLET als Margarethe M. LAHO als Faust © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Akt 2

Wir wissen: In der Stadt herrscht Trubel. Bürger feiern; Soldaten ziehen in den Krieg. Sehen können wir auf der Einheitsbühne den seine Position veränderten Eisenring und eine große Menschenmenge in Einheitskostümen. Männer in roten Anzügen, Frauen in gleichfarbigen Kleidern, jedoch mit schwarzen Hüten. Valentin, Bruder von Margarethe, vertraut seine Schwester seinem Freund Siebel an, da er selbst in den Krieg ziehen muss. Mephisto gesellt sich zu ihnen und gibt ein Lied zum Besten: Er weissagt Valentin und dessen Freund einen frühen Tod, Siebel aber, dass jede Blume in seiner Hand verwelken werde.

Valentin: Lionel Lhote – Der belgische Barintion, der in Mons und in Brüssel studiert hat, singt seit vielen Jahren große Partien im französisch- und deutschsprachigen Raum. In der laufenden Spielzeit wird er in Lüttich noch in AIDA von Verdi zu erleben sein. Na‘ama Goldman, israelischer Mezzosopran, singt die Hosenrolle des Siebel. Goldman ist seit 2011 festes Mitglied der Israeli Opera, tritt jedoch auch regelmäßig auf den internationalen Bühnen auf.

Nach allerlei Zauberkunststücken merken die Umstehenden, dass der Teufel seine Hand im Spiel hat und gehen fort. Faust wünscht sich von Mephisto, Margarethe zu sehen. Faust spricht Margarethe an und bittet, sie begleiten zu dürfen, während Mephisto Siebel, der das Mädchen ebenfalls liebt, wegdrängt. Faust wird zunächst von Margarethe abgewiesen, bleibt aber wie verzaubert zurück.

Margarethe: Anna-Catherine Gillet – Der 44-jährige belgische Sopran ist bereits in jungen Jahren von der Königlichen Oper der Wallonie-Liege entdeckt und ins Hausensemble aufgenommen worden. Von hier aus hat sie sich die großen Rollen und die großen Bühnen ersungen, wobei sie einen besonderen Bezug zum französischen Repertoire des 19. Jahrhundert hat. Gillet hat schönes dunkelblondes, langes Haar und entspricht vom Typ exakt dem, wie sich ein Deutscher eine Margarete vorstellt. Warum sie die Rolle mit einer pariserischen schwarzen Kurzhaarfrisur singt, wird wohl das Geheimnis des französischen Regisseurs bleiben.

Akt 3

Der eiserne Ring beherbergt inzwischen in seinem Inneren zwei abgestorbene, weiße Baumskelette. Eiserne Kugeln mit deutschsprachiger Beschriftung deuten tiefergehende Geheimnisse an, die zu entschlüsseln den Sterblichen nicht gegeben ist. Siebel bringt Margarethe Blumen, die ständig welken, bis er sie mit Weihwasser benetzt. Mephisto führt Faust vor Margarethes Wohnung und stellt ein Kästchen Juwelen vor die Tür.

Als das Mädchen von der Kirche zurückkehrt und die Kostbarkeiten sieht, sind Siebels Blumen (hier in Form eines reich besetzten Blumenmantels) rasch vergessen. Marguerite probiert die prächtigen Juwelen an und verliebt sich in sie. Dem musikalischen Höhepunkt der Oper, die „Juwelenarie“ wird Anna-Catherine Gillet in vollem Umfang gerecht, wofür sie mit verdientem Applaus und Ovationen gefeiert wird. Faust und Mephisto kommen wieder und gehen mit den Frauen in den Garten. Mephisto flirtet mit Marthe, der er berichtet, dass ihr Mann tot ist. Marthe wird stimmschön von der belgischen Mezzosopranistin Angélique Noldus gesungen. Faust findet Gelegenheit, Margarethe seine Liebe zu gestehen. Von der Reinheit des Mädchens beeindruckt, will Faust fliehen. Mephisto hält ihn zurück und führt ihn in die Nähe ihres Zimmers, wo er sie sehnsüchtig singen hört. Faust kann sich nicht mehr zurückhalten und stürzt in die Arme der Geliebten. Mephisto eilt triumphierend davon.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST - Charles Gounod - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST – Charles Gounod – hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Akt 4

Faust hat Margarethe, die ein Kind erwartet, verlassen. Das Mädchen wird von allen verspottet, nur Siebel steht ihr bei. In der Kirche sucht sie Trost im Gebet. Eine Scheibe hatte sich wie eine Schablone hinter den aufgerichteten Eisenring geschoben, und ließ das lichtdurchflutende Kreuzzeichen als letztes Zeichen der Hoffnung aufscheinen. Aber Mephisto, die Stimme ihres Gewissens, lässt ihr auch hier keine Ruhe. Margarethe bricht ohnmächtig zusammen. Valentin kehrt mit seinen Kameraden zurück. Sie tragen bodenlange Soldatenmäntel und Dornenkronen als Zeichen des durchlittenen Leides. Margarethes Zustand bleibt ihm nicht lange verborgen, auch Siebel kann ihn nicht beruhigen.

Mephisto singt eine anzügliche Serenade, zu der zehn schwarz gekleidete, ebenfalls schwangere Frauen die Bühne betreten. Nacheinander lässt Mephisto die Luftballons, die unter den Gewändern versteckt die Schwangerschaften andeuten, unter höhnischem Gelächter zerplatzen. Faust will Margarethe sehen; Valentin stürzt davon.

Er wird von Faust, dessen Degen Mephisto lenkt, getötet. Während Faust und Mephisto fliehen, verflucht Valentin vor allen nun in Schwarz gekleideten Menschen sterbend seine Schwester, die von Siebel weggeführt wird.

Akt 5

Mephisto führt Faust zum Hexensabbat und der Walpurgisnacht auf den Brocken. Ein berauschendes Bacchanal wird von nackten Männern und Frauen getanzt, die von Kopf bis Fuß mit eisengrauer Farbe angemalt sind. Faust erscheint eine Vision Gretchens, die im Kerker ihre Hinrichtung erwartet, weil sie im Wahn ihr Kind getötet hat. Faust drängt Mephisto, seine Geliebte zu retten; beide eilen davon. Margarethe liegt phantasierend und von Gesichtern gequält auf dem Boden; an dem riesigen Einsenring abgespannte Seile deuten die Kerkerstäbe an. Die Stimme Fausts weckt das Mädchen, das ihn freudig begrüsst.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST - Charles Gounod - hier D'ARCANGELO als Mephisto © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST – Charles Gounod – hier D’ARCANGELO als Mephisto © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Beide erinnern sich der vergangenen schönen Tage und ihrer Liebe, doch Margarethe kann Faust nicht mehr folgen und fleht Gott um Erbarmen an. Vergebens sind Fausts Bitten. Margarethe wendet sich schaudernd von ihm und Mephisto ab. Sie sinkt tot zu Boden. Mephistos »Gerichtet« beantwortet der Himmel mit »Gerettet«. Weitere gesanglichen Höhepunkte: Abschiedsarie Valentins, das Rondo Mephistos und der Chor der Soldaten wurden ebenfalls großartig gesungen.

Langanhaltender Applaus für eine äußerst gelungene Vorstellung – Ovationen für die großartige Leistung von Stefano Poda

Für Lütticher Verhältnisse, die ihren Schwerpunkt auf klassische Inszenierungen im klassischen Dekor setzten, ein ungewöhnlich modern inszeniertes Werk. Es handelt sich hier um eine Übernahme aus dem Theatro Regio Torino in Zusammenarbeit mit der Opéra de Lausanne und der New Israeli Opera de Tel Aviv.

Musikalische Leitung: Patrick Davin. Der 1962 geborene Belgier hat mit zahlreichen großen Regisseuren und Komponisten zusammen gearbeitet, und führt das Orchester durch alle Feinheiten der Partitur. Inszenierung, Bühne, Kostüme, Choreographie und Beleuchtung: Stefano Poda, Choreinstudierung: Pierre Iodice, Orchester, Chor und Technik:, Opéra Royal de Wallonie-Liège

FAUST von Charles Gounod an der Opéra Royal de Wallonie-Liège:  Die weiteren Termine in Lüttich: 25.01.; 27.01.; 29.01.; 31.01.; 02.02.2019.  Im Palais des Beaux-Arts de Charleroi wird das Stück am 08.02.2019 zu sehen sein.

—| IOCO Kritik Opéra Royal de Wallonie-Liège |—

Wuppertaler Bühnen, Premiere Tosca, IOCO Kritik, 05.09.2014

September 9, 2014 by  
Filed under Kritiken, Premieren, Wuppertaler Bühnen

logo_wuppertal_2

Wuppertaler Bühnen

Wuppertaler Bühnen / Tosca - 1 Akt, Opernchor, Mikolaj Zalasinski (Scarpia), Mirjam Tola (Tosca), Johanne Grau (Spoletta) © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Tosca – 1 Akt, Opernchor, Mikolaj Zalasinski (Scarpia), Mirjam Tola (Tosca), Johanne Grau (Spoletta) © Uwe Stratmann

Premiere  Tosca  von Giacomo Puccini

Mit Puccinis dramatischem Verismo-Reißer Tosca eröffnete die Wuppertaler Oper die neue Spielzeit. Die Inszenierung ist nicht unbedingt ein großer Wurf geworden, aber sie ist eine solide Produktion in allen Bereichen.

Diese Tosca ist nicht nur eine x-beliebige Eröffnungspremiere, sondern ein echter Neuanfang. Das schleichende Ende der Wuppertaler Bühnen begann 2009 mit einer radikalen Schrumpfung, erst beim Schauspiel, dann bei der Oper. Seit dem Ende der Spielzeit 2013/14 gib es kein Ensemble mehr.

Nun versucht man mit einem neuen Konzept aus dem Jammertal herauszukommen, mit neuen Sängern, die wahrscheinlich Stückverträge haben. Alle geplanten Werke werden meist ein halb Dutzend Mal en suite gespielt. Das soll angeblich Kosten sparen. Geplant für diese Spielzeit sind noch  Don Giovanni, Parsifal, Salome, Johannespassion und zwei Wiederaufnahmen.

Nach der Tosca, die bis Mitte Oktober gespielt wird, geht es weiter mit Don Giovanni am 8. November.

Wuppertaler Bühnen / Tosca - 3. Akt, Mirjam Tola (Tosca), Mikhail Agafonov (Cavaradossi) © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Tosca – 3. Akt, Mirjam Tola (Tosca), Mikhail Agafonov (Cavaradossi) © Uwe Stratmann

Für die Tosca hatte man mit Stefano Poda einen “international tätigen Opernregisseur“ verpflichtet. Um die “ästhetische Einheit“ seiner Musiktheater-Arbeiten zu gewährleisten, macht er gleich alles, Inszenierung, Bühnenbild, Kostüme und Licht. Ein richtiger Tausendsassa also.

Dass bei diesen vier Komponenten nicht alles gleich gut oder gleich schlecht sein kann, liegt auf der Hand. War im ersten Akt die Personenregie noch etwas vage mit nervösem Herumgewusel, so war die Personenführung im zweiten und dritten Akt wesentlich schlüssiger.

Wuppertaler Bühnen / Tosca - 1. Akt, Statist, Jan Szurgot (Sciarrone), Johannes Grau (Spoletta), Mikola Zalasinski (Scarpia), Statisten Diete Goffin (Mesner) © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Tosca – 1. Akt, Statist, Jan Szurgot (Sciarrone), Johannes Grau (Spoletta), Mikola Zalasinski (Scarpia), Statisten Diete Goffin (Mesner) © Uwe Stratmann

Das Bühnenbild wird dominiert von der Drehbühne, die stets im Einsatz ist. Seitenbühne und Hintergrundaufbau bleiben gleich. Die Seitenwände der Bühne erinnern mit den Nischen und Grableuchten davor an ein Kolumbarium.

Auf der Drehbühne im ersten Akt suggeriert ein gewaltiges, schräg liegendes Kreuz, flankiert und abgestützt von zwei Stelen, dass man in einer Kirche ist.

Im 2. Akt ist das Kreuz durch einen gewaltigen Schreibtisch ersetzt. Im dritten Akt gibt ein verzweigtes Stahlgestänge (Knast?) Rätsel auf.

Ein wirklich toller Knalleffekt war das Finalbild: Tosca braucht nicht von der Engelsburg in den Tod zu springen. Eine Wand dieses Gemäuers bricht partiell zusammen. Die Vorderwand kippt und erschlägt alle noch handelnden Personen, außer Tosca, die überlebt und im Wabernebel steht wie ihr eigenes Denkmal. Dieses letzte Bild ist ein toller effektvoller Einfall.

Wuppertaler Bühnen / Tosca - 3. Akt, Statisten, Mirjam Tola (Tosca) © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Tosca – 3. Akt, Statisten, Mirjam Tola (Tosca) © Uwe Stratmann

Schwarz und wenig Weis dominiert bei den Kostümen. Einfach nur prachtvoll anzusehen waren die Roben der Primadonna Floria Tosca. Ihr purpurfarbener Mantel im 2. und 3. Akt, war der einzige Farbtupfer, der auszumachen war.

Die musikalische Komponente gab wenig Anlass zu Mäkeleien. Ohne Fehl und Tadel war, was aus dem Graben klangvoll tönte.

Thoshiyuki Kamioka war der überlegen disponierende Dirigent (nun auch Opernintendant). Der dramatische Ausdruck und auch der schlagkräftige theatralische Effekt haben bei ihm nichts Gewaltsames, auch nichts Brutales. Die großen Steigerungen entwickelten sich organisch ebenso, wie die lyrischen Ruhepunkte. Das hervorragend disponierte Sinfonieorchester mit seinen homogenen Gruppen, besonders Streicher und Holzbläser, unterstützte ihn dabei vorbildlich.

Wuppertaler Bühnen / Tosca - . 2. Akt, Johannes Grau (Spoletta), Mikolaj Zalasinski (Scarpia),Mirjam Tola (Tosca) © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Tosca – . 2. Akt, Johannes Grau (Spoletta), Mikolaj Zalasinski (Scarpia),Mirjam Tola (Tosca) © Uwe Stratmann

Die Albanerin Mirjam Tola war die Tosca. Sie hat eine nicht unbedingt schöne, aber angenehme Stimme, höhensicher und sie phrasiert sehr musikalisch. Hervorragend, wie sie einer melodischen Linie auf der Spur bleibt und dabei gleichzeitig nichts an Charakterisierung fehlen lässt. Glaubhaft ihr Spiel.

Mikhail Agafonov (ein russischer Tenor) sang den Maler Cavaradossi robust und gelegentlich klobig. Doch er war in hohem Maße ausdruckstark. Die Mittellage sprach weicher an. Bombig war die Höhe. Darstellerisch konnte er nicht immer überzeugen. Er war mehr verliebter Zufallsrevolutionär als ernsthafter Protestler gegen Willkür und Gewalt.

Wuppertaler Bühnen / Tosca - . 2. Akt, Jan Szurgot (Sciarrone), Mikolaj Zalasinski (Scarpia), Johannes Grau (Spoletta), Mikhail Agafonov (Cavaradossi), Statist © Uwe Stratmann

Wuppertaler Bühnen / Tosca – . 2. Akt, Jan Szurgot (Sciarrone), Mikolaj Zalasinski (Scarpia), Johannes Grau (Spoletta), Mikhail Agafonov (Cavaradossi), Statist © Uwe Stratmann

Die Gewalt ist hier durch den Polizeichef Baron Scarpia vertreten. Mikolaj Zalasinski (ein polnischer Bariton) sang ihn mit großer, kräftiger Stimme, die aber zu brachial eingesetzt wurde. Darstellerisch war er ein brutaler, jähzorniger Macho. Jedwede Dämonie und Gefährlichkeit fehlte.

Sehr erfreulich waren die vier jungen Sänger in den kleineren Rollen. Johannes Grau (Spoletta), Jan Szurgot (Sciaronne), Dieter Goffing (Mesner) und Jochen Bauer (Kerkermeister) gefielen durch ihre jungen Stimmen wie auch durch ihre Spielfreude.

Großer Jubel, Gejohle und Bravostürme nach der Vorstellung. Keine Missfallensäußerung trübte die Freude im gut besuchten Haus.

IOCO / UGK / 05.09.2014