Köln, Oper Köln, Fidelio – Ludwig van Beethoven, 17.03.2019

Februar 26, 2019 by  
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Oper Köln

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Fidelio – Ludwig van Beethoven

Mit hochkarätiger Besetzung

Wiederaufnahme am 17. März 2019

Ludwig van Beethovens einzige Oper ist nicht zuletzt durch den »Gefangenenchor« so berühmt geworden und geblieben. Ein Werk um das Thema Freiheit, das gerade heute besonders aktuell ist.

Oper Köln / Fidelio © Paul Leclaire

Oper Köln / Fidelio © Paul Leclaire

Am 17. März findet die Wiederaufnahme der Inszenierung von Prof. Michael Hampe statt, zu der wir Sie herzlich einladen möchten. Nach La Bohème ist dies die zweite Inszenierung des früheren Kölner Intendanten im StaatenHaus. Die musikalische Leitung übernimmt Stefan Soltesz, einer der renommiertesten Dirigenten unserer Zeit.

Der legendäre Tenor Peter Seiffert wird als Florestan in einer seiner Paraderollen zu erleben sein und Bariton Johannes Martin Kränzle ist als Don Pizarro zu Gast. Anna Gabler gibt mit Leonore ihr Rollendebüt; an der Oper Köln war sie war erstmals in der Saison 2016.17 in der Rolle der Carlotta Nardi in Die Gezeichneten zu erleben.

Fidelio  – Ludwig van Beethovens 
Youtube Trailer der Oper Köln
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Zur Premiere von Fidelio am Sonntag, den 17. März um 18:00 Uhr im StaatenHaus, Saal 1 laden wir hiermit ganz herzlich ein.

Urheberrechtshinweis:  Abdruck oder Veröffentlichung der Produktionsfotos nur im Kontext produktionsbezogener Berichterstattung sowie nur bei Nennung des Fotografen: © Paul Leclaire


Fidelio – Wiederaufnahme  So., 17. März › 18:00 Uhr StaatenHaus, Saal 1

Musikalische Leitung Stefan Soltesz, Inszenierung Michael Hampe, Bühne, nach dem Konzept von John Gunter Darko Petrovic, Kostüme Darko Petrovic, Licht Andreas Grüter
Chorleitung Rustam Samedov

Mit   Don Fernando › Insik Choi, Don Pizarro › Johannes Martin Kränzle, Florestan › KS Peter Seiffert, Leonore › Anna Gabler, Rocco › Karl-Heinz Lehner, Marzelline › Kathrin Zukowski / Ivana Rusko, Jaquino › Martin Koch, 1. Gefangener › Anton Kuzenok, 2. Gefangener ›, Yunus Schahinger, Chor der Oper Köln, Gürzenich-Orchester Köln

Weitere Vorstellungen Do, 21. März › 19:30 Uhr, Sa, 23. März › 19:30 Uhr, Mi, 27. März › 19:30 Uhr, Fr, 29. März › 19:30 Uhr

—| Pressemeldung Oper Köln |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, DALIBOR – Bedrich Smetana, 24.02.2019

Februar 11, 2019 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

  DALIBOR  von Bedrich Smetana

Premiere 24. 2. 2019

Am 16. Mai 1868 wurde Dalibor, die dritte Oper des tschechischen Komponisten Bedrich Smetana (1824-1884), im Neustädter Theater in Prag uraufgeführt. Das als Nationaloper gedachte, großangelegte Bühnenwerk in drei Akten wurde 1870 in seiner zweiten Fassung ebenfalls in Prag dargeboten.

Oper Frankfurt / Dalibor - Stefan Soltesz ©Jonas Holthaus

Oper Frankfurt / Dalibor – Stefan Soltesz ©Jonas Holthaus

Das Libretto von 1865 stammt aus der Feder von Josef Wenzig und basiert auf der Volkssage um den spätmittelalterlichen tschechischen Ritter Dalibor von Kozojedy. Dieser Heimatbezug setzt sich auch in Smetanas wenige Jahre später entstandenem Zyklus sinfonischer Dichtungen fort, der mit Die Moldau (Vltava) sein wohl berühmtestes Werk beinhaltet.

Oper Frankfurt / Dalibor - Aleš Briscein © Stanly Fotostudio

Oper Frankfurt / Dalibor – Aleš Briscein © Stanly Fotostudio

Zum Inhalt: Der Ritter Dalibor wird für die Ermordung des Burggrafen von Ploschkowitz und eine gegen König Vladislav ausgesprochene Drohung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Milada, die Schwester des ermordeten Burggrafen, verliebt sich in Dalibor und plant dessen Befreiung. Es gelingt ihr, den Kerkermeister Beneš zu überlisten und so zu ihrem Geliebten zu gelangen. Der Kommandant der königlichen Burgwache Budivoj kommt den Fluchtplänen jedoch auf die Spur und bewegt den König zur Hinrichtung des hintergangenen Kerkermeisters sowie zur Verkündung des Todesurteils gegen Dalibor. Als das vereinbarte Signal nicht erklingt, stellen Dalibors Verbündete fest, dass sie verraten wurden und die Flucht ihres Anführers fehlgeschlagen ist. Milada begibt sich dennoch in den Kampf und wird tödlich verwundet. Auch Dalibor findet an der Seite der Sterbenden den Tod.

Die musikalische Leitung liegt bei Stefan Soltesz, der regelmäßig in Frankfurt zu Gast ist; so zuletzt 2017 für Verdis Les Vêpres siciliennes. Der österreichische Dirigent ungarischer Herkunft war von 1997 bis 2013 Generalmusikdirektor der Essener Philharmoniker und Intendant des Aalto-Theaters. Regisseurin Florentine Klepper stellte sich in Frankfurt 2012 mit Arnulf Herrmanns Wasser im Frankfurt LAB vor. Zuletzt war sie hier 2015 für Martin?s Julietta zu Gast. An der Oper Graz inszenierte sie kürzlich Strauss’ Salome, Bizets Carmen wird sie im Frühjahr 2019 an die Operá de Dijon führen. Der tschechische Tenor Aleš Briscein (Dalibor) zählt Prokofjews L’amour des trois oranges am Prager Nationaltheater zu seinen zukünftigen Plänen. Bassbariton Simon Bailey (Budivoj), der von 2002 bis 2015 dem Ensemble der Oper Frankfurt angehörte, war hier im Dezember 2018 erneut als Vater in Humperdincks Hänsel und Gretel zu erleben. Die aus Polen stammende Sopranistin Izabela Matu?a gibt als Milada ihr Frankfurt-Debüt. Donna Elvira in Mozarts Don Giovanni führt das Ensemblemitglied des Theaters Krefeld und Mönchengladbach demnächst an die Oper Bonn. Angeführt von Gordon Bintner (Vladislav) sind die übrigen Partien mit Ensemblemitgliedern der Oper Frankfurt besetzt.

Die Produktion wird vom Hessischen Rundfunk in Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet. Der Hessische Rundfunk überträgt auf hr2-kultur am Samstag, dem 9. März 2019, um 20.04 Uhr, Deutschlandfunk Kultur folgt am Samstag, dem 13. April 2019, um 19.05 Uhr.

Premiere: 24. Februar 2019, 18.00 Uhr,  Weitere Vorstellungen: 2., 8., 16., 22., 24. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 30. März 2019 Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Berlin, Komische Oper, Die Gezeichneten von Franz Schreker, IOCO Kritik,

Februar 8, 2018 by  
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Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

 Die Gezeichneten von Franz Schreker

Verstörende tonale Traumatherapie an der Komischen Oper

Von Kerstin Schweiger

Calixto Bieto inszeniert 100 Jahre nach der Uraufführung an der Frankfurter Oper 1918 Franz Schrekers spätromantische Oper Die Gezeichneten an der Komischen Oper Berlin. Premiere war am 21. Januar 2018.

Als einer der meistgespielten Opernkomponisten nach dem ersten Weltkrieg klingt Franz Schreker musikalisch nahe an Wagner, Mahler und Strauss. Mit ausgeprägten expressionistischen Stilmitteln war seine Musiksprache auch Ausdruck eines unbedingten Erneuerungswillens nach Kaiserreich und Weltkrieg in der jungen Weimarer Republik. Der Erfolg führte zur Berufung als Direktor der Berliner Akademischen Hochschule für Musik, die er leitete bis er von nationalsozialistischen Kulturverantwortlichen bereits 1931 aus dem Amt gedrängt wurde. Von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert und von den Bühnen verbannt, fanden seine Stücke erst in den 1970er Jahren nach und nach wieder den Weg in die Opernhäuser.

Schreker maß den Libretti seiner Stücke große Bedeutung zu und verfasste diese als Textdichter überwiegend selbst. Dabei waren die Veröffentlichungen Freuds ebenso prägend wie die morbiden Ausläufer des Fin de Siécle und das spätbürgerliche oder auch oppositionelle Verständnis von Künstlern und Literaten wie Oscar Wilde, Zweig, Schnitzler und Wedekind, auf dessen Drama „Hidalla oder Sein und Haben“ (1904) das Libretto zu Die Gezeichneten fußt. Das Stück ist im Genua der Renaissance-Zeit verankert.

Beeinflusst von Weltkrieg, Massentraumata und dem gesellschaftlichem Umbruch der Entstehungszeit, führt der gesellschaftliche Überbau in Schrekers Stück zu einer Konzentration der Figuren auf das Ich, zu einem Ringen mit dem Selbst und den Anderen. Schrekers Protagonisten sind auf der Suche nach Eros und Erlösung, Liebe und Schönheit, verlieren sich aber in den Abgründen seelischer und erotischer Exzesse.

Komische Oper Berlin / Die Gezeichneten © IKO Freese / drama-berlin.de

Komische Oper Berlin / Die Gezeichneten © IKO Freese / drama-berlin.de

Die Handlung

Eine Refugium der Lust vor den Toren Genuas, verschwundene und missbrauchte Kinder, ein seelisch deformierter Kunstliebhaber als Fädenzieher, der sich in den von ihm gesponnenen gesponnenen Fäden selbst verliert sind die Eckpunkte dieses spätromantisch-psychologischen Musiktheaterstücks. Der reiche Alviano hat ein hässliches Geheimnis. Seine Seelenqualen lindert er an einem  Fluchtort, den er sich selbst geschaffen hat, sein Elysium. Zugänglich ist es nur für ihn und sein männliches Netzwerk reicher Freunde. Diese leben dort abgründige, brutale Neigungen aus. Immer mehr junge Töchter und Söhne verschwinden aus der Stadt, Alviano fürchtet, dass sie in seinem Elysium entdeckt werden und will es allen Bürgern der Stadt zugänglich machen. In der Begegnung mit der schönen, fragilen Künstlerin Carlotta sieht er Seelenverwandtschaft und findet er erstmals einen Weg, aus den um sich selbst kreisenden seelischen Problemen auszubrechen und sich einem anderen Menschen zu öffnen. Carlotta malt sein Porträt und Alviano sieht in ihr die lang gesuchte Liebe seines Lebens, eine Art Erlöserin seiner mentalen Probleme. Carlotta wendet sich jedoch Tamare, einem der adeligen Freunde Alvianos zu und wendet sich von Alviano ab. Alviano öffnet sein Elysium den Bürgern der Stadt. Tamare verrät versehentlich dem Herzog den eigentlichen Zweck des Elysiums. Die Genueser, in Bewunderung des von Alviano geschaffenen äußerlich paradiesisch schönen Ortes schützen Alviano zunächst vor dem Zugriff. Die Stimmung kippt als das Ausmaß des Missbrauchs und Kindermordens offenbar wird. Alviano, Carlotta und Tamare reißen sich gegenseitig in den Tod.

Die Produktion

Anlässlich der Berliner Erstaufführung am 1. Juni 1921 in der Vossischen Zeitung schrieb Max Marschall: „Man mag im Einzelnen gegen das Werk sagen, was man will: es ist in seiner Gesamtheit anzunehmen, die Kühnheit und die Größe seiner Konzeption gelten zu lassen, ja zu bewundern, wird man nicht umsonst kommen“. Wie aber spricht das Stück heute ein Publikum an, zumal in der Komischen Oper, die unter der Leitung von Barrie Kosky stets nach Rückfragen zu aktuellen Themen an Opernwerke sucht und diese auch findet?

Calixto Bieito macht es dem Publikum nicht einfach. Wenn er Regie führt, sitzt der Zuschauer gedanklich den ganzen Abend auf der Sesselkante. Bieito konzentriert die verzweigte Handlung in der aktuellen Inszenierung auf Alvianos pädophile Neigung und macht dabei auch nicht vor Änderungen an Text und Handlungsfäden halt. So wird aus Alvianos selbst gewählter abgeschirmter Traumwelt Elysium ein von anderen im großen Stil genutzter organisierter Kindesmissbrauch an Jungen und Mädchen.

Bieito, der dem Haus mit Inszenierungen von Madame Butterfly, Armida, Freischütz, Dialoge der Karmeliterinnen und einer viel diskutierten Entführung aus dem Serail seit fast zwei Dekaden verbunden ist, fordert den Zuschauer auch in seiner 8. Inszenierung an diesem Haus heraus, sich auseinanderzusetzen, sich bestürzendsten Bildern zu stellen, die in eine verdichtete Gegenwart führen. (Kostümbild: Ingo Krügler). Alvianos Weltbild ist – auch optisch – wie ein verstörender immer währender Kindergeburtstag. Er selbst ein ewiger Peter Pan, der nicht erwachsen wird und in einer stets präsenten Jungenpuppe mit Matrosenanzug sein junges Alter Ego und seine pädophile Neigung spiegelt. Die Kinderkomparserie der Komischen Oper leistet hier und insbesondere später im Schlussbild Großartiges.

In einem weißen Reinraum der Gefühle (Bühnenbild: Rebecca Ringst) versetzt Bieito den Zuschauer in die Rolle eines Psychoanalytikers, der die Seelenbilder der Protagonisten betrachtet. Vermittelt wird dies im ersten Teil ausschließlich auf der Vorbühne in einem klinisch weiß abgehängten Portal vor einer weißen Wand, die als Projektionsfläche für die Innenwelten der Protagonisten aber auch – und das sind die verstörendesten Bilder – der unter deren Taten leidenden Kinder und ihrer Vergewaltiger dient (Projektionen: Sarah Derendinger). Die Konzentration der ersten beiden Akte auf der Vorbühne in einer fast statischen Regie dominiert die erste Hälfte des Abends, macht diese jedoch auch stellenweise sehr zäh und in der szenischen Aufbereitung seltsam undynamisch. Dies steht in völligem Kontrast zur überbordenden nervösen Klangwelt Schrekers. Die Protagonisten können sich in der szenischen  Reduktion also völlig auf den von Stefan Soltesz und dem absolut fabelhaften  Orchester der Komischen Oper ausgebreiteten opulenten Klangteppich Franz Schrekers begeben.

Im zweiten Teil reißt das Produktionsteam dann die Wand auf rückt und die Tabus der Gesellschaft ins direkte Scheinwerferlicht. Hier findet Bieito auch zu einer klaren irritierenden und direkten szenischen Sprache.

Komische Oper Berlin / Die Gezeichneten © IKO Freese / drama-berlin.de

Komische Oper Berlin / Die Gezeichneten © IKO Freese / drama-berlin.de

Ein Toyland mit riesigen Spielzeugen, Stofftieren, Monstern ist der Playground für die morbide Gesellschaft, die sich an Kindern vergeht und diese organisiert ins Elysium verschleppt hat. Riesige Teddybären, ein überlebensgroßer King Kong; Dinosaurier, Roboter bevölkern die düstere Szenerie. In der Vorankündigung der Komischen Oper heißt es: „Die Gezeichneten heute wie damals brisante Themen: Worüber trauen wir uns nicht zu reden? Und wie gehen wir mit dem um, was dann doch an die Oberfläche gelangt.“ Franz Schrekers ebenso opulente, ausladende aber auch stetig nervös springende Musik unterstützt dies mit eruptiven, teils schwülstigen Klanggemälden. Musikalisch steht das Stück permanent vor dem Ausbruch eines Vulkans, ein Spiegelbild des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Anklänge an Mahler und Strauss aber auch Korngold, in Klangsequenzen suggerieren quasi  der Tonfilmära vorweggenommene Hollywood-Filmmusik-Zitate. Die Ouvertüre macht bereits klar, wie virtuos Schreker ein Orchesterklangbild zeichnet. Weit gespannte Melodiebögen lösen sich stetig wechselnd ab mit harmonischen Entwicklungen bis an den Rand der Tonalität. Inspiriert durch Symbolismus und Psychoanalyse entsteht ein Musiktheater musikalischer wie dramatischer Grenzüberschreitung. Seine Figuren sind auch musikalisch buchstäblich voneinander Gezeichnete.

Die musikalische Leitung liegt bei Stefan Soltesz in besten Händen. Er bündelt Schrekers eklektische Klangekstase zügig und lässt trotzdem den Sängern Freiraum für große Phrasierungen. Mit straffem Dirigat bringt er das Orchester der Komischen Oper zum Strahlen.

Die international gefeierte litauische Sopranistin Aušrine Stundyte als Carlotta, der englische Tenor Peter Hoare als tragischer Held und der Bariton Michael Nagy, ehemals Ensemblemitglied der Komischen Oper Berlin, als moralisch korrupter Gegenspieler Alvianos sind die gefeierten Protagnisten. Peter Hoare bewältigt die fordernde Rolle des Alviano großartig. Aušrine Stundytes dunkler dramatischer Sopran unterstreicht in ihren großen Szenen die morbide Figur Carlottas, die in Bieitos Interpretation selbst Missbrauchsopfer zu sein scheint. Michael Nagys präsenter dunkler Bariton gibt dem selbstverliebten, egozentrierten Tamare stimmstrahlende psychologische Kontur. Als Herzog ist Joachim Goltz, als Podesta Nardi, Carlottas Vater, Jens Larsen musikalisch sehr präsent und souverän.

Komische Oper Berlin / Die Gezeichneten - hier Michael Nagy als Tamare, Michael Hoare als Alviano © IKO Freese / drama-berlin.de

Komische Oper Berlin / Die Gezeichneten – hier Michael Nagy als Tamare, Michael Hoare als Alviano © IKO Freese / drama-berlin.de

Schreker hat trotz der starken Konzentration auf das leading Trio noch eine Nebenhandlung implementiert. Hier sind als vorzügliche Sängerdarsteller aus dem exzellenten Ensemble der Komischen Oper insbesondere Christiane Oertel und Christoph Späth zu nennen.

Das Schlussbild im Toyland, in dem der klangstarke Chor der Komischen Oper Berlin, szenisch und musikalisch eindringliche (einstudiert von David Cavelius) Präsenz zeigt, gehört zu den stärksten des dreistündigen Abends: eine riesige Spielzeugeisenbahn mit leblosen Kindern an Bord zieht unermüdliche Kreise während die drei Protagonisten einander ihre Seelen öffnen und sich gegenseitig in den Abgrund ziehen.

Wer Stanley Kubriks filmisches Meisterwerk „Eyes wide shut“ als verstörende Filmoper nach Schnitzlers „Traumnovelle“ in Erinnerung hat, findet in Bieito an der Komischen Oper einen Bruder im Geiste Kubricks an der Seite Franz Schrekers.

Calixto Bieito galt lange als „Skandalregisseur“, hier katapultiert er sich mit dieser Inszenierung auf eine andere Ebene: als kluger Regieanalytiker versetzt er den Zuschauer in einen Opernalbtraum mit aktuellem Bezug.

Lang anhaltender Applaus für alle Beteiligten, insbesondere das Protagonisten-Trio und Stefan Soltesz 

Die Gezeichneten an der Komischen Oper, weitere Vorstellungen: 10.2., 18.2.; 11.7. 2018

—| IOCO Kritik Komische Oper Berlin |—

 

 

 

 

Frankfurt, Oper Frankfurt, DIE SIZILIANISCHE VESPER von Giuseppe Verdi, 26.11.2017

November 16, 2017 by  
Filed under Oper, Oper Frankfurt, Pressemeldung

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Zweite und letzte Wiederaufnahme
LES VÊPRES SICILIENNES  – DIE SIZILIANISCHE VESPER

  Von Giuseppe Verdi, Text Eugène Scribe und Charles Duveyrier, Libretto Le Duc d’Albe, In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Wiederaufnahme: Sonntag, 26. November 2017, weitere Vorstellungen: 30. November, 3.12. (18.00 Uhr), 9.12., 16.12. 2017

Oper Frankfurt / Die sizilianische Vesper - Henri (in der Bildmitte mit dem Rücken zum Betrachter) und das Ensemble © Thilo Beu

Oper Frankfurt / Die sizilianische Vesper – Henri (in der Bildmitte mit dem Rücken zum Betrachter) und das Ensemble © Thilo Beu

Mit der Frankfurter Erstaufführung der Sizilianischen Vesper von Giuseppe Verdi (1813-1901) in der französischen Fassung ging die Saison 2012/13 im Opernhaus zu Ende. In einer der Kritiken war zu lesen: „Regisseur Jens-Daniel Herzog geht vor allem der Frage nach, wo berechtigter Widerstand die Grenze zum Terror überschreitet, und so selbst zum Unrecht wird.“ (www.die-deutsche-buehne.de) Ein weiterer Rezensent schrieb: „Herzog weitet den fatalen Vater-Sohn-Konflikt, den die eigentlich im sizilianischen Mittelalter angesiedelte Geschichte erzählt, zu einem großen Konflikt der Generationen, der in die Zeit um 1968 verlegt wird und immer wieder starke szenische Plausibilität bekommt.“ (Wiesbadener Kurier)

Oper Frankfurt / Die sizilianische Vesper - Henri und Hélène © Thilo Beu

Oper Frankfurt / Die sizilianische Vesper – Henri und Hélène © Thilo Beu

Die Handlung der fünfaktigen Oper spielt 1282 in Palermo während der französischen Besatzung Siziliens: Herzogin Hélène liebt ihren Landsmann, den jungen Sizilianer Henri. Dieser weiß nicht, dass er der uneheliche Sohn Montforts ist, des französischen Gouverneurs der Insel. Zusammen mit dem Arzt Procida plant das junge Paar Montforts Ermordung. Nachdem der Gouverneur sich jedoch als Henris Vater zu erkennen gibt, misslingt das Attentat durch das Eingreifen des jungen Mannes. Procida und Hélène sollen hingerichtet werden, aber der Gouverneur will das Urteil aufheben, wenn Henri sich öffentlich zu ihm bekennt. In letzter Minute kommt der Zögernde dieser Forderung nach. Mit der Hochzeit des Paares soll der Frieden im Land besiegelt werden. Aber als Hélène erfährt, dass das Läuten der Hochzeitsglocken den Sizilianern als Zeichen zum Angriff dienen soll, verweigert sie Henri ihre Hand. In der Absicht, das Glück seines Sohnes zu befördern, gibt Montfort schließlich das Zeichen zum Läuten der Glocken, worauf der blutige Aufstand losbricht.

Die musikalische Leitung der zweiten und letzten Wiederaufnahme der Produktion liegt nun bei Stefan Soltesz, der nach Aufführungen von Strauss´ Die ägyptische Helena (konzertant; 2014/15) und Arabella (2016/17) an die Oper Frankfurt zurückkehrt. Der österreichische Dirigent ungarischer Herkunft war von 1997 bis 2013 GMD der Essener Philharmoniker und Intendant des Essener Aalto-Theaters. Regelmäßig gastiert er an internationalen Bühnen. Neue Sänger auf der Besetzungsliste sind der britische Bariton Christopher Maltman (Montfort), der in Frankfurt zuletzt 2014/15 als Verdis Simon Boccanegra zu erleben war. Als Gast an den großen Opernhäusern der Welt steht demnächst u.a. die Partie des Mandryka in Strauss’ Arabella an der Wiener Staatsoper in seinem Kalender. Der italienische Tenor Leonardo Caimi (Henri) gab 2016/17 sein Frankfurt-Debüt als Cavaradossi in Puccinis Tosca und war kürzlich am Teatro Real in Madrid als Don José in Bizets Carmen zu erleben. In Frankfurt war die holländische Sopranistin Barbara Haveman (Hélène) 2013/14 in der Titelpartie von Puccinis La fanciulla del West erfolgreich; ein Engagement in dieser Rolle an der Mailänder Scala schloss sich an. Aus dem Ensemble stammt der amerikanische Bassbariton Brandon Cedel (Sire de Béthune), der in der Saison 2016/17 u.a. in Mozarts Betulia liberata sowie als Masetto in Don Giovanni zu erleben war. Angeführt von Kihwan Sim (Procida) sind fast alle weiteren Partien mit Ensemblemitgliedern besetzt, die mit der Produktion bereits vertraut sind: Nina Tarandek (Ninetta), Hans-Jürgen Lazar (Danieli), Michael McCown (Mainfroid) und Iurii Samoilov (Robert). Auch der amerikanische Bariton Jonathan Beyer gastierte bereits in dieser Inszenierung.

Musikalische Leitung: Stefan Soltesz, Inszenierung: Jens-Daniel Herzog, Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Hans Walter Richter, Bühnenbild und Kostüme: Mathis Neidhardt, Licht: Olaf Winter, Chor und Extrachor (Herren): Tilman Michael, Dramaturgie: Norbert Abels

Guy de Montfort: Christopher Maltman,  Sire de Béthune: Brandon Cedel, Graf von Vaudemont: Jonathan Beyer, Henri, ein junger Sizilianer: Leonardi Caimi, Jean Procida, Arzt aus Sizilien: Kihwan Sim, Herzogin Hélène: Barbara Haveman, Ninetta, ihr Kindermädchen: Nina Tarandek, Danieli: Hans-Jürgen Lazar, Mainfroid: Michael McCown, Thibault: Jaeil Kim, Robert: Dietrich Volle

Chor, Extrachor und Statisterie der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester;

Wiederaufnahme: Sonntag, 26. November 2017, um 19.00 Uhr im Opernhaus
Weitere Vorstellungen: 30. November, 3. (18.00 Uhr), 9., 16. Dezember 2017

 

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