Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Stuttgart musiziert daheim, 22.03.2020

März 19, 2020 by  
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Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Stuttgart musiziert daheim!

Stuttgarter Musiker*innen laden zum gemeinsamen Musizieren am Sonntag, 22. März 2020, um 18 Uhr ein

Gute Laune auch in Krisenzeiten: Gemeinsam wollen wir dem Aufruf von Musiker*innen in ganz Deutschland folgen und zusammen musizieren. Auf Initiative des Staatsorchesters Stuttgart unter der Leitung von Generalmusikdirektor Cornelius Meister haben sich drei Orchester der Stadt bzw. des Landes zu einer solidarischen Aktion zusammengeschlossen: Die Mitglieder der Stuttgarter Philharmoniker, des Kammerorchesters Stuttgart und des Staatsorchesters Stuttgart wollen von ihren Privatwohnungen aus ein gemeinsames Konzert geben. Nach dem Vorbild des „Flashmob sonoro“ in Italien sollen am kommenden Sonntag, 22. März 2020, um 18 Uhr alle Profimusiker*innen, darüber hinaus aber auch alle Musikbegeisterten der Stadt auf ihren Balkons und an geöffneten Fenstern für Stuttgart musizieren – ein Zeichen für Solidarität und Lebensfreude, auch in schwierigen Zeiten. Wie in Italien ermutigen wir die Teilnehmer*innen, ihre musikalischen Darbietungen zu filmen und in den sozialen Medien unter dem Hashtag #stuttgartmusiziertdaheim zu teilen, sodass möglichst viele Menschen von dieser Aktion profitieren.

Auf dem Programm steht Beethovens Ode an die Freude – ein zentrales Werk des klassischen Repertoires, das in unterschiedlichsten Besetzungen aufgeführt werden kann, egal ob instrumental oder auch gesungen. Noten können Sie in diversen Online-Notenarchiven einsehen.

„Wenn weder Opernaufführungen noch Konzerte mit einem Livepublikum möglich sind, müssen wir zu anderen Mitteln greifen. Neben dem Online-Spielplan ‚Oper trotz Corona‘, den die Staatsoper Stuttgart aufgelegt hat, wollen die Musiker*innen des Staatsorchesters Stuttgart auch darüber hinaus ein Zeichen senden – egal ob im Homeoffice, in der Quarantäne oder einfach, weil man seine Mitmenschen schützen möchte“, sagt GMD Cornelius Meister.

Stuttgart musiziert daheim!

—| Pressemeldung Staatsoper Stuttgart |—

Hannover, Staatsoper Hannover, Die griechische Passion – Bohuslav Martinu, 21.03.2020

März 6, 2020 by  
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Staastoper Hannover.jpg

Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

The Greek Passion / Die griechische Passion –  Bohuslav Martinu

Premiere Samstag, 21.03.2020, 19:30 Uhr

Gibt es eine Identität ohne die Abgrenzung gegen Andere? Bohuslav Martinus The Greek Passion legt den Finger in die Wunde der gesellschaftlichen Verantwortung jeder*s Einzelnen. Sie stellt die Frage, ob eine Gemeinschaft durch Zugezogene in ihrer Sicherheit bedroht wird.

Staatsoper Hannover / Greek Passion Plakat - Barno Ismatullaeva © Clemens Heidrich

Staatsoper Hannover / Greek Passion Plakat – Barno Ismatullaeva © Clemens Heidrich

Ein Dorf zur Zeit des Griechisch-Türkischen Kriegs 1919 – 1922. Die Bewohner*innen bereiten sich auf die jährlichen Passionsspiele vor, als eine zweite, ebenfalls griechische Dorfgesellschaft auf der Flucht vor türkischen Truppen um Aufnahme bittet. Sofort folgt die Probe aufs Exempel: Was bedeutet die christliche Heilslehre im Ernstfall? Die spontane Solidarität, wie sie der Hirte Manolios vertritt, der Jesus spielen soll, ist der konservativen Kirchenmacht ein Dorn im Auge. Sie hält nichts von einer Gemeinschaftlichkeit, die ihre Herrschaft in Frage stellt. Das Gedankengut der biblischen Bergpredigt erweist sich als revolutionär.

Bohuslav Martinus in den 1950er Jahren für London entstandene Vertonung als Griechische Passion ist zugleich ein Spiel mit Identitäten: Wer bin ich, und wer kann ich werden? Und was braucht es, um ein guter Mensch zu sein? Der tschechische Komponist mischt wie selbstverständlich die kristallklare Symphonik seiner französischen wie seiner US-amerikanischen Wahlheimat mit Weisen seiner böhmischen Herkunft, um ein universell gültiges Drama zu erzählen. Die Eingängigkeit und Direktheit der Musik – leidenschaftlich und intensiv – lässt die dramatische Handlung in versöhnlichem Licht erscheinen.

Ebenso arbeitet die Regisseurin Barbora Horáková, Hausregisseurin der Staatsoper Hannover, an diesem Helldunkel: Die Inszenierungen der „Newcomerin des Jahres“ (International Opera Awards 2018) kennzeichnet ein psychologisch genauer Blick auf den Menschen, der allerdings nie ohne Empathie für das Handeln der Figuren ist. Horáková wird in den kommenden Spielzeiten als Hausregisseurin an der Staatsoper Hannover tätig sein.

Musikalische Leitung Valtteri Rauhalammi Inszenierung Barbora Horáková Choreografie James Rosental Bühne Susanne Gschwender Kostüme Eva-Maria van Acker Licht Susanne Reinhardt Video Sarah Derendinger Chor Lorenzo Da Rio, Matthias Wegele Kinderchor Tatiana Bergh Dramaturgie Martin Mutschler

Priester Grigoris Tassos Apostolou, Archon – Daniel Eggert, HauptmannFrank Schneiders,  Lehrer – Latchezar Pravtchev, Ladas / Kommentator August Zirner, Kostandis James Newby, Dimitri Darwin Prakash, Manolios Magnus Vigilius, Yannakos Rupert Charlesworth, Michelis Pawel Brozek Panait Uwe Gottswinter Andonis Aljoscha Lennert Nikolio Philipp Kapeller Lenio Nikki Treurniet Die Witwe Katerina Barno Ismatullaeva Priester Fotis Michael Kupfer-Radecky Despinio Clara Nadeshdin Eine alte Frau Monika Walerowicz Ein alter Mann Stephen Owen Stimme im Orchester Gagik Vardanyan

Bewegungschor Chor der Staatsoper Hannover Extrachor der Staatsoper Hannover Kinderchor der Staatsoper Hannover Niedersächsisches Staatsorchester Hannover Projektchor

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

Stuttgart, Stuttgarter Ballett, CREATIONS IV – VI ~ Wasser, Sonne, Mond, IOCO Kritik, 29.02.2020

Stuttgarter Ballett | Oper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Creations IV bis VI   –  Stuttgarter Ballett

Botschaften – Aus dem Wasser – Von der Sonne – Vom Mond

von Peter Schlang

Nicht weniger als sechs Uraufführungen hat Tamas Detrich auf den Spielplan seiner zweiten Saison als Intendant des Stuttgarter Balletts gesetzt. Nachdem deren erste Hälfte im Herbst auf der „kleinen Ballettbühne“, jener des Schauspielhauses, das Stuttgarter Ballettpublikum in Begeisterung versetzt hatte, wurden die anderen drei Neuschöpfungen unter dem passend-programmatischen Titel CREATIONS IV – VI am 21. Februar 2020 auf der „großen Ballettbühne“, also im Opernhaus, präsentiert. Im Untertitel werden mit „Douglas Lee / Louis Stiens / Martin Schläpfer“ nicht nur die drei verantwortlichen Choreografen dieses Abends genannt, sondern für Kenner wird damit auch deutlich gemacht, dass diese aus drei unterschiedlichen Generationen stammenden  Ballettschöpfer einen äußerst abwechslungsreichen, vielseitigen und spannenden Ballettabend, quasi ein choreografisches Drei-Gänge-Menü, kreieren würden.

Mit dem 42jährigen Douglas Lee, von 1996 bis 2011 als erster Solist Mitglied der Stuttgarter Compagnie, eröffnete der der mittleren Choreografen-Generation Angehörende diesen Uraufführungsreigen. Sein Naiad betiteltes Ballett nimmt Bezug auf die Wassernymphen der griechischen Mythologie und das 1830 entstandene Gedicht „Krake“ des englischen Lyrikers Alfred Lord Tennyson und möchte nicht nur die verschiedenen Eigenschaften des Wassers beleuchten, sondern vor allem die Mythen um dieses Element hinterfragen. Auf der Bühne selbst wird die Unterwasserwelt  durch schwarze, in Wellenbewegung zu bringende Stoffbahnen an der hinteren Bühnenwand (Eva Adler) und eine Meerestiefen imaginierende, mystische  Beleuchtung (Sakis Birbilis) angedeutet. Im Mittelpunkt steht aber der riesige schwarze Reifrock, mit dem Sinéad Brodd starke Assoziationen an eine Qualle erzeugt und der ihr ungeheuer weiche, fließende, auf- und ab wogende und weit ausladende Tanzbewegungen ermöglicht. Zudem  nutzen Choreograf und Tänzerin das beeindruckende Kostüm für manch dramaturgische und tänzerische Überraschung, etwa wenn unter diesem „Rock-Zelt“ plötzlich ein anderer Tänzer hervorkriecht.

Stuttgarter Ballett / CREATIONS IV - VI NAIAD hier © Stuttgarter Ballett

Stuttgarter Ballett / CREATIONS IV – VI NAIAD hier © Stuttgarter Ballett

Um dieses die Fantasie anregende optische und choreografische Zentrum gruppieren sich in wechselnder  Ensemblegröße weitere vier Tänzerinnen und fünf Tänzer, die in kraftvoll-artistischen wie weich-fließenden Bewegungen und Figuren und einer insgesamt sehr modernen Tanzsprache eine Wasserwelt simulieren, die mehr Schutz und Autonomie als Bedrohung und Lebensfeindlichkeit bietet.

Zusätzliche Bewegung und eine weitere Dimension erhalten die einzelnen Szenen Naiads durch die neun sich vertikal und um sich selbst bewegenden, aus dem Bühnenhimmel herunterragenden Spezialscheinwerfer, die nicht nur oft selbst regelrecht in Tanz geraten, sondern als modernes theatralisch-dramaturgisches Mittel der Szene etwas Futuristisch-Unwirkliches verleihen. Zudem lassen sie im Betrachter das Gefühl entstehen, (auf den Meeresboden) zu sinken.

Alle diese Effekte werden durch die von Douglas Lee ausgewählte, höchst emotionale Musik  verstärkt.  Im ersten Teil ist dies die von dem australischen Komponisten Sávva geschaffene Auftragskomposition Corallina, in der nicht nur die von Gustavo Surgik virtuos gespielte Solo-Violine und das mit ihr häufig dialogisierende Klavier für erstaunliche Effekte sorgen. Das ausgesprochen tänzer/innenfreundliche Werk nimmt den Hörer auch durch den fantasievollen  Einsatz diverser Rhythmus- und Perkussionsinstrumente  für sich ein.

Als zweites Musikstück greift Lee auf das 2011 veröffentlichte Stück Algol Bloom des vor allem als Filmkomponisten bekannten Briten Joby Talbot zurück, das ebenfalls das Schlagwerk im Stuttgarter Staatsorchester stark beschäftigt und die Lebensenergie des Wassers klangsinnlich verdeutlicht. Mit prächtig-metallenem Wirbel und fetzigem Drive werden die so selbst in Schwingung gebrachten und bereits heftig begeisterten Zuschauerinnen und Zuschauer  in die erste Pause entlassen.

Das zweite Drittel dieses abwechslungsreichen Ballettabends lag in den Händen des jüngsten der drei mitwirkenden Choreografen, des als Halbsolist in der Stuttgarter Compagnie aktiven Louis Stiens.

In seinem Beitrag Messenger, für den er auch die Bühne und die Kostüme der zehn Tänzerinnen und sieben Tänzer entwarf, verfolgt er die so unterschiedlichen Reaktionen von Menschen auf einen aus einer anderen Sphäre gekommenen Boten, der in wechselnder Gestalt und Sendung auftreten kann. Ausgangspunkt für Stiens‘ Ideen und Botschaften war nach seinen eigenen Aussagen die dafür von ihm ausgewählte Musik, das 2017 im Auftrag des Bayerischen Rundfunks entstandene und der Geigerin Isabelle Faust gewidmete „Follow me“ des in Prag geborenen Komponisten Ondrej Adámek. Dieses dreisätzige Violinkonzert, den Solopart hatte dieses Mal Elena Graf übernommen, thematisiert die Beziehung einer  Gruppe zu einem Individuum oder Solitär, die sich in ganz unterschiedlichen Verhaltensweisen und Reaktionen äußern kann.

Stuttgarter Ballett / Creations IV-VI Messenger - hier : das Tänzerensemble © Stuttgarter Ballett

Stuttgarter Ballett / Creations IV-VI Messenger – hier : das Tänzerensemble © Stuttgarter Ballett

Mit seinen wechselnden Stimmungen und seinem rhythmisierenden, akzentreichen Duktus liefert „Follow me“  Stiens die perfekte Grundlage für seine höchst akkurate, körperlich-akrobatische Bewegungssprache. Diese beansprucht den gesamten Körper der Tanzenden, von denen Elisa Badenes und Jason Reilly häufig solistisch agieren, die aber auch dem Rest des Ensembles Einiges an Artistik, Körperbeherrschung und Synchrongefühl abverlangt. Ob in kleineren Formationen oder als gesamtes Ensemble im Einsatz,  gelingen den Tänzerinnen und Tänzern zumindest anfangs beeindruckende Charakter- und Bewegungsstudien, die ihre Wirkung vor allem aus der großen Vielfalt an Tanz- und Ausdruckselementen und dem mitunter atemberaubenden Tempo der Musik bezieht. So liefert der Choreograf Studien in einer Art Pinguin-Gang  oder im stakkatohaften Takt von Maschinen und lässt seine Kolleginnen und Kollegen puppen- und marionettenartige Bewegungen ausführen.

In den ersten zwei Sätzen von Adámeks Musik vermag das alles die Zuschauer zu fesseln und vermittelt auch einen interessanten Überblick über die dem zeitgenössischen   Ballett zur Verfügung stehenden Tanzstile und Bewegungstechniken. Spätestens im letzten Teil verliert dieser  Ansatz aber etwas an Wirkung und Reiz und fällt gegenüber dem Bisherigen durch das nun hinreichend Bekannte und häufig Redundante ab. Eine Entwicklung findet jetzt nur noch in der Musik statt, was nicht nur der Komposition, sondern in erster Linie dem auch hier fabelhaft aufspielenden Staatsorchester unter der bewährten Leitung seines Ballett-Dirigenten James Tuggle zu verdanken ist.

Das Publikum zeigte sich trotz dieser leichten Trübung von der neuen Arbeit eines seiner Lieblinge sehr angetan und spendete diesem, der ihn kongenial unterstützenden Licht-Designerin Tanja Rühl sowie dem gesamten Ensemble begeisterten Beifall.

Stuttgarter Ballett – Tamas Detrich und der Arbeitsalltag
youtube Trailer des Stuttgartr Ballett
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Mit großen Erwartungen sah man nach der zweiten Pause auch dem letzten Teil des Abends entgegen, wofür neben seinem prominenten Namen vor allem die Tatsache sorgte, dass der hierfür gewonnene Schweizer Choreograf Martin Schläpfer nur zwei seiner bisher über 70 Arbeiten für Compagnien außerhalb seiner jeweiligen Wirkungsstätte geschaffen hat. Diese entstanden vielmehr fast ausschließlich für die Ballette in Bern, Mainz und Düsseldorf, von wo der jetzt Sechzigjährige im Sommer  als Ballettdirektor an die Wiener Staatsoper wechseln wird. Dass Schläpfer für diese Aufgabe gut gerüstet ist und man sich in der österreichischen Hauptstadt uneingeschränkt auf ihn freuen kann, zumindest was seine schöpferische Meisterschaft betrifft, stellte er mit seinem über fünfundvierzigminütigen Beitrag, dem längsten dieses Stuttgarter Abends, eindrucksvoll unter Beweis. Für dieses von ihm versprochene und – das sei jetzt schon verraten – überzeugend realisierte „freudvolle Tanzfest“ als „Hommage an diese große Kompanie“ hatte Schläpfer mit  Franz Schuberts 3. Sinfonie in freudvollem, hellem, heiterem D-Dur ein anspruchsvolles wie mitreißendes Konzertstück gewählt, das seinen Ansprüchen und Fähigkeiten als Vertreter der klassisch geprägten Ballettschule voll entgegenkam. Zu dieser Musik lässt er die neun Tänzerinnen und zehn Tänzer tatsächlich und wie von ihm versprochen „wie in ein Sommerhaus eintreten“ – „in kompletter Harmonie mit sich selbst“.

Mit einem Stück des zeitgenössischen japanischen Komponisten Toshio Hosokawa, dessen Oper Erdbeben.Träume im Juli 2018 in der Staatsoper Stuttgart ihre umjubelte Uraufführung erlebte, fügt Schläpfer dem Schubert’schen Sommerhaus aber gleichsam einen Keller oder ein Untergeschoss hinzu und bleibt damit seiner vielfach gerühmten Tiefgründigkeit treu. Diese Dialektik von Unten und Oben, hell und dunkel, Tag und Nacht findet sich auch in dem vom Choreografen für sein Stuttgarter Stück gewählten Titel wieder, Sonne und Mond, den er allerdings dem zweiten, japanischen Musikstück angepasst hat und in die viel leichter und musikalischer klingende japanische Fassung übersetzen ließ: Taiyo to Tsuki.

Stuttgarter Ballett / CREATIONS IV - VI Taiyo to Tsuki © Stuttgarter Ballett

Stuttgarter Ballett / CREATIONS IV – VI Taiyo to Tsuki © Stuttgarter Ballett

Das Staatsorchester unter seinem „großen Ballett-Versteher“ James Tuggle versieht dazu die Musik des erst siebzehnjährigen Franz Schubert mit strammen Tempi und trocken-klarem Klang, kurz, mit unbetonten, fast harschen Schlüssen und nahezu vibratofrei,  sprich in historisch-informiertem Stil, was diese 3. Sinfonie auch für Liebhaber des „Originalklangs“ zu einem Fest werden ließ.

Dass es zu diesem auch uneingeschränkt für die Anhänger großer Tanzkunst wurde,  war neben der alle Register des Spitzentanzes und anderer klassischer Ausdruckmittel ziehenden Choreografie-Kunst Schläpfers natürlich vor allem auch dem diesem bedingungslos folgenden Stuttgarter  Ensemble zu verdanken. In größter Meisterschaft demonstrieren Miriam Kacerova, Hyo-Jung Kang, Anna Osadcenko, David Moore, Roman Novitzky und Friedemann Vogel, alles Erste Solistinnen und Solisten der Compagnie, sowie die anderen, hier aus Platzgründen nicht namentlich genannten, Ensemblemitglieder in Solo-Auftritten, als Paar und in unterschiedlichsten Gruppenformationen alle Bewegungsmöglichkeiten und Ausdrucksmittel, die sich das klassische Ballett über Jahrhunderte hinweg erarbeitet und angeeignet hat.

Dieses Leichte und Spielerische wird durch die Kostüme Florian Ettis unterstrichen, der die Tänzerinnen in leichte, weite Kleider und die Tänzer in ebenso bequeme weite Hosen und Shirts steckt; eine Art Haus- oder Freizeitkleidung, die auch eine gewisse ironische Distanz zu herkömmlichen klassischen Balletten schafft.

Freilich entspringt diese Leichtigkeit und dennoch vorhandene Tiefe von Schläpfers Entwurf auch der von ihm pausenlos verfolgten und sicht- wie hörbar gewordenen engen Beziehung zwischen seiner Choreografie und der diese begleitenden Musik, die zudem das Geschehen auf der Bühne nicht nur sensibel doppelt und unterstreicht, sondern auch einen gewissen inhaltlichen Bogen zum zuvor gezeigten  Messenger von Louis Stiens schlägt.

Dass  Martin Schläpfer dem modernen Tanztheater durchaus offen gegenübersteht und dieses gekonnt mit klassischen Stilmitteln und Elementen zu verknüpfen weiß, zeigt er im letzten Teil, also zur „Mond-Musik“  Hosokawas, die dessen Stück „Ferne Landschaft III“ entnommen ist. Hier bemerkt man bei deutlich herausgenommenen Tempi, teilweise wie in Zeitlupe, ganz neue, überraschende Figuren und Bewegungen in einer formenreichen, vielseitigen Tanzsprache, die einen tatsächlich in schlaf- oder traumhafte Stimmung versetzen. Ja, der Berichterstatter sah sich hier gar in Gefahr, (Mond)- und tanzsüchtig zu werden – Ballettkunst in höchster Vollendung!

Nach so viel Lob für die drei Choreografen und die deren Ideen in traumhafter  Sicherheit umsetzenden Tänzerinnen und Tänzer sei abschließend noch einmal das (nicht nur) an diesem Abend fabelhafte Staatsorchester und sein Ballett-Dirigent James Tuggle dafür gelobt, dass und wie sie in einer einzigen Aufführung fünf so unterschiedliche, äußerst anspruchsvolle  Stücke spielen, dazu nicht als rein akustisches Ereignis in einem Konzertsaal, sondern für Tänzerinnen und Tänzer, die dazu in ebenso anspruchsvollen wie unterschiedlichen Choreografien ihr Bestes geben müssen.

Dafür, dass dies ausnahmslos überzeugend, ja begeisternd gelang, ernteten alle Beteiligten nach jedem der drei Teile des Abends – und an dessen Ende nochmals zusammengefasst und verstärkt – uneingeschränkten Beifall, ja großen Jubel.

Creations IV – VI  des Stuttgarter Ballett – weitere Vorstellungen am 29.02.; am 03., 19., 25., 29. 03.; am 08., 11. 04.; am 22., 23. 07. 2020

—| IOCO Kritik Staatsoper Stuttgart |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Galakonzert – Internationales Opernstudio, 09.03.2020

Februar 28, 2020 by  
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Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

10 Jahre Internationales Opernstudio – Staatsoper Stuttgart
Stars von morgen heute schon erleben

Festliches Galakonzert im Mercedes-Benz Museum am 9. März 2020 mit Mitgliedern des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Stuttgart und des Opernstudios der Opéra National du Rhin Straßburg

Das Internationale Opernstudio der Staatsoper Stuttgart blickt auf eine mittlerweile zehnjährige Erfolgsgeschichte zurück. Zu diesem jungen Jubiläum gestalten die Sänger*innen des Stuttgarter Opernstudios gemeinsam mit den jungen Künstler*innen des Opernstudios der Opéra National du Rhin in Straßburg am Montag, 9. März 2020, um 19.30 Uhr ein festliches Gala-Konzert unter dem Motto Stars von morgen heute schon erleben im Atrium des Mercedes-Benz Museums. Die Städtepartnerschaft zwischen Stuttgart und Straßburg findet bei diesem besonderen Konzert ihren künstlerischen Ausdruck.

Staatsoper Stuttgart / Opernstudio © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Opernstudio © Matthias Baus

In dem besonderen Ambiente des Mercedes-Benz Museums erwartet das Publikum ein Programm mit Höhepunkten der Opernliteratur seit Mozart. Bekannte Werke wechseln sich dabei mit musikalischen Raritäten ab. Das kurzweilige Programm beinhaltet Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Gioachino Rossini, Gaetano Donizetti, Vincenzo Bellini, Giacomo Puccini, Hector Berlioz, Igor Strawinsky, Maurice Ravel und Georges Bizet.

Das detaillierte Programm finden Sie im Anhang dieser E-Mail 

GALAKONZERT PROGRAMM
AM 9. MÄRZ 2020

Wolfgang Amadeus Mozart (1759 – 1791)
Quartett aus Die Entführung aus dem Serail
Ach Belmonte! Ach mein Leben!
Carina Schmieger Konstanze
Charles Sy Belmonte
Claudia Muschio Blonde
Christopher Sokolowski Pedrillo


Maurice Ravel (1875 – 1937)
Arie aus L’Heure espagnole
Oh, la pitoyable aventure!
Eugénie Joneau Conception


Vincenzo Bellini (1801 – 1835)
Duett aus La Sonnambula
Son geloso del zeffiro errante
Claudia Muschio Amina
Charles Sy Elvino

Léo Delibes (1936 – 1891)
Arie aus Lakmé  –  N°4 Air Gérald
Prendre le dessin d’un bijou –
Fantaisie aux divins mensonges
Tristan Blanchet Gérald


Wolfgang Amadeus Mozart (1759 – 1791)
Duett aus Idomeneo
S’io non moro a questi accenti
Carina Schmieger Ilia
Alexandra Urquiola Idamante


Gaetano Donizetti (1797 – 1848)
Trio aus La fille du régiment
Tous les trois réunis
Claudia Muschio Marie
Christopher Sokolowski Tonio
Jasper Leever Sulpice

Georges Bizet (1838 – 1875)
aus Les pêcheurs de perles  –  N°2 Récit

Nadir, Zurga
C’est toi, toi enfin que je revois
Duo Nadir, Zurga
Au fond du temple saint
N°4 Récit Nadir
A cette voix
Romance Nadir
Je crois entendre encore
N°7 Récit et Cavatine Leïla
Me voilà seule dans la nuit
N°11 Récit et Air Zurga
L’orage s’est calmé
N°15 Trio Leïla, Nadir, Zurga
O lumière sainte
Julie Goussot Leïla
Thomas Kiechle Nadir
Jacob Scharfman Zurga


PAUSE

Gioacchino Rossini (1792 – 1868)
Duett aus La Cenerentola (1817)
Un segreto d’importanza
Elliott Carlton Hines Dandini
Jasper Leever Don Magnifico
Maurice Delage
Quatre poèmes hindous
Madras (stance 221 de Bhartrihari), dédié à Maurice Ravel,
Lahore (poésie de Heinrich Heine),
Bénarès – Naissance de Bouddha
(anonyme), dédié à Florent Schmitt,
Jeypur (stance 733 de Bhartrihari),
dédié à Igor Stravinsky
Claire Péron


Hector Berlioz (1803 – 1867)
Duett aus Béatrice et Bénédict
Comment le dèdain, pourrait-il mourir
Alexandra Urquiola Béatrice
Charles Sy Bénédict


Giacomo Puccini (1858 – 1924)
Quartett aus La Bohème
Addio dolce svegliare alla mattina
Julie Goussot Musetta
Carina Schmieger Mimi
Tristan Blanchet Rodolfo
Elliott Carlton Hines Marcello


Igor Stravinsky (1882 – 1971)
Epilogue aus The Rake’s Progress
Good people, just a moment …
Carina Schmieger Anne
Christopher Sokolowski Tom
Elliott Carlton Hines Nick
Alexandra Urquiola Baba
Jasper Leever Father


Hinweis: Am Montag, 09.03.2020, findet parallel zum Galakonzert ein Heimspiel des VfB Stuttgart in der Mercedes-Benz Arena statt (Anpfiff 20:30 Uhr, Ende: ca. 22:15 Uhr). Von ca. 17:30 bis 22:30 Uhr wird die Anfahrt über die Mercedesstraße nicht möglich sein, da die Straße gesperrt wird.

Gäste, die mit dem PKW anreisen, werden daher gebeten, über den Martin-Schrenk-Weg (Kreisverkehr) zu fahren. Parkmöglichkeiten bestehen wie gewohnt im Mercedes-Benz Museum Parkhaus oder im gegenüberliegenden P4. Die Ausfahrtickets gelten für beide Parkhäuser.


Das Internationale Opernstudio der Staatsoper Stuttgart

Die Staatsoper Stuttgart zählt zu den wichtigsten europäischen Opernhäusern. Eine essentielle Grundlage dieses Erfolges sind die hochkarätigen Sängerinnen und Sänger des Ensembles, die das Haus am Oberen Schlossgarten als ihre künstlerische Heimat schätzen und gleichzeitig international gastieren.

Neben der kontinuierlichen Weiterentwicklung dieses Sängerensembles hat sich die Staatsoper seit vielen Jahren auch die Förderung des Sängernachwuchses zum Ziel gesetzt: Das Internationale Opernstudio der Staatsoper Stuttgart ist ein Trainee-Programm für Sängerinnen und Sänger, die ihr Studium abgeschlossen haben und nun in einer gesunden Balance zwischen dem Sängerberuf auf der großen Bühne und hochkarätigen Meisterkursen, Coachings und besonderer pädagogischer Betreuung ihre Stimme und künstlerische Persönlichkeit entwickeln können. In der Spielzeit 2019/20 erhalten sieben Sängerinnen und Sänger die Möglichkeit, ihre ersten prägenden Karriereschritte unter besten Bedingungen an der Staatsoper Stuttgart zu gehen. Schirmherrin des Opernstudios ist in dieser Saison Kammersängerin und Ensemblemitglied Catriona Smith.

Im Rahmen der im Jahre 1962 gegründeten Städtepartnerschaft Strasbourg – Stuttgart traten die Opernstudios der Opéra national du Rhin und der Staatsoper Stuttgart ab der Spielzeit 2016/17 in einen aktiven Austausch. Zu den Höhepunkten dieser Partnerschaft gehören zwei Konzerte in der Saison, in denen sich die Mitglieder beider Opernstudios gemeinsam dem Publikum präsentieren.

Zum Internationalen Opernstudio der Staatsoper Stuttgart 2019/20 gehören aktuell sieben junge Sängerinnen und Sänger: Elliott Carlton Hines aus Texas / USA, Jasper Leever aus den Niederlanden, Claudia Muschio aus Italien, Carina Schmieger aus Deutschland (Freiburg i. Br.), Christopher Sokolowski aus New York / USA, Charles Sy aus Kanada und Alexandra Urquiola aus Kuba.

Immer wieder konnten Mitglieder des Opernstudios nach Ablauf ihres Stipendiums nahtlos ins Solistenensemble der Staatsoper Stuttgart übernommen werden. Zurzeit sind sieben ehemalige Stuttgarter Opernstudiosi fest im Solistenensemble der Staatsoper Stuttgart engagiert: Esther Dierkes, Josefin Feiler, Diana Haller, Ida Ränzlöv, Moritz Kallenberg, Kai Kluge und Michael Nagl. Viele weitere der ehemaligen Stuttgarter Opernstudio-Mitglieder sind inzwischen an anderen in- und ausländischen Opernhäusern engagiert oder gastieren als freiberufliche Sänger erfolgreich weltweit.

In Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart.

Telefonisch und per E-Mail
+49 711 20 20 90
tickets@staatstheater-stuttgart.de
Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr, Samstag 10 bis 18 Uhr

An der Theaterkasse
Königstraße
1D (Theaterpassage), 70173 Stuttgart
Montag bis Freitag 10 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr

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