Altenburg, Theater Altenburg Gera, GMD Laurent Wagner verabschiedet sich, IOCO Aktuell, 24.06.2020

 

Theater Altenburg Gera

Theater Altenburg © Ronny Ristok

Theater Altenburg © Ronny Ristok

GMD  Laurent Wagner verabschiedet sich 2020

 im Gespräch mit Konzertdramaturgin Birgit Spörl 

Laurent Wagner, *1960 in Lyon, französischer Staatsbürger, seit 2013 Generalmusikdirektor am Theater Altenburg Gera. war zuvor in gleicher Position am Theater Dortmund und am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken, in anderer Funktion an anderen bedeutenden Theatern.

Birgit Spörl  (BS):  Lieber Laurent Wagner, Sie beenden mit dieser Spielzeit Ihr Engagement als Generalmusikdirektor am Theater Altenburg Gera. Damit haben Sie sieben Spielzeiten lang dieses Theater geprägt. Ist diese Zeit rückblickend betrachtet schnell oder langsam vergangen?

Laurent Wagner (LW): Weder schnell noch langsam, sondern rasend! Ich kann mich an meine ersten Schritte hier noch als Bewerber erinnern, als sei es gestern gewesen und diese Zeit ist so intensiv gewesen, ein Projekt hat das andere gejagt und so ist die Zeit rasant vergangen – und so sind sieben Jahre im Nu vorbei.

Theater Altenburg Gera / Serenadenkonzert, GMD Laurent Wagner dirigiert © Ronny Ristok

Theater Altenburg Gera / Serenadenkonzert, GMD Laurent Wagner dirigiert © Ronny Ristok

BS: Bevor Sie nach Altenburg und Gera kamen, haben Sie europaweit in sehr viel größeren und berühmteren Städten gewirkt und gelebt, wie Dortmund, St. Gallen und Dublin. Wie haben Sie die Umstellung auf ein Wirken in den sehr viel kleineren Städten Altenburg und Gera erlebt?

 LW:  Ich bin von Zuhause aus schon ein Großstadtmensch, bin im etwas größeren und schönen Lyon groß geworden, habe dann in Paris und Wien studiert. Aber das war vor langer Zeit und man wird ja nicht jünger – ein bisschen mehr Ruhe, ein bisschen mehr Natur, weniger Hektik ist auch mal  ganz schön. Als so klein kann ich aber auch die Lage in Gera und Altenburg nicht bezeichnen, zumindest was unsere Arbeit angeht. Wir haben  für die theoretische Größe einer Stadt wie Gera, gemessen an der Einwohnerzahl, doch ein sehr großes Orchester. Also konnte ich nie den Eindruck haben, ich sei hier in der kleinen Provinz. Ich hatte ein großes Orchester mit etwa 75 Musiker, mit dem man eigentlich fast das ganze Repertoire spielen kann. Also den Hauch der Provinz habe ich hier nicht gespürt.

BS: Was macht das Altenburger und das Geraer Publikum aus?

LW: Es ist ein sehr, sehr treues Publikum. Wir haben einen harten Kern eines treuen Publikums – viele davon sind Abonnenten – die sind unglaublich treu. Und wenn ich das Publikum vergleiche mit Publikum aus den anderen Städten, in denen ich wirken durfte: Die Länge und Begeisterung des Applauses am Ende einer Opernvorstellung und eines Konzertes ist hier wirklich erstaunlich. Man hat wirklich den Eindruck, man gehört als Musiker richtig dazu, es ist eine richtige Einheit zwischen Publikum und Orchester, das ist wirklich eine schöne Sache. Das habe ich nicht überall in dem Maße so erlebt.

BS: Konnten Sie nicht nur in den Theatern, sondern auch in den Städten Altenburg und Gera heimisch werden? ? Haben Sie beispielsweise den einen oder anderen Lieblingsplatz in der Stadt für sich entdeckt?

LW: Ja, heimisch geworden bin ich längst. Ich habe fünf Jahre in Gera auf der anderen Seite der Elster in der Nähe der Marienkirche gelebt – und das ist eigentlich mein Lieblingsplatz in Gera: Der Weg von der Kirche über die Brücke, durch diese schöne Allee und dann der Küchengarten und der Blick aufs Theater – ich glaube, das ist wirklich die allerschönste Stelle in Gera und das waren immer die Momente auf dem Weg ins Theater, in denen ich wusste, warum ich hier bin. Ich brauche ein schönes Ambiente zum Leben. Ich habe oft in Theatern gearbeitet, die eher Betonklötze waren – natürlich vergisst man das über der Arbeit – aber wenn man hier in so einem schönen Ambiente arbeiten darf, dann ist das doch ein Stückchen schöner. Und was Altenburg angeht: Altenburg war für mich auch deshalb besonders schön, da es die Stadt meines Schwiegervaters ist. Das war für meine Frau und mich also sehr schön, da zu landen. Mein Schwiegervater war einst wohl aus politischen Gründen aus Altenburg weggezogen und nun schloss sich da ein Familienkreis. Einen Lieblingsplatz kann ich in Altenburg gar nicht benennen, sondern die ganze Innenstadt mit ihrem architektonischen Reichtum ist wirklich ein Juwel.

Interview mit Laurent Wagner zum 1. Philharmonischen Konzert 2018
youtube Video des Theater Altenburg Gera
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BS: Als Generalmusikdirektor des Theaters Altenburg Gera waren Sie nicht nur Chefdirigent. Neben der musikalischen Leitung von Opern und Konzerten waren Sie auch mitverantwortlich für die Gestaltung der Spielpläne, für das Engagement von Künstlern und Gästen, für die Planung von Events oder auch die Vergabe von Kompositionsaufträgen. Haben Sie sich in der Vielfältigkeit dieser Aufgaben und der großen Verantwortung zu Hause gefühlt?

LW: Ja durchaus. Es ist auch wirklich gut, wenn man als Dirigent nicht nur ein ausführendes Organ ist, sondern dass man die Sachen wirklich von A bis Z gestalten kann. An manchen Orten gibt es den Trend, dass der Chefdirigent hübsch den Takt schlagen soll zu den Stücken, die man ihm sagt. Ich finde wirklich schön, dass dieser Trend nicht in Altenburg und Gera angekommen ist und ich wünsche dem Orchester sehr, dass das auch so bleibt. Ich habe das Theater zwar nicht als meine persönliche private Spielwiese betrachtet, aber ich hatte die Möglichkeit, hier das zu realisieren, was ich für das Theater und für das Orchester für richtig hielt. Ich war so glücklich, hier das fast blinde Vertrauen unseres Intendanten Kay Kuntze zu genießen – war das blindes Vertrauen oder haben sich unsere Ansichten zufällig gedeckt? – auf jeden Fall hat es im Bereich der Programmatik sowohl für die Opern wie auch für die Konzerte wirklich Harmonie gegeben und so war es gut.

BS: Worin sehen Sie die Vor- und Nachteile, an einem Mehrspartentheater zu wirken?

LW: Die Nachteile sind, dass man sich eine Bühne teilen muss. So ist es sehr oft schwierig, mit der manchmal gewünschten Freiheit zu programmieren. Man muss sich immer diese Bühne teilen, sowohl für die Proben wie auch für die Aufführungen und das führt zu dispositionellen Engpässen. Ein bisschen mehr Luft und Raum würde man sich da schon wünschen. Die Vorteile sind ja evident: dass man das Glück hat, sich nicht im eigenen musikalischen Echoraum zu bewegen, sondern dass man eine größere Perspektive hat und geistig und intellektuell am Leben bleibt. Mehr Miteinander in spartenübergreifenden Projekten hätte ich mir durchaus noch mehr gewünscht, denn manchmal arbeitet man zwar unter einem Dach, aber ein bisschen aneinander vorbei. Es ist klar, jede Sparte hat auch ihre eigene Agenda und bis man dispositionell den richtigen Zeitpunkt für eine Zusammenarbeit findet, das ist oft recht schwierig.

BS: Als künstlerischer Leiter haben Sie sowohl Opern als auch Philharmonische Konzerte sowie Sonderevents, wie das alljährliche Sommer-Open-Air, dirigiert. Was davon haben Sie am liebsten dirigiert?

LW: Schwere Frage! Wie soll ich das beantworten? In jüngeren Jahren habe ich mich mit Begeisterung auf die Oper konzentriert. Die Oper ist quasi meine Muttersprache, ich habe immer eine große Liebe zur Oper und zum Gesang gehabt, das war wirklich mein Metier. Mit dem Konzert habe ich früher ein bisschen gefremdelt – nicht aufgrund des Repertoires, sondern als Dirigent so auf dem Präsentierteller in der Mitte zu stehen, alle Blicke auf einen konzentriert, war nicht ganz meine Sache. Ich habe mich im Orchestergraben versteckt wohler gefühlt – da ist man unter sich mit dem Orchester und mit den Sängern auf der Bühne und ist nicht immer so beobachtet. Inzwischen – das ist eine gute Entwicklung des Lebens – habe ich gelernt, diese Situation auf dem Konzertpodium für mich zu zähmen und damit zu leben – und inzwischen lebe ich gut damit. Ich hatte dann das Glück hier ungefähr fünzfig-fünfzig beides zu bedienen und gerade diese Abwechslung ist etwas sehr schönes. Ja, die Balance war für mich wirklich schön und ich kann die Frage wirklich nicht beantworten. Fragen Sie eine Mutter, ob sie ihren Sohn oder ihre Tochter lieber hat – das geht nicht!

BS: Als Liebhaber der großen sinfonischen Musik des 20. Jahrhunderts haben Sie sowohl die Kapazitäten des Philharmonischen Orchesters Altenburg Gera als auch die der Räumlichkeiten der beiden Theater hin und wieder gern ausgereizt. Manchmal waren die Bühnen bei den großen Sinfonien von Bruckner, Mahler oder Schostakowitsch fast schon zu voll, die Klangfülle fast zu groß für die Saalakustik und manchmal wurden mehr Musiker benötigt, als das Philharmonische Orchester Altenburg Gera an Mitgliedern aufweisen kann. In diesen Fällen wurden dann viele Hebel in Bewegung gesetzt, um die Konzerte zu realisieren. Sind das ganz normale Randerscheinungen Ihres Konzertspielplanes oder genießen Sie auch ein wenig den Nervenkitzel, das Unmögliche möglich zu machen?

LW: Beides! Der Nervenkitzel ist auf jeden Fall notwendig – man darf in unserem Beruf keine Sekunde in Routine verfallen und wo immer man die Gelegenheit so eines kleinen Nervenkitzels hat, muss man sie am Schopfe packen. Höre ich in Ihrer Frage eine kleine Kritik, dass wir zu oft bombastisches und den Rahmen sprengendes Programm gemacht haben? Ich sehe es nicht so. Ich habe mit der großen Freiheit, die mir in der Programmatik gewährt wurde,  immer versucht, alle musikalischen Epochen und Stile vom Barock bis zur heutigsten Moderne zu bedienen, und selbstverständlich kommen, wenn wir beim spätromantischen und modernen Repertoire sind, auch die immer größeren Besetzungen. Das ist unvermeidlich. Aber das wollen wir ja auch bedienen, das ist ein Teil der Musikgeschichte, den wir auch präsentieren wollen. Sehr wichtig ist auch: Unser Orchester spielt viel im Orchestergraben, wo die Zahl der Musiker reduziert ist. Für ein Orchester ist es aber absolut notwendig, dass es sich in regelmäßigen Abständen komplett versammelt und im Ganzen musiziert. Sonst ginge die Identität, das Gefühl für Zusammenhalt verloren. Man braucht wirklich diese Gelegenheiten, wo alle zusammen dabei sind. Selbstverständlich braucht man zum Beispiel bei Mahler manchmal etwas Aufstockung.

Etwas Wehmut verursacht in mir, dass es noch nicht gelungen ist, etwas an der Akustik der Geraer Konzertsaals zu arbeiten. Selbstverständlich kann man nicht alles gleichzeitig machen, aber ich kann nur wünschen, dass diese Sache einmal in Angriff genommen wird. Wir wissen, was zu tun wäre, ohne an die Optik des Saales zu rühren, aber man könnte erreichen, dass man bei einer etwas größeren Besetzung nicht mehr den Eindruck bekommen muss, dass man von dieser Klangwucht erschlagen wird, denn der Saal ist für meine Begriffe etwas überakustisch.

Theater & Philharmonie Thüringen mit Mahagonny
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BS: Welche waren Ihre persönlichen künstlerischen Höhepunkte in Ihrer Zeit als Generalmusikdirektor?

LW: Da werden Sie sich vielleicht wundern: das sind eben nicht diese großen bombastischen Sachen. An allererster Stelle: dass ich hier die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach machen konnte und durfte war für mich persönlich eine sehr wichtige Sache. Ich bin kein so genannter Spezialist für die historische Aufführunsgspraxis. Man verliert als Allgemeinmusiker heute immer mehr das Recht, Musik von vor 1750 aufzuführen. Mir war es sehr wichtig, einmal in meinem Leben die Matthäuspassion aufzuführen, ein Stück, das mir absolut am Herzen liegt, also bin ich sehr sehr glücklich, das hier realisiert zu haben. Auch alles, was wir im Bereich der Klassik gemacht haben, ob Haydn oder Mozart. Ich kann mich an ein reines Mozart-Konzert vor zwei drei Jahren erinnern, da stand die Jupiter-Sinfonie auf dem Programm, ein Klavierkonzert, ein paar Konzertarien – das war für mich ein Konzert, das eigentlich völlig unspektakulär war, aber uns meiner Meinung nach sehr gut gelungen ist und ich war da sehr glücklich.

BS: Mitteldeutschland hat eine recht reiche Orchesterlandschaft, in der Sie sich auch umgesehen haben. Mit Weimar, Jena, Leipzig, Halle und Dresden in der näheren Umgebung ist das Philharmonische Orchester Altenburg Gera also nicht gerade das einzige Orchester weit und breit. Gibt es trotzdem Besonderheiten, die gerade dieses Orchester von anderen unterscheiden?

LW: Die Frage kann ich schlecht beantworten, da ich die verschiedenen Orchester nicht von innen kenne. Es ist eine Sache, ob man einmal ein Orchester im Konzert hört oder ob man mit dem Orchester arbeitet. Eines aber kann ich sagen: Im Vergleich der Orchester in der ehemaligen DDR zu den westdeutschen Orchestern, höre ich hier nach wie vor noch heute eine ganz besondere Farbe, möglicherweise aufgrund der politischen Abschottung, die hier so lange geherrscht hat. Dadurch sind die Orchester hier nicht so schnell globalisiert worden. Ich finde die Globalisation im Bereich der Kunst und Musik auch nicht so gut, denn es ist schade, wenn Orchester in Washington, Paris und Berlin alle gleich klingen und das ist ein bisschen der Trend. Und von dieser Entwicklung ist der östliche Teil Deutschlands aus politischen Gründen lange verschont geblieben. Und das hört man noch 30 Jahre danach – man hört, dass sich eine gewisse alte deutsche Tradition hier noch erhalten hat – im Klang, in der Art Phrasen zu artikulieren und und und. Das habe ich hier sehr genossen.

BS: Was nehmen Sie aus Ihrer Zeit in Altenburg und Gera mit?

LW: Dankbarkeit.

BS: Vielen Dank, Herr Wagner, für das Gespräch. Vielen Dank für sieben prägende Jahre als Generalmusikdirektor! Einmal dürfen wir Sie noch erleben und zwar in unserer Sommertheaterreihe in einem wunderbaren Serenadenkonzert. Darauf freuen wir uns und wünschen Ihnen alles Gute!

Darauf freue ich mich auch schon sehr! Vielen Dank!

—| IOCO Aktuell Theater Altenburg Gera |—

Hamburg, Brenda Roberts – Rollenimpressionen, IOCO Portrait, 17.01.2018

Januar 16, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Oper, Portraits, Staatsoper Hamburg

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Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Brenda Roberts © Brenda Roberts

Brenda Roberts © Brenda Roberts

http://brendaroberts.net/

BRENDA ROBERTS  –  ROLLENIMPRESSIONEN

Von Rolf Brunckhorst

2017 erschien erstmals der Mitschnitt der als verloren geglaubten Bayreuther Siegfried Aufführung aus 1974; mit der damals so jungen Brenda Roberts als Brünnhilde: Seit Erscheinen dieses Siegfried-Mitschnitts ist Brenda Roberts wieder ins Gespräch gekommen. Zeit also, sich an ihre großen Auftritte zu erinnern. Begonnen hat ihre Karriere am Staatstheater Saarbrücken, weitere Stationen waren die Opernhäuser Bielefeld und Nürnberg, bis GMD Horst Stein sie dann an die Hamburgische Staatsoper engagierte. Brenda Roberts war im Jahre 1978 meine erste Elektra überhaupt. Vorher hatte ich mich bei Freunden informiert, welche der Elektra-Sängerinnen die derzeit Beste sei. Bei dem Namen Brenda Roberts vermutete jemand, sie sei doch viel zu jung, das könne doch gar nicht gehen. Also suchte ich mir eine andere Elektra-Vorstellung aus. Am Abend erwartete mich im Hamburger Opernhaus ein roter Zettel, der mich darüber informierte, daß statt der angesetzten Elektra nun Brenda Roberts die Titelpartie übernehmen werde. Nun denn …. Nach der allseits bekannten Mägde-Szene begann der große Monolog. Ich hörte eine fast lyrische, aber metallische und wuchtig ausladende Sopranstimme, die in der Höhe prächtig aufging. Dazu nahm das intensive Spiel von vornherein für diese Sängerdarstellerin ein. Brenda Roberts führte ihre Stimme unangefochten durch alle Szenen und stellte sowohl Aggression, Hohn und Spott für Klytämnestra dar, zeigte sich aber fast kindlich zutraulich ihrem Bühnenbruder Orest gegenüber. Bis zum Schlußjubel war von einer Überanstrengung der Stimme nichts zu hören, und es gab allenthalben Bravos für diese Leistung. Am Bühnenausgang zeigte sich Brenda Roberts unkompliziert und aufgeschlossen und erzählte, daß sie zur Zeit eine Serie Salome-Vorstellungen am Staatstheater Braunschweig sänge. Zum abgesprochenen Vorstellungstermin fand ich mich im Braunschweiger Opernhaus ein.

Brenda Roberts © Wolfgang Schmitt

Brenda Roberts © Wolfgang Schmitt

Diese Salome wird mir für alle Zeiten unvergeßlich bleiben. Diese Salome spielt in einem Schlachthaus, die weißen Kacheln waren blutüberströmt, und die läppischen Kostüme waren das Tüpfelchen auf dem „i“. Einige Abonnenten verließen vorzeitig das Haus, und auch mein Nebenmann wurde während des Judenquintetts unruhig und wäre am liebsten gegangen, wenn nicht Brenda Roberts‘ bisherige Leistung einen fulminanten Schlußgesang versprach. Höhepunkt des ersten Teils war zweifellos die Szene mit Jochanaan, in der sich Brenda Roberts geradezu in eine Hysterie hineinsteigerte, wenn sie beharrlich verlangte, den Mund des Jochanaan zu küssen. Während des nachfolgenden Zwischenspiels zog sie alle Blicke auf sich, da man an ihrer Körpersprache erkennen konnte, daß großes Unheil geschehen werde. Daß der Tanz in dieser Atmosphäre von vornherein verschenkt sein würde, war klar, denn in diesem Schlachthaus konnte keinerlei erotische Stimmung aufkommen. Der Schlußgesang hatte es dann wirklich in sich: mit immer schärferer Tongebung verlieh Salome ihrer Forderung nach dem Kopf des Jochanaan hörbaren Nachdruck, und verfiel wieder in die bereits erwähnte Hysterie, der man nur mit der Erfüllung ihres Wunsches Einhalt gebieten konnte. Während der Schlußszene entwickelte Brenda Roberts‘ Salome sich angesichts des Toten wieder in das kleine unschuldige Mädchen zurück, das sie vielleicht liebend gern geblieben wäre. Aber wenn der Mond die dunkle Szenerie nur knapp erhellt, gewinnen Salomes innere Dämonen wieder Gewalt über sie und sie bejubelt das Geschehene. Diese fulminante Darstellung stand im Einklang mit einer vorzüglichen stimmlichen Leistung, die verstehen läßt, daß Brenda Roberts zu den gefragtesten Salome-Sängerinnen ihrer Zeit zählte.

Drei Strauss-Generationen hier vl Viorica Ursuleac, Astrid Varnay, Brenda Roberts © Brenda Roberts

Drei Strauss-Generationen hier vl Viorica Ursuleac, Astrid Varnay, Brenda Roberts © Brenda Roberts

Nur wenige Wochen später: zweimal Ortrud (Lohengrin) in – ihrer – Hamburger Inszenierung. Während des ersten Aktes, in dem die Ortrud nahezu eine Stunde lang nichts zu singen hat, ist sie aber trotzdem von Beginn an präsent, sie beratschlagt sich mit ihrem Mann, umkreist immer wieder die handelnden Personen, und vermittelt auf diese Weise den Eindruck einer fanatischen, einer getriebenen Frau. Im zweiten Akt wird klar, was diese Ortrud antreibt: es ist das Klammern an die alte Religion, die alten Götter, die für Ortrud noch nichts an Kraft und Glanz verloren haben. Geradezu unheimlich schleudert Brenda Roberts in der Szene mit Telramund das Wort „Gott“ heraus, nachdem totale Stille herrscht, die keinem Gelächter oder ähnlichem geopfert wird. Brenda Roberts steigert sich in dieser Szene hin zu phänomenalen „Entweihten Göttern“, bei denen sie auch durch ihre Körpersprache ausdrückt, daß mit dieser Vertreterin der alten Götter noch zu rechnen sein muß. Vor dem Münster kommt es dann zum Showdown zwischen Ortrud und Elsa, wenn Ortrud ihr weißes Gewand ablegt und ganz in schwarz, der Farbe ihrer Rache, vor dem Volk steht. Und auch die Schlußszene zeigt, daß Ortrud zumindest in einer Hinsicht triumphieren wird, Lohengrin muß seine Ehefrau zurücklassen, und Ortrud giftet ihm ein höhnisches „Fahr‘ heim Du stolzer Helde“ nach. Sie hat zweifelsohne noch viel vor an diesem Hof. Brenda Roberts‘ Ortrud: ein Rollenbild aus einem Guß.

Brenda Roberts‘ Isolde-Debüt ist angesagt, und so treffen sich einige auswärtige Opernfreunde an diesem Sonntag am Staatstheater Mainz. Zwei wichtige Pfeiler einer Tristan-Premiere, nämlich die Inszenierung und die Besetzung des Titelhelden, lagen wie ein Schatten auf dieser Premiere. Das Bühnenbild litt unter erkennbaren Sparzwängen, und so war der Versuch, Arnold Böcklins Toteninsel zum Bühnenbild umzugestalten, sichtbar gescheitert. Zudem paßte in diese marode Kulisse Herbert Becker wie das Tüpfelchen aufs „i“. Ich hatte ihn vor vielen Jahren als Siegfried erlebt, und mein erster Gedanke war, er sieht aus wie der klassische Oberförster. Mit seinen roten Bäckchen und seiner properen Figur paßte er nun gar nicht in den weißen Dandy-Anzug, dessen Jacke er sich entledigte, um sie Brenda Roberts als Sitzunterlage für das Duett anzubieten. Auch stimmlich konnte ich mit seiner Art zu singen nie richtig glücklich werden, zu eigenwillig erscheinen einige Phrasen, zu auffällig wurden an dramaturgisch vertretbaren Plätzen Kräfte gespart. Und zum Schluß noch eines: die ganzen Blumensträuße und Bravo-Rufe für Brenda Roberts waren NICHT von ihr bestellt worden, sondern eine Überraschung für die Sängerin anläßlich ihres Rollendebüts. Auf der Haben-Seite des Abends blieb noch ein kreuzbraver Kurwenal und eine etwas vorsichtige, aber stimmschön agierende Brangäne. Doch das Ereignis des Abends war zweifellos Brenda Roberts als Isolde, die gleich am Premierentag von dieser Rolle Besitz ergriff. Vom ersten „Wer wagt es zu Höhnen“ bis hin zu „Unbewußt, höchste Lust“ zeigt die Stimme alle Facetten, die ihr zur Verfügung stehen und die für diese Rolle auch benötigt werden. Besonders gut gelingt ihr der höhnische, mitunter sogar sarkastische Dialog mit Tristan, herrlich auch, wie eiskalt sie Kurwenal abserviert: „Nicht sollt ich mich bereiten …“. Nach einem prachtvoll gesungenen Finale wurden wir in die erste Pause entlassen. Da das Mainzer Opernhaus darauf bestanden hatte, ausgerechnet an diesem Premierenabend ihr neues Computerkartensystem auszuprobieren, waren viele Leute verspätet oder gar nicht in den ersten Akt gekommen. Der Ärger darüber war fast lauter als die klassischen Pausengespräche über die Musik. Nachdem für den zweiten Akt nun auch alle, die Karten vorbestellt hatten, hinein durften, gab es gleich einen Höhepunkt zu bestaunen: Brenda Roberts schleuderte souverän und wuchtig ihr „Frau Minne sprach, es werde Nacht“ an Brangänes Adresse, so daß alle in Merket-auf-Stellung saßen. Damit begann das lange Duett, von mir als Solo mit Begleitung empfunden. Brenda Roberts sang wunderschön, empfindsam und differenziert, mit topsicherer Tongebung und nie nachlassendem lyrischem Fluß. Wunderbar, wie sie sich nach dem verhaltenen Beginn von „So starben wir“ zu der finalen Passage „Der Liebe nur zu leben“ steigert. Bleibt noch der dritte Akt, für mich eine Stunde  Warten auf Brenda Roberts‘ Auftritt, ein Warten, für das ich mit Isoldes letzten Monologen belohnt wurde. Am Ende „Mild und leise, wie er lächelt“, zärtlich verhalten beginnend, sich prächtig zu einem leuchtenden „Welt-Atem“ erhebend, um im sauber getragenen Piano der „Höchsten Lust“ zu vollenden. Obwohl dieses Rollendebüt schon so viel Definitives aufgezeigt hatte, hat Brenda Roberts für die nächsten Vorstellungen weiter an der Partie gearbeitet und hat immer neue Nuancen herausstellen können (NB: „Ich habe vier der fünf Vorstellungen gesehen).

Samstagmorgen … ein bißchen ausschlafen … das Telefon läutet: „Hier Brenda Roberts, ich gebe heute Abend in Oldenburg mein Kundry-Debüt, ohne Orchesterprobe, nur mit Klavierprobe und kurzer szenischer Einweisung.“ Am Abend klang s aber alles andere als ungeübt. Das Oldenburger Opernhaus hatte eine Besetzung zusammengestellt, die miteinander sang und sich auch Orchester und Chor verlassen konnte. Nachdem Brenda Roberts schon im ersten Akt einige Male hat aufhorchen lassen („Deine Mutter ist TOT“ und „Sind die Tiere hier nicht heilig“), entwickelte sich im zweiten Akt eine spannende Auseinandersetzung zwischen Klingsor und Kundry, bei der sich Kundry sichtbar bemühte, nicht den neuen Anweisungen ihres Bühnenbeherrschers Klingsor folgen zu müssen. Die großen, geradezu expressiven Schreie zeigten auch im Publikum ihre Wirkung, zwei Damen hinter mir waren ganz verblüfft darüber, daß an diesem Abend solch ein ausdrucksstarkes Stück geboten wurde. Dann folgten die 20 Minuten, auf die jedes Parsifal-Publikum lauert: die ausgeweitete Szene zwischen Kundry und Parsifal. Brenda Roberts beginnt ganz schlank auf Linie und bringt den ersten Teil von „Ich sah das Kind an seiner Mutter Brust“ inspiriert, intonationssicher und wortverständlich über die Runden. Noch einmal steigert sie ihr heißblütiges Spiel, wenn sie Christus am Kreuz verlacht. Dann folgt Kundrys finaler Ausbruch, bei dem man merkt, daß sie noch nicht an ihre Grenzen gegangen ist. Der dritte Akt bietet der Kundry nicht mehr als das stöhnende Geräusch und die beiden „dienen“-Rufe. Trotzdem war Brenda Roberts in ihrer Gestaltung durchweg intensiv, und ihre Reaktion auf ihre Mitspieler war von einem tiefen Rollenverständnis geprägt.

 Brenda Roberts © Sebastian Siercke

Brenda Roberts © Sebastian Siercke

Wenn dieser Bericht einen störungslosen Ablauf protokolliert hat, so ist dieses vor allem Brenda Roberts zu verdanken, die sich die heikle Kundry-Partie an diesem Abend ganz zu eigen gemacht hat. Dieses ist nur ein weiteres Beispiel für die Professionalität von Brenda Roberts, mit der sie hier wie auch an verschiedenen anderen Opernhäusern in aller Kürze eine Vorstellung gerettet hat. Das führt uns zwanglos zum nächsten Bericht. Wir sind wieder in Hamburg, es gibt Die Frau ohne Schatten, und die Retterin der Aufführung an diesem Abendheißt Brenda Roberts. Die alte Kurt-Horres-Inszenierung war ein Repertoire-Glanzstück und wurde in der Regel auf Weltklasse-Niveau besetzt. Das war auch an diesem Abend nicht anders, da die fünf Hauptpersonenalle auf Augenhöhe miteinander agieren konnten. Brenda Roberts ist für die Besetzung der Färbersfrau ein Glücksfall. Auf den ersten Blick wirkt sie jung und verletztlich, ist aber in ihrer Ehe zutiefst frustriert, und zwei nach unten gezogene Mundwinkel zeugen von steter Unzufriedenheit. Das ist genau die Färbersfrau, die sich die Amme und die Kaiserin gewünscht haben. Die Färbersfrau scheint ihnen auch auf den Leim zu gehen, wenn sie z.B. Juwelen geschenkt bekommt und scheinbar ganz hilflos fragt, „dies in mein Haar?“, und doch schon sehr genau weiß, daß diese Sachen bald ihr gehören werden. Daß die junge Frau im ersten Akt aber noch nicht alle moralischen Maßstäbe über Bord geworfen hat, erkennt man an ihren Ängsten, wenn sie glaubt, die Stimmen der ungeborenen Kinder zu hören. Auch im zweiten Akt bleibt sie hinter den „Erwartungen“ der Amme zurück. Sie will sich nicht mit dem nackten Jüngling, vom Markt in ihre Stube gezaubert, einlassen, und so kommt es zu keiner Minute zu dem Ehebruch, den die Färberin später ihrem Mann fälschlich gesteht. Diese im wahrsten Sinne des Wortes hochdramatische Handlung fordert auch einen beinharten hochdramatischen Sopran. Mit Brenda Roberts steht ein Färbersfrau auf der Bühne, die den von Richard Strauss entfachten Klangwogen stets noch etwas entgegenzusetzen hat. Großer Jubel am Ende des zweiten Aktes. Der dritte Akt bietet die vielleicht schönste Musik, die Richard Strauss jemals komponiert hat. Ganz aufgehen kann man in dem Auftaktsduett, in dem Barak und seine Frau langsam wieder zueinander finden. Färbersfrauen, die sich am Ende des zweiten Aktes verschrien haben, haben natürlich ihre Probleme mit dem lyrischen Fluß des Duetts, aber dies bereitete Benda Roberts keinerlei Probleme und sie sang sieghaft ihren nächsten Höhenanforderungen entgegen. Wenn dann im Finale die beiden Paare endlich wieder zueinander gefunden haben, bietet das abschließende Quartett den Protagonisten noch einmal die Gelegenheit, ihre Stimmstärken in die Waage zu werfen. Ein mehrfaches hohes „C“ beendete dann eine Vorstellung auf allerhöchstem Niveau. Das Publikum liebte seine Färberin und feierte die Aufführung ausgelassen.

Als letztes habe ich die Sommerfestspiele in Bad Hersfeld ausgesucht: Zwei Sommer lang Fidelio mit Brenda Roberts in der Titelrolle. Die Stiftsruine bildet einen idealen Platz für die Darstellung dramatischen Geschehens. Es war wahrlich beeindruckend, wie nach der Rückkehr der Gefangenen in ihre Kerkerauch das natürliche Tageslicht sich für diese Nacht zurückzog. Die Festspielintendanz hatte ein hoch motiviertes Team an die zum Teil recht schwierigen Partien herangeführt, und man konnte in den Tagen bis zur Premiere sehen, wie die Aufführung reifte. Bei der Premiere zeigten sich alle in Bombenform. Brenda Roberts‘ kräftige Stimme fand sich in der ungewohnten Akustik schnell zurecht und sie konnte ihre Leistung im ersten Akt mit einem grandiosen „Abscheulicher, wo eilst du hin“ krönen. Es war eine Freude, wie die Koloraturen aufeinander perlten, bis Brenda Roberts dann im Finale der Arie zeigte, daß sie eine echte Hochdramatische ist. Mit dem nötigen Metall in der Stimme ging es weiter zum jubelnden „Noch heute, noch heute“. Pausenlos ging es in den zweiten Akt, wo sich Brenda Roberts kämpferisch zeigte, um ihrem Bühnengatten unter Einsatz ihres eigenen Lebens die Freiheit zu ermöglichen. Das Duett nach der befreienden Nachricht des Ministers verdient ein Extra-Lob. Insgesamt eine würdige Aufführung für diesen eindrucksvollen Festspielort. Brenda Roberts erhielt übrigens den „Kulturpreis der Stadt Bad Hersfeld“ für ihre Leistung.

Der zeitliche Rahmen des geschilderten verteilt sich auf ca. 10 Jahre, die nicht ganz so typischen Roberts-Partien (Turandot, Lady Billows, Tosca, Ariadne) verdienen vielleicht einen Folgebericht. Vielen Dank an Brenda Roberts für ihre Mithilfe.

—| IOCO Portrait Staatsoper Hamburg |—

Saarbrücken, Saarländisches Staatstheater, Premiere Rigoletto von Verdi, 07.05.2016

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Saarländisches Staatstheater Saarbrücken

Saarbrücken / Saarlaendisches Staatstheater © Marco-Kany

Saarbrücken / Saarlaendisches Staatstheater © Marco-Kany

Premiere Rigoletto am Samstag, 7. Mai 2016 um 19:30 Uhr
Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi

Musikalische Leitung: Christopher Ward
Halbszenische Neufassung des »Rigoletto in der Völklinger Hütte«
nach einer Inszenierung von Dagmar Schlingmann
Szenische Einrichtung: Gaetano Franzese
Herren des Opernchores des Saarländischen Staatstheaters, Saarländisches
Staatsorchester
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln.
Dauer: 3 Stunden

Weitere Vorstellungen
13.05.2016 / 03.06.2016 / 29.06.2016 / 09.07.2016

Interpretation Christopher Ward

Saarländisches Staatstheater / Christopher Ward © Laura Halm

Saarländisches Staatstheater / Christopher Ward © Laura Halm

Die menschliche Essenz im Spannungsfeld der Natur
Zwei Opern mit völlig verschiedenen Charakteren und Kontext – die imaginäre Fantasy-Welt von Rusalka in krassem Gegensatz zum politisch intriganten Hof von Mantua in Rigoletto – verbunden durch eine zentrale, erzählerische Achse: Menschen, die sich in die Essenz ihres Gegenübers verliebt haben und deren Liebesglück durch die Zugkräfte ihrer unterschiedlichen Perspektiven, Werte und Erfahrungen vereitelt wird.

Die Musik beider Werke verkörpert diese Essenz und macht sie nahezu greifbar – die Beseeltheit von Rusalka, die Romantik des Prinzen; Gildas Reinheit neben dem Hedonismus des Herzogs (gemäßigt von einem ehrlichen, aber allzu flüchtigen Willen zur Veränderung). Während sich die Erzählung, von der Musik untermalt, entfaltet, wird klar, dass ihre Zuneigung und ihr Idealismus ebenso wahrhaftig sind, wie der starke Kontrast ihrer naturbedingten Lebenswirklichkeiten, der eine Realisierung ihrer individuellen Utopien unmöglich macht. Nimmt man nun noch die väterliche Liebe und Lebenserfahrung von Vodník und Rigoletto hinzu (Letzerer stärker, intensiver, besitzergreifender), dann gewinnen beide Opern durch die Reibung ihrer Protagonisten gegen Ende ihres tragischen Finales eine zunehmend dramatische Dynamik.

Es ist aber die Musik selbst als Verkörperung der Natur, die diese Flugbahnen der möglichen Ergebnisse drastisch verkürzt. Die Wasserwelt von Rusalka wird hörbar durch Bewegungen von Sonne und Mond beeinflusst – die Gravitationswechsel in den Gezeiten sind so klar wie die strahlende Erscheinung eines Sonnenaufgangs. Diese Bewegungen geben dem Werk seinen bemerkenswert dramatischen Fluss und damit dem Drama seinen Schwung, wie auch eine Ausschilderung seiner bedeutenden Stimmungen und Ereignisse. Und es ist der Sturm im 3. Akt von Rigoletto, der seine Protagonisten schaurig ihrem unglücklichen Schicksal entgegen zu treiben scheint – auch die Charaktere selbst bemerken die Anomalie des darauf folgenden, letztendlich verhüllenden Wetters, das dazu dient, die Energie der Atmosphäre wie auch der dramatischen Situation freizulassen. Beide Komponisten haben externe Naturkräfte angeschirrt, um das Timing und die Unausweichlichkeit des Dramas zu stärken.

—| Pressemeldung Saarländisches Staatstheater |—

Saarbrücken, Saarländisches Staatstheater, Premiere Rusalka von Antonin Dvorak, 23.04.2016

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Saarländisches Staatstheater Saarbrücken

Saarbrücken / Saarlaendisches Staatstheater © Marco-Kany

Saarbrücken / Saarlaendisches Staatstheater © Marco-Kany

 RUSALKA von Antonín Dvorák

Saarländisches Staatstheater / Christopher Ward © Bettina Stöss

Saarländisches Staatstheater / Christopher Ward © Bettina Stöss

Premiere  23. April 2016 um 19:30 Uhr,  Weitere Vorstellungen  26.04.2016 / 28.04.2016 / 05.05.2016 / 14.05.2016 / 20.05.2016 / 25.05.2016 / 05.06.2016 / 17.06.2016 / 03.07.2016 / 06.07.2016 / 10.07.2016

Rusalka  Oper in drei Akten von Antonín Dvorák – Libretto von Jaroslav Kvapil nach der Erzählung Undine von Friedrich de la Motte-Fouqué, dem Märchen Die kleine Meerjungfrau von Hans Christian Andersen und dem Drama Die versunkene Glocke  von Gerhart Hauptmann.

De la Motte-Fouqués Undine und Andersens Die kleine Meerjungfrau standen Pate, als Dvorák 1901 seine bekannteste Oper schrieb: Eine Nixe, eine Rusalka, hat sich in einen Sterblichen verliebt, in einen Prinzen von oben, vom trockenen Land. Um dorthin zu gelangen, muss sie vieles zurücklassen, vor allem aber ihre Stimme. Aber wie will sie – stumm – ihre Liebe beglaubigen? Wie will sie sich durchsetzen gegen ihre Konkurrentin, die fremde Fürstin, eine Frau aus Fleisch und Blut? Der Zwiespalt der Geschlechter wird in Dvoráks Märchenoper ins Naturmythologische überhöht: Wasser versus Land, Bewusstes versus Unbewusstes, Sehnsucht versus Realität. Dvoráks Musik, so sehr sie den Geist der Romantik atmet, bewegt sich durch den raschen Wechsel ihrer Aggregatzustände am Rande des impressionistischen Formzerfalls, der doch immer wieder durch eine tänzerische und volksliedhafte Melodik gebändigt wird.

Saarländisches Staatstheater / Christopher Ward © Laura Halm

Saarländisches Staatstheater / Christopher Ward © Laura Halm

Musikalische Leitung: Christopher Ward Inszenierung: David Hermann Chor: Jaume Miranda
Mit dem Opernchor des SST und dem Saarländischen Staatsorchester

Biografie Dirigent Christopher Ward
Christopher Ward studierte an der Oxford University und der Guildhall School of Music and Drama. Anschließend war er Stipendiat an der Scottish Opera, der Royal Scottish Academy of Music and Drama in Glasgow und später Mitglied des Internationalen Opernstudios Zürich, bevor er 2005 als Kapellmeister und Solorepetitor ans Staatstheater Kassel wechselte. 2006 assistierte er Sir Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern in Aix-en-Provence, Berlin und Salzburg. 2009 wurde Christopher Ward an der Bayerischen Staatsoper Kapellmeister und Assistent von Kent Nagano, und seit der Spielzeit 2014/15 ist er 1. Kapellmeister am Saarländischen Staatstheater.

Premiere  23. April 2016 um 19:30 Uhr,  Weitere Vorstellungen  26.04.2016 / 28.04.2016 / 05.05.2016 / 14.05.2016 / 20.05.2016 / 25.05.2016 / 05.06.2016 / 17.06.2016 / 03.07.2016 / 06.07.2016 / 10.07.2016

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