Mainz, Staatstheater Mainz, Spielplan 2020/21

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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Spielplan 2020/21

Eigentlich sollte in diesen Tagen das frisch gedruckte Jahresheft mit dem Spielplan für 2020/21 vorliegen, den wir Ihnen wie üblich in einer Pressekonferenz vorgestellt hätten. Eigentlich. Denn nun haben wir den Druck vorerst gestoppt. Da wir nicht wissen, wann wir wieder spielen können, ist eine sinnvolle Terminplanung der kommenden Saison noch nicht möglich. Stattdessen operieren wir mit unterschiedlichen Szenarien (Spielbeginn im späten Frühling, kurz vor den Ferien oder erst nach den Ferien), jede Verschiebung hat weitreichende Auswirkungen auf den Probenplan, die Disposition, die Verfügbarkeit der künstlerischen Teams — ein Mehrspartenhaus ist ein kompliziertes Gebilde.

Denn was wir spielen wollen, haben wir gemeinsam mit
Generalmusikdirektor Hermann Bäumer, mit den
Kolleg*innen in der Dramaturgie und der Tanzdirektion
in den letzten Monaten entworfen – und das hat natürlich
weiter Bestand.

SCHAUSPIEL
Manches im Spielplan bekommt vor der Folie der aktuellen Lage eine zusätzliche, schärfer konturierte Dimension. Wir erleben gerade, dass ein politischer und gesellschaftlicher Diskurs komplett unter dem Mandat der gesundheitlichen Fürsorge stattzufinden hat. So vernünftig das ist — es erstickt die Stimmenvielfalt, von der Demokratien leben. Zeitgleich scheint sich Europa zu verabschieden, die Nationen ziehen sich auf sich selbst zurück und Autokraten nutzen die Gunst der gefährlichen Stunde. Der Begriff der Nation ist ein wichtiges Motiv im Schauspielplan 20/21, ebenso wie Texte, die sich mit einem Ausnahmezustand, sei er gesellschaftlich oder privat, auseinandersetzen — denn natürlich hat sich die dramatische Literatur immer für diesen besonders interessiert. Unser Alltag fühlt sich derzeit an wie eine einzige große Ausnahme, das gesellschaftliche Leben ist zum Stillstand gekommen.

Für eine Gesellschaft von Individualisten, die gewohnt sind, über alles und vor allem über sich selbst frei verfügen zu können, und diesen Zustand zumindest unbewusst für unerschütterlich hielten, bedeutet das einen kulturellen Schock. Dabei vergessen wir, dass zumindest die Alten und Älteren unter uns sich noch an eine Welt im Ausnahmezustand erinnern können. Im Jahr 2020 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 75. Mal, im Jahr 2021 die Reichsgründung zum 150. Mal. Zwei grauenhafte Kriege, Teilung und Wiedervereinigung — manche einschneidenden Ereignisse werden langsam aber sicher zu bloßen historischen Fakten, die an die Stelle von persönlichen Erinnerungen treten. Die Zeitzeug*innen der Kriegs- und Nachkriegszeit werden immer weniger, lange können wir sie nicht mehr befragen.

Also versichern wir uns im Schauspielplan der kommenden Saison der Zeugenschaft in der Literatur — Autor*innen insbesondere des 20. Jahrhunderts, die als literarische Chronist*innen ihrer Zeit für uns wertvoll sind. Denn wir spüren gerade in überfordernden Zeiten wie diesen, dass es hilfreich für die Gegenwart und erst recht für den Entwurf von Zukunft ist, die Vergangenheit nicht zu vergessen.

Bertolt Brecht, Heinrich Mann, Anna Seghers, Rainer Werner Fassbinder, Franz Xaver Kroetz sind solche Autor*innen, deren Werke wir aus genanntem Grund auf den Spielplan gesetzt haben. So unterschiedliche Töne sie anschlagen, ist ihnen zugleich gemein, dass sie sich in einer Poetik der kritischen Zeitgenossenschaft bewegen, ihre Texte mischen sich ein, beziehen Partei, sind kämpferisch, sprachmächtig und wirkungsvoll. Mutter Courage (Regie: K.D. Schmidt), Der Untertan (Regie: Christoph Frick), Transit (Regie: Brit Bartkowiak),

Die bitteren Tränen der Petra von Kant (Regie: Pauline Beaulieu) und Nicht Fisch nicht Fleisch (Regie: K.D. Schmidt) und viele andere Stücke erzählen davon, was die gesellschaftlichen Bedingungen ganz konkret für die Figuren bedeuten, ihre Geschichten werden von und mit der Geschichte geschrieben — und umgekehrt. Ihre fiktiven Biografien wurzeln zugleich im Boden der sehr speziellen deutschen Historie. Das kann übrigens auch bei aller (oder vielleicht wegen aller) Realitätsspiegelung ausgesprochen komisch sein, wie in Sven Regeners Herr Lehmann in einer Inszenierung von Jule Kracht. Sprachmächtig und zugleich ein Spiel mit der Macht — und der Gewalt — der Sprache ist Friedrich Schillers Kabale und Liebe, das unser neuer Hausregisseur Alexander Nerlich im Großen Haus inszenieren wird.

Außerdem gehen wir Projekte an, die sich noch konkreter mit der deutschen Geschichte beschäftigen — die natürlich immer Teil der europäischen Geschichte ist. Der flämische Autor Stijn Devillè schreibt in unserem Auftrag ein Stück, das sich mit dem Versailler Vertrag und seinen Folgen auseinandersetzt, Hans Werner Kroesinger, bekannt für seine Theaterrechercheprojekte, wird sich künstlerisch dem Westwall widmen und Ensemblemitglied Denis Larisch der immer noch nicht überwundenen Fremdheit zwischen Ost und West.

Damit soll im Staatstheater Mainz auch für Künstler* innen der Raum geschaffen werden, neue Texte zu entdecken und zu entwickeln, Freiräume, in denen Autor*innen, Regisseur*innen und Ensemblemitglieder gemeinsam etwas ganz Neues schaffen — fünf Uraufführungen sind 20/21 im Schauspiel zu erleben.

MUSIKTHEATER
Die Eröffnungspremiere der Oper entstand genau in der Umbruchszeit der Reichsgründung, ihre Uraufführung 1873 wurde wegen der Wirtschaftskrise („Gründerkrach der Börsen“) mehrfach verschoben —

Die Fledermaus
von Johann Strauß wurde also geboren in einer Ausnahmesituation, womit wir wieder beim Thema wären. Die Sehnsucht nach kluger Unterhaltung wird bei uns durch die verordnete Vereinzelung unserer Zeit befeuert und so ist der Saisonstart mit einem rauschhaften Champagnerwerk Grund zur Vorfreude, die Produktion entsteht in Kooperation mit dem Staatstheater Nürnberg und der Opéra National du Rhin, die musikalische Leitung liegt bei Daniel Montané, es inszeniert Waut Koeken.

Danach wird es in der Opernsparte zeitgenössisch: Wie schon mit Perelà widmet sich das Staatstheater der Deutschen Erstaufführung einer französischen Oper. Entstanden 1937, ist dieses ungewöhnlicher Weise von zwei Komponisten (Arthur Honegger und Jacques Ibert) gemeinsam geschaffene Werk eine einzigartige Mischung aus Walzerklängen, Revolutionsliedern und französischer Musiksprache. L‘Aiglon ist eine Auseinandersetzung mit der grausamen Realität des Krieges — erzählt über die Geschichte des Sohnes von Napoleon, dessen Herrsch- und Kriegslust jäh stirbt, als er die Stimmen der Gefallenen hört. Generalmusikdirektor Hermann Bäumer steht am Pult, die Regie liegt in den Händen von Anselm Dalferth.

Neben zwei eher seltener gespielten Werken von Giuseppe Verdi (Ernani — Musikalische Leitung: Daniel Montané, Inszenierung: Barbora Horáková Joly) und Wolfgang Amadeus Mozart (La finta giardiniera — Musikalische Leitung: Christian Rohrbach, Inszenierung: Cordula Däuper) ist — wie im Schauspiel — auch das Programm der Oper 2020/21 geprägt durch Künstler* innen des 20. und 21. Jahrhunderts: Wolfgang Rihm, Claude Vivier sowie Isabel Mundry. Rihms Die Eroberung von Mexico werden im Großen Haus zu erleben sein und wir freuen uns auf ein Wiedersehen — und hören mit Robert Houssart als Dirigent und Elisabeth Stöppler als Regisseurin. Einem anderen Eroberer folgen wir an einen auch für uns neuen Ort: Claude Viviers Marco Polo wird in den noch leeren Räumen des neuen Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz (RGZM) Premiere haben (Musikalische Leitung: Hermann Bäumer, Inszenierung: Stefanie Hiltl). Im Dickicht von Isabel Mundry und Händl Klaus ist eine Uraufführung in Koproduktion mit den Schwetzinger SWR Festspielen, musikalisch geleitet von Samuel Hogarth und inszeniert von David Hermann.

Mit einem großen Werk des 19. Jahrhunderts stellt sich der neue Hausregisseur im Schauspiel, Alexander Nerlich, auch in der Oper vor: Carl Maria von Webers Der Freischütz gilt als der Inbegriff der romantischen Oper — und doch sind die Themen Glaube und Aberglaube, sozialer Druck und Versagensangst so weit weg nicht von unseren heutigen Nöten. Das Philharmonische Staatsorchester dirigiert Hermann Bäumer.

TANZ
Für tanzmainz stellt sich die Frage nach der Entstehungszeit der Werke weiterhin nicht, denn die erfolgreiche Tanzsparte wird als „Place of Creation“ auch weiterhin grundsätzlich originäre Werke erschaffen. Dafür aber stellt sich in allen Produktionen eine andere im Wortsinne existenzielle Frage – nämlich die nach der Identität. Ikarus will in der Choreografie von Felix Berner herausfinden, wie nah man denn nun der Sonne kommen kann — also: wie viel Risikobereitschaft es braucht, damit man über sich hinauswächst. The Cell des taiwanesischen Choreografen Po-Cheng Tsai bleibt nah am Menschen, an seinen vielen Facetten, die in einer Persönlichkeit miteinander ringen — dabei verbindet er zeitgenössischen westlichen Tanz, Urban Dance und asiatische Bewegungstraditionen. Koen Augustijnen und Rosalba Torres Guerrero sind seit ihrer gefeierten Produktion Hochzeit in Mainz keine Unbekannten mehr. Inspiriert von Igor Strawinskys Musik und gemeinsam mit dem Philharmonischen Staatsorchester Mainz suchen sie in Le Sacre nach heutigen Entsprechungen des ungezügelten bäuerlichen Lebens — und werden fündig in der Subkultur des Londoner Nachtlebens.

Vor der aktuellen Kulisse einer nie dagewesenen gesellschaftlichen und sozialen Abstinenz erscheint diese Feier der Freiheit fast schon wie ein utopisches Moment. wannabee (not) me von Willi Dorner ist die zweite Produktion des Staatstheaters für die neuen Räume des RGZM – eine Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit, mit der Suche nach dem eigenen Ich. Und mit Sphynx, der Uraufführung von Rafaële Giovanola, sind wir schließlich bei all dem Rätselhaften angelangt, das uns ausmacht und das sich im Bewegungsuniversum von uns Menschen ausdrückt — eine Einladung zum Perspektivwechsel.

JUSTMAINZ
Selbstverständlich erwartet auch Kinder und Jugendliche 2020/21 wieder ein voller Spielplan. Gleich zwei Familienstücke stehen auf dem Programm: Timm Thaler im Kleinen Haus und im Großen Haus Die Bremer Stadtmusikanten. Dazu kommen Produktionen aller Sparten auf allen Spielstätten — unter anderem mit dem Kindermusiktheater Wunderland und der oben bereits genannten Tanzproduktion Ikarus. Auch wenn wir nicht wissen, wann wir wieder spielen können: Sicher ist, dass die Premieren, die in diesen Wochen ausfallen — von dem Musiktheater Al gran sole carico d’amore, das wir wenige Stunden vor der Premiere absagen mussten, über das Schauspiel Tage des Verrats bis zur Tanzuraufführung Welcome Everybody, dessen Titel gerade unangenehm ironisch klingt, nachgeholt werden, wenn nicht in dieser, dann in der nächsten Spielzeit!

BIS BALD
… steht seit fast vier Wochen auf einem Banner am Großen Haus des Staatstheaters. Ein leeres Theater ist ein Unort. Und für uns bedeutet es eine Zerreißprobe, gerade jetzt nicht gegen das anspielen zu können, was um uns herum geschieht. Wenn Meinungsfindung ausschließlich im Netz und in den Medien stattfindet, fehlt eine wichtige Dimension. Die kulturelle ebenso wie die politische Versammlung sind ein wichtiges gesellschaftliches Korrektiv, seit der antiken Agora ist die Kraft der Versammlung integraler Bestandteil der Demokratie. Und wir brauchen Theater, brauchen eine andere als die rein faktische Ebene, wollen uns an die Fersen von Figuren heften, die uns fiktives Erfahrungswissen voraushaben, wollen uns in den Stoffen aus allen Jahrhunderten abgleichen mit dem, was gedacht, erlebt und gedichtet wurde.

Die Perspektive zurück auf die Entstehung einer Nation und ihre wechselhafte Geschichte, die wir vor allem im Schauspiel 2020/21 einnehmen, führt uns zu der Frage, was wir heute daraus machen. Wie gestalten wir Gesellschaft in einer Zeit, in der Soziologen uns als selbstinszenierungssüchtige Singularitäten beschreiben? Und wie wird unsere Welt nach diesem Ausnahmezustand, in dem wir soziale Distanz verordnet bekamen, aussehen? Sicher ist: Wir werden wieder spielen und wir werden das Theater brauchen, wenn wir bald, hoffentlich sehr bald, auf diese Zeit zurückblicken.


Spielzeit 20/21


Premieren 2020/21

Die Fledermaus
Johann Strauß
Oper, Großes Haus
Musikalische Leitung: Daniel Montané
Inszenierung: Waunt Koeken
In Kooperation mit dem Staatstheater Nürnberg
und der Opéra national du Rhin

Die bitteren Tränen der Petra von Kant
Rainer Werner Fassbinder
Schauspiel, U17
Inszenierung: Pauline Beaulieu
Eine Koproduktion mit Les Théâtres de la Ville de
Luxembourg

Herr Lehmann
Sven Regener
Schauspiel, Kleines Haus
Inszenierung: Jule Kracht

Grenzenlos Kultur
Inklusives Theaterfestival
Kleines Haus, U17 und andere Spielstätten

Kabale und Liebe
Friedrich Schiller
Schauspiel, Großes Haus
Inszenierung: Alexander Nerlich

Sensemann & Söhne (UA)
Jan Neumann
Schauspiel, Kleines Haus
Inszenierung: Jan Neumann
In Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater
Weimar

L’Aiglon (DE)
Arthur Honegger, Jacques Ibert
Oper, Großes Haus
Musikalische Leitung: Hermann Bäumer
Inszenierung: Anselm Dalferth

Ikarus (UA)
Felix Berner
Tanz, U17
Choreografie: Felix Berner

Die Bremer Stadtmusikanten
Marc Becker nach den
Gebrüdern Grimm
Schauspiel, Großes Haus
Inszenierung: Marc Becker

The Cell (UA)
Po-Cheng Tsai
Tanz, Kleines Haus
Choreografie: Po-Cheng Tsai

Nicht Fisch nicht Fleisch
Franz Xaver Kroetz
Schauspiel, U17
Inszenierung: K.D. Schmidt

Der Freischütz
Carl Maria von Weber
Oper, Großes Haus
Musikalische Leitung: Hermann Bäumer
Inszenierung: Alexander Nerlich

Transit
Anna Seghers
Schauspiel, Kleines Haus
Inszenierung: Brit Bartkowiak

Die Eroberung von Mexico
Wolfgang Rihm
Oper, Großes Haus
Musikalische Leitung: Robert Houssart
Inszenierung: Elisabeth Stöppler

Wunderland
Anno Schreier
Oper, U17
Musikalische Leitung: Paul-Johannes Kirschner

Fastnachtsposse
Großes Haus

Der Widerspenstigen Zähmung
William Shakespeare
Schauspiel, U17
Inszenierung: Stephanie van Batum

Mutter Courage und ihre Kinder
Bertolt Brecht
Schauspiel, Kleines Haus
Inszenierung: K.D. Schmidt

Le Sacre (UA)
Koen Augustijnen & Rosalba Torres
Guerrero
Tanz, Großes Haus
Choreografie: Koen Augustijnen und
Rosalba Torres Guerrero
Musikalische Leitung: Hermann Bäumer

Ernani
Giuseppe Verdi
Oper, Großes Haus
Musikalische Leitung: Daniel Montané
Inszenierung: Barbora Horáková Joly

AufSichtBeton (UA)
Denis Larisch
Schauspiel, Orchestersaal
Ein Projekt von Denis Larisch

tanzmainz festival #4
Großes Haus, Kleines Haus, U17

Marco Polo
Claude Vivier u. a.
Oper, RGZM
Musikalische Leitung: Hermann Bäumer
Inszenierung: Stefanie Hiltl

Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen
James Krüss
Schauspiel, Kleines Haus
Inszenierung: Asl? K?slal

La finta giardiniera
Wolfgang Amadeus Mozart
Oper, Großes Haus
Musikalische Leitung: Christian Rohrbach
Inszenierung: Cordula Däuper

Einfache Leute (UA)
Anna Gschnitzer
Schauspiel, U17
Inszenierung: Alexander Nerlich

wannabee (not) me (UA)
Willi Dorner
Tanz, RGZM
Choreografie: Willi Dorner

Sphynx (UA)
Rafaële Giovanola
Tanz, Kleines Haus
Choreografie: Rafaële Giovanola

Westwall (UA)
Hans Werner Kroesinger
Schauspiel, U17
Text, Konzept: Regine Dura, Hans-Werner Kroesinger
Inszenierung: Hans-Werner Kroesinger

Im Dickicht (UA)
Isabel Mundry, Händl Klaus
Oper, Kleines Haus
Musikalische Leitung: Samuel Hogarth
Inszenierung: David Hermann
Eine Koproduktion mit den Schwetzinger SWR Festspielen
Theaterclubs
U17

Der Untertan
Heinrich Mann
Schauspiel, Kleines Haus
Inszenierung: Christoph Frick

Wiederaufnahmen Oper

Al gran sole carico d’amore
Luigi Nono
Großes Haus

Carmina Burana
Carl Orff
Großes Haus

Comedian Harmonists
Gottfried Greiffenhagen und
Franz Wittenbrink
Kleines Haus

Das Kind der Seehundfrau
Sophie Kassies,
Robin Schulkowsky
U17

Das Tal der Ahnen (UA)
Eine imaginäre Prärie mit Werken von
Henry Purcell, Franz Kafka, Frank
Zappa u. a.
Filiale

Fish Forward (UA)
Musiktheater mit Werken
von Hogarth, Beethoven und Böll
Kleines Haus

Klangjäger
nach einer Idee des Theaters
Pilkentafel
Mobil (Klassenzimmerstück)

Manon Lescaut
Giacomo Puccini
Großes Haus

The Producers
Mel Brooks und Thomas Meehan
Großes Haus

Zweieinander (UA)
Anselm Dalferth,
Ina Karr, Birgit Kellner,
Johannes Stange, Joss Turnbull

Wiederaufnahmen Schauspiel

Aggro Alan (DSE)
Penelope Skinner
Filiale

Der Bärbeiß
Annette Pehnt
U17

Die Physiker
Friedrich Dürrenmatt
Kleines Haus

Drei Schwestern
Anton Tschechow
Kleines Haus

Hexenjagd
Arthur Miller
Kleines Haus

Krabat
Otfried Preußler
Kleines Haus

Nachts (bevor die Sonne aufgeht) (DSE)
Nina Segal
Filiale

Sophia, der Tod und ich
Thees Uhlmann
Filiale

Tage des Verrats (DSE)
Beau Willimon
Kleines Haus

Was denn da fehlt oder Wie ich im Datingportal Foucault kennen lernte (UA)
Vincent Doddema
Filiale
Wer werden (UA)
Hannah Biedermann
U17

Werther
nach Johann Wolfgang von Goethe
Großes Haus

Wiederaufnahmen Tanz

kreuz&quer (UA)
Felix Berner
Glashaus

Popcorn (UA)
Andreas Denk
U17

Soul Chain (UA)
Sharon Eyal
Kleines Haus

Welcome Everybody (UA)
Pierre Rigal
Großes Haus

—| Pressemeldung Staatstheater Mainz |—

Nürnberg, Staatstheater Nürnberg, Don Carlos – Intendant Herzog in der Hauptpartie, IOCO Aktuell, 25.11.2019

November 24, 2019 by  
Filed under IOCO Aktuell, Pressemeldung, Staatstheater Nürnberg

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Staatstheater Nürnberg

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Staatsintendant Herzog „brilliert“ in der Partie des Don Carlos

Staatsintendant Jens-Daniel Herzog übernimmt in der letzten Vorstellung von Don Carlos kurzfristig die Hauptrolle Jeder Theaterabend ist einmalig, aber manche sind noch einmaliger.

Am Staatstheater Nürnberg meldete sich am 22. November 2019, wenige Stunden vor Beginn der letzten Aufführung von Don Carlos,  der Darsteller der Titelrolle krank. Um die ausverkaufte Vorstellung der Inszenierung von Regisseur Jens-Daniel Herzog unter der musikalischen Leitung von Joana Mallwitz nicht absagen zu müssen, begann die Suche nach einem Ersatz. Und sie ward bald gefunden: Der Tenor Hovhannes Ayvazyan aus St. Petersburg würde einspringen. Doch sollte er erst zwei Stunden vor Beginn der Vorstellung im Nürnberger Opernhaus eintreffen.

Staatstheater Nürnberg / Intendant Jens-Peter Herzog mutiert in der Maske zu Don Carlos © Staatstheater Nürnberg

Staatstheater Nürnberg / Intendant Jens-Peter Herzog mutiert in der Maske zu Don Carlos © Staatstheater Nürnberg

Eine szenische Einstudierung war daher ausgeschlossen, lediglich kurze musikalische Proben waren möglich. Kurzentschlossen sprang Staatsintendant und Operndirektor Jens-Daniel Herzog selbst ein und übernahm den szenischen Part, kannte er doch seine Inszenierung in und auswendig. Während Herzog auf der Bühne den Carlos mimte und lediglich die Lippen bewegte, übernahm Hovhannes Ayvazyan die Gesangspartien von der Seitenbühne. Doch stellte sich noch eine weitere Herausforderung des Abends: Bei der Inszenierung von Jens-Daniel Herzog handelte es sich um die französisch-sprachige, selten gespielte Fassung von Verdis Oper, Tenor Hovhannes Ayvazyan jedoch beherrschte lediglich die italienische Fassung. Kurzerhand wurde die Aufführung zu einem multilingualen Ereignis.

Don Carlos an der Staatsoper Nürnberg
youtube Trailer des Staatstheater Nürnberg
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Ayvazyan sang seine Partie in italienischer Sprache, die weiteren Ensemblemitglieder auf Französisch, übertitelt wurde in deutscher und englischer Sprache. Damit machte das Staatstheater Nürnberg einmal mehr und auf sehr plastische Art deutlich: Wir sind ein internationales Haus! Wir sind Europa! Die knapp 1000 Besucher*innen des Opernhauses honorierten die Darstellung Jens-Daniel Herzogs und die Leistung des kompletten Teams auf und hinter der Bühne mit frenetischem Applaus.

Nürnberg, Staatstheater Nürnberg, Benefiz-Gala des Damenclubs, 08.06.2017

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Staatstheater Nürnberg

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Benefiz-Gala des Damenclubs

Benefizkonzert mit Solisten des Staatstheaterensembles im Opernhaus

Der Damenclub zur Förderung der Nürnberger Oper e.V. lädt wieder zum traditionellen Sommernachts-Benefizkonzert am Donnerstag, 08. Juni 2017 (19:30 Uhr), ins Nürnberger Opernhaus.

Staatsintendant Peter Theiler moderiert durch das Programm, das von Solist*innen des Opernensembles und Stipendiat*innen des Internationalen Opernstudios präsentiert wird. Klassiker aus Hoffmanns Erzählungen, Madama Butterfly, Carmen, Die Csárdásfürstin u.a. werden von den Ensemblemitgliedern Levent Bakirci und Alexej Birkus, Kurt Schober sowie von den Mitgliedern des Opernstudios Margarita Vilsone, Irina Maltseva und Yongseung Song vorgetragen. Kapellmeister Andreas Paetzold begleitet die Arien und Duette am Klavier. Der ungarische Violinist Ferenc Babari, ehem. Konzertmeister der Staatsphilharmonie Nürnberg, rundet das Programm mit einigen Bravourstücken auf seinem Instrument ab.

—| Pressemeldung Staatstheater Nürnberg |—

Nürnberg, Staatstheater Nürnberg, Italienerin in Algier von G. Rossini, IOCO Kritik, 03.04.2017,

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Staatstheater Nürnberg

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Im Land des gekauften Lächelns

 Die Italienerin in Algier – Als herrlich schwarze Komödie

Von Hanns Butterhof

Die Zukunft, in der Laura Scozzi Rossinis „Italienerin in Algier“ spielen lässt, ist reine Gegenwart. Mächtige reiche Männer, die sich für die Größten halten, wollen noch immer mehr von allem, vor allem Frauen. Und derer, die sie dann haben oder kaufen, sind sie bald überdrüssig, weil sie sie schon haben oder weil ihr Sex und ihr Lächeln so käuflich sind. Märchenhaft kommt dann eine Frau daher, die so stark ist, dass sie diese Männer erst schwach und dann zum Affen macht.

Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier - Die Bedienung von Männergelüsten, Tanja Brunner und Chor © Ludwig Olah

Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier – Die Bedienung von Männergelüsten, Tanja Brunner und Chor © Ludwig Olah

In der wunderbar stimmig aktualisierten Aufführung in Nürnberg ist die europäische Wirtschaft zusammengebrochen. Die Arbeitsimmigranten zieht es übers Mittelmeer, etwa ins prosperierende Algier, wo sie Zustände wie in Kuwait vorfinden. Ihnen werden die Pässe abgenommen und sie arbeiten im Haushalt wie bessere Sklaven.

Der Hausherr Mustafà (Marcell Bakonyi) ist ein schwerreicher Wirtschafts-Boss. Er ist seiner Ehefrau Elvira (Ina Yoshikawa) überdrüssig und nicht nachhaltig befriedigt von den vielen einheimischen bezahlten Mädels, die ihm mit oder ohne Reizwäsche (Kostüme: Tal Shacham) auf dem Konferenztisch oder im lasziven Flokati-Bett zu Willen sind. Da muss eine emanzipierte Europäerin Abhilfe schaffen.

 Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier_Isabella_Ida Aldrian wird von Haly_Wonyong Kang aus Flüchtlingsunterkunft abgeholt © Ludwig Olah

Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier_Isabella_Ida Aldrian wird von Haly_Wonyong Kang aus Flüchtlingsunterkunft abgeholt © Ludwig Olah

Aus der Flüchtlingsunterkunft wird Mustafà von seinem Bodyguard Haly (Wonyong Kang) die Italienerin Isabella (Ida Aldrian) zugeführt, die auf der Suche nach ihrem Geliebten Lindoro (Martin Platz) ist. Die erst in der Küche zum blutigen Schlachten eines Hasen eingesetzte resolute Schöne zähmt den selbsternannten Frauenbändiger, indem sie ihn lockend zurückweist. Wird er handgreiflich, schlägt sie ihn mit der Poree-Stange. Mit Gummimaske als Catwoman-Domina fesselt sie ihn schließlich ans Bett und lässt seine Prostituierten-Gang sich mit genüsslicher Rache an ihm abarbeiten. Natürlich gelingt ihr am Ende mit Lindoro die Flucht zurück nach Italien, nicht ohne die italienischen Arbeitssklaven befreit und mitgenommen zu haben.

Laura Scozzi inszeniert die an sich schreckliche Geschichte als herrlich schwarze Männerphantasie- Komödie. Schon über den running gag muss man lachen, einem Pärchen (Selina Lettenbichler und Pawel Dudus), das sich während der Handlung und ohne unmittelbare Verbindung mit ihr permanent prügelt und wieder versöhnt. Mal endet sie mit einer Axt, mal er mit dem Dolch in der Brust. Ein wüste Keilerei löst sich zu einem Quicky an der Wand auf – und man wird des Schreckens dieser Szenen nicht gewahr.

Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier_ Die Prostituierten rächen sich an Mustafa © Ludwig Olah

Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier_ Die Prostituierten rächen sich an Mustafa © Ludwig Olah

Entsprechend geht es mit der Handlung. Wohin man blickt, ist Ausbeutung aller Art. Aber im prächtig das Lob seines Herrn singenden Chor (Einstudierung Tarmo Vaask) wird sie nur sehr zurückhaltend sichtbar, bei den ausgesprochen reizenden Frauen bemerkt man sie wie im wirklichen Leben gar nicht mehr; so unverkrampft daherkommenden Sex sieht man selten auf der Bühne. Laura Scozzi bedient das männliche Macho-Auge umfassend bis hin zu einem vollendeten Striptease. Die auftrumpfende Männlichkeit beschämt sie dann unaufdringlich mit dem Triumph der weiblichen Klugheit, den sie mit einem Tritt seiner Frau in den Unterleib Mustafàs bekräftigt.

Auf der sich beständig drehenden Bühne Natacha Le Guen de Kerneizons mit dem kühlen Ensemble von Schlaf- und Konferenzzimmer, von Küche und Bedientenkabuff  rollt die Handlung schlüssig und wie am Schnürchen ab. Nur nach der Pause hängt die Intrige etwas durch, weil aufwendig plausibel gemacht werden muss, warum sich Mustafà so primitiv übertölpeln lässt. Aber da wird sehr schön deutlich, dass es seine Sehnsucht nach einem nicht gekauften Lächeln ist, die ihn in die Ehren-Loge der Pappadaci  treten lässt.

In der Welt, die Laura Scozzi mit der „Italienerin in Algier“ zeigt, hat Liebe keinen Ort. Bodyguard Haly und Elviras Kammerfrau Zulma (Irina Maltseva), die stimmlich zusammengehören, werden kein Paar. Lindoro und Elvira verweigern sich Mustafás Heiratsgebot, weil sie sich nicht lieben. Und es gibt keine Liebesarie von Isabella und Lindoro. Das Land des nicht gekauften Lächelns ist Utopie.

Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier - Isabel hält Mustafa auf Distanz © Ludwig Olah

Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier – Isabel hält Mustafa auf Distanz © Ludwig Olah

Die Solisten singen und spielen erfreulich unkomödiantisch überdreht. Ida Aldrian beglaubigt die resolute Italienerin mit glänzenden Mezzo-Koloraturen, aber der sehr jungenhafte Tenor Martin Platz’ lässt eher vermuten, dass sie sich aus mütterlicher Sorge um ihn statt aus Liebe nach Algier aufgemacht hat. Marcell Bakonyi verkörpert passend den umtriebigen Playboy Mustafà ohne bodenständige Bass-Grundierung. Ina Yoshikawa gefällt mit beweglichem Koloratur-Sopran wie besonders auch Wonyong Kang als Haly und Irina Maltseva als Zulma.

Volker Hiemeyer am Pult der Staatsphilharmonie Nürnberg dirigiert sängerfreundlich, treibt das turbulente Geschehen mit pulsierendem Rossini-Schwung  mitreißend voran und verführt gegenüber dem Geschehen auf der Bühne zu eher genießerischer statt kritischer Haltung.

Nach fast drei Stunden italienisch gesungener, englisch und deutsch übertitelter Musik viel Beifall für eine insgesamt sehr gelungene, schlüssig aktualisierte „Italienerin in Algier“.

Die Italienerin in Algier (L’Italiana in Algeri):  Weitere Vorstellungen  15.4.2017 19.30 Uhr, 17.4. und 23.4.2017 19.00 Uhr

—| IOCO Kritik Staatstheater Nürnberg |—

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