München, Bayerische Staatsoper, kostenlose Livestream Angebote ab 23.03.2020

Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Live und kostenlos: Weitere Montagskonzerte ab 23. März

Jeweils ab 20.15 Uhr auf STAATSOPER.TV, live und kostenlos: Das Programm der Montagskonzerte wird sich aus Liedgesang, Solo-Instrumentalisten sowie kammermusikalischen und tänzerischen Darbietungen zusammensetzen.

Mit dabei sind über die kommenden Montage verteilt Musikerinnen und Musiker des Bayerischen Staatsorchesters, Tänzerinnen und Tänzer des Bayerischen Staatsballetts sowie der Staatsoper eng verbundene Künstlerinnen und Künstler wie Geigerin Julia Fischer, Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller, Bariton Christian Gerhaher, Pianist Gerold Huber, Tenor Jonas Kaufmann, Bariton Michael Nagy und Bass Tareq Nazmi. Das detaillierte Programm sowie die Verfügbarkeit eine on demand werden zu einem späteren Zeitpunkt auf unserer Homepage bekannt gegeben.


Die nächsten Video-on-Demand-Angebote


George Balanchines JEWELS

Ab dem kommenden Samstag, 21. März, präsentiert das Bayerische Staatsballett George Balanchines Jewels (2019).

28 Stunden Video-on-Demand
Vom Sa, 21. März 2020, 19.30 Uhr bis 22. März 2020, 23.59 Uhr kostenlos verfügbar


LUCIA DI LAMMERMOOR

Am 25. März folgt Donizettis Lucia di Lammermoor mit Diana Damrau in der Titelpartie und Pavol Breslik als Edgardo, in einer Inszenierung von Barbara Wysocka aus dem Jahr 2015. Am Pult des Bayerischen Staatsorchesters steht Generalmusikdirektor Kirill Petrenko.

14 Tage Video-on-Demand
Vom 25. März 2020, 12.00 Uhr bis 8. April 2020, 11.59 Uhr kostenlos verfügbar


Weitere kostenlose Online-Angebote bis zum 19. April


Verlängert bis 26.3. | Video-on-Demand: JUDITH 

https://operlive.de/judith/


14.3. bis 28.3. | Video-on-Demand: IL TROVATORE 

mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros

https://operlive.de/trovatore/


17.3. bis 31.3. | Video-on-Demand: 1. Montagskonzert

u. a. mit Igor Levit und Christian Gerhaher

https://operlive.de/akademiekonzert19-20/

 

—| Pressemeldung Bayerische Staatsoper München |—

München, Bayerische Staatsoper, Sizilianische Vesper von Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 16.03.2018

März 17, 2018 by  
Filed under Bayerische Staatsoper, Hervorheben, Kritiken, Oper

Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Les Vêpres siciliennes von Giuseppe Verdi

Die Dialektik des Widerstands –

Von Hans-Günter Melchior

Richter, Staatsanwälte, Verteidiger, die bedauernswerten Soldaten aller Zeiten und Völker, manche Dichter und Denker – und natürlich die Straftäter und Terroristen wissen das: wer einen anderen tötet, tötet zugleich etwas von sich selbst.

Wer sich dieser – dialektischen – Sicht (die sich keineswegs mit dem Begriffsvokabular einer höheren Ein-Sicht drapieren will) verschließt, dem mag so manches an Stimmungswechseln und Charakterveränderungen in Verdis Oper, deren Libretto Eugène Scribe verfasst hat, als konstruiert und weit hergeholt erscheinen. Stellt man aber den obigen Satz der Betrachtung voran, so  gewinnt der Handlungsablauf, dem die innerlich zerrissenen und widersprüchlichen Figuren der Oper geradezu ausgeliefert sind, durchaus den psychologisch-literarisch verständlichen Sinn eines Albtraums.

Bayerische Staatsoper / Sizilianische Vesper- hier Rachel Willis-Sorensen als Herzogin Hélène © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Sizilianische Vesper- hier Rachel Willis-Sorensen als Herzogin Hélène © Wilfried Hösl

1282: Der überraschend freigesprochene Rebell Henri (Leonardo Caimi) liebt die Herzogin Hélène (Rachel Willis-Sorensen), eine entschlossene Kämpferin gegen die französische Fremdherrschaft auf Sizilien. Hélènes Bruder wurde von dem französischen Gouverneur Guy de Montfort (George Petean) hingerichtet, das Denken der Herzogin ist von Rachegedanken erfüllt. Der in seine Heimat zurückgekehrte Arzt Procida (Erwin Schrott) leitet den Widerstand gegen die Franzosen. Montfort erhält den Brief einer von ihm vergewaltigten Frau, in dem diese ihm mitteilt, Henri sei sein Sohn. Montfort offenbart sich Henri, worauf dieser einen Tötungsanschlag Hélènes auf den Gouverneur (sie will Monfort erdolchen) vereitelt. Er rettet seinen Vater um den Preis, von den ehemaligen Kampfgenossen zum Verräter gebrandmarkt zu werden. Procida und Hélène kommen in Haft. Als Hélène und Procida von der Vater-Sohn-Beziehung erfahren, verzeihen sie Henri. In einem abrupten Sinneswandel lässt der Gouverneur, der zunächst die Hinrichtung der Inhaftierten befohlen hat, Hélène und Procida frei, weil Henri ihn darum bittet und ihn dabei als seinen Vater bezeichnet. Der Gouverneur stimmt sogar der Heirat Hélènes mit Henri zu, die Hochzeitfeierlichkeiten werden arrangiert. Nun aber tritt eine Wende ein. Procida teilt Hélène mit, der Aufstand gegen die fremden Herren werde mit dem Erklingen der Hochzeitsglocken ausbrechen, er, Procida, werde ein Massaker anzetteln. Daraufhin widerruft Hélène aus Angst vor dem Blutvergießen ihr Eheversprechen. Der ahnungslose Gouverneur indessen vollzieht das Hochzeitszeremoniell, die Hochzeitsglocken läuten und das Gemetzel nimmt seinen Verlauf…

Kunsturteile sind subjektiv, mögen sie sich noch so selbstsicher den Hermelin der Objektivität umwerfen und wie die Wahrheit selbst daherstolzieren. Sie sind von je eigenen lebensgeschichtlichen Erfahrungen, Kunstwissen, aber auch von aktuellen Stimmungen geprägt oder gar abhängig. Eine gewisse Zurückhaltung ist angebracht. Dennoch: der Rezensent macht keinen Hehl daraus, dass er von der münchner Aufführung begeistert ist.

Bayerische Staatsoper / Sizilianische Vesper - hier Erwin Schrott als Procida © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Sizilianische Vesper – hier Erwin Schrott als Procida © Wilfried Hösl

Und dies ungeachtet der gelegentlichen stimmlichen Schwierigkeiten der Protagonisten (vor allem Leonardo Caimis, der für den erkrankten Bryan Hymel einsprang). Auszunehmen ist die Darbietung Erwin Schrotts, dessen volltönender Bass-Bariton im Zusammenhang mit der Sängerpersönlichkeit des Künstlers einen starken Eindruck hinterließ. Und auszunehmen sind auch die stimmstarken, markigen Chöre. Das geht unter die Haut.

Vor allem jedoch überzeugt die Aufführung durch die Inszenierung und die musikalische Interpretation. Der Regisseur Antú Romero Nunes zaubert in Zusammenarbeit mit dem Bühnenbildner Matthias Koch Bilder von visionärer Dichte auf die Bühne. Der Chor der Sizilianer erscheint mit Totenschädeln oder anderen Masken, die an die Exponate aus Palermos Kapuzinergruft oder an die Bilder von Goyas Desastres de la Guerra gemahnen. Schrecklich-schön oder erschreckend-schön, wenn aus den Mündern der Elenden, teilweise auf dem Boden Kriechenden ein depressiver Gesang erklingt oder lärmzuckendes Getöse (der Dirigent setzt sich Ohrenschützer auf) das Unheil ankündigt.

 Bayerische Staatsoper / Sizilianische Vesper - hier Hélène, Henri und Guy de Montfort © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Sizilianische Vesper – hier Hélène, Henri und Guy de Montfort © Wilfried Hösl

Die Inszenierung verlässt nie diesen düster gefärbten Grundton des Tragischen, der die Intentionen der um 1830 in Frankreich aufkommenden Grand opéra ( s. Auber: Musette de Partiti; Rossini: Guillaume Tell; Meyerbeer: Le Diable) auf das Genaueste trifft und zugleich in die Neuzeit umsetzt, indem sie es dem Zuschauer/Zuhörer überlässt, Zweifel an der Unbedingtheit der jeweiligen vorgetragenen (sturen, unverrückbaren) Standpunkte der Hauptpersonen anzumelden und Hoffnungen in eine bessere, ins Weite der Internationalität und der Völkerverständigung ausgedehnte Zukunft erlaubt. Ambivalenz herrscht vor. Selbst über den überdimensional herabwallenden Hochzeitsschleiern im letzten Akt hängt das Seil eines Galgens. Eindeutig ist das Leben nie.

Sinnvoll werden die Balletteinlagen aufgeteilt und interpretatorisch, nämlich als Totentanz, in die Handlung integriert, statt in Unterbrechung der Handlung als Ganzes dargeboten zu werden und den Zusammenhang des Geschehens zu zerreißen. Gespenstisch, wenn zwei der wie erhängten Figuren sich plötzlich in der Luft vereinigen. Eine besonders albtraumhafte Passage.

Auch die Chöre, nach dem Konzept der Grand opéra eigentlich als die Masse, das Kollektiv, dem das Individuum gegenübersteht, verstanden, wirken ungeachtet ihrer beeindruckenden Stimmstärke nicht dominierend. Das alles ist wohlüberlegt und bewundernswert unaufdringlich.

Überzeugend auch die Personenregie. In der Tat: man schwankt ständig zwischen Sympathie und Antipathie. Mal entscheiden sich die Personen für die Familienbande, mal für den Kampf um die Freiheit. Sie wissen nicht genau, wohin mit den Gefühlen einerseits und den politischen und ideologischen Überzeugungen andererseits. Komplexer geht es kaum. Der anfängliche Freiheitsheld Procida wird am Ende zum unbelehrbaren Fanatiker und sturen Nationalisten. Und der Gouverneur de Montfort zum Protagonisten einer Völkerverständigung, die über den engen Rahmen Siziliens weit hinausgeht. Ein nachdrücklicher Hinweis auf den allerorten aufkommenden Neo-Nationalismus beschränkter Vaterlandsverteidiger, die Heimat mit politisch definierter Nation verwechseln.

Bayerische Staatsoper / Sizilianische Vesper - hier SOL Dance Company © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Sizilianische Vesper – hier SOL Dance Company © Wilfried Hösl

Das alles wird nicht vertuscht, sondern vom Regisseur aufgezeugt und stehen gelassen, wie es nunmal im wirklichen Leben ist. Die Menschen sind wie sie sind, von Gefühlen ebenso bestimmt wie von Theorien und manchmal überwiegen diese manchmal jene. Nie wissen wir genau, wo der Weg zum Glück verläuft und so stehen wir eben da: hin- und hergerissen, Scheusale und Liebenswerte zugleich. Wie gesagt: die menschliche Situation ist dialektisch.

Die Musik verdeutlicht dies. Über dem Agitato der Ouvertüre und dem Fortissimo des Kampfgeschehens schmilzt so manche Belcanto-Arie wie unbeirrt und zur Feier der Kunst. Großartig dargeboten von dem Dirigenten  Omer Meir Wellber und dem brillanten Orchester. Nie wird die Musik zu laut und lärmend, immer jedoch eindringlich und dem Genie Verdis gerecht werdend. Verdi! Wie er den Nuancen nachspürt, auf die Valeurs achtet, das Tragische trifft und das Tröstliche hinzufügt. Und sich manchmal von der bloßen Kunst hinreißen lässt. Musik ist ja keine Ideologie, sie ist Kunst, das ist mehr als genug. Was könnte man alles über Verdis Musik schreiben. Kompliziertes und Einfaches. Menschliches.

Man verlässt auf musikalischen Wolken und – nun doch – um Ein-Sichten bereichert die Oper.

Sizilianische Vesper an der Bayerischen Staatsoper; 18.3.2018 – kostenlose Übertragung auf STAATSOPER.TV,  link  –   https://www.staatsoper.de/tv.html?no_cache=1,   weitere Vorstellungen am 22.3.; 25.3.; 26.7.; 29.7.2018

—| IOCO Kritik Bayerische Staatsoper München |—

 

München, Bayerische Staatsoper München – Prinzregententheater , Premiere Oberon, König der Elfen, 21.07.2017

Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper / Oberon Pregardien © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Oberon Pregardien © Wilfried Hösl

21. Juli 2017: Premiere Oberon, König der Elfen

 

Carl Maria von Webers „romantische Feenoper“ Oberon, König der Elfen feiert am 21. Juli 2017 Premiere im Prinzregententheater. Am Pult des Bayerischen Staatsorchesters steht Ivor Bolton, der bei den letzten Münchner Opernfestspielen die Neuproduktion Les Indes galantes dirigierte. Die Inszenierung übernimmt der 1987 geborene österreichische Regisseur Nikolaus Habjan, der damit sein Hausdebüt gibt und zum ersten Mal eine Oper inszeniert. Auch sein poetisches Puppenspiel wird Teil der Inszenierung sein. Neben dem deutschen Tenor Julian Prégardien in der Titelpartie werden Brenden Gunnell als Hüon von Bordeaux und Annette Dasch als Rezia in den Hauptpartien zu hören sein.

Zum Werk Oberon, König der Elfen ist Webers letzte Oper, die 1826 in London uraufgeführt wurde. Die romantische Oper war eine Auftragsarbeit für den damaligen Direktor des Covent-Garden-Theaters. Weber wählte als Vorlage Christoph Martin Wielands Oberon. Ein romantisches Heldengedicht in vierzehn Gesängen, in dem die Handlungen von William Shakespeares Midsummer Night’s Dream und die des Ritterbuches von Huon de Bordeaux verschmelzen. Weber hatte zu dieser Zeit auch in Großbritannien durch den Freischütz einen Ruf als romantischer Komponist erlangt. Bei der Komposition des Stoffes passte sich Weber zum Teil den Gepflogenheiten des britischen Theaters an. So enthielt das Libretto von James Planché sehr viel mehr gesprochene Dialoge als Weber es aus dem deutschsprachigen Raum gewohnt war. Die Uraufführung überlebte Weber nicht lange, er starb noch in London im selben Jahr.

Zur Inszenierung Nikolaus Habjan, Regisseur, Puppenspieler und Kunstpfeifer, zeigte bereits Arbeiten am Schubert Theater in Wien, dem Staatstheater Mainz und dem Wiener Burgtheater. In seiner Inszenierung von Webers „Feenoper“ arbeitet er mit selbst gestalteten Klappmaulpuppen: „Puppenspiel ist an sich schon sehr musikalisch“, sagt Habjan in einem Porträt aus MAX JOSEPH. „Man meint, diese Art von Theater wäre nur für Kinder geeignet. Dabei gibt es eine starke Tradition von Puppentheater für Erwachsene.“ Habjan interpretiert den Streit zwischen Feenkönig Oberon und seiner Gattin Titania und die darauffolgende Wette als Menschenversuch und versetzt die Handlung in eine Art Menschen-Labor der 1950er Jahre. „Wir arbeiten mit Rorschachtests, Bildern aus der Psychiatrie aus dieser Zeit“, so Habjan. Alle Vorstellungen sind seit April ausverkauft, die Staatsoper zeigt eine der Vorstellungen auf STAATSOPER.TV.

Nikolaus Habjan kann Ende Juli auch noch als Puppenspieler auf der Bühne erlebt werden: zusammen mit der Osttiroler Musicbanda Franui widmet er sich der Figur des suchenden Wanderers, der alles hinter sich lässt, um sich auf die Suche zu begeben, ohne das Ziel der Wanderung zu erahnen. Franui interpretiert bei Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus mit Hackbrett, Harfe, Streichern und Blechbläsern Musik frei nach Schubert, Schumann, Brahms und Mahler; Habjan rezitiert Texte von Robert Walser und Jörg Amann. Sein Puppenspiel ergänzt Musik und Wort zu einem ungewöhnlichen Musiktheaterabend.

STAATSOPER.TV
Oberon, König der Elfen
So, 30. Juli 2017, 18.00 Uhr
Musikalische Leitung: Ivor Bolton
Inszenierung: Nikolaus Habjan
Mit Julian Prégardien, Annette Dasch, Brenden Gunnell

Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus
Fr, 28.07.2017, 20 Uhr – Restkarten
Prinzregententheater

—| Pressemeldung Bayerische Staatsoper München |—

München, Bayerische Staatsoper, Premiere – Meistersinger von Richard Wagner mit Jonas Kaufmann, 16.05.2016

April 28, 2016 by  
Filed under Bayerische Staatsoper, Premieren, Pressemeldung

Bayerische Staatsoper München

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Die Meistersinger von Nürnberg von Richard Wagner

Mo 16.05.2016, 16.00 Uhr Premiere, weitere Vorstellungen 8.5.2016 Matinee, 16.5.2016, 22.5.2016, 26.5.2016, 29.5.2016, 4.6.2016, 28.7.2016, 31.7.2016

Am 16. Mai feiert mit Die Meistersinger von Nürnberg die fünfte Neuproduktion der laufenden Saison Premiere. Generalmusikdirektor Kirill Petrenko beschäftigt sich nach Der Ring des Nibelungen erneut mit der Musik von Richard Wagner. Fast 150 Jahre nach der Uraufführung am Nationaltheater im Jahre 1868 erarbeitet Petrenko gemeinsam mit Regisseur David Bösch die zwölfte Münchner Neuinszenierung dieser Oper.

Die Besetzung
Die Meistersinger von Nürnberg: David Bösch (Inszenierung), Jonas Kaufmann (Walther von Stolzing)

Der 2014 zum Bayerischen Kammersänger ernannte Wolfgang Koch singt die Partie des Hans Sachs. Jonas Kaufmann gibt ein weiteres Mal ein (szenisches) Rollendebüt am Opernhaus seiner Heimatstadt (nach Lohengrin, Manrico in Il trovatore und Don Alvaro in La forza del destino) und singt Walther von Stolzing. Ensemble-Mitglied Markus Eiche gibt den Beckmesser, Christof Fischesser ist Veit Pogner und Eike Wilm Schulte verkörpert Fritz Kothner. Die amerikanische Sopranistin Sara Jakubiak gibt in der Partie der Eva ihr Haus- und Rollendebüt.

Die Inszenierung
Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg sind seit der Uraufführung am Münchner Nationaltheater ein Stück, das die Spannung zwischen Tradition und genialischer Inspiration im Hinblick auf die Frage auslotet, welchen Stellenwert Kunst in einer Gesellschaft spielen kann. Die Nürnberger Meistersingergilde, die für sich in Anspruch nimmt, Kunst und Musik repräsentativ zu verankern, ist schon von Richard Wagner als eine Institution gezeichnet, die um Anerkennung ringt, weil sie längst ihre zentrale gesellschaftliche Bedeutung eingebüßt hat.

Genau an diesem Punkt setzt die Inszenierung von David Bösch an. Sein Nürnberg ist eine deutsche Kleinstadt, die längst ihre Blüte hinter sich hat. Alles Agieren und Wollen der Meister ist der schmerzhaften Erkenntnis geschuldet, aus eigener Kraft keine Veränderung der Situation mehr herbeiführen zu können. Selbst Hans Sachs, der noch am ehesten eine gewisse Popularität für sich in Anspruch nehmen kann, ist gezeichnet von Leid und Verlustschmerzen – schließlich hat er zum einen seine Frau verloren, zum anderen erkennt er, dass der unbeschwert auftretende Stolzing in seinem Gesang relevante Dinge ausdrücken kann, die ihm unfassbar erscheinen.

Doch ob mit Stolzing die so dringend nötige Erneuerung der Meistersingerzunft einherkommen wird, scheint mehr als fraglich. Zu sehr scheinen sich die Meister damit abgefunden zu haben, dass es einfacher ist, sich selbst zu belügen, als ehrlich mit seinem Niedergang klar zu kommen. Dass unter dieser kollektiven Depression auch ein gefährliches Gewaltpotential liegt, zeigt Richard Wagner an markanten Stellen seiner Oper, die zwar im Jubel endet, der aber auf Kosten einiger Menschen wie Beckmesser erzielt wurde.  

—| Pressemeldung Bayerische Staatsoper München |—

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