Rostock, Volkstheater Rostock, TRISTAN XS, 08.09.2019

August 20, 2019 by  
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Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Richard Wagners „Tristan und Isolde“ in 90 Minuten

TRISTAN XS

Mit einer Live Video Performance

Das Musikdrama nach dem Tristan-Stoff aus dem keltischen Sagenkreis wird als ein Höhepunkt in Richard Wagners Schaffen angesehen, als das „Schönste, Ergreifendste und Kunstvollste, was der Meister je geschrieben hat“ (R. Kloiber). Das Werk über die todgeweihte Liebe von Tristan und Isolde erklingt in der Halle 207 in einer dramaturgisch gekürzten Fassung, die sich ganz auf die beiden Titelgestalten konzentriert. Sie enthält die markantesten Szenen, begleitet von einer stimmungsvollen Live Video Performance von Stephen Hamacek und Thomas Sydow, die sich dezent in das musikalische Geschehen einfügt. Starsopranistin Manuela Uhl singt die Partie der Isolde. Der Tenor Hans-Georg Wimmer, der das Projekt Tristan XS gemeinsam mit Armin Terzer konzipiert und realisiert hat, übernimmt die Partie des Tristan. Die Norddeutsche Philharmonie Rostock musiziert unter der Leitung ihres Conductor in Residence Marcus Bosch.

Volkstheater Rostock / Tristan XS - Manuela Uhl © Beate Kazimirowicz

Volkstheater Rostock / Tristan XS – Manuela Uhl © Beate Kazimirowicz

TERMIN

Sonntag, 08. September 2019, 18:00 Uhr, Halle 207

—| Pressemeldung Volkstheater Rostock |—

Berlin, Sopranistin Barbara Krieger im Gespräch, IOCO Interview, 04.08.2019

August 5, 2019 by  
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Barbara Krieger - Sopranistin © Ildiko Kürty

Barbara Krieger – Sopranistin © Ildiko Kürty

Barbara Krieger

Barbara Krieger – Sopranistin 

im Gespräch mit IOCO / Michael Stange:  Gesang, Interpretation, Freude an der Musik, Organisation von Kulturevents

Barbara Krieger, in Wiesbaden geboren und aufgewachsen, ist eine charmante, leidenschaftliche, kluge und zugewandte Künstlerin. Fulminant bewältigt sie italienisches und deutsches Repertoire mit Rollen wie Leonore (Fidelio) Aida, Amelia (Maskenball) Salome, Arabella und Isolde. Hinzu kommt ein umfangreiches Konzert- und Liedrepertoire. Ferner organisiert sie Konzerte, engagiert sich in karitativen Projekten und ist eine profunde Musikkennerin. Breite Medienaufmerksamkeit errang sie unter anderem durch eine CD-Veröffentlichung von Werken gefallener Komponisten des 1. Weltkrieges. In Liedern des englischen Komponisten Cecil Coles überzeugte sie mit lyrischem Klang und inniger Interpretation. Ein großes Ereignis war im vergangenen Jahr ihre Isolde, in einer konzertanten Aufführung des 2. Aktes in Bukarest mit Marius Vlad und Aura Twarowska unter der Leitung Julien Salemkours; ihre Stimme verströmte in der Rundfunkübertragung  unglaubliche Ruhe und Wärme verströmte. Barbara Krieger nahm die Höhen der Begrüßungsszene mit leuchtendem, strahlendem und voluminösem Klang. In allen dramatischen Momenten ruhte die an sich lyrische Stimme in sich. Klangschönheit paarte sich mit brennender Intensität. Barbara Krieger kehrt auch nach ihren dramatischen Ausflügen selbstverständlich in das Konzertrepertoire zurück. So sang sie im Berliner Dom jüngst eine umjubelte Mozart c-Moll Messe.

Im Gespräch  mit IOCO offenbarte Barbara Krieger  ihre bisherige Karriere und künftige Pläne.

  1. Was waren ihre ersten Berührungspunkte mit Musik in der Kindheit und welche musikalischen Erfahrungen haben Sie als Jugendliche gesammelt?

BK: Mein Vater stammt aus einer sehr musikalischen Familie. Obwohl er kein Berufsmusiker ist, spielt er fünf Instrumente. Als kleines Kind hat er gemeinsam mit mir häufig die Zauberflöte für Kinder unter Karl Böhm gehört. Als ich bei meinem ersten Opernbesuch in der Zauberflöte in Wiesbaden die Arie der Königin der Nacht hörte, bin ich dann peinlicherweise aufgesprungen und habe mitgesungen (ein frühes, peinliches Rollendebüt). Mein Musiklehrer im Gymnasium war auch Kantor in unserer Kantorei. Dort habe ich viel in Messen und Oratorien gesungen, was mir einen Einblick in die Musik der Renaissance bis hin zur Romantik gegeben hat. In der 5. Klasse haben wir die Meistersinger von Nürnberg durchgenommen mit allen Themen und Motiven. Gekrönt wurde das mit einem Opernbesuch und seitdem war mir klar, dass ich Sängerin werden will.

Barbara Krieger - Sopranistin © Chrisian Fritsch

Barbara Krieger – Sopranistin © Chrisian Fritsch

  1. Vor dem Gesangsstudium haben Sie Germanistik, Anglistik und Musikwissenschaften studiert. Welchen Einfluss hatte das für Sie, wie haben Sie das Studium und erste Schritte in den Beruf erlebt und was hat sich im Karriereverlauf geändert?

BK: Natürlich sagen alle Eltern erst einmal, man müsse etwas vernünftiges Lernen. Das habe ich dann auch gemacht. Mir war aber immer klar, dass ich danach Sängerin werden wollte. Beworben hatte ich mich für das Studium in Paris, Wien und Salzburg und bekam auch von überall Zusagen. Nach meinem ersten Studium fühlte ich mich mit meinen 22 Jahren steinalt, so dass ich mich entschied, nach Salzburg zu gehen. Grund war, dass ich davon ausging, dass dort um 7 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt würden und ich mich dadurch auf das Studium konzentrieren könne und nicht von einer Stadt mit ihren mannigfaltigen Angeboten abgelenkt würde. Mein Gesangsprofessor war Bariton KS Rudolf Knoll, ein sehr guter Lehrer. Für die Vorbereitung auf die Praxis waren die stimmliche Ausbildung und die übrigen Komponente wie Darstellung und derartige Fächer eine gute Grundlage.

Gewünscht hätte ich mir rückblickend allerdings einen größeren musiktheoretischen Teil, weil mir das Wissen um Struktur und Musiktheorie die Vorbereitung auf die Musik und die Rollen ungemein erleichtert. Das gilt übrigens nicht nur für Sänger. Mein Sohn, zum Beispiel, hat großes Talent für Musik. In der Schule wurde ihm aber nicht einmal vermittelt, was ein Sonatenhauptsatz ist. Gerade die Grundlagen über Werke klassischer Musik und beispielweise die Kenntnis von Liederzyklen wie Schöne Müllerin oder der Winterreise und den theoretischen Aufbau finde ich nicht nur musikalisch, sondern auch sprachgeschichtlich eminent wichtig. Wenn man als Kind diesen Zugang zu den Wurzeln der klassischen Literatur und Musik nicht bekommt, dann wird es schwierig, sich später mit der sogenannten ernsten Musik zu identifizieren und hinein zu finden. Konzerthörer, die wissen, dass beispielsweise in der Exposition das thematische Material vorgestellt wird, können das Wechselspiel der Haupt- und Seitenthemen viel besser verfolgen. Die Konzerterfahrungen können so anhand bekannter Muster besser miterlebt und intensiver genossen werden. Diese Grundlagen kommen mir im heutigen Lehrplan zu kurz.

Nach dem Studium wollte ich dann in die Welt hinaus. Mir schien sinnvoll, mich bei einem Gesangswettbewerb in Mailand, dem renommierten AS.LI.CO. Gesangswettbewerb der Mailänder Scala, anzumelden. Mir war klar, dass die Konkurrenz im italienischen Fach zu groß war und um mich von den Mitbewerberinnen abzusetzen. Deshalb habe ich mich auf Strauss und Wagner konzentriert und dafür einen Preis erhalten. In Folge dessen wurde ich an die Wiener Staatsoper engagiert, was eine große Erfahrung war, weil ich mit phantastischen Kolleginnen wie zum Beispiel Hildegard Behrens oder Rolando Panerai auf der Bühne stand.

Natürlich passieren jungen Sängern die seltsamsten Dinge. Als ich mit 27 für Aida vorsang, bot man mir Elektra an. Das ist selbstverständlich Selbstmord, weil man bei derartigen Experimenten froh sein, kann, wenn man mit 30 Jahren überhaupt noch sprechen kann.

Eine weitere wichtige Erfahrung schon zu Beginn des Studiums war auch, was schief gehen kann und wie wichtig Umsicht und gute Vorbereitung sind. Im ersten Semester war ich für Mozarts C-Dur Messe engagiert und es fand vor dem Konzert nur eine kurze Probe statt. Dort stellte ich dann fest, dass ich die falsche C-Dur Messe gelernt hatte. Das führte natürlich zu einem jämmerlichen Auftritt. Seitdem bin ich immer übervorbereitet und lege großen Wert auf die Rückversicherung durch beispielsweise Werknummern. Ich glaube auch, dass stimmliche Sicherheit und eine intensive Beschäftigung mit und Vorbereitung auf das Werk Grundlage für eine inwendige Gestaltung sind. Zudem bin ich dadurch weitgehend von Lampenfieber verschont, weil ich vor Auftritten durch die Vertrautheit mit der Rolle nicht unsicher bin.

Heute ist eine extrem gute Vorbereitung für die Karriere noch wichtiger. Die Zeiten, in denen Studium und die Fortentwicklung der Partien noch in den Proben stattfanden, sind nach meinem Eindruck wegen den immer knapperen Finanzmitteln vorbei. Bei meiner ersten Salome begann die Probe damit, dass wir gemeinsam mit dem Regisseur den Text der Oper aus einem lasen und uns dann über 8 Wochen das Werk aneigneten. Heute sind wegen des knappen Budgets viel weniger Proben möglich, so dass Sänger und Orchester extrem perfekt vorbereitet sein müssen.

Mir kommt das entgegen, da ich bei Proben häufig ungeduldig bin aber gerade für junge Kolleginnen und Kollegen wäre eine Unterstützung bei Rollenstudium während der Probenzeiten sehr hilfreich für ihre Entwicklung.

Berliner Dom  / hier sang Barbara Krieger Mozarts c-Moll Messe © IOCO

Berliner Dom / hier sang Barbara Krieger Mozarts c-Moll Messe © IOCO

  1. Sowohl im letzten Berliner Konzert mit Mozarts c-Moll Messe als auch in Ihrer Bukarester Isolde wurden Sie für Ihr silbernes, jugendliches Timbre, ihre solide Tiefe, die runde Mittellage und Ihre sicheren Höhen gelobt. Sie verfügen über eine sehr runde ausgeglichene und in allen Registern ansprechende Stimme, die in ihrer technischen Beherrschung an große Sängerinnen der Vergangenheit erinnert. Wie haben Sie das erreicht, hören Sie z. B. alte Platten, wie entwickeln Sie sich weiter und wie haben Sie zum Beispiel die Isolde studiert?

BK: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Der Gesangscoach! Als etwas erfahrenerer Sänger weiß man sofort, welcher Coach passt und welcher eher nicht. Und das sowohl bei Gesangslehrern, als auch bei Korrepetitoren. Für mich ist das Arbeiten mit Reiner Goldberg perfekt. Nach seiner großen Tenorkarriere ist er heute noch als Lehrer tätig und ist ein begnadeter und liebevoller Pädagoge. Seine technischen Tipps und das Auflockern und Entspannen der Stimme selbst in den kleinsten Pausen und seine übrigen Hinweise haben meine Entwicklung quasi beflügelt. Natürlich lernt man schon früh auf der Atemsäule zu singen und andere technische Grundlagen, aber daran muss man ständig arbeiten und sich fortentwickeln. Deshalb bin ich über die Begegnung mit ihm und seinen Unterricht sehr glücklich. Außerdem verstehen wir uns auch auf menschlicher Ebene sehr gut, lachen viel miteinander und nehmen das Leben nicht zu ernst.

Meine Rollen habe ich immer gut vorbereitet und bin seit den Verwirrungen bei Mozarts C-Dur Messe noch vorsichtiger geworden. Das hat den Vorteil, dass die Rollen tief sitzen und haften bleiben. Salome habe ich länger nicht gesungen, aber als ich vor kurzem in einem Konzert den Schlussgesang sang, war die Rolle sofort wieder präsent. Ich bin lieber übervorbereitet, als etwas dem Zufall zu überlassen und auf der Bühne die Nerven zu verlieren.

Letztes Jahr kam eine Anfrage für eine Isolde in Venezuela. Daraufhin habe ich mich sofort an das Rollenstudium gemacht und mir die Partie in fünf Monaten erarbeitet. Die unglaubliche Vielfalt und Tiefe der Musik hat sich mir beim Rollenstudium noch mehr offenbart und dadurch konnte ich die Rolle in mir fließen lassen. Ich habe mich jeden Tag 2 Stunden gelernt und mit meinem Korrepetitor studiert.

Erst wenn die Partie für mein Empfinden sitzt, höre ich mir zur Abrundung Aufnahmen an. Ansonsten neige ich dazu sowohl Interpretation als such Fehler zu übernehmen. Zur Isolde in Venezuela ist es dann aufgrund politischer Umstände nicht gekommen. So war ich sehr froh über das Angebot aus Bukarest. Der Konzertsaal des Rundfunks ist wie es Rundfunksäle eben sind akustisch sehr trocken aufgebaut und für die Sänger ist es unglaublich schwer sich selbst zu hören, da die Akustikwände den Schall absorbieren. Das war ein tüchtiger Schreck und eine immense Herausforderung für. Mit Ruhe und absoluter Fokussierung auf technische Details ließ sich das aber dann gut bewältigen. In so einer Situation, ist es wichtig, sich stark zu konzentrieren und über die nötige innere Ruhe zu verfügen. Genau dann ist kein Spielraum für Angst und Panik.

Ein wichtiger Punkt ist auch, wenn es im Leben allgemein mal nicht so gut läuft, sich selbst am Schopf zu packen uns seinem Spiegelbild zuzulächeln, Schwierigkeiten optimistisch anzugehen und mit positiver Energie zu meistern. In meinem Freundeskreis habe ich Menschen, die trotz schwerster Schicksalsschläge eine sprühende Energie und Lebensfreude versprühen, die mich staunen macht und die für mich vorbildlich ist.

Diese Paarung von Disziplin, Konzentration, seriösem Studium, Lebensfreude und das Meistern von Lebenskrisen sind für mich sowohl wichtige Komponenten für das Leben als auch für eine erfüllte Gesangslaufbahn.

Barbara Krieger - Sopranistin hier mit José Cura © Chrisian Fritsch

Barbara Krieger – Sopranistin hier mit José Cura © Chrisian Fritsch

  1. Sie sind auch findig im Erschließen von Unbekanntem. Auf CD haben sie Lieder des im 1. Weltkrieg Gefallenen Cecil Coles eingesungen. Entdecken Sie gern musikalische versunkene Schätze und machen Neues?

BK: Ich bin schon immer wissbegierig und neugierig gewesen und hatte vielfältige Interessen. Meine Urgroßmutter, die 101 wurde, hat mir noch von den Zeiten des Kaiserreichs erzählt. Der 100. Jahrestag des 1. Weltkriegs war mir auch wegen der heutigen politischen Lage wichtig, die große Parallelen zur damaligen Situation in Europa hat.

In Großbritannien und Frankreich wird seinem Ende anders gedacht, als in Deutschland. Für England und Frankreich war der erste Weltkrieg „The Great War“, in Deutschland sind während des zweiten Weltkriegs solch ungeheuerlichen Schrecken passiert, dass die Gräuel des ersten Weltkrieges in unseren Erinnerungen dagegen verblasst sind. England gedenkt der vielen Opfer beider Weltkriege und der umgekommenen Soldaten mit dem Remembrance Day. Als Zeichen dafür wird am 11. November – also dem Tag des Kriegsendes – eine Mohnblume am Revers getragen. Für mich war der hundertste Jahrestag des Beginns des 1. Weltkriegs ein wichtiger Anlass, auch einiger dort umgekommener großer Musiker zu gedenken. Das Besondere bei Cecil Coles ist zudem, dass er zutiefst deutsch sozialisiert war. Ab 1908 studierte er Komposition in Stuttgart, war dort an der Oper tätig und kehrte 1914 nach England zurück, um gegen die Deutschen zu kämpfen; und in diesem Krieg umzukommen. Gerade sein Schicksal zeigt die Sinnlosigkeit und Tragik des Krieges. Manche seiner Kompositionen sind völlig vergessen. Vieles sandte er seinem Lehrer Gustav Holst, der es in seinem Büro in Edinburgh auf seinem Aktenschrank verwahrte. Diese Arbeiten sind dann erst vor wenigen Jahren bei Renovierungsarbeiten des Konservatoriums in Edinburgh gefunden worden. So auch die fünf Lieder nach Gedichten von Paul Verlaine. Julien Salemkour hat das dann orchestriert und die Aufnahmen und die Konzerte waren tolle Erfahrungen. Eine vertiefte Entdeckungsreise zu verlorenen Komponisten ist immer interessant aber auch zeitintensiv. Nicht alles ist verlorengegangen, weil es eben des Weitergebens nicht wert war, sondern auch aus anderen, häufig tragischen Gründen.

Eine andere zeitintensive Beschäftigung mit Musik ist der Liedgesang, der mir sehr viel bedeutet, weil man in dem kleineren Rahmen dem Publikum viel näher ist als auf der Opernbühne. Auch diese absolute transparente Form des Musizierens mag ich sehr.

Geht man aus den üblichen Kulturstätten heraus erschließt sich auch ein neues Publikum.

Viel Spaß hat mir die Wiederentdeckung des Zehlendorfer Primus-Saales gemacht, wo ich einige Jahre Konzerte veranstaltet habe und ich tolle Erfahrungen gesammelt habe.

Barbara Krieger © Martin Lengemann

Barbara Krieger © Martin Lengemann

  1. Sie sind stark engagiert in gemeinnützigen und Kulturprojekten. Zu nennen sind u. a. die Beethoven Aufführungen die Sie ab 2016 mit dem Syrian Expat Philharmonic Orchestra realisiert haben. Ihre Berliner Kammerkonzerte haben Sie ja bereits erwähnt. Was waren das für Erfahrungen und welche Tipps können Sie für derartige Initiativen geben?

BK: Als die Menschen aus dem syrischen Bürgerkrieg flüchteten, war mir klar, dass unter den Geflüchteten natürlich nicht nur Klempner, Schreiner, Ärzte und andere Akademiker waren, sondern auch Musiker. Mit Julien Salemkour entwickelte ich die Idee, sie zu unterstützen und mit dem hiesigen Kulturleben zu vernetzen, d. h. die geflüchteten Musiker beim Abschluss neuer Engagements zu unterstützen, um hier Fuß fassen zu können. Bei vielen ist das gelungen, einige sind sogar Professoren an europäischen Hochschulen geworden. Um die geflüchteten Musiker aufzuspüren, haben wir teilweise mit Hilfe von Musikern des East West Divan Orchesters u. a. über facebook entsprechende Kontakte bekommen und ein Orchester auf die Beine gestellt. Die Idee waren Aufführungen von Beethovens Fidelio und der 9. Sinfonie mit der „Ode an die Freude“, die an Brüderlichkeit beziehungsweise Solidarität gemahnt.

Höhepunkt waren zwei Fidelio Aufführungen im European Solidarity Centre in Gdansk während des Solidarity of Arts Festivals. Polen ist ja nicht gerade dafür berühmt, Flüchtlinge mit offenen Armen aufzunehmen. Mir waren diese Auftritte daher wichtig. Das alles zu organisieren war anstrengend aber es war und ist ein gelungenes, fröhliches Projekt.

Es war eine tolle Stimmung auf der Werft, wo Solidarnosc und auch die Freiheit Polens begonnnen haben. Toll war auch, dass Lech Walesa beim Konzert war.

Der Saal in Zehlendorf ist so, dass er mit Sofabestuhlung Platz für 450 Menschen bietet. Die Besucher konnten während den Konzerten in lockerer Atmosphäre auch etwas trinken. Um selbst so etwas zu veranstalten braucht einen gut mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbaren Raum. In jedem Fall ist ein starker Werbepartner notwendig, um Publikum anzuziehen. Entscheidend sind Darbietungen von hoher Qualität, damit die Besucher Konzerte und Atmosphäre und genießen und wiederkommen. Dafür bedarf es eines Netzwerks von Künstlern, um ein Programm zu erstellen oder man muss sich vorher entsprechend umtun. Dieses Herzensprojekt musste ich leider aufgeben, da es so viel Zeit in Anspruch genommen hat, dass ich selbst kaum noch zum Musizieren kam.

So etwas selbst zu organisieren ist ein großer Kraftakt, aber auch ungemein erfüllend. Daher kann ich nur jeden dazu ermuntern – besser im Team – so etwas auf die Beine zu stellen.

  1. Was sind Ihre nächsten Pläne und Projekte und welche Erfahrungen haben Sie noch mit und durch die Musik gemacht?

BK: Besonders große Freude bereitet es mir Menschen durch Musik direkt anzusprechen, ihre Emotionen zu wecken. Bei der von Ihnen angesprochenen Mozart c-Moll Messe beispielsweise war es nach dem Verklingen des letzten Akkordes lange Zeit völlig still, bis dann nach einer gefühlten Ewigkeit der Applaus aufbrandete. In diesem Moment der großen Spannung war mir bewusst, dass wir das Publikum erreicht hatten und zwar mitten ins Herz nicht nur oberflächlich. Ich habe durch die Musik international viele Freunde gewonnen, nicht nur im Kollegenkreis, sondern auch beim Publikum. So habe ich zum Beispiel vor Jahren ein Ehepaar aus Bonn kennengelernt, mit dem ich jetzt gut befreundet bin und die mir zu fast jedem Konzert nachreisen. Ich freue mich immer ungemein, wenn ich die beiden im Zuschauerraum sehe und weiß, dass sie den Abend genießen.

Meine nächsten Pläne sind breit gefächert:  Die Isolde in Bukarest war ein großer Erfolg und nächstes Jahr werden wir dort Schönbergs Erwartung machen. Demnächst steht ein Abend mit Grieg Liedern an. Im Sommer, d. h. am 31. August 2019 nehme ich an einem Open-Air-Konzert in Dresden mit René Pape und Peter Seiffert teil. Im Herbst mache in Stuttgart ein Mozart Requiem, in Berlin ein Verdi Requiem, eine Missa Solemnis und bin auch in Verhandlungen für eine Fidelio Leonore im Beethoven Jahr 2020.

—| IOCO Interview |—

Hagen, Theater Hagen, Spielplan September 2019

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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle


Spielplan September 2019


Sa 07 AUFTAKT!
Tag der offenen Tür
Beginn 15.00 Uhr ·  In den Werkstätten, Großes Haus, Opus, Lutz
Eintritt frei

KULTURCAFÉ
Mit Joseph Trafton und Insa Murawski
17.30 Uhr ? Theatercafé
Eintritt  frei

POCKETGALA
Mit Gesangssolisten, Tänzern, Chor, Orchester
19.00 Uhr ·  Großes Haus
Eintritt frei


So 08        WIEDERAUFNAHME TAKE A WALK ON THE WILD SIDE
Undergroundparty mit Musik aus den 1960er, 70er und 80er Jahren
18.00-20.45 Uhr ·  Großes Haus
Abo MT und Freiverkauf 19,50-48 €


Di 10        1. SINFONIEKONZERT
Bauhaus & Blockbuster – Zukunftsvisionen
Modest Mussorgsky: Bilder einer Ausstellung
Filmmusik der Neuzeit
Leitung: Scott Lawton
19.30 Uhr ·  Stadthalle ? 18.45 Uhr Einführung
Konzertabo und Freiverkauf 15,50-31 €


Mi 11        THEATER IM KARREE
Mit Sopranistin Cristina Piccardi und Tenor Richard van Gemert
17.30 Uhr ·  Sparkassen-Karree
Eintritt frei


Sa 14        WIEDERAUFNAHME
SPRING AWAKENING (FRÜHLINGS ERWACHEN)
Musical von Steven Sater und Duncan Sheik, basierend auf dem Schauspiel von Frank Wedekind
(in deutscher Sprache mit Übertexten)
19.30-22.00 Uhr ·  Großes Haus ·  19.00 Einführung
Abo G und Freiverkauf 19,50-48 €


So 15        1. FAMILIENKONZERT
Sergei Prokofjew: Peter und der Wolf
Moderation: Juri Tetzlaff ? Leitung: N.N.
11.00 Uhr ·  Großes Haus
Freiverkauf 12 /6 €, Familienkarte 25 €

WIEDERAUFNAHME DIE GROSSE KLIMAKONFERENZ DER TIERE
Eine mobile TheaterUmweltKonferenz von Anja Schöne ? Ab 8 Jahren
Eine Produktion des Mobiltheaters Sausewind
15.00-16.00 Uhr ·  Lutz
Freiverkauf 12 / 6 €


Mo 16        WERKSTATT-PROBE
Einführungsveranstaltung zu Cardillac
18.15 Uhr ·  Theatercafé / Großes Haus
Eintritt frei


Di 17        WIEDERAUFNAHME DER FLIEGENDE KOFFER
Ein Theaterabenteuer von Anja Schöne nach Hans Christian Andersen ? Ab 2 Jahren
10.00-10.45 Uhr ·  Haus Wohlbehagen


Fr 20        PIGOR SINGT – BENEDIKT EICHHORN MUSS BEGLEITEN – VOL. 9
19.30-21.30 Uhr ·  Großes Haus
Abo K und Freiverkauf 13,50-30,50 €

THEATER UNTERWEGS RICHARD O’BRIEN’S  THE ROCKY HORROR SHOW
Musical von Richard O´Brien
19.30-22.00 Uhr ·  Teo Otto Theater Remscheid


Sa 21        PREMIERE CARDILLAC
Oper von Paul Hindemith
(in deutscher Sprache mit Übertexten)
19.30-21.00 Uhr ·  Großes Haus ·  19.00 Einführung
Abo P und Freiverkauf 19,50-48 €


So 22        KRABBELKONZERTE
Ganzheitliches Musikerlebnis für Kinder von 0-2 Jahren und deren Eltern
Leitung: Andrea Apostoli
10.00-10.45 Uhr & 11.15-12.00 Uhr ·  Theatercafé
Erwachsene 6 € / Kinder 1 €

DER FLIEGENDE KOFFER
Ein Theaterabenteuer von Anja Schöne nach Hans Christian Andersen ? Ab 2 Jahren
11.00-11.45 Uhr ·  Lutz
Freiverkauf 6 €

SPRING AWAKENING (FRÜHLINGS ERWACHEN)
Musical von Steven Sater und Duncan Sheik, basierend auf dem Schauspiel von Frank Wedekind
(in deutscher Sprache mit Übertexten)
18.00-20.30 Uhr ·  Großes Haus ·  17.30 Einführung
Abo ThR und Freiverkauf 16,50-40 €


Di 24        THEATER UNTERWEGS TAKE A WALK ON THE WILD SIDE
Undergroundparty mit Musik aus den 1960er, 70er und 80er Jahren
19.30-22.15 Uhr ·  Konzert Theater Coesfeld


 Do 26        SPRING AWAKENING (FRÜHLINGS ERWACHEN)
Musical von Steven Sater und Duncan Sheik, basierend auf dem Schauspiel von Frank Wedekind
(in deutscher Sprache mit Übertexten)
19.30-22.00 Uhr ·  Großes Haus ·  19.00 Einführung
Abo D und Freiverkauf 16,50-40 €


Fr 27        TREFFEN DES THEATERFÖRDERVEREINS
Gast: Mario Krause, Fagottist am Theater Hagen
19.30 Uhr ·  Kolpinghaus
Eintritt frei


Sa 28        PREMIERE WOYZECK
Eine LiveMusikKlassikerShow nach dem Drama von Georg Büchner
In einer Fassung von Anja Schöne ? Ab 14 Jahren
19.30 Uhr ·  Lutz
Freiverkauf 12 / 6 €


So 29 1. KAMMERKONZERT
Salonlöwen
Salonmusik im Stil der 1920er Jahre
11.30 Uhr ·  Auditorium im Kunstquartier Hagen
Freiverkauf 12 / 6 €

WIEDERAUFNAHME EVEREST
Oper von Paul Joby Talbot
(in englischer Sprache mit deutschen Übertexten)
18.00-19.10 Uhr ·  Großes Haus ·  17.30 Einführung
Abo MT und Freiverkauf 15-36 €


Mo 30        WERKSTATT-PROBE
Einführungsveranstaltung zu Casa Azul
18.15 Uhr ·  Theatercafé / Großes Haus
Eintritt frei


 

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Baden-Baden, Festspielhaus, PFINGSTFESTSPIELE – American Night mit Thomas Hampson, 07.6.2019

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

PFINGSTFESTSPIELE  BADEN-BADEN  2019

Von den Puritanern zum Broadway –  Thomas Hampson feiert in Baden-Baden eine

„American Night“

Freitag, 7. Juni 2019, 20 Uhr

Von den Liedern der Pilgerväter bis zum Glamour des Broadways ist es nur ein kleiner Schritt. Star-Bariton Thomas Hampson geht ihn zur Eröffnung der Baden-Badener Pfingstfestspiele 2019 am Freitag, 7. Juni um 20 Uhr im Festspielhaus an der Oos.

Festspielhaus Baden-Baden / Pfingstfestspiele - Thomas Hampson © Jimmy Donelan

Festspielhaus Baden-Baden / Pfingstfestspiele – Thomas Hampson © Jimmy Donelan

Unter der musikalischen Leitung von Sir Ivor Bolton begleitet das Sinfonieorchester Basel Thomas Hampson sowie die Sopranistin Nadine Sierra und Tenor Michael Fabiano. Sie alle verbeugen sich vor Komponisten wie Aaron Copland, Cole Porter, George Gershwin und Leonard Bernstein. Diese schufen amerikanische Lieder, die heute das kulturelle Selbstverständnis der Vereinigten Staaten maßgeblich prägen.

Aaron Copland (1900 bis 1990) gründete vieler seiner Kompositionen auf den Liedern und Melodien der europäischen Einwanderer. In seinen „Old American Songs“ verarbeitete Copland Anfang der 1950er Jahre dieses Liedgut neu. Thomas Hampson fördert mit seiner eigenen „Hampsong“-Stiftung die Pflege und Verbreitung des Kunstliedes weltweit. Ein besonderes Interesse hat der Opernstar in den vergangenen Jahren an den Kompositionen seiner Heimat gezeigt und fasst sie in immer neuen Programmen zusammen.

Festspielhaus Baden-Baden / Pfingstfestspiele - Nadine Sierra © Merri Cyr

Festspielhaus Baden-Baden / Pfingstfestspiele – Nadine Sierra © Merri Cyr

Im 20. Jahrhundert führt keine große amerikanische Komponisten-Karriere am New Yorker Broadway vorbei. Cole Porter, George Gershwin und auch Leonard Bernstein schufen Meisterwerke für die berühmte Theatermeile und seine legendären Shows.

Thomas Hampson, Nadine Sierra und Michael Fabiano erinnern in ihrem Baden-Badener Festival-Programm an einige der Sternstunden an der weltberühmten Straße mit den „bright lights“. Songs aus Klassikern wie South Pacific oder Carousel stehen dabei neben Evergreens aus Kiss Me Kate oder der West Side Story. Im Lied haben Sie eines der schönsten Tagebücher von jeder Kultur und Generation zu einem bestimmten Zeitpunkt“, sagt Thomas Hampson. Und selbstverständlich haben auch die amerikanischen Geschichtsbücher ihre bleibenden Melodien.

Thomas Hampson zählt zu den wichtigsten Sängern unserer Zeit. Der amerikanische Bariton feierte Erfolge in über 80 Bühnenrollen und mit mehr als 170 Plattenaufnahmen. 2010 erhielt er die Auszeichnung „Living Legend“ der US-Kongress-Bibliothek, in deren Umfeld er als Experte für die amerikanische Musikgeschichte gefragt ist. Im Festspielhaus Baden-Baden sang Thomas Hampson unter anderem den Amfortas in Richard Wagners Oper Parsifal und den Grafen Almaviva in Le nozze di Figaro.

Die amerikanische Sopranistin Nadine Sierra hat wie Hampson erfolgreich den Sprung über den „großen Teich“ auf die europäischen Opernbühnen geschafft. Sie wird bei dieser American Night in Baden-Baden ebenso mit von der Partie sein wie der dritte Amerikaner im Bunde: Tenor Michael Fabiano, der aus New Jersey den Sprung an die Metropolitan Opera schaffte.

Dirigent Sir Ivor Bolton ist seit der Saison 2016/2017 Chefdirigent des Sinfonieorchesters Basel. Der gebürtige Brite vertritt an diesem Abend die Heimat der Pilgerväter, die sich einst auf der Mayflower auf den Weg machten, Amerika zu besiedeln.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

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