Hannover, Staatsoper Hannover, Oedipus Rex – Psalmensinfonie – Konzertant, 27.04.2019

April 18, 2019 by  
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Staatsoper Hannover 

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Oedipus RexPsalmensinfonie – Konzertant

Die nächste Premiere an der Staatsoper Hannover ist ein konzertanter Abend mit zwei Werken aus Igor Strawinskys neoklassizistischer Phase – das Opern-Oratorium Oedipus Rex und die Psalmensinfonie sind ab dem 27. April 2019 unter der Musikalischen Leitung von Valtteri Rauhalammi zu hören. In beiden Kompositionen vertont Strawinsky geradezu archaische Texte – einmal den Oedipus-Mythos in der Dramatisierung des Sophokles (497 – 406 v. Chr.), neben Aischylos und Euripides der bedeutendste Tragödiendichter der Antike, und ein anderes Mal alttestamentarische Psalmtexte aus etwa derselben Zeit.

Gemeinsam mit dem Niedersächsischen Staatsorchester Hannover sind Mitgliedern des Sängerensembles zu erleben, so übernimmt unter anderem Khatuna Mikaberidze die Partie von Oedipus‘ Mutter und Frau. Zudem sind der bekannte Tenor Raymond Very in der Rolle des Oedipus und Bariton Michael Kupfer-Radecky als dessen Schwager Kreon zum ersten Mal an der Staatsoper Hannover zu Gast. Für die Partie der Sprecherin konnte die Schauspielerin Mechthild Großmann mit ihrer markanten Stimme gewonnen werden. Der zweite Teil des Abends steht ganz im Zeichen des Opernchors der Staatsoper – die Sängerinnen und Sänger interpretieren das drei-sätzige Werk, in dem Strawinsky Verse aus den Psalmen 38, 39 und 150 vertonte.

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

München, Münchner Kammerspiele, Dionysos Stadt – Christopher Rüping, IOCO Kritik, 16.10.2018

Münchner Kammerspiele @ Gabriela Neeb

Münchner Kammerspiele @ Gabriela Neeb

Münchner Kammerspiele

Dionysos Stadt –  Christopher Rüping

10 Stunden Antike  –  Absturz ins Allzumenschliche

Von Hans-Günter Melchior

Wer hält heute abend durch?, fragt Nils Kahnwald im Prolog. Und wer hält überhaupt durch unter den Mühseligen und Beladenen im Zuschauerraum. Mal ehrlich, so die Frage an die Anwesenden, wer von Ihnen glaubt, in einem Jahr noch zu leben? Und wer in zehn Jahren? Und wer in 50? Schwache Meldungen. Statistisch sterben unter einer größeren Anzahl von Menschen zwei in einem Jahr, in zwei…, und so weiter.

Aber im Theater geht es um Jahrtausende. Dreitausend Jahre braucht Herakles, Prometheus zu befreien, hier gelten andere Dimensionen. Der Geist fliegt ins Weltall des Denkens. Wir aber, die Zuschauer, sind Sterbliche.

Und dann geht es los im Stück, das von 13.00 Uhr bis 23.00 Uhr dauert am Samstag, während die Sonne scheint und die Stadt im gewohnten Optimismus badet. Extravagante Gestalten auf der Maximilianstraße, international, blasiert, naserümpfend am Theater vorbei…

10 Stunden sind lang. Und viel zu kurz für das Leben, das hier aufsteigt und fällt und wieder aufsteigt und ist, wie es ist: klein und groß und so richtig – ja: wörtlich – beschissen wie der an einen Felsen gekettete Prometheus vom Adler, und dann wieder in die Höhe geschleudert vom Pathos der Sieger und Überlebenden.

Dionysos Stadt  –  Der Abend ist aufgeteilt in vier Abschnitte:

– Prometheus, die Erfindung des Menschen
– Troja, der erste Krieg
– Orestie, Verfall einer Familie
– Was hat das mit Dionysos zu tun?

Die beiden ersten Teile sind ganz großes Theater. Welttheater. Bewegend, ergreifend, anrührend. Man bebt ein wenig innerlich mit. Sprachlich auf höchstem Niveau.

Münchner Kammerspiele / Dionysos Stadt - hier Benjamin Radjaipour als Prometheus und: Nils Kahnwald, Maja Beckmann, © Julian Baumann

Münchner Kammerspiele / Dionysos Stadt – hier Benjamin Radjaipour als Prometheus und: Nils Kahnwald, Maja Beckmann, © Julian Baumann

1. Teil: Prometheus bringt den Menschen das Feuer

Sie werden gleichsam als freie Menschen geboren und vom Sklavenstand befreit (jedenfalls ist dies das im Stück angelegte Hoffnungsprojekt: erhabene Selbstermächtigung). Ermächtigt nämlich, sie selbst zu sein, frei: Unabhängige Forscher, Denker, Eroberer der Natur, befähigt zur Errichtung gesellschaftlicher Systeme, die Ordnung und Organisation verheißen. Und vor allem: in die Lage versetzt, sich von der Allmacht der Götter zu befreien.

Prometheus (Benjamin Radjaipour) verscherzt sich die Gunst der Götter (Zeus: Majd Feddah). Er wird an einen Felsen geschmiedet. Im Stück in einen Käfig gesperrt, der hochfährt und ihn der Erde entrückt. Ein Adler frisst seine täglich nachwachsende Leber und Milz, entleert sich über ihm, er muss sich vom Kot des Adlers ernähren. Schließlich wird er mit großer Mühe von Herakles befreit. Gegen seinen Willen in die existentiellen Zweifel menschlichen Daseins gestoßen.

Die „ersten Menschen“ werden also geschaffen (Nils Kahnwald und Wiebke Mollenhauer). Die wirklichen Menschen. In einer Jubelszene ohnegleichen lassen sich die beiden Schauspieler von der Bühne herab voller Vertrauen, eben in die Menschlichkeit der Menschen, in die ausgestreckten Arme des aufgestandenen Publikums fallen, das sie von der ersten bis zur letzten Reihe auf Händen weiterbefördert. Ein ergreifender Augenblick.

 Münchner Kammerspiele / Dionysos Stadt - hier die Erschaffung der ersten Menschen © Julian Baumann

Münchner Kammerspiele / Dionysos Stadt – hier die Erschaffung der ersten Menschen © Julian Baumann

2. Teil: Der trojanische Krieg

Verwendet werden die literarische Vorlagen: die Ilias von Homer, die Troerinnen von Euripides in den Übersetzungen von Kurt Steinmann und Walter Jens, John von Düffel und Ernst Buschor.

Der Text darf als bekannt vorausgesetzt werden. Wunderbar herausgearbeitet wird in dieser Inszenierung der tiefe Fall der Menschen auf das Niveau ihres schlechten Menschseins: Grausamkeit, Blutrünstigkeit, Habgier, Rache, Ruhmsucht. Der unmenschliche Mensch verleugnet sich selbst, enttäuscht die Hoffnungen, die sich an seine Befreiung von den Göttern knüpften.

Ein großartiges Panorama historischen Verfalls. Geradezu bedeutend in der filigranen, äußerst fein- und tiefsinnigen Herausarbeitung der menschlichen Konflikte: der Streit der Frauen Helena (Maja Beckmann), Andromache (Gro Swantje Kohlhof) und Kassandra (Wiebke Mollenhauer) um Schuld und Sühne und um die Tötung des Kindes, das Andromache, die Witwe des von Achill (Wiebke Mollenhauer) getöteten trojanischen Helden Hector (Majd Feddah) auf dem Arm hält. Es geht um letzte Fragen menschlicher Moral; sie wird politisch-strategischem Kalkül geopfert. Das Kind wird von einem Felsen gestürzt, um einen möglichen künftigen Rächer zu beseitigen.

Münchner Kammerspiele / Dionysos Stadt - hier : Wiebke Mollenhauer, Nils Kahnwald, Maja Beckmann, Majd Feddah Wiebke Mollenhauer, Nils Kahnwald, Maja Beckmann, Majd Feddah (v.l.n.r.)  © Julian Baumann

Münchner Kammerspiele / Dionysos Stadt – hier : Wiebke Mollenhauer, Nils Kahnwald, Maja Beckmann, Majd Feddah Wiebke Mollenhauer, Nils Kahnwald, Maja Beckmann, Majd Feddah (v.l.n.r.)  © Julian Baumann

3. Teil: Die Orestie

wird – leider – ein wenig der Perfomance geopfert. Gags drängen sich zuweilen vor. Alltagssprache und Vordergründiges, Flapsiges und Kleinliches beherrschen den Tonfall. Allenfalls angelehnt sind die Texte an „Agamemnon“ und „Die Choephoren“ von Aischylos, an „Elektra“ von Sophokles, „Iphigenie in Aulis“, „Elektra“ und „Orestes“ von Euripides und „Thyestes“ von Seneca.

Misslaunig kommt Agamemnon (Peter Brombacher) nach Hause, behauptet, freilich, sich wohl zu fühlen. Isst wie ein „Scheunendrescher“ (so Klytaimnestra: Maja Beckmann), sieht sich um und versucht, nach 12-jähriger Abwesenheit in Kriegsangelegenheiten wieder Anschluss zu finden. Man weiß es: er wird nicht lange glücklich sein zu Hause. Aigisthos (Majd Feddah) und seine Geliebte Klytaimnestra machen ihm in der Badewanne den Garaus.  Orestes (Nils Kahnwald) rächt den Vater –, Tatbegehung wie gehabt in der Badewanne. Foto.

Das Publikum darf auf die Bühne und zuschauen. Es gibt was zu trinken. Grad lustig ist es an diesem Samstag vor der dräuenden Wahl auf der noblen Maximilianstraße.

Münchner Kammerspiele / Dionysos Stadt - hier : Benjamin Radjaipour, Nils Kahnwald (v.l.n.r.) © Julian Baumann

Münchner Kammerspiele / Dionysos Stadt – hier : Benjamin Radjaipour, Nils Kahnwald (v.l.n.r.) © Julian Baumann

4 Teil: Nun ja – Eine Zutat zur Linderung des Schmerzes. Spiel im Spiel

Das Programmheft rechtfertigt diesen Teil mit der Erwägung, auch im antiken Griechenland habe dem tragischen Hauptteil einer Aufführung zur Auflockerung und Entspannung ein leichtes, unterhaltsames und meist lustiges Stück angehängt. Da sei gesoffen und mit deftigen Ausdrücken um sich geworfen worden. Eine vertretbare Ansicht.

Zunächst spielen die Protagonisten ein wenig Fußball auf zwei kleine Tore. Etwas zu lange, wenn auch engagiert. Dann trägt Nils Kahnwald einen Text vor, der in gekonnt hoher Sprache schwingt. Mit Dionysos hat er gar nichts zu tun. Jedenfalls bedarf es einer etwas zwanghaften Interpretation, um ihn in das bisherige Theatergeschehen einzuordnen.

Held ist das Fußballgenie Zinedine Zidane in der Textvorlage „La Mélancholie de Zidane“ von Jean-Philippe Toussaint, der sich literarisch schon verschiedene Male über Fußball ausließ.

Münchner Kammerspiele / Dionysos Stadt - hier : Majd Feddah als Hector © Julian Baumann

Münchner Kammerspiele / Dionysos Stadt – hier : Majd Feddah als Hector © Julian Baumann

Zidane wurde beim Endspiel um die Fußballweltmeisterschaft am 9. Juli 2006 in Berlin zwischen Italien und Frankreich (Italien gewann im Elfmeterschießen nach der Verlängerung) vom Platz gestellt, weil er seinem Gegner einen Kopfstoß gegen die Brust oder den Magen versetzte.

Toussaint ordnet dieses Geschehen in einen melancholischen Weltzusammenhang ein: Zidane hat nicht mehr die Kraft und den Willen, die Niederlage abzuwehren, eine Wolke allgemeiner Vergeblichkeit senkt sich über sein Gemüt und lässt in verzagen.

Das Geschehen ist literarisch deutlich überhöht. Der Rezensent war bei dem Spiel in Berlin am 9. Juli 2006 im Stadion. Der Vorfall war ausgesprochen prosaischer Natur. Er ereignete sich abseits vom aktuellen Spielgeschehen, der Ball war woanders, es handelte sich nicht um eine Zweikampfszene. Zidane oder dessen Schwester – wie man später erfuhr – wurde von seinem Gegenspieler durch eine Beleidigung gereizt. Zunächst wussten nur wenige, was überhaupt geschehen war. Auch der Schiedsrichter musste sich beim Linienrichter erst informieren. Zidane verließ mit gesenktem Kopf den Platz. Aus der Sicht eines Fans vielleicht ein Drama…Was solls. Eine Auflockerung nach 9 Stunden. Mehr nicht.

Insgesamt ein denkwürdiger Abend, nein: ein Theatertag. Viel Beifall. Zu Recht

Dionysos Stadt an den Münchner Kammerspiele; die weiteren Vorstellungen:  24.11.; 25.11.; 29.12.; 30.12.2018; 5.1.2019; 6.1.2019

 

—| IOCO Kritik Münchner Kammespiele |—

 

Osnabrück, Theater Osnabrück, Barockoper Antigona – Tommaso Traetta, IOCO Kritik, 22.01.2018

Januar 24, 2018 by  
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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

  Barockoper  Antigona  von Tommaso Traetta

Musikalisches Manifest gegen Tyrannei

Von Hanns Butterhof

Der Barockkomponist Tommaso Traetta (1727 – 1779) war Musik-Zeremonienmeister der Zarin Katharina. Im Petersburger Hoftheater wurde 1772 mit Antigona sein Hauptwerk uraufgeführt, das sich jetzt im Theater am Domhof als überraschend aktuell erweist und einen großen Premierenerfolg feiern konnte.

Traetta und sein Librettist Marco Coltellini gehen von der über zweitausend Jahre alten AntigoneTragödie des griechischen Dichters Sophokles (496 – 406) aus. Doch statt des Konflikts zwischen persönlichem Gewissen und Staatsgesetz breitet Antigona die dramatischen Geschehnisse beim Kampf um die Herrschaft in Theben aus, um die Unmenschlichkeit einer Politik anzuklagen, die mitleidslos und kalt ihre Sachzwänge als alternativlos durchzieht.

Theater Osnabrück / Antigona - hier Tödlicher Kampf um die Krone. Kenneth Gérard, Kevin Ruijters (vorn) © Jörg Landsberg

Theater Osnabrück / Antigona – hier Tödlicher Kampf um die Krone. Kenneth Gérard, Kevin Ruijters (vorn) © Jörg Landsberg

Für „Antigona“ hat Dieuweke van Reij einen leeren, leicht altgriechisch anmutenden Saal als Einheitsbühne gebaut, den Alex Brok in das sepiabraune Licht von alten Fotos taucht. Die Kostüme verorten die Handlung in einer bäuerlichen Gesellschaft der Gegenwart.

Zur Ouvertüre zeigt Regisseur Floris Visser in knappen Szenen, wie die beiden Söhne des vormaligen Königs Ödipus erst miteinander spielen, bevor aus dem Ich-klaue-Dir-die-Krone-Spiel Ernst wird und beide sich im Kampf Mann gegen Mann töten. Die verwaist Krone fällt ihrem Onkel Kreon (Christian Damsgard) zu.

Mit seinem ersten Befehl als König gebietet der Uniform tragende Kreon ein Staatsbegräbnis für den einen seiner Neffen, Eteokles, während der andere, Polyneikes, unbestattet bleiben soll; Zuwiderhandelnden droht er mit dem Tod.

Theater Osnabrück / Antigona - hier Ismene und Haimon betrauern Polyneikes. Lina Liu, Katarina Morfa und Kevin Ruijters (vorn) © Jörg Landsberg

Theater Osnabrück / Antigona – hier Ismene und Haimon betrauern Polyneikes. Lina Liu, Katarina Morfa und Kevin Ruijters (vorn) © Jörg Landsberg

Die beiden Ödipus-Töchter Antigone (Erika Simons) und Ismene (Lina Liu), auch sein Sohn Haimon (Katarina Morfa) bitten Kreon vergeblich, auch Polyneikes ehrenvoll bestatten zu dürfen. Aber nur die als einzige bürgerlich gekleidete Antigone wagt die Tat, die ihr Gewissen gebietet. Anders als bei Sophokles handelt Antigone nicht allein. Im Kreise des Volks, dem der von Markus Lafleur einstudierte, beeindruckende Chor eine starke Präsenz verschafft, verbrennt sie Polyneikes‘ Leichnam; eine Vision zeigt ihr, wie Polyneikes erlöst in die Unterwelt eingeht. Unbeeindruckt auch von den mitleidigen Bitten des Volks hält Kreon an seinem Todesurteil fest. Dass er es für alternativlos hält, treibt die ganze Tragödie an, nicht wie im griechischen Mythos ein von Göttern verhängtes Schicksal.

Erika Simons ist mit ihrem klaren, koloratursicheren Sopran eine starke Antigone mit berührenden Tönen der Todessehnsucht, während Lina Liu mit ihrem tragenden, wandelbaren Sopran eine der Welt mehr zugewandte, furchtsame Ismene singt, die sich erst spät dazu durchringt, mit Antigone zu sterben. Entschlossener ist Haimon, Antigone in den Tod zu begleiten; in der für einen Kastraten vorgesehenen Partie ist Mezzosopranistin Katarina Morfa selten so überzeugend wie in ihrer flammenden Rachearie. Christian Damsgard stellt mit solidem Tenor einen soldatisch strengen Kreon dar, der sich, an seiner eigenen Härte zerbrochen, am Ende vor dem Wahnbild Polyneikes‘ hinter dem Volk verkriecht.

Die Geschichte ist nicht ohne Längen, aber Regisseur Floris Visser findet für sie schöne, der Musik gemäße Bilder. Nur das in Regievollmacht gesetzte Ende nicht schlüssig: Er folgt Traetta bis zu Kreons Einsicht und reuiger Verzweiflug, streicht dann aber das mindestens ebenso unwahrscheinliche happy end. Dabei ist das eine wie das andere die von Hoffnung getragene Botschaft der Oper, dass Politik ihre Beschlüsse nicht für alternativlos halten soll; sonst wäre sie Tyrannei.

Theater Osnabrück / Antigona - hier Erika Simons in der Titelrolle der Oper Antigona © Jörg Landsberg

Theater Osnabrück / Antigona – hier Erika Simons in der Titelrolle der Oper Antigona © Jörg Landsberg

Andreas Hotz am Pult und das Osnabrücker Symphonieorchester bringen den großen Farbenreichtum im barocken Klang der Partitur zum Leuchten. Sie machen es aber den Sängern nicht leicht, sich dagegen zu behaupten.

Bravos und Ovationen nach drei Stunden italienisch gesungener, deutsch übertitelter Musik für alle Beteiligten, vor allem Christian Damsgard und Erika Simons, den Chor, Andreas Hotz und das Osnabrücker Symphonieorchester sowie das Regieteam um Floris Visser.

Antigona ist eine Koproduktion des Theater Osnabrück mit der Amsterdamer Opera Trionfo. Am 10. 2. 2018 wird die Premiere an der Stadsschouwburg Amsterdam stattfinden. Die nächsten Termine am Theater Osnabrück: 26. und 30.1., 2.und 13.3.2018, jeweils 19.30 Uhr.

—| IOCO Kritik Theater Osnabrück |—

 

Kassel, Staatstheater Kassel, Premiere Antigona von Tommaso Traetta, 03.06.2017

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Staatstheater Kassel

Staatstheater Kassel © N. Klinger

Staatstheater Kassel © N. Klingerkassel

Antigona von Tommaso Traetta

Tragedia per musica, Text: Marco Coltellini

Premiere: Samstag, 3. Juni, 19.30 Uhr, Nächste Vorstellungen: 3.6. (19.30), 10.06. (19.30), 15.06. (19.30), 18.06. (16.00), 28.06. (19.30)

Eine Oper von 1772 nach einer antiken Tragödie in der spektakulären Bildsprache von Science Fiction und mit Anleihen aus dem Bewegungsrepertoire des Kabuki-Theaters: Der Schweizer Regisseur Stephan Müller und die international renommierte Künstlerin Goshka Macuga, die auch auf der documenta 13 vertreten war, zeigen Tommaso Traettas Antigona als Negativ-Utopie, in der sich Machtgebaren und despotische Herrschaftsformen immer nach denselben Mustern wiederholen. Die skulpturalen Kostüme dazu hat der britische Modedesigner Gareth Pugh entworfen.

Staatstheater Kassel / Antigona - Spaceship window Silhouette © Goshka Macuga

Staatstheater Kassel / Antigona – Spaceship window Silhouette © Goshka Macuga

Antigona, das ist eine Geschichte inmitten des Ausnahmezustands, in dem alle fanatisch werden. Jede einzelne Figur in dieser antiken Tragödie trägt dazu bei.

Antigonas Brüder Eteokles und Polyneikes, die beiden Söhne des Ödipus, haben sich im Kampf um die Macht gegenseitig getötet. Creonte, neuer Herrscher in Theben, lässt Eteokles mit allen Ehren begraben. Polyneikes jedoch, der sich gegen Theben gewandt hatte, soll den wilden Tieren vor den Stadtmauern zum Fraß überlassen werden. Bei Androhung der Todesstrafe verbietet Creonte seiner Nichte Antigona, die auch die Verlobte seines Sohnes Emone ist, die Bestattung ihres Bruders. Antigona jedoch widersetzt sich Creontes Befehl.

Staatstheater Kassel / Antigona © Goshka Macuga

Staatstheater Kassel / Antigona © Goshka Macuga

Der italienische Komponist Tommaso Traetta, der als Opernreformator und Neuerer 1768 an den russischen Zarenhof geholt wurde, und sein Librettist Marco Coltellini folgen weitgehend der Tragödie von Sophokles und verhandeln wie er den Konflikt zwischen persönlichem Gewissen und Staatsgesetz, setzen jedoch auch eigene Akzente. Besonders Creontes Sohn Emone, Antigonas Verlobter, erhält bei ihnen neue Facetten.

Angesichts der Neuerungen, mit denen Traetta in Antigona die Konventionen der Barockoper hinter sich lässt, könnte man fast von einer „Experimentieroper“ sprechen, wie der Dirigent Jörg Halubek ausführt. Traetta lässt Ensembles, Arien und Chöre ineinander übergehen und hat farbenreiche sprechende Instrumentalpassagen voll düsterer Moll-Wendungen und Chromatik geschrieben.

Musikalische Leitung: Jörg Halubek, Inszenierung: Stephan Müller, Bühne: Goshka Macuga (Design) und Siegfried E. Mayer (Produktion), Kostüme: Gareth Pugh, Video: Sophie Lux, Choreografie: Deborah Smith-Wicke, Dramaturgie: Ursula Benzing, Chor: Marco Zeiser Celesti

Mit Elizabeth Bailey / Jaclyn Bermudez (Antigona, Prinzessin von Theben),  Maren Engelhardt (Ismene, ihre Schwester), Bassem Alkhouri (Creonte, ihr Onkel mütterlicherseits), Marta Herman (Emone, sein Sohn), Musa Nkuna (Adrasto, ein thebanischer Edler), Karim Afoun und Dhimas Satwiko (Tänzer, Söhne des Ödipus) sowie Staatsorchester Kassel und Opernchor des Staatstheaters Kassel

Kostprobe: Montag, 29. Mai, 18 Uhr Opernhaus (17.45 Uhr Einführung)

—| Pressemeldung Staatstheater Kassel |—

 

 

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