Lockenhaus, Kammermusikfest 2020, Nicolas Altstaedt, Gidon Kremer, Andras Schiff…, IOCO Kritik, 15.07.2020

Burg und Kirche Lockenhaus - im abendlichen Nebel © a4grafik

Burg und Kirche Lockenhaus – verträumt im abendlichen Nebel © a4grafik

Kammermusikfest  Lockenhaus

Kammermusikfest  Lockenhaus   2. – 11. Juli 2020

– Eine Feier der Musik –

von Hans-Günter Melchior

 Sie kennen Lockenhaus nicht? Nie gehört? Dann also ganz von vorne!

Lockenhaus liegt im Burgenland in Österreich, ungefähr in der Mitte zwischen Wien und Graz, nur wenige Kilometer von der Grenze nach Ungarn entfernt.

Kammermusikfest Lockenhaus / hier: künstlerischer Leiter und Cellist Nicolas Altstaedt @ Niklas Schnaubelt

Kammermusikfest Lockenhaus / hier: künstlerischer Leiter und Cellist Nicolas Altstaedt @ Niklas Schnaubelt

Die kleine Gemeinde Lockenhaus hat 1.981 Einwohner. Das Zentrum wird beherrscht von der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Nikolaus, die in den Jahren 1656-1669 von dem italienischen Baumeister  Pietro Orsolini erbaut wurde. Über dem Dorf thront wie ein Adlerhorst eine mittelalterliche Ritterburg, die eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Nachdem sie im 19. Jhdt. zu verfallen drohte, nahm sich Fürst Esterházy der Renovierung an. Heute befindet sich die Burg in gutem Erhaltungszustand, ein höchst eindrucksvoller Gebäudekomplex, von dem aus man einen weiten Blick ins Tal hat.

Um die mächtigen Mauern raunen noch heute schreckliche Geschichten. Hier hat erwiesenermaßen die blutrünstige ungarische Gräfin Elisabeth Báthory residiert, die sich den zweifelhaften Ruf einer Serienmörderin erwarb. Wer sensibel genug ist und in die Abgründe der Zeit hineinzuhören versteht, kann heute noch die Schreie der gequälten und zutode gefolterten Jungfrauen durch die Ritzen des Gemäuers hindurch vernehmen. Die Gräfin kam aus einer psychisch schwer gestörten Familie. Als ihre Kammerzofe eines Tages beim Frisieren zu wenig Gefühl bewies, verpasste ihr die Gräfin eine heftige Ohrfeige. Die Zofe blutete und das Blut floss auf die Hand der Herrin. Sie bildete sich ein, dass ihre Haut an dieser Stelle durch das Blut weicher und geschmeidiger geworden wäre. Um sich zu verjüngen, ließ sie deshalb im Umland 600 unverheiratete Frauen töten, in deren Blut sie badete. Lange Zeit blieben die Taten unentdeckt. Schließlich kamen die Morde doch ans Licht: die Gehilfen der Gräfin wurden zum Tode verurteilt! die Gräfin selbst „genoss“ die Privilegien des Adels: sie wurde in einen Kerker gesperrt, der nur ein schmales Luftloch und eine kleine Öffnung für das Essen besaß. Dort starb sie, hässlich geworden und auf dem Gesicht liegend.

Aber es geht hier nicht nur um Gruselgeschichten. Es geht um die Musik, die Kammermusik. Unter Musikliebhabern ist Lockenhaus ein Begriff. 1981 gründete der weltberühmte Geiger Gidon Kremer in Lockenhaus im Burgenland das Kammermusikfest. 2012 gab er die künstlerische Leitung an den Cellisten Nicolas Altstaedt ab.

St Niklaus Kirche in Lockenhaus © Alois Weber

St Niklaus Kirche in Lockenhaus © Alois Weber

Das Kammermusikfest findet jedes Jahr Anfang Juli statt, 2020 wurde es vom 2.-11. Juli veranstaltet. Dabei wurden die wegen der Corona-Pandemie gebotenen Schutz-maßnahmen eingehalten: alle musikalischen Aufführungen fanden dieses Mal in der Kirche  St. Nikolaus statt; nicht wie sonst im Wechsel zwischen Kirche und Burg, die einen kleinen Musiksaal mit erfreulicher Akustik beherbergt, während der Klang in der Kirche ein wenig hallig ist.

Bis zum Betreten der Kirche bestand Maskenpflicht, während der Darbietungen nicht. Der Abstandsregel wurde insofern Rechnung, als pro Sitzreihe nur zwei Personen Platz nehmen durften, es sei denn, es handelte sich um enge Familienangehörige. Vor Betreten der Kirche hatte man die Hände zu desinfizieren. Soweit bisher ersichtlich verlief die gesamte Veranstaltung unter dem Gesichtspunkt der Corona-Krise folgenlos.

Obwohl das Kammermusikfest nun schon 39 Jahre veranstaltet wird (meine Frau und ich besuchen es jetzt schon weit über 25 Jahre), umgibt es immer noch die Aura eines Geheimtipps unter Musikliebhabern. Man kennt sich inzwischen untereinander, zumindest vom Sehen. Unter den Besuchern finden sich ausgesprochene Musikexperten.

Viele Musikgrößen traten hier zum ersten Mal ins Blickfeld der musikalischen Öffentlichkeit. Etwa die Cellistin Sol Gabetta, die Pianistin Buniatishvili, der damals bereits etablierte und leider schon verstorbene Cellist Heinrich Schiff ließ es sich nicht nehmen Werke von Haydn und Mozart einzustudieren und selbst aufzutreten.

Die Veranstaltung ist musikalisch höchst anspruchsvoll. Geboten werden Werke aus der Musiktradition, daneben solche aus der Moderne, auch von zeitgenössischen, noch lebenden Komponisten, die manchmal anwesend sind. Arvo Pärt und Sofia Gubaidulina waren schon da, in diesem  Jahr erläuterte die schweizer Komponistin Helena Winkelman, deren Trio für Violine, Violoncello und Klavier Nine Micro-Bagatelles or Nine Visitations from the Past uraufgeführt wurde, ihr Werk. Daneben kommen auch Chorwerke und Gesangsstücke zur Aufführung.

Regelmäßig findet eine etwa 1½-stündige Matinee statt. Wer will, kann am späten Nachmittag an einer Werkstattveranstaltung teilnehmen, die in die bestimmte Kompositionen und ihre Interpretation einführen. Am Abend folgt dann eine mindestens 2-stündige weitere Veranstaltung, manchmal geht es bis in die späten Abendstunden weiter. Ein Stummfilmaufführung des berühmten Fritz-Lang-Films Dr. Mabuse mit Klavier- und Schlagwerkbegleitung endete erst um 2.00 Uhr nachts.

Kammermusikfest Lockenhaus / Gidon Kremer (links) - friends © Niklas Schnaubelt

Kammermusikfest Lockenhaus / Gidon Kremer (links) – friends © Niklas Schnaubelt

Die ausführenden Künstler sind in der Mehrheit junge Frauen und Männer mit teilweise bereits internationaler Reputation. Etwa die Geigerin Vilde Frang, der Cellist Vashti Hunter, aber auch die schon etwas älteren Solisten wie der Pianist Alexander Lonquich (der mit mit den Diabelli-Variationen brillierte) oder der Geiger Barnabas Kelemen und –, nicht zu vergessen –, der bereits international sehr bekannte Cellist Nicolas Altstaedt.

Gidon Kremer (siehe Foto oben) spielte mit Georgijs Osokins die Sonate für Violine und Klavier op.136 b und mit Madara Petersone die Sonate für zwei Violinen von Miecyzslaw Weinberg. Kremers Anliegen ist es, dem lange fast vergessenen genialen Komponisten Weinberg zu seinem postumen Recht zu verhelfen. Er wird nicht müde, auf das hohe Niveau dieser Musik hinzuweisen, auch außerhalb von Lockenhaus.

 Kammermusikfest Lockenhaus / hier Andras Schiff @ Niklas Schnaubelt

Kammermusikfest Lockenhaus / hier Andras Schiff @ Niklas Schnaubelt

Absoluter Höhepunkt war der Auftritt von András Schiff, dessen hinreißend vergeistigte und hochsensible Interpretation von Ludwig van Beethovens Klaviersonaten E-Dur op.109, A-Dur op. 110 und c-Moll op.111 Beifallsstürme hervorrief. Der Ausnahmekünstler beantwortete die begeisterte Reaktion des Publikums mit einer langen Zugabe. Vor den Sonaten trug er ein nicht im Programm stehendes Werk von Bach vor, den er für den größten Komponisten aller Zeiten hält.

Naturgemäß dominierten im Beethovenjahr die Werke dieses Komponisten, der wegen der Corona-Krise im offiziellen Konzertbetrieb eindeutig nicht hinreichend gewürdigt werden konnte.

Die Komponisten, die sonst noch in Lockenhaus alle zur musikalischen Sprache kamen, können in einem kurzen Bericht nicht benannt werden. Eine lange Liste. Etwa Brahms. Schubert, Debussy, Dvorák, Kodály, Berio und vor allem Bartók – dieser insbesondere mit dem berühmten Quintett für Klavier und Streichquartett DD 77 und den Tristan-Anklängen im Kopfsatz sowie den Besonderheiten in der Diatonik –, Zimmermann, Ravel uva., deren Werke mit größtem Engagement, manchmal jugendlichem Elan und vor allem mit bewundernswerter Könnerschaft dargeboten wurden.

Die verzaubernde St Nikolaus Kirche in Lockenhaus / 2020 auch Spielort des Kammermusikfest  @ Alois Weber

Die verzaubernde St Nikolaus Kirche in Lockenhaus / 2020 auch Spielort des Kammermusikfest  @ Alois Weber

Genug. Dies kann nur ein Überblick sein. Zugegeben: es waren 10 nicht ganz leichte Tage. Eine hohe intellektuelle Herausforderung, vier bis fünf  Stunden und manchmal mehr zum Teil recht schwierige Musik pro Tag, die die volle Konzentration forderte. Eine Musik, die nicht auf der Zunge zergeht, sondern ein existentielles Zentrum ansteuert, sich auseinandersetzt mit ihrem Stoff.

Aber lohnende, beglückende Tage. Man wird hineingezogen in die Begeisterung der Künstler für die Werke und deren Interpretation. Ins Neue am Alten, ins Alte am Neuen. So ist man Teil der Aufführung, mitdenkend, mitfühlend, mitspielend, den Nuancen und Raffinements nachspürend.

Und immerhin am späten Abend, nicht in Lockenhaus sondern im 16 km entfernten Kirchschlag, in der buckligen Welt, im Hotel Post, wo man vorzugsweise wohnt, die Erholung bei einem vorzüglichen Blaufränkischen genießt und wünscht, wäre es doch schon Juli 2021 und bliebe man gesund…

—|IOCO Kritik Kammermusikfest  Lockenhaus |—

Dresden, Sächsische Staatskapelle, Camille Saint-Saëns  –  Gustav Mahler, IOCO Kritik, 18.09.2019

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle – Sol Gabetta – Daniele Gatti   

Camille Saint-Saëns  –  Gustav Mahler

von Thomas Thielemann

Dem Komponisten Charles Camille Saint-Saëns (1835-1921) sagten Zeitgenossen nach, dass er von keiner Leidenschaft geplagt gewesen sei. Nichts habe die Klarheit seines Verstandes getrübt. Er wäre von Anfällen krankhafter Müdigkeit geplagt gewesen, verfügte aber andererseits über einen wunderlichen Humor und einen kapriziösen Geschmack für Parodien, Burlesken, Possenhaftem. Zugleich trieb ihn eine ruhelose erregte Laune durch die Welt, was ihn zu vielfältigen, zum Teil exotischen Kompositionen anregte, die sein vagabundierendes Denken über Epochen und Landschaften widerspiegelten. Seine Musik zeichnet sich besonders durch handwerkliche Meisterschaft, formale Strenge und Eleganz des Klanglichen aus.

Sächsische Staatskapelle Dresden – 2. Symphoniekonzert 2019/20

Sächsische Staatskapelle / 2. Symphoniekonzert - hier : Sol Gabetta © Markenfotografie

Sächsische Staatskapelle / 2. Symphoniekonzert – hier : Sol Gabetta © Markenfotografie

Sein Violoncello-Konzert a-Moll op. 33 von 1872 ist für jeden Solisten ein Paradestück und sehr beliebt. Statt der üblichen dreisätzigen Konzertform strukturierte Saint-Saëns seine Arbeit in einem Satz, der allerdings drei eng verbundene Ideen enthält. Im 2. Symphoniekonzert der Saison 2019/20 spielte die Capell-Virtuosin der laufenden Saison Sol Gabetta das Konzert mit der Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Daniele Gatti. Beide haben als Gastmusiker schon des Öfteren im Semperbau mit großem Erfolg musiziert, so dass es keine Berührungsprobleme zu überwinden gab. Auch gehört Sol Gabetta inzwischen mit ihrem virtuosen kraftvollen Spiel und ihrer enormen Bühnenpräsenz zu den eindrucksvollsten Musikerinnen unserer Zeit. Mit einem Lächeln im Gesicht meisterte sie die enorm anspruchsvollen Schwierigkeiten  des Soloparts, insbesondere im letzten Abschnitt des Konzerts. Berückend bot sie auch die Kadenz im Menuett-Mittelteil. Dazu kam der warme Klang ihres Instruments, das 1730 in der Werkstatt des Cello-Spezialisten Matteo Goffriller in Venedig gebaut worden ist.

Das Familiengrab von Camille Saint-Saens in Paris © IOCO

Das Familiengrab von Camille Saint-Saens in Paris © IOCO

Daniele Gatti begnügte sich mit einer dienenden Rolle und ließ die Solistin überwiegend im dramatischen und musikalischen Vordergrund. Er führte die Musiker der Staatskapelle einfühlsam und flexibel, bot so die Gegenmelodien zurückhaltend.

Besondere Begeisterung entfachte die Zugabe der Solistin und des Orchesters mit Gabriel Faurés  „Plays Aprés un rêve“.

Nach der Pause folgte dann Gustav Mahlers fünfte Symphonie. Mit keiner seiner Kompositionen plagte sich Mahler mit der Instrumentierung so, wie bei diesem Werk. Nach den Symphonien zwei, bis vier war das nächste Werk dieser Gattung das erste ohne Einbeziehung der menschlichen Stimme. In den Sommerferien 1901 und 1902 konzipiert, 1903 erstmals instrumentiert, fand die Uraufführung 1904 statt. Die heute dargebotene Instrumentierung ist allerdings eine Mahler-Überarbeitung aus seinem Sterbejahr 1911.

Die Verwendung des Adagietto als Filmmusik in Viscontis  “Tod in Venedig“ hat massiv zur Popularität der Komposition beigetragen, so dass sie heute eine der beliebtesten und am häufigsten aufgeführte Symphonie Mahlers ist. Das Werk ist voll von Themen, Gegenthemen, schnellen Stimmungswechseln und hat einen gewaltigen Dynamikumfang. Gatti gelingt mit den Musikern aber auch ein Spiel mit Weichheit und Transparenz. Hervorragend werden die langen Passagen von den Blechbläsern der Kapelle freigelegt. Bei der Häufigkeit der unterschiedlichen Interpretationen war es für Gatti schwierig, Besonderheiten, die auch seinem Stil entsprechen, in der Darbietung unterzubringen. Die Anklänge an Bachs Polyphonie waren beeindruckend. Der erste Satz wurde an der Grenze des von Mahler gewünschten gemessenen Schrittes gespielt, bevor sein Dirigat Fahrt aufnahm. Der Wirkung des zweiten Satzes bekam, zumindest nach meinem Empfinden, die von Daniele Gatti vorgegeben Tempo- und Intensitätswechsel recht gut.

Sächsische Staatskapelle / 2. Symphoniekonzert - hier : Daniele Gatti © Markenfotografie

Sächsische Staatskapelle / 2. Symphoniekonzert – hier : Daniele Gatti © Markenfotografie

Das Scherzo, nach des Komponisten Einteilung bereits der II. Abteilung zugehörig, bot Daniele Gatti mit den verblassenden Erinnerungen des Lebens den Abschluss einer Entwicklung. Denn fast plötzlich ist das Adagietto als das Markenzeichen jeder Interpretation und als Ruhebereich von Mahlers „fünfter“ da. Gatti versuchte mit seinem Dirigat die Hörerwartungen gerade zu rücken, um beim Publikum die Kino-Assoziationen aus dem Kopf zu bekommen und so ein Abgleiten in die Liebeserklärung an Alma Schindler zu vermeiden. Dazu nutzte er die melodischen Wendungen an das Rückert-Lied „ Ich bin der Welt abhandengekommen“. Letztlich gestaltete Gatti, von den flexiblen Streichern des Orchesters unterstützt, ein Atemholen vor dem unmittelbar angeschlossenen Finale.

Zunächst finden Dirigent und Staatskapelle fast zögerlich den Bewegungsrhythmus mit seinen rudimentären Motiven. Dann aber ließ Daniele Gatti die Musik Mahlers für sich sprechen und führte zum jubelnden Finale. Frenetischer Beifall des doch recht erschöpften Publikums für das Gebotene.

—| IOCO Kritik Sächsische Staatskapelle Dresden |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Sol Gabetta Trio, 28.06.2019

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Sol Gabetta Trio spielt Meisterwerke von Ravel und Schubert

Drei junge Stars, Sol Gabetta, Bertrand Chamayou und Vilde Frang spielen am Freitag, 28. Juni 2019, 20 Uhr im Festspielhaus Baden-Baden zwei der bedeutendsten Klaviertrios überhaupt – das Klaviertrio in a-Moll von Maurice Ravel und das Klaviertrio Nr. 2 Es-Dur von Franz Schubert.

“Seit vorgestern diese Sturmglocke, diese weinenden Frauen und vor allem der grauenhafte Enthusiasmus der jungen Leute… Sie glauben, ich arbeite nicht mehr? Ich habe nie so viel mit einer verrückteren und heroischeren Wut gearbeitet”, schrieb Maurice Ravel in einem Brief 1914, unmittelbar nach Beginn des ersten Weltkriegs. Ravel, neben Claude Debussy der Hauptvertreter des musikalischen Impressionismus, verbindet in seinen Werken Klangsinn und Raffinement mit Strenge und Kalkulation. Das Klaviertrio a-Moll, das er in jenem Sommer 1914 in Saint-Jean-de-Luz im Baskenland komponierte, ist sein einziges Werk dieser Gattung. Der zweite Satz, dem „Pantoum“, spielt Ravel auf den „Pantun“ an, eine Form poetischer Deklamation in Malaysia. Der dritte Satz greift die barocke Form der „Passacaille“ auf. Wie in Bachs Passacaglia oder anderen Beispielen der Gattung bildet ein Bassthema in der linken Hand des Klaviers den Ausgangspunkt. Es wandert von dort über das Cello in die Violine, wird allmählich zu einem grandiosen Höhepunkt gesteigert, um im Abklingen wieder zur Einfachheit des Beginns zurückzufinden. Die Uraufführung des Trios erfolgte im Januar 1915 in der Salle Gaveau in Paris.

„Wie eine zürnende Himmelserscheinung“ sei Schuberts Trio über das damalige „Musiktreiben“ hinweggegangen, erinnerte sich noch zehn Jahre später Robert Schumann. Für ihn blieb das Klaviertrio in Es-Dur zeitlebens Schuberts „Eigenthümlichstes“, ein Nonplusultra romantischer Kammermusik. Und er wies immer wieder darauf hin, welche große kompositorische Wirkung das Werk auf die kommende Komponistengeneration um Wilhelm Tauber und Felix Mendelssohn Bartholdy hatte. Das Es-Dur-Trio entstand im November 1827, in der Zeit der melancholischen „Winterreise“, was seinen melodischen Duktus, die harmonischen Abstürze und die existentielle Spannung erklärt. In vier Sätzen aufgebaut, hat das Trio vor allem durch den zweiten Satz, einen Trauermarsch, Berühmtheit erlangt. Als erstes von Franz Schuberts Werken wurde es außerhalb Österreichs veröffentlicht und prägte auf diese Weise nachhaltig das Bild eines Kammermusikerkomponisten Franz Schubert.

Festspielhaus Baden-Baden / Sol Gabetta © Julia Wesely

Festspielhaus Baden-Baden / Sol Gabetta © Julia Wesely

Sol Gabetta zählt zu den Stars der internationalen Klassikwelt. Die vielfach ausgezeichnete Künstlerin feierte seit ihrem Debüt 2011 im Festspielhaus Baden-Baden schon mehrfach große Erfolge, so etwa mit ihrem ersten Auftritt mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle-2014. Die Argentinierin arbeitet weltweit an den großen Konzerthäusern mit renommierten Orchestern und Dirigenten zusammen. Ihre kammermusikalischen Aktivitäten führen sie in berühmte Säle wie die Carnegie Hall in New York und die Wigmore Hall in London. In dem von ihr in der Schweiz gegründeten und geleiteten Solsberg- Festival widmet sie sich ausschließlich und intensiv der Kammermusik. Die Cellistin ist international als Solistin zu hören und unterrichtet an der Musik- Akademie Basel. 2018 erhielt sie den Herbert-von-Karajan-Preis.

Festspielhaus Baden-Baden / Vilde Frang © Marco Borggreve

Festspielhaus Baden-Baden / Vilde Frang © Marco Borggreve

Vilde Frang, die norwegische Solo-Geigerin und ehemalige Stipendiatin der Anne-Sophie-Mutter-Stiftung war schon mehrfach in Baden-Baden: 2010 brillierte sie mit Schubert und Bartók, in einem weiteren Konzert mit Werken von Elgar und Sibelius. 2013 spielte sie im Festspielhaus ein Programm mit  dem Titel „Festlicher Mozart“ und 2018 konzertierte sie unter der Leitung von Iván Fischer mit den Berliner Philharmonikern bei den Osterfestspielen. Ihr Studium absolvierte Vilde Frang u.a. an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Nach ihrem Debüt mit dem London Philharmonic Orchestra im Jahr 2007 ging es mit ihrer Karriere steil bergauf und sie ist weltweit mit Orchestern wie dem BBC Symphony Orchestra, dem Gewandhausorchester Leipzig oder dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin zu erleben. Sie spielt eine Violine von Jean-Baptiste Vuillaume von 1866.

Festspielhaus Baden-Baden / Bertrand Chamayou © Marco Borggreve

Festspielhaus Baden-Baden / Bertrand Chamayou © Marco Borggreve

Bertrand Chamayou wurde als bislang einziger Künstler bereits viermal mit dem französischen Victoires de la Musique ausgezeichnet: 2006 als „Nachwuchskünstler“, 2012 für „Bestes Album“ und 2011 und 2016 in der Kategorie „Solo Instrumentalist“. Der Klavierkünstler wurde bereits in jungen Jahren von dem Pianisten Jean-François Heisser als herausragendes Talent entdeckt und später am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique unterrichtet. Anschließend studierte er bei Maria Curcio in London. Für sein Debüt-Album beim Label Erato, das im Frühjahr 2014 erschien, spielte Bertrand Chamayou ein Schubert-Programm ein. Sein neuestes Album widmet sich Ravels Gesamtwerk für Solo-Klavier. Bertrand Chamayou ist Artist in Residence bei Gstaad Musik Festival 2019.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Essen, Philharmonie Essen, Cecilia Bartoli und Sol Gabetta – Dolce Duello, 25.11.2017

November 14, 2017 by  
Filed under Konzert, Philharmonie Essen, Pressemeldung

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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Dolce Duello- Cecilia Bartoli und Sol Gabetta © Esther Haase

Philharmonie Essen / Dolce Duello- Cecilia Bartoli und Sol Gabetta © Esther Haase

Cecilia Bartoli und Sol Gabetta  –  „Dolce Duello“

  Samstag, 25. November 2017 20 Uhr – Philharmonie Essen

Christoph Willibald Gluck © IOCO

Christoph Willibald Gluck © IOCO

Sie gehören zu den bekanntesten und populärsten Klassik-Künstlerinnen der Welt: Cecilia Bartoli und Sol Gabetta. Jetzt haben sie sich für ein ganz besonderes Gipfeltreffen der Alten Musik zusammengeschlossen: Am Samstag, 25. November 2017, um 20 Uhr treffen sich die italienische Mezzosopranistin und die argentinische Cellistin zum Dolce Duello in der Philharmonie Essen. Gemeinsam mit der Cappella Gabetta, dem von Sol Gabettas Bruder Andrés geleiteten Ensemble, präsentieren sie ein Programm mit musikalisch reizvollen Entdeckungen aus der Barockzeit von Komponisten wie Johann Adolf Hasse, Antonio Caldara, Tomaso Albinoni, Domenico Gabrielli, Carlo Francesco Pollarolo, Georg Friedrich Händel, Hermann Raupach, Luigi Boccherini und Christoph Willibald Gluck. In den Arien stecken unendlich viele Farben und Emotionen, die die beiden Künstlerinnen mit Herzblut und einem faszinierenden Hang zur Extravaganz herauskitzeln. Die Arien transportieren in jeder Sekunde die Faszination der barocken Lebensart, sich lustvoll an den üppigen Reizen des Schönen zu erfreuen. Cecilia Bartoli und Sol Gabetta spornen sich dabei gegenseitig zu virtuosen Höchstleistungen an und lassen Musik in ganz neuem Glanz erstrahlen. Ihre mitreißende Spielfreude überträgt sich im Nu und lässt das „süße Duell“ zu einer köstlichen Sinnesfreude werden.

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

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