Brenda Roberts – Diskographie – Teil 2, 08.11.2018

CD Brenda Roberts in Frao ohne Schatten Brenda Roberts in Elektra 1975 HH © Sebastian Sierke

CD Brenda Roberts in Frau ohne Schatten Brenda Roberts in Elektra 1975 HH © Sebastian Sierke

 BRENDA ROBERTS  – DISKOGRAPHIE – Teil 2

Von Rolf Brunckhorst

In diesem zweiten Teil der Diskographie geht es um die drei großen Wagner-Rollen von Brenda Roberts: Kundry, Ortrud und Isolde. Während die Lohengrin-Aufnahme aus Hamburg gerade wiederveröffentlicht wird, bleiben die beiden anderen Aufnahmen besondere Raritäten, die nur mit etwas Spürsinn aufzutreiben sind.

Die Tristan – Aufnahme stammt vom 2. Oktober 1983, am Staatstheater Mainz sang Brenda Roberts ihre erste Isolde und war schlichtweg brillant. Scheinbar mühelos, mit sicherer Höhe, und überaus verständlicher Diktion stellte sie sich gleich in der Premierenserie an die vorderste Front der Isolde-Interpretinnen. Über den ganzen Abend gab es keinerlei Ermüdungserscheinungen, und gekrönt wurde das Ganze mit einem begeisternden Liebestod. Schade daß diese Aufnahme nicht auch auf DVD festgehalten werden konnte. Das Publikum jubelte jedenfalls seiner neuen Isolde begeistert zu. Ihr Bühnenpartner Herbert Becker hat später durchblicken lassen, daß er die Abteilung „Bravo, Beifall und Blumen“ für bestellt gehalten habe, womit er genauso schief liegt wie mit vielen seiner Töne. Genau seinetwegen wäre eine DVD-Version dieses Abends eher unerfreulich, war er doch in einen weißen Dandy-Anzug gewandet, während er dann später auf der Premierenfeier in seiner Oberförster-Kluft erschien. Stimmlich gab es viele kritische Stellen, und das Liebesduett war eine Meisterleistung von Brenda Roberts. Weniger Freude bereitete auch die Brangäne des Abends, Verena Keller, die so nervös war, daß sie die gesamten Wach-Rufe zu leise und zu zittrig sang. Laslo Anderko gab einen stimmlich taufrischen, sehr energischen und nachhaltigen Kurwenal, der mit seiner großen Stimme erfreulicherweise sehr differenziert umgehen konnte. Mit großem wohlklingenden Bass zelebrierte Karl Schreiber seine Auftritte als König Marke. Am Pult waltete Mladen Basic, dessen Verdienst es war, ein Ensemble, welches unterschiedliche Wagner-Kenntnisse mit in die Proben brachte, zu einem funktionierenden Wagner-Ensemble zu formen. Das Orchester klang selbst bei den heiklen Bläser-Einsätzen äußerst souverän, und das Publikum bejubelte diese Premiere rückhaltlos.

 Tristan & Isolde Aufnahme in Mainz mit Brenda Roberts als Isolde

Tristan & Isolde Aufnahme in Mainz mit Brenda Roberts als Isolde

Die Vorgeschichte zu diesem Oldenburger Parsifal vom 1. Juni 1985 ist relativ bekannt: Ohne die Partie der Kundry jemals vorher auf der Bühne gesungen zu haben, sprang Brenda Roberts in letzter Minute als Kundry ein und rettete die Vorstellung. Glücklicherweise konnte der geneigte Hörer schon in den kurzen Passagen des ersten Aktes ahnen, daß es für diese Kundry keine großen stimmlichen Probleme geben würde. Und tatsächlich schon in den ersten Aufschreien in der Klingsor-Szene zeigte Brenda Roberts, wie man eine Kundry auf die Bühne zu stellen hat. Sie klang weich und verführerisch bei den ersten Parsifal-Rufen, bewältigte in den Monologen ohne Mühe die gefürchteten Intervallsprünge und Spitzentöne, um schließlich in einem nahezu hysterischen Ausbruch Parsifal zu verfluchen und in die Irre zu schicken. Das Publikum dankte der glücklichen Debütantin mit lang anhaltendem Applaus. Da der dritte Akt dieser Aufführung unweigerlich verloren ist und auch die anderen „Nicht-Roberts-Szenen“ fehlen, kann über die restliche Besetzung nicht weiter geurteilt werden. In Erinnerung geblieben ist dem Rezensenten jedoch ein prächtig auftrumpfender Bernard Lyon als Amfortas, ein von der Stimme und Gestaltung her eher blasser Mario Brell in der Titelpartie, und ein belastbarer Heinz Klaus Ecker als Gurnemanz, der seine langen Monologe souverän bewältigte. Der Dirigent des Abends, Wolfgang Schmid, kümmerte sich intensiv um seine Kundry-Debütantin und hielt das Orchester erstaunlich klangschön beisammen.

Parsifal Aufnahme aus dem Jahr 1985 mit Brenda Roberts als Kundry

Parsifal Aufnahme aus dem Jahr 1985 mit Brenda Roberts als Kundry

Die Ortrud in Richard Wagners Lohengrin hat Brenda Roberts an der Hamburgischen Staatsoper in zahlreichen Vorstellungen verkörpert. So hat sie z.B. in der Premierenserie 1977 alle Vorstellungen gesungen, und ist auch später in den Wiederaufnahmen als Ortrud zu hören gewesen.  Im ersten Akt  hat die Ortrud kaum dankbare Aufgaben, mancher Zuschauer, der mit dem Werk nicht sonderlich vertraut ist, wird sie vielleicht gar nicht auf der Bühne entdecken; anders Brenda Roberts: Schon mit den ersten Tönen im Schlußensemble blüht die Stimme voll auf und man erkennt die Vorteile, die die Besetzung der Ortrud mit einem hochdramatischen Sopran bietet. Für die düsteren Passagen des zweiten Aktes wird die Stimme abgedunkelt und Ortrud träufelt der verängstigten Elsa leise zischelnd ihr Gift ins Ohr. Danach ist die Stimme von Brenda Roberts wie ausgewechselt: die „Entweihten Götter“ ertönen, und das jetzt wieder mit der vollen Wucht einer hochdramatischen Sopranistin. Mit beißendem Hohn schleudert Ortrud in ihrer finalen Szene am Ende des dritten Aktes ihr „Fahr‘ heim, fahr‘ heim“, dem fassungslosen Lohengrin und der gesamten brabantischen Bevölkerung entgegen  –  eine Glanzrolle für Brenda Roberts. Ihr zur Seite fügte sich Caterina Ligendza nahtlos in dieses Konzeption ein, sie wirkte überängstlich, geradezu verhuscht, und bot mit ihrem lyrischen Klang, dem silbrigen Timbre und einer gut gespielten Hilflosigkeit den hellen Gegenpol zur Ortrud.

Diese Aufnahme zeigt außerdem René Kollo als Lohengrin auf dem Höhepunkt seiner Kunst. Einfach wunderbar gelangen ihm die Schwanen-Lieder und die Brautgemach-Szene. An der faszinierenden Gralserzählung führte Kollo noch einmal sein ganzes Können vor. Auch Siegmund Nimsgern als Telramund zeigt sich als stimmschöner Heldenbariton, der allerdings immer zu kuschen hat, wenn seine Ortrud das Wort führt. Kurt Moll als König Heinrich demonstrierte nachhaltig, warum er Jahrzehnte lang als einer der weltbesten Bässe galt. Bedenkt man, daß der Heerrufer Franz Grundheber hieß, und Horst Stein am Pult des Philharmonischen Orchesters wahre Wagner-Wonnen initiierte, muß man einmal mehr daran erinnern, auf welch hohem Niveau sich die Hamburgische Staatsoper in den Sechziger und Siebziger Jahren befand.

—| IOCO CD-Rezension |—

Bonn, Theater Bonn, Premiere SnoWhite: Was wirklich mit Schneewittchen geschah, IOCO Kritik,

September 4, 2012 by  
Filed under Kritiken, Musical, Theater Bonn


Kritik

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Theater Bonn

Theater Bonn / Premiere snoWhite Queen (Aino Laos) © Lilian Szokody

Theater Bonn / Premiere snoWhite Queen (Aino Laos) © Lilian Szokody

Theater Bonn / Premiere snoWhite Queen (Aino Laos) © Lilian Szokody

Theater Bonn / Premiere snoWhite Queen (Aino Laos) © Lilian Szokody

Theater Bonn © Theater Bonn

Theater Bonn © Theater Bonn

 

 

 

 

 

 

Schneewittchen Modern:
Frustrierte Hexen, Breakdance, Rapper, Rock

Nein, ein verzauberndes Kindermärchen, wie Schneewittchen der Brüder Grimm, ist das von Frank Nimsgern, (43), für das Theater Bonn produzierte Musical SnoWhite wahrlich nicht. Jugendliche wie reife Fans erwartet dagegen in Bonn eine heiße SnoWhite-Produktion (Tonbeispiele nächster Absatz), welche bald in der ersten Reihe großer Musical stehen wird. Frank Nimsgern, ausgebildeter Jazzgitarrist, komponiert seit Jahren zahlreiche Crossover aus klassischen Themen mit Musikstilen, Jazz, Soul, Rhythm & Blues nach selbst gestalteten musikdramatischen Konzepten. So auch SnoWhite. Durch Ausbildung und Vater, dem bekannten Wagner-Sänger und Grammy-Preisträger, Siegmund Nimsgern musikalisch vorbelastet, komponiert und produziert Frank Nimsgern modern wie erfolgreich: Für klassisches Musiktheater, Film, Fernsehen, Werbung und Show. Mal greift er zurück auf die Brüder Grimm (Hänsel und Gretel, Schneewittchen), dann auf Edgar Allen Poe oder Richard Wagners Ring-Trilogie, welche 2007/08 am Theater Bonn uraufgeführt wurde.

 

In SnoWhite transponiert Nimsgern das anrührende Kindermärchen Schneewittchen in moderne Zeiten, versetzt die dramatischen Elemente des Grimmschen Kindermärchens mit Texten, Gesängen, Tänzen und Musik der heutigen Jugend- und Erwachsenenwelt: Hexen, hinter den Zauberspiegeln der Königin gefangen, sind es leid, die immer gleiche Frage nach der „schönsten im ganzen Land“  beantworten zu müssen…. So schaffen Komponist Nimsgern und Librettist Frank Felicetti eine verschmitzt-moderne musiktheatralische Geschichte, welche sprudelnd unterhält, berauscht. Bereits SnoWhite´ erste Spielzeit 2000 am Saarländischen Staatstheater war vollständig ausverkauft. Für das Theater Bonn wurde das Musical aufwendig neu produziert.

Theater Bonn / Premiere snoWhite Queen (Aino Laos) © Lilian Szokody

Theater Bonn / Premiere snoWhite Queen (Aino Laos) © Lilian Szokody

Theater Bonn / Premiere snoWhite Queen (Aino Laos) © Lilian Szokody

Theater Bonn / Premiere snoWhite Queen (Aino Laos) © Lilian Szokody

Theater Bonn / Premiere snoWhite / Zwerge betrauern totes Schneewittchen © Lilian Szokody © Lilian Szokody

Theater Bonn / Premiere snoWhite / Zwerge betrauern totes Schneewittchen © Lilian Szokody © Lilian Szokody

Regisseur  Elmar Ottenthal, ehemals Intendant des Theater Aachen,  bringt im Theater Bonn eine spektakuläre, künstlerisch wie technisch anspruchsvolle  Neuproduktion des Musicals SnoWhite  auf die Bühne. Die Fülle abgeleiteter Märchenmotive treibt Ottenthal´s Produktion in riesige ausgefeilte Bild- und Filmprojektionen, aufwendig phantasievolle Kostüme wie beeindruckende Bühnen- und Lichttechnik. Dazu schaffen Tempo, Erzählweise und Tanz, so Ottenthal, die Grundlagen des stimmungsreichen Rockmusical SnoWhite. Die Urväter Grimm erhalten mit SnoWhite und dessen nachdenklichen wie witzig-cleveren Texten einen packend modernen Abkömmling: Freiheit suchende junge Hexen; einen vom Auftragsmörder zum Liebenden gewandelten „Jäger“;  zum Ende keine in „rotglühenden Schuhen sterbende“ sondern eine lebende, altersreife   Königin. Dazu fetzt, leidet, rockt Komponist Frank Nimsgern live und perfekt mit seiner Frank-Nimsgern-Group.

Bereits das erste Bild von SnoWhite ist stark: In der verruchten HexenkneipeWitches Inn“ singt die  Queen (Aino Laos) als Barsängerin die kultverdächtig, heiße SnoWhite-Rocksoul-Hymne: Königin ist  Queen, ist Superstar.… Spieglein, Spieglein an der Wand….Kein Weib auf der weiten, weiten Welt..den Vergleich mit ihr, mit Königin hält…  Königin ist Queen, ist SuperstarAino Laos ist tatsächlich Superstar des Stückes, nicht allein durch ihre Partie.  Aino Laos dominiert SnoWhite mit fesselnder Bühnenpräsenz und mächtig breit timbrierter Rocksoulstimme. Hinter riesigen Spiegeln klagen und kreischen, packend arrangiert, die Hexen der Queen über ihre Gefangenschaft („uns gehört die Nacht…durch den Spiegel führt kein Weg zurück„), welche solange anhält, wie die Queen die Schönste ist. Und so verprügeln sie in der Hexenkneipe den Jäger (John Davies) und treiben ihn an („Wohin der Weg mich führt„), Schneewittchen, von Michaela Kovarikova mit lyrisch feiner Stimme gut besetzt, zu finden und zu töten. Schneewittchen entkommt und findet bei den Hütern des Waldes, den sieben Zwergen („Wir sind die sieben Zwerge, das Schärfste der Berge, sind mächtig klein, kommen überall rein„), Unterkunft. Chefzwerg und Texter Minitou (Frank Felicetti) persifliert dabei mit grandioser Sprachfertigkeit mitreissend das skurrile Weltbild der Zwerge. Minitou  gebietet über die tanzerfahrenen Zwerge (Streetdancer aus Köln)  Bert, Pille, Palle, Ajax den Römer, Zoiing den Stummen und den stets tänzelnden Transvestit (Maurice Stocsek), deren schelmisch-witzigen Texte mit zahllos akrobatischen Rap-, Breakdance- und Tanz-Einlagen ein eigenes gelungenes Meisterwerk innerhalb des Musicals darstellen.

Theater Bonn / Premierenfeier SnoWhite / Regisseur Ottenthal (1.vl), Komponist Frank Nimsgern (2.vl), Intendant Klaus Weise mit Mikro © IOCO

Theater Bonn / Premierenfeier SnoWhite / Regisseur Ottenthal (1.vl), Komponist Frank Nimsgern (2.vl), Intendant Klaus Weise mit Mikro © IOCO

Nimsgern, Felicetti und Ottenthal schufen mit SnoWhite ein kultverdächtiges Rocksoul-Musical, welches das klassische deutsche Kindermärchen in eine musikalische Lebensreise verwandelt. Vom Aufstand jugendlicher Hexen bis hin zur Altersreife der Königin ist SnoWhite fetzig komponiert, facettenreich choreographiert und dazu augenzwinkernd erzählt. Das nicht immer jugendliche Publikum im ausverkauften Theater Bonn schrie, johlte seine Begeisterung heraus, oft wenig altersadäquat. SnoWhite wird bis zum 27. April 2013 im Theater Bonn noch 19 Mal gespielt werden. Volles Haus garantiert.  IOCO / Viktor Jarosch / 03.09.2012

 

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