KALEIDOSCOPE – Works by Willi März – Coviello Classics, CD – Rezension, 31.05.2020

Mai 31, 2020 by  
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CD Kaleidoscope - Works by Willy März - Coviello Classics © Coviello Classics

CD Kaleidoscope – Works by Willi März – Coviello Classics © Coviello Classics

KALEIDOSCOPE  – Werke für Tuba von Willi März

CD – COV92008 –  Coviello Classics

Siegfried Jung – Tuba, Johanna Jung – Harfe, Yasuko Kagen – Klavier, Nationaltheate -Orchester Mannheim, Walter Hilgers – Dirigent, Willi März – Komponist

von Albrecht Schneider

Es erfreut des passiven Musikfreundes Herz, wenn er sich nicht mit der dreiundachtzigsten und diesmal authentischsten Aufnahme von Beethovens c-moll Sinfonie zu befassen hat, Beethovengedenkjahr 2020!, sondern mit einer Sammlung bislang unbekannter Musik, die einem zwar geachteten, indessen nicht immer beachteten Mitglied der Instrumentenfamilie gewidmet ist.

CD Kaleidoscope / hier Siegfried Jung, Tuba, Yasuko Kagen, Klavier, Willi März, Komponist © Willi März

CD Kaleidoscope / hier Siegfried Jung, Tuba, Yasuko Kagen, Klavier, Willi März, Komponist © Willi März

Die Rede ist von der Tuba, exakt der Basstuba, einer bereits vom Äußeren her glänzenden, mit ihren wohlgerundeten Formen nahezu sinnlichen Erscheinung. Als Solistin aufzufallen ist ihr bloß sehr eingeschränkt möglich, eine geringe Zahl der großen (?) Komponisten hat sie mit Literatur bedacht: Ralph Vaughan Williams hat ihr ein Konzert geschrieben wie auch sein Namensvetter, der Filmmusikkomponist John Williams, und von Paul Hindemith existiert eine Sonate für Klavier und Tuba.

Deren runder sonorer und, synästhetisch gedacht, schier bronzefarbener Klang gerät auch im Forte niemals scharf oder aggressiv, Eigenschaften, über die eine Mehrzahl ihrer Kolleginnen und Kollegen aus der Holz- wie Blechbläsergruppe durchaus verfügen. Unter letzteren hat sie als ein noch junges Instrument – Geburtsjahr 1835 – die Nachfolge der ebenfalls dem Geschlecht der großen Bügelhörner angehörenden Ophi-kleide angetreten, die Berlioz für seine Symphonie fantastique verpflichtet hatte, und war hernach im spätromantischen Großorchester eines Mahler, Bruckner, Strauß, Strawinsky anzutreffen, in dem sie bis heute gleich unentbehrlich ist wie in Militär- und zivilen Blaskapellen. Auch in Jazzbands war sie zu finden, bis der Kontrabass sie weitgehend verdrängte. Im Sinfonieorchester wirkt die Basstuba in der Fraktion der „Blechbläser“ als ein grundierendes Element, bloß selten dürfte sich ihre Stimme dort heraushören lassen. Als Solistin freilich kann sie gleichermaßen sonor, ein bisschen geheimnisvoll und so balsamisch tönen, wie die Kritik bisweilen von Sängern mit tiefem schwarzen Bass zu schwärmen liebt, aber sie ist nicht minder imstande, sich mit einer Salve von Staccatonoten in den musikalischen Diskurs einzumischen. Letztlich freilich scheint das Instrument friedlichen wie sanften Charakters zu sein.

  CD Kaleidoscope – AUBADE – Tuba und Klavier
youtube Video Willi März
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Mit ihm umfassend bekannt zu werden, diese Chance bietet die vorliegenden CD, erfährt sie die gebotene Aufmerksamkeit. Belohnt werden dürften diejenigen allemal, und das leistet in erster Linie die Musik. Die hat der Komponist und Arrangeur Willi März seinem Freund, dem Tubavirtuosen – im flachen Musikreporterjargon würde es wohl „Startubist“ heißen – Siegfried Jung geradezu auf den Leib, besser: auf seine Bass-tuba geschrieben. Bereits mit dem ersten Titel, einem Divertimento, offenbaren Komponist und Instrumentalist ihre Absicht, nämlich auf hohem Niveau- und auf unterhaltsamste Weise ihre Könnerschaft dem Zuhörer vorzuführen.

Dammdadadamm, das von der Tuba hingetupfte winzige Viertonmotiv, das den ersten Satz des Divertimento für Tuba, Harfe und Orchester eröffnet, bürgt, sich verändernd und wiederholend, für dessen putzmunteren Gestus. Wie ein kecker Springinsfeld hüpft diese „Toccatina giocosa in knapp drei Minuten vorüber, indessen ihr die Harfe als Partnerin quasi auf die Sprünge hilft und das Orchester beiden allzeit den Vortritt lässt.

CD Kaleidoscope / hier vl Siegfried Jung, Tuba, Willi März - Komponist, Johanna Jung - Harfe © Willi März

CD Kaleidoscope / hier vl Siegfried Jung, Tuba, Willi März – Komponist, Johanna Jung – Harfe © Willi März

Den zweiten Satz Paesaggio durchziehen der Tuba melodische Seufzer, die im dritten ein Zwiefacher, ein betont rhythmischer bayrischer Volkstanz, fortbläst. Hier besinnt sich das Instrument auf seinen zweiten Standort, die heimische Blaskapelle, und das gilt desgleichen für die folgenden, lediglich für Tuba und Harfe gesetzte Suite Bavaroise. In der wirkt sie als Stimme und Metrum derart vital, dass man sogleich das Bild eines tanzenden Völkchens vor Augen hat. Dazwischen schiebt sich ein retardierendes Moment, eine Serenade, die Tuba und Harfe gleich ähnlich wie zwei Verliebte dazu nutzen, um mal sanft mal temperamentvoll miteinander zu unterhalten, bis sie hernach in einem Launigen Tanz neuerlich zusammenfinden.

Zunächst dürfte einem die Partnerschaft von Tuba und Harfe schon sonderlich anmuten, allein es verbindet sich, pointiert formuliert, das männliche Gedröhne des Bläsers durchaus mit den zartweiblichen Tongirlanden der Harfe und ihrer akkordischen Bestimmtheit. Die Skepsis weicht der Einsicht, zu welchem munteren Konzertieren die scheinbar kuriose Liaison fähig ist.

Tuba und Klavier vereinen sich ebenso in dem Capriccio Energico zu einem, wie es der Titel andeutet, rigoros das Blasinstrument durch seine Register jagenden und des Klaviers Dynamik fordernden Musizieren, bisweilen beruhigt von kurzen, besinnlichen, in Klangvaleurs der Tuba changierenden Phasen. Ähnliches geschieht im Mittelteil der Aubade, nachdem sie mit auftrumpfender Gebärde begonnen hat und nicht weniger emphatisch endet.

Der Tanz Agile als eingängige melodische Piece bietet dem Solisten die Chance zur Demonstration der eigenen Virtuosität und mithin der Ausdrucksmöglichkeiten und Klangfärbungen seines doch letztlich nicht unbedingt im hellsten Rampenlicht stehenden Instruments.

Aus welcher allerbesten Laune heraus Tuba und Harfe den Hörer in allerbeste Laune versetzen können, erweist sich im Siebz’ger Boarischer, einem Tanz, der zu schmissig daherkommt, um still auf seinem Stuhl hocken bleiben zu können.

Zum Kehraus verbünden sich noch einmal Tuba und Orchester zu des Komponisten Ionel Dumitru Rumänischen Tanz, den Willi März entsprechend arrangiert hat, und der als ein furioses Stück Volksmusik die Aufnahme beschließt

Indem die CD mit einem Divertimento beginnt, ist ihre Absicht exakt formuliert: eine Unterhaltungsmusik traditioneller Art, jedoch in zeitgemäßer Sprache zu schaffen, worin ein mit solistischen Aufgaben sonst wenig bedachtes Instrument gleichsam den Ton angibt. Vor allem die Harfe muss dessen Dominanz respektieren, aber sie behauptet sich bravourös, wie eben auch beider anfänglich befremdendes Zusammenspiel sehr rasch als ganz und gar gelungen empfunden wird.

Kurzum, wer immer eine Spielmusik zu schätzen weiß, die abseits allen Mainstreams und ohne Anspruch auf einen Platz  im Olymp, pulsierend, fröhlich, aber auch bisweilen eine Spur versonnen, mit den Protagonisten Tuba und Harfe wie mit Unterstützung von Klavier und Orchester annähernd eine Stunde lang offenen Ohren reines Vergnügen bereitet, ist mit dieser singulären CD vortrefflichst bedient.

—| IOCO CD-Rezension |—

El Inmortal – CD von Coviello Classics, IOCO CD-Rezension, 06.12.2019

El Inmortal - CD von Coviello Classics © Coviello Classics

El Inmortal – CD von Coviello Classics © Coviello Classics

 El Inmortal –  CD von Coviello Classics – COV92003

Eine Weltreise der Musik – Siegfried + Johanna Jung, Yasuko Kagen

von Michael Stange

Siegfried + Johanna Jung sowie Yasuko Kagen laden zu beschwingter Welt-Reise mit Tuba, Harfe und Flügel ein. Das CD-Album El Inmortal (Der Unsterbliche) ist eine Hommage an die unsterbliche Entstehung der Musik und eine mitreißende, poetische musikalische Weltreise.

Tubist Siegfried Jung hat sieben Komponisten gebeten, eigene Kompositionen unter Ver-wendung der Volksmusik ihrer Heimat zu schreiben. So sind auf dem Album El Inmortal acht Komposi-tionen aus Argentinien, Deutschland (2 x), Japan, Rumänien, Ungarn, England und den USA versammelt.

Tubist Siegfried Jungstellt sich vor
youtube Trailer Siegfried Jung
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Siegfried Jung – in Temeschburg (Rumänien) geboren – ist Mitglied des Orchesters des Nationaltheater Mannheim und als internationaler Tuba-Solist weltweit gefragt. Siegfried Jung, Johanna Jung an der Harfe und Yasuko Kagen am Flügel haben mit El Inmortal ein mitreißendes Album vorgelegt.

Beginnend mit dem Stück El Inmortal von Gerardo Gardelin aus Argentinien wird die Welt des Tangos erkundet, mit modernen Elementen verknüpft aber immer wieder zum Tango zurückgefunden. Das Werk vereint Elegie und rhythmischen Schwung. Willi März, der zweimal vertreten ist, greift in Grotesker Landler die bayrischen Tanzmelodien auf und rei-chert sie mit überraschenden Wendungen und Brüchen an.

Corazón de la fiesta (Herz des Festes) von Yojiro Minami ist ein Tanz, der mit japani-schen Klängen und mit Elementen der Weltmusik verwoben ist. Die Melodie pendelt zwischen dunklen Tönen und Jazzrythmen und auftrumpfenden Klängen. Sabin Pautzas setzt in Joc de doi din Banat (Spiel zu zweit im Banat) setzt ganz auf Tanzrhythmen. Er beginnt mit einer schwungvoll, fröhlichen Klaviereinleitung, die an einen spaßig ironischen Dorftanz erinnert und sich furios ausgelassen steigert. Andrea Csollánys Ungarische Fantasie besticht durch die Mischung von Csardas-Melodien mit hell klingenden Folklore-Elementen, die die Tuba spielerisch begleitet und schwerfällig beendet. John Friths My Bonny Lad (Mein hübscher Junge) kommt zunächst düster, drohend daher um in leicht beschwingte und zärtliche Melodien überzugehen, in denen sich Tuba und Harfe sanft umkosen, um dann in einem poetischen gemeinsamen Ausklang zu enden. Michael Schneiders American Fantasy – A Tribute to Stephen Foster- bietet freudig aufjauchzende Pastellfarben, die an Elemente von Filmmusiken und Jazzsequenzen erinnern. Der Ausklang ist Willi März gewidmet, der in Danse agile eine Mischung aus leiser Salonmusik mit feurigen Passagen kombiniert und damit gleichsam einen Schlusspunkt in der Bandbreite der Stilrichtungen aller Kompositionen setzt.

Yasuko Kagen am Flügel © Yasuko Kagen

Yasuko Kagen am Flügel © Yasuko Kagen

Nur in El Inmortal sind alle drei Instrumente gemeinsam zu hören. Die übrigen Stücke sind Duette zwischen Tuba und Klavier oder Harfe. So können die an sich dunkle Tuba und Harfe oder Klavier im Duett jeweils ihre Agilität beweisen und in Kontrasten und Harmonien und sinnlichen Klängen schwelgen.

Siegfried Jung demonstriert eindrucksvoll, dass die Tuba nicht nur ein düsteres Wagner Instrument ist sondern zu jauchenzendem, fröhlichem Ton fähig ist. Mit einer immense Farb- und Ausdruckspalette und präsentiert er eindrucksvoll die Vielfalt und Pracht seines Instru-ments. Die der Tuba gemeinhin zugeordnete dunkle Klangfarbe nimmt er als Ausgangspunk, um mit technischer Meisterschaft und mitreißender Glut eine beeindruckende Bandbreite an Tönen, Melodien und Farben zu präsentieren. Schillernde, glänzende, zarte und frohlockende Töne gesellen sich zu erdenschweren, dunklen Passagen.

Gerade wenn das Blech schwebt gelingen betörende Dialoge mit Harfe und Flügel. Maßgeblichen Anteil an diesen bestrickenden Ensembleleistungen hat die Harfenistin Johanna Jung. Ihr gelingt es, aus der Harfe einen breiten Bogen an Klangfarben hervorzuzaubern und mit ihrem intensiven gefühlvollen Spiel Klänge zu präsentieren, die die Eigenständigkeit des Instruments betonen aber im Zusammenspiel mit der Tuba einen gemeinsamen Ton zu treffen, der die Hörer in die Stücke eintauchen lässt. Die Pianistin Yasuko Kagen gelingen virtuose Momente, die in den Duetten mit der Tuba mit innigem Spiel und emphatischer Leidenschaft gepaart werden. Beeindruckend, wie ihr in Csollanys Stück die Nachbildung des Klangs des Cimballons gelingt und mit welch lichten Tönen sie hier agiert.

 Harfenistin Johanna Jung © Johanna Jung

Harfenistin Johanna Jung © Johanna Jung

Alle Kompositionen schwingen, reißen mit. Das Blech schwebt in behendem, erdigem, saftigem Ton, die Harfe jubiliert, der Flügel glänzt. So wird in jedem Stück ein prägnantes musikalisches Feuer entfacht.

Ein beglückendes, großartiges Album, in dem Komponisten und Solisten die Bandbreite ihres Könnens darstellen. Poesie, Farben, Gefühl Reichtum der Kompositionen, die Virtuosität der Ensemblemitglieder und die audiophile Qualität machen die CD zu einem Juwel. Bravo.

—| IOCO CD-Rezension |—

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