Lyon, Opéra de Lyon, Intendant Serge Dorny – Im Interview, IOCO Aktuell, 30.03.2019

März 30, 2019 by  
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Opéra de Lyon / Serge Dorny, Intendant Opéra de Lyon © Blandine Soulange

Opéra de Lyon / Serge Dorny, Intendant Opéra de Lyon © Blandine Soulange

Serge Dorny, Intendant der Opéra de Lyon

Im Gespräch mit Patrik Klein, IOCO

Am Tag einer Premiere sind Intendanten von Theatern immer unter besonderer Anspannung. Wir besuchten Serge Dorny, Intendant der Opéra de Lyon, zu Beginn eines jährlich stattfindenden Festivals mit drei großen Opernpremieren. Tschaikowskis Die Zauberin stand unmittelbar bevor, gefolgt von Purcell / Kalimas Version von Dido und Aeneas und schließlich Monteverdis Il Ritorno d´Ulisse. Das unter dem Motto Leben und Schicksale stehende Festival lockte viele Gäste und Journalisten aus aller Welt in das Haus an der Rhone/Saone. Auch IOCO – Kultur im Netz erhielt erstmalig eine Einladung nach Lyon, durfte das Haus mit den offenen Türen für die Menschen der Stadt und des Landes besichtigen, an Presseinformationsveranstaltungen, der Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Saison 2019/20 und an den beiden ersten Premieren im großen Saal der Opéra de Lyon teilnehmen.

Das folgende Gespräch mit Intendant Serge Dorny, ab der Spielzeit 2021 übernimmt dieser die Intendanz der Bayerischen Staatsoper München, krönte den Besuch in Lyon. Im halb rund gekrümmten gläsernen Dach des Hauses in der neunten Etage sind die Büros der Geschäftsleitung untergebracht. Halboffene Großraumbüros mit spektakulärem Blick in die Stadt umranden den ganz in schwarz gehaltenen Konferenz- und Begegnungsbereich. Fotos der Stadt und Plakate vergangener Produktionen fallen ins Auge. Es herrscht eine ruhige, gelassene und konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Das ebenso offene Büro des Intendanten mit kleinem Vorzimmer liegt zentral inmitten seines Leitungsteams. Ein hübsch eingerichteter mittelgroßer Raum mit vielen CDs und Büchern, Schreibtisch und kleiner Gesprächsecke. Der Blick aus den Fenstern ist atemberaubend auf das Rathaus, die Dächer der umliegenden Häuser mit den vielen Schornsteinen und dem immer belebten Vorplatz des Opernhauses, auf dem sich die junge Generation künstlerisch betätigt mit modernen Tänzen, spektakulären musikalischen und szenischen Darbietungen, vielleicht in der Hoffnung, irgendwann einmal im Haus oder seinen verschiedenen anderen Spielstätten in der Stadt professionell dabei sein zu können. Freundlich und mit einer ansteckenden Gelassenheit empfängt mich Serge Dorny. Wir machen uns bekannt, meine Frau macht ein paar Fotos und lässt uns zum Gespräch alleine.

Opéra de Lyon / Serge Dorny, links, und Patrik Klein, IOCO © Simone Schumacher

Opéra de Lyon / Serge Dorny, links, und Patrik Klein, IOCO © Simone Schumacher

Zunächst ergriff ich die Gelegenheit, IOCO – Kultur im Netz vorzustellen: IOCO ist seit mehr als 10 Jahren in der deutschsprachigen Theaterlandschaft, besonders bei Musiktheatern gut etabliert. Über dreißig IOCO Kolleginnen und Kollegen im gesamten deutschen Sprachraum, von Wien bis Hamburg, von Berlin bis Aachen und neuerdings auch in Paris, berichten über kulturelle Ereignisse; Rezensionen zu Inszenierungen, aber auch alltägliche Kulturnachrichten, Portraits von Künstlern, Interviews sind für IOCO von Interesse.

IOCO (Latein Ich spiele) ist ein patentrechtlich geschützter Name. Der Name IOCO ist aber auch Richtung für unsere Publikationen: Künstlerisches Schaffen soll grundsätzlich mit positivem Fokus, mit Respekt begegnet werden; so dürfen bei IOCO  niemals einzelne Mängel, oder so eingeschätztes, die Wertung eines ganzen Werkes überdecken.

IOCO – Kolleg/innen besitzen langjährige kulturelle Erfahrungen und große ausgeprägte Leidenschaft für Musik- und Sprechtheater. Mit unterschiedlichsten Lebensläufen behaftet, Lehrer, Jurist, Ingenieur, Chormitglieder in Theatern oder auch Sänger/nnen berichten IOCO-Korrespondenten aus kulturellen Brennpunkten im deutschsprachigen Raum. In den sozialen Medien (insbesondere Facebook) pflegt IOCO intensiven persönlichen Kontakt mit vielen Künstlerinnen und Künstlern; die contentreiche Webseite www.ioco.de zieht tausende Besucher an. IOCO schafft, bietet so als Unternehmen kulturaffinen Menschen ein einzigartiges internationales Netzwerk und aktives Betätigungsfeld. Der Kontakt von IOCO zur Opéra de Lyon / Tanja Franke, dort zuständig für  Medienkommunikation in  Deutschland, Österreich, Schweiz entstand über Facebook.

IOCO:  Herr Dorny, Sie sind nun bereits seit 2003 Intendant der Opéra de Lyon. Sie haben ein „Opernhaus in der Provinz“ zu einem europaweit aufregenden und viel beachteten Haus mit mutigen Programmen und einer besonderen Jugend- und Sozialarbeit gemacht. 2017 wurde Ihr Haus von der Zeitschrift „Opernwelt“ zum Opernhaus des Jahres gekürt. Wie ist Ihnen das gelungen? Wie muss man sich als Hamburger, der zum ersten Mal hier vor Ort ist, Ihr Konzept vorstellen?

S.D.: Das ist natürlich eine sehr umfassende Frage, die ich aus der Historie kommend versuche zu beantworten. Man muss die Gegebenheiten ab etwa 1969 bis in die 1990er Jahre betrachten, wo der Grundstein zur heutigen Situation von meinen Vorgängern gelegt wurde. Es war auch in dieser Zeit eigentlich immer ein führendes Opernhaus, in denen Menschen wie John Elliot Gardiner in seiner Anfangszeit (GMD Lyon 1983-88), Kent Nagano (GMD Lyon 1988-98), Gerard Mortier (Oper Brüssel), Jean-Pierre Brossmann (Intendant in Lyon), Peter Jonas (English National Opera), Alexander Pereira (Oper Zürich) die wesentlichen Impulse gaben, die Oper hier in Lyon und die Oper in Europa zu prägen und zu erneuern. Beispielsweise gab es hier die Aufführung der Oper L’étoile von Emmanuel Chabrier, zu Naganos Zeiten die Oper Doktor Faust von Ferruccio Busoni oder die Uraufführung von Drei Schwestern von Peter Eötvös. Ich betrachte mich als Teil dieser Geschichte und mit meiner Handschrift versuche ich Stücke aus dem Repertoire, aber auch Entdeckungen aus der Vergangenheit wie zum Beispiel die heutige Premiere von Tschaikowskis Die Zauberin als französische Erstaufführung zu positionieren. Schauen Sie hier in die kommende Saison, wo wir von Franz Schreker Irrelohe ebenso als französische Erstaufführung bringen werden. Genauso wie die Musik von heute in unserem Haus einen festen Platz hat. In jedem Jahr bestelle ich zumindest ein neues Werk als Uraufführung für die Opéra de Lyon. Dabei waren Peter Eötvös, es kommen u.a. George Benjamin mit Lessons in Love and Violence und Thierry Escaich mit der Oper Shirine. Das sind alles Werke, die uns die Möglichkeiten geben, künftig das Repertoire zu erweitern. Das war damals wie heute wichtig, auch bei Mozart und Verdi, deren Werke bestellt wurden und die das Repertoire erweiterten. Für mich ist es wichtig, dass man ständig versucht, den Opernfundus zu erweitern. Abschließend ist für die Identität des Hauses hier in Lyon die Frage von Eminenz, wie man eigentlich das Genre Oper für die heutige Zeit relevant macht und in aktuelle Debatten einbindet. Schaut man zum Beispiel auf Verdis Macbeth, so ist Shakespeares Drama auch noch heute aktuell. Man muss immer versuchen mit der heutigen Welt in Resonanz zu stehen. Das sind insgesamt die wesentlichen Gründe, warum unser Haus in der Opernwelt anerkannt ist und vor allen Dingen bei den Menschen unserer Stadt geschätzt wird. Dies wird auch damit erreicht, dass wir viele Dinge mit der Stadt gemeinsam machen mit sozialen Einrichtungen, Gefängnissen und Schulen. Wir betrachten unsere Oper als Ressource und nicht nur als eine Traumfabrik. Die Menschen kommen nicht nur zu uns, sondern wir gehen auch zu ihnen vor Ort. Wir haben es geschafft, eine Vertrauenssituation zu schaffen und die Menschen haben das Gefühl, dass sie anerkannt worden sind und dass ihnen die Oper auch ein Stück weit gehört.

Opéra de Lyon / Konferenzbereich in der Opéra de Lyon © Patrik Klein

Opéra de Lyon / Konferenzbereich in der Opéra de Lyon © Patrik Klein

IOCO: Wie haben Sie es geschafft das junge Publikum für sich zu gewinnen und damit zu dieser hohen Auslastung von über 90 % zu sorgen?

S.D.: Man kann nicht sagen, dass man das mit einer Aktion schafft, die die Lösung darstellt. Jede Stadt bietet da auch seine eigenen Möglichkeiten. Hier bei uns haben wir eine ganze Menge an Aktivitäten gemacht, die die Frage unterstrichen, wie man ein solches Haus inmitten des Zentrums von Lyon nach außen offen gestaltet und wie eine Oper an der politischen (nicht im ideologischen Sinne) Artikulation und an der Entwicklung einer Stadt mit agieren kann. Wir stellen uns immer die Fragen: Was machen wir? Für wen machen wir es? Wie machen wir es? Die Frage ist auch, wie viele Institutionen machen noch diese meist unangenehme Selbstbefragung. Das machen wir trotzdem gerne, weil es uns hilft eine Relevanz zu erhalten. Deshalb war es essentiell für den Erfolg dieses Hauses. Man muss sich immer wieder kritisch hinterfragen, ob man das richtige Konzept hat. Es ist uns gelungen, einen konstruktiven Dialog mit der Stadt aufzubauen. Wo gibt es denn noch heutzutage Orte, wo man sich treffen kann in einer Welt, die durch die neuen Medien geprägt ist? In den Kirchen? Auf der Post? Vielleicht im Parlament? Darstellende Künste lassen doch eine gemeinsame Emotion erleben von 1100 Menschen gleichzeitig. Sie schauen gemeinsam ein Kunstwerk an und werden gemeinsam reagieren.

Opéra de Lyon / In Vorbereitung auf das Gespräch mit Serge Dorny © Patrik Klein

Opéra de Lyon / In Vorbereitung auf das Gespräch mit Serge Dorny © Patrik Klein

IOCO: Für jede Produktion im Bereich Oper wird ein spezielles Ensemble zusammengestellt aus Gästen bzw. Künstlern aus aller Welt. Welche Vorteile bzw. Nachteile hat es, nicht auf ein hauseigenes Ensemble zurückgreifen zu können?

S.D.: Lyon ist im Gegensatz zu vielen anderen Häusern, die einen Repertoirebetrieb haben ein Haus mit dem sogenannten Stagione Betrieb. Ein festes Ensemble hier in Lyon wäre fast unmöglich, weil wir nur etwa 70 bis 80 Vorstellungen im Jahr haben statt rund 180 Vorstellungen eines Repertoiretheaters. Das wäre für ein Ensemblemitglied nicht besonders interessant. Wir machen 8 bis 9 Produktionen pro Jahr und damit wäre das ökonomisch auch nicht besonders sinnvoll. Das Stagione System ist nicht geeignet für ein Ensemble, wobei wir natürlich schon für eine Neuproduktion wie heute ein Ensemble verpflichtet haben mit Menschen, die hier für über 2 Monate arbeiten. Das heißt, wir können auch idiomatisch immer ein eigenes Ensemble holen. Für Die Zauberin haben wir einen fast vollständig russischen Cast zusammengestellt. Wenn wir dann einen Don Carlos spielen zum Beispiel, haben wir die Möglichkeit, ein idiomatisch optimales Ensemble aus guten Künstlern zusammenzustellen. Das hat natürlich Vor- und Nachteile und wenn wir wie jetzt ein Festival haben, dann haben wir fast eine Kombination aus Repertoire und Stagione, da wir fast täglich eine Vorstellung spielen. Dann sind wir im Kontext mit der Stadt sogar etwas Alltägliches. (Nachfrage IOCO: War das hier in Lyon auch zu Zeiten Gardiners und Nagano schon ein Stagione Betrieb?) Ja, auch schon zu deren Zeiten. Ich habe das nicht verändern wollen. So wie Brüssel, Amsterdam, Madrid, Barcelona und Turin ist Lyon ein typisches Haus mit Stagione Betrieb. Das unterscheidet uns von den meisten deutschen und österreichischen Häusern.

Opéra de Lyon / Blick auf Lyon aus dem Büro von Serge Dorny © Patrik Klein

Opéra de Lyon / Blick auf Lyon aus dem Büro von Serge Dorny © Patrik Klein

IOCO: Worauf legen Sie Wert bei der Auswahl der Künstler, Regie, Bühnenbild,  Sängerinnen und Sänger?

S.D.: Das Konzept unseres Hauses ist gekoppelt an den dramaturgischen Gedanken. Wenn wir ein Programm gestalten, entscheide ich zusammen mit unserem Generalmusikdirektor Daniele Rustioni über ein Repertoire und die damit verbundenen dramaturgischen Gedanken. Beim Festival hat das den Kernpunkt „Leben und Schicksale“. Die Künstler suchen wir dann gemeinsam gezielt nach Vorhandensein des Repertoires aus. Also wir beantworten dann die Frage, mit wem machen wir dieses Repertoire. Es kommt der dramaturgische Gedanke, mit welchem Regisseur wir das machen. Dabei ist die entscheidende Frage, welche Handschrift, Sprache und Theater dieser Regisseur hat, wie diese zu dem ausgewählten Stück passen würde und ob sein Theater auf das kommende Stück übertragbar ist. Erst danach sprechen wir mit Dirigent und Regisseur über die mögliche Besetzung. Es ist dann so etwas wie „Type-Casting“, wenn man nach der Figur des jungen Prinzen Juri in Der Zauberin sucht. Wir sind sehr froh, dass wir den 25-jährigen Migran Agadzhanyan verpflichten konnten. Es ist uns immer wichtig, ein Gleichgewicht (Equilibrium) zwischen Rolleneignung bzw. Charakter und musikalischem Können zu finden. Wir versuchen immer unsere Produktionen glaubwürdig zu gestalten. (Nachfrage IOCO: Verlassen Sie sich bei der Auswahl ausschließlich auf Ihren Casting Chef oder mischen Sie hier selbst mit?) Das Ganze ist ein Dialog, an dem ich auch teilnehme. Regie- und Dirigentenauswahl treffe ich alleine, für die Sängerinnen und Sänger gibt es gemeinsame Gespräche, in denen das entschieden wird.

IOCO: Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

S.D.: Der beginnt sehr früh und endet sehr spät (lacht).

IOCO: Wie oft besuchen Sie die Vorstellungen und Events in Ihrem Haus?

S.D.: Ich gehe nicht in jede Vorstellung, aber ich schaue mir sehr viele gerne an. Zudem bin ich in vielen Proben präsent. Die Arbeit beginnt ja nicht in der Vorstellung, sondern in den Proben. Bis zur Premiere bin ich dort sehr oft. (Nachfrage IOCO: Hören und schauen Sie sich die Proben nur an, oder mischen Sie da auch mit?) Ja, ich mische da mit. Wenn man das mit Liebe und Leidenschaft macht, dann mögen das die Mitarbeiter auch. Es hat etwas mit Vertrauen zu tun, was bei uns hier in Lyon beidseitig ist. Für mich ist das klassische Teamarbeit. Oper ist Teamarbeit. Die beginnt spätestens, wenn der Vertrag mit einem Künstler unterschrieben ist und endet mit der letzten Vorstellung. Bis dahin ist das ein Arbeitsprozess, an dem ich beteiligt bin, ja sogar beteiligt sein muss als meine Verpflichtung und meine Verantwortung.

IOCO: Sie gehen gerne Risiken ein. Wie wird sich das in der Zukunft in Lyon hör- und sichtbar darstellen? Welches Thema wird das nächste Festival haben?

S.D.: Es gibt nicht nur Risikos. Wenn ich das mache, was wir machen, gründet das auf etwas. Ich arbeite hier jetzt seit dem Jahr 2003 und das, was ich heute mache, ist nicht das Gleiche wie vor 15 Jahren. Es geht mir auch nicht um Risikos, sondern lediglich um kalkulierte Risiken. Sie als Ingenieur wissen sicher, was ich damit meine. Die Sache ist, dass man jedes Jahr eine Arbeit gemacht hat, die man weiterentwickeln kann. Es ist für mich wichtig zu versuchen, jedes Jahr weiterzukommen und daraus eine Strategie zu bilden. Dieses Jahr haben wir die fantastische Oper von Tschaikowski Die Zauberin auf dem Programm, die wie eine Ankündigung der Pique Dame daher kommt. Das ist ein typisches Beispiel.

Opéra de Lyon / Die Zauberin - hier : Die drei virtuellen Welten © Stofleth

Opéra de Lyon / Die Zauberin – hier : Die drei virtuellen Welten © Stofleth

IOCO: Sie werden der Opéra de Lyon noch bis 2021 zur Verfügung stehen. Welche Impulse wird man in der verbleibenden Zeit noch von Ihnen erwarten können? Gibt es darüber hinaus bereits Pläne für Lyon, wie sich das Haus weiter und dann ohne Sie entwickeln soll?

S.D.: Ich bin natürlich hier bis 2021 voll beschäftigt und habe noch viele Pläne für die nächste Saison, die Sie ja morgen vorgestellt bekommen. Es ist ein ambitiöses Programm gespickt mit unbekannten Werken. Ein Haus muss heutzutage mehr als in der Vergangenheit ein ambitiöses Programm haben. Ich hoffe sehr, dass diese Ambitionen für das Haus in der Zukunft auch nach meiner Zeit nicht verloren gehen. Kunst ist immer interessant, wenn ein Element des Risikos enthalten ist. Kunst darf nichts Ordinäres sein. Das ist meine Hoffnung auch für nach 2021. Die Stadt Lyon und der Staat müssen sich da Gedanken machen wie es weitergehen soll. Ich sage das oft zum Herrn Bürgermeister und zum Herrn Minister, dass man für das Haus weitere Ambitionen aufstellen muss.

IOCO: Was machen Sie privat am liebsten als Ausgleich zu Ihren vielseitigen beruflichen Aktivitäten?

S.D.: Mein Hobby ist mein Beruf. Das ist das, was mich zum glücklichen Menschen macht. Ich darf machen, was ich liebe.

IOCO: Vielen Dank Herr Dorny für das Gespräch

—| IOCO Interview Opéra de Lyon |—

Lyon, Opéra de Lyon – Ein hinreißendes Opernhaus, IOCO Aktuell, 27.11.2018

November 27, 2018 by  
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Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon

 Opéra de Lyon  –  Intendant Serge Dorny

– IOCO stellt hinreißende Operhäuser vor –

Von Patrik Klein

Wer im Sommer 2018 auf seiner Reise durch Frankreich in Lyon verblieb und vor der wegen Theaterferien geschlossenen Opéra de Lyon stand, bekam schon einen ersten Eindruck von der besonderen Atmosphäre rund um dieses Operhaus. Direkt gegenüber dem Rathaus liegt das auffällige Gebäude aus verschiedenen Baustilen und Epochen. Unweit davon die Börse, viele kleine schmale Gassen mit Restaurants, die zum Einkehren geradezu übermächtig auffordern; junge Menschen tummeln sich auf den Betonflächen und viel Betrieb herrscht in dem Cafe direkt im Eingangsbereich der Oper. Da ich schon viel von der Oper gehört habe, formt sich die Idee, bald – im Theaterbetrieb – die Opéra de Lyon erneut zu besuchen, mindestens aber für ein ganzes Wochenende.

Wenn einige Wochen später IOCO von der Opéra de Lyon die offizielle Einladung erhält, Haus und Produktionen zu besuchen und Interviews zu führen, dann können frühere Gedankenspiele kein Zufall, dann muß Fügung „im Spiel gewesen sein“.

Opéra de Lyon hier der spektakuläre Zuschauerraum © Stofleth

Opéra de Lyon hier der spektakuläre Zuschauerraum © Stofleth

Diesen als Glücksfall zu bezeichnenden Umstand wird IOCO im März des kommenden Jahres tatsächlich nutzen, um über zwei Produktionen zu berichten, die im Rahmen des dort jährlich stattfindenden Festivals, 2019 unter dem Motto Leben und Schicksale, zur Aufführung gelangen. IOCO wird dabei sein, wenn Tschaikowskys Werk Die Zauberin und Purcells kurze Oper Dido und Aeneas angereichert mit dem Finale Remember me des finnischen Jazzgitarristen Kalle Kalima als Premieren aufgeführt werden.

Ferner gibt der Besuch IOCO die Gelegenheit, das spektakuläre Gebäude im Detail kennen zu lernen und im Interview mit dem seit 2003 agierenden Intendanten Serge Dorny zu erfahren, wie er es schaffte, die Opéra de Lyon in die „erste Reihe“ der Opernhäuser der Welt zu katapultieren.

Opéra de Lyon – Lage, Geschichte, Status

Die Opéra National de Lyon ist ein gemeinnütziger Verein mit dem Ziel, die Musik und den Tanz in Lyon sowie der Region Rhône-Alpes zu fördern. Das Opernhaus befindet sich am Place de la Comédie im 1. Arrondissement der Stadt, direkt gegenüber dem Rathaus.

Die Opéra National de Lyon wurde 1983 gegründet und genießt seit 1996 den Status einer Opéra national.Intendant ist seit 2003 Serge Dorny, *1962 in Wevelgem, Belgien. Das universelle der Opéra de Lyon besteht auch darin, dass es, dem Stagione-Betrieb ähnlich, ohne eigenes Ensemble aber mit eigenem Chor, Orchester und Ballett ein sehr breites Programm von Ballett über Untergrund-Musik, Familiengrogramme (siehe den folgenden herrlichen youtube Video der Opéra de Lyon) bis hin zu klassischen wie modernen Opernproduktionen bietet.

 Opéra de Lyon –  Inmitten der Familie
Youtube Trailer der Opéra de Lyon
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Das erste Opernhaus in Lyon wurde von dem Architekten Jacques-Germain Soufflot erbaut und 1756 eingeweiht. Aufgrund seines schlechten Zustandes wurde es jedoch bereits 1826 abgerissen, um dem Théâtre Chenavard, einem neoklassizistischen Neubau der Architekten Antoine-Marie Chenavard und Jean-Marie Pollet, Platz zu machen. 1989 wurde ein kompletter Umbau der Oper unter Leitung von Jean Nouvel durchgeführt. Vom ursprünglichen Gebäude ist die Ursprungsfassade verblieben; der Innenraum sowie eine sehr markante, in Stahl und Glas ausgeführte Dachkonstruktion wurden völlig neu gestaltet. Das Opernhaus wird seit dieser Neugestaltung in Anlehnung an den Namen des Architekten auch als Opéra Nouvel bezeichnet.

Opéra de Lyon / Grand Studio du Ballet © Stofleth

Opéra de Lyon / Grand Studio du Ballet © Stofleth

In der Oper befindet sich der 1100 Plätze fassende Große Saal sowie räumlich darunter ein kleines Amphitheater mit Platz für 200 Zuschauer. Um störende Vibrationen und andere Umwelteinflüsse bestmöglich vom Zuschauerraum zu isolieren, wurde der Große Saal im inneren des Opernhauses mit Hilfe von sechs gewaltigen Stahlträgern von jeweils 23 Tonnen Eigengewicht an 46 Meter hohen Pfeilern aus Beton aufgehängt.

 Opéra de Lyon – Der Spielpan 2018/19 wird vorgestellt
Youtube Trailer der Opéra de Lyon
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Bemerkenswert ist der Wandel der Opéra de Lyon, die durch den seit 2003 antierenden Intendanten Serge Dorny, durch mutiges Management und dem Motto „Qualität mit und ohne Stars“ von einem provinziellen Theater zu einem der angesagtesten Häuser Europas mutierte. Klar, dass die Opernwelt einen solchen Erfolgsmenschen schnell für sich einnehmen wollte. So wurde Serge Dorny 2013 für fünf Jahre zum neuen Intendanten der Semperoper in Dresden gekürt. Doch aus dem für den 1.9.2014 geplanten Amtsantritt wurde nichts: Die damalige Kunstministerin Sachsens, Sabine von Schorlemer, sprach im April 2014, mit höchst fragwürdiger Begründung, eine seinerzeit auch von Christian Thielemann aktiv unterstützte fristlose Kündigung des Vertrages mit Serge Dorny aus. Diese fristlose Kündigung kassierten jedoch die zuständigen Gerichte in Dresden. Der Vertrag wurde trotzdem im August 2014 gegen Zahlung einer bedeutenden Abfindung aufgehoben. Serge Dorny kehrte – vermutlich nicht unfroh – zurück an seine Wirkungsstätte an der Opéra National de Lyon.

Der gebürtige Belgier Serge Dorny studierte in Gent Architektur, Kunstgeschichte, Archäologie, Komposition und Musikanalyse. Seine Theatertätigkeit begann er 1983 als Dramaturg an der Brüsseler Oper La Monnaie im Team von Gerard Mortier. 1987 wurde er künstlerischer Leiter des Flandern-Festivals. 1996 wechselte er als Generaldirektor und künstlerischer Leiter zum London Philharmonic Orchestra.

Am 12. März 2018 gab der damalige Bayerische Bildungs- und Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle bekannt, dass ab 2021 Serge Dorny neuer Intendant und Vladimir Jurowski  künftiger Generalmusikdirektor am größten deutschen Opernhaus, der Bayerischen Staatsoper werden. In der entsprechenden Pressemitteilung heißt es:

Serge Dorny _ Intendant der Opéra de Lyon © Blandine Soulage

Serge Dorny _ Intendant der Opéra de Lyon © Blandine Soulage

„Gerade haben wir im Bayerischen Kabinett wichtige Weichen für die Zukunft der Bayerischen Staatsoper, für eines der renommiertesten Opernhäuser der Welt, gestellt: Serge Dorny und Vladimir Jurowski werden ab der Spielzeit 2021/22 als neuer Intendant und neuer Generalmusikdirektor den Erfolgskurs der Bayerischen Staatsoper fortsetzen“, so der damalige Kunstminister Bayerns Dr. Ludwig Spaenle am 6. März 2018 nach einer Sitzung des Ministerrats. „Ich freue mich sehr, dass wir diese beiden vielbeachteten Künstler für München gewinnen konnten und dass das Bayerische Kabinett in beiden Personalien meinem Vorschlag zugestimmt hat. Für ihr künftiges Wirken als Intendant und Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper wünsche ich Herrn Dorny und Herrn Jurowski schon jetzt alles Gute“, so Minister Spaenle.

Es darf mit Spannung erwartet werden, was in der verbleibenden Zeit bis zum Amtsantritt in München in Lyon geschehen wird, und wie ein Meister der Organisation eines „Stagione-Spielbetriebs“ ein riesiges Haus in der deutschen Theaterlandschaft als „Repertoirestätte“ um- bzw. neugestalten wird. IOCO ist dabei und wird zeitnah berichten.

—| IOCO Kritik Opéra de Lyon |—

Wien, Wiener Staatsoper, Seiteneinsteiger Rošcic folgt 2020 Meyer, IOCO Aktuell, 26.12.2016

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 Wiener Staatsoper:  Neue mediale Ausrichtung gesucht

 Bogdan Rošcic löst Dominique Meyer 2020 ab

Österreichs Kunst- und Kulturminister Thomas Drozda stellte am 21.12.2016 in einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt Bogdan Rošcic als neuen Operndirektor der Staatsoper Wien für die Periode 2020 bis 2025 vor.  Ein Paukenschlag, welcher Fragen aufwirft.

Wiener Staatsoper / Neuer Staatsoperndirektor Bogdan Roscic © Regina Aigner/BKA

Wiener Staatsoper / Neuer Staatsoperndirektor Bogdan Roscic © Regina Aigner/BKA

Die Postion war öffentlich ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist lief am 9.12.2016 ab: 18 Bewerber, darunter 4 Frauen  hatten zuvor Zukunftskonzepte zur Leitung der Wiener Staatsoper eingereicht. Die Entscheidung gegen erfolgreiche Opernintendanten ist richtunggebender Paukenschlag: Dominique Meyer wäre gerne in Wien geblieben, die Auslastung der Staatsoper von 99% war eine herausragende Empfehlung; andere etablierte Opernmanager, Nikolaus Bachler aus München, Elisabeth Sobotka aus Bregenz, Peter de Caluwe aus Brüssel, Serge Dorny aus Lyon, Andreas Homoki aus Zürich, selbst Alexander Perreira aus Mailand passten offenbar nicht in das Zukunftskonzept, welches Minister Drozda für die Staatsoper suchte. Die seit Jahren von Dominique Meyer erreichte, beständig hohe Auslastung des Hauses von 98%, wird Richtschnur sein, an welcher Bogdan Roscic und Kulturminister Thomas Drozda gemessen werden.

Drozda suchte bei dem zukünftigen Operndirektor mehr als erfolgreiche Opernroutine. Die derzeit dramatisch schwache Auslastung der Metropolitan Opera in New York waren für ihn treibendes Menetekel. Wege und Erfahrungen moderner Kulturvermarktung entschieden für  Bogdan Rošcic, einen Seiteneinsteiger, ohne jede Erfahrung an oder in Theatern. Drozda erklärt die Entscheidung für Rošcic: „Als Top-Manager für klassische Musik bringt er internationale Kompetenz und Führungserfahrung mit. Dieser Generationswechsel vereint eine Kombination aus künstlerischem Anspruch, Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit“.

Wiener Staatsoper / Heutiger Staatsoperndirektor Dominique Meyer © IOCO

Wiener Staatsoper / Heutiger Staatsoperndirektor Dominique Meyer © IOCO

 „Für mich ist diese Ernennung die persönlich wichtigste Entscheidung meines beruflichen Lebens“, zeigte sich Rošcic sehr dankbar – er werde seine Verantwortung mit Liebe und Leidenschaft wahrnehmen: „2022 jährt sich der Amtsantritt Gustav Mahlers als Operndirektor zum 125. Mal. Die Staatsoper wird ihren bedeutendsten Direktor gebührend feiern, indem sie sich Inspiration holt aus den Grundsätzen, die er in das Haus getragen hat: unbedingter Kunst- und Gestaltungswille, höchster inhaltlicher Ehrgeiz in allem, Unterordnung aller Aspekte des Betriebs unter die Ansprüche höchster Qualität.“

Der 1964 in Belgrad geborene Bogdan Rošcic war nach seinem Studium der Philosophie und Musikwissenschaft bei österreichischen Tageszeitungen tätig. 1993 begann er bei Ö3, 2002 wurde er Managing Director von Universal Music Austria. Weitere Laufbahnstationen: 2003 Künstlerischer Leiter des Universal-Labels Deutsche Grammophon, 2006 Managing Director des Universal-Unternehmens Decca Music Group, seit 2009 Präsident von Sony Masterworks in New York, verantwortlich für den Aufbau der Klassik-Sparte. Als Manager eines großen Theaters hat Bogdan Rošcic bisher keine Erfahrung, sich nicht bewährt. Ab 2020 fängt er somit als Seitensteiger an; groß, als Operndirektor der Wiener Staatsoper, dem international führenden Flaggschiff der Musiktheater.

2020 endet die Amtszeit von Dominique Meyer. Meyer hat dann, als Nachfolger des legendären Sanierers und Gestalters Ioan Holender, die Wiener Staatsoper 10 Jahre geleitet: Sympathisch leise, erfolgreich, mit Würde und Nähe zu Künstlern und Mitarbeitern.  IOCOPMBKA

Dresden, Semperoper, Gefangen im Führungschaos, IOCO Aktuell, 08.04.2014

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Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper Dresden

Führungschaos: Semperoper ohne Intendant und GMD 

Serge Dorny vor Amtsantritt gefeuert

Die Semperoper wird für lange Zeit ohne Intendant auskommen müssen. Auf einen Generalmusikdirektor hatte die Semperoper bereits 2012 willentlich verzichtet: Man ist mit einem Chefdirigenten zufrieden; der heißt Christian Thielemann.  Was ist passiert:
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Der für den 1.9.2014 geplante Amtsantritt des designierten neuen Intendanten Serge Dorny findet nicht statt. Dorny sollte die im Sommer 2012 verstorbene Intendantin Ulrike Hessler ersetzen. Der im Herbst 2013 unterschriebene Vertrag hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Nun wurde Dorny, vor Amtsantritt, fristlos gekündigt. Die verantwortliche Kunstministerin von Sachsen, Sabine von Schorlemer, begründete die Kündigung in harten Worten damit, dass „Serge Dorny entgegen seinen Zusagen in den vergangenen Monaten leider kein Klima des gedeihlichen und vertrauensvollen Miteinanders mit den Mitarbeitern etablieren konnte…Vorhandenes und entgegengebrachtes Vertrauen von allen Beteiligten hat er in kürzester Zeit verspielt…nicht bereit war, sich auf die Bedingungen eines großen Repertoiretheaters einzulassen….unangemessene Kommunikation“.
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 Schorlemer, links, und Christian Thielemann in Semperoper © IOCO

Schorlemer, links, und Christian Thielemann in Semperoper © IOCO

Gemeinsam mit von Schorlemer („Dorny habe sich menschlich höchst unanständig verhalten“) stimmten auch Wolfgang Rothe, kaufmännischer Direktor, und Christian Thielemann,  Chefdirigent der Semperoper, in eine lautstarke Verurteilung Dornys ein und unterstützten männlich-markig den sofortigen Rausschmiss. Thieleman: „dass er auch meinem Orchester an den Kragen gehe“. Dorny erfuhr von seiner Entlassung übrigens erstmals am 21.2.2014 12.01 Uhr durch die öffentliche Pressemitteilung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, dem Ministerium, welches in seiner Meldung Dorny auch unangemessene Kommunikation vorhält.
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Ob die vorgetragenen Gründe den strengen Anforderungen an eine wirksame fristlose Kündigung standhalten, bleibt abzuwarten. Mit dieser Kündigung ging die Semperoper ein Finanzrisiko von weit über einer Million Euro ein. Ein Risiko, für welches am Ende der Steuerzahler herhalten muss. Die dilettantisch wirkende Entlassung Dornys wirft zwangsläufig auch Fragen nach Qualifikationen und Zuständigkeit der für die Semperoper handelnden Personen auf. Zu vermuten steht, daß der an der Semperoper künstlerisch zentrale, aber, da nur Chefdirigent, juristisch unsichtbare Christian Thielemann zur fristlosen Entlassung eines kommenden Intendanten eheblich beigetragen hat.
Dresden, Semperoper im Winter © IOCO

Dresden, Semperoper im Winter © IOCO

Rückblende: Im Herbst 2009 unterschrieb Christian Thielemann in Dresden einen ab 2012 wirksamen Dienstvertrag mit der Semperoper. Der damalige Generalmusikdirektor der Semperoper, Fabio Luisi, kündigte kurz darauf, im Januar 2010, seinen bis Ende 2011 laufenden Vertrag fristlos. Vermuteter Grund: Thielemann habe seinen damaligen Chef GMD Luisi für das Semperoper ZDF – Sylvesterkonzert 2010 wenig kollegial herausgekegelt. Luisi reagierte seinerzeit ebenso drastisch wie nun die Semperoper mit Dorny verfährt. Er weigerte sich, an den Arbeitsplatz nach Dresden zurück zu kehren. Am 10.2.2010 wurde Thielemann als neuer Chefdirigent vorgestellt: Vertrag von 2012 bis 2019. Die Beschränkung der Funktion Thielemanns auf die Funktion des Chefdirigenten wurden ausdrücklich betont, damit sich Thielemannauf die künstlerischen Aspekte seiner Tätigkeit konzentrieren könne“.
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Vor dem Streit mit Fabio Luisi scheiterte Christian Thielemann bei den Münchner Philharmonikern: Nicht als Dirigent oder Künstler; in dieser Funktion war er hoch geschätzt. Als Organisator besaß Thielemann keine Akzeptanz. Der Münchner Stadtrat hatte mit schallenden  79 : 1 gegen die Verlängerung des 2011 in München auslaufenden Vertrag mit Christian Thielemann gestimmt.
Ministerin von Schorlemer,li, Christian Thielemann bei seiner Bestellung © IOCO

Ministerin von Schorlemer,li, Christian Thielemann bei seiner Bestellung © IOCO

Grund des eindeutigen Wahlausgangs waren Thielemanns überzogene Forderungen primär im organisatorischen Bereich. Selbst das Orchester, die Münchner Philharmoniker, stützte die Entscheidung des Stadtrats, bei allem Bedauern über die künstlerischen Folgen. Die Philharmoniker klagten seinerzeit öffentlich, dass „neben der einzigartigen künstlerischen Qualität in der musikalischen Arbeit (NB: der Arbeit von Thielemann)…. gab es im administrativen Miteinander von GMD, Intendant und Orchester zunehmend Konflikte“, welche „letztlich den Wunsch des Orchesters nährten, Kompetenzen anders zu gestalten (NB: anders, als von Thielemann gewünscht)“. Unpraktikable administrative Ansprüche besiegelten Thielemanns Aus in München.
Das Aus von Serge Dorny an der Semperoper besitzt im Umfeld von Chefdirigent Thielemann einen Hauch von Routine und bestätigt den Entscheid von Münchner Stadtrat und Münchner Philharmoniker aus 2009: „Kunst den Künstlern aber Organisation den Managern„. IOCO / Viktor Jarosch
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